Christus König Halver Netzwerk 2014 Sommer

 

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Magazin der Pfarrei Christus König Halver-Schalksmühle-Breckerfeld-Dahl

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netzwerk Magazin der Pfarrei Christus König christus könig Halver – Breckerfeld – Schalksmühle – Hagen-Dahl Sommerausgabe 2013 Dieses Heft hat das Thema »In Bewegung«. Lesen Sie, was und wer in Bewegung ist, war, sein wird.

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Inhalt 02 03 04/5 06/7 08/9 10/11 12/13 14 15 16/17 18/19 19/20 21 22/23 24 Inhalt/Impressum Zum Geleit Porträt Sandra Ostermann Mönche in Irland Pfadfinder Dahl Von Gott bewegt Spiritueller Text Kirchenkäfer Marian Treffpunkt Bücherei Codex sinaiticus Was ist Freiheit? Neue Perspektiven in St. Jakobus Gemeindefest in Halver Termine & Mitteilungen Wallfahrt der Pfarrei »Und wenn du es zehnmal für richtig hältst, dass der Junge mit den Pfadfindern auf Fahrt geht, ich habe doch den Eindruck, als hätten seine Freunde einen gewissen ungünstigen Einfluss auf ihn!« Wie Sie uns erreichen… Katholische Pfarrei Christus König Hermann-Köhler-Straße 15 58553 Halver Telefon 0 23 53 / 37 30 Impressum NETZWERK – Magazin der katholischen Pfarrei Christus König Herausgeber: Katholische Kirchengemeinde Christus König Halver – Breckerfeld – Schalksmühle – Hagen-Dahl Redaktion: Ulrike Biesenbach, Thomas Miebach, Cornelia Nölle, Heidrun Rediger, Thorsten Rehberg. Mitarbeit an dieser Ausgabe: Ileana Beckmann, Annemone Krause, Claus Optenhöfel, Dr. Johannes Sander; Barbara Wilk, Katharina Wüller, Stefan Wüller. Titelfoto: Ralf Wegerhoff Bilder: Annemone Krause; Sandra Ostermann; Thorsten Rehberg; Frank Schäfer; Kloster Stiepel; Universitätsbibliothek Leipzig; Gruppe Verwandt; Stefan Wüller. Anschrift der Redaktion: Pfarrei Christus König, Hermann-Köhler-Straße 15, 58553 Halver E-Mail: netzwerk@christus-koenig.de Layout/Gestaltung: Heidrun Rediger Druck: Reintjes Graphischer Betrieb GmbH, Kleve Namentlich gezeichnete Beiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung des Herausgebers oder der Redaktion wieder. Für Leserbriefe ist die Redaktion dankbar, ohne den Abdruck zu garantieren. Filialkirche Sankt Georg Heerstraße 12 58553 Halver-Oberbrügge Telefon 0 23 53 / 37 30 Gemeinde Sankt Jakobus Am Wehrgraben 7 58339 Breckerfeld Telefon 0 23 38 /1316 Gemeinde Sankt Thomas Morus Hälverstraße 8 58579 Schalksmühle Telefon 0 23 55 / 66 79 Gemeinde Herz Jesu Kallestraße 4 58091 Hagen-Dahl Telefon 0 23 37/ 6 21 www.christus-koenig.de Aktuelle Termine und Informationen, aber auch Bilder und Berichte aus dem Gemeindeleben finden Sie auf der Homepage unserer Pfarrei mit Links zu den einzelnen Gemeinden. Regelmäßig auf den neuesten Stand bringt Sie ein Pfarrnachrichten-Abo, das Sie ebenfalls über die Homepage bestellen können. 2 netzwerk

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Liebe Leserinnen und Leser, voller Bewegung steckt diese Ausgabe unseres PfarreiMagazins. Es ist innere, geistliche Bewegung oder äußerliches Unterwegs-Sein, es sind gemeinschaftliche oder ganz persönliche Bewegungen. Unter ihnen die Sendung von Sandra Ostermann geb. Pawliczek aus St. Thomas Morus in ihren Dienst als Gemeindereferentin, die wir am 14. September feiern dürfen. Ich freue mich sehr für sie und darüber, wie hier sehr persönlich deutlich wird: Gottes Geist bewegt und sendet Menschen aus, auch ganz konkret in unserer Pfarrei. Be-weg-ung – ein Grundmotiv für Christen. Schließlich sagt Jesus von sich: Ich bin der Weg. So ist es leicht, das eigene Leben als Christ als Weg zu beschreiben – und dabei immer wieder zu entdecken, wie ich mich auf diesem Weg Jesus angleiche, mich an ihm orientiere, von ihm gehalten und gestützt werde – oder auch mich an ihm reibe. Jesus – der Weg: da kann es sein, dass es mir schwer wird, dass ich mich gar weigere weiterzugehen; aber auch, dass ich gar nicht weiter kann, mir die Puste, die Kraft fehlt, oder dass ich irgendwann dastehe und gar nicht mehr recht weiß: Wo ist der Weg denn jetzt? Was all diesen Erfahrungen gemeinsam ist, ist aber dies: ich habe da nicht den Eindruck, angekommen zu sein, ich bleibe auf dem Weg, mal dem Ziel entgegen, vielleicht auch einmal orientierungslos suchend, wohin es denn gehen könnte. »Bewegung« – weil ich nicht am Ziel bin. Bewegung, weil dieses Ziel meines Lebens wohl eine neue Erfahrung sein wird, ein »bei Gott sein«, die ich mir kaum vorstellen kann – und die mich eben erst noch erwartet. Darum bin ich als Christ unterwegs, breche immer wieder auf. Nun beschreibe ich hier – in christlicher Sicht – die eine Bewegung des Lebens, wie es mit Gott sein könnte. Dabei ist das Leben ja voll von so unterschiedlichen Bewegungen in alle Richtungen. Auch die Bewegungen, von denen dieses Heft voll ist, sind sehr unterschiedliche. Wie passen sie alle »zusammen«? Welche von ihnen gehört in meinen Lebens-Weg hinein, welche in unseren Weg als Pfarrei oder Kirche? Bei diesen Fragen sind wir wohl alle Suchende – mit größeren oder kleineren Sicherheiten. Drei konkrete Bewegungen dieser Monate möchte ich hier nennen: Die eine ist die der Fronleichnamsprozession. Um sie herum erscheint dieses »Netzwerk«. Ja, bewusst machen wir uns im Gottesdienst auf den Weg mit Christus, feiern ihn in unserer Mitte und wollen uns von ihm leiten lassen. Im Ritual der gemeinsamen Schritte deuten wir unser Leben als von Jesus berührt oder erfüllt oder begleitet. Die zweite ist die der Pfarr-Wallfahrt. Erstmals als Pfarrei gemeinsam werden wir am 21. September unterwegs sein nach Bochum-Stiepel. Seien Sie dabei, weil wir hier deutlicher das »Unterwegs-Sein« spüren und mit unserem Glauben in Verbindung bringen können. Die dritte ist die große Bewegung dieses Sommers: Der Wettbewerb um den Weltmeistertitel, das Zusammenkommen zur Rudelbegeisterung, das gemeinsame Aufspringen und Jubeln (so hoffe ich doch). Da stiftet der Sport nicht nur Konkurrenz, sondern mehr noch Gemeinschaft, die wir so nötig haben. Da wird in der einfachen Bewegung doch auch ein Geist erahnbar, manchmal scheint er fast greifbar – zu welchen Bewegungen will dieser Geist uns wohl motivieren? Liebe Leserinnen und Leser, so empfehle ich Ihnen diese Netzwerk-Ausgabe, lade Sie herzlich ein zur Pfarr-Wallfahrt und wünsche Ihnen einen schönen, immer wieder bewegten und bewegenden Sommer – Ihr Pfarrer netzwerk 3

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»In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst!« Kirche – das ist ihr Thema von Kindesbeinen an. Im zarten Alter von zehn Monaten kam Sandra Ostermann geb. Pawliczek mit ihren Eltern von Polen nach Deutschland. Seit Sandras Vater Roman 1989 die Küsterstelle in der Gemeinde St.Thomas Morus antrat, hatte sie ständigen Kontakt zu allem, was irgendwie mit Kirche zu tun hat. Selbst beim Rasenmähen an der Kirche half sie mit, saß auf der Orgelbank, wenn der Organist spielte und durfte dann auch schon mal die Nummern der Lieder eintippen. So ging ihr alles, was sich in und um Kirche bewegte, in Fleisch und Blut über. Viele kirchliche Aktivitäten – wie das Krippenspiel an Heiligabend – waren für Sandra nicht mehr aus ihrem Leben wegzudenken. So übernahm sie anfangs die Rollen von Schäfchen und Hirten, entwickelte sich aber schnell weiter und wurde später als Jugendliche Leiterin des jährlichen Krippenspiels. Weil sie es von der »Pike auf« gelernt hat, macht ihr da so schnell keiner etwas vor! Auch die Sternsingeraktion hat sie mitbegleitet. Als eine von drei Königen ging sie viele Jahre Anfang Januar bei Schnee, Eis, Regen und Sonnenschein durch Schalksmühler Straßen, um Geld für bedürftige Kinder zu sammeln und den Segen in die Häuser zu bringen. Natürlich feierte sie auch ihre kirchlichen Feste wie Erstkommunion und Firmung in St. Thomas Morus. Nach der Erstkommunion war es für sie selbstverständlich, in den Messdienerdienst einzusteigen. Die räumliche Nähe zur Kirche machte es ihr möglich, bei recht vielen Gelegenheiten als Messdienerin tätig sein zu können. Von Hochzeit über Taufe bis zur Beerdigung war alles dabei. So hatte sie immer intensiven Kontakt zu den Menschen und lernte recht schnell den Ablauf der Heiligen Messe kennen und lieben. Gemeinde mitgestalten, aktiv dabei sein können, das war es, was sie antrieb und schließlich ihren Berufswunsch »Gemeindereferentin« auslöste. Da ihre Eltern in kirchlichen Gruppierungen engagiert waren und es noch sind, war es für Sandra Ostermann selbstverständlich, im Seniorenkreis die älteren Gemeindemitglieder – anfangs allein durch ihre Anwesenheit – zu beglücken. Immer mehr Aufgaben konnte sie im Laufe der Zeit übernehmen und dabei auch reichlich Erfahrungen sammeln. Mit ihrer Mutter bot sie Wallfahrten nach Paderborn und Kevelaer für die Senioren an, ebenso eine Reise nach Polen. »Kirche ist im wahrsten Sinne mein Zuhause«, sagt sie, »und deshalb fühle ich mich, egal in welcher Kirche auch immer, in ihr beheimatet!« So verbunden mit Kirche und im Glauben verwurzelt, wollte sie vor ihrem Studium aber noch etwas ganz anderes erleben. Die Arbeit mit Menschen ist für sie sehr wichtig, doch nicht nur hier vor Ort wollte sie etwas bewegen; sie konnte sich vorstellen, auch in fernen Ländern zu arbeiten und damit Menschen unterstützen. Diejenigen, die die größte Not haben, liegen ihr besonders am Herzen. Und es war ihr Herzenswunsch, die Menschen in Lateinamerika kennenzulernen und dort mit all ihren Kräften für sie da zu sein. So wurde Sandra Ostermann nach ihrem Fachabitur für ein Jahr »Missionarin auf Zeit« in Brasilien. Für ihre Familie war ihre Entscheidung, mit 18 Jahren in die »große Welt« zu gehen, erstmal ein schwerer Gedanke. Aus Liebe zu ihrem Kind ließen sie Sandra, nachdem alles geregelt und gut organisiert war, ihren großen Schritt machen. Die Gemeindemitglieder von St. Thomas Morus haben Sandra moralisch und auch finanziell gut unterstützt und sie so in ihrem Vorhaben bestätigt. Ein Jahr Brasilien und dann … Paderborn! Hier begann sie ihre Ausbildung zur Gemeindereferentin. Viele Erfahrungen aus dem Amazonasgebiet kamen ihr in ihrem Studium zugute und wird sie auch jetzt, bei der Ausübung ihres Berufes, verwenden. Gemeindereferentin ist ein Beruf, der es Frauen in der katholischen Kirche möglich macht, pastoral zu

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arbeiten; sei es in der Sakramentenkatechese, der Trauerpastoral oder auch im Religionsunterricht an Schulen. »Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen machte mir immer schon viel Freude,« verriet Sandra mir in unserem Gespräch. »Humaitá in Brasilien war für mich ein guter Lehrmeister!« Dort arbeitete sie aber nicht nur mit jungen Menschen, auch Haus- und Krankenbesuche gehörten zu ihren Aufgaben. »Das waren beste Voraussetzungen für meine jetzige Arbeit in der Pfarrei St. Joseph und Medardus in Lüdenscheid.« Das Thema ihrer Bachelorarbeit: »In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst« hat sie sich auch als Lebensmotto gegeben. Wer von einer Sache überzeugt ist und dahinter steht, kann andere Menschen »anstecken« und sie mitreißen. Das geht nur mit einem starken Glauben an Gott und dem Rückhalt von Familie und Freunden. Auch die Gemeindemitglieder von St. Thomas Morus machen es Sandra möglich, das Projekt »Humaitá« weiter zu verfolgen. Spenden, die die Menschen dort materiell unterstützen, und Gebete sollen helfen, ein wenig Licht in den oft so harten Alltag zu bringen. Am 14. September 2014 wird Sandra Ostermann im Hohen Dom zu Essen von Bischof Franz Josef Overbeck zum pastoralen Dienst beauftragt. Pastoral gearbeitet hat sie aber schon viele Jahre vorher! »Das wird, nach meiner Hochzeit vor drei Jahren, ein weiterer spannender, wichtiger Tag in meinem Leben sein, den ich mit all meinen Freunden, Bekannten, der Familie und der Gemeinde feiern möchte!« sagt Sandra zum Ende unseres Gesprächs. So ergeht an dieser Stelle an alle Interessierten und mit Sandra Ostermann verbundenen Menschen die herzliche Einladung, im September gemeinsam mit ihr und ihrer Familie dieses Ereignis mit zu feiern. Zeichen der Liebe und Gegenliebe, die aus dem Herzen kommen, äußern sich in Gesten, Reden und Taten. Sie sind ein Zündstoff, der den Geist der Gemeinsamkeit entflammen kann. (Ulrike Biesenbach) netzwerk 5

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Peregrinatio Irische Mönche unterwegs in Europa »Grüß Gott!« – Dass dieser Gruß mit großer Wahrscheinlichkeit ein Erbe der irischen Mönche und Missionare des Frühmittelalters ist, dürfte weitgehend unbekannt sein. Außerdem: Iren??? Die meisten Bücher sprechen ja mit großer Begeisterung von »angelsächsischen Missionaren« – leider! Es hat etwas von einem schamhaften Verdrängen an sich, dass der Beitrag der irischen Kirche bei der Christianisierung Europas, ja bei der eigentlichen Grundlegung dessen, was wir heute Europa nennen, so gerne übersehen und verfälscht dargestellt wird. Es waren keine Angelsachsen, sondern Iren (und wenn überhaupt, dann in irischen Klöstern und von irischen Mönchen erzogene angelsächsische Mönche), die das Christentum wieder auf das europäische Festland brachten, nachdem dort das römische Reich und mit ihm die römische Kirche faktisch zusammengebrochen war. Wie kam es dazu? Zunächst einmal hatten die Iren großes Pech, weil sie am absoluten Rand der damals bekannten Welt lebten, so abseits, dass selbst die expansionsfreudigen Römer keine Lust hatten, dort ihre Legionen hinzuschicken. So kam es zu dem seltenen Glücksfall, dass die Missionierung der keltischen Iren nicht unter dem Schutz einer militärischen Expansion und Kolonisierung stattfand: Hier musste sich das Christentum aus sich selbst heraus beweisen und behaupten. Und es gelang: Christlicher Glaube und keltische Kultur verbanden sich zu einer ganz eigenen Gestalt und es kam nicht von ungefähr, dass die Mönche das Erbe der Druiden antraten. Überhaupt das Mönchtum! Damals, im 3./4. Jahrhundert, war es in Westeuropa ein völliges Novum, das fest mit dem heiligen Martin von Tours verbunden war: Dieser lebte zuerst als Einsiedler und Asket wie in Ägypten und Israel die Mönche vor ihm. Klösterliches (Gemeinschafts-)Leben entstand erst aus der Notwendigkeit, mit all denen zurecht zu kommen, die ebenfalls dieses andere Leben für Christus suchten und kennenlernen und leben wollten. Über die Klöster des Sankt Martin gelangt das mönchische Leben nach Irland: Und hier trifft es einen Nerv! Das druidische Erbe der Heidenzeit, in denen ebenfalls abgeschiedenes Leben, Askese und Verinnerlichung verlangt wurde, verbindet sich mit der Idee des mönchischen Lebens für Christus, bei dem man in die Wüste geht, um sich von allem Störenden abgesondert um die Gesundung seiner Seele bemüht. Nur: In Irland gibt es keine Wüste! Stattdessen nutzt man zunächst Berge, um »Wüste« zu erfahren. Eine Parallele zur Bibel, in der Berge als Orte der Gottesnähe ebenfalls eine »herausragende« Rolle spielen. Die zahlreichen Inseln an der irischen und schottischen Küste legen nahe, auch hier »in die Wüste zu gehen«. Rasch entwickeln sich aus den Einsiedeleien der Asketen Klostersiedlungen, die zu Orten spirituellen und geistigen Lernens werden und eine unerhörte Strahlkraft entwickeln. Orte wie Kells, Lindisfarne und Iona hatten im frühen Mittelalter ein Image, das sich heute mit dem der elitärsten Universitäten durchaus vergleichen kann – mindestens! Bei den irischen Mönchen und jenen, die es in ihre Klöster zieht, entsteht das Ideal der peregrinatio – das Verlassen der Heimat um Christi willen, um in der Ferne Seelen für Gott zu gewinnen. Man könnte durchaus auch von einer spirituellen Reiselust sprechen. Einer der bekanntesten Mönche ist Columban der Jüngere, den seine peregrinatio zusammen mit seinen Gefährten bis nach Norditalien führte. Und wenn man sich die Legenden über ihn durchliest, wird man den Verdacht nicht los, dass der heilige Franz von Assisi knapp 400 Jahre später begeistert in seine Fußstapfen schlüpft. Neben Columban gab es zahlreiche andere Mönche und Missionare, die es zwar an Bedeutung mit ihm nicht aufnehmen konnten, aber in ähnlicher Weise die Nachfolge Christi als peregrinatio lebten. Ähnlich wie Jesus mit seinen zwölf Jüngern zogen sie in kleiner Gemeinschaft los – oft ohne zu wissen, wohin es sie verschlagen würde. Dem heiligen Brendan z.B. wird nachgesagt, dass er auf einer dieser Reisen bis nach Amerika gelangt sei. Ob an der Sache etwas dran ist oder ob die »navigatio sancti Brendani« – die Seereise des hl. Brendan – nichts weiter ist als eine Art früher Reise- bzw. Abenteuerroman: Ohne Beweise kann man da nur mutmaßen. Aber auch in unserer Region haben irische und von Iren erzogene Missionare ihre Spuren hinterlassen: Man denke z.B. an die hl. Ewalde, die in Dortmund ihr Martyrium erfuhren. Columban behält seine Sonderstellung auch, weil von ihm eine Klosterregel für das Leben der Mönche verfasst wurde. Sie fand – ganz oder 6 netzwerk

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Mischform – in vielen irischen Klostergründungen auf dem Kontinent ihre Anwendung. Dass diese Klöster später praktisch ausnahmslos die Benediktsregel übernahmen und zu Benediktinerklöstern wurden, hängt sicher auch damit zusammen, dass Columban noch ein sehr schroffes, asketisch-einsiedlerisches Mönchstum propagierte. Die Benediktsregel war da hingegen viel moderner, aus einem Guss – und angenehmer! Ein anderer Grund war ebenso der Wunsch, von der römischen Kirche akzeptiert zu werden. Können Sie sich z.B. vorstellen, wie es die römischen Kleriker und Mönche erschreckt hat, wenn sie ihren irischen Kollegen begegneten? Der Kopf in Druidenweise geschoren, mit einem Zopf statt einer Tonsur? Die so viel entschiedener den Glauben lebten als man selbst, aber eben den Eindruck erweckten, Wilde vom Ende der Welt zu sein? Kein Wunder, dass die römische Kirche den Verdienst der Mönche vom Rand Europas schnell wieder vergessen wollte... Denn: Sie waren nicht nur anders, sondern auch wenig pflegeleicht, die Iren. Statt sich auf die Reste der römischen Kirche in den ebenso nochrömischen Städten zu beschränken, zog es sie »auf die Heide«, wo sie durch ihren leidenschaftlichen Glauben die dort Lebenden für Christus begeisterten. Es konnte aber auch anders kommen: Wo ihnen das Heidentum aggressiv begegnete, da hatten die Mönche keinen Skrupel vor der Konfrontation. Da wurde die heilige Donar-Eiche umgehauen oder das Götzenbild kurzerhand im See versenkt. Und die Bischöfe? Was sagten die dazu? Nicht, dass sich »auf der Heide« irgendjemand groß um die Bischöfe in den Städten gekümmert hätte. Aber dass da jetzt irische Mönche kamen und die Arbeit des Herrn im Zuständigkeitsbereich der römischen Bischöfe erledigten... Kurz und gut: Ohne Reibereien ging das nicht ab! Für die Missionare von der grünen Insel waren die Bischöfe Brüder in Christo, aber keinesfalls Vorgesetzte, denen sie sich unterzuordnen hätten: In Irland standen die Klöster und Abteien gleichberechtigt neben den Bischofsstühlen – mindestens! Es ist gut vorstellbar (und belegt), dass so mancher Festlandsbischof angesichts des Selbstbewusstseins und der Missionserfolge der Inselmönche nicht unbedingt christlich dachte und reagierte... Und heute? Die Mönche von der grünen Insel hätten uns einiges zu sagen. In einer Zeit, in der ein deutscher Bischof weltweit als Protzbi- schof traurige Berühmtheit erlangt und die Kirche schmerzhaft um ihre Zukunft ringt, lohnt es sich zu fragen, wozu wir Christen eigentlich da sind. Schmerzhaft wird deutlich, wie sehr entgegengesetzt unser Leben als Christen heute von einer Entschiedenheit, wie sie sich in der peregrinatio zeigt, entfernt ist. Und während manche jedes Fehlverhalten – von wem auch immer – als Ausrede für das eigene Desinteresse an Kirche und Glaube verwenden, während manche angeblich nur »aus Gewohnheit« in die Kirche geht oder manche »das nicht nötig haben«, fragen sich andere: Wollen wir nicht mehr? Und: Wie fangen wir es an? (Thorsten Rehberg) netzwerk 7

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Pfadfinder – Jugend bewegt Bewegung zeigt sich unter anderem darin, dass man unterwegs ist – »unterwegs sein« bedeutet Leben. Bei der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) sind Mädchen und Jungen, Frauen und Männer gemeinsam unterwegs. Sie brechen zu neuen Ufern auf, gehen zusammen, machen halt, kehren vielleicht auch mal um, aber gehen immer wieder weiter. Wer hinfällt, lernt innerhalb der Gemeinschaft erneut aufzustehen. Zusammen wagen sie neue Abenteuer und lernen während des gemeinsamen Handelns für sich und für andere in der Gruppe Verantwortung zu übernehmen. Jede und jeder kann und soll seine eigenen speziellen Fähigkeiten in die Gruppe einbringen. Diese Grundsätze zeigen das einfache pädagogische Prinzip des Pfadfindens: Kinder und Jugendliche erziehen sich mit Unterstützung ihrer Gruppenleiterinnen und -leiter selbst. Der Gründer der Weltpfadfinderbewegung Lord Robert Baden-Powell drückte das einmal so aus: »Macht die Jungen und Mädchen zu Baumeistern ihrer eigenen Entwicklung«. Dies zeigt sich vor allen Dingen durch das »Learning by doing«. Die Jugendlichen probieren sich innerhalb vorbestimmter Grenzen immer wieder selber aus. Nur so können sie wachsen und Eigenverantwortung übernehmen. Auf ihrem Weg dahin setzen sich Pfadfinder für Gerechtigkeit und Frieden ein. Sie wollen die Schöpfung bewahren und eine lebendige Beziehung zu Gott entwickeln. Robert Baden-Powell nannte dies »Duty to myself«, »Duty to others« und »Duty to god«. In einem Abschiedsbrief, kurz vor seinem Tod, bat er seine Pfadfinder: »Verlasst die Welt ein wenig besser, als ihr sie vorgefunden habt.« Die Pfadfinderbewegung ist seit ihrer Gründung 1907 ein neuer Weg für junge Menschen, die nicht steckenbleiben wollen im Erreichten und die sich für mehr Freiheit, Menschlichkeit und Frieden engagieren – die einen Weg gehen wollen, der Hoffnung verbreitet. In diesem Jahr lohnt es sich, besonders die »Bewegungen« der Pfadfinder unserer Pfarrei vom Stamm Don Bosco Dahl/Rummenohl sowie Don Bosco Halver zu beachten. Gegründet 1974 hat sich der Ursprungs stamm 1994 wegen seiner Größe getrennt und so feiern beide Stämme zurzeit ihr Jubiläum. Angefangen hat die Pfadfinderbewegung im Volmetal mit einer enormen Begeisterung für die Ideale des Pfadfindertums, die, wie man an der Entwicklung der beiden Stämme sehen kann, bis heute in reichlichem Maß vorhanden ist. Zuerst gab es noch keinen Stammesnamen, kein Banner, keine Kluft, keinen Ausweis usw., aber es wurde mit Hochdruck für die Gründung eines Stammes gearbeitet. Die erste Gruppenstunde des frisch gegründeten Stammes Don Bosco Unteres Volmetal war am 19. März 1974 in Dahl im Pfarrhaus (Kellerraum neben der Bücherei). Dieses Datum gilt als das Gründungsdatum des Stammes und wird noch heute alljährlich mit einem Lagerfeuer in einer Schlucht im Dahler Wald gefeiert. Im Herbst 1974 erfolgte dann die Wahl eines Namens und eines Stammesvorsitzenden. Die Wahl des Namens fiel auf Don Bosco, da die zur gleichen Zeit in Bau befindliche Bildungsstätte der DPSG in Rummenohl diesen Namen tragen sollte. Giovanni Bosco lebte von 1815 bis 1888 in Turin. Als ihm im Alter von neun Jahren eine Frau erschien, die er für Maria hielt, entschloss er sich, eine Gemeinschaft zu gründen, die sich um benachteiligte Jugendliche kümmert: »Da ertönt eine Stimme, die sagt: Nicht mit Schlägen, sondern mit Güte wirst du sie zu Freunden gewinnen.« Diesen Grundgedanken legt Don Bosco für seine spätere Pädagogik zugrunde. Der Traum erfüllte sich nach seiner Priesterweihe. Don Bosco setzt sich während seines Lebens mit all seiner Kraft für die Anliegen der in Armut und zum Teil ohne Obdach und Ausbildung lebenden Jugendlichen ein. Der von ihm gegründete Orden der Salesianer ebnete den Weg für die über 100.000 Jugendlichen, denen Don Bosco in 250 Häusern auf der ganzen Welt eine Ausbildung und damit eine bessere Zukunft geboten hat. 1929 wurde er heilig gesprochen und gilt als Schutzpatron der Jugend und inzwischen seit 40 Jahren als Patron unserer Pfadfinderstämme. Noch mehr Infos über die Pfadfinder auf www.stammdonbosco.de 8 netzwerk

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Zur Vorbereitung dieses Artikels habe ich mich mit Rafael Berger und Carla Warburg vom Stamm Don Bosco Dahl/Rummenohl getroffen und ihnen im Hinblick auf das aktuelle Heftthema »In Bewegung« die Frage gestellt: »Was bewegt euch, Pfadfinder zu sein und über die Jahre hinweg Pfadfinder zu bleiben?« Beide haben mir darauf die gleiche Antwort gegeben: »Uns bewegen die Erfahrungen, die wir im Laufe der Jahre auf unseren Fahrten machen, vor allen Dingen während der großen Sommerlager. Dies ist für uns jedes Jahr der Höhepunkt.« Gerade in dieser Zeit können die Leiter und Jugendlichen aneinander und miteinander wachsen. Sie gehen einen Weg weit außerhalb des »Normalen«, nicht bestimmt von der sonst allgegenwärtigen Kommunikations- und Unterhaltungselektronik. Sie leben in der Natur und vor allem mit der Natur. Rafael sagte dazu noch: »Mir ist nicht nur das naturverbundene, sondern das bewusst einfache Leben der Pfadfinder besonders wichtig in der heutigen Zeit.« Jeden Tag sehen sich die Jugendlichen im Lager neuen Herausforderungen gegenüber, die sie meistern müssen. Um nicht nur Stimmen aus der Leiterrunde zu haben, hat Carla Warburg während der Gruppenstunden auch einige Meinungen aus den jeweiligen Gruppen eingefangen. Hier war dieselbe Frage: »Was bewegt euch Pfadfinder zu sein?« Michael, 9 Jahre, Wölfling antwortete darauf: »Wandern, Spiele und weil ich hier Freunde treffe« und Tabea, 7 Jahre, Wölfling: »Spiele, Natur, tolle Leiter«. Die beiden Wölflings-Leiter Alex und Caro haben gesagt, dass ihnen die Gemeinschaft bei den Pfadfindern sehr wichtig und »wie eine Familie« ist!!! Bei den Jungpfadfindern bekamen wir von Magdalena, 13 Jahre, die Antwort: »Tolle Projekte, die Spaß machen, ausruhen vom Schulstress und von Zuhause, nette Leiter.« Jim-Bob, 12 Jahre meinte: »Viel Spaß, Gemeinschaft ist wichtig, tolle Leiter, großer Zusammenhalt, das Pfadfinder-Versprechen machen«, und Melina, 11 Jahre: »Spaß haben, Natur und Tiere schützen, Hike und Lager, Spiele und Bannerwache«. Diesen Sommer findet das Lager des Stammes Don Bosco Dahl/Rummenohl vom 28. Juli bis 14. August auf dem Rittergut Schilbach im Vogtland statt. Da das Sommerlager so einen hohen Stellenwert im Verlauf des Pfadfinderjahres hat, will der Stamm sein Jubiläum mit vielen Freunden am ersten Lagerwochenende feiern. (Conny Nölle) netzwerk 9

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Von Gott bewegt »Ich war oft auf Reisen, in Gefahr durch Flüsse, in Gefahr durch Räuber, in Gefahr durch Menschen anderer Völker, in Gefahr in Städten, in Gefahr in der Wüste, in Gefahr auf dem Meer, in Gefahr unter falschen Glaubensbrüdern. Ich hatte schwere Arbeit und Anstrengung, oft schlaflose Nächte, Hunger und Durst, häufiges Fasten, Kälte und Nacktheit zu ertragen. Und dazu bedrängten mich, abgesehen von allem anderen, die tägliche Sorge um sämtliche Christengemeinden, die ich gründete.« (Paulus im zweiten Brief an die Korinther, Kapitel 11) Paulus-Mosaik aus der Capella Arcivescovile (Bischofskapelle) in Ravenna, 5. Jahrhundert Wer so redet, ist offensichtlich bewegt von einer Kraft, die in ihm wirkt. Alle Entbehrungen werden in Kauf genommen, aller Gefahr die Stirn geboten, um die Motivation und das Ziel des eigenen Tuns nicht zu verraten. Paulus von Tarsus, der diese Zeilen schrieb, war ein im guten Sinne Besessener von der Idee eines umfassenden christlichen Mit- einanders aller Menschen. Mit dieser Vision vor Augen durchschritt er weite Teile der damals bekannten menschlichen Kulturräume, um den Menschen Jesus Christus zu verkünden. Mit dieser Aufgabe wählte Paulus eine Lebensform, die nicht viel mit dem Ideal einer kleinbürgerlichen Existenz zu tun hat und gerade deshalb erlösenden Charak- ter hat, weil die Sicherheit nicht über die Liebe gestellt wird, das Besitzstreben nicht über das gemeinsame Teilen, das Ich nicht über Gott. Doch über Paulus ist bisher nur die halbe Wahrheit gesagt worden. Denn nicht so sehr Paulus wählte dieses Leben, sondern vielmehr wurde er erwählt: Gott macht es uns nicht leicht; er überfällt uns – oft wenn wir es am wenigsten erwarten oder gar wollen –, um uns seinen Weg zu leiten. Paulus wird bei Damaskus den Sturz seines bisherigen Lebens als Christenverfolger erleben. Ihm werden die Augen geöffnet für die Erkenntnis Gottes und seines eigenen Lebens. »Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir« (Gal 2,20), weiß Paulus von da an über sich zu sagen – und macht sich auf den Weg, Christus in sich zur Geltung zu bringen. Wenn Gott einen Menschen in Bewegung setzt, dann hat der Bewegte stets ein Ziel vor Augen, das anmutet, aber immer auch eine Zumutung bedeutet. Die biblischen Bücher kennen viele solcher Geschichten: Abraham wird zugemutet, aus seinem äußerlich reichen (aber innerlich unerfüllten) Leben aufzubrechen um zu lernen, anderen ein Segen zu sein; Mose wird zugemutet, aus seinem sicheren Exil aufzubrechen um im Angesicht des Unterdrückers den Namen des Gottes auszurufen, der Befreiung verheißt; Amos wird zugemutet aus seinem Dasein als Schafzüchter aufzubrechen, um als Prophet die Mächtigen zur Gerechtigkeit Gottes zu mahnen. Oft sind die Berufungen mit erheblichem Unwillen derer ver- 10 netzwerk

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bunden, die ihr bisheriges Leben verändern und in Bewegung kommen sollen. Diese Verweigerungshaltung ist zunächst auch sehr gut nachvollziehbar: Stets entfaltet die Stabilität einmal erreichter Zustände eine Sogwirkung – selbst wenn es sich um das Gehege eines Sklavendaseins handelt, wie die Hebräer uns mit ihrer Sehnsucht nach den »Fleischtöpfen Ägyptens« lehren. Doch es gibt kein Entrinnen: Wer einmal von der Zuneigung Gottes erfasst ist, den lässt sie nicht mehr los. Überwindet man schließlich die Trägheit des Verharrens, so gerät man auf den Weg in eine offene Zukunft, auf deren Gelingen man nur setzen kann, wenn man Vertrauen fasst in Gott. Schließlich wird der eigene Standpunkt, der einem die Sicherheit der Gewohnheit schenkt, aufgegeben zugunsten eines Weges, dessen Ziel zwar vielversprechend erscheint, der sich aber voller Unabwägbarkeiten und Gefahren zeigt. Es ist ein Wagnis, dem Ruf Gottes zu folgen. Man setzt einiges aufs Spiel. Äußerlich betrachtet kann man viel verlieren. Es gibt aber unendlich viel zu gewinnen: das wahre Leben. Sich von Gott aufgerufen wissen, meint nichts anderes als sein Leben vom Falschen in das Richtige zu kehren. Die Bibel wird nicht müde, diese Geschichten des Aufbruches, des Auf-dem-Weg-seins, letztlich der Umkehr zu erzählen. Immer geht es darum, ein Leben, das in irgendeiner Weise nicht erfüllt und erfüllend ist, zu wenden. Manchmal sind die Verkrümmungen der Lebenswege offensichtlich, manchmal aber scheint alles in Ordnung – bis die Fassade fällt und alle Lebenswunden offenbar werden. Keiner ist frei von Lebensirrungen; alle sind schon auf Wegen gegangen, die Abwege sind. Manche sind unter uns, die diese Abwege kurzerhand zu den Schnellstraßen ins Glück umdefinieren, um der lästigen Aufgabe zu entgehen, die Landkarte des guten Gewissens noch einmal ordentlich zu studieren. Viele sind stehengeblieben aus Sorge vor dem nächsten Schritt, aus Bequemlichkeit oder einfach weil die Müdigkeit alle Kräfte aufgezehrt hat. Die Kunst des Lebens jedoch besteht darin, die eigene Widerständigkeit Das Labyrinth von Chartres. Eingelassen in den Boden der Kathedrale von Chartres. Anders als bei einem Irrgarten kann man beim Labyrinth nicht in die Irre gehen. Sofern man die Mitte und das Ziel des Weges im Blick hat, ist jede Wegwendung, jede Lebenswende nicht so sehr das Ende eines falschen Weges, sondern vielmehr der erneute Aufbruch auf dem Weg näher zur Mitte hin: Im Hinblick auf Gott als Mitte des eigenen Lebens werden auch aus »Abwegen«, sofern die Wende und Umkehr gelingt, »Hinwege«. Seite 10, links: Zacharias, Bekehrung des Paulus. nicht zu unterschätzen – niemand muss sich in die Abwegigkeit des eigenen Lebens fügen. Es wird alles ganz einfach, wenn man es sich schwer macht und die Herausforderung annimmt, ein Gleichnis Gottes zu werden. Diese Zumutung ist zugleich eine Zusage und Verheißung, dass die Möglichkeit der Veränderung und Umkehr in uns – trotz aller Abwege – nie ganz verloren ist und stets wieder freilegelegt werden kann. Hinter jeder Biegung und jenseits jeder Steigung kann der entscheidende Wegweiser zu finden sein. Wir alle sind auf dem Weg. Wer aber nicht Rechenschaft darüber abzugeben weiß, wohin ihn seine Reise führt, der muss wie im Nebel gehen, ist unfähig sich zu orientieren und anderen Orientierung zu bieten. Was also ist zu tun, um nicht in die Irre zu gehen und dem falschen Ruf, dem falschen Lebensentwurf zu folgen? Wir müssen lernen, Zei- chen zu lesen. Nicht immer bricht die Gewissheit der Wahrheit Gottes mit derartiger Wucht in ein Leben wie es bei Paulus der Fall war. Die Exoduserzählung etwa lehrt uns auch andere Formen der Vergewisserung: Insbesondere ist es der Aufmerksamkeit des Mose zu verdanken, dass er die Gotteserscheinung des brennenden Dornbusches überhaupt wahrgenommen hat. Manchmal – wie beim Propheten Elija – weiß die Bibel auch davon zu erzählen, dass man der entscheidenden Gottesbegegnung nur gewahr wird, wenn man achtsam genug ist, ein »Geräusch verschwebenden Schweigens« (1 Kön 19) wahrzunehmen. Niemand kann also die Hände in den Schoß legen und behaupten: Er hat mich nicht gerufen und mich nicht auf den richtigen Weg geleitet. Seine Zeichen sind überall. Aber wir müssen sie erkennen. (Thomas Miebach) netzwerk 11

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Bis zum Horizont Lustige kleine Wellen auf glitzerndem Wasser zeigen nichts von ihrer Kraft und Härte. Wind – kaum spürbar – kommt auf leisen Sohlen Wellen wachsen, bauen sich auf, wachsen über sich hinaus. Salzige Luft spüren, das scharfe Zischen des Windes einatmen, Sand wirbelt durch die Luft, Hügel entstehen, wachsen, vergehen. Bis zum Horizont weite Sicht, ein Schiff unterwegs, unterwegs mit wertvoller Fracht, von Menschen sehnsüchtig erwartet.

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Hektik im Hafen, von Ruhe keine Spur, geschäftiges Treiben, wie Wellen auf dem Meer. Wellen kommen näher, brechen vor meinen Augen. Für einen Augenblick Ruhe, um kurze Zeit später wieder zu lärmen. Unermüdlich dieses Meer, ein Kommen und Gehen, ein Laut und ein Leise. Eine Sehnsucht in mir frei zu sein, frei bis zum unendlichen Horizont. (Ulrike Biesenbach)

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Marian der Kirchenkäfer Hallo Kinder! »In Bewegung« ist das Thema dieser Ausgabe und als Käfer kann ich dazu eine Menge schreiben. Ein gut trainierter Marienkäfer kann durchaus über 40 km/h schnell fliegen, allerdings ist das ein Top-Wert für Sprinter, die normale Reisegeschwindigkeit liegt meist deutlich darunter. Wichtig ist für unsereiner aber nicht so sehr die absolute Geschwindigkeit, sondern die Fähigkeit, blitzschnell Geschwindigkeit und Flugrichtung zu verändern, mit anderen Worten: In der Luft Haken zu schlagen! Da wir relativ klein sind und mit unserer Energie unseren Fressfeinden kaum davonfliegen können, müssen wir es eben anders versuchen. Merke: Was im Kopf zu haben ist besser als dicke Muskeln! Allerdings ist bei jedem, der fliegen kann, die Geschwindigkeit natürlich ein beliebtes Thema. Ich gestehe, dass ich gerne Bücher lese oder Filme gucke, in denen schnelle Flugzeuge vorkommen. Allerdings... Die modernen Düsenflugzeuge klingen irgendwie doof! So ein Flugzeug mit richtigem Propeller und einem dicken, fetten Motor dahinter – der Sound ist schon viel mehr meine Kragenweite! Na gut, wirst du sagen: Da kann man sich ja nicht mehr unterhalten oder Musik hören! Andererseits: Wenn so ein schwerer Flugzeugmotor losorgelt, wer braucht da noch Musik??? Aber »in Bewegung sein« hat nicht nur etwas mit Geschwindigkeit zu tun: Die schnellste Reisegeschwindigkeit haben nämlich... Tusch!!! ... die Gedanken! Glaubst du mir nicht, was? Ist aber so! In Gedanken kannst du viel schneller reisen als jedes noch so schnelle Auto, Schiff, Flugzeug oder Raumschiff. Auch die Gedanken in deinem Kopf sind viel schneller als all diese Fortbewegungsmittel, weil sie nämlich annähernd Lichtgeschwindigkeit erreichen. Voll der Hammer, was? Dass die Gedanken – bzw.: der Geist! – in Sachen Geschwindigkeit auf dem ersten Platz landen, wussten schon die alten Griechen – und die konnten noch nicht mal fliegen! Probiert es doch einfach mal aus: Stellt euch vor, ihr macht einen Urlaub an einem Strand in der Südsee: Zapp, eure Gedanken sind da, auch wenn euer Körper sich noch nicht einmal auf den Weg zum Flughafen gemacht hat! Oder stellt euch vor, ihr würdet zum Mond fliegen oder durch die Galaxis: Das Fahrzeug, mit dem euer Körper nachkommen kann, ist noch gar nicht erfunden, aber in eurer Vorstellung seid ihr schon da! Unsere Gedanken sind das Beweglichste, was es gibt. Aber damit das so bleibt, müssen wir sie immer schön trainieren: Wer sich z.B. nicht mehr mit neuen, unbekannten Dingen beschäftigen will, dessen Gedanken gewöhnen sich ans Nichtstun. Die Gedanken werden faul, alles um den Menschen herum wird langweilig und der Mensch selbst wird doof. Entschuldigung, aber genau so ist es! Das Wichtigste für unseren Geist ist darum die Neugier! Sie ist sozusagen die Abenteuerlust für den Kopf: Neues kennenlernen, Unbekanntes ausprobieren, andere Dinge erforschen, sich für Dinge interessieren! Langeweile entsteht immer nur dann, wenn die Gedanken »keine Lust auf garnix« haben. Dagegen muß man was tun! Ich habe in diesem Zusammenhang ein wunderschönes Wort von Astrid Lindgren gefunden, das geht so: »Das grenzenloseste aller Abenteuer der Kindheit, das war das Leseabenteuer. Für mich begann es, als ich zum ersten Mal ein eigenes Buch bekam und mich da hineinschnupperte. In diesem Augenblick erwachte mein Lesehunger, und ein besseres Geschenk hat das Leben mir nicht beschert.« Ich wünsche euch einen abenteuerlichen und aufregenden Sommer! Euer und Dein Marian 14 netzwerk

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Katholische öffentliche Bücherei In Bibliotheke n fühlt man si ch wie in der Gegenwart ein es großen Kap itals, das geräuschlos unb erechenbare Z in sen spendet. Johann Wolfg ang von Goeth e Halver Öffnungszeiten: Sonntag nach der Hl. Messe, Dienstag und Freitag 15.00 – 18.00 Uhr Breckerfeld Öffnungszeiten: Sonntag 10.30 – 12.30 Uhr, Mittwoch 15.00 – 16.00 Uhr, Freitag 16.00 – 17.00 Uhr Schalksmühle Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag 15.30 – 18.00 Uhr Dahl Öffnungszeiten: Sonntag 10.30 – 12.15 Uhr, Montag 17.30 – 18.30 Uhr, Dienstag und Donnerstag 16.00 – 18.00 Uhr Die Büchereien empfehlen zum Thema »In Bewegung«: Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger Ein indischer Zoodirektor wandert nach politischen Unruhen per Schiff mit seiner Familie und einigen Tieren Richtung Kanada aus, doch unterwegs sinkt das Schiff. Nur der 17-jährige Sohn überlebt und findet sich in einem Rettungsboot mit einem Tiger wieder: Eine nervenzerrende Schicksalsgemeinschaft, die eine lange Irrfahrt auf dem Meer vor sich hat. Als erzählerisch wie visuell beeindruckendes Kinoerlebnis verbindet der Film die fulminante Abenteuergeschichte mit der Frage nach der Existenz Gottes. Ab 12 J. (DVD) Derek Miller: Ein seltsamer Ort zum Sterben Ein alter Mann, den man lieben muss. Nach dem Tod seiner Frau ist Sheldon Horowitz mit 82 Jahren zu seiner Enkelin nach Oslo gezogen. In ein fremdes Land ohne Juden. Viel Zeit, um über die Vergangenheit nachzudenken. All die Erinnerungen. All die Toten. Eines Tages hört Sheldon aus dem Treppenhaus Krach: Er öffnet die Tür, und in seiner Wohnung steht eine Frau mit einem kleinen Jungen. Kurze Zeit später ist die Tür aufgebrochen, die Frau tot und Sheldon mit dem Kind auf der Flucht den Oslofjord hinauf. Eine abenteuerliche Flucht beginnt. Was wollen die Verfolger von dem Jungen? Sheldon weiß es nicht. Aber er weiß: Sie werden ihn nicht kriegen. (Roman) Amy Ignatow: Endlich beliebt! Eine verrückte Reise durch die USA Nach all den Höhen und Tiefen, die Lydia und Julie in ihrem ersten Jahr auf der Highschool erlebt haben, fiebern sie nun den Ferien entgegen. Zusammen geht es auf große Fahrt quer durch die USA. Julie und Lydia nutzen ihre bewährte Beobachtungsgabe, um die Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten jedes Ortes, den sie besuchen, in ihrem Tagebuch festzuhalten. Doch schon bald geht es nicht mehr nur um die Reise, sondern um Eltern, Familie und die dazugehörigen Probleme. Während ihrer Reise erleben die besten Freundinnen nicht nur allerlei Abenteuer, sondern lernen auch unangenehme Wahrheiten und heikle Themen zu akzeptieren. Doch trotz allem lassen sich die beiden ihre gemeinsame Reise nicht vermiesen! Ab 8 J. Jonas Jonasson: Die Analphabetin, die rechnen konnte. (Hörbuch) Mit fünf fing sie an zu arbeiten, mit zehn wurde sie Waise, mit fünfzehn wäre sie fast gestorben. Im Grunde deutet alles darauf hin, dass sie ihr Dasein in ihrer Hütte im größten Slum Südafrikas fristen würde. Wenn sie nicht die gewesen wäre, die sie war, aber die war sie eben. Nombeko Mayeki war die Analphabetin, die rechnen konnte. Das Schicksal führt sie in die internationale Politik, auf die andere Seite des Erdballs. Auf ihrer Reise gelingt es ihr, dem meistgefürchteten Geheimdienst der Welt auf der Nase herumzutanzen, bis sie sich eines Tages eingesperrt im Laderaum eines Lieferwagens wiederfindet. Und in diesem Moment schwebt die ganze Welt, wie wir sie kennen, in höchster Gefahr. Katharina Thalbach versprüht in ihrer Lesung jenen einzigartigen Charme, der Jonassons Stil auszeichnet. Für die Ferienzeit bieten die Büchereien spannende und lustige Lektüre, außerdem Spiele für Jung und Alt und Reiseführer, in denen Sie sich über Ihre Urlaubsregion informieren können. Häuptling Wackelnix – Beweg’ dich mit dem Dschungel-Ei Drehen, Strecken, Balancieren – wer schafft das mit diesem Ei in der Hand? Es ist nämlich kein gewöhnliches Ei... Ein kleines Vögelchen schlummert und schnarcht darin. Kinder machen lustige Bewegungsübungen mit dem Ei. Dabei versuchen sie, nicht zu sehr zu wackeln, um das Vögelchen nicht aufzuwecken. Wem gelingt dieser Eiertanz? Ab 5 J. (Spiel) netzwerk 15

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