Gegen Vergessen für Demokratie :: Mitgliederzeitschrift (81)

 

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Im Stadion entladen sich dich Ressentiments; Interview: „Neonazis zeigen erst spät ihr wahres Gesicht“; Erinnerung an die Blockade Leningrads

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www.gegen-vergessen.de 81 / Mai 2014 FÜR DEMOKRATIE Informationen für Mitglieder, Freunde und Förderer von Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V. Gegen Vergessen Im Stadion entladen sich dich Ressentiments Interview: „Neonazis zeigen erst spät ihr wahres Gesicht“ Erinnerung an die Blockade Leningrads ab Seite 04 ab Seite 07 ab Seite 09

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Editorial Liebe Mitglieder von Gegen Vergessen – Für Demokratie, liebe Freundinnen und Freunde, König Fußball übernimmt im Juni wieder einmal das Zepter und tritt an, um Millionen von Menschen in aller Welt zu begeistern. In Deutschland werden wir überall Hüte, Ketten, T-Shirts und Seitenspiegel in Schwarz-Rot-Gold leuchten sehen. Ein Anblick, der vor 20 Jahren noch undenkbar war. Dies zeigt, dass sich die Haltung zu Deutschland als dem Land, in dem wir leben, in der Bevölkerung etwas gewandelt hat. Es gilt zu Recht nicht mehr sofort als Ausdruck von Nationalismus, wenn man sich dazu bekennt, Deutschland zu mögen und auch dessen Zeichen zu verwenden. Dieser Wandel bedeutet aber nicht, dass die Vergangenheit und die Gefahren, die auch heute für die Demokratie bestehen, ausgeblendet werden können. Gerade im Fußball zeigt sich in jüngster Zeit wieder, dass ein klares Votum zu demokratischen Werten und ein aktives Eintreten gegen Diskriminierungen und rechtsextreme Tendenzen auch im Sportbereich ein Muss sind. Einige Verbände lassen sich deshalb von Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V. zu der Thematik beraten. Aus dem gleichen Grund haben wir im vergangenen Jahr auch die Zeitschrift „11 Freunde“ ausgezeichnet, die eine vorbildliche Berichterstattung leistet. Mithilfe des Preisgeldes hat die Redaktion nun eine Broschüre erstellt, die Kurzbiografien von 192 jüdischen Fußballern nachzeichnet, die Opfer der NS-Verfolgung waren. Die Geschäftsstelle der Vereinigung hat für Interessierte noch Exemplare der Broschüre vorrätig. Für unsere Zeitschrift hat der Autor und Journalist Ronny Blaschke skizziert, wie Rechtsextreme versuchen, Einfluss auf die Fankultur verschiedener Vereine zu nehmen und im Stadion neue Anhänger für sich zu rekrutieren. Die oft vertretene Ansicht, Fußball habe unpolitisch zu sein, spielt den Rattenfängern hier in die Hände. Es gibt aber Vereine und Fangruppen, die sich gegen diese Aktivitäten wehren. Einige sprechen schon davon, dass sich ein neuer „Kampf um die Kurve“ zwischen rechtsextrem eingestellten Gruppen und den anderen entwickelt, die dagegenhalten wollen. Auch darüber berichtet Ronny Blaschke. Der Journalist Markus Bauer hat außerdem mit einem Fanbeauftragten von Borussia Dortmund über Strategien gesprochen, wie Neonazis der Nährboden in den Stadien entzogen werden kann. Eine solche Anstrengung ist von allen Seiten nötig, um ein Klima wie in den 1980er-Jahren zu verhindern. Damals schien es fast normal, wenn schwarze Spieler mit Affengeräuschen im Stadion begrüßt wurden. Rassismus und Diskriminierung gehören genauso wenig in ein Fußballstadion wie in unsere Gesellschaft überhaupt. Wenn wir dieses Prinzip durchsetzen können, ist das auch die beste Voraussetzung dafür, dass wir uns selbstbewusst zu den Farben schwarz-rot-gold bekennen können. Ihr Wolfgang Tiefensee Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V. organisiert eine Tagung zum Thema Demokratiegeschichte. Sie findet am 27. und 28. Juni 2014 in der Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte in Heidelberg statt. Anmeldungen sind über die Geschäftsstelle möglich. Die diesjährige Mitgliederversammlung findet am 22. November in Leipzig statt. Wir sind zu Gast im Neuen Rathaus – dort werden am Abend des selben Tages auch die Preise „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ und „Waltraud-Netzer-Jugendpreis“ verliehen. 2 Gegen Vergessen – Für Demokratie | Nr. 81 / Mai 2014

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Inhaltsverzeichnis Die Themen in dieser Ausgabe Themen Im Stadion entladen sich dich Ressentiments „Neonazis zeigen erst spät ihr wahres Gesicht“ Erinnerung an die Blockade Leningrads KZ-Außenlager Walldorf: Historischer Lernort Bildungszentrum für junge Menschen Aus unserer Arbeit Portal für Bürgerengagement mit neuem Gesicht Demokratie vor Ort – lokale Spurensuche und Partizipationsförderung RAG Mittelrhein: Sie überwanden ihre Angst RAG Hannover: Das Vertrauen der Überlebenden gewonnen Zum 19. Mal Holocaust-Gedenktag in Hermannsburg RAG Baden-Württemberg, Sektion Böblingen-Herrenberg-Tübingen: „Ich will der Mund der Toten sein“, Dokumentarfilm über Mordechai Ciechanower RAG Rhein-Main: Bericht zu den Schalom-Tagen in Freiberg 2012 Als Junior-Botschafterin der Stadt Darmstadt unterwegs RAG Rhein-Main: „Er hat nicht nachgedacht, er musste so handeln“ Lesung mit Katharina Stegelmann über den „stillen Helden“ Heinz Drossel RAG Rhein-Ruhr West: Kirchenfenster im Europastadtteil Hochfeld Vorstellung einer Projektidee Namen und Nachrichten Hans Koschnick und Griechenland. Unserem ehemaligen Vorsitzenden zum 85. Geburtstag Claus Arndt verstorben Max Mannheimer. Glückwünsche zum 94. Geburtstag Die neuen Sprecher der Regionalen Arbeitsgruppen stellen sich vor Erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus Diktatur und Demokratie im Zeitalter der Extreme Rezensionen Mein schönes Leben in der Hölle Was hat der Holocaust mit mir zu tun? Theresienstadt – Eine Geschichte von Täuschung und Vernichtung Dokumentation: Frauen des Widerstandes zur NS-Zeit im Gerichtsgefängnis Kantstraße 79 in Berlin Charlottenburg Erlebte DDR-Geschichte. Zeitzeugen berichten. 40 41 42 43 44 31 32 33 34 37 39 15 16 18 20 22 24 26 28 4 7 9 12 Beitrittserklärung 45 Vorstand | Impressum 46 Adressen RAG 47 Gegen Vergessen – Für Demokratie | Nr. 81 / Mai 2014 3 Inhalt

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Thema Ronny Blaschke Im Stadion entladen sich die Ressentiments Zum ersten Mal fühlten sie sich ernst genommen. Antirassistische Ultras aus Aachen, Braunschweig und Duisburg schilderten Mitte Januar auf einer Tagung in Frankfurt ihren leidigen Weg. Sie waren von rechten Hooligans eingeschüchtert, bedroht und angegriffen worden. In den Stadien, in Kneipen, in ihren eigenen Wohnungen. Die Gruppe der Aachen Ultras hatte sich im Januar 2013 sogar aus den Fußballstadien zurückgezogen. „Auf dem Weg zur Uni oder zur Arbeit, die Drohungen und Angriffe häuften sich. Der private Raum hat keinen Schutz mehr geboten“, sagt Sven von den Aachen Ultras. Seinen wahren Namen möchte er nicht nennen. Viele Medien konzentrieren sich auf bengalische Fackeln in den Kurven, weil sie sich an martialischen Fernsehbildern festhalten können. Doch die Ultras, die sich gegen Rechtsextremismus aussprechen, werden im Verborgenen attackiert, auch in Essen, Düsseldorf oder Mönchengladbach.  „Es ist ein großer Fehler, Gruppen wie jene aus Aachen als Linksextremisten abzustempeln“, sagt Jonas Gabler, Politikwissenschaftler aus Berlin, Autor von zwei Büchern über die Ultrakultur und Mitarbeiter der Universität Hannover. „Das sind engagierte Menschen, die sich gegen Diskriminierung engagieren und die diesen Anspruch auch aufs Stadion übertragen.“  Die Ultras sind die Meinungsführer in den Kurven, eine Bewegung, die in den 90er-Jahren aus Italien nach Deutschland kam. Dutzende Gruppen bildeten sich. Ihr Antrieb: die Liebe zum Verein. Als Ausdruck von Patriotismus, Zusammenhalt, Treue. Nun, fast 20 Jahre später, gibt eine neue Generation den Ton an. Und so verändern sich Strukturen und Debatten, sagt Gerd Dembowski, Sozialwissenschaftler und Fanforscher seit fast zwanzig Jahren.   Politisch oder unpolitisch? Ein Bekenntnis zum Antirassismus oder der Fokus auf den Fußball? Die neue Richtung ist dabei nicht entschieden. Der Wandel fällt in eine Zeit, in der öffentlich oft andere Themen diskutiert werden: Gewalt und Pyrotechnik. Laut Polizeistatistik ist es wahrscheinlicher, beim Münchner Oktoberfest durch einen Angriff verletzt zu werden als in einem Fußballstadion. Ultras wurden dennoch pauschal als Randalierer bezeichnet. Dieser Populismus hauchte einer Subkultur neues Leben ein, die ausschließlich an Gewalt interessiert war: den Hooligans, der rebellischen Fußballelite aus den 80er- und frühen 90er-Jahren. Die Löwenfans gegen Rechts aus München beziehen deutlich Position im eigenen Stadion. Foto: Anne Wild 4 Gegen Vergessen – Für Demokratie | Nr. 81 / Mai 2014

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  1998 hatten deutsche Schläger während der Weltmeisterschaft in Frankreich den Polizisten Daniel Nivel fast zu Tode geprügelt. Seitdem zogen sich viele Schläger zurück, andere verlegten ihre Kämpfe. Ganz verschwunden waren die Hooligans nie, sagt Gerd Dembowski. „Die Hooligans hatten immer eine Art subtiles Gewaltmonopol. Sie tauchen bei großen Derbys auf oder bei ganz persönlichen Feindschaften.“ Für Hooligans zählt das Gesetz des Stärkeren: brachiale Männlichkeit, Gewaltverherrlichung, sexistische Verbrüderungsrituale. Ein Gemisch, das anschlussfähig ist für Neonazismus.   Einer, der das genau beurteilen kann, ist Thilo Danielsmeyer, seit mehr als 20 Jahren Mitarbeiter im Fanprojekt Dortmund. Während des Champions-League-Spiels in Donezk im Februar 2013 wurde Danielsmeyer von Rechtsextremen überfallen. In Dortmund leben viele Autonome Nationalisten, organisiert in losen Strukturen, unauffällig, meist gewaltbereit. Dieser Einfluss ist auch im Umfeld der Borussia zu spüren. So bekundeten Fans auf einem Transparent ihre Solidarität zum „Nationalen Widerstand Dortmund“, die neonazistische Gruppierung war zuvor verboten worden. Die Grenzen zwischen Neonazis, Kampfsportlern und Ultras verschwimmen. Viele von ihnen schauen zur 30 Jahre alten Borussenfront und ihrem Kopf Siegfried Borchardt auf, bekannt als SS-Siggi. Doch erst nach dem Angriff auf den Sozialarbeiter Thilo Danielsmeyer begann eine breite Debatte über Rechtsextremismus im Fußball. Der Verein ging in die Offensive, unterstützt nun eine wissenschaftliche Aufarbeitung, kooperiert mit Stadt und Land.   In 16 Fanszenen der drei deutschen Profiligen soll es Überschneidungen zwischen gewaltbereiten Fans und Rechtsextremen geben, so die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze mit Sitz in Duisburg. „Wir müssen auf jene Fans schauen, die sich nicht als Rassisten oder Neonazis bezeichnen würden“, sagt Gerd Dembowski. „Aber die auch Abwertungsmuster teilen und eine Rolle dabei spielen, dass sich Neonazis im Stadion wohlfühlen.“ Dembowski lenkt den Blick auf die Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Der Bielefelder Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer hat in einer Langzeitstudie nachgewiesen, dass Rassismus, Homophobie oder Antiziganismus tief in der Gesellschaft verankert sind. Das Stadion sei wie eine Art Lupe, unter der sich Ressentiments verdichtet entladen können, durch hierarchisches Empfinden und Freund-Feind-Denken in den Kurven.   Den Begriff „Unterwanderung“ hält der Politikwissenschaftler Jonas Gabler für missverständlich, weil er eine Strategie von außen vermuten lasse. Vielmehr könnten Rituale und Normen des Fußballs Menschenfeindlichkeit bei Jugendlichen schüren, durch Nationalismus, Regionalismus, Überlegenheitsdenken. Nicht nur in der Anonymität des Stadions, sondern auch im Umfeld: in Zügen, Kneipen, Internetforen. Doch dieser langsame Prozess, in den Jugendliche so geraten können, ist für Politik, Funktionäre und Medien schwer zu begreifen. Schließlich gibt es selten Fernsehbilder wie von pyrotechnischen Gegenständen zu sehen. Die wiederkehrende Mediendebatte erzeugt einen Handlungsdruck auf Politik und Verbände. Eine Konsequenz: Im Ende 2012 » Foto: Uwe Thiemann Gegen Vergessen – Für Demokratie | Nr. 81 / Mai 2014 5 Thema

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Thema » aufgelegten Sicherheitskonzept der Deutschen Fußball-Liga DFL fand der Rechtsextremismus nur am Rande Erwähnung.   Die laut Dembowski regelmäßig aufkommende öffentliche „Moralpanik“ will sich die NPD zunutze machen. Oft ist Fußball für die Partei eine Bühne, auf der sie Propaganda verbreiten kann. Gegen Polizei im Stadion – damit gegen den Staat. Für heimische Talente – also gegen Migranten. Gegen Kommerz – gegen Globalisierung. Immer wieder nutzen Parteikader Schlagworte, die zum Vokabular des Fußballs gehören: Kampfkraft, Ehre, Heimat. Die NPD in Thüringen wandte sich im Februar 2013 mit einem Schreiben an die Fanklubs von Rot-Weiß Erfurt und Carl Zeiss Jena. Der Titel des Papiers: „Sport frei! Politik raus aus dem Stadion – Für eine lebendige, selbstständige und vielfältige Fankultur im Fußball“. Die Vereine distanzierten sich, doch bei vielen Unbeteiligten dürfte die NPD ein wenig normaler geworden sein.   Und wie reagieren die Entscheidungsträger des Fußballs? „Bei der Aufarbeitung haben wir zunächst keine aktive Rolle im Sinne von Sanktionen“, sagt Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bunds (DFB). „Wir können als Verband nur unsere Grundhaltung deutlich machen. Dass wir aus voller Überzeugung gegen Rechts sind.“ Unter seinem Vorgänger Theo Zwanziger hat der DFB viele Kampagnen angestoßen. Kritische Aktivisten sagen, ihr Dialog mit dem DFB sei unter Niersbach eingeschlafen.   Niersbach betont die Prävention: die Vergabe des Julius-HirschPreises an antirassistische Initiativen und die finanzielle Unterstützung der mehr als 50 Fanprojekte. Sozialarbeiter nutzen seit mehr als drei Jahrzehnten das Medium Fußball, um Fans für Jugendhilfe zu gewinnen. In der Hoffnung, dass rechte Einstellungen nicht entstehen. Der angestrebte Jahresetat eines Projekts liegt bei rund 200.000 Euro. Diesen Mindeststandard weisen nur wenige Fanprojekte auf. Michael Gabriel, Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS), betont, dass die Erwartungshaltung an die Sozialarbeiter wächst: „Uns sind viele Leute weggebrochen, aufgrund von Krankheit, aber auch, weil sie sich für andere Stellen beworben haben. Viele Kollegen in den Fanprojekten, aber auch bei den Fanbeauftragten, werden von Rechtsextremen angegriffen.“ Das Niveau in den Fanbetreuungen der Vereine ist unterschiedlich, sagt Philipp Markhardt, Sprecher des bundesweiten Bündnisses ProFans: „Es reicht ganz einfach nicht, wenn ein Verein sagt: Wir positionieren uns gegen Rechtsextremismus oder, noch besser, gegen Extremismus jeder Art. Das ist ja diese typische Aussage, wenn man es allen recht machen möchte.“ Ohne Unterstützung ihrer Vereine nehmen es kritische Fans selbst in die Hand. Sie gründen Initiativen, suchen externe Experten, knüpfen Netzwerke. Zum Beispiel die „Löwenfans gegen Rechts“ in München oder die Schalker Faninitiative in Gelsenkirchen. Ronny Blaschke arbeitet als Freier Journalist unter anderem für das Deutschlandradio, Die Zeit und die Süddeutsche Zeitung. Sein aktuelles Buch: „Angriff von Rechtsaußen – Wie Neonazis den Fußball missbrauchen“. Blaschke hält regelmäßig Vorträge und Workshops in Fanprojekten, Schulen oder Vereinsheimen. (Internet: www.ronnyblaschke.de)  Eine Solidaritätsaktion „Wir sind Ade“ für den Spieler Adebowale Ogungbure, der während seiner Zeit beim Oberligisten FC Sachsen Leipzig ständig rassistischen Schmähungen ausgesetzt war. Die Aachen Ultras halten inzwischen Vorträge und diskutieren mit anderen Opfern rechter Gewalt. Ende Dezember reiste die Gruppe für zwei Wochen nach Israel, zu Erkundungen ins Westjordanland und auf die Golanhöhen. Ist das noch Ultra? Ist das noch Fußballfankultur? „Ohne Fußball hätten wir uns vielleicht nie für so viele Themen interessiert“, sagt Sven, der unerkannt bleiben möchte. Die Aachen Ultras wollen die Aufmerksamkeit nutzen, zum Beispiel für Fredy Hirsch. Der jüdische Lehrer und Pfadfinderfunktionär hatte im KZ Theresienstadt Sport für junge Häftlinge organisiert, er nahm sich in Auschwitz das Leben. Die Aachen Ultras wollen sich dafür einsetzen, dass in ihrer Stadt eine Straße nach Fredy Hirsch benannt wird. ■ Projekthinweis: Sport mit Courage – ein Service für Verbände Hinter dem Namen „Sport mit Courage“ verbirgt sich ein Projekt von Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V., das sich als Service an Sportvereine, Verbände und Funktionäre wendet. Im Rahmen des Bundesprogramms „Zusammenhalt durch Teilhabe“ hat die Online-Beratung gegen Rechtsextremismus der Vereinigung dafür ein Internetportal entwickelt. Unter www.sport-mit-courage.de bietet die Online-Beratung Hilfestellungen und Informationen für den Fall, dass im Sportverein Probleme mit Rassismus auftreten. Außerdem hat die Vereinigung die Koordination des Netzwerkes „Gemeinsam gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt im Fußball“ für die ostdeutschen Fußballverbände übernommen. Das hochrangig besetzte Gremium trifft sich regelmäßig zum Austausch über etwaige Vorfälle und verabredet gemeinsame Vorgehensweisen. Der sächsische Fußballverband und der Schützenverein Sachsen lassen sich darüber hinaus von Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V. speziell zu der Thematik beraten. 6 Gegen Vergessen – Für Demokratie | Nr. 81 / Mai 2014 Foto: Bunte Kurve e. V. / Uwe Walther

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Markus Bauer „Neonazis zeigen erst spät ihr wahres Gesicht“ Der Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund (BVB) bekämpft seit etwa einem Jahr offensiv Rechtsextreme auf der Südtribüne. Einen „Sieg Heil“-Ruf bestrafte der Verein kürzlich mit einem Stadionverbot bis zum Jahr 2020. Markus Bauer sprach mit dem BVB-Fanbeauftragten Daniel Lörcher über die neue Vorgehensweise. Beim Champions-League-Auswärtsspiel in Donezk haben Neonazis einen Fanbeauftragten von Borussia Dortmund zusammengeschlagen. Im Kampf gegen Rechts riskieren Sie und Ihre Kollegen Ihre Gesundheit. Der Vorfall in Donezk war ein Ausnahmefall und hatte schon eine besondere Qualität. Das kannten und hatten wir so bislang noch nicht. Seitdem wurde uns ausschließlich verbal gedroht, wie etwa in Osnabrück: „Ihr erinnert euch an Donezk!?“ In Mainz bin ich als Judenschwein bezeichnet worden. Als Fanbeauftragte stehen wir schon im Fokus, auch weil wir natürlich unseren Fans den Rücken stärken wollen. Diese und andere Vorfälle belegen, dass Borussia Dortmund ein Naziproblem auf der Südtribüne hat. Warum ausgerechnet der BVB? Das ist nicht nur ein Problem des Vereins und der Stadt, sondern der ganzen Gesellschaft. Es gibt in Dortmund viele, auch zugezogene Nazis und eine aktive rechte Szene mit langer Tradition. Bei uns im Stadion begann diese vor etwa 30 Jahren mit der Borussenfront. Die Südtribüne von Borussia Dortmund. Die Nazis konnten sich jahrzehntelang ungehindert auf der Südtribüne tummeln. Vor einem Jahr haben die BVB-Fanabteilung, die Fanbeauftragten und das städtische Fanprojekt ein Konzept gegen Rechts entwickelt. Kam das nicht viel zu spät? Als neu eingestellter Fanbeauftragter steht es mir nicht zu, die Arbeit meiner Vorgänger und Kollegen zu kritisieren. Stadt und Verein haben allerdings jetzt die Zeichen erkannt. Bei Borussia Dortmund war das Problem in den 90er-Jahren verschwunden und man hatte sich darauf verlassen, dass es so bleibt. Dabei kann man die Rechtsextremen auf der Tribüne kaum erkennen. Es gibt keine Banner, keine rechten Fangesänge, ihre Klamotten unterscheiden sich kaum von denen anderer junger Menschen. Der moderne Nazi ist kein Klischee mehr und rennt nicht besoffen und grölend durch die Stadt. Das macht die rechte Szene besonders gefährlich. Sie schafft viele Anknüpfungspunkte zu jungen, modernen Menschen: über die Musik, über die Mode. Sie spricht Subkulturen an und besetzt Themen, die auch andere besetzen. So locken Rechtsextreme Jugendliche an. Und wenn sie dann befreundet sind, offenbaren » Foto: Markus Unger Foto: Mathias Bigge Gegen Vergessen – Für Demokratie | Nr. 81 / Mai 2014 7 Thema

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Thema Foto: BVB » sie über ihre eigenen Themen ihr wahres Gesicht. Dann ist es oft schon zu spät. Was genau? Wir haben zum Beispiel 80.000 Flugblätter verteilt mit verbotenen Symbolen und ZahWas prädestiniert den Fußball für rechte lencodes. Erst dadurch hat vielleicht mancher Rekrutierung? Dauerkarteninhaber erst gemerkt, dass schon seit Jahren ein Rechtsextremer vor ihm sitzt. Es ist das gemeinsame Interesse. Der Fußball Und zeigt ihn an. Außerdem bieten wir unsere schafft eine Gemeinsamkeit, über die sich MenGedenkstättenfahrten in ehemalige Konzentraschen einfangen lassen. Es ist einfach, die jungen tions- und Vernichtungslager wie Dachau oder Menschen das erste Mal anzusprechen – auch Auschwitz an. Wir drehen Antirassismus-Videos weil beim Fußball vieles toleriert wird, was im mit der Mannschaft. Und haben jetzt einen Tnormalen Leben eher nicht toleriert wird, zum Shirt-Wettbewerb gestartet, suchen dabei das Beispiel Beleidigungen. Außerdem unterscheiDaniel Lörcher, Fanbeauftragter von beste Motiv gegen Diskriminierung bzw. für det der Fußball ganz klar zwischen Freund und Borussia Dortmund. Vielfalt. Außerdem wollen wir unser Netzwerk Feind. Da lassen sich subtil Ideologien verbreiten. aus Stadt, Verein und Gesellschaft ausbauen, auf das wir uns im Notfall verlassen können. Wir hoffen, mit dieMan liest oft die Zahl von 100 Rechtsextremen auf der Südtrisen Maßnahmen diesen unglaublich großen Konsens „Fußball ist büne. Dort stehen aber 25.000 Fans. Wie haben es die Nazis Fußball“ aufzuweichen. überhaupt geschafft, auf der Südtribüne geduldet zu werden? Es gibt mehrere Gründe: Erstens haben es die Nazis über Jahre geschafft, ein rechtsoffenes Klima nach dem Motto „Fußball ist Fußball – Politik ist Politik“ zu erzeugen. Da wurden manche Agitationen einfach ausgeblendet. Und zweitens haben die Nazis ein Gewaltmonopol – obwohl sie nur eine kleine Gruppe im Vergleich zum großen Rest sind. Sie schüchtern ein und drohen. Gewalt wird leider akzeptiert. Wie kommen Sie dagegen an? Mit Aufklärungsarbeit. Das ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Projekts. Das fängt bei den Ordnern an. Die sollen keine Nazis ins Stadion lassen. Aber wie wollen sie das schaffen, wenn sie die noch nicht einmal erkennen? Also schult der BVB sie, Zahlencodes zu dechiffrieren und auf einschlägige Modemarken zu achten. Es kann zum Beispiel auch nicht sein, dass jemand im Fanshop ein Trikot mit der Rückennummer 18 (1 = A = Adolf und 8 = H = Hitler) und dem Namen Eichmann bestellen kann. Da müssen bei jedem Mitarbeiter die Alarmglocken schrillen. Und wie erreichen Sie die Fans? Im Grunde geht es darum, dass wir den Fans sagen: „Wir wollen keine Nazis und sind gegen Diskriminierung jeglicher Art! Der BVB ist ein bunter und weltoffener Verein.“ Und dass die Fans spüren, dass sie das auch laut sagen können. Da sind wir noch am Anfang. Es wäre fatal zu glauben, dass wir schon genug erreicht haben. Aber es passiert mittlerweile viel an Kampagnenarbeit. Ja. Bevor wir unser Konzept erstellt haben, haben wir uns mit einigen Fanbeauftragten anderer Vereine und ihren Erfahrungen ausgetauscht. ■ Bis 2015 wollen sie diesen Klimawandel hinbekommen. Wie messen sie ihn? Den Klimawandel spüren wir jetzt schon. Fans rufen uns an und machen uns auf Probleme mit Nazis in Block X, Y oder Z aufmerksam. Immer mehr Fans unterstützen uns. Vor wenigen Wochen hat die ganze Südtribüne das erste Mal „Nazis raus“ gebrüllt. Das hat man sogar im Fernsehen gehört. Beim Champions-League-Auswärtsspiel in Sankt Petersburg haben BVB-Fans unseren Schal gegen Rassismus vom Zaun aus in die Kameras gehalten. Und wir lassen unser gesamtes Engagementkonzept wissenschaftlich begleiten. Was, wenn es bis 2015 nicht klappt? Dann machen wir weiter. Wir haben uns ein ambitioniertes Ziel gesteckt. Aber wir wollen es mit ganzem Willen erreichen. Auch andere Klubs haben Probleme mit Nazis. Tauschen Sie sich aus? Das Interview führte Markus Bauer. Er ist Historiker und Parlamentskorrespondent für das Magazin „Focus“. 8 Gegen Vergessen – Für Demokratie | Nr. 81 / Mai 2014

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Erinnerung an die Blockade Leningrads Die Blockade von Leningrad, das heute wieder St. Petersburg heißt, dauerte vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944. Deutsche Soldaten umschlossen dabei die Stadt, um sie auszuhungern. Auf diese Weise starben 1,1 Millionen Menschen. Anlässlich der Befreiung der Stadt am 27. Januar 1944 erinnern wir an die Blockade und lassen Zeitzeugen zu Wort kommen. In der letzten Ausgabe veröffentlichten wir einen Zeitzeugenbericht von Asja Gefen. Dieser stammte aus der Sammlung Lea Sorinas, die selbst als Kind die Blockade Leningrads erlebt hat. Aus ihrer Sammlung von Zeitzeugenberichten in russischer Sprache folgt nun ein weiterer, dieses Mal von der Familie Kobrin. Ilse Koppe übersetzte den folgenden Bericht von Michail Kobrin, der nun überhaupt zum ersten Mal in deutscher Sprache veröffentlicht wird und uns von Lea Sorina und Ilse Koppe zur Verfügung gestellt wurde. Erinnerungen an die Blockade. Familie Kobrin Ich, Michail Kobrin, wurde im Dezember 1937 in Leningrad in der 7. Sowjetischen Straße nahe am Nevskij-Prospekt geboren. Vor Beginn des Krieges gehörten fünf Personen zu unserer Familie: Vater, Mutter, die Brüder Boris (19 Jahre alt), Volodja (16 Jahre) und ich (3,5 Jahre). Boris war Offiziersschüler an einer Militärschule und kämpfte von den ersten Tagen des Krieges an vor Moskau. Meinen Vater setzte man als Sanitäter in einem Lazarett ein, und die Blockade erlebten wir nur noch zu dritt: Mama, Vova [Koseform von Volodja; Anm. d. Üb.] und ich. Vovas Aufzeichnungen über die Blockade sind erhalten geblieben. Hier folgen Auszüge daraus: „14. Juni 1941. Ich fuhr mit meinem Schulkameraden Zhorzh Turin zum ersten Mal nach Moskau, wo wir bei meiner Großmutter wohnten. Wir gingen in Moskau spazieren, besichtigten den Kreml, Ausstellungen, die Tretjakov-Galerie und das Puschkin-Museum. Und in der Nacht vom 21. auf den 22. Juni fuhren wir im Zug zurück nach Leningrad. Auf dem Moskauer Bahnhof hörten wir die Nachricht vom Kriegsbeginn. September 1941. Der Unterricht in der Schule begann, aber er dauerte nur zwei Wochen. Dann berief man die Komsomolzen [Mitglieder der Kommunistischen Jugendorganisation; Anm. d. Üb.] in das Kreiskomitee ein und schlug uns vor, loszufahren und Brennholz für die Einwohner der Stadt zu beschaffen. Wir fuhren mit beinahe der ganzen Klasse nach Oranienbaum, und unter grauenhaften Bedingungen sägten und hackten wir so lange Holz, bis die deutschen Truppen anrückten. Wir liefen durch den Wald zur nächsten Bahnstation, in der Hoffnung, nach Leningrad zu entkommen, aber auf diesen Stationen gab es schon keine Lokomotiven mehr und wir gingen auf der Landstraße bis zur nächsten Station. Auf einer der Stationen bekam der Stationsvorsteher Mitleid mit uns und besorgte eine ganz alte Lokomotive und einen Waggon, in dem wir nach Hause fuhren. Mama weinte lange, als sie uns anschaute und die blutig geriebenen Füße sah. Sie briet eine ganze Pfanne voll Nudeln, an deren Geschmack ich mich noch heute erinnere. Oktober 1941. In der Schule stellte man Gruppen für die Luftabwehr zusammen und teilte uns in Kommandos ein, die in der Schule Wache hielten und bei Fliegeralarm auf das Dach hinaus- » Ewige Flamme vor dem Mahnmal auf dem Piskarjowskoje-Gedenkfriedhof, der den Opfern der Blockade und den Teilnehmern der Verteidigung gewidmet ist. Gegen Vergessen – Für Demokratie | Nr. 81 / Mai 2014 Foto: RIA Novosti archive, Sergey Kompanichenko 9 Thema

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Thema » kletterten, um die Brandbomben zu löschen. Wir lernten ganz fix, die Zünder von den Dächern zu werfen, aber eines Tages verloren wir einen Kameraden, der von der Stoßwelle einer explodierenden Bombe vom Dach gerissen wurde. Dezember 1941. In unserer Familie waren alle verbliebenen Lebensmittel zu Ende gegangen, Hunger und Kälte wurden unerträglich. Mit den Jungs aus meiner Klasse fuhr ich nun zur Frontlinie auf den Höhen von Pulkovo [westliche Linie des Blockaderings; Anm. d. Üb.], um auf den Feldern den verbrannten Roggen, mit Erde vermischt, aufzusammeln oder übrig gelassene Kartoffeln auszugraben; und wenn wir Glück hatten, fanden wir tote Pferde, zerteilten sie und schnitten für jeden ein Stück Fleisch ab. Vater arbeitete im Lazarett als Sanitäter, und weil er dort immer ein bisschen essen konnte, brachte oder schickte er uns seine Brotration nach Hause. Wasser gab es in den Häusern nicht. Ich ging mit dem Schlitten Wasser holen zur Uferstraße Sinopskaja, das war meine Pflicht. Januar  /  Februar 1942. Im Januar gab es in unserem Haus eine Razzia – sie suchten Lebensmittelvorräte, aber natürlich fanden sie Michail Kobrin und sein älterer Bruder Volodja Kobrin 1942 (kleines Foto) und im Jahre 2013. keine Nahrung, sondern entdeckten einen alten Marinedolch, den Boris von irgendwoher mit nach Hause geschleppt hatte. Sie verhafteten meinen Vater wegen Besitzes einer kalten Waffe und warfen ihn ins Gefängnis. Wir setzten uns umgehend mit Boris in Verbindung, der vor Moskau kämpfte, und informierten ihn. Er schickte ein Telegramm oder einen Brief ab, der Dolch gehöre ihm und seine Eltern hätten von dessen Vorhandensein nichts gewusst. Nach einiger Zeit ließ man meinen Vater frei. Als Vater im Lazarett arbeitete, gelang es ihm, bei irgendjemandem gegen seine goldene Uhr zehn bis 20 Tafeln Schokolade einzutauschen; damit brachte Mama uns für einen Monat durch, indem sie drei Mal am Tag jedem ein kleines Stück zuteilte. März 1942. Bei uns tauchte irgendeine Verwandte auf, die in einer Fabrikkantine arbeitete. Wo – das weiß ich nicht mehr, aber ich ging zu Fuß durch die ganze Stadt zu ihr in die Kantine, um ein bisschen warme Suppe und dünne Grütze zu essen und mein Stück Brot aufzusparen. Im März wurde Vater zur Arbeit an den Ladogasee versetzt [der Ladogasee bildete im Osten die Lücke im Blockadering, durch die die Einwohner versorgt bzw. evakuiert werden konnten; Anm. d. Üb.]. Er entlud Autos auf dem „Weg des Lebens“ und arbeitete sehr hart. So ergab sich eine Möglichkeit, Mama und uns zu helfen (er schickte manchmal einen Laib Brot oder eine Dose Konserven). 8. Mai 1942. Ich half dabei, auf unserem Hof Unrat zu beseitigen. Wir arbeiteten mit Brecheisen und Spaten, aber wir hatten gar keine Kraft mehr. Anfang Juli 1942. Es wurde beschlossen, dass wir uns aus Leningrad evakuieren lassen würden. Mama fühlte sich sehr schwach, sie war ganz schrecklich mager. Ich erinnere mich genau an das Warten am Ladogasee, als vor unseren Augen eine Tragödie ihren Lauf nahm. Die Menschen wurden auf Boote verfrachtet, das Gepäck wurde auf einem Schleppkahn hinter dem Boot transportiert. Vor uns kam der Kahn mit dem Gepäck zurück, aber die Menschen waren fast alle umgekommen, weil eine Granate ihr Boot direkt getroffen hatte. 6. Juli 1942. Und so brachen wir auf zur Evakuierung aus Leningrad über den Ladogasee und fuhren insgesamt länger als einen Monat auf einem kleinen Dampfer bis nach Kokand in der Usbekischen Sowjetrepublik. In Kokand brachte man uns in einem Haus bei Usbeken unter; man teilte uns ein großes Zimmer in einem Holzhaus zu. Endlich bekamen wir warmes Essen und man gab uns jeweils einen Laib Brot. Mama gab uns immer nur ein kleines Stückchen Brot, denn es gab viele Fälle von Darmverschlingung, wenn man sich überaß. Anfang September erkrankte Mama an Bauchtyphus und an einer komplizierten Lungentuberkulose und wurde in das städtische Krankenhaus eingewiesen; dort ließ man mich anfangs nicht zu ihr wegen der Quarantäne, aber dann ging ich täglich zu ihr und brachte ihr zu essen. Um Essen zu kaufen, musste ich auf den Trödelmarkt gehen und unsere Sachen verkaufen. Be- 10 Foto: Privat Gegen Vergessen – Für Demokratie | Nr. 81 / Mai 2014

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sonders gut verkaufte sich Bettwäsche. Von diesem Geld lebten wir dann auch. Manchmal gelang es, bei den Usbeken auf dem Bazar etwas zu stibitzen. Und dann trieben wir uns auch noch nachts – andere kleine Jungs und ich – in den Gemüsegärten herum, klauten Gurken und Tomaten und unternahmen Raubüberfälle auf ein Zuckerrohrfeld. 3. Oktober 1942. Ich machte mich wie immer auf den Weg ins Krankenhaus zu Mama, aber ich fand sie nicht mehr im Krankenzimmer und man sagte mir, dass sie gestorben sei. Bei der Organisation der Beerdigung half mir der Sekretär des Kreiskomitees des Komsomol; zu dem ging ich und bat um Hilfe beim Brennholz und bei der Beerdigung. Im April 1943 bekam ich vom Kriegskommissariat den Bescheid zur Einberufung in die Armee. Misha [der kleine Bruder Michail; Anm.  d.  Üb.] blieb in Kokand bei der entfernten Verwandten Berta.“ So also zog mein Bruder im Frühjahr 1943 in den Krieg und es begann mein Wanderleben von den einen Bekannten und Verwandten zu den andern. Im Sommer kam mein Vater nach Kokand, wir nahmen Abschied von Mama und er brachte mich zu meinem älteren Bruder (21 Jahre) zur Truppe der Luftabwehr von Moskau, von dort in das Haus des Marschalls Vasilevskij (Chef des Generalstabs, rechte Hand Stalins) und im Winter 1944 weiter nach Baku zu einem Onkel. Im Frühjahr 1945 kam mein Vater, beim Einsatz an der Front verwundet, mit zitterndem Kopf und zitternden Händen nach Baku, um mich abzuholen, aber ich kehrte zu dieser Zeit mit einer uns bekannten Flüchtlingsfrau endlich nach Leningrad zurück. Bald kam auch mein Vater zurück und zu zweit feierten wir den Tag des Sieges. Meine Brüder dienten noch sehr, sehr lange in der Armee. ■ Michail Kobrin, Hannover, 18. März 2013 Eine Ausstellung über die Blockade von Leningrad mit dem Titel „Niemand ist vergessen und nichts ist vergessen“ wurde am 20. Januar 2014 in der Galerie Alte Feuerwache in Göttingen eröffnet. Zur feierlichen Vernissage waren die in Göttingen lebende Zeitzeugin Lea Sorina und der russische Pianist Igor Kirillov anwesend. Neben Fotos, alten Zeitungsausschnitten und weiteren Dokumenten zeigt die Ausstellung auch Zeichnungen von Kindern aus Leningrad, die während der Belagerung entstanden. Die Ausstellung wird zurzeit in verschiedenen Göttinger Schulen gezeigt. Anschließend wird die Ausstellung weiter auf Reisen gehen, geplant sind München und Kiel, fest stehen bereits Hannover von 9. Mai bis 5. Juni 2014 in der Liberalen Jüdischen Gemeinde sowie Bad Sachsa vom 10. bis 24. Juni 2014, der genaue Ort wird noch bekannt gegeben. Anzeige www.mach-den-unterschied.de ist ein Teil des Webportals www.Sport-mit-Courage.de. Es wurde von der Online-Beratung gegen Rechtsextremismus der Vereinigung Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V. gemeinsam mit den Landessportbünden der ostdeutschen Länder entwickelt. Es wird finanziert durch das Bundesministerium des Innern im Rahmen des Bundesprogramms Zusammenhalt durch Teilhabe sowie von der Bundezentrale für politische Bildung. Gegen Vergessen – Für Demokratie | Nr. 81 / Mai 2014 11 Thema

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Thema Klaus Müller KZ-Außenlager Walldorf: Historischer Lernort soll Bildungszentrum für junge Menschen werden Lange hat es gedauert, bis sich Mörfelden-Walldorf bei Frankfurt am Main mit dem nördlich der Stadt gelegenen ehemaligen Außenlager des elsässischen KZs Natzweiler auseinandergesetzt hat. Von August bis November 1944 mussten in diesem unter SS-Bewachung stehenden Lager 1.700 in Auschwitz selektierte ungarische Jüdinnen Zwangsarbeit am Bau einer Rollbahn für den nahegelegenen Frankfurter Flughafen leisten. Zwar wurde – nach kontroversen Debatten im Stadtparlament – bereits 1980 ein Gedenkstein gesetzt, aber eine wirkliche Aufarbeitung der Geschichte begann erst in den 1990er-Jahren und führte zur Planung eines historischen Gedenkpfades, der im November 2000 eingeweiht wurde. Margit-Horváth-Stiftung plant Bildungszentrum Jetzt ist beabsichtigt, die Reste des ehemaligen Küchentrakts des Barackenlagers zu überdachen und darüber mit einer interessanten Architektur ein kleines Bildungszentrum zu errichten – ein einmaliges Vorhaben in der gesamten Rhein-Main-Region. Der Küchentrakt war ein wichtiger Ort innerhalb des Barackenlagers, an dem viele der Frauen misshandelt wurden. Die Grundidee der Architektur ist es, einen „aufgeklappten“ Waldboden entstehen zu lassen – ein schräges, bepflanztes Dach. Die drei offenen Seiten sollen aus Glas und Holz bestehen. Im Inneren ist ein Raum geplant, in dem Seminare stattfinden können – mit freier Sicht nach außen und offener Sicht in den freigelegten Küchentrakt. Seit 2010 arbeitet die Stiftung an der Verwirklichung dieses Projektes. Die Initiative geht von der Margit-Horváth-Stiftung aus – benannt nach einer Überlebenden des Lagers –, deren Ziel es ist, diesen historischen Lernort zu sichern, ihn für historisches Lernen vor allem mit Jugendlichen zu nutzen und einen Beitrag zu einem bewussteren und differenzierteren Verhältnis zu Demokratie, interkulturellem Verständnis und Fragen der allgemeinen Menschrechte zu leisten. Recherche galt viele Jahre lang als „Nestbeschmutzung“ Die ersten 30 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs hatte sich kaum jemand in den beiden bis in die 1970er-Jahre selbstständigen Städten Mörfelden und Walldorf um die Geschichte dieses Lagers gekümmert. 1972 besuchten drei Jugendliche aus Mörfelden-Walldorf die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Bu- Mitglieder der RAG Rhein-Main und der Sektion Südhessen besuchten am 12. Oktober 2013 das KZ-Außenlager Walldorf und machten einen zweistündigen Rundgang unter Führung der Museumsleiterin von Mörfelden-Walldorf, Cornelia Rühlig. Foto: Klaus Müller 12 Gegen Vergessen – Für Demokratie | Nr. 81 / Mai 2014

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Fotos: Klaus Müller Walldorf wurde einem 35-jährigen SS-Mann unterstellt. Ihm zur Seite standen 30 SS-Männer und -Aufseherinnen. Die für diesen Einsatz vorgesehenen Frauen mussten unter anderem Eisenbahnwaggons entladen, Gräben für Kabelverlegungen und Tankanlagen ausheben sowie die für die Rollbahn vorgesehene Fläche roden und für eine Betonierung vorbereiten. Das SS-Personal führte eine scharfe Aufsicht, demütigte und prügelte die Frauen und ahndete „Vergehen“ im Zweifel mit der Waffe. Etwa 60 Frauen wurden bis zur Schließung des Lagers erschossen oder starben an Entkräftung. Weitere starben etwa an Bombensplittern oder während der Deportation nach der Auflösung des Lagers am 25. November 1944. Unter Aufsicht der SS wurden die Überlebenden ins KZ Ravensbrück gebracht. Bei Kriegsende lebten von den ursprünglich 1.700 Frauen noch zwischen 350 und 400. Historischer Lehrpfad mit 18 Tafeln Der etwa 1.300 Meter lange Lehrpfad an der ehemaligen KZAußenstelle führt um den ehemaligen Bereich der Baracken herum. Auf 18 am Wegesrand aufgestellten Tafeln wird die Geschichte des Lagers, seiner Entstehung, seiner Funktion und seiner „Bewohner“ – der Zwangsarbeiterinnen und SS-Bewacher – erzählt. Alle Tafeln sind mit einer Überschrift versehen – Zitate von überlebenden Frauen. Die sind vor allem dadurch interessant und lebendig, weil sie viele Bilder enthalten und vor allem auch viele Zitate ehemaliger Häftlinge. So berichtet die Tafel 1 mit der Überschrift „In dem Alter, als wir jung und schön sein wollten, wurden wir abgeholt und deportiert ...“ von der Heimat der 1.700 jüdischen Frauen in Ungarn. Die weiteren Tafeln erzählen zum Beispiel über die Bahnfahrt nach Frankfurt, die Ankunft im Lager Walldorf und die Unterbringung. Auch die Rolle der Firma Züblin, für die die Zwangsarbeiterinnen arbeiten mussten und die sich jahrelang weigerte, sich ihrer daraus ergebenden Verantwortung zu stellen, wird auf einer Tafel dargestellt. » Tafel 1 des Lehrpfades an der ehemaligen KZ-Außenstelle Museumsleiterin Cornelia Rühlig erläutert eine Tafel des Gedenkpfades. chenwald bei Weimar und entdeckten auf einer Übersichtskarte über alle Konzentrationslager in Deutschland auch den Namen Walldorf. Davon hatten die drei noch nie etwas gehört. Die daraufhin von ihnen begonnenen Recherchen stießen vor allem auf eines: auf Ablehnung und Distanz. Im Vorwort einer städtischen Broschüre aus dem Jahr 2003 schrieb Bürgermeister Bernhard Brehl: „Man empfand emotional nicht die Schande der NS-Zeit, sondern man empfand die historische Recherche als eine unzulässige Form der ‚Nestbeschmutzung‘.“ Im Zusammenhang mit einem städtischen Kulturprogramm, das sich eine „Begegnung mit Ungarn“ vorgenommen hatte, begann Mitte der 1990er-Jahre eine systematische Aufarbeitung der gesamten Geschichte, in deren Mittelpunkt neben der Erforschung von Quellen vor allem dies stand: Suche nach Überlebenden und Kontaktaufnahme mit ihnen. Unter Leitung der Museumsdirektorin Cornelia Rühlig gelang es, vielfältige Kontakte nach Ungarn, Israel, den USA und Schweden aufzunehmen, Überlebende aufzufinden und mit ihnen oder ihren Nachfahren ins Gespräch zu kommen. Bei der ergreifenden Eröffnung des Lehrpfades nahmen 19 Überlebende mit ihren Angehörigen persönlich teil. Die Geschichte des KZ-Außenlagers Walldorf Die 1.700 jungen ungarischen Jüdinnen, zwischen 13 und 45 Jahre alt, waren Mitte August 1944 in Auschwitz für einen Arbeitseinsatz auf dem Frankfurter Flughafen selektiert worden. Sie gehörten zu den etwa 450.000 ungarischen Juden, die nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht im Frühjahr 1944 innerhalb weniger Wochen nach Auschwitz deportiert und zum größten Teil sofort ermordet wurden. Die „Organisation Todt (Einsatzgruppe V Heidelberg)“ hatte am 10. August 1944 für den Bau der ersten betonierten Rollbahn auf dem Frankfurter Flughafen 1.700 Hilfsarbeiter beantragt. Eine solche Bahn war notwendig geworden, weil das erste deutsche düsengetriebene Flugzeug, die ME 262, eine sogenannte Wunderwaffe des Führers, nur schlecht auf einer Grasfläche starten und landen konnte. So wurde das ehemalige Lager des Reichsarbeitsdienstes nördlich von Walldorf zu einer KZ-Außenstelle umgewandelt, um ein „kriegsentscheidendes Bauvorhaben“ zu realisieren, wie der SSKommandant von Natzweiler schrieb. Die Leitung des Lagers in Gegen Vergessen – Für Demokratie | Nr. 81 / Mai 2014 13 Thema

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Thema „Der geöffnete Waldboden“: Entwurf des Architekturbüros Wagner und Ewald / Ginsheim-Gustavsburg (2013) zum geplanten Bildungszentrum. Das schräge Dach beginnt auf Erdniveau und steigt nach oben an bis auf eine Höhe von ca. 3,80 m. Das Dach soll als Waldboden begrünt werden. – Das Gebäude soll möglichst licht und klar sein, aber auch bescheiden auftreten. Im Seminarraum im Inneren sollen u. a. Fotos und Zitate ehemals dort inhaftierter Frauen gezeigt werden. » Von dem gesamten Lager ist heute kaum noch etwas zu sehen. Die Baracken wurden nach 1945 gesprengt, das Gelände planiert und neu aufgeforstet. Dennoch gelang es schon in den 1970er-Jahren, Teile der Sanitätsbaracke zu finden. Im Jahr 1998 wurde bei Ausgrabungsarbeiten der Küchenkeller gefunden, der betoniert und gemauert war. Das Ausgrabungsprojekt und international ausgeschriebene Work-and-Study-Camps Über Jahre hinweg haben – von Museumsleiterin Cornelia Rühlig organisiert – ehrenamtlich Ausgrabungsarbeiten stattgefunden, bei denen große Teile des gesamten Küchentrakts freigelegt werden konnten. An diesen Arbeiten haben sich viele Menschen aus Mörfelden und Walldorf und darüber hinaus vor allem auch Schülergruppen beteiligt. Seit einigen Jahren finden unter Leitung der Margit-Horváth-Stiftung auch international ausgeschriebene Work-and-Study-Camps für Jugendliche statt, bei denen die Ausgrabungsarbeiten durch Seminartage zu historischen Themen und kulturelle Begegnungen ergänzt werden. So ist dieser Platz zu einem Lernort über Nationalsozialismus und Antisemitismus geworden – und mehr: zu einem Ort, an dem sich Jugendliche aus verschiedenen Ländern (USA, Ungarn, Italien, Israel, Frankreich, Deutschland), ausgehend von dem historischen Geschehen, über die Fragen von Demokratie und Toleranz, des Umgangs mit unterschiedlichen kulturellen Traditionen und der Fundamente einer menschlichen Gesellschaftsordnung austauschen. Bildungszentrum erfährt große Zustimmung – finanzielle Mittel fehlen noch Obwohl das geplante Bildungszentrum große Unterstützung erfährt, unter anderem auch vom Land Hessen, muss an seiner finanziellen Verwirklichung noch gearbeitet werden. Nicht zuletzt wegen seiner Bedeutung für die gesamte Rhein-MainRegion hofft die Margit-Horváth-Stiftung aber, noch 2014 mit den Bauarbeiten beginnen zu können. ■ Hinweise: Mehr über die Margit-Horváth-Stiftung und ihre Namensgeberin können Sie in einer längeren Version dieses Artikels auf unserer Internetseite erfahren. Malte Rauch u. a.: Die Rollbahn. Dokumentarfilm, 2003 (zu beziehen als DVD über das Museum Mörfelden, Cornelia Rühlig, Langgasse 43, 64546 Mörfelden-Walldorf, cornelia.ruehlig@moerfelden-walldorf.de) Cornelia Rühlig: Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung. Begleitheft zum Historischen Lehrpfad am ehemaligen KZ-Außenlager Walldorf. Stadt Mörfelden-Walldorf 2003 ISBN 978-3-928-64903-2 (zu beziehen über das Museum: Kontakt siehe oben) Cornelia Rühlig: Ergänzungsband zu „Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung“. Mit neuen Forschungsergebnissen aus den Jahren 2000 bis 2007. Stadt Mörfelden-Walldorf 2008 ISBN 978-3-928-64906-3 (zu beziehen über das Museum: Kontakt siehe oben) Klara Strompf: KZ-Außenlager Walldorf. Jüdische Frauen aus Ungarn am Flughafen Frankfurt/Main 1944. Verlag Hartung-Gorre, Konstanz 2009 ISBN 978-3-866-28155-4 14,80 Euro Klaus Müller ist Koordinator der Sektion Südhessen von Gegen Vergessen – für Demokratie e. V. 14 Gegen Vergessen – Für Demokratie | Nr. 81 / Mai 2014 Grafik: Architekturbüros Wagner und Ewald

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■ Portal für Bürgerengagement mit neuem Gesicht Die einen tun Gutes. Die anderen sprechen darüber. Das ist die Idee des Portals, das Gegen Vergessen – Für Demokratie e.  V. 2010 freigeschaltet hat. Seitdem sind auf der Plattform www.sie-tun-gutes.de rund 50 Artikel über Initiativen erschienen, die sich etwa gegen Rassismus oder für ein Erinnern an die Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes einsetzen. So erhalten die Initiativen öffentliche Aufmerksamkeit. Und andere Aktive haben die Möglichkeit, sich von Vorbildern inspirieren zu lassen. Mithilfe der Förderung vom Bundespresseamt konnte die Seite im vergangenen Jahr überarbeitet werden – und bietet jetzt noch mehr Service. Außerdem konnten engagierte Prominente gewonnen werden, die Internetseite mit Video-Statements zu unterstützen. Das Portal zeigt nun neben der Vielfalt an Initiativen auch gezielt verschiedene Möglichkeiten auf, wie Engagement aussehen kann. Bevor Menschen aktiv werden, stellen sie sich häufig Fragen wie diese: Welches Thema passt? Bin ich Einzelkämpfer oder arbeite ich am liebsten im Team? Möchte ich mich mit Gleichaltrigen zusammentun oder generationenübergreifend wirken? Ist das Internet mein Medium, gehe ich in meinem Ort auf die Straße oder will ich mich global vernetzen? Schließlich, wie viel Zeit habe ich überhaupt zur Verfügung und welche Formate passen zu mir – bin ich eher künstlerisch ambitioniert oder will ich harte politische Kampagnen führen? Diese Fragen werden auf der Seite intensiv aufgegriffen, Projektbeispiele, die dazu passen, sind verlinkt. Eine Suchfunktion hilft, Initiativen vor Ort und für verschiedene Themenbereiche zu finden. Sieben prominente Vertreter aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen haben sich bereit erklärt, dieses Konzept zu unterstützen und mit ihrem Statement für bürgerschaftliches Engagement zu werben. Sie haben ihre persönlichen Antworten auf die Fragen gefunden und Stellung bezogen. So hat die Moderatorin Sandra Maischberger von ihrem Engagement in Berliner Schulen erzählt und deutlich gemacht, dass es auch bei geringem Zeitbudget möglich ist, sich gesellschaftlich einzubringen. Der Sänger der „Prinzen“, Sebastian Krumbiegel, hat erklärt, warum er sich auf lokaler Ebene in seiner Heimatstadt Leipzig gegen Rechtsextremismus engagiert. Die Serienschauspieler Giovanni Arvaneh und Andrea Kathrin Loewig berichten über ihren Einsatz auf anderen Kontinenten. Der ehemalige Fußball-Europameister Marco Bode von Werder Bremen zeigt am Beispiel seines Projekts mit Fußballnachwuchs aus aller Welt auf, wie vielfältig die Ausdrucksformen von Engagement sein können. Und nicht zuletzt haben Cornelia Schmalz-Jacobsen, die stellvertretende Vorsitzende von Gegen Vergessen – Für Demokratie e.  V., und Ekin Deligöz, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands, beschrieben, wie Engagement in verschiedenen Generationen funktioniert. Bei allen klingt an, dass Engagement nicht nur Arbeit, sondern auch Spaß macht, dass es Anerkennung bringt und sich in jedem Fall lohnt. Die Film-Statements, die von den „konzept.autoren“ Claudia Hirschberger und Arne Schmidt gedreht wurden, werden auch über den Youtube-Kanal von Gegen Vergessen – Für Demokratie e.  V. beworben und auf der Facebook-Seite der Vereinigung eingebunden. So dient die Seite als Anlaufpunkt für alle, die sich engagieren und für sich und andere noch Anregungen suchen. Das Portal wird gefördert durch das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung. ■ Gegen Vergessen – Für Demokratie | Nr. 81 / Mai 2014 15 Aus unserer Arbeit

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