Der Kapitalismus Ein System das funktioniert von Paul C Martin

 

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Description

Paul C. Martin beschreibt den Kapitalismus als das, was er wirklich ist. Der Kapitalismus ist ein Kettenbrief, der immerwährender Verschuldung bedarf und scheitern muss, sobald die Neuschuldner ausbleiben.

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auszüge aus paul c martin der kapitalismus-ein system das funktioniert erschienen 1990 ullstein verlag gmbh inhaltsverzeichnis das loch in der mitte 2 karl marx war sehr nahe dran 3 der kettenbrief 5 definitionen 6 kapitalismus debitismus 7 sozialismus 7 kapital 7 eigentum 8 wert und preis 8 mehrwert 9 freier markt und freie preise 9 risiko und gewinn 10 das gleichgewicht und der staat 10 nachfrage kauf tausch 12 [urschuld 13 die arbeitslosigkeit 13 der mythos vom »tauschmittel« 16 zins und zinshöhe ein gläubigerproblem 19 don perignon oder dosenbier 23 die inflation 27 von der inflation zur disinfiation 29 grand gala 30 der große irrtum von truhen schätzen 32 von der »unsichtbaren hand« der schönen fee »katallaxie« und andere kindergeschichten 39 milton mouse tauscht sein jutesäckchen 42 deflation j-kurve china-syndrom und kollaps 45 wenn der meister olson spricht überhört ihn bitte bitte nicht 49 die deflationäre spirale 54 ein crash-versuch der city 55 epilog 58 anmerkungen/ergänzungen 59 1/59

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das loch in der mitte jede zweite nachricht die wir heute hören hat etwas mit wirtschaft zutun und das schlimmste dabei zu jeder nachricht gibt es meistens zwei meinungen nachricht der Ölpreis fällt erste meinung das ist wunderbar wir können das geld das wir bei Öl und benzin sparen jetzt für andere sachen ausgeben diese zusätzlichen ausgaben kurbeln die wirtschaft an ein riesiger konjunkturaufschwung steht uns bevor zweite meinung das ist ganz schlecht denn die Ölstaaten die nun weniger geld haben können weniger bei uns einkaufen unsere exporte brechen zusammen wir starten in eine schwere krise außerdem werden Ölstaaten wie mexiko die große auslandsschulden haben endgültig pleite sein und wer pleite ist kann nichts mehr kaufen nachricht die löhne steigen erste meinung das ist schlecht je höher die lohnkosten um so höher die kosten insgesamt das verschlechtert unsere stellung auf dem weltmarkt wir werden absatz verlieren zweite meinung das ist prima je mehr lohn und gehalt die arbeitnehmer auf dem konto haben um so mehr können sie jetzt ausgeben also bessert sich dadurch die lage der unternehmen sie werden absatz gewinnen nachricht der staat macht defizit erste meinung das ist fein denn jetzt kommt zusätzliches geld in die wirtschaft kurbelt an wird endlich dafür sorgen daß die arbeitslosen von der straße kommen wir danken dem staat für diese weitsichtige politik zweite meinung das ist gar nicht gut der staat muß sich das geld das er für seine ausgabenprogramme braucht auf dem kapitalmarkt besorgen dieses zusätzliche schuldenmachen treibt die zinsen hoch bei hohen zinsen werden die unternehmer weniger investieren weil das geld zu teuer ist weniger investitionen bedeutet aber weniger arbeitsplätze wir verfluchen die öffentliche hand wegen ihrer kurzsichtigen verschwendungssucht hinter jeder meinung steckt eine theorie und da es so viele theorien über wirtschaft gibt wie man sich nur wünschen kann ist nichts leichter als für jeden tatbestand sowohl ein »prima« als auch ein »großer mist« zu konstruieren es gibt keine wirtschaftliche bewegung und erst recht keine wirtschaftspolitische maßnahme die ein erfahrener Ökonom nicht in die eine oder die andere richtung interpretieren kann Über die wirtschaftstheorie die heute an tausenden von universitäten und instituten gelehrt wird kann man mit dem großen französischen politiker georges clemenceau seufzen 2/59

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»alles ist richtig nichts ist richtig das ist der weisheit letzter schluß.« auf den nächsten seiten wird das »loch in der mitte« aufgefüllt wir werden eine theorie der wirtschaft entwickeln die endlich stimmt die deshalb auch mit den bisher gelehrten wirtschafts-theorien in einigen punkten übereinstimmt was an den alten theorien nicht stimmt wo sie also ihr loch haben soll auch gezeigt werden es ist gar nicht so schwer vorausgesetzt man hat das loch erst einmal gefunden karl marx war sehr nahe dran kein mensch hat sich verbissener mit der wirtschaft beschäftigt als karl marx und beinahe ist es ihm auch gelungen sie zu enträtseln um endlich das »loch« zu finden um es aufzufüllen müssen wir dort einsetzen wo marx gescheitert ist dazu nehmen wir den zweiten band des marxschen hauptwerks zur hand er trägt den titel »das kapital kritik der politischen Ökonomie zweiter band ii buch der cirkulationsprozess des kapitals« das wort »cirkulation« ist die entscheidende spur die uns weiterführen wird im ersten band des »kapitals« das sei kurz in erinnerung gerufen hat marx umständlich zu beweisen versucht daß die kapitalisten die arbeiter »ausbeuten« weil sie ihnen weniger geld als lohn zahlen als ihnen »eigentlich« zusteht die differenz zwischen dem was die arbeiter »in wirklichkeit« an »wert« schaffen und dem was sie dann auf der hand behalten dürfen nennt marx den »mehrwert« den behält und verwendet der kapitalist für sich die marxsche mehrwert-theorie ist schon im ansatz falsch weil ein apfel mit einer birne verglichen wird ein »wert« mit einem »preis« auch der »lohn« ist ein preis eben der für eine ganz bestimmte arbeitskraft zu einer ganz bestimmten arbeitszeit die behauptung etwas sei schließlich »mehr wert« als es »gekostet« habe wird nicht dadurch richtig daß man sie mit anklagend erhobenem zeigefinger ausspricht dem arbeiter ergeht es bei marx wie einem künstler der auch immer unwidersprochen behaupten kann seine kunst hätte die »ihr gebührende anerkennung« noch nicht »gefunden« Über solche dinge kann man herrlich streiten weil sich in »wert«-fragen niemals etwas gültiges aussagen lässt es ist aber auch völlig belanglos ob die marxsche mehrwerttheorie »richtig« ist oder »falsch« entscheidend sind vielmehr jene dinge die sich rechnen lassen daran hat sich marx selbst versucht und daran ist er gescheitert im zweiten band des »kapitals« den engels als einen haufen ungeordneter manuskriptseiten vorfand die zum teil mitten im satz abbrachen geht es um die frage wie man denn den »mehrwert« konkreter fassen könne wenn der »mehrwert« existiert müßte er ja schließlich irgendwo erscheinen sich in mark und pfennig fassen lassen die »ausbeutung« gibt logischerweise nur dann einen sinn wenn der ausbeuter kapitalist das was er aus dem ausgebeuteten arbeiter herausquetscht letztlich in irgendeiner kasse klingeln hört der mehrwert wäre ja dann am höchsten wenn die arbeiter überhaupt keinen lohn erhielten denn weniger als nichts kann auch der schrecklichste ausbeuter nicht bezahlen dann würden 3/59

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die armsten von morgens bis abends in den fabrikhallen stehen und unmengen von irgendwelchen produkten erzeugen schornsteinfegerkugeln zum beispiel der kapitalist hätte wunderschön polierte sehr »wert«volle schornsteinfegerkugeln überall herumliegen doch das ist kein mehrwert das problem und das erkennt der kluge marx sehr scharf ist nicht der mehrwert sondern es ist die »realisierung des mehrwerts« »die frage ist also nicht wo kommt der mehrwert her sondern wo kommt das geld her um ihn zu versilbern?« seite 318 es muß »geld« zirkulieren damit der kapitalist schließlich auch etwas hat von der ausbeuterei nämlich geld aber dieses geld ist nicht von vorneherein in der wirtschaft »vorhanden« es wächst auch nicht auf irgendwelchen geheimnisvollen bäumen in verschwiegenen hainen sondern es gibt nur eine klasse die geld hat die also das geld auch in die »cirkulation« abgeben kann die kapitalisten sind es selbst karl marx merkt wie er ins schleudern kommt er braucht seine kapitalisten nicht nur damit sie die armen arbeiter ausbeuten sondern auch damit sie geld in die »cirkulation« tun das gleiche geld das sie anschließend bei der realisierung des mehrwerts wieder herausnehmen wollen »das in der form von geldkapital vorgeschossene cirkulierende kapital von 500 £ sei das cirkulierende gesamtkapital der gesellschaft d h der kapitalistenklasse der mehrwert sei 100 £ wie kann nun die ganze kapitalistenklasse beständig 600£ aus der cirkulation herausziehen wenn sie beständig nur 500 £ hinein-wirft der zuschüssige mehrwert von 100£ ist in warenform in die cirkulation geworfen darüber besteht kein zweifel aber durch dieselbe operation ist nicht das zuschüssige geld für die cirkulation dieses zuschüssigen warenwerts gegeben.« seite 319 trotz der alten sprache »zuschüssig« heißt soviel wie »zusätzlich« erkennt man gleich damit ist der meister fertig karl marx hatte bei seiner betrachtung eine weitere voraussetzung eingebaut die dem kapitalisten einen noch viel größeren vorteil zuschanzt als nur den das kapital zu besitzen und also die arbeiter ausbeuten zu können die ihrerseits ganz arm sind die kapitalisten besitzen im marxschen modell außer allem kapital noch alles bargeld mit dem kapital allein könnte nämlich überhaupt kein kapitalismus starten dazu muß auch noch bargeld in höhe der »cirkulationsmittel« vorhanden sein und zwar in den händen der kapitalisten die ja sonst nichts hätten womit sie löhne bezahlen d h die ausbeutung beginnen könnten die kapitalisten sind in wahrheit also noch viel viel reicher als marx zum ausdruck bringt er wirft den kapitalisten nämlich nur vor kapital zu besitzen also fabriken und maschinen mit deren hilfe sie die arbeiter ausbeuten können von den ungeheuren sonstigen reichtümern und zwar in form von bargeld spricht er nicht das aber ist der alles entscheidende punkt den er übersehen hat das bargeld ist das loch in seiner theorie 4/59

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der kettenbrief karl marx hat uns fürwahr geholfen das rätsel »kapitalismus« ist endlich gelöst wenn wir noch einmal seine entscheidenden sätze auf der zunge zergehen lassen »wie kann nun die ganze kapitalistenklasse beständig 600 £ aus der cirkulation herausziehen wenn sie beständig nur 500 £ hineinwirft?« die antwort lautet ein für allemal sie kann es nicht es sei denn die kapitalistenklasse oder jemand anderes wirft die fehlenden 100 £ hinein und wenn er sie nicht hat dann muß er sie sich leihen und wenn er sie sich leiht dann muß er dafür zinsen zahlen und da das geld für diese zinsen auch nicht in die zirkulation geworfen wurde muß sich wieder jemand finden der sich geld in höhe der zinsen leiht und immer weiter und immer fort dem kapitalismus fehlt immer geld weil der kapitalist immer gierig ist also immer mehr haben will als er zu zahlen bereit ist was übrigens nicht nur für kapitalisten sondern ganz einfach für alle menschen gilt der kapitalist will nicht nur seine kosten wiedersehen die ausgaben für das kapital die fabriken maschinen und so sondern er will auch gewinn sehen den aber muß irgend jemand finanzieren und wo finanziert wird entstehen zinsen die aber auch nirgendwo »im umlauf« sind die also auch wieder jemand finanzieren muß so aber ist es an allen ecken und enden alles im kapitalismus ist irgendwie und irgendwo »vorfinanziert« es gibt keinen »bestand« kein »kapital« kein »geld« das ein für allemal so bliebe wie es ist alles im kapitalismus läuft ab in der zeit vorfinanzierung in der zeit aber bedeutet daß zinsen entstehen unablässig tag und nacht diese zinsen sind aber niemals vorfinanziert das »geld« dazu ist nirgendwo vorhanden sie können also nur bezahlt werden wenn sich jemand findet der in höhe dieser zinsen schulden macht denn damit hat er das »geld« das dem kapitalismus fehlt der kapitalismus ist in wahrheit gar nichts was mit »kapital« zu tun hat und wenn dann nur ganz am rande wie wir noch sehen werden der kapitalismus ist ein wirtschaftssystem das aus einer riesigen anzahl von gläubigern und schuldnern besteht da diese gläubiger/schuldner-beziehungen über die zeit laufen fordern sie zins diese zinsen sind nirgendwo vorhanden karl marx hat uns den weg gezeigt ohne ihn selbst zu gehen damit die zinsen nicht unbezahlt bleiben muß sich jemand finden der den früheren schuldnern hilft aus ihren zinsverpflichtungen zu schlüpfen das kann nur geschehen indem der spätere schuldner seinerseits schulden macht der kapitalismus kann nur existieren wenn spätere schuldner früheren schuldnern 5/59

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helfen das tun sie indem sie selber schulden machen die immer so hoch sein müssen daß die zinsverpflichtungen aus den früheren schulden bedient werden können der kapitalismus ist also nichts anderes als ein kettenbrief-system beim kettenbrief darf die kette nie reißen sonst ist es aus beim kapitalismus ist es genauso fehlen die späteren schuldner die den früheren helfen kommt es zur krise wir werden darüber noch viel hören im kapitalismus müssen immer neue schulden gemacht werden um die alten schulden bedienbar zu halten der kapitalismus ist in wahrheit eben kein »kapitalismus« sondern ein kettenbrief-system es muß immer weitergehen mit der schuldenmacherei je mehr vorfinanziert wurde desto höher sind die vorfinanzierungskosten desto mehr an zusätzlichem schuldenmachen kommt auf die nächsten glieder der kette zu wehe wenn die kette reißt der kapitalismus ist ein kettenbrief-system er lebt vom schneeball-effekt er existiert nur solange sich immer wieder neue schuldner finden die den alten bei der bedienung ihrer schulden helfen indem sie sich entsprechend neu verschulden die schulden stehen im zentrum das ist das loch das alle ökonomischen theorien hatten das ist das loch das jetzt gefüllt ist die schulden treiben den kapitalismus vorwärts sie geben ihm seine unnachahmliche dynamik der kapitalismus leitet seinen namen ab von »kapital« lateinisch »caput« das »haupt« das in den frühkapitalistischen rechenbüchern des 15 und 16 jahrhunderts mit »hauptgut« übersetzt wird wie wir gleich sehen werden auf das »hauptgut« kommt es aber überhaupt nicht an seine existenz allein erklärt gar nichts zum hauptgut müssen schulden treten schulden die der kapitalist machen kann weil er schon ein hauptgut hat oder schulden die er macht indem er ein hauptgut auf die beine stellt das wort »kapitalismus« ist ein etikettenschwindel die »kapitalistische« dynamik der ungeheure schwung der freien wirtschaft kommt vom permanenten schuldendruck die schuld heißt lateinisch »debitum« das »geschuldete« wenn wir also den kapitalismus endlich enträtselt haben muß das kind auch einen neuen namen kriegen seinen richtigen wir nennen den kapitalismus daher debitismus definitionen der kapitalismus ist enträtselt wir müssen jetzt lernen mit der lösung des rätsels umzugehen unser denken ist noch ganz auf die alten erklärungen fixiert auf »gewinne« auf »wachstum« oder »arbeitsplätze« auf 6/59

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»investitionen« oder »konsum« das sind alles belanglose garnituren im zentrum des kapitalismus stehen die schulden und die tatsache daß schulden mit der zeit immer größer werden der kapitalismus ist die lösung des problems wie die beim »wirtschaften« automatisch entstandenen schulden trotz zeitablaufs bedienbar gehalten werden damit wir lernen mit dem enträtselten kapitalismus umzugehen müssen wir es üben die wirtschaft und die darin tätigen menschen von der sie wirklich treibenden kraft der über die zeit laufenden schuld her zu sehen dazu müssen wir die wichtigsten grundbegriffe der wirtschaft und der »wirtschaftstheorie« neu definieren kapitalismus debitismus kapitalismus ist ein wirtschaftssystem in welchem eigentümer ihr eigentum zu zwecken der produktion einsetzen das zu »kapital« wird weil es beliehen ist der kapitalist steht unter schuldendruck dem er allein niemals standhalten könnte weil er zwar die kosten seiner produktion auf dem markt wiederfindet aber nicht die kosten und/oder prämien für die vorfinanzierung seiner produktion zins gewinn der kapitalismus »freie wirtschaft« wird daher besser als »debitismus« bezeichnet oder »debitistischer kapitalismus« um sein endloses dilemma klarzumachen das da lautet es müssen sich immer spätere schuldner kapitalisten aber auch konsumenten »ausland« oder »staat« finden die den früheren schuldnern helfen sozialismus wirtschaftssystem das kein »kapital« d h kein zu produktionszwecken verschuldungsfähiges oder verschuldetes eigentum kennt im sozialismus fehlt also der den kapitalismus kennzeichnende schuldendruck die »mangelnde dynamik« des sozialismus ist damit erklärt da es im sozialismus keine schulden geben kann fehlt diesem system auch der freie markt definiert als ort wo schulden reguliert d h wo neue schuldner gesucht und gefunden werden weil es keine schulden gibt kann es im sozialismus auch keine preise geben wir kommen auf den sozialismus noch zurück kapital kapital ist immer verschuldetes eigentum ein kapital »als solches« kann es nicht geben kapital muß immer »bewertet« sein d h es muß ein preisschildchen tragen dies geschieht in form der »bilanz« natürlich gibt es unternehmer die »kapital« bilanzieren ohne schulden zu haben sie können ihr kapital aber nur bilanzieren bewerten weil andere kapitalisten schulden haben denn hätte niemand schulden gäbe es auch kein geld und ergo auch keine möglichkeit preise zu haben schon die tatsache daß kapital etwas »gekostet« hat weist darauf hin daß es produziert sein muß produktion aber ist nur vorstellbar indem zeit vergeht wo zeit vergeht muß aber vorfinanziert werden entweder vom eigentümer selbst oder von dritten finanzierung schafft immer schulden und schulden schaffen kapital dessen funktion wiederum darin liegt die schulden bedienbar zu halten 7/59

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eigentum eigentum ist immer die basis des kapitalismus debitismus weil nur auf der basis von eigentum schuldenmachen möglich ist dabei spielt es keine rolle ob es sich um eigentum an »sachen« oder »personen« handelt damit eigentum beliehen werden kann muß es zunächst bewert bar sein dieses wiederum setzt aber voraus daß es bereits beliehen ist beliehenes eigentum ist kapital ist überhaupt kein eigentum beliehen hat eigentum niemals einen »wert« weil es keinen preis haben kann eigentum »als solches« gibt es also auch nicht es kann nur eigentum sein wenn es bewertbar ist was wiederum voraussetzt daß es als kapital d h als beliehenes eigentum eingesetzt wird dieser einsatz »produktion« auf dem wege über die verschuldung des eigentums schafft erst »geld« mit dessen hilfe eigentum bewertbar sein kann »geld« seinerseits ist immer eine umlauffähig gemachte »zessierte« schuld ohne die es weder »preise« für produkte noch eben »bewertungen« von eigentum geben kann eigentum kapital schulden und geld entstehen daher gleichzeitig eigentum ist zwar eine gedankliche vorstufe des kapitals eigentum das aber nicht beliehen also zu kapital wird ist als eigentum sinnlos es gibt zwar eigentum das vorübergehend nicht zur produktion eingesetzt d h beliehen wird aber es läßt sich dann nur als eigentum bewerten wenn anderes gleichartiges eigentum beliehen wurde die »kosten« dieses eigentums sind dann die kosten die entstehen weil es nicht als kapital eingesetzt wurde machen wir uns das ganze an einem beispiel klar ein bauer hat ein feld zum eigentum entweder er bearbeitet sein feld oder er bearbeitet es nicht bearbeitet er sein feld nicht kann der »wert« des feldes nur dem entsprechen was ein »vergleichbares« feld »wert« ist dazu muß aber dieses feld bearbeitet werden einen »wert« preis für ein feld kann es nur geben wenn wenigstens ein anderes feld bearbeitet wird wird gar kein feld bearbeitet kann kein feld einen wert haben wenn es keinen wert für felder gibt hat es auch keinen sinn solche felder zum eigentum zu haben wie aber auch immer der »wert« sich dann stellt daß es überhaupt einen wert gibt setzt immer voraus daß der kapitalist bauer nicht nur die produktionskosten sondern auch die kosten der vorfinanzierung der produktion wieder hereinholt von dort aus können wir uns gut dem nächsten komplex zuwenden wert und preis der wert einer sache ob »kapital« ob produzierter gegenstand ist im debitistischen kapitalismus immer die subjektive vorstellung daß sich die produktionskosten einschließlich der auf ihnen liegenden kosten und einer eventuell »gewünschten« prämie gewinn realisieren lassen der preis einer sache aber ist der sich auf dem markt dann ergebende objektive tatbestand wert und preis sind in numerischen größen 1 2 3 vorgestellt bzw realisiert wert und preis stimmen überein wenn vom anbieter aus gesehen eine so hohe verschuldungsbereitschaft der käufer entwickelt wird daß die produktionskosten die ursprünglich nur als »nachfrage« und ergo wert-realisierungs-faktor zur verfügung stehen entsprechend den verkäuferwünschen überschritten werden wert und preis stimmen vom nachfrager aus gesehen überein wenn sich entsprechend geringe verschuldungsbereitschaft der käufer entwickelt daß sich der preis dem 8/59

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entsprechend niedrig angenommenen wert annähert subjektive »wertungen« »dies ist eigentlich viel zu billig « »dies ist es mir nicht wert « sind immer das resultat von prozessen die der einzelne anbieter oder nachfrager niemals unter »kontrolle« haben kann es handelt sich um nach gelagerte verschuldungsvorgänge aus denen heraus sich dann konkrete preise am markt ergeben das argumentieren mit »werten« ist amüsant aber für den debitistischen kapitalismus ohne jeden praktischen sinn das endlose streiten um den »richtigen« wert oder um etwaige »differenzen« zwischen wert und preis ist völlig müßig jeder darf sich »werte« vorstellen und wünschen wie er will was am markt dann als »preis« realisiert wird ist immer allein davon abhängig ob und in welcher höhe die produktionskosten plus die vorfinanzierungskosten der produktion plus vorfinanzierungs risiko prämie gewinn realisiert werden mehrwert auch die marxsche idee vom »mehrwert« ist nichts als eine chimäre ein fabelwesen ohne sinne falls die arbeiter der meinung sind sie sollten höhere löhne kassieren als ihnen der kapitalist zu zahlen bereit ist müssen sie ihn nur dazu bringen sich entsprechend höher zur vorfinanzierung der entsprechend höheren löhne nämlich zu verschulden eine unbegrenzte verschuldungsbereitschaft der unternehmer vorausgesetzt kann jeder lohn gefordert und gezahlt werden und wenn der kapitalist schon wie marx fabuliert bereit ist jeden beliebigen mehrwert vorzufinanzieren er greift bekanntlich nur in seinen dagobert duckschen silo dann kann er doch genausogut auch jede beliebige lohnhöhe vorfinanzieren was er rationellerweise auch tun sollte um allfällige arbeiterunruhen hunger-revolten und natürlich auch die »große revolution« zu vermeiden auf lohnhöhe und arbeitslosigkeit kommen wir noch zu sprechen freier markt und freie preise nach landläufiger meinung müsse nur »freie marktwirtschaft« herrschen um dem wohlstand der nationen auf die sprünge zu helfen diese vorstellung steckt hinter den bekannten »wirtschaftstheorien« von adam smith über mises und eucken bis hayek friedman und den neuen klassikern diese vorstellung ist ganz naiv und sie wird weiter unten noch ausführlicher zurechtgerückt der freie markt mit freiem marktzugang und allseits freien preisen ist eine durchaus notwendige aber keinesfalls eine hinreichende bedingung für den wirtschaftlichen fortschritt für wohlstand und hohe wachstumsraten der kapitalismus entwickelt sich nicht weil er sich »frei« entwickeln darf sondern er entwickelt sich weil verschuldete eigentümer alias kapitalisten den markt brauchen um dort die verauslagten produktionskosten wieder einzufangen und um die anderen marktteilnehmer »käufer« zu just jener zusätzlichen verschuldung zu animieren ohne welche die verschuldeten kapitalisten ausnahmslos untergehen müßten die freie marktwirtschaft ist eine veranstaltung um den »kapitalismus« definierenden prozeß möglichst optimal d h letztlich zeitsparend ablaufen zu lassen wir können also sagen je besser d h freier die marktwirtschaft um so schneller weil ungehinderter kann der kapitalist seine kosten wieder einfangen und die zur systemerhaltung notwendige neuverschuldung auf den 9/59

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weg bringen was die neuverschuldung wiederum senkt risiko und gewinn es versteht sich von selbst daß auch das risiko im kapitalismus in wirklichkeit etwas ganz anderes ist als immer wieder dargestellt in den köpfen der traditionellen wirtschafts-»theoretiker« besteht das risiko der kapitalisten darin daß sie einen geringeren anteil an der von ihnen in den kreislauf als produktionskosten abgegebenen und »im markt« also herumschwirrenden »nachfrage« zurückbekommen als sie sozusagen anteilig verausgabt haben auch diese vorstellung ist kindlich da gibt es also 100 unternehmer jeder hat 100 kosteneinheiten abgegeben macht 10000 einheiten nachfrage die »besseren« 50 unternehmer kriegen davon je 110 zurück die schlechteren 50 nur 90 und wenn sie nicht bald besser werden scheiden sie aus dem »wettbewerb« aus das ist ganz falsch wahr ist vielmehr daß 10000 einheiten nachfrage von den 100 kapitalisten geschaffen wurden daß sie aber insgesamt 11000 zurückhaben müssen die 1000 seien zins gewinn macht pro kapitalisten 110 die 50 besseren schaffen das mit müh und not die 50 schlechteren müssen sich in die verbleibenden 4500 teilen wenn wir die zusätzliche debitistische verschuldung nicht haben und sind mit je 90 schlicht pleite von den verbleibenden 50 die insgesamt 5500 bringen müßten die aber im beispiel unserer wirtschaftstheoretiker die den debitismus nicht kennen nur 5000 bringen scheidet auch sofort wieder die hälfte aus usw kurzum der kapitalismus wäre längst zu ende wenn es so etwas wie das wirtschaftssystem der »freien marktwirtschaft« mit »bestenauslese« tatsächlich gäbe tatsächlich liegt das risiko der kapitalisten nicht darin die verauslagten produktionskosten nicht wiederzusehen sondern darin keinen nachfolge-schuldner zu finden insofern ist der viel geschmähte »profit« eine petitesse ist kleckerleskram und überhaupt nicht die aufregung wert die allenthalben darum gemacht wird der profit gewinn ist nicht etwa eine prämie fürs wiedererwischen der verauslagten kosten wie es die bürgerlichen Ökonomen bis heute lehren er ist auch kein ausbeutungs-vehikel wie die linken faseln weil es ausbeutung wert minus preis alias lohn für »gute« arbeit überhaupt nicht geben kann sondern der profit ist eine echte risiko-prämie die sich alle kapitalisten ehrlich verdienen denn ihr risiko besteht darin die anschlußverschuldung nicht auf den weg zu bringen keine späteren schuldner mehr zu finden und ergo allesamt elendiglich unterzugehen das gleichgewicht und der staat seit dem 19 jahrhundert gilt das wirtschaftliche »gleichgewicht« als etwas höchst erstrebenswertes ein zustand in dem sozusagen »alles gut« ist alle haben was sie wollen alle sind beschäftigt es steigen weder preise noch zinsen der außenhandel ist im gleichgewicht die währung ist stabil und so weiter wer den debitistischen kapitalismus begriffen hat kann über solche vorstellungen nur lächeln sie entspringen vermutlich dem allgemeinen harmoniebedürfnis dem sich gerade Ökonomen nicht entziehen können tatsächlich aber kann es in der freien wirtschaft niemals ein 10/59

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endgültiges »gleichgewicht« geben denn selbst wenn wir das als »gleichgewicht« alias als »idealzustand« definierten daß die kapitalisten endlich die für ihr weiterexistieren notwendigen nachfolge-schuldner gefunden haben und insofern für sie »alles gut« ist haben sich die nachfolge-schuldner nun ihrerseits in die gefahr des existentiellen untergangs begeben für sie ist keineswegs schon »alles gut« sie stecken vielmehr im größten risiko in der gefahr unterzugehen wenn sie nicht ihrerseits wieder neue schuldner finden und seien es die alten die sie gerade aus ihrer existenz-gefahr erlöst haben die freie wirtschaft ist ein dynamischer prozeß in der tat es kann schon deshalb niemals ein endgültiges gleichgewicht geben mit dem sozusagen »alles im lot« ist alles abgeschlossen werden kann eine größe auf die andere paßt der kapitalismus läuft über die zeit und über die zeit laufen heißt immer neue schuldverhältnisse eingehen weil die alten auslaufen und kritisch werden der zeitablauf aber kostet dadurch entstehen zinsen und/oder gewinnerwartungen zur belohnung des risikos das der kapitalist eingegangen ist indem er sich zu zwecken der produktion verschuldet hat und die entsprechenden geldmittel alias »kaufkraft« aus seinem unternehmen in die weite welt geschickt hat ohne irgendeine form der gewißheit sein »geld« wiederzusehen die kosten des zeitablaufs müssen von immer neuen schuldnern anerkannt werden durch eigenes schuldenmachen nämlich sonst können die alten schuldner nicht bestehen wenn überhaupt so etwas wie eine idee eines »gleichgewichts« im kapitalismus einen sinn geben soll dann die daß sich dieser prozeß der debitistische kettenbrief immer wieder fortsetzen muß insofern können wir die bedingung für die störungsfreie existenz der freien wirtschaft formulieren als immer neues schuldenmachen in just dem umfang in dem die alten schuldner vorfinanzierungskosten haben dabei stoßen wir auf zwei probleme die uns noch beschäftigen sollen 1 wie »verschwinden« .eigentlich schulden wieder der ganze kapitalismus besteht ja nur aus einem möglichst reibungslosen aufschuldungsvorgang und wenn schon aufgeschuldet wird wenn also schulden einfach nicht mehr verschwinden wollen sondern nur noch »aufrecht« erhalten werden können indem man sie aufschuldet was bedeutet die tatsache daß durch solches aufschulden nicht nur die schulden immer höher wachsen sondern auch die gleichzeitig gebuchten guthaben 2 wo liegen die grenzen des schuldenmachens gibt es solche grenzen insgesamt und/oder bei einzelnen schuldnern gibt es schuldner die »grenzenlos« schulden machen können wie beeinflußt solches unbegrenztes schuldenmachen die lage anderer schuldner unter beiden punkten werden wir sehr schnell den staat entdecken das ist ein ganz besonderer schuldner jemand der jederzeit die schulden anderer übernehmen kann jemand der schier unbegrenzt immer neue schulden machen kann jemand der diese schulden stellvertretend für andere machen kann jemand der aber auch garantiert daß überhaupt schulden von anderen gemacht werden können jemand der dafür sorgt daß diese schulden auch vollstreckbar bleiben und insofern einen »wert« behalten der staat ist der alles entscheidende faktor für existenz und ablauf des kapitalistischdebitistischen prozesses 11/59

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der staat ist dabei gott und satan in einem er schafft den kapitalismus und er vernichtet ihn dies werden wir bei der untersuchung des kapitalistischen ablaufs noch näher betrachten nachfrage kauf tausch nachfrage hat im kapitalismus nur eine einzige aufgabe die früheren schuldner am leben zu halten nachfrage »als solche« gibt es nicht nachfrage besteht immer nur aus schulden aus schulden die frühere schuldner gemacht haben und die über produktionskosten und »einkommen« jetzt in den händen der nachfrager sind und aus schulden die die nachfrager selbst machen müssen damit die früheren schuldner überleben können der kauf bei dem nachfrage ausgeübt wird ist im kapitalismus immer ein schuldenweiterreichen und ein zusätzliches schuldenmachen dadurch unterscheidet sich der kauf vom tausch beim tauschen werden nur die früher gemachten schulden die irgendwo zu einkommen und/oder guthaben geworden sind weitergereicht gekauft werden produzierte gegenstände bei deren produktion die kapitalisten kosten vorfinanzieren mußten getauscht werden gegenstände die das gekauft-werden bereits durchlaufen haben bzw die sonstwie »vorhanden« sind ein beispiel macht das klar ein couturier stellt ballkleider her er finanziert die kosten vor löhne stoffe und er kalkuliert die vorfinanzierungskosten und seinen gewinn ein die damen sind verrückt nach den kleidern und überziehen ihre konten um dranzukommen ein klassischer debitistischer prozeß mit zusatzverschuldung die ball-saison ist zu ende die damen können die rauschenden roben nicht mehr sehen sie verkaufen die dinger in secondhand-shops kein kaufen mehr sondern ein tauschen der secondhand-shop muß die dinger reinigen und aufarbeiten lassen will lohnkosten hereinbekommen und gewinne machen ein paar mädels kommen vorbei und kaufen die kleider um als punker zum karneval nach rio zu jetten sie holen sich geld von ihren konten eine neue runde kaufen hat begonnen kaufen ist also immer angesagt wenn bis zum anbieten des betreffenden gegenstandes vorfinanzierte kosten gelaufen sind die inklusive vorfinanzierungskosten und risiko-prämie nur hereinkommen können wenn die käufer sich ihrerseits verschulden alles andere ist tauschen diese unterscheidung ist deshalb wichtig weil das eigentliche problem der Ökonomie wie wir gesehen haben die zeit ist im interesse der verkäufer muß es also liegen möglichst zügig zu verkaufen d h die verauslagten kosten möglichst fix wieder einzufangen je schneller das geht desto geringer sind die vorfinanzierungskosten usw und desto leichter ist es auch einen käufer zu finden der kapitalismus ist dann am besten in schuß wenn alles »weggeht wie warme semmeln« dann ist die erforderliche neuverschuldung möglichst niedrig es entfallen umständliche werbeund marketing-maßnahmen sobald aber die einkommen produktionskosten der am markt erscheinenden neu produzierten gegenstände erst noch lange umwege machen treibt das die vorfinanzierungskosten hoch was wiederum die kunden immer ekelhafter macht und die lage der verschuldeten kapitalisten immer auswegloser 12/59

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dieser effekt zeigt sich deutlich bei sogenannten »sachwert-haussen« in den schlußphasen einer inflation auf die wir noch ausführlich kommen steigen die preise für produzierte und bereits einmal »verkaufte« gegenstände immer weiter selbst sachen wie gold und grund und boden werden immer teurer viel von der kaufkraft die aus der vorfinanzierten produktion stammt und die eigentlich schleunigst in die fabriken zurückkehren sollte dreht erst noch ein paar runden am gold oder immobilienmarkt dadurch wird die zeit die normalerweise bis zur rückkehr dieser kaufkraft vergeht erheblich »länger« die kosten für zeitablauf steigen damit haben wir ganz nebenbei eine erklärung für das phänomen gefunden daß in einer inflation nicht nur die preise sondern auch die zinsen steigen die zinsen steigen sogar noch erheblich weiter an wenn weitere kredite aufgenommen werden um sich an einer sachwerthausse zu beteiligen aus dem »produzierenden« unternehmer ist dann der »spekulant« geworden eine besonders häßliche form des homo capitalisticus der »baulöwe« »immobilien-hai« der »gold-guru« wie wir unten bei der analyse des blow-offs sehen werden verhalten sich aber sachwertwie natürlich auch börsen spekulanten absolut rational wenn sie sich verschulden um sich an einer hausse zu beteiligen sie sind genauso »sozial« wie alle anderen die sich im debitistischen system aufhalten ob kapitalisten oder arbeiter das problem beim blow-off also einer durch laufende zusätzliche beleihung eines gegenstandes zum zwecke weiterer nachfrage nach diesem gegenstand und nicht etwa zum zwecke des einsatzes dieses gegenstandes für die produktion als »kapital« beispielsweise hervorgerufenen hausse in einem tausch nicht kauf gut liegt im unausweichlichen zusammenbruch dieser hausse gleichzeitig entzieht eine solche hausse dem produzierenden »normalen« sektor »mittel« weil sie die in den kreislauf gebrachte kaufkraft auf zeitverzehrende und ergo zinstreibende ,umwege schickt wo immer haussen und blow-offs auftreten ist das kapitalistische system dessen »zweck« nur die möglichst zügige von der kundschaft akzeptierte produktion darstellt im innersten faul der kapitalismus steuert dann unausweichlich auf eine große krise zu [urschuld an dieser stelle folgen im original ausführungen über die urschuld die ihr unter folgendem link einsehen könnt »die urschuld« die arbeitslosigkeit tatsächlich haben die menschen kein geld wenn sie nicht vorher gearbeitet haben bei licht betrachtet müssen die menschen arbeiten weil sie sich das buchstäblich »schuldig« sind damit sie aber im kapitalismus überhaupt arbeiten können muß sich ein unternehmer finden der ihre arbeitsleistung vorfinanziert 13/59

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und damit sind wir mitten drin im problem der arbeitslosigkeit um die wahren ursachen von arbeit und arbeitslosigkeit herauszuarbeiten wollen wir noch einmal ludwig von mises bemühen in einem kleinen kapitel über die arbeitslosigkeit hat er jenen eine lektion erteilt die der meinung sind daß »löhne« etwas anderes seien als »preise« bzw daß auf dem arbeitsmarkt die gesetze von angebot und nachfrage etwa nicht gelten von mises schreibt a a 0 seite 546 f »wenn ein arbeitssuchender für die art von arbeit die er vorzieht keinen abnehmer findet muß er sich um arbeit anderer art umsehen wenn ein arbeitssuchender nicht den lohn erhalten kann den er gerne haben wollte dann muß er seine ansprüche herabsetzen will er das nicht so findet er keine arbeit er wird arbeitslos « diese sätze sind unmittelbar einleuchtend und sie sind natürlich auch richtig was uns der gelehrte aber verschweigt ist eine erklärung dessen was er als »arbeit finden« bezeichnet die sprache hilft gerade in der Ökonomie über vieles hinweg man denke nur an diese hübsche vorstellung vom wirtschafts-»wachstum« die wirtschaft ist gar keine wirtschaft sondern ein baum vielleicht auch eine hübsche blume oder gar ein kälbchen sie »wächst« wie lieb Ähnlich herzig ist die vorstellung von den arbeitern die auf die suche gehen wie einst die eltern von hänsel und gretel und dann halt »finden« arbeit eben die arbeiter gehen also auf wanderschaft und klopfen überall an und wenn sie bei ihren lohnforderungen artig sind dann »finden« sie »abnehmer« für eine »art von arbeit« ludwig von mises ist ganz zuversichtlich a a 0 seite 546 »ein arbeiter der nicht warten kann und nicht warten will findet in der unbehinderten marktwirtschaft was wir »kapitalismus« nennen pcm immer arbeit es genügt daß er seine lohnforderungen ermäßigt oder beruf und arbeitsort wechselt.« ergo gilt zusammengefaßt a a o seite 547 »die arbeitslosigkeit ist auf dem unbehinderten markte immerfreiwillig gewollt« den linken fällt es schwer solche argumente zu entkräften wenn sie redlich sind müssen sie zugeben daß jedes arbeitslosenheer sofort zu beschäftigen ist spätestens wenn die geforderten löhne nur noch ein zehntel der früheren oder üblichen löhne ausmachen die linken weichen solcher logik aber blitzschnell aus indem sie darauf hinweisen daß solchermaßen »sinkende« bzw »gesunkene« löhne oder lohn-»niveaus« die gesamtwirtschaftliche »nachfrage« senken weil dann alle arbeiter immer weniger verdienen und also dann auch immer weniger kaufen können was auf dauer zu noch höherer arbeitslosigkeit führen würde die herkömmliche Ökonomie präsentiert sich hier wieder von ihrer schokoladenseite es handelt sich um eine »wissenschaft« mit deren hilfe sich jede these belegen und auch widerlegen läßt wir kamen schon zu beginn dieses buches darauf zu sprechen die wahre ursache der arbeitslosigkeit sagen die einen sind die viel zu hohen löhne der wahre grund für die arbeitslosigkeit sagen die anderen sind die viel zu niedrigen löhne jeder kann sich das raussuchen was ihm gerade gefällt je nach laune oder politischem 14/59

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standort und da jede dieser positionen in sich »logisch« ist kann man herrlich darüber streiten der debitismus beendet diesen streit und hilft uns weiter beide haben recht doch beiden fehlt das »missing link« das alles entscheidende glied in der kette die bereitschaft und die fähigkeit der kapitalisten sich zur aufnahme von produktion so stark zu verschulden daß arbeiter beschäftigt werden große krisen also vom kaliber der 30er jahre und wie jetzt wieder eine vor uns liegt sind gerade dadurch definiert daß sich egal zu welcher lohnhöhe keine unternehmer mehr finden die arbeiter einstellen wir kennen die fotos »nehme jede arbeit an« hatte sich da ein armer teufel umgehängt oder »suche arbeit egal zu welchem lohn« ein anderer in einer schweren krise nutzt das überhaupt nichts weil ganz einfach kein unternehmer bereit ist zu produzieren weil er die damit verbundene vorfinanzierung nicht wieder vom markt hereinbekommt weil ihm in der zwischenzeit die preise wegbrechen deshalb sind große krisen die sogenannten »deflationären depressionen« auf die wir in der untersuchung des kapitalistischen ablaufs noch ausführlich zu sprechen kommen so ausweglos weil die preise fallen ist der kapitalist egal zu welchem zins18 nicht bereit schulden zu machen die er aber machen müßte um arbeiter zu beschäftigen denn die preise fallen viel zu stark was wiederum seinen grund in den schulden der früheren schuldner hat die zur beschaffung der alles entscheidenden liquidität zur bedienung ihrer schulden jede noch so abenteuerliche preispolitik einschließlich des unterkostenverkaufs veranstalten nur um noch eine zeitlang am leben zu bleiben die kaufkrafttheorie der linken und der gewerkschaften »zahlt höhere löhne dann gibt`s mehr kaufkraft und damit vollbeschäftigung« ist genauso eine schönwettertheorie wie die der rechten »die arbeit muß nur billiger werden dann sind alle vollbeschäftigt« beide kann man mit hilfe des debitismus auf einen nenner bringen indem man dieses einzig gültige vollbeschäftigungstheorem formuliert in einer wirtschaft in der die »nachfrage« ausschließlich in form von lohnzahlungen in den kreislauf kommt herrscht vollbeschäftigung wenn die löhne darin so weit gesenkt werden daß die unternehmer sicher sein können die kosten der vorfinanzierung dieser löhne durch zusätzliche verschuldungsbereitschaft von später an den markt tretenden unternehmern wieder einzuspielen dieses ist wie wir schnell erkennen das marxsche modell einer wirtschaft es gibt nur kapitalisten und arbeiter da marx die vorfinanzierungskosten wie wir sahen dagobert-duck-effekt auf null setzt muß in seiner welt immer vollbeschäftigung herrschen wenn die vorfinanzierung von löhnen nichts kostet gibt es keinen grund arbeiter nicht einzustellen aber es gibt dann wie wir sahen auch keinen grund den arbeitern nicht jeden gewünschten lohn zu zahlen weil ja das »geld« für die löhne automatisch wieder in die geldsilos der kapitalisten zurückströmt in einer wirtschaft in der nachfrage nur von den kapitalisten in »umlauf« gebracht wird müssen die kosten für die vorfinanzierung der löhne also die zinsen möglichst niedrig sein so etwas war typisch für die kapitalistischen volkswirtschaften des 19 jahrhunderts wo es in der tat nur verschuldung nachfrageschöpfung durch die unternehmer gab plus ein bißchen »weltwirtschaft« aber keinen »staat« der »wirtschaftspolitik« betrieb im klartext im großen stil schulden machte und keine »konsumenten« arbeiter die sich die von ihnen geschaffene 15/59

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