Informationen des Thüringer Pfarrvereins e.V. Januar - März 2012

 

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Neues aus dem Thüringer Pfarrverein

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Thüringer Pfarrverein Januar / Februar / März 2012 Januar - März 2012 Nr. 1 | 2. Jahrgang 2012 3 Editorial 5 Pfarrvertretung und Pfarrverein 8 Selbsthilfegruppe 10 Ferienanlagen Zoppoten und Lubmin 11 Neues aus dem Partnerverein Württemberg 13 Das Predigtamt - von Gott eingesetzt ̀ Klàtik / Bratislava Vortrag von Generalbischof Milos 21 Einladung zum Pfarrertag 2012 25 Geburtstage

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Impressum: Thüringer Pfarrverein e.V Druck: Plag gGmbH Schwalmstadt 100% Recyclingpapier Layout: Stefan Arnold, Halle Titelbild: Kirche und Pfarrhaus Kranichfeld Foto: Bernd-Ullrich Stock

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Editorial des Schatzmeisters Bernd-Ullrich Stock, Pfarrer in Kranichfeld Jahreslosung 2011 Jesus Christus spricht: meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. 2.Kor.12,9 Liebe Leserinnen und Schwestern und Brüder, Leser, liebe ein neues Jahr hat begonnen und wie in jedem Jahr soll mit der Jahreslosung auch über dem Jahr 2012 ein Bibelwort stehen, das uns Orientierung und Hilfe sein soll. In einer der vielen Rundbriefe mit einer Auslegung zur Jahreslosung fand ich folgenden Satz: “Menschliche Schwachheit ist nicht die Grenze von Gottes Kraft, sondern eine Quelle derselben.” Dass wir mit unseren Kräften schnell mal an Grenzen stoßen, das kennen wir, und es ist im Pfarrdienst inzwischen schon fast eine alltägliche Erfahrung. Besonders natürlich zu den Hoch-Zeiten wie Advent, Weihnachten und Ostern. Da kann ich nur wehmütig auf die Zeit zurückschauen, als zu unserem Kirchspiel lediglich zwei Kirchgemeinden gehörten. Einer meiner Vorgänger im Pfarramt hat sich vehement und erfolgreich gegen den Zuwachs des Kirchspieles um eine kleine Dorfgemeinde gewehrt mit der Begründung, dass die Arbeit dann auf Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 01-2012 keinen Fall mehr zu bewältigen wäre. Dabei stand ihm zu dieser Zeit noch eine vollzeitig angestellte Kantorkatechetin zur Seite. Inzwischen sind es fünf Gemeinden, und in diesem Jahr kommt die sechste dazu. In der Perspektive ist eine Fusion mit einem weiteren Pfarramt geplant, so dass das Kirchspiel dann aus 11 Kirchgemeinden bestehen wird. Viele Pfarrer und Pfarrerinnen besonders im ländlichen Bereich stehen heute vor solchen und oft noch komplizierteren Situationen. Wie gehen wir damit um? Die Ansprüche an den Pfarrer/Pfarrerin aus den Kirchgemeinden einerseits und von der Kirchenleitung auf der anderen Seite sind geblieben und in vielen Be3

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reichen noch gewachsen und von einer “Verwaltungsvereinfachung” kann nun wirklich nicht die Rede sein. Gemeinde neu denken, nicht mehr von den beruflichen Stellen und Ämtern, sondern vom Priestertum aller Getauften her, wie es unsere Landesbischöfin in ihrem Bericht vor der Herbstsynode propagiert hat, klingt recht gut und ist ja auch schon seit der Reformation im Mittelalter ein zentrales Thema in unserer Kirche. Nur in der gegenwärtigen Situation klingt es für Hauptamtliche eher wie eine weitere zusätzliche Aufgabe, die darin besteht, die ehrenamtliche Arbeit der Gemeindeglieder nun endlich zu organisieren und zu intensivieren, damit auch bei der Ausdünnung der hauptamtlichen Mitarbeiterstellen die flächendeckende Präsenz der Kirche erhalten bleibt. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Grenzen der Belastbarkeit von Pfarrern und kirchlichen Mitarbeitern auch weiterhin ausgetestet werden sollen. Da wird uns das Thema “Burnout im Pfarramt” wohl noch eine Weile erhalten bleiben. Doch vielleicht hat es ja auch etwas Gutes, wenn wir mal an unsere Grenzen geführt werden und mit unserer Kraft und unseren Möglichkeiten am Ende sind, denn dann bekommt Gott endlich wieder die Chance seine Kirche zu erneuern. Auf dem Fischmarkt in Erfurt steht direkt gegenüber dem Rathaus ein altes Bürgerhaus aus der Renaissancezeit. Auf einem Giebel dieses Hauses steht 4 in Anlehnung an den Psalm 127 der Satz: “nisi dominus frustra” - ohne den HERRN vergebens. In DDR-Zeiten war das ein schönes Predigtthema. Hätten die Herren im Erfurter Rathaus doch öfter mal aus dem Fenster geschaut und sich diesen Satz zu Herzen genommen. Aber vielleicht hatten sie ja Schwierigkeiten bei der Übersetzung und vor allem bei der Übertragung solch einer Botschaft auf ihr eigenes Tun. Doch bevor wir hier über Andere urteilen, ist es wohl wichtiger, diese Botschaft für uns selbst zu entdecken und zu leben. Alle unsere Arbeit und Mühe für die Kirche und das Evangelium ist nur dann sinnvoll, wenn uns bewusst ist, das ER selbst das Haus (die Kirche) baut. Und wenn wir mit unserer Kraft am Ende sind, dürfen wir fest darauf vertrauen, dass Gottes Kraft dann erst recht zum Zuge kommt. Ich wünsche Ihnen allen im neuen Jahr diese segensreiche Erfahrung. Mit den besten Grüßen und Wünschen auch im Namen des Vorstandes Ihr Schatzmeister des Thüringer Pfarrvereins Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 01-2012

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Was gehört wohin? Pfarrverein und Pfarrvertretung - rechte und Aufgaben Immer wieder einmal gibt es die Frage, mit wem man es denn nun zu tun habe oder an wen man sich wenden könne, an die Pfarrvertretung oder an den Pfarrverein. In unserer Landeskirche ist das, zumindest wenn man sich an den Vorsitzenden wendet, ein wenig egal. Richtig ist man immer. Bis vor einigen Jahren hat sich in Thüringen die Frage für viele überhaupt nicht stellen müssen, weil durch Kirchengesetz bestimmt war, dass der Vorstand des Pfarrvereins diese Aufgabe wahrnimmt. Es gibt einige Landeskirchen, in denen das noch oder wieder so geregelt ist, z.B. in Bayern und in Sachsen, wo man es seit wenigen Jahren so geregelt hat, weil es praktikabler erschien, billiger ist und ohnehin die Mehrheit Mitglied im Pfarrverein sind. Dennoch gibt es Unterschiede 1. Entstehung Die Pfarrvereine sind entstanden, weil Pfarrer (damals waren das wirklich nur Männer) gesehen haben, in welche Nöte die selbst und ihre Familien geraten können, wenn einmal nicht alles nach Plan läuft, bei Krankheit oder Tod des Pfarrers die Familie plötzlich mittellos dastand, zumal ja durch die Dienstwohnungspflicht die Auswirkungen noch gravierender wurden. Kein Geld für den Unterhalt und die Ausbildung der Kinder, keine Wohnung, Verlust der geMitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 01-2012 sellschaftlichen Stellung, das waren die wichtigsten Folgen. Aber es kam auch nicht selten vor, dass die Frau des Pfarrers frühzeitig starb und damals eine der Töchter die Haushaltsführung übernahm, für Pfarrhaus und Vater sorgte. Das ging solange gut, wie der Vater eine Pfarrstelle innehatte bzw. beide mit der Pension versorgen konnte. Aber danach, was sollte werden? Die Tochter hatte zwar viel getan, nicht zuletzt für die Kirchgemeinde, aber Ansprüche auf irgendeine Versorgung hatte sie nicht aufbauen können. So gab es nicht selten längst erwachsene Waisen von Pfarrern, die der Hilfe bedurften. In sehr schwierigen Zeiten half der Verein auch Pfarrern, die aus politischen Gründen in Bedrängnis geraten waren. Die Pfarrvereine hatten also zuerst einmal die Nöte im Blick, die jeden einmal treffen konnten, und die früher in ihren Auswirkungen nicht so gut wie heute durch diverse Versicherungen zumindest abgemildert waren. Hier half man sich gegenseitig im Verein. Die Pfarrvertretungen dagegen sind eher eine neue Erfindung, die zur Lösung dienstrechtlicher, bei privatrechtlich Angestellten arbeitsrechtlicher, Fragen helfen soll. So wie es Vertretungen bei Beamten eine Beamtenvertretung als Gegenüber zum Dienstherren (in diesem Falle dem Staat) gibt, sollte es 5

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das auch in der Kirche geben. Durch die Synoden werden entsprechende gesetzliche Regelungen geschaffen. Inzwischen haben fast alle Kirchen solche Gesetze, nur in Berlin-Brandenburg ist man noch kurz vor dem Ziel, hoffentlich. Sind die Pfarrvereine stark genug, so dass sie wirklich die Mehrheit der Pfarrerinnen und Pfarrer repräsentieren, liegt es nahe, diesen diese Aufgabe zu übertragen. In der EKM haben sich nun zwei Kirchen zusammengeschlossen, in denen es diesbezüglich erhebliche Unterschiede gab. In Thüringen waren 630 Mitglieder zu nennen, in der Kirchenprovinz lediglich 150. Bei den Nichtmitgliedern war das Verhältnis genau umgekehrt. So konnte das Thüringer Modell nicht auf die ganze Landeskirche übertragen werden. 2. Verhältnis zur Landeskirche Der Pfarrverein ist rechtlich gesehen ein beim Registergericht eingetragener Verein, der also von der Landeskirche in dieser Hinsicht völlig unabhängig seine Geschäfte führt. Inhaltlich weiß er sich aber den Anliegen und Aufgaben der Kirche verpflichtet. Inzwischen gehen von den Vereinen viele Aktivitäten aus, die den Dienst ihrer Mitglieder in den Landeskirchen maßgeblich unterstützen, bis hin zu Krankenkassen, wie z.B. in Württemberg. Die Pfarrvertretungen hingegen sind Einrichtungen der Landeskirche, um den Anspruch auf eine ordnungsgemäße Vertretung zu erfüllen. Dennoch müssen sie bezüglich der inhaltlichen Arbeit unabhängig bleiben. Nur dann können sie ihre Aufgaben verantwor6 tungsvoll wahrnehmen und genießen das Vertrauen derer, die Hilfe benötigen gerade in dienstrechtlichen Auseinandersetzungen mit der Dienstherrin, in diesem Falle ihrer Kirche. Für viele ist es bei solchen Streitigkeiten ein schwerer Schritt gegen die eigene Kirche vorzugehen, um seine Rechte auch zu kämpfen, denn nicht zu Unrecht möchte wir, dass sich unser Arbeitsbereich von anderen unterscheidet. Ohne Differenzen geht es aber auch in der Kirche nicht zu. Deshalb ist es gut, wenn es eine geregelte Hilfe gibt, die sich dann ganz auf der Seite der Betroffenen weiß und diese unterstützt. Manchem erscheint das nicht notwendig oder sogar ungebührlich, zumindest solange es keine Probleme gibt. Oft höre ich den Satz. „Ich hätte nie gedacht, dass ich meine Kirche einmal verklagen muss.“ Bedauerlicherweise gibt es aber auch Äußerungen Vorgesetzter, die meinen, ein Mitarbeiter, der sich auf dem Klagewege sein Recht erwirken will, sei nicht tragbar. Sogar die Anrufung der Pfarrvertretung wurde schon als Misstrauensvotum gewertet. Stattdessen sollten wir uns freuen und dankbar sein, dass es solche Möglichkeiten gibt. So kann tatsächlich bei unterschiedlichen Meinungen Recht gesprochen werden und die Situation auch wieder befriedet werden. Es muss nicht zwangsläufig Verbitterung die Folge sein. 3. Aufgaben Die Vereine geben sich in ihren Satzungen und Leistungsverzeichnissen einen ganzen Katalog von Aufgaben: Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 01-2012

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Den Berufsanfängern werden erhebliche Unterstützungen zuteil, um ihnen den Start zu erleichtern. Durch zinsfreie Darlehen wird der Autokauf erleichtert, denn ohne Fahrzeug ist in fast allen Pfarrstellen der Dienst nicht mehr vorstellbar. In Notsituationen werden Hilfen gewährt, rückzahlbare und solche, die behalten werden können. Ganz besonders Familien mit Kindern in der Ausbildung bekommen Hilfen, die schnell den Jahresbeitrag weit übersteigen können. Preiswerte Urlaubsmöglichkeiten werden angeboten. Pfarrertage dienen dem theologischen Nachdenken und der Klärung von Entwicklungen, die den Berufsstand betreffen. Wichtige und zum Teil kontrovers diskutierte Themen wurden aufgegriffen, wie z.B. Mobbing in der Kirche und Burnout im Pfarrberuf. Informationshefte werden herausgegeben, für jeden Einzelverein, aber auch vom Verband das Deutsche Pfarrerblatt. Ganz wichtig ist die Beratung in vielfältigsten Fragen geworden, oft, leider nicht immer, können wir helfen. Für viele ist es einfach gut, sich an jemanden wenden zu können, wenn Dienst oder Leben zu schwierig werden, um es allein bewältigen zu können. Immer wieder gibt es neue Ideen, wie geholfen werden kann, auch im Ausland, so in der Slowakei, demnächst auch in Polen. Für die Pfarrvertretung dagegen sind die Aufgaben klar abgegrenzt: Die Pfarrvertretung nimmt Stellung zu die Pfarrerschaft betreffenden Gesetzentwürfen bevor diese der Synode vorgelegt werden. Sie kann in Einzelfällen angerufen werden, wenn dienstrechtliche Benachteiligungen befürchtet werden. Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 01-2012 In bestimmten Fälle ist eine Beteiligung sogar zwingend, z. B. bei Abberufungsverfahren. Das hat den Betroffenen oftmals sehr geholfen, weil kaum jemand den Belastungen in solchen Verfahren allein gewachsen ist und sie auf diesem Wege auf die Erfahrungen der Pfarrvertretung zurückgreifen konnten. Die Pfarrvertretung kann in besonders schwerwiegenden Fällen dann auch dazu raten, einen Anwalt hinzuzuziehen. Wer nun im Thüringer Pfarrverein Mitglied ist, kann zusätzlich auf eine Rechtsschutzversicherung zurückgreifen. das ist ein großer Vorteil, der die Sorge nimmt, finanziell in Turbulenzen zu geraten, falls das Verfahren nicht zum erhofften Erfolg führen sollte. 4. Kosten Die Kosten für die Vertretungsarbeit hat bis vor einem Jahr weitestgehend der Verein getragen. Zwar hat sich die Landeskirche mit 5.500 € beteiligt, was aber nur einen geringen Teil der tatsächlichen Aufwendungen ersetzte. Zudem wurde die Vertretungsaufgabe durch den Vorstand ohne Stellenanteile geleistet. Lediglich eine halbe Sekretärinnenstelle sollte den Vorsitzenden entlasten, die aber mindestens zu drei Vierteln der Verein bezahlt hat. Inzwischen trägt als Folge des neuen Pfarrvertretungsgesetzes die Landeskirche die Kosten einschließlich der Entlastung des Vorsitzenden um einen halben Dienstauftrag. Die Gesamtkosten der Pfarrvertretung betragen nun mindestens 45.000 € pro Jahr. 7

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Hier wird deutlich, in welcher Weise der Verein bisher in Thüringen eine Aufgabe der Landeskirche getragen hat. Ist es nun sinnvoll, dass der Pfarrverein und die Pfarrvertretung so eng miteinander verbunden sind? (Pfarrer Michael Thurm, KR Pfarrer Paul-Gerhard Kiehne sind Mitglieder im Vereinsvorstand und in der Pfarrvertretung, ich selbst habe den Vorsitz beider Gremien inne.) Gern gesehen wurde das nicht von allen. Es gab Befürchtungen, gerade der Vorsitzende könne zwischen den Aufgaben nicht klar abgrenzen. Bei der bisherigen Arbeit können Nachteile für die Betroffenen aber nicht gesehen werden. Vielmehr ist es hilfreich bei Gesprächen nicht nur dienstrechtliche Fragen klären zu können, sondern zugleich die Hilfsangebote des Pfarrvereins zu prüfen, sofern eine Mitgliedschaft im Verein dazu berechtigt. Für diejenigen die (noch) nicht im Verein organisiert sind, ist das aber auch kein Nachteil. Manchmal haben wir sogar dann nach Wegen gesucht, wie eine Unterstützung über die Möglichkeiten der Pfarrvertretung hinaus gewährt werden könnte. Wer Hilfe oder Beratung benötigt, kann sich zuerst an die Vertreter in seinem Konvent wenden, an die Vertrauenspfarrer des Vereins oder an die Kontaktpersonen der Pfarrvertretung. Selbstverständlich ist auch immer der Weg direkt zur Pfarrvertretung oder zum Vereinsvorstand offen. Wichtig ist es aber, sich rechtzeitig zu melden, schon dann, wenn sich Probleme erst langsam beginnen abzuzeichnen, und nicht erst zu warten, bis das berühmte Kind in den Brunnen gefallen ist.S 8 Selbsthilfegruppe Es steht außer Zweifel, dass die Anforderungen im Pfarramt und überhaupt der Dienst der kirchlichen Mitarbeiter in den letzten Jahren mehr und mehr gestiegen sind und voraussichtlich noch steigen werden. Hinzu kommt, dass Umstrukturierungen und Stellenplanungen, ob mittel – oder langfristig, auf der Tagesordnung stehen. Die Kirchenkreise und ihre diversen Gremien bemühen sich um Bedingungen, die die Belastungen ertragbar machen: so etwa die Bindung und Verankerung in den Konventen , Förderung der Kommunikation zwischen Amtskollegen, Klausurkonvente und Ausbau des „Kerngeschäftes“ eines Amtsinhabers oder- Amtsinhaberin, regelmäßige Weiterbildung, Inanspruchnahme von Supervision, Zurüstung von ehrenamtlichen Mitarbeitern, Stärkung des Ehrenamtes, um an dieser Stelle nur einiges zu nennen. Das sind gute und gutgemeinte Versuche, die Pfarrer und Pfarrerinnen und kirchlichen Mitarbeiter von den vielfältigen Aufgaben zu entlasten, da es schließlich um ihre jeweiligen Kernkompetenzen geht. Trotz aller Bemühungen entstehen oftmals sehr schnell Konflikte. Was mit Unstimmigkeiten und Meinungsverschiedenheiten beginnt, kann sich zu einem ausgedehnten „Flächenbrand“ ausweiten. Das Pfarrerdienstgesetz der EKD (und EKM) spricht dabei von einer Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 01-2012

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„nachhaltigen Störung in der Wahrnehmung des Dienstes“ (§79 und §80), wobei die Frage nach der Schuld oder Schuldhaftigkeit nicht zur Debatte steht. Die Beseitigung dieser Störung, also die „Schadensbegrenzung“ sieht in den meisten Fällen so aus, dass der Pfarrer oder die Pfarrerin die Stelle verlassen muss, wenn er/sie nicht schon recht bald nach den ersten drohenden Anzeichen eines Konfliktes freiwillig die Stelle verlässt. Nicht selten geht dem unfreiwilligen Verlassen der Pfarrstelle ein Abberufungsverfahren voraus oder zumindest wird dasselbe angedroht. Das hinterlässt bei dem Pfarrer/der Pfarrerin oder kirchlichen Mitarbeiter und deren Familien nicht selten tiefe existentielle Einschnitte. Aber auch das Umfeld, z.B. die Gemeinde, steht in diesem Zusammenhang nicht auf der Gewinnerseite. Die Erfahrung zeigt, dass der Dienstherr die Fürsorgepflicht nur ungenügend wahrnimmt. Leider gehört es auch zur traurigen Realität, dass „ Betroffene“ von den Kollegen keinerlei Solidarität erhalten. Da trägt die beschworene Gemeinschaft eben nicht. Obgleich die Schuldfrage ja nicht von Bedeutung ist, geschieht Ausgrenzung. Da wird nicht hin- sondern weggesehen, und was genau so schlimm ist: auch im wahrsten Sinne des Wortes Ü B E R -S E H E N. Da sind Tor und Tür für Mutmaßungen und Unterstellungen offen. Was bedeutet das eigentlich auf lange Sicht hin für die Betroffenen und das Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 01-2012 Amt, was bedeutet das für die christliche Gemeinschaft und das öffentliche Ansehen der Kirche? Ich möchte nicht verschweigen, dass es auch auch gute Beispiele von Solidarität und Konfliktlösungen gibt, die m. E. viel zu selten sind. Vor Jahren hat sich aufgrund dieser Erfahrungen eine Selbsthilfegruppe zusammengefunden Diese Selbsthilfegruppe trifft sich in regelmäßig Abständen. Es sind in der Mehrzahl Pfarrer und Pfarrerinnen und deren Ehepartner (die Ehepartner sind und waren oft auch jahrelang ehrenamtlich in der Gemeinde tätig), die in die Mühlen von Konflikten geraten sind, die Stelle wechseln mussten und sich nun in einer neuen Pfarrstelle befinden oder eben um eine Stelle bemüht sind, sprich darum kämpfen. Es besteht Raum zum fachlichen und geistlichen Austausch, zur Beratung und Planung von aktuellen Fragen und Vorgängen. Bald hätte ich es vergessen: Bei unseren Treffen geht es bei aller Traurigkeit über Geschehenes, mitunter auch heiter und fröhlich zu. Das nächste Treffen wird am 28. Januar 2012 in Magdeburg stattfinden. Betroffenen Pfarrer und Pfarrerinnen können sich informieren bei: Ellen Liehm Pfarrerin i.W. ellenliehm@web.de 9

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Ferienhäuser des Pfarrvereins in Zoppoten und Lubmin werden umfassend saniert Sowohl die Ferienhäuser an der Bleilochtalsperre als auch die am Greifswalder Bodden bekommen gegenwärtig eine Kur. In Zoppoten wurden im November 2011 in drei der vier Häuser neue Klimasplitgeräte für insgesamt 12.000 € eingebaut. Mit einem Außengerät werden jeweils zwei Innengeräte betrieben, die wahlweise die Häuser heizen oder kühlen können. Eingebaut haben wir sie vorrangig zum Heizen, denn sie sparen erheblich Energie. Mit einer Kilowattstunde Strom können etwa drei bis vier Kilowattstunden Wärme aus der Außenluft in das Haus befördert werden. Gleich nach dem Einbau zeigte sich in dem großen renovierten Haus der Erfolg. Binnen einer knappen Stunde war das Haus hinreichend erwärmt trotz einer Außentemperatur um den Gefrierpunkt. Das war bisher mit den Lüftern oder Ölradiatoren so nicht möglich. Nun können die Häuser zukünftig auch in den Übergangszeiten wirklich gut genutzt werden. In Lubmin sind die Arbeiten schon voll im Gange. Die Planungen sind durch das Stralsunder Architekturbüro Henry Held für die Renovierung der Finnhüt10 ten weitestgehend abgeschlossen, die Aufträge für das erste Haus vergeben und teilweise schon umgesetzt. In der zweiten Februarwoche werden Mitglieder des Vorstandes die erste Finnhütte in Augenschein nehmen können, um anschließend festzulegen, ob die anderen vier in gleicher oder etwas veränderter Weise saniert werden sollen. Es ist vorgesehen, dass die Fensterfront erneuert, eine gewendelte Treppe und ein neues Bad eingebaut werden. Außerdem wird es im Obergeschoss noch zwei weitere Schlafplätze geben, damit die Hütten besser für Familien mit Kindern geeignet sind und nicht jeden Tag die Betten im Erdgeschoss weggeräumt werden müssen. Die Einrichtung wird zu großen Teilen erneuert. Für das Gemeinschaftshaus ist eine Erweiterung um Toiletten und Duschen für die Camper geplant. Wie die einzelnen Hütten auch soll es über Klimasplitgeräte geheizt werden. Die beiden Stellplätze für Wohnwagen, Wohnmobile oder Zelte werden auch zu Saisonbeginn fertiggestellt sein. Jeder Stellplatz ist über ein separates Tor zugänglich und so angelegt, dass die An- und Abreise unabhängig voneinander erfolgen kann. Jeweils einen Strom-, Wasser- und Abwasseranschluss wird es selbstverständlich auch geben. Umfangreiche Erdarbeiten sind erforderlich, weil die Wasser- und Abwasseranschlüsse für das Grundstück bisher über ein Nachbargrundstück führten, ohne dass dies im Grundbuch abgesichert war. Hier wird nun vieles erneuert Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 01-2012

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und zugleich rechtlich sinnvoll geordnet. Insgesamt werden in Lubmin voraussichtlich 250.000 € investiert, wovon ein Drittel aus Rücklagen der bisherigen Jahre stammen und zwei Drittel vom Thüringer Pfarrverein beigesteuert werden. Wir freuen uns, dass das in diesem Umfang in einem Zuge ausgeführt werden kann und bisher alles ohne Schwierigkeiten anläuft. Martin Michaelis beigetragen. Der 49-jährige Markschies ist nicht nur ausgewiesener Kirchenhistoriker (Patristik), sondern predigt auch regelmäßig im Berliner Dom. „Die evangelische Kirche zu Beginn des 3. Jahrtausends: Herausforderungen und Perspektiven für den deutschen Protestantismus.“ So lautete die Überschrift des einstündigen Vortrags, den Interessierte auf der Homepage unseres Partnervereins nachlesen bzw. herunterladen können (www.pfarrverein-wuerttemberg.de). Der Pfarrertag wurde in besonderer Weise vom Abschied des Vorsitzenden Christian Buchholz, Schuldekan und Pfarrer i.R. geprägt, der über Jahre auch dem Thüringer Pfarrverein freundschaftlich verbunden war. Schon bei seiner Wahl vor genau drei Jahren hatte Buchholz deutlich gemacht, er sehe sich zwar in der Pflicht, die erste Zeit der neuen Geschäftsführerin Frau Dieterich als erfahrener Vorsitzender zu begleiten, halte aber grundsätzlich nichts davon, dass ein Ruheständler den Vorsitz des Vereins habe. So wurde er mit seiner Frau Marie-Luise von den Teilnehmern mit herzlichem Applaus und dem ungewöhnlichem Geschenk einer kleinen Kirchenglocke verabschiedet. Auch der Vorstand des Thüringer Pfarrvereines dankt dem Ehepaar Buchholz für die jahrelange Verbundenheit und wünscht ihm Gottes Geleit im wohl verdienten Ruhestand. Die Weichen für den Wechsel sind gestellt - Hartmut Zweigle wird mit überwältigender Mehrheit neuer Vorsitzender des Pfarrvereins Hartmut Zweigle 11 Neuer Vorsitzender in unserem Partnerverein in Württemberg Mit einem Besucherrekord von weit mehr als 600 angemeldeten Gästen, aktiven Pfarrerinnen und Pfarrern, Ruhestandskolleginnen und -kollegen, Vertretern und Vertreterinnen der Kirchenleitung, Gästen aus der Ökumene sowie Familienangehörigen und anderen war der Pfarrertag in der Schwabenlandhalle von Fellbach am 17. Oktober 2011 ein erfreulicher Erfolg für alle Verantwortlichen in unserem Partnerverein in Württemberg. Zu diesem Erfolg hat wesentlich der mit Spannung erwartete Hauptvortrag von Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph Markschies von der Humboldt-Universität zu Berlin Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 01-2012

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erläuterte seine Kandidatur u. a. mit folgenden programmatischen Ausführungen: Ich möchte exemplarisch vier Punkte nennen, die mir im Hinblick auf das Amt des Vorsitzenden des Pfarrvereins wichtig sind: 1. Zentral ist für mich, dass unsere Krankheitshilfe erhalten bleibt. In unserer Krankheitshilfe konkretisiert sich der biblische Satz: »Einer trage des anderen Last.« Das ist der Kerngedanke unserer solidarischen Krankheitshilfe! Deshalb haben wir keine progressiv steigenden Beitragssätze bei höherem Alter. Deshalb können bei uns auch Kinder kostenlos mitversichert sein. – Und gleichzeitig haben wir trotzdem Leistungen, die besser sind als bei nahezu allen privaten Krankenversicherungen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass dies so bleibt. Dazu braucht es eine solide finanzielle Basis mit entsprechenden Rücklagen. Gleichzeitig müssen wir darauf achten, dass uns der einzelne Kranke bzw. die einzelne Kranke nicht aus dem Blick gerät. An diesem Anspruch möchte ich festhalten, dass wir mehr als eine Versicherung sind, weil sich in unserer Krankheitshilfe ein geistliches Anliegen ausdrückt. 2. Als Pfarrverein wollen und sollen wir das Ganze unserer Kirche im Blick haben. Dem widerspricht aus meiner Sicht nicht, dass wir selbstbewusst gegenüber der Kirchenleitung und Synode unsere Interessen vertreten. Zumal, 12 wenn der Pfarrberuf ein Schlüsselberuf unserer Kirche ist, worauf auch alle Umfragen hinweisen. Wenn dies so ist, muss es gute Bedingungen für unseren Beruf geben. Konkret halte ich es für wichtig, dass wir uns weiterhin – zusammen mit der Pfarrvertretung – beim Thema Dienstwohnung für bessere Bedingungen im Hinblick auf das Wohnen im Pfarrhaus einsetzen. Zur Vertretung unserer Interessen gehört für mich auch, dass wir deutlich machen, dass die Pfarrersgehälter nicht weiter abgesenkt werden dürfen. Auch die Kirche insgesamt muss daran ein Interesse haben, wenn sie will, dass auch in Zukunft »gute« und begabte junge Frauen und Männer sich für den Pfarrberuf entscheiden. Und schließlich wird es ein immer wichtigeres Thema werden, dafür zu sorgen, dass Pfarrer und Pfarrerinnen nicht stressbedingt ausbrennen, sondern mit Freude ihren Beruf bis zur Pensionierung ausführen können. Das darf nicht nur dem einzelnen Pfarrer, der einzelnen Pfarrerin selbst überlassen bleiben, sondern das ist (auch) eine kirchenleitende Aufgabe. 3. Der Münsteraner Praktische Theologe Christian Grethlein hat vor zwei Jahren ein Buch geschrieben mit dem Titel »Pfarrer – ein theologischer Beruf!«. Ich halte diese Bestimmung unseres Berufes als »theologischer Beruf« für richtig. Man braucht als Pfarrerin und Pfarrer sicher eine Menge verschiedener FähigMitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 01-2012

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keiten – vom Manager bis zum Hausmeister. Aber unsere, wenn ich dieses abgedroschene Wort benutzen darf, »Kernkompetenz « ist die theologische. Deshalb will ich mich dafür einsetzen, dass wir uns als Pfarrverein mit theo- logischen Fragen beschäftigen. Dazu dienen der Tag der Württembergischen Pfarrerinnen und Pfarrer, die Studientage mit der Fakultät und dem Priesterrat. „Das Predigtamt, von Gott eingesetzt“Erkenntnisse aus der Confessio Augustana Atrtikel 5 ̀ Klàtik, Bratislava, GeVortrag von Mgr. Milios neralbischof der Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in der Slowakei auf dem Pfarrertag am 29. Juni 2011 in Jena-Lobeda Meine lieben Damen und Herren, liebe Brüder und Schwestern im Amt, heute ist der Gedenktag der Apostel Petrus und Paulus. Ich will bei diesen beiden Männern ein wenig verweilen. Petrus hat das Amt von seinem Herrn direkt bekommen. Die christliche Ikonographie stellt ihn immer mit dem Schlüssel dar. Ihm wurde in besonderer Weise das Schlüsselamt übertragen. Lukas Cranachs Bild vom evangelischen Gottesdienst in der Wittenberger Stadtkirche, auf das ich heute noch öfter zurückkommen werde, stellt im rechten Flügel den Wittenberger Stadtpfarrer Johannes Bugenhagen dar, wie er den Binde- und den Löseschlüssel anwendet, dem reumütigen Sünder die Vergebung zuspricht, dem hartherzigen Sünder jedoch zurückMitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 01-2012 weist und nicht freispricht. Dieses fast vergessene Amt der Schlüssel wurde Petrus übertragen. Das ist es, was wir besonders mit ihm verbinden. Er war der Sprecher des Jüngerkreises immer wieder gewesen. Er hat auch kläglich versagt in der Stunde, in der er meinte, dass es ihm ans Leben gehen könnte. „Ich kenne den Menschen nicht!“ Zu dieser Notlüge und Verleugnung hatte er sich hinreißen lassen „ehe der Hahn krähte“. Aber trotzdem ist er der, dem unter den Aposteln eine besondere Stellung gehört. Was verstehen wir unter dem Amt der Schlüssel, wie es Petrus übertragen wurde? Kommen wir noch in Berührung mit denen, die ihre Sünde nicht bereuen? Oder bleiben sie unserem kirchlichen Leben ganz fern und würden allenfalls lachen, wenn sie erfahren würden, dass wir ihnen ihre Sünde nicht zu vergeben bereit sind. In der lutherischen Tradition spielte beim 13

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Verständnis des Schlüsselamtes immer eine wichtige Rolle, wie Andreas Osiander dieses Schüsselamt in seinen Nürnberger Kinderpredigten erklärt hat: „Ich glaube, was die berufenen Diener Christi aus seinem göttlichen Befehl mit uns handeln, sonderlich wenn sie die öffentlichen unbußfertigen Sünder von der christlichen Gemeinde ausschließen und die, die ihre Sünde bereuen und sich bessern wollen, wieder entbinden, dass es alles so kräftig und gewiß sei auch im Himmel, als handelte es unser lieber Herr Christus selbst.“1 Wir spüren, dass Petrus uns an einen Bereich unseres Amtes erinnert, über den nicht oft gesprochen wird, der sogar oft aus einer gewissen Furcht, man könnte mit katholischen Fehlentwicklungen verwechselt werden, einfach abgetan wird. Leider meinen ja viele Laien in der evangelischen Kirche wirklich, die Beichte sei ein Spezificum der katholischen Kirche. Aber Petrus wollen wir doch nicht der katholischen Kirche allein überlassen. Er ist doch der Apostel der einen Kirche Jesu Christi. Und Paulus, der in der gleichen Zeit wie Petrus in Rom den Märtyrertod gestorben ist, hatte seine Berufung zum Dienst im Amt des Evangeliums auf ganz andere Weise erhalten. Er kannte das Evangelium nur aus zweiter Hand, hatte nicht selbst in der Gemeinschaft mit dem Herrn gelebt und er hielt sich für unwürdig des Aposteltitels2, weil er zunächst die Christen verfolgt hatte. 1 Andreas Osiander d. Ä., Gesamtausgabe Band 5, Schriften und Briefe 1533 bis 1534, hg. v. Gerhard Müller und Gottfried Seebaß, Gütersloh 1983, S. 326. 2 1. Korinther 15, 8+9. 14 Aber er wusste doch auch, dass er durch Gottes Gnade das geworden ist, was er war, und dass seine Gnade an ihm nicht vergeblich gewesen ist. Er hat das Evangelium nach Europa getragen und er ist der große Missionar, der auf weiten Reisen trotz seiner angeschlagenen Gesundheit viel für die Ausbreitung des Evangeliums hat tun können, freilich auch viele Rückschläge hat hinnehmen müssen. Im Leiden hat er sich bewährt und vom Evangelium genommen und empfangen, von dem Evangelium, dessen er sich nicht schämte und das er als Kraft empfand3. Auch im Umgang mit der eigenen Schwachheit hat Paulus uns etwas zu sagen. Er wusste sich berufen zu seinem Dienst. Er kannte die Einschränkungen, die er hinsichtlich seiner Person zu machen hatte, wenn er auch nicht verschwieg, dass er viel mehr gearbeitet hat als die anderen. Der Gedenktag an die beiden großen Apostel führt uns ein in das Thema, über das ich heute mit Ihnen gemeinsam nachdenken will. Dieses Thema ist für mich ein wichtiges und mich immer neu begleitendes Thema geworden, seit ich mich damit in meiner Dissertation4 eingehend befasst habe. In meiner Dissertation war der Schwerpunkt zwar weniger auf dem besonderen Amt der berufenen Diener, die Gott eingesetzt hat, als vielmehr auf dessen Beziehung zum Allgemeinen Priestertum der Getauften, aber es ging um die 3 Römer 1, 16. 4 Miloš Klátik, Všeobecné kňazstvo pokrstených veriacich [Allgemeines Priestertum der getauften Gläubigen], Bratislava 2004. Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 01-2012

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Lehre vom Amt in weitesten Sinn. Deshalb habe ich auch gerne diesen Vortragsauftrag für heute angenommen. Wir kommen in der Slowakei aus der unvergesslichen Erfahrung, dass wir das Amt eines Dieners Jesu Christi geführt haben in einem Staat, der davon nicht nur nichts wissen wollte5, sondern dessen erklärtes Ziel es gewesen ist, die christlichen Gemeinden durch Marginalisierung auszulöschen. Wer sich für dieses Amt entschied, wusste was das bedeutete. Gut vor den Menschen dastehen konnte man in diesem Beruf nicht. Ich will freilich nicht übersehen, dass unser Dienst von vielen treuen Gemeindegliedern dankbar aufgenommen worden ist. Sie haben uns mit ihren Gebeten begleitet und dadurch viel gegeben. Das war vielleicht mehr als wir uns wirklich vorstellen können, denn es war eine schwere Verfolgungszeit. Wir waren auf eine Art von „Ghetto“ beschränkt. Was ist in solchen Zeiten die Kraft, die trägt? Wir kannten unsere Berufung und wir kannten den, der uns in unserem Dienst die Hand geführt hat, dass wir als seine Handlanger und ausführenden Organe Menschen ansprechen und zu ihm hinführen konnten. Ich war damals der einzige evangelische Pfarrer in einer Plattenbaustadt vor den Toren der Hauptstadt. Dort lebten ca. 100.000 Menschen, aus denen ich eine kleine, aber wachsende evangelische 5 Miloš Klátik, Die Frage nach dem Amt und dem allgemeinen Priestertum beim Neuaufbruch kirchlicher Arbeit in den slowakischen Gemeinden, in: Lutherische Kirche in der Welt. JMLB 41, 1994, S. 176 – 184. Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 01-2012 Gemeinde mit meinem Dienst begleitete. Erst nach der Wende kam dann die Ausweitung. Aber hier soll ich nicht davon berichten, sondern vom Amtsverständnis der Confessio Augustana. Die Reformation Martin Luthers begann als eine Reformbewegung innerhalb der einen heiligen christlichen Kirche. Trotz aller Kritik an mancher Fehlentwicklung des kirchlichen Amtes und an den Fehlern der einzelnen Amtsträger hat Luther doch nie eine Kirche ohne das Predigtamt denken wollen und können. Paulus hatte schon an die Römer geschrieben, dass der Glaube aus dem Hören des Wortes kommt (fides ex auditu) und dass die Prediger für den Glauben wichtig sind6. Obwohl Luther die Mauern der Romanisten und darin die Sonderstellung des geistlichen Standes scharf angriff 7, war ihm doch das Predigtamt wichtig. Was in CA 5 zum Ausdruck kommt, steht in Einklang mit Luthers Theologie8. Wie in Römer 10 die enge Verzahnung zwischen der Rettung und dem Amt zum Ausdruck kommt, so auch in CA 5. Der Artikel „vom Predigtamt“ – wie die deutsche Überschrift lautet – ist so eng mit dem Artikel über die Rechtfertigung verzahnt, dass er im lateinischen Text sogar grammatikalisch nicht mit einem neuen Satz beginnt, sondern mit einem „ut“ direkt an CA 4 an schließt. „Ut hanc fidem consequamur, institutum est mi6 Römer 10, 14 – 17. 7 So in: An den christlichen Adel..., 1520, WA 6, S. 406 – 411. 8 Vgl. Wilhelm Maurer, Historischer Kommentar zur Confessio Augustana, Bd. 2: Theologische Probleme, Gütersloh 1978, S. 139 – 151. 15

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