Schrader Bunty Leseprobe

 

Embed or link this publication

Description

Schrader Bunty Leseprobe

Popular Pages


p. 1



[close]

p. 2



[close]

p. 3

BUNTY Erinnerungen an einen Gentleman aus bester schottisch-irischer Familie mit Vergnügen notiert von Halwart Schrader

[close]

p. 4

Halwart Schrader, »Bunty – Erinnerungen an einen Gentleman aus bester schottisch-irischer Familie« © 2014 Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat OHG, Münster Gesetzt aus der Minion Pro. Satz: Lydia Kersting Druck und Bindung: Monsenstein und Vannerdat ISBN 978-3-942153-21-8 www.monsenstein-und-vannerdat.de

[close]

p. 5

BUNTY Erinnerungen an einen Gentleman aus bester schottisch-irischer Familie mit Vergnügen notiert von Halwart Schrader MONSENSTEIN & VANNERDAT

[close]

p. 6

Inhalt Vorwort ..................................................................................................... 7 Besuch aus England. Oh Tannenbaum! ..............................................13 Chips ohne fish.......................................................................................19 »Call me Bunty« ....................................................................................23 Warum nicht ein Rolls-Royce ...?.........................................................39 Tapfer und des Schwimmens kundig ..................................................43 Von der Mutter die Autoleidenschaft..................................................46 Da flogen schon mal Tintenfässer .......................................................50 Im Dinnerjacket der Razzia entwischt................................................53 Onkel Horace’ verderbender Einfluss .................................................56 Lieferant des Adels und vornehmer Stände........................................59 Kein Astloch für einen Karussellpferdarsch.......................................63 Kleiner Wunsch des Maharadschas.....................................................68 Talent zum Katastrophen-Stuntman ...................................................74 Spaß mit Loreley auf dem Rücksitz .....................................................78 Ein Rennwagen für einen One-night-stand .......................................81 Ein Gentleman möchte Stalin warnen ................................................87 Küss die Hand, Herr Hitler!..................................................................90 Bunty denkt ans Heiraten .....................................................................94 Ewige Liebe zu Mercedes ......................................................................97 Mädchenhemden brennen heller.......................................................101 Londons Verkehr zum Erliegen gebracht .........................................103 Junge Dame aus gutem Hause............................................................109 Der Spion mit dem Diamanten in der Seife .....................................114 Mit einem Zwölfzylinder ins Exil.......................................................117 Hinter, vor und zwischen den Fronten..............................................121 Nur eine zweizinkige Gabel................................................................125 Bugatti statt Motoryacht......................................................................129 Die Reise nach Skandinavien..............................................................132 Buntys erstes Buch...............................................................................135 Nur nicht aufgeben!.............................................................................139 Stalin musste sich gedulden................................................................143 Einmal Bugatti, immer Bugatti ..........................................................145

[close]

p. 7

Flirt mit Daimler-Benz........................................................................156 Buntys Leben auf dem Lande.............................................................164 Hühnerzüchter, Ferkelmäster, Mercedesträumer ............................167 Bill Boddys Besuch beim englischen Landadel................................172 Mit dem TVR durch Kuhfladen.........................................................175 Ein Herz für Lagonda..........................................................................178 Ein faszinierender, unerträglicher Boss ............................................181 Life’s Handicap (nach Rudyard Kipling)...........................................189 Der weinende Wurm, Büroklammern im Bier ................................194 Fünfhundert Zehndollarnoten in der Hose......................................201 Unterwegs mit der flotten Charlotte..................................................203 Leichenwagen sterben nicht ...............................................................209 Kein Kinovergnügen............................................................................215 Would you be a sweety?.......................................................................216 Timothy, der Glasverzehrer ...............................................................219 Der Botschafter britischer Automobilkultur....................................223 Chance verschlafen..............................................................................227 Katastrophe an der Zollkontrolle.......................................................229 Das Echo von Umtata..........................................................................232 Mit dem Abschleppwagen zur Kirche...............................................235 Captain Bunty.......................................................................................238 Nach Wien, der Freudenhäuser wegen!............................................247 Bunty entdeckt seine Passion für Citroën.........................................250 Kleiner Grenzverkehr..........................................................................253 Kein Rolls-Royce auf dem Südsee-Atoll ...........................................257 Im Gullwing durch Australien ...........................................................259 Mit dem Busen auf Frühzündung......................................................263 Je öller, je döller....................................................................................265 Das Mädchen Rosemary .....................................................................270 Als Pflegefall nach Indien....................................................................272 Die Augen, der Kreislauf, das Gedächtnis ........................................276 Auch das noch: Peking-Paris..............................................................278 Keine Hilfe vom hilfreichen Drachen ...............................................281 Ein letzter Traum geht in Erfüllung...................................................287 »We never close!«.................................................................................292

[close]

p. 8

Diese Buch widme ich Hazel Robinson, die ihren Chef so sehr verehrte, ihn ein halbes Leben lang mit Tapferkeit ertrug und ohne deren umfangreiche, mir liebenswürdigerweise zur Verfügung gestellten Aufzeichnungen vieles aus Buntys Dasein nicht überliefert worden wäre. Die Natur bringt schon wunderliche Käuz’ ans Licht! (Shakespeare, der Kaufmann von Venedig, 1.1)

[close]

p. 9

Vorwort Dieses Buch hätte Bunty am besten selbst geschrieben. Wenigstens ist er indirekt Mitverfasser, denn für das Manuskript zu diesem Buch habe ich viel von der Substanz seiner Tagebucheintragungen, seiner Briefe und anderer Aufzeichnungen verwendet, die ich von Bunty besitze oder die mir aus anderen Quellen vorlagen. Was Bunty bei vielen Gelegenheiten erzählt oder in Briefen geschrieben hat, versuche ich so nahe wie möglich am Originalton wieder­ zu­ geben. Einen großen Teil der Informationen über Bunty und etliche Geschichten aus Buntys aktivsten Lebensjahren verdanke ich Hazel Robinson. Ihr werden Sie auf den folgenden Seiten häufig begegnen. Hazel vertraute mir Aufzeichnungen an, die sie über ihren Chef wie Protokolle zu führen pflegte. Sie bot ihr Elaborat mit dem Titel »Would you be a Sweety« einigen Verlagen in England an, doch ohne Erfolg: Fast schien es, als sei die Figur der Hauptrolle, um die es ging, von ihr ausgerechnet mit jemandem besetzt worden, den die Lektoren nicht leiden konnten. Wir werden es nicht (mehr) erfahren. Meine zahlreichen Begegnungen mit Bunty, bei denen er stets kuriose, aufregende, haarsträubende Begebnisse zum Besten gab, manchmal leider nur bruchstückhaft, dafür aber sehr detailliert, Tagebuch- und andere Aufzeichnungen sowie das, was Hazel festgehalten hat, ergaben also den Stoff für dieses Buch. Buntys Neigung zur Mitteilsamkeit werden alle, die ihn kannten, sicher bestätigen; daher wissen wir eine ganze Menge über ihn. Es war jedoch nicht leicht, die vielen Übertreibungen und ins Burleske gehenden Ausschmückungen seiner Storys auszufiltern, um am Ende das übrig zu behalten, was sich wirklich zugetragen hatte. Hier und da mögen die Schilderungen bestimmter Begebenheiten sich immer noch als übertrieben darstellen, oder auch untertrieben, je nachdem. Nicht in allen Fällen schafften separat geführte Gespräche mit Geschäftspartnern, Freunden, Mittätern, Opfern oder anderen Zeugen seiner Handlungen (im Laufe der Jahre hatte ich das Vergnügen, viele von ihnen kennen zu lernen) eindeutige Klarheit. Leider waren gera- 7

[close]

p. 10

de jene Zeitgenossen, in deren Gesellschaft Bunty die interessantesten Abenteuer erlebt und Katastrophen überlebt hatte, zum Zeitpunkt seiner Kolportage längst nicht mehr am Leben, so dass ich keine Gelegenheit hatte, mir ihre Version der einen oder anderen Geschichte vortragen zu lassen. Die Tatsache, dass Bunty teils schottischer, teils irischer Herkunft war, erklärt manche Facette seiner Wesensart. Buntys bürgerlicher Name lautete David William Hardy Scott-Moncrieff. Wer ihn jedoch mit »schön, Sie wiederzusehen, Mr. Scott-Moncrieff« ansprach, etwa auf einer Party oder einer Beerdigung, oder wer am Telefon nach »meinem guten alten Freund David« fragte, enttarnte sich dadurch als jemand, der ihm nie zuvor begegnet war. Mancher, der von Bunty – in welchem Zusammenhang auch immer – gehört hatte, suchte bei passender oder unpassender Gelegenheit die Bekanntschaft mit ihm und tat sich dabei wichtig, wollte mit ihm gesehen werden und biederte sich an. Meistens durften solche Leute dann Buntys Rechnung im Restaurant, in der Werkstatt oder an der Tankstelle begleichen, wollten sie ihr Gesicht nicht verlieren. Einige Male, in den frühen Perioden seines achtzigjährigen Lebens, fiel Bunty in ein tiefes Loch. Dann war er wirklich beinahe am Ende, hatte keinen Penny mehr und musste sich dringend etwas einfallen lassen. Was dem passionierten Optimisten aber keine Schwierigkeiten bereitete, denn an Einfällen, ein solches Tief zu überwinden, mangelte es ihm nie. So gesehen, sorgte also ein gütiges Schicksal dafür, dass er – ganz im Gegensatz zu der berühmten Scheibe Frühstücksbrot – stets mit der Marmeladenseite nach oben auf dem Boden landete. Bunty fand immer jemanden, der im richtigen Augenblick Mitleid mit ihm hatte, ihm eine dramatische Geschichte abkaufte und glücklich war, dem armen Kerl aus der Patsche helfen zu dürfen. Freiwillige oder auch unfreiwillige Opfer seines Schnorrertums wurden also nicht nur Anbiederer, sondern auch arglose Sympathisanten und viele andere mildtätig veranlagte Zeitgenossen, zu denen wohl auch ich gehöre. Wir dürfen uns zugutehalten, einen gewissen Teil zur Bekämpfung der Armut auf dieser Welt beigetragen zu haben, indem wir den ärmsten aller armen Rolls-Royce-Händler Großbritanniens vor 8

[close]

p. 11

Hunger oder Durst oder zeitweiliger Obdachlosigkeit, kurz: vor irgendeiner schlimmen englischen Krankheit bewahrten (von einigen anderen körperlichen Gebrechen blieb er leider nicht verschont). Bunty gefällig zu sein und auch mal für ihn bezahlen zu dürfen, war letztlich ein Äquivalent für all das, was der fröhliche Entertainer seiner Gesellschaft zu bieten hatte. Er wusste sich stets zu revanchieren. Bunty gefiel sich in dieser Rolle natürlich selbst gut. Einige seiner Geschäftspartner fanden ihn allerdings weder lustig noch liebenswert. Das waren solche, etwa im fernen Amerika, die von ihm einen Rolls-Royce erwarben, ohne das Auto vorher besichtigt zu haben. Die aber auch ungeübt im Dechiffrieren von Kleinanzeigentexten sowie der irrigen Ansicht waren, »the best car of the world« sei in jedem Erhaltungszustand, selbst als exhumierte Moorleiche, stets und immer eben das allerbeste Auto der Welt. Er hat zwar nie davon gesprochen, aber Bunty war vermutlich davon überzeugt, dass die Fülle seiner merkwürdigen Erlebnisse und gewagten Unternehmungen, seiner überlebten Katastrophen, seiner kuriosen Begegnungen und galanten Abenteuer, seiner geschäftlichen Vabanquerien und einfallsreichen Improvisationen zu Wasser und zu Lande ausreichend Stoff für ein amüsantes, sogar lehrreiches Buch abgeben würde. Und ein Untertitel, der ihn als einen Gentleman aus bester schottischer Familie bezeichnet, der hätte ihm bestimmt gefallen. Auch Averil – sie verstarb im März 2006 – sowie Humphrey ScottMoncrieff schulde ich Dank für so manches Gespräch mit der Darlegung skurriler Sachverhalte und für die mir mit großer Liebenswürdigkeit gewährten Einblicke in diverse Aufzeichnungen. Einen Teil der Fotos lieh man mir aus Buntys Nachlass; einige hatte er mir indessen schon zu Lebzeiten überlassen. Halwart Schrader

[close]

p. 12

Eine Klarstellung: Träger des traditionsreichen Doppelnamens ScottMoncrieff sind besonders in Schottland zahlreich anzutreffen, aber auch anderswo in Großbritannien, ebenso in Australien, Kanada und in den USA. Unter ihnen waren und sind angesehene Ärzte, Juristen, Literaten, Wissenschaftler. Wer sich die Zeit nimmt und im Internet nachschaut, findet bestätigt, dass es viele Scott-Moncrieffs zu Bekanntheit gebracht haben. Mit keinem anderen Namensträger David Scott-Moncrieff als mit »Bunty«, seiner Frau Averil, geborene Sneyd, und deren beiden Söhnen Humphrey und Ambrose habe ich je etwas zu tun gehabt, und niemand als die Genannten sind im Kontext mit meinen Aufzeichnungen gemeint. Ich versichere außerdem, dass es mir fern liegt, mit diesem Versuch der Biografie eines ungewöhnlichen Menschen jemanden auch nur im Geringsten zu diffamieren. Auch die Nennung der Namen jener Personen, die in Buntys Lebensgeschichte eine Rolle spielen und im Nachfolgenden unverschlüsselt genannt werden, geschah in dokumentarischer, keineswegs etwa wertender Absicht. Wo immer zufällige Namensgleichheiten mit anderen Personen auftreten, was ja niemals auszuschließen ist, bitte ich all jene um Vergebung, die sich in einem solchen Falle möglicherweise betroffen fühlen. Das Gleiche gilt für Miss­interpretationen, sofern sie sich aus dem einen oder anderen zitierten Gespräch ergeben haben sollten, für die eine oder andere Verwechselung, Auslassung, Ungenauigkeit oder Fehlzuordnung. Um Bunty zu zitieren: »Es ist nicht schwer zu entschieden, was in ein Buch hinein kommen soll. Schwer ist es, zu entscheiden, was nicht hinein kommen soll ...« Halwart Schrader

[close]

p. 13



[close]

p. 14



[close]

p. 15

Besuch aus England. Oh Tannenbaum! Ende Oktober 1970. An einem jener sonnig-goldenen, föhnig-warmen Herbsttage, die den Münchner Biergärten noch einmal eine unerwartete Belebung bescheren, gleichwohl unwiderruflich den Saison­ abschluss markieren, holt mich, der ich nicht in einem Biergarten, sondern am Schreibtisch sitze, das Klingeln des Telefons aus meinen Gedanken. Noch ehe ein Wort aus dem Hörer an mein Ohr dringt, weiß ich, wer der Anrufende ist: Bunty. Am ersten Schnaufer kann man das wahrnehmen. Ausnahmsweise lässt er sich nicht von seiner Sekretärin Hazel verbinden oder sie um einen Rückruf bitten; er hat es aus wichtigem Anlass offenbar vorgezogen, meine Nummer selbst zu wählen. »Mein lieber guter Freund, this is old Bunty speaking. Kannst du mich verstehen?« Ja, natürlich, Bunty! Was kann ich für dich tun? Wolltest du nicht im Herbst nach München kommen ...? »Yes, indeed. Wie schön, dass du das nicht vergessen hast. Ja, ich werde in München Station machen auf meiner Reise nach Italien. Bei dieser Gelegenheit würde ich mit Averil gern das Oktoberfest besuchen und benötige also ein Zimmer für zwei Nächte. Aber denk’ daran, dass wir fürchterlich sparen müssen, also finde bitte das billigste Hotelzimmer, das es in München gibt. Am Sonnabend werden wir im Laufe des Tages eintreffen.« Bunty, die Wies’n endet immer am ersten Wochenende des Oktober, und das ist jetzt fast drei Wochen her. Sorry, no Oktoberfest! Er scheint überhaupt nicht zuzuhören. »Ich freue mich schon sehr darauf, you know, ich erinnere mich nämlich gut an das erste Oktoberfest in München, das ich erlebt habe, das muss 1938 gewesen sein, aber das Bier wird immer noch so gut sein, denke ich! Du wirst es doch nicht schwer haben, das Zimmer zu besorgen? Damals wohnte ich in einem Hotel, das hieß Tannenbaum, das war sehr günstig, wirklich. Finde doch bitte heraus, ob es das Haus noch gibt. Sag’ den Leuten, der komische Engländer von 1938 käme wieder einmal nach 13

[close]

Comments

no comments yet