Orthopädie und Unfallchirurgie - Mitteilungen und Nachrichten Ausgabe 03/2014

 

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Orthopädie und Unfallchirurgie - Mitteilungen und Nachrichten Ausgabe 03/2014

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Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten Juni 2014 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten • 3/14 10 Jahre DRG-System Baden-Badener Kongress Frauen in der Chirurgie

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Editorial Was haben Hüftendoprothetik und Golfspiel miteinander zu tun? „In Deutschland werden zu viele Hüftgelenke operiert!“ – Seit einigen Jahren wird dies gebetsmühlenartig von Politikern, Krankenkassenvertretern und in den Medien vorgetragen. Haben nun wirklich nur Orthopädie und Unfallchirurgie ein Problem mit der Mengenentwicklung von Operationen? Das Thema der Mengenentwicklung im Krankenhaus ist nicht ganz neu. Bereits 1986 wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales ein Forschungsbericht über „Ursachen und Gründe für den Anstieg der Zahl der Krankenhauspatienten“ vorgelegt. Diese schon zu Zeiten der tagesgleichen Pflegesätze beobachtete Fallzahlsteigerung konnte durch das DRG-System bisher nicht gebremst werden (▶ Abb. 1). Während die Zahl der Krankenhäuser und noch deutlicher die Verweildauer in Tagen sinkt, schreitet die Mengenentwicklung in gleicher Weise fort. Deutschland ist nicht nur bei den Hüftgelenken Spitzenreiter Hat also das DRG-System versagt? – Ein Verwaltungsdirektor hat es auf den Punkt gebracht: „Früher wurden wir nach Tagen bezahlt, und wir haben Tage geliefert; heute werden wir nach Fällen bezahlt, und wir liefern Fälle…“ So wird in letzter Zeit zunehmend behauptet, dass das DRG-System selbst mengentreibend ist. In der Öffentlichkeit jedoch wird von Politikern und Krankenkassenchefs regelmäßig der Eindruck erweckt, die Ärzteschaft sei Verursacher für „unnötige Hüftoperationen“. Die OECD-Studie 2013 zeigt aber, dass Deutschland nicht etwa nur bei der Versorgung mit Hüftendoprothesen an erster Stelle und bei der Knieendoprothetik an zweiter Stelle steht, sondern auch bei der perkutanen Koronarintervention (PTCA), der Inguinalhernienoperation und der brusterhaltenden Chirurgie den ersten Platz einnimmt. Und unter den stationär behandelten schweren Erkrankungen steht Deutschland mit Kreislauferkrankungen an erster und mit Krebserkrankungen an zweiter Stelle. Mittlerweile dürften wir auch bei den psychischen Erkrankungen in der Spitzengruppe mitspielen. Natürlich ist die Diskussion, dass zu viele Patienten wegen einer Krebserkrankung stationär behandelt werden, politisch inkorrekt. Warum aber wird immer wieder die Hüftendoprothetik für die vermeintlichen Auswüchse der Mengenentwicklung herangezogen? Und warum immer nur der stationäre Bereich? Denn nicht nur im Krankenhaus gibt es eine Mengenzunahme. Nach Grobe et al. 2008 sitzen an einem beliebigen Montagmorgen fast acht Prozent der deutschen Bevölkerung, Prof. Dr. Fritz Uwe Niethard, Generalsekretär der DGOU und der DGOOC an Spitzentagen sogar bis zu 12 Prozent in deutschen Arztpraxen. Haben wir also nicht nur ein hohes Angebot an Gesundheitsleistungen, sondern auch eine besonders starke Nachfrage des Patienten? Versorgungsatlas der DGOOC gibt Antworten Antwort gibt der Versorgungsatlas der DGOOC, der die Langzeitentwicklung von Operationszahlen und deren regionale Unterschiede nach Bundesländern und Kreisen darstellen kann. Daraus ergeben sich gewisse Hinweise auf Zusammenhänge der Entwicklungen mit dem Versorgungssystem in Deutschland. So ist zum Beispiel die Versorgungsrate bei der Hüftendoprothetik in den neuen Bundesländern deutlich niedriger als in den alten, und sie korreliert mit der sogenannten „sozialen Deprivation“, einem Faktor, der die soziale Situation der Versicherten wiedergibt. Von einem Vertreter der Bertelsmann-Stiftung wurde dies so interpretiert, dass Patienten in den alten Bundesländern eher über- und die in den neuen Bundesländern eher unterversorgt seien. Der Versorgungsatlas Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Juni 2014 237

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Editorial wurde aber mit den Daten von AOK-Patienten erstellt. Und der AOK wird man wohl kaum vorwerfen können, dass ihre Patienten im Osten Deutschlands keine Endoprothesen erhalten. Gibt es noch eine andere Erklärung, die die Nachfrage widerspiegeln könnte? – Wenn man davon ausgeht, dass der Hüftgelenkersatz vor allem von Patienten jenseits des 60. Lebensjahres wahrgenommen wird und diese Generation sich noch für eine Vielzahl von Aktivitäten verfügen auch über die meisten Golfplätze pro einer Million Einwohner. Lediglich Mecklenburg-Vorpommern liefert einen Ausreißer, der wohl der landschaftlichen Schönheit zu verdanken ist. Patientenwünsche tragen zur Mengenentwicklung bei Dass alles in allem in Deutschland der hohe Versorgungsstandard zu einer besonders starken Patientennachfrage führt, kann durch zahlreiche Medien- Nicht nur im Krankenhaus beobachten wir eine Mengenzunahme. An einem beliebigen Montagmorgen sitzen fast acht Prozent der deutschen Bevölkerung in Arztpraxen, an Spitzentagen sogar bis zu 12 Prozent. bereit halten will, dann sollte die Versorgungsrate der Hüftendoprothetik mit dem Freizeitangebot für über 60-jährige korrelieren. In der Tat gibt es einen Zusammenhang zwischen Versorgungsrate des Hüftgelenkersatzes in den Bundesländern und der Anzahl der Golfplätze in diesen Ländern (▶ Abb. 2). Länder mit der höchsten Versorgungsrate (Schleswig-Holstein, Bayern, Niedersachsen) aufmachungen belegt werden, die den Patienten dazu auffordern, seine Problemlösung frühzeitig in einer Operation zu suchen. „Mut zur neuen Hüfte“ heißt es zum Beispiel in Aufklärungsfibeln, weit verbreiteten Wochenzeitschriften und Zeitungsannoncen. Dabei ist dieser Ausspruch nicht einmal ganz falsch, denn immerhin wurde in „The Lancet“ der totale Hüftgelenkersatz als „the operation of the century“ bezeichnet. Je mehr nämlich die Versorgung mit künstlichen Hüft- und Kniegelenken zu einem Routineeingriff geworden ist, umso größer wird die Nachfrage, und umso höher werden die Erwartungen der Patienten. Keine Operation sei effizienter und hätte mehr Erfolg für die Gesundung der Bevölkerung gebracht als diese, heißt es in „The Lancet“. So gesehen ist der vom Autor als Bonmot hingestellte statistische Zusammenhang zwischen der Anzahl der Golfplätze und der Anzahl der Hüftgelenksoperationen in den Bundesländern ein Fingerzeig, dass die Mengenentwicklung in einem „System von Angebot und Nachfrage“ besonderen Gesetzen unterliegt und der Patient ein besonders wichtiger Faktor in diesem System ist. Und nicht zuletzt: Die Hüftendoprothetik ist offenbar ein häufig nachgefragter Eingriff, um die Lebensqualität zu erhalten. Er könnte noch manchem Politiker widerfahren… Prof. Dr. Fritz Uwe Niethard 238 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Juni 2014

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Editorial Was haben Hüftendoprothetik und Golfspiel miteinander zu tun? 237 R E G U L I E R U N G S WA H N A U S B R Ü S S E L Nein zu einer europäisch genormten Osteopathie UEMS MEETING 273 Frühjahrstreffen in Lissabon 276 Impressum Nachrichten 242 E U R O PÄ I S C H E R E F E R E N Z N E T Z W E R K E Für eine EU-weite hochspezialisierte Gesundheitsversorgung 277 UEMS 262 Chirurginnen in Frankreich: : Obwohl immer mehr Frauen Medizin studieren, bleibt in unserem Nachbarland der Frauenanteil in O & U vergleichsweise gering. Was hält die Frauen davon ab, sich trotz guter Kinderbetreuungsmöglichkeiten und Frauenquote für das Fach zu entscheiden bzw. die Karriereleiter hinaufzuklettern? Kurz und bündig Jetzt bewerben zur Summer School 2014! Perspektivforum Junge Chirurgie nun unter dem Dach der DGCH DFG bewilligt zweite Förderphase für Sonderforschungsbereich zu Osteoporose Weißbuch Technische Orthopädie will aufrütteln 244 Netzwerk für klinische Skills Zentren in Europa FORSCHUNGSNETZWERK TIM 278 244 Plattform für interdisziplinäre biomechanische Forschung eCALL 279 245 Automatischer Notruf bei Crash FRIEDRICHSHEIM FR ANKFURT 281 245 Vom Krüppelheim zur Universitätsklinik O R T H O PÄ D I E - S C H U H T E C H N I K 283 246 Aus unserem Fach V S O U - J A H R E S TA G U N G Stellungnahme zur Funktionsdauer und Haltbarkeit orthopädischer Maßschuhe 285 VLOU- WORK SHOP Intensiver Gedankenaustausch 248 I N I T I AT I V E 9 3 288 Der Kongress der Frauen 264 10 Jahre DRG-System: Von kaum jemandem registriert und noch weniger gefeiert wurde in diesem Jahr der zehnte Jahrestag der Einführung des DRG-Systems. Eine Tagung in Berlin nahm die Auswirkungen der Fallpauschalen unter die Lupe. INTERVIEW 33. Fort- und Weiterbildungskurs 253 DEUTSCHER R H E U M ATOLO G E N KO N G R E SS 289 „Bis zur Chancengleichheit ist es noch ein weiter Weg“ TA G D E R V O R K L I N I K Einladung nach Düsseldorf 257 290 Premiere war ein voller Erfolg KO N S E R VAT I V E O R T H O PÄ D I E Memorandum zur OU-Therapie aus einer Hand vereinbart FR ANKREICH 259 Recht A B R ECH N U N GSPRÜ F U N G E N Dringend gesucht: Frauen für die Chirurgie 10 JAHRE DRG -SYSTEM Ärztliche Therapiefreiheit versus MDK-Kontrollen 262 292 GEMEINSAME BERUFSAUSÜBUNG Zweimal in der Falle 264 WERBERECHT FÜR ÄR ZTE 294 Effizienzsteigerung – ja, Qualitätsverbesserung – ??? KO M M E N TA R Auch Orthopäden und Unfallchirurgen können kreativ werben 296 248 240 Die neuen Heilverfahren der DGUV 266 WEITERBILDUNG IN G R O S S B R I TA N N I E N Kongress-Frühling: Die Auftaktveranstaltung im orthopädischunfallchirurgischen Kongresskalender 2014 fand unter der Regie von Univ.-Prof. Dr. Andrea Meurer statt– der ersten Kongresspräsidentin in der Geschichte der VSOU-Jahrestagung. Wettbewerb um freie Stellen 269 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Juni 2014

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BVOU Weichenstellungen in jeder Hinsicht Gut auf Kurs Aktion Orthofit 2014 „Zeigt her Eure Füße“ Der aktuelle HaftpflichtSchadenfall Neue Mitglieder Änderungen der Mandatsträger in den BVOU-Bezirken 307 310 DGOU Aus der Deutschsprachigen Medizinischen Gesellschaft für Paraplegie Jahresbericht 2014 der AGA 312 Das Geschäftsstellen-Team O & U ist komplett 318 DGOOC Das Endoprothesenregister Deutschland als Erfolgsmodell 328 Die Deutsche Rheuma-Liga zu Gast 329 321 Jahresbericht des Arbeitskreises Manuelle Medizin 323 Kinderorthopädie in Bonn links und rechts des Rheins EndoCert – Aktueller Stand Neue Mitglieder 331 333 334 91 330 313 316 Jahresbericht der DVSE 2013 / 2014 324 Neue Mitglieder 326 316 Neue Mitglieder DGU Vollzähligkeit als Qualitätsmerkmal 336 Neue Organisationsstruktur im TraumaNetzwerk DGU® Neue Mitglieder 338 339 Namen Personalia Wir gratulieren . . . L A U D AT I O 302 303 Ein Leben voller Superlative 304 Für Sie gelesen Für unsere Mitglieder Service / Preise Kursangebote Kleinanzeigen OU Medizin und Markt 340 342 346 354 355 F O L G E N S I E U N S A U F FA C E B O O K : www.facebook.de/dgou.ev Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Juni 2014 241

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Impressum Herausgeber Für den Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. Präsident Dr. med. Andreas Gassen Für die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e. V. Generalsekretär Prof. Dr. med. Fritz Uwe Niethard Für die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e. V. Generalsekretär Prof. Dr. med. Reinhard Hoffmann Schriftleitung DGOOC Prof. Dr. med. Fritz Uwe Niethard (V.i.S.d.P.) Geschäftsstelle DGOOC Straße des 17. Juni 106–108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 30 Fax: (0 30) 340 60 36 31 E-Mail: funiethard@dgooc.de Schriftleitung BVOU Prof. Dr. med. Karsten Dreinhöfer (V.i.S.d.P.) Geschäftsstelle BVOU Straße des 17. Juni 106–108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 30 02 40 92 12 Fax: (0 30) 30 02 40 92 19 E-Mail: dreinhoefer@bvou.net Schriftleitung DGU Prof. Dr. Reinhard Hoffmann Joachim Arndt Geschäftsstelle der DGU Straße des 17. Juni 106–108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 20 Fax: (0 30) 340 60 36 21 E-Mail: office@dgu-online.de Redaktion Jana Ehrhardt-Joswig Tel.: (0 30) 340 60 36 30 E-Mail: jana.ehrhardt@gmx.de Verlag Georg Thieme Verlag KG Dr. Grit Vollmer Rüdigerstr. 14 70469 Stuttgart Tel.: (07 11) 89 31 630 Fax: (07 11) 89 31 408 E-Mail: grit.vollmer@thieme.de www.thieme.de/oumn www.thieme-connect.de/products/oumn Verantwortlich für den Anzeigenteil Christine Volpp, Thieme Media, Pharmedia Anzeigen- und Verlagsservice GmbH Rüdigerstr. 14 70469 Stuttgart Tel.: (07 11) 89 31 603 Fax: (07 11) 89 31 470 E-Mail: christine.volpp@thieme.de Erscheinungsweise 6 x jährlich: Februar/April/Juni/August/ Oktober/Dezember Zur Zeit gültiger Anzeigentarif Nr. 18 vom 1. Oktober 2013 ISSN 2193-5254 Satz und Layout Georg Thieme Verlag KG Druck Grafisches Centrum Cuno GmbH & Co. KG Gewerbering West 27 39240 Calbe Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. Vorstand Präsident Dr. med. Andreas Gassen, Düsseldorf Vizepräsident Helmut Mälzer, Berlin Vizepräsident Prof. Dr. med. Karsten Dreinhöfer, Berlin Vizepräsident Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, Braunschweig Schatzmeister Dr. med. Helmut Weinhart, Starnberg Vorstandsmitglied Dipl.-Med. Frank-Ullrich Schulz, Brandenburg Vorstandsmitglied Dr. med. Angela Moewes, Bochum Generalsekretär der DGOU Prof. Dr. med. Fritz Uwe Niethard, Aachen Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie Geschäftsführender Vorstand Präsident Prof. Dr. med. Bertil Bouillon, Köln Erster Vizepräsident Prof. Dr. Christoph Josten, Leipzig Zweiter Vizepräsident Prof. Dr. med. Michael Nerlich, Regensburg Dritter Vizepräsident Prof. Dr. med. Florian Gebhard, Ulm Generalsekretär Prof. Dr. med. Reinhard Hoffmann, Frankfurt/ Main Schatzmeister Prof. Dr. Joachim Windolf, Düsseldorf Schriftführer Prof. Dr. Andreas Seekamp, Kiel Geschäftsführer der AUC – Akademie der Unfallchirurgie GmbH Prof. Dr. Johannes Sturm, München/Münster Geschäftsstelle der DGU Straße des 17. Juni 106–108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 20 Fax: (0 30) 340 60 36 21 E-Mail: office@dgu-online.de www.dgu-online.de Geschäftsstelle des BVOU Straße des 17. Juni 106–108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 79 74 44 44 Fax: (0 30) 79 74 44 45 E-Mail: bvou@bvou.net www.bvou.net Jährlicher Bezugspreis* Versandkosten Persönliches Abonnement (Gesamtpreis inkl. Versandkosten) Institutionelles Abonnement** (Gesamtpreis inkl. Versandkosten) Inland 32,80 219,(251,80 €) 375,(407,80 €) Ausland 34,90 219,(253,90 €) 375,(409,90 €) Übersee 42,80 219,(261,80 €) 375,(417,80 €) * unverbindlich empfohlene Preise (gültig bis 31.12.2014) ** Weitere Informationen finden Sie unter http://www.thieme.de/connect/de/services/productlicensing.html 242 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Juni 2014

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Impressum Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e. V. Geschäftsführender Vorstand Präsident Prof. Dr. med. Henning Windhagen, Hannover 1. Vizepräsident Prof. Dr. med. Bernd Kladny, Herzogenaurach 2. Vizepräsident Prof. Dr. med. Rüdiger Krauspe, Düsseldorf Generalsekretär Prof. Dr. med. Fritz Uwe Niethard, Berlin Schatzmeister Prof. Dr. med. Werner E. Siebert, Kassel Präsident des Berufsverbandes BVOU Dr. med. Andreas Gassen, Berlin Leiter Konvent der Lehrstuhlinhaber für Orthopädie Prof. Dr. h. c. Joachim Grifka, Bad Abbach Vorsitzender VLOU Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, Braunschweig Geschäftsstelle der DGOOC Straße des 17. Juni 106–108 (Eingang Bachstraße) 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 30 Fax: (0 30) 340 60 36 31 E-Mail: info@dgooc.de www.dgooc.de Österreichische Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie Geschäftsführender Vorstand Präsident (und Präsident der DGOOC) Prof. Dr. med. Henning Windhagen, Düsseldorf Stellv. Präsident (und Präsident der DGU) Prof. Dr. med. Bertil Bouillon, Köln 2. Vizepräsidenten von DGU und DGOOC Prof. Dr. med. Michael Nerlich, Regensburg Prof. Dr. med. Rüdiger Krauspe, Düsseldorf Generalsekretär (und Generalsekretär der DGOOC) Prof. Dr. med. Fritz Uwe Niethard, Aachen Stellv. Generalsekretär (und Generalsekretär der DGU) Prof. Dr. med. Reinhard Hoffmann, Frankfurt/Main Schatzmeister (und Schatzmeister der DGU) Prof. Dr. med. Joachim Windolf, Düsseldorf Schatzmeister der DGOOC Prof. Dr. med. Werner E. Siebert, Kassel Vertreter der nichtselbständigen Ärzte aus dem nichtständigen Beirat Dr. Richard Stange, Münster Leiter des Ausschusses Versorgung, Qualität und Sicherheit Dr. Daniel Frank, Düsseldorf Leiterin des Ausschusses Bildung und Nachwuchs Prof. h.c. Dr. Almut Tempka, Berlin Leiter des Ausschusses Wissenschaft und Forschung Prof. Dr. Dr. h.c. Joachim Grifka, Bad Abbach Vertreter des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) Dr. med. Andreas Gassen, Düsseldorf Vertreter des Berufsverbandes Deutscher Chirurgen (BDC) Dr. Jörg-A. Rüggeberg, Bremen Vertreter des Jungen Forums der DGOU Dr. Matthias Münzberg, Ludwigshafen DGOU-Geschäftsstelle Straße des 17. Juni 106–108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 00 Fax: (0 30) 340 60 36 01 office@dgou.de www.dgou.de Vorstand Präsident Prim. Dr. Peter Zenz, Wien/Österreich 1. Vizepräsident Univ. Prof. Dr. Stefan Nehrer, Krems/Österreich 2. Vizepräsident Prim. Univ. Prof. Dr. Mag. Bernd Stöckl, Österreich Generalsekretär Univ. Prof. Dr. Alexander Giurea, Wien/Österreich Kassierer Prim. Univ. Prof. Dr. Martin Dominkus, Österreich Schriftführer Univ. Prof. Dr. Catharina Chiari, Wien/Österreich Fachgruppenobermann Dr. Rudolf Sigmund, Oberwart/Österreich Sekretariat der ÖGO c/o Medizinische Akademie Alserstraße 4 A-1090 Wien Kontakt: Dagmar Serfezi Tel.: +43-1 - 405 13 83 21 Fax: +43-1 - 407 13 82 74 E-Mail:ds@medacad.org Mitglieder der oben genannten Verbänden und Gesellschaften erhalten die Zeitschrift im Rahmen der Mitgliedschaft. Mitglied der Arbeitsgemeinschaft LA-MED Kommunikationsforschung im Gesundheitswesen e. V. Mitglied der Informationsgesellschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V. Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Juni 2014 243

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Nachrichten Kurz und bündig Studentischer Sprecherrat wählt Stefanie Weber zur neuen Vorsitzenden Stefanie Weber, Medizinstudentin im 7. Semester an der Universität Göttingen, ist im April zur neuen Vorsitzenden des Sprecherrates der Medizinstudierenden im Marburger Bund gewählt worden. Stefanie Weber ist eine der YOUngsterʼs O & U, der studentischen Vertretung der Sektion Nachwuchsförderung des Jungen Forums Stefanie Weber der DGOU. Einen der Arbeitsschwerpunkte des Sprecherrates verortet Weber bei den Studientagen im PJ. Studierende müssten auch weiterhin an einem ganzen beziehungsweise an zwei halben Tagen pro Arbeitswoche von Routineaufgaben freigestellt werden, um sich dem Selbststudium widmen oder sich auf das Examen vorbereiten zu können. Auch die PJ-Aufwandsentschädigung sei ein Diskussionsdauerbrenner. (red) Foto: Marburger Bund Bei der Summer School 2013 Jetzt bewerben zur Summer School 2014! Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) veranstaltet vom 22. bis 23. September 2014 die sechste Summer School. Ein intensives Zwei-Tage-Programm in Regensburg unter dem Motto „Horizonte öffnen – Neues entdecken“ gibt Medizinstudenten einen umfassenden Ein- und Überblick in das Fach Orthopädie und Unfallchirurgie. Schwerpunkt der Summer School 2014 sind praktische Übungen in Kleingruppen zu den Themen AO Skills Lab, Osteosynthese, Arthroskopie und Endoprothetik. Studierende aller klinischen Semester können sich noch bis zum 11. Juli bewerben. Die Teilnahme ist kostenlos. Neben den praktischen Übungen gibt es Impulsreferate und Podiumsdiskussionen zu den Themen Karriereplanung, Forschung sowie Karriere und Familie. Tutoren sind unter anderem die Incoming-Präsidenten Prof. Dr. Rüdiger Krauspe aus Düsseldorf und Prof. Dr. Michael Nerlich aus Regensburg. Darüber hinaus bekommen die Studenten einen hautnahen Einblick in die Praxis und die Gelegenheit, mit typisch orthopädisch bzw. unfallchirurgisch versorgten Patienten ins Gespräch zu kommen. Es stehen 30 Plätze für die Summer School 2014 zur Verfügung. Das Junge Forum der DGOU benennt in einem Auswahlverfahren die Kandidaten für die Summer School 2014. Die DGOU übernimmt die Kosten für die Übernachtung und die Abendveranstaltung. Die Anfahrt muss selbst bezahlt werden. Susanne Herda BÄK genehmigt „Medizinische Begutachtung“ In der OUMN 2 / 2014 hat Prof. Dr. Marcus Schiltenwolf, Heidelberg, die Strukturierte curriculäre Fortbildung (SCF) „Medizinische Begutachtung“ vorgestellt (Seite 174). Der Vorstand der Bundesärztekammer hat diese SCF mittlerweile einstimmig genehmigt. Infolgedessen können nun alle Ärztekammern diese SCF einführen – mit Ausnahme von Niedersachsen und BadenWürttemberg, wo es keine SCF gibt. (red) Bericht zur Sonderauswertung Nosokomialer Infektionen Der Gemeinsame Bundesausschuss hat in seiner Sitzung am 22. Mai 2014 die Abnahme des Berichts zur Sonderauswertung nosokomialer Infektionen beschlossen. Grundlage dieser Sonderauswertung sind Daten der externen stationären Qualitätssicherung. Der Orthopädie und Unfallchirurgie bescheinigt der Bericht im Jahr 2012 eine hohe Prozessqualität. Die höchsten postoperativen Wundinfektionsraten treten nach endoprothetischen Revisionseingriffen auf. Der vollständige Bericht kann heruntergeladen werden unter: www.sqg.de (red) Klinikärzte unter Stress Mehr als die Hälfte aller im Krankenhaus tätigen Ärzte leiden unter gesundheitsschädigendem Stress. Zu diesem Ergebnis kommen Arbeitsmediziner der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Ihrer Umfrage zufolge standen die Teilnehmer insbesondere in der Assistenzarztzeit unter Stress. Des Weiteren litten die weiblichen Ärzte im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen mehr unter dem Klinikalltag. Insgesamt sinkt der Stress jedoch mit jeder Stufe, die Mediziner auf der Karriereleiter nach oben steigen. Für ihren Beitrag „Ärztlicher Disstress – eine Untersuchung baden-württembergischer Ärztinnen und Ärzte in Krankenhäusern“, der in der „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ erschienen ist, sind Erstautor Jan Bauer und Co-Autor Prof. Dr. Dr. David Groneberg mit dem DMW Walter Siegenthaler Preis ausgezeichnet worden. (red) MEHR INFOS Weitere Informationen, unter anderem auch einen Film über die Summer School 2013 sowie den Online-Bewerbungsbogen finden Sie unter: www.jf-ou.de 244 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Juni 2014 Fotos: JuFo

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Nachrichten Perspektivforum Junge Chirurgie nun unter dem Dach der DGCH Bei der Mitgliederversammlung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) am 27. März 2014 wurde beschlossen, als chirurgische Dachgesellschaft das Perspektivforum Junge Chirurgie (PFJC) zu implementieren. Das PFJC geht auf eine Initiative des Jungen Forums O & U zur interdisziplinären Zusammenarbeit der chirurgischen Nachwuchsvertretungen im Jahre 2012 zurück. Der Nachwuchs in der Chirurgie ist mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert: zum Beispiel die stetig steigende Leistungsverdichtung, zunehmende Ökonomisierung in Praxis und Klinik, die Notwendigkeit einer breiten und fundierten Weiterbildung bei immer geringer werdender Präsenzzeit in der Klinik durch die gesetzliche Vorgabe entsprechender Arbeitszeitrichtlinien sowie die demografische Entwicklung unserer Gesellschaft. Da diese Belange die Angehörigen aller chirurgischen Fächer betrifft, entstand bei einer Ausschusssitzung des Jungen Forums O & U im Sommer 2012 die Idee, Kontakt mit Nachwuchsvertretungen der anderen chirurgischen Fachdisziplinen aufzunehmen und mit ihnen zusammenarbeiten. Bei einer Perspektivtagung Anfang 2013 wurde das Perspektivforum Junge Chirurgie (PFJC) gegründet. Seit der DGCH-Mitgliederversammlung am 27. März dieses Jahres ist das PFJC nun offiziell in die DGCH integriert. Der Beirat des PFJC setzt sich aus jeweils einem Vertreter der beteiligten Fachgesellschaften zusammen. Aus diesem Krei- Teilnehmer der Arbeitstagung des PFJC während des DGCHJahreskongresses 2014 se werden jeweils ein Sprecher, ein Stellvertreter als auch ein Schriftführer gewählt. Ausgewählte Projekte werden von „Spezialisten“ aus den einzelnen Vertretungen begleitet und unterstützt. Fachgebietsübergreifend sollen unter anderem Aspekte aus den Bereichen Aus- und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung sowie Familie und Beruf bearbeitet werden. Dr. Gerhard Achatz Dr. Matthias Münzberg DFG bewilligt zweite Förderphase für Sonderforschungsbereich zu Osteoporose Der Bewilligungsausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ist für die Verlängerung des Sonderforschungsbereichs/Transregio 79 (SFB/TRR 79). In Gießen, Dresden und Heidelberg werden neuartige „Werkstoffe für die Geweberegeneration im systemisch erkrankten Knochen“ erforscht und entwickelt. und untersucht. Im Mittelpunkt stehen die Volkskrankheit Osteoporose sowie das Multiple Myelom, das meist auch eine lokale Knochenzerstörung verursacht. Bei beiden systemischen Erkrankungen treten im Vergleich zu knochengesunden Vergleichsgruppen nicht nur deutlich häufiger Knochenbrüche auf, sondern diese heilen auch langsamer und schlechter. Osteoporotische Knochenveränderungen gelten als Ursache der Hälfte aller Frakturen bei Frauen jenseits des 50. Lebensjahrs und für 20 Prozent der Frakturen gleichaltriger Männer. Mit zunehmendem Alter steigen diese Werte weiter an. Damit hat die Osteoporose eine gewaltige sozioökonomische Bedeutung. Derzeit gibt es für die klinische Behandlung von osteoporotischen Frakturen und Tumor-bedingten Knochendefekten noch keine Biomaterialien. Der SFB erforscht die Besonderheiten der Knochenheilung bei Osteoporose (Schwerpunkt der Arbeiten in Gießen) sowie von osteolytischen Defekten, hervorgerufen durch ein Multiples Myelom (Schwerpunkt Heidelberg). Hauptaufgabe der Gruppen am Standort Dresden ist die Entwicklung neuer Biomaterialien – und zwar sowohl für die Heilung von Knochen-Substanzdefekten als auch für die Stabilisierung (metallische Implantate und Biomaterialien) von Frakturen, die den besonderen Verhältnissen der gestörten Knochenheilung Rechnung tragen. Die zweite Förderphase des SFB/TRR 79 läuft von Juli 2014 bis Juni 2018. Die DFG hat dafür 9,9 Millionen Euro bewilligt. Quelle: SFB/TRR 79 Quelle: SFB/TRR 79 Im Rahmen des SFB/TRR 79, der vor vier Jahren seine Arbeit aufgenommen hat, werden innovative Biomaterialien und metallische Implantat-Werkstoffe für die Heilung von Frakturen und Defekten des systemisch erkrankten Knochens entwickelt Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Juni 2014 Foto: PFCJ 245

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Nachrichten Weißbuch Technische Orthopädie will aufrütteln keit der interdisziplinären Zusammenarbeit gesprochen – zwei Sätze weiter hört man dann nur noch vom § 128, und bei der Zusammenarbeit zwischen Arzt und Techniker wird ausschließlich über die unberechtigte Vorteilnahme gesprochen, da stimmt etwas nicht.“ Der Vorsitzende des Fachbeirates TO, Matthias Bauche, plädierte für mehr Aufmerksamkeit hinsichtlich „überall deutlich sichtbarer Probleme“, die nach heutigem Stand der Technik vermeidbar wären. Allerdings sei das dafür notwendige technisch-konservative Wissen nicht breit genug vorhanden, so dass gar nicht, zu wenig oder mitunter sogar fehlversorgt werde. „Technische Orthopädie ist vor allem eines: Innovation“ Die Herausgeber und der Projekt-Koordinator (v. l. n. r.): Matthias Bauche, Prof. Dr. Bernhard Greitemann, Klaus-Jürgen Lotz, Prof. Dr. Wolfram Mittelmeier und Bernd Wünschmann. Foto: BIV-OT Dass ein nicht-medizinischer Berufsstand ein Weißbuch zu einem medizinischen Thema veröffentlicht, ist ein Novum. So geschehen im April 2014: In Berlin stellte der Bundesinnungsverband Orthopädie.Technik (BIV-OT) das „Weißbuch Technische Orthopädie“ vor. Herausgeber ist der Fachbeirat Technische Orthopädie des BIV-OT, dem seitens der DGOOC / DGOU Prof. Dr. Bernhard Greitemann und Prof. Dr. Wolfram Mittelmeier angehören. Das Weißbuch kommt in hochwertiger Optik in modernem Design daher und bietet einen umfassenden Überblick über den Stand der Branche. „Rahmenbedingungen und Strukturen der Technischen Orthopädie in Deutschland“ – so lautet der vollständige Titel des Weißbuchs. Es verortet die Technische Orthopädie an der Schnittstelle zwischen Medizin und Technik und als eigentlichen Ursprung des Faches Orthopädie. Um das Arbeitsfeld der Technischen Orthopädie einzukreisen, gibt das Weißbuch zunächst einen Überblick über den demografischen Wandel und den damit einhergehenden Anstieg der orthopädischen und unfallchirurgischen Erkrankungen und Verletzungen. Es beschreibt die rechtlichen Rahmenbedingungen für Leistungserbringer und -empfänger, analysiert den Markt der Technischen Orthopädie, erklärt, wie die Hilfsmittelversorgung in Deutschland funktioniert und reglementiert ist. Ein Überblick über Verbände, Institutionen und Netzwerke im Bereich der Technischen Orthopädie ist ebenso hilfreich wie der über den Stand der Forschung. Auch das Berufsbild des Orthopädie-Technikers wird dargestellt. Den Abschluss bildet eine Sammlung von Artikeln über therapeutische Ansätze in der Technischen Orthopädie. Dabei wird ein Bogen von so klassischen Methoden wie der Orthesenversorgung der Wirbelsäule oder der orthopädietechnischen Behandlung des diabetischen Fußsyndroms über zeitgemäße Armprothetik bis hin zu zukunftsweisenden Technologien wie Brain-Computer-Interfaces, Neuroprothesen und Exoskelette geschlagen. Alles in allem ein ambitioniertes Projekt, mit dem der BIV-OT kein geringeres Ziel hat, als die Politik wachzurütteln. So sagte Klaus-Jürgen Lotz, Präsident des BIV-OT und Initiator des Fachbeirates, bei der Vorstellung des Buches: „In der Politik wird gern und viel von der Notwendig- Prof. Dr. Wolfram Mittelmeier, stellvertretender Vorsitzender des Fachbeirates und ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), hob vor allem auf die Innovationskraft des Faches ab. „Es geht darum, die technische Orthopädie in ihrer Kombination von Medizin und Technik als unwahrscheinlich innovatives Fach zu begreifen.“ Angesichts begrenzter Ressourcen rücke eine zentrale Frage in den Mittelpunkt: „Welche Versorgung ist vorzuziehen, welche ist die bessere?“ Neben der Entwicklung von Ausbildungskonzepten sieht Mittelmeier daher einen Schwerpunkt der Arbeit des Fachbeirates in der Entwicklung von Studiendesigns, die die Wirksamkeit neuer Untersuchungs- und Behandlungsmethoden noch besser darzulegen vermögen. „Man muss neben der Operation auch die konservative Versorgung im Köcher haben“ Prof. Dr. Bernhard Greitemann, Vorsitzender Vereinigung Technische Orthopädie (VTO) und der Initiative 93, stellte die Defizite in der Facharztweiterbildung in den Fokus. „Im Bereich der Technik gibt es enorme Entwicklungen, so dass es nicht leicht ist, als Verordner up-to-date zu bleiben. Hierzu braucht es eine gemeinsame Initiative zwischen Technikern und Ärzten, um die Fortschritte gemeinsam in die Ausbildung zu bringen.“ Zwar habe man „mehr als 1.800 Kollegen vor der Facharztausbildung ein entsprechendes Know-How in technischer Orthopädie mitgeben können“, allerdings reiche dies nicht aus. „Ein Arzt, dem es nach der Facharztprüfung erlaubt ist, innovative oder teure Hilfsmittel zu verschreiben, sollte mindestens ein Basiswissen über diese Versorgung nachweisen müssen.“ Die Arbeit in den Gremien müsse daher weiter darauf zielen, die Technische Orthopädie verpflichtend in die Weiterbildung zu integrieren und in den Katalog der Prüfungsfragen aufzunehmen. „Wenn wir es in den nächsten Jahren nicht schaffen, klare Strukturen zu schaffen, werden wir entweder versorgungs- oder ausgabentechnisch in Probleme rudern.“ Quelle: BIV-OT BESTELLUNGEN via E-Mail: bestellung@biv-ot.org per Telefon: (02 31) 55 70 50 51 Preis: 59,95 Euro Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Juni 2014 246

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Aus unserem Fach V S O U - J A H R E S TA G U N G Der Kongress der Frauen Vom 1. bis 3. Mai 2014 fand in Baden-Baden die 62. Jahrestagung der Vereinigung Süddeutscher Orthopäden und Unfallchirurgen statt. Univ.-Prof. Dr. Andrea Meurer, Frankfurt / Main, war Kongresspräsidentin. Als erste Frau an der Spitze des Kongresses nahm sie neben den wissenschaftlichen Themen aus O & U auch das Thema der Karrierewege für Frauen ins Programm auf. 248 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Juni 2014

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Aus unserem Fach Sie sind eine seltene Spezies in der Orthopädie und Unfallchirurgie: weibliche Chefärztinnen. Nur zwei Ordinaria gibt es in Deutschland. Eine von ihnen, Frau Univ.-Prof. Dr. Andrea Meurer, Ärztliche Direktorin und Geschäftsführerin der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim in Frankfurt / Main, war die erste Frau, die der VSOU-Jahrestagung in ihrer bislang 62-jährigen Geschichte als Präsidentin vorstand. Sie bot ein abwechslungsreiches und breitgefächertes Programm mit über 400 Programmpunkten, informativen Fachvorträgen, Workshops und Podiumsdiskussionen zu gesellschaftspolitischen Brennpunkten – nicht weniger als in den Jahren zuvor, und das, obwohl der Kongress nur drei statt wie bislang vier Kongresstage dauerte. Hauptthemen waren „Sicherheit“, „Der ältere Mensch in Orthopädie und Unfallchirurgie“, „Kinderorthopädie und -traumatologie“ sowie „Revisionschirurgie“. Daneben standen auch gesellschaftspolitische Themen auf dem Programm. Etwa 2.500 Fachbesucher waren dafür nach Baden-Baden gekommen. Gesundheitssystem in Schieflage Für Prof. Meurer war dies die zweite Premiere in Baden-Baden. In diesem Jahr die Premiere als Kongresspräsidentin und vor 22 Jahren, um dort den ersten wissenschaftlichen Vortrag ihrer Laufbahn zu halten. Die Frauen unter den Vortragenden konnte man damals an einer Hand abzählen, erinnert sie sich. „Man rief mich auf als Herr Meurer. Ansonsten war man nett zu mir.“ In ihrer Eröffnungsansprache ging sie auf die aktuelle Situation des Gesundheitswesens ein. „Das System ist in Schieflage“, beklagte sie. Kostenbewusstes Handeln sei gut, aber nur, wenn es darum gehe, indiziert zu handeln. „Unsere Aufgabe ist es einzig und allein, den Patienten zu heilen. Was man sich leisten möchte und wie das zu finanzieren ist, ist gesellschaftspolitischer Wille und dort zu diskutieren.“ Prof. Dr. Almut Tempka hatte bei der Pressekonferenz angeprangert, dass das Gesundheitssystem zunehmend entgelt-getriggert funktioniere und dadurch industrialisiert würde – eine Folge davon sei, dass konservative Behandlungsmöglichkeiten kaum noch in Betracht kämen. Die Ankündigung der Bundesregierung, nur noch qualitätsgesicherte Leistungen zu bezahlen, sei lobenswert, aber kurzfristig nicht umsetzbar. Unabdingbare Voraussetzung sei die Qualifikation aller Beteiligten und – vor allem – die Befreiung von ökonomischen Anreizsystemen. Die Verunsicherung der Patienten sei groß, so Prof. Meurer – „das ist für unseren Berufsstand nicht gut, wir verlieren dadurch die Nähe zu unseren Patienten. Wir müssen publik machen, dass wir uns längst und intensiv um Qualität bemühen.“ Wohl auch aus diesem Grund war das Thema „Sicherheit“ allgegenwärtig im Kongressprogramm. Bei der Pressekonferenz sprach Prof. Dr. Wolfram Mittelmeier aus Rostock, Vorsitzender der AG Implantatsicherheit der DGOU, über die Qualitätsinitiativen der Fachgesellschaften. In der Öffentlichkeit bekannt und sehr positiv aufgenommen sind das Endoprothesenregister und die EndoCert-Initiative der DGOOC. Die Teilnahme am Endoprothesenregister sei bislang freiwillig und müsse in einem nächsten Schritt für alle Kliniken verpflichtend werden. Auch EndoCert sei bislang eine Erfolgsgeschichte – „das sich am schnellsten entwickelnde Zertifizierungssystem im deutschen Gesundheitssystem.“ 400 Kliniken seien bislang zur Zertifizierung angemeldet, 120 tragen das EndoCert-Siegel bereits. In Anbetracht der Qualitätsbestrebungen, die sich die Politik derzeit auf ihre Fahnen schreibt, sind EPRD Fotos: Fotoatelier Christiane Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Juni 2014 249

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Aus unserem Fach und EndoCert die beste Chance, dabei nicht den Anschluss zu verpassen. Operieren wir zuviel? Diese Entwicklung ist von unschätzbarer Bedeutung für das Fach. Gerade die Orthopädie und Unfallchirurgie ist im Zuge der Diskussion um überhöhte Operationszahlen stark in die Negativschlagzeilen geraten. Das kann man als ungerechtfertigt zurückweisen. Oder man kann sich offen auf eine Diskussion einlassen. Nur in der Konfrontation mit dem Thema lassen sich Zwänge im System aufzeigen, denen Ärzte unterliegen und die sie nicht zu verantworten haben. Bei einer Podiumsdiskussion „Wirbelsäule – Operieren wir zuviel?“ unter der Moderation von Dr. Vera Zylka-Menhorn vom Deutschen Ärzteblatt suchten Experten nach einer Antwort auf die Frage, warum in Deutschland so viel operiert wird. 15 Millionen stationäre Eingriffe werden hierzulande alljährlich durchgeführt – viele davon seien unnötig, manche sogar schädlich, heißt es in einer Dokumentation mit dem Titel „Vorsicht Operation!“, die im März dieses Jahres auf 3Sat ausgestrahlt wurde. Die in der Baden-Badener Runde versammelten Experten machten für diese Entwicklung mehrere Faktoren verantwortlich: So sei nicht auszuschließen, dass das Fallpauschalensystem zur Vergütung der Krankenhausleistungen Fehlanreize setze. Immer mehr Wirbelsäulenzentren würden gegründet, die unter dem Deckmantel Wirbelsäule das gesamte neurochirurgische, in der Regel gut vergütete Behandlungsspektrum anböten. Insgesamt gebe es zu viele Krankenhausbetten; diese müssten finanziert werden, zur Not eben mit unnötigen Eingriffen – „Wir sind nicht dafür verantwortlich, dass die Politik sich scheut, überflüssige Krankenhäuser zu schließen“, betonte Prof. Dr. Christoph Josten, Direktor der Klinik für Unfall-, Wiederherstellungs- und Plastische Chirurgie am Universitätsklinikum Leipzig. So seien die Patienten aufgrund der Medienberichte zwar verunsichert und oftmals nur schwer von notwendigen Eingriffen zu überzeugen. Andererseits jedoch seien sie „sehr technikaffin“ und nicht bereit, die Grenzen der Medizin anzuerkennen. Dr. Hermann Locher, niedergelassener Facharzt für O & U in Tettnang und Baden-Badener Kongresspräsident 2013, plädierte dafür, dass Orthopäden die „gesamte Klaviatur der konservativen Schmerztherapie beherrschen“ müssten. „Da sind wir nicht gut genug aufgestellt, und es gibt dafür zu wenig ausbildungsberechtigte Zentren.“ Prof. Dr. Raimund Casser, Ärztlicher Direktor des DRK-Schmerzzentrums Mainz, plädierte für mehr Vertrauen innerhalb der verschiedenen Disziplinen. „Wir dürfen nicht zulassen, dass sich die operative und konservative Sparte immer weiter auseinander entwickeln.“ Ein weiteres großes Problem seien Zielvereinbarungen in Chefarztverträgen, zumindest wenn sie eine bestimmte Anzahl an Eingriffen vorgeben. „Würden darin bestimmte Qualitätsziele festgeschrieben, könnten sie als Steuerungsinstrument jedoch sehr gut funktionieren“, stellte Jürgen Malzahn vom AOK-Bundesverband fest. „Ich würde mir wünschen, dass die Fachgesellschaften Parameter für solche Qualitätszielvereinbarungen aufstellen würden.“ Alles in allem wünschten sich die Diskutanten ein Gesundheitssystem, in dem sie sich auf ihre ureigene Aufgabe, nämlich die Versorgung der Patienten, konzentrieren könnten. Frauen in der Medizin Dass Prof. Meurer sich nicht davor gescheut hat, auch „weibliche“ Themen auf die Kongress-Agenda zu nehmen, war keinesfalls selbstverständlich. Nicht jede weibliche Führungskraft fühlt sich zur Gallionsfigur für die Gleichberechtigung berufen. Doch schon während der Pressekonferenz am ersten Tag waren die Frauen auf dem Podium in der Überzahl. In Anbetracht der zunehmenden und von manchen gar gefürchteten „Feminisierung der Medizin“ war dies ein wichtiges Signal – dafür, dass es sich die Orthopädie und Unfallchirurgie nicht mehr länger leisten kann, dass von den vielen Frauen, die ein Medizinstudium beginnen, nur so wenige in der Führungsriege ankommen. Denn auf der einen Seite ist der medizinische Nachwuchs knapp, auf der anderen Seite nehmen die orthopädischen und unfallchirurgischen Erkrankungen und Verletzungen im Zuge des demo- Foto: Fotoatelier Christiane Frauen-Power: Über „Karrierestrategien für Frauen“ diskutierten unter der Moderation von Sabine Rückert (Mitte), stellvertretende Chefredakteurin der „Zeit“, Eva Wunsch-Weber (l.), Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Volksbank, Prof. Dr. Natascha Nüssler (2. v. l.), Chefärztin der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und endokrine Chirurgie am Klinikum Neuperlach, Bettina Irmscher (3. v. l.), Kaufmännische Direktorin und Vorstandsmitglied des Uniklinikums Frankfurt, Ines Manegold (2. v. r.), Kaufmännische Geschäftsleiterin der Orthopädischen Uniklinik Friedrichsheim in Frankfurt, und Prof. Dr. Maria Roser Valenti, Institut für Theoretische Physik an der Frankfurter Goethe-Universität. 250 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Juni 2014

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Aus unserem Fach OUP-JAHRESBESTPREIS C ARL-R ABL-PREIS H. - G . -WILLERT-PREIS Der OUP-Jahresbestpreis geht in die dritte Runde: Prof. Dr. Jan-Dirk Rompe (Mitte) erhielt den vom Deutschen Ärzte-Verlag mit 1.000 Euro dotierten Preis für seinen Beitrag „Konservative Versorgungsrealität am Beispiel der Behandlung der symptomatischen Gonarthrose – ein Diskussionsbeitrag zum Thema „Operieren wir wirklich zu viel?“, erschienen in der Zeitschrift „Orthopädische und Unfallchirurgische Praxis“ (OUP) 9 / 2013. Überreicht wurde die Auszeichnung vom VSOUVorsitzenden Dr. Thomas Möller und VerlagsProduktmanangerin Marie-Luise Bertram. Die VSOU verlieh den mit 5.000 Euro dotierten Carl-Rabl-Preis für die beste Monografie auf dem Gebiet der Orthopädie / Unfallchirurgie und assoziierten Wissenschaften in diesem Jahr an Dr. Elmar Ludolph (l.) für die 13., völlig neu gestaltete Auflage des Buches „Der Unfallmann“. Prof. Dr. Jürgen Heisel, der den Preis überreichte, betonte, dass das Standardwerk für Begutachtung von keiner Krankenhausstation mehr wegzudenken sei. Es gebe drei Wege zum Ruin, gab der Preisträger anschließend zum Besten: „Frauen, Spielen und der Rat eines Experten.“ Im Gedenken an Prof. Dr. H. G. Willert verleiht die Orthopädische Gesellschaft für Osteologie den mit 50.000 Euro ausgestatteten H.-G.-Willert-Preis, um die Forschung auf dem Gebiet der Osteologie voranzubringen. In diesem Jahr konnte sich Prof. Dr. Andreas Niemeier (r.) vom UKE in Hamburg über die Finanzspritze freuen. „Damit lässt sich schon was anfangen“, sagte er freudestrahlend zu OGO-Präsident Dr. Hermann Schwarz, der ihm die Urkunde überreichte, und bedankte sich für die „unschätzbare Unterstützung. Damit können wir weiterarbeiten.“ grafischen Wandels immer mehr zu. Gut ausgebildete Ärztinnen aufgrund ihres Geschlechts nicht zum Zuge kommen zu lassen, ist schlicht nicht mehr zeitgemäß. Und doch ist die Chirurgie nach wie vor eine Männerdomäne, in der die Vorstellung des „starken Machers“ herrscht und für Frauen kein Platz gesehen wird. Während heutzutage 45 Prozent der Mediziner weiblich sind, sind Frauen in den chirurgischen Fächern weitaus seltener vertreten – 2012 waren gerade mal knapp 20 Prozent der Chirurgen Frauen. Das zeigte Dr. Regine Rapp-Engels, Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes, auf. Sie forderte einen ganzheitlichen Ansatz beitszeitmodelle in allen Bereichen. Dr. Stefanie Donner vom Jungen Forum O & U schilderte die Schwierigkeiten, mit denen eine Ärztin in Weiterbildung konfrontiert ist, wenn sie ein Kind erwartet und die Schwangerschaft ihrem Arbeitgeber bekannt gibt. In vielen Kliniken wird ein Operations- oder gar komplettes Beschäftigungsverbot ausgesprochen, was zu einer erheblichen Verzögerung der Weiterbildung führen kann. Dabei steht ein explizites Operationsverbot in keinem Gesetz, keiner Richtlinie oder Verordnung. Dr. Donner plädierte deshalb für eine personenbezogene Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz, saal eingesetzt werden möchte oder nicht. Dass die Diskussion um Chancengleichheit im Beruf noch lange kein alter Hut, sondern hochaktuell ist, machte auch die Podiumsdiskussion mit dem Titel „Karrierestrategien für Frauen“ am zweiten Kongresstag deutlich, moderiert von Sabine Rückert, stellvertretende Chefredakteurin der „Zeit“. Häufig bleibe der qualifizierte weibliche Nachwuchs einfach aus, stellte Maria Raser Valenti, Professorin für theoretische Physik an der Universität Frankfurt / Main, fest. Werde in ihrem Fachgebiet eine Professorenstelle ausgeschrieben, seien unter 80 Bewerbern gerade mal drei bis vier Bewerberinnen. Zwar liege der Frauenanteil im Studium bei 30 bis 35 Prozent – doch auf dem Weg nach oben blieben sie einfach auf der Strecke. Deshalb bräuchten Frauen nicht nur eine Quote für Führungspositionen; die Unterstützung müsse viel früher, schon während des Studiums, beginnen. Ein ganz wesentlicher Punkt – darin waren sich alle Rednerinnen einig – sei eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Prof. Dr. Natascha Nüssler, Chefärztin am Städtischen Klinikum München und Mutter von drei Kindern, „Unsere Aufgabe ist es einzig und allein, den Patienten zu heilen. Was man sich leisten möchte und wie das zu finanzieren ist, ist gesellschaftspolitischer Wille und dort zu diskutieren.“ Prof. Dr. Andrea Meurer zur Karriereentwicklung von Frauen: reformierte Weiterbildungsstrukturen, die eine Familienplanung erleichtern; unterstützende Mentoring-Programme für junge Chirurginnen; Kinderbetreuungsangebote, die zu den Arbeitszeiten von Ärztinnen passen; und flexible ArSchutzmaßnahmen wie beispielsweise ein präoperatives serologisches Screening der Patienten oder ein Unterlassen von ionisierender Strahlung während der Operationen und vor allem dafür, eine Schwangere selbst entscheiden zu lassen, ob sie weiterhin im Operations- Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Juni 2014 251

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Aus unserem Fach GRUSSWORTE DER PRÄSIDENTEN Bei der Eröffnungsveranstaltung brachten die Präsidenten der Fachgesellschaften und des Berufsverbandes ihre Grußworte dar. DGOOC-Präsident Prof. Dr. Henning Windhagen betonte „die vielen Erfolge in unserem Fach“ – über diese werde zwar nicht berichtet, nichtsdestotrotz seien sie vorhanden, man denke nur an die Fortschritte in der Arthroskopie, in der Gleitpaarung oder bei bruchsicheren Implantaten. Vor diesem Hintergrund rate er zu mehr Resilienz: „cool bleiben und weitermachen, nicht so sehr auf das hören, was tagtäglich gegen uns vorgebracht wird.“ DGU-Präsident Prof. Dr. Bertil Bouillon dankte für die prominente Platzierung unfallchirurgischer Themen im Kongressprogramm und betonte die größere Durchschlagskraft der O&U. „Wir stoßen auf größeres Gehör bei der Politik – das hätten wir als Einzelfächer nicht erreicht.“ Außerdem sei die O&U als großes Fach mit vielen Gestaltungsmöglichkeiten sehr attraktiv für den Nachwuchs. BVOU-Kongresspräsident Johannes Flechtenmacher mahnte, dass man nicht zulassen dürfe, dass große Teile des Faches an andere Fachgruppen fallen. Fortbildungsangebote dürfe man nicht unter Marketingaspekten betrachten, sondern durch die berufspolitische Brille. betonte, dass in der Medizin eine Auszeit von einem Jahr nach der Geburt eines Kindes durchaus möglich sei, ohne den Anschluss im Beruf völlig zu verpassen. Allerdings setzten viele Medizinerinnen drei bis fünf Jahre aus und kehrten danach nicht in Vollzeit in ihren Beruf zurück. Dann werde es schwierig mit der Karriere. Doch jede Frau müsse die Möglichkeit haben, ihren eigenen Weg zu gehen und dabei mit Kinderbetreuungsangeboten und flexiblen Arbeitsmöglichkeiten unterstützt werden. Dafür müssten auch althergebrachte Rollenbilder überwunden werden. Noch immer fühlen sich in der Regel ganz automatisch Mütter für kranke Kinder oder Töchter für pflegebedürftige Eltern zuständig. Vielleicht gelingt der Generation Y ein Wertewandel. Wenn Berufsanfänger sich für eine ausgeglichene Work-LifeBalance stark machen, dann vielleicht ja auch, weil Männer zunehmend an der Erziehung ihrer Kinder und am Haushalt teilhaben möchten. Es wäre – nicht nur den Frauen, sondern gerade auch den Männern – zu wünschen. Angebote für den Nachwuchs Themengebieten Kurse angeboten, die mit Einführungsreferaten begannen. Im Anschluss wurden die Assistenten / innen Schritt für Schritt an verschiedene Operationstechniken herangeführt. Dies beinhaltete insbesondere die praktische Übung an Modellen und Saw-Bones. Der VSOU-Nachwuchsförderpreis in Höhe von 750 Euro, der von der Firma Humantis gesponsert wird, ging in diesem Jahr an Frauke Grottke, Greifswald. Sie hielt einen Vortrag über die „Entwicklung eines effizienten in vivo Modells zur Untersuchung neuer Implantatmaterialien“. Neue Möglichkeiten für Rheuma-Patienten Wie schon in den Vorjahren fand auch ein Patiententag statt. Als eines der Kernthemen der Orthopäden stand in diesem Jahr Rheuma im Mittelpunkt. Circa 100 interessierte Besucher kamen in den Weinbrennersaal des Kurhauses nach Baden-Baden und nutzten die seltene Gelegenheit, sich von Experten eines Fachkongresses kostenlos informieren und beraten zu lassen. Tag der Technischen Orthopädie Technische Orthopädie aus Vertretern der verschiedenen Berufsgruppen unter dem Vorsitz von Matthias Bauche, Vizepräsident des BIV-OT, Prof. Dr. Bernhard Greitemann, Ärztlicher Direktor der Klinik Münsterland, und Prof. Dr. Wolfram Mittelmeier, Direktor der Orthopädischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Rostock, gegründet wurde, hat sich einiges getan. Der Tag der Technischen Orthopädie ist ein anerkanntes Forum geworden, bei dem Ärzte und Orthopädie-Techniker zusammentreffen, um Wissen und Erfahrungen auszutauschen. Sowohl von der VSOU-Frühjahrstagung als auch vom Jahreskongress der Fachgesellschaften, dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie im Oktober in Berlin, wo er in diesem Jahr bereits in die vierte Runde geht, ist er nicht mehr wegzudenken. Bisheriger Höhepunkt der Zusammenarbeit ist das Weißbuch Technische Orthopädie, das Lotz dem unfallchirurgischen Kongresspräsidenten 2015, Prof. Dr. Volker Bühren, Direktor der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Murnau, überreichte. Dabei dankte er den über 60 Referenten, die innerhalb von zehn Monaten in einem „absoluten Kraftakt“ das Weißbuch realisiert und möglich gemacht haben. Ausblick Baden-Baden 2015 Bei der 63. Jahrestagung der VSOU vom 30. April bis 2. Mai 2015 gibt es erneut eine Besonderheit. Erstmalig wird die Tagung von einer Doppelspitze aus Orthopädie und Unfallchirurgie gemeinsam geleitet. Zwei Kongresspräsidenten zeichnen dann für den Kongress verantwortlich: Prof. Dr. Thomas Horstmann, Bad Wiessee, und Prof. Dr. Volker Bühren, Murnau. Schwerpunktthemen werden Sport, Gelenkerhalt – Gelenkersatz, Prävention / Rehabilitation sowie Entwicklung und Fortschritt sein. Jana Ehrhardt-Joswig Zumindest beim Tag der Vorklinik äußerten junge Mediziner beiderlei Geschlechts den Wunsch danach. Ausgerichtet vom Jungen Forum O & U in Zusammenarbeit mit den Youngster’s O & U, wurden Studierende der Vorklinik in Vorträgen und Workshops mit der Orthopädie und Unfallchirurgie vertraut gemacht. Daneben fanden spezielle Workshops für Assistenten in der Weiterbildung statt, die zu großen Teilen von renommierten ASG-Fellows geleitet wurden. Anders als in den Vorjahren wurden zu unterschiedlichen Zum zweiten Mal fand in Baden-Baden der Tag der Technischen Orthopädie statt. Den Auftakt bildete der „mittlerweile lieb gewonnene Mittagsbrunch“, so Klaus-Jürgen Lotz, Präsident des BIVOT, der die zahlreichen Gäste begrüßte. Der Baden-Badener Kongress sei „ein besonderer Kongress, wo abseits von jeder Hektik Kontakte geknüpft und nette Gespräche geführt werden können.“ Seit vor vier Jahren im Rahmen der OTWorld (damals noch Orthopädie + Reha-Technik Kongress und Fachmesse) der Fachbeirat Jana Ehrhardt-Joswig ist freie Journalistin und Redakteurin der OUMN. 252 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Juni 2014

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