Informationen des Thüringer Pfarrvereins eV Juli - September 2014

 

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Informationen des Thüringer Pfarrvereins eV Juli - September 2014

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Thüringer Pfarrverein Juli - September 2014 Juli / August / September 2014 Nr. 3 | 4. Jahrgang 2014 3 5 7 8 9 12 Editorial GAW Thüringen - aktueller Sachstand GAW Thüringen als „Freies Werk“ Freie Termine Feriendorf Lubmin Einladung zur Mitgliederversammlung Vortrag von Friedhelm Schneider „Von der Wirtschaft lernen, heißt siegen lernen?“ 23 Trappes DDR-Witzeecke 24 Geburtstage

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Meine Zukunft in guten Händen Ihnen ist Vertrauen für Ihre Bankgeschäfte wichtig. Uns auch. EKK – Ihre Bank mit christlichen Werten www.ekk.de Vertrauen_ESA_123x80 3mmBesch 4c 2014-05-19 Montag, 19. Mai 2014 15:41:31                      !"           ! "# !  $%  &'() ###    *,,-( .( (" (')/0% 1).((2 ( 0%

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Editorial von KR Paul-Gerhard Kiehne aus Eisenach, Emeritenvertreter des Thüringer Pfarrvereins Abimelech kam in das Haus seines Vaters nach Ofra und tötete seine Brüder, die Söhne Jerubbaals, siebzig Mann, auf einen Stein. Richterbuch 9,5 So lasen wir vor wenigen Wochen im Rahmen der lectio continua, dem Bibelleseplan der Deutschen Bibelgesellschaft. Das Richterbuch – und nicht nur dieses – enthält viel Mord und Totschlag. Es wäre schön, wenn wir sagen könnten: Das war einmal, so etwas kommt heute nicht mehr vor. Leider aber berichten uns die Medien fast alltäglich Entsprechendes. Dabei muss es gar nicht immer Mord und Totschlag sein, dass Leben vernichtet oder jedenfalls nachhaltig geschädigt wird. Eine vergleichsweise kleine (kostenlose) Anzeigen-Zeitung brachte am 6.7. einen Artikel über Persönlichkeitsstörungen bei 3 % von Personen in Top-Positionen: Mangel oder völliges Fehlen von Empathie, Gewissen und sozialem Verantwortungsgefühl. Wenn einem Menschen nur noch das Ziel vorschwebt, Geld und Macht zu haben und die Möglichkeit, andere zu manipulieren, dann sollten eigentlich Alarmglocken schrillen. Werden sie gehört? Wir, die Leser dieses Heftes, sind weder Wirtschaftsbosse noch Politiker mit der Aufgabe, weitreichende Entscheidun gen zu treffen. Unsere Welt ist sozusagen viel kleiner. Aber das Streben nach Geld, Macht und Möglichkeit, Menschen zu manipulieren, gibt es auch in unserer kleinen Alltagswelt. „Das ist eine Versuchung! sagte der Feldprediger – und gab ihr nach.“ (B. Brecht, Mutter Courage). In der Mitte des vergangenen Jahrhunderts gab es in einer kleinen Landeskirche einen Landesbischof, der unmittelbar aus dem Gemeindepfarramt kam. Die eine und andere Maßnahme, die er als Bischof plante, kommentierte sein Berater: „Herr Landesbischof, das geht nicht!“ Und der Bischof war klug genug, sich auf seinen Berater zu verlassen und sich an seinen Rat zu halten. Es waren bei aller Härte der Verhältnisse vergleichsweise doch friedliche Zeiten. Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 03-2014 3

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Der Apostel Paulus (1. Kor.6) mahnt: „Wie kann jemand von euch wagen, wenn er einen Streit hat mit einem anderen, sein Recht zu suchen vor den Ungerechten und nicht vor den Heiligen“. Eben darum gibt es in deutschen Landeskirchen seit Jahrzehnten kircheneigene Gerichte. Sie sind eigens dazu bestimmt, innerkirchliche Rechtsauseinandersetzungen zu klären, getreu dem Apostelwort. Dazu passt allerdings nicht, was einem Pfarrer widerfahren ist, nur weil er vor solchem Kirchengericht sein Recht suchte: „Sie stehen hier vor Gericht. Sie glauben doch nicht, dass es für Sie jemals wieder eine Pfarrstelle geben wird“. So der Personalreferent einer Landeskirche (zitiert nach Korrespondenzblatt des bayrischen Pfarrvereins Nr. 7/2014 S. 130). Das bedeutet: Etwas, das jedem zusteht und rechtlich garantiert ist, ist ‚unanständig’. „Das gehört sich nicht in der Kirche“. Der jeweils erste Beitrag im Württemberger Pfarrvereinsblättchen ist überschrieben: Nachdenkenswert. So möchte auch dieser Artikel im Thüringer Pfarrvereinsblättchen zum Nachdenken anregen. Dieses Mal über die Fragen: Ist das recht, was ich denke und tue? Und: Ist das recht, was ich sehe, miterlebe in meinem kleinen Umfeld, in diesem Falle auch: in meiner vergleichsweise kleinen Landeskirche? Für Sie gelesen: Hans-Peter Hübner/Gabriele Schmidt (Hrsg.) Landhaus und Landeskirche auf dem (LVHQDFKHU3ÁXJHQVEHUJ Beiträge zur Geschichte der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen und ihrer Kirchenleitung in Eisenach Das Buch enthält u.a eine prägnante und gut gegliederte Kurzfassung der Geschichte der Thüringer Landeskirche in 12 Schritten von Dietmar Wiegand. Die Entstehung seit 1918, Deutschchristentum und Bekennende Kirche, „Thüringer Weg“, friedliche Revolution, Neuanfang und Föderation mit der EKKPS – eine Kurzfassung von 90 Jahren Kirchengeschichte. Reiches historisches und aktuelles Bildermaterial machen die Lektüre zu einem einmaligen Zeitdokument, in welchem der Leser blättern und lesen kann und gerade die Thüringer viele vertraute Orte und Gesichter entdecken können. Gebunden, Format 22 x 22 cm, 172 SeiWHQ ]DKOUHLFKH )RWRJUDÀHQ *UDÀNHQ  Dokumente, 9,90 €, Wartburg-Verlag, ISBN: 978-3-86160-185-2 4 Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 03-2014

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GAW Thüringen - wir sind das Original und nicht die Kopie Fortsetzung Ein kurzer Abriss der jüngsten Geschichte des Gustav-Adolf-Werkes der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen - Teil 6 Nachdem die theologischen Vorstandsmitglieder des GAW Thüringen seit einem und einem halben Jahr mit Disziplinarverfahren belegt sind, ist über die jüngste Entwicklung zu berichten. Nachdem Mitte Oktober 2013 vom Kollegium beschlossen worden ist, die Disziplinarverfahren in den Punkten wieder aufzunehmen, die unabhängig vom Ergebnis der Verwaltungsgerichtsentscheidung über die Rechtmäßigkeit GHV $XÁ|VXQJVEHVFKOXVVHV EHDUEHLtet werden können, geschieht vorerst nichts. Lediglich Pfarrer Manfred Greinke, Unterkatz fährt am 18.11.2013 auf eigenes Betreiben zu einem Gespräch zum Ermittlungsführer Kirchenrat Christian Klein. Ihm wird zugesagt, dass er bis Januar 2014 das Protokoll zwecks gegenlesen und Gegenzeichnen erhalten wird. Das geschieht nicht. Das EKD-Verwaltungsgericht teilt mit Schreiben vom 15.05.2014 der Ev. Kirche in Mitteldeutschland als auch dem GAW-Vorsitzenden seine Zweifel darüber mit, ob die Eröffnung des kirchlichen Verwaltungsrechtsweges möglich sei, auch ob der Vorsitzende des GAW Thüringen passiv-legitimiert sei, also überhaupt angeklagt werden könne. Das Schreiben endet mit dem Hinweis, „der voraussichtliche Klageerfolg sollte Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 03-2014 von der Klägerin (EKM) kritisch bewertet werden“, und der Bitte um Stellungnahme. $P  ÀQGHW QDFK PHKUIDcher Nachfrage in Erfurt ein Gespräch zwischen dem Personaldezernenten OKR Lehmann, dem Vorsitzenden des Verbandes der Pfarrvereine Andreas Kahnt und dem Verbandsvorstandsmitglied Claudia Trauthig statt, um welches vom Verbandsvorstand am 24.01.2013(!) mit Schreiben an LandesELVFK|ÀQ -XQNHUPDQQ JHEHWHQ KDWWH /DQGHVELVFK|ÀQ -XQNHUPDQQ LVW QLFKW bereit, an diesem Gespräch teilzunehmen. Im Gespräch werden Fehler und Fehleinschätzungen seitens des Personaldezernenten zwar eingeräumt, konkrete Ergebnisse gibt es aber nicht. Mit Datum vom 27.05.2014 erhält Pfarrer Manfred Greinke ein Schreiben über die Einstellung des Disziplinarverfahrens gegen ihn unter Erteilung einer Rüge. Darin heißt es: „Nach den Ergebnis der Ermittlungen bleibt als einziger Vorwurf die Schmähkritik. Der Vergleich des Verhaltens der Landeskirche im =XJHGHU$XÁ|VXQJGHV*$:PLWÅGLNtatorischer Machtausübung“ und der Vorwurf, dass „ die Kirchenleitung die Stimme kirchlichen Lebens zum Schweigen bringe“ sind Äußerungen, die über die bloße Meinungsfreiheit hinausgehen und damit gegen Ihre Treue- und /R\DOLWlWVSÁLFKWYHUVWR‰HQ´ Das Schreiben selbst stellt dabei den sachlichen Zusammenhang der Kritik ]XP 9RUJDQJ GHV $XÁ|VXQJVYHUVXFKV des GAW durch die Kirchenleitung her. Somit entzieht sich der Verfasser selbst die Grundlage, um den Vorwurf 5

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der Schmähkritik* aufrechterhalten zu können. Er beschreibt damit – wohl ungewollt – genau den Rahmen, den das Recht auf Meinungsfreiheit vorgibt. Pfarrer Greinke legt gegen diese Entscheidung am 04.06.2014 Widerspruch bei der Disziplinarkammer der EKD ein. Er begründet diesen sinngemäß damit, dass er sich an geltendes Recht, insbesondere die Satzung des GAW gehalWHQKDEH GLHHLQH$XÁ|VXQJQXUGXUFK dessen Mitgliederversammlung zulässt) im Gegensatz zur Leitung, die sich über diese hinweggesetzt habe. Er schreibt: „Wenn der GAW-Vorstand die Satzung angreifende Personen durch pointierte Formulierung zur Einhaltung von Recht, Gesetz, Satzung und Ordnung ruft und mahnt, ist das keine Verletzung der 7UHXHXQG/R\DOLWlWVSÁLFKWVRQGHUQLKU Gegenteil, nämlich Ausdruck unbedingter Treue.“ Martin Michaelis 'HÀQLWLRQ 6FKPlKNULWLN GXUFK GDV Bundesverfassungsgericht: „Eine Meinungsäußerung wird nicht schon wegen ihrer herabsetzenden Wirkung für Dritte zur Schmähung. Auch eine überzogene und selbst eine ausfällige Kritik macht für sich genommen eine Äußerung noch nicht zur Schmähung. Eine herabsetzende Äußerung nimmt vielmehr erst dann den Charakter der Schmähung an, wenn in ihr nicht mehr die Auseinandersetzung in der Sache, sondern die Diffamierung der Person im Vordergrund steht.“ (BVerfGE NJW 1991, 95–97 = BVerfGE 82, 272–285).“ Å'LH 4XDOLÀNDWLRQ HLQHU HKUHQUKULJHQ Aussage als Schmähkritik und der damit 6 begründete Verzicht auf eine Abwägung zwischen Meinungsfreiheit und Ehre erfordern regelmäßig die Berücksichtigung von Anlass und Kontext der Äußerung (vgl.BVerfGE 93, 266 <303>) Hiervon kann allenfalls ausnahmsweise abgesehen werden, wenn es sich um eine Äußerung handelt, deren diffamierender Gehalt so erheblich ist, dass sie in jedem denkbaren Sachzusammenhang als bloße Herabsetzung des Betroffenen erscheint und daher unabhängig von ihrem konkreten Kontext stets als persönlich diffamierende Schmähung aufgefasst werden muss, wie dies möglicherweise bei der Verwendung besonders schwerwiegender Schimpfwörter - etwa aus der Fäkalsprache - der Fall sein kann.“ (BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats vom 23. August 2005 - 1 BvR 1917/04 -, NJW 2005, S. 3274 <3274 f.>) „Es ist zu berücksichtigen, dass das Recht, Maßnahmen der öffentlichen Gewalt ohne Furcht vor staatlichen Sanktionen auch scharf kritisieren zu können, zum Kernbereich der Meinungsfreiheit gehört und bei der Abwägung besonders zu berücksichtigen ist. Auch ist in Anbetracht der tatsächlichen gerichtlichen Feststellungen, insbesondere betreffend das Hintergrundgeschehen, das Maß der Ehrverletzung (…) nicht derart hoch, dass diese im konkreten Fall die Meinungsfreiheit überwiegen könnte. Dabei erlaubt es die Meinungsfreiheit insbesondere nicht, die Beschwerdeführer auf das zur Kritik am Rechtsstaat Erforderliche zu beschränken und ihnen damit ein Recht auf polemische Zuspitzung abzusprechen.“ (Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 24.07.2013 - 1 BvR 444/13 und 1 BvR 527/13) Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 03-2014

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Das GAWTh als „Freies Werk“ der Kirche oder warum das GAWTh kein Å8QVHOEVWVWlQGLJHV:HUN´LVW Für die Werke der Landeskirche galt das „Gesetz über die Stellung kirchlicher Werke in der ELKTh“ vom 30.10.1999 und jetzt gilt das Werkegesetz der EKM… und diese geben der LandeskirFKHJHZLVVH0|JOLFKNHLWHQGHU(LQÁXVVnahme. Ob und inwieweit die Kirche davon Gebrauch macht, liegt in ihrem Ermessen. Im Rahmen dieses Ermessens NDQQVLFKGLH/DQGHVNLUFKHYHUSÁLFKWHQ nicht von ihrer rechtlichen Möglichkeit Gebrauch zu machen. Dass mit der kirchenaufsichtlichen Genehmigung und dem Inkrafttreten durch die Veröffentlichung der GAWThSatzung im Amtsblatt Nr. 3 v.15.3.2001, S. 83 durch die Landeskirche ein besonders Werk geschaffen wurde, auf das die Bestimmung als „selbstständiges“ Werk der ELKTh im Sinne des Werkegesetzes eigentlich nicht passt, sieht man in der Bestimmung der Satzung §2 Satz (3), dass das GAWTh als „freies“ :HUNGHU(/.7KTXDOLÀ]LHUW(VZLUGKLHU bewusst nicht als ein „selbstständiges“ oder sogar „unselbstständiges“ Werk der ELKTh bezeichnet, wie es im Werkegesetz vorgesehen ist. Mit der Bezeichnung „freies Werk“ ist auch nicht die „zur Erfüllung“ ihrer Aufgaben notwendige Freiheit“, die das Werkegesetz selbstständigen und unselbstständigen Werken einräumt (vgl. §1 Satz (2), gemeint. Vielmehr ist hier die Freiheit gemeint, die das GAWTh als Schöpfung einer Rechtspersönlichkeit Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 03-2014 sui generis der Landeskirche genießt. (vgl. dazu das Schreiben von Rechtsanwalt Hertzsch vom Nov. 2012 an die Landeskirche). Mit der Genehmigung der Satzung hat sich die Landeskirche einer Selbstbeschränkung zugunsten des GAWTh unterworfen. Dies entspricht dem herkommen des GAW als einer freien Gründung von Pfarrern von unten her und nicht der Landeskirchen von oben her. Die Selbstbeschränkung der Landeskirche bzw. die Freiheit des GAWTh wirkt sich u.a. dahingehend aus, dass 1. nach §11 allein die Mitgliederversammlung das Recht hat über die AufO|VXQJGHV*$:7K]XEHÀQGHQ 2. der Vermögensanfall im Fall der $XÁ|VXQJ QDFK † EHVRQGHUV JHregelt wird, was sonst vom Gesetzgeber nur für den e.V. , d.h. einen selbstständigen Verein gefordert wird. Beide Bestimmungen ergeben nur Sinn für ein „Selbstständiges Werk“ (z.B. als e.V.) bzw. sie sind Indizien für ein Werk als Schöpfung sui generes also ein „Freies Werk“, nicht aber für ein „Unselbstständiges Werk“. Ferner weist durch die Bestimmung der Zusammensetzung des Vorstandes nach BGB (wie sie für ein e.V. vorgesehen ist) und dem ausdrücklichen Verweis auf das BGB in §7(4) der Satzung des GAWTh (Druckfehler! Muss BGB statt DGB heißen) darauf hin, dass das GAW als „freies Werk“ selbstständig handeln können sollte und 3 Organe des Vorstandes werden jeweils für sich 7

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als nach außen hin alleinvertretungsberechtigt für das GAWTh gekennzeichnet. Die spätere Einordnung des GAWTh als ein „Unselbstständiges Werk“ bei der Verkündung der Werke der ELKTh vom 21.08.2002 im Amtsblatt Nr.9 v. 15.09.2002 war also falsch. Sie schien zwar der Intention des GAWTh zu entsprechen kein e.V. werden zu wollen, aber das hatte andere Gründe: Einerseits wollte man damit Kosten sparen und der Schwierigkeit entgehen, jede Änderung im Vorstand in öffentlich-rechtlich beglaubigter Form anmelden zu müssen. Andererseits wollte man die Nähe und unmittelbare Zuordnung zur Landeskirche behalten, wie man sie aus DDR-Zeiten gewohnt war. Auch Dankbarkeit für den gewährten Schutz durch die Kirche spielte hier eine Rolle. Aber man wählte einen Zwischenweg, der zwar die enge Bindung im Auftrag an die Landeskirche betonte aber auf Selbstständigkeit im Handeln und Eigenständigkeit als Werk gerichtet war. Dies spiegelt die Bezeichnung des GAWTh als „Freies Werk“ in der Satzung sowie von der Mitgliederversammlung am 24.06.2000 als Ganzes beschlossene Satzung wieder. Die in der Satzung der Landeskirche zugemutete Selbstbeschränkung hat die Approbierung der Satzung schwierig gemacht. Es hat damals Monate gedauert, bis sich die Landeskirche schließ8 lich doch dazu entschlossen hat. Aber schließlich zählt das Ergebnis. – Als im Amtsblatt die falsche Einordnung als „Unselbstständiges Werk erschein, ist darüber seinerzeit auch kurz im Vorstand gesprochen worden. Da sich aber keine Konsequenz für die laufende Arbeit ergab, wurde es dabei belassen. Denn letztlich ist ja die gültige Satzung das Entscheidende und nicht die Eingruppierung. In jedem Fall musste der Vorstand darauf vertrauen können, dass GLH6DW]XQJJLOWXQGGHVKDOEGLH$XÁ|sung durch die Landeskirche unrechtmäßig war. Pfarrer Max Keßler 16. Juni 2014 Freie Termine in den Finnhütten im Feriendorf Lubmin ab 18.09.2014 bis Saisonende Oktober 2014 Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 03-2014

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Einladung zur Mitgliederversammlung am Donnerstag, dem 25.09.2014 im Zinzendorfhaus in Neudietendorf „Wes Brot ich ess‘, des Lied ich sing?“ Loyalität, die Wahl zwischen Anpassung und Verantwortung? Referent: Rechtsanwalt Werner Siebert, Hannover Martin Luther stand in Worms nicht nur vor dem Reichstag, sondern auch vor eiQHP/R\DOLWlWVNRQÁLNW(VZDUIULKQKRFKJHIlKUOLFK6ROOWHHUGHQ)RUGHUXQJHQGHU 0lFKWLJHQQDFKNRPPHQRGHUVHLQHPGHP(YDQJHOLXPXQGGHU:DKUKHLWYHUSÁLFKteten Gewissen? Sollte er die Kirche bewahren oder den Glauben? Sollte er sich treu bleiben oder sein Leben retten? Letzteres schien übrigens kaum möglich. Widerruft er nicht, trachten ihm die Mächtigen nach dem Leben, widerruft er, lyncht ihn das Volk, das sich verraten fühlt. Das einzige, was ihn retten kann, ist das Gerücht, er sei bereits tot. Das setzt Friedrich der Weise in Szene. Nur Tote sind in Sicherheit. Bei Wikipedia kann man zum Thema lesen: „Problematisch wird Loyalität, wenn sie JHIRUGHUWZLUG8QWHUVFKLHGOLFKH)RUGHUXQJHQIKUHQ]X/R\DOLWlWVNRQÁLNWHQEHLspielsweise wenn ein Arbeitnehmer sich dem Dienstherrn gegenüber loyal verhalWHQVROOREZRKOHUEHVWLPPWH:HUWHRGHU=LHOHQLFKWWHLOW%HVRQGHUVKlXÀJVLQG VROFKH.RQÁLNWHDQ]XWUHIIHQLQ7HQGHQ]EHWULHEHQ .LUFKH6WDDW5VWXQJ ¬$XFKLQ Fragen von … Personal und ähnlich sensiblen Themen wird immer wieder „Loyalität“ gefordert und endet ebenso oft in Betrug.“ )ROJW PDQ GHP LVW GLH .LUFKH QLFKW HWZD YRU VROFKHQ .RQÁLNWHQ JHIHLW VRQGHUQ besonders gefährdet. Zu Luthers Zeiten, konnte es das Leben kosten. Welche Preise zahlt man heute üblicherweise? Welche Rechtssicherheit gibt es im gegenwärtigen System und was nützt sie tatsächlich? Wie mutig sind wir tatsächlich? Horst Eberhard Richter schreibt: „Unsere moralischen Fähigkeiten sind im Grunde sehr viel geringer, als wir dies zu glauben angehalten worden sind. Oder genauer: unsere Fähigkeiten, unsere moralischen Grundsätze in der Praxis anzuwenden, sind überaus labil und störbar. … Der von übermächtiger Isolationsangst verfolgte Mensch ist vielmehr in einem ihm selbst UHJHOPl‰LJ YHUERUJHQHP 0D‰H JHQHLJW LP .RQÁLNWIDOO lX‰HUHQ $XWRULWlWHQ GLH Kompetenz eines Gewissensersatzes einzuräumen und sich unter Umständen von Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 03-2014 9

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diesen Handlungen vorschreiben zu lassen, die seinen persönlichen Vorstellungen strikt widersprechen.“ (Flüchten oder Standhalten 2001 S. 78) Welche Fragen wirft diese Erkenntnis auf in Bezug auf Gremienentscheidungen, Leitungshandeln und Autonomie der Mitarbeiter? Wie wichtig muss uns also die Rechtssicherheit sein, damit das Gewissen überhaupt seine Funktion ausüben darf, und welch hohes Gut ist die Kenntnis und das richtige Verständnis dieser Rechtssicherheit bei allen Beteiligten? Rechtsanwalt Werner Siebert aus Hannover wird dieser Frage aus Sicht des Beamtenrechtes und des Pfarrdienstgesetzes nachgehen, auch im Blick auf Grundgesetz, Kirchenverfassung und den Aufgaben, die in diesem Zusammenhang jedem Einzelnen und dem Pfarrverein zuwachsen. Für Mitglieder des Thüringer Pfarrvereines werden die anfallenden Fahrtkosten erstattet. Um Bildung von Fahrgemeinschaften wird gebeten. Pfarrer, die nicht Mitglied im Pfarrverein sind, Kirchenbeamte und Mitarbeiter sind ebenfalls herzlich eingeladen. Tagesordnung: 10.00 Uhr 10.20 Uhr 10.30 Uhr Andacht Gedenken der Verstorbenen Vortrag Rechtsanwalt Werner Siebert: „Wes Brot ich ess‘, des Lied ich sing?“ Mittag Vorstandsbericht des Vorsitzenden und Aussprache Bericht des Schatzmeisters Verschiedenes 12.30 Uhr 13.15 Uhr Ende gegen 16.00 Uhr 10 Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 03-2014

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Anmeldung zur Mitgliederversammlung bis 12. September 2014 per Post, Fax oder E-Mail an: Frau +HLGH7RPVFKNH0lU] Berggasse 2 96523 Steinach Tel: 036762 / 32203 Fax: 036762 / 12945 E-Mail: pfarrverein-buero@web.de Anmeldung Hiermit melde ich mich zur Mitgliederversammlung am 25.09.2014 im Zinzendorfhaus in Neudietendorf an. Name, Vorname Anschrift: Tel./Fax: E-Mail: Ich nehme am Mittagessen teil: Ich bin Mitglied im Pfarrverein: Ja / Nein Ja / Nein Ort, Datum, Unterschrift Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 03-2014 11

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„Von der Wirtschaft lernen, heißt siegen lernen?“ Vortrag von Friedhelm Schneider auf dem Pfarrertag am 18. Juni 2014 in Neudietendorf Einleitung zum Titel Liebe Schwestern und Brüder, sehr geehrte Damen und Herren, ein Schelm, wer bei einem solchen Thema Böses denkt: „Von der Wirtschaft lernen, heißt siegen lernen.“ Sie in Thüringen stellen sofort die Analogie her zu einem Wort, das in früheren Zeiten lange Jahre zur Propaganda der DDR- Führung gehörte. Das lautete: „Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen.“ Es galt so lange bis Gorbatschow Mitte der 80iger Jahre die Peristroika propagierte. Ab diesem Zeitpunkt geriet das Wort in der DDR in Misskredit und wurde zur Parole bösartiger Regimekritiker, die der Feind aus dem Westen... . Erwarten Sie also Parallelen zur kirchlichen Lage heute, wenn sie den Titel so analog formulieren? In der Tat haben Kräfte dominiert, die der Betriebswirtschaft Kräfte für Wachstum gegen den Trend und Erstarkung der Kirche zuschrieben. Betriebswirtschaft hatte in der Kirche die Theologie als Leitwissenschaft abgelöst. Gewähr für die Ablösung bot (und bietet) auch das biedermannmäßig aus der Wirtschaft 12 anklopfende und eingelassene Personal: Unternehmensberater wie Peter Barrenstein von McKinsey oder die Direktorin Marlehn Thieme der Deutschen Bank. Letztere aus einem Unternehmen, das vor wenigen Jahren mit 25% Rendite prahlte und sich doch vor 2 Jahren aus triftigem Grund selbst einen Kulturwandel verordnen musste. Das Personal der Wirtschaft sitzt also nunmehr mit in den Führungsetagen der Kirche, im Rat der EKD. Man wird eingedenk schon dieser wenigen Fakten der EKD nicht zu nahe treten, wenn man ihr das Wort „Von der Wirtschaft lernen heißt siegen lernen“ als ihre Parole in den Mund legt. Selbst wenn man damit nur eine ‚passagere‘ Position der EKD beschreibt, die den Zenit schon überschritten hat. Denn die Erfahrungen mit diesem Ansatz der Betriebswirtschaft als Leitwissenschaft ist mittlerweile so umfangreich wie ernüchternd. Und man kann wohl behaupten, dass die Phase, in der dieser Ansatz die Köpfe in der EKD beherrschte, schon der jüngsten Kirchengeschichte angehören. Wie sagte Thies Gundlach, der Cheftheologe der EKD, jüngst in einem Vortrag? Er möchte nicht der letzte Mohikaner sein, der zum Impulspapier „Kirche der Freiheit“ steht. Bleibt man bei der Analogie zum DDRSlogan, dann stellt sich nun die Frage: Was aber heißt dies Wort in unserem Munde? Im Munde derer, die den sog. Reformprozess, der im Gefolge von „Kirche der Freiheit“ über die Landeskirchen zog und der eigentlich ein UmEDXSUR]HVVLVWIDOVLÀ]LHUHQXQGNULWLVLHren? Wie können wir diesen Satz heute Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 03-2014

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aufgreifen – und ihn positiv gegen seine früheren Befürworter wenden? Lassen Sie mich dazu etwas ausholen: Wir leben heute in einer Zeit in der die früher propagierte funktionale Trennung der Systembereiche der Gesellschaft (Wirtschaft, Politik, Religion etc.) an ihr Ende gekommen ist. Denn die Wirtschaft beschränkt sich nicht mehr auf ihren Sektor der Produktion von Gütern und Dienstleistungen. Kapital LVWLPhEHUÁXVVDQGHQ%|UVHQYRUKDQden und sucht Rendite. Dazu müssen die Grenzen zu den anderen Sektoren überschritten werden. Zu diesem Zweck werden andere solche anderen Bereiche, wie z.B. die der Daseinsvorsorge, usurpiert. Privatisierung war das Zauberwort und totaler Service das Zuckerstückchen, mit dem der Bevölkerung dies schmackhaft gemacht wurde. Nach Post, Bahn und Telecom in den 90iger Jahren, kamen ab 2000 die engeren Bereiche der Daseinsvorsorge: Schule, Universität, Gesundheitswesen (mittelfristig Rückkehr zum DDRSystem der Poliklinik) und Justiz an die Reihe (Privatisierung von Vollzugsanstalten in Hessen durch Roland Koch). Übereinstimmend wurde in allen Bereichen das ehemals organisatorisch starke Fachpersonal entmachtet: durch Entzug von Beteiligungsrechten (Universität/Schule), durch Wandel des Bildungssystems von Humoldt‘scher Bildung zu Kompetenzvermittlung und damit Infragestellung der klassischen Lehrerkompetenzen, durch die Deklassierung des Ärztesstandes zu einer Art Scheinselbständigkeit, durch die Überlastung des Personals mit einem kaum Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 03-2014 zu bewältigenden Arbeitspensum (Justiz) unter der die Qualität der Arbeit wie auch die Gesundheit der Personen leidet. Diese Ökonomisierung schlich sich ein mit allerlei quasi-eschatologischen Versprechungen, z.B. der Steigerung der Servicequalität, der Illusion einer „totalen“ Qualität (TQM), etc. Ein kleines, aber sprechendes Beispiel zeigt die andersgeartete Realität. Günther Wallraff studierte in bekannter Manier in einem Incognito-Selbstversuch die 3UD[LV HLQHV $OWHQ XQG 3ÁHJHKHLPV LQ München, dem kathol. Josephsstift am Luise-Kisselbachplatz. Die Zustände waren nach der entsprechenden TVSendung ziemlich verheerend. Und dabei prangt ein Qualitätssiegel des TQM an einer Wand der Einrichtung. Darin wird die Note 1, sehr gute Qualität also, bescheinigt. Was hier an einem Beispiel dargelegt ist, können Sie getrost auf das gesamte Gesundheitswesen und auch auf das Bildungswesen übertragen. Stichworte: Pisa und Bologna. Die Kennzeichen: Privatisierung, Personalabbau bis zur Grenze der Leistungsfähigkeit, Ausbeutung der Gesundheit des Personals, Anbieten nur noch von Standardprodukten (Kernleistungen), 6WHLJHUXQJGHU3URÀWHGHU,QYHVWRUHQ Themen und Probleme, die man zur Genüge auch aus der Kirche, genauer: von dem kirchlichen Umbauprozess her, kennt. Prof. em. Jürgen Moltmann beklagte in einem Vortrag jüngst den „Einzug ökonomischen Denkens in die Kirche“. Er zieht folgerichtig die Verbindung zu Barmen I: … Wo liegen heute jene »Ereignisse und 13

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Mächte, Gestalten und Wahrheiten« aus Barmens Erster These verborgen, die wir zu Götzen machen?… . Er fragt: „Sind wir wieder in der Situation von vor 1933? Nein, das sind wir nicht! Wir sind in einer ganz anderen Situation. Es droht uns nicht eine ideologische Politisierung der Kirche wie durch die Nazis und die Deutschen Christen damals. Es droht uns aber eine nicht minder gefährliche ideologische Ökonomisierung der Kirchen, wie wir sie auch an den deutschen Universitäten erleben. Wie kann Kirche „effektiver“ gemacht werden? Wie kann die Zahl der Taufen, .RQÀUPDWLRQHQ XQG NLUFKOLFKHQ $PWVhandlungen erhöht werden? Wie kann die Kirche auf ihr „Kerngeschäft“ verschlankt werden? Wie kann die „Kirche im Angebot“ attraktiver werden? Der religiöse „Service“ der Kirche an ihren „Kunden“ muss verbessert werden. Damit entmündigt man die aktiven Brüder und Schwestern zu passiven „Kunden“ und macht aus selbstständigen Gemeinden betreutes Leben in den Kirchen.“ Man kann eine solche Position wie die von Jürgen Moltmann durchaus verstehen. Sie ist ein Abwehrmechanismus. Da wird die Ökonomisierung der Kirche rundheraus abgelehnt. Und das ist auf dem Hintergrund der o.g gesamtgesellschaftlichen Entwicklung nachvollziehbar. Da wird ein Schwarz-Weiß-Denken JHSÁHJW GDV DXFK EHL JHZLVVHQ .ULWLkern des sog. Reformprozesses sehr beliebt ist. Aber diese Form der Kritik ist dennoch zu pauschal und damit selbst angreifbar. Und sie enthält nicht die Chuzpe, die vermeintlichen Ökonomen 14 mit den Waffen der Ökonomie selbst zu schlagen. Das haben sie mir aber mit dem Vortragstitel aufgetragen. Und daran will ich mich gerne versuchen. Lassen Sie uns also etwas genauer hinschauen und differenzieren, um am Ende dann doch wieder einen Ansatz ]X ÀQGHQ GLH YRUKDQGHQHQ SRVLWLYHQ hilfreichen Aspekte der Ökonomie zu erkennen. Und die dem Titel inhärente Dialektik zu ihrem Recht zu verhelfen. Wir tun dies aber nicht in erster Linie, um der intellektuellen Herausforderung des Titels willen. Wir müssen dies tun, weil die empirische Kirche ihren Schatz in irdenen Gefäßen bewahrt. Weil die Kirche als Organisation auch mit professionellen profanen Instrumenten geleitet und dem Evangelium gemäß gestaltet sein will. Dabei darf ihre Gestalt dem Inhalt nicht widersprechen (Barmen III + IV). Als Organisation muss sie also damit auch auf die Möglichkeiten zurückgreifen, die gute Organisationsgestaltung bereit hält und ermöglicht. Und dazu sagt man in der Regel „Management“. Gutes, richtiges Management, das wäre es, was die Kirche wieder bräuchte. Sie bräuchte es ebenso wie die „Wirtschaft“ selbst. Die den Verlust durch die Ansage des Kulturproblems selbst thematisiert, wie es die Deutsche Bank getan hat. Die Siege der Wirtschaft ohne richtiges und gutes Management sind Phyrrussiege – siehe die Deutsche Bank. Vom Reformbedarf der Kirche... Betrachten wir die Geschichte des Reformprozesses in den ev. Kirchen: es ging in den 90igern zum einen um einen Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 03-2014

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Reformprozess nach außen, mit dem die Kirche die Differenzierungsprozesse der Gesellschaft nachvollziehen wollte („Person und Institution“, EKHN). Kirche musste aber zum anderen auch innerorganisatorisch einen Reformprozess anstrengen. Die Administration war veraltet, Wissen personell gebunden, die Datenverarbeitung mit einer hohen Fehlerquote behaftet, die Informationsbasis für Entscheidungen mangelhaft. Worauf wäre es angekommen? Auf die gezielte, eklektische Übernahme von Instrumenten und Strategien aus dem Wissensgebiet des Managements. Finanzmanagement als wirkungsorientierter Einsatz von Mitteln (und damit gerade jenseits des NurSparen-Horizonts der kirchlicherseits viel beschworenen schwäbischen Hausfrau), Personalmanagement als Führendes Dienen, Immobilienmanagement als Management der Ressourcen (und nicht des Verscherbelns von Altlasten). Entscheidend ist nicht die Frage des Einsatzes solcher Managementinstrumente, sondern die Frage nach der Mitte. Ist die Mitte theologisch ausgefüllt, dann können die passenden und aktuellen, den Stand der Technik abbildenden ökonomischen Instrumente – wie schon immer in der Kirchengeschichte - angewandt werden. Die Theologie ist dabei Standbein, die Instrumente des Managements das Spielbein. Ich selbst formulierte dies in meinem Buch „Kirchliches Immobilienmanagement“ im Jahr 2004: „Setzt die Kirche diese Erkenntnis in Managementhandeln um, werden in der freien Wirtschaft übliche... Managementstrategien relativiert, teilweiMitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 03-2014 se transformiert. Dies Anderssein der Kirche oder der entsprechenden Managementstrategien, dieses „sich-derWelt-nicht-gleich-machen“ heißt aber nicht, dass das Handeln deswegen nicht erfolgreich sein könnte. Ganz im Gegenteil.“ (S. 36). Bildet die Theologie die Mitte, dann sind dieser Mitte alle Funktionen der Organisation zuzurechnen, die diese Mitte in und mit ihrer Arbeit oder auch symbolisch repräsentieren. Der Leitung und Verwaltung kommt LQ GLHVHP 0RGHOO *UDÀN 6HLWH  eine strikt dienende, eine Servicefunktion zu. Ihre Aufgabe besteht (allein) darin, dass die Mitte gefüllt wird: dass Arbeit in möglichst großem Umfang mit ausreichend Personal ermöglicht, unterstützt und gefördert wird. Man kann dieses Managementmodell als das kirchliches Managementmodell nach Barmen IV bezeichnen. Dabei ist aus Managementsicht – und übrigens DXFKDXVÀQDQ]LHOOHU6LFKW VX XQHUheblich, ob die Arbeit in der Gemeinde oder aber in Diensten (Funktionspfarrstellen etc.) erfolgt. Entscheidend ist, dass das, was dort passiert, beim Adressaten ankommt und – auf welche Weise auch immer – wirkt (Achtung: hier darf das Kundenmuster nicht einfach auf die kirchlichen Leistungen übertragen werden). Das also wäre das Modell gewesen, nach dem die Kirche nach innen hin hätte reformiert werden müssen. Und zwar auch aus theologischer Sicht wie auch aus Sicht richtigen und guten Managements. Vielversprechende Ansätze dazu waren ab der Jahrtausendwende vorhanden. 15

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