Porträt - Daniela Bechtold

 

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Porträt von Daniela Bechtold

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Daniela Bechtold Die friedliche Übernahme von b.i.g. Von Helmut Brückmann Nach Stationen in einem Industriekonzern und einer Unternehmensberatung ist Daniela Bechtold seit 2012 geschäftsführende Gesellschafterin der b.i.g.-Gruppe. Mag der Weg ins elterliche Unternehmen auch vorgezeichnet gewesen sein, so selbstverständlich war es dann doch nicht. Nicht, dass es ihr schwer gefallen wäre. Warum auch, angesichts des erfolgreichen Familienbetriebes, der in Karlsruhe 1981 seinen Ursprung fand. Heute hat die b.i.g.-Gruppe 33 Unternehmen in 26 Standorten und rund 3.000 Mitarbeiter. Vor fast 20 Jahren gewährte mir Firmenchef Bernd Bechtold ein umfassendes Interview. Jetzt bin ich mit seiner Nachfolgerin zum Gespräch verabredet. Denise Seitz vom Sekretariat der Gesellschafter führt mich in den großen Besprechungsraum, in dem sich seit mindestens 10 Jahren nichts verändert hat, sieht man von ein paar gerahmten Fotos irgendwelcher Stadien ab, die eine Wand zieren. Ich erhalte die obligatorische Tasse Kaffee. „Frau Bechtold kommt gleich.“ Stimmt. Drei Minuten später begrüßt mich Daniela Bechtold völlig unbekümmert, als würden wir uns schon ewigen Zeiten kennen. Und schon sind wir in ein wirklich privates Gespräch verstrickt. Kein Zweifel, diese Frau vermag ihren Gesprächspartner in den Bann zu ziehen. Wenn sie sich so bei ihren Kunden und Mitarbeitern verhält, ist mir um den Fortbestand des Unternehmens nicht Bange. Nachdem wir mehr als eine Stunde über „Gott und die Welt“ geplaudert haben, frage ich, wie viel Zeit denn noch für mich zur Verfügung steht. Mittlerweile ist es 17 Uhr. „Noch 30 Minuten“ lautet die Antwort, „dann habe ich die nächste Besprechung.“ Ihr Lächeln lässt mich meine misslungene Zeitplanung vergessen; schleunigst betätige ich den Aufnahmeknopf des Tonbandgerätes und bitte 3 um ein paar persönliche Daten. In ihrem Alter darf man noch danach fragen: „Ich

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bin jetzt 34 Jahre, mein Elternhaus steht in Jöhlingen, Baden-Württemberg. Dort ist auch das Bild mit der Badewanne entstanden“. Gemeint war das Aufmacherbild eines Beitrages von 1995 in CD SICHERHEITSMANAGEMENT, das ihren Vater als Kleinkind in einer Badewanne zeigt. Neben Daniela gibt es noch die ein Jahr ältere Schwester Birgit, „die sich schon sehr früh für Medizin interessierte und heute als Chirurgin arbeitet. Sie ist eine gute Partnerin für mich, wenn es gilt, Dinge auch mal aus einer anderen Sicht zu betrachten. Wir treffen uns regelmäßig und unterhalten uns auch über die Firma. Natürlich nicht über das operative Geschäft, aber aus ihrer Sicht klingt manches ganz anders. Ich brauche einen solchen Gedankenaustausch.“ Ich möchte aber noch einen kurzen Moment bei ihrer Jugendzeit bleiben. Schließlich hatte ihr Vater vor Jahren von seiner Tochter geschwärmt, die sich vornehmlich für Musik interessiere. Daniela Bechtold nickt: „Das stimmt. Ich habe schon früh mit Musik angefangen, in der Feuerwehrkapelle von Jöhlingen, die als Musikverein sehr erfolgreich war. Ich habe Querflöte gespielt und bei ‚Jugend musiziert’ sogar einen Preis gewonnen. Fünf Jahre lang habe ich Schüler in Musik unterrichtet und hätte natürlich sehr gerne Musik studiert. Meine Eltern haben mich darin unterstützt. Allerdings habe ich auch ein Faible für Mathematik. In der Schule hatte ich Mathe und Musik als Leistungsfächer belegt. Nach dem 4 Abitur musste ich mich entscheiden. Ich wählte Wirtschafts- und Ingenieurwesen, nachdem ich mir zuvor an der Uni probeweise Vorlesungen angehört hatte.“ Musik und Ingenieurwesen sind aber zwei grundverschiedene Dinge, bemerke ich so nebenbei. „Das würde ich nicht ganz so stehen lassen. Sie glauben gar nicht, wie viele Gemeinsamkeiten es zwischen Musik und Mathematik gibt, beide fußen auf der Logik, sind extrem logisch aufgebaut.“ Jetzt kann ich mich sogar an ein schönes Beispiel für diese These erinnern: Herbert von Karajan, der als Dirigent von absoluter Weltspitze sich auch mit Flugzeugtechnik befasste und bis zur Erreichung der Altersgrenze (70 Jahre) seinen Lear Jet selber flog. Dann schulte er um auf Helikopter, da es für diese Lizenz keine Altersbegrenzung gibt. Mit Blick auf die Uhr schlage ich vor, Unternehmensdaten aus den mir zugänglichen allgemeinen Unterlagen zu nehmen. Doch sie möchte mir die Daten selbst nennen: „Ich kann es kurz sagen. 1981 gründeten meine Eltern die Ingenieurgesellschaft, 1986 folgte dann der Bereich Sicherheit, einige Zeit später der Gebäudeservice. Als vierter Bereich ist Facility-Management zu nennen, wo alles miteinander kombiniert wird, sprich: komplexe Dienstleistungen.“ Ich weiß natürlich, dass es mehrere selbstständige Gesellschaften gibt. Ich habe 32 (!) gezählt. Meine Gesprächspartnerin lächelt: „Wir gründen gerade die 33., wenn Sie

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es genau wissen wollen.“ Selbstständige Gesellschaften bedeutet, dass es für jede Gesellschaft eine(n) Geschäftsführer(in) gibt und darüber schwebt dann die Holding mit Daniela Bechtold als Chefin, die das Ganze steuert? „Falsch! Wir haben keine Holding Struktur. Wir haben eine Zentrale, die b.i.g. management gmbh. Sie ist zuständig für alle zentralen Dienstleistungen unserer Unternehmen. Womit nicht gesagt ist, dass ansonsten unsere Gesellschaften tun und unterlassen können, was sie wollen. Alle Geschäftsführer und die zweite Führungsriege sind miteinander vernetzt, worin auch unsere Stärke liegt. Diese klaren Bindungen sorgen für eine einheitliche Ausrichtung. Wir arbeiten als eine Gruppe und nicht jeder für sich.“ Sie möchte mir nun über die Arbeit und den Erfolg der Gruppe berichten, man sei zum Beispiel mit den drei größten Flughäfen Deutschlands im Geschäft, man sei beim Bau von drei Stadien für die Fußball-WM in Brasilien engagiert gewesen und deutet dabei auf gerahmte Fotos an einer Wand des Konferenzzimmers. Doch ich bin nicht wegen der wirtschaftlichen Erfolge des Unternehmens hier, sondern wegen Daniela Bechtold. Seit wann ist sie als geschäftsführende Gesellschafterin im Unternehmen? Welche Rolle spielt ihr Vater? Daniela Bechtold bleibt mir auch hier keine Antwort schuldig: „Vor drei Jahren bin ich als Geschäftsführerin in das Unternehmen gekommen, wo ich dann mit meinem Vater zusam- Unbeschwerte Kindertage in Jöhlingen menarbeitete. Im Oktober 2013 hat mein Vater die gesamte Geschäftsführung mir überlassen.“ Mein Gegenüber bemerkt meinen erstaunten Blick und fährt fort: „Mein Vater hat seitdem nur noch eine Beraterrolle im Unternehmen. Wir haben klare Absprachen und eine klare Situation für Mitarbeiter und Kunden. Das tut im Miteinander allen gut.“ Ich hake nochmals nach, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass der dynamische und erfolgreiche Unternehmer Bernd Bechtold sich einfach auf die Beraterolle zurückzieht und seine Tochter allein walten lässt. Oder agiert er als ein ‚Übervater’ noch fleißig im Unternehmen? „Mit dem Begriff Übervater kann ich nichts anfangen. Mein Vater ist und bleibt ein starker Partner. Er ist und bleibt im privaten Bereich mein Vater, insofern ist er sowieso der beste Vater der Welt. Im geschäftlichen Bereich aber stehen 5

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Daniela Bechtold mit Vater vor dem Firmensitz in Karlsruhe wir uns auf Augenhöhe gegenüber.“ Ich will es jetzt genau wissen: Wer entscheidet im Endeffekt tatsächlich. Die Antwort kommt, ohne zu zögern: „Ich! Bisher gab es noch keinen Fall, wo ich mich gegen den Willen meines Vaters hätte durchsetzen müssen. Tatsache ist, dass wir viel diskutieren und meist zu einer Meinung finden, auch was die Zukunft angeht.“ Ich versuche ein anderes Thema: Die Rolle der Frau im Unternehmen – jetzt, wo es eine Chefin gibt. 6 Wie steht’s mit der Frauenquote? Daniela Bechtold schaut mich etwas irritiert an: „Ich bin nicht für die Frauenquote, glaube aber, dass Frauen in Führungspositionen andere Frauen nachziehen. Inzwischen haben wir vier Frauen in Führungspositionen, dazu meine Mutter Gisela, die ja auch in der Geschäftsführung tätig ist.“ Ihr Vater ist eine sehr starke Führungsfigur, der sein Unternehmen 30 Jahre prägte. Hat seine Tochter und Nachfolgerin Probleme, sich

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bei den Mitarbeitern durchzusetzen? Wir entwickeln unsere Ziele gemeinsam. Zu vielen Dingen habe ich eine klare Meinung, die dann auch respektiert und akzeptiert wird. Es ist naheliegend, dass ich Vergleiche zum Vater ziehe, der einmal als sein Erfolgsrezept das ganzheitlich Denken nannte, weil eine Aufgabe meist weitere nach sich zog, für die er dann mit einer weiteren eigenen Firma dem Kunden eine Lösung bot. Er nennt das „ganzheitliches Denken“, vom geforderten Angebot einer Ingenieurleistung war es nicht weit bis zum Facility Management, das ein Unternehmen der b.i.g.Gruppe dann gleich mit anbot. Wer wollte, konnte auch die Dienste der verschiedenen Sicherheitsunternehmen der Gruppe in Anspruch nehmen. Denkt seine Nachfolgerin auch so? Was macht sie anderes? „Wer nach dreißig Jahren ein Unternehmen übernimmt, hat andere Herausforderungen als der Firmengründer. Ich sage nicht, dass es größere oder kleinere sind. Aber es sind ganz andere. Insofern gehe ich jetzt natürlich ganz anders an unsere Strukturen, an unsere Märkte, an die Ziele, die wir haben, heran. Vielleicht hole ich mir im Gegensatz zu meinem Vater mehr Informationen, bevor ich mich entscheide.“ In der Tat, der Vater ist bekannt für seine schnellen Entscheidungen, was auch seine Tochter bestätigt: „Er kann sein Bauchgefühl schnell umsetzen. Ich weiß, dass das Bauchgefühl wichtig ist, aber ich weiß auch, dass die richtigen Infor- mationen Gold wert sein können.“ Daniela Bechtold lässt keinen Zweifel daran, dass sie in der Geschäftsführung entscheidet, was bedeutet, dass sie meist im Einklang mit dem Vater handelt und dieser „über alle wichtigen Dinge informiert ist.“ Ich weiß von ihrem Vater, dass er Lügen nicht ausstehen kann. Was kann Sie nicht ausstehen? Die spontane Antwort: „Illoyalität“. Ist sie nachtragend? „Ich bin extrem offen, das heißt, dass man weiß, woran man mit mir ist. Nachtragend im eigentlichen Wortsinn bin ich nicht.“ Daniela Bechtold ist für jeden Mann eine Augenweide. Ich kann mir vorstellen, dass dies im Unternehmen oder auch bei Kunden zu Schwierigkeiten führen kann, wenn die Herren der Schöpfung freundlich angelächelt werden, oder? „Danke für das Kompliment. Die von Ihnen angedeutete Situation habe ich noch nicht erlebt. Im Betrieb schon gar nicht. Das gilt auch für meine Kollegen im Geschäftsführerkreis und natürlich für die Gespräche mit den Kunden.“ Was sind denn die wirklichen Herausforderungen für die junge Unternehmerin? „Ich will das Vertrauen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verdienen und durch Vorleben und Überzeugung gewinnen.“ Wenn man mit der 34jährigen Unternehmerin spricht und nicht weiß, dass sie erst drei Jahre im Amt ist, vermittelt sie trotzdem das Gefühl, ein alter Hase zu sein. Was hat sie denn nach dem Studium gemacht? Bereitwillig erhalte ich auch dazu Auskunft: „Ich 7

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Tochter Daniela mit Vater Bernd und Mutter Gisela war während meines Wirtschaftsingenieurstudiums am KIT in Karlsruhe bei Nature’s Way, einer Tochter der Schwabe Unternehmensgruppe , die mich für einige Zeit nach Utah /USA schickte; dann war ich bei einem der größten Frucht- und Obstexporteure Spaniens, dort konnte ich mein Spanisch verbessern. Anschließend folgte die Unternehmensberatung von Siemens in München, die mich für ein halbes Jahr nach China schickte. Dort habe ich nebenbei Chinesisch gelernt. Bei Siemens habe ich dann meine Diplomarbeit geschrieben. 2008 bin ich dann zu Ernst & Young in die Unternehmensberatung gegangen, wo ich mich vorwiegend mit der Logistikberatung befasste. Nach 3 Jahren rief mein Vater in der Beratung an und brachte den Grund 8 seines Anrufs gleich auf den Punkt: ‚Du musst nicht, aber bitte entscheide dich jetzt.“ Das war sicherlich eine Überraschung, stelle ich fest. „Ich würde jetzt lügen, wenn ich sage, es war eine Überraschung. Die Frage hing eigentlich unausgesprochen in der Luft. Doch konkret hatten wir noch nie darüber gesprochen. Ich glaube, mein Vater hatte diese Lösung schon immer im Blick, doch hat er mich nie damit konfrontiert. Jetzt hielt er die Zeit reif für eine Entscheidung.“ Und meine Zeit für das Gespräch ist um, Daniela Bechtold schaut verstohlen auf die Uhr. Sie weiß, dass noch eine unausgesprochene Frage im Raum schwebt und beantwortet sie sogleich: „In vier Wochen werde ich heiraten!“

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