Informationen des Thüringer Pfarrvereins e.V. Januar - März 2013

 

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Neues aus dem Thüringer Pfarrverein

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Thüringer Pfarrverein Januar /Februar / März 2013 Januar - März 2013 Nr. 1 | 3. Jahrgang 2013 3 Editorial und Grußwort des Vereinsvorsitzenden 6 Laudatio für KR i.R. Paul-Gerhard Kiehne 8 Abberufung wegen einer nachhaltigen Störung in der Wahrnehmung des Dienstes - Vortrag von Prof. Kittel auf der Mitgliederversammlung 14 Freie Termine in der Ferienanlage Lubmin 15 Einladung zum Pfarrertag 19 GAW Thüringen - neue Entwicklungen 23 Geburtstage

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Editorial von Mgr. Dr. Miloš Klátik, Generalbischof der Evang. Kirche A.B. in der Slowakei, gehalten auf dem Pfarrertag in Württemberg 2012 Miteinander glauben und arbeiten in wechselvollen Zeiten Vor zwanzig Jahren ist aus der Zweieine Dreikirchen-partnerschaft geworden. Damals als Pfarrer in Bratislava-Petržalka und Mitglied in unserem Vereinsvorstand habe ich erlebt, wie der Thüringer Pfarrverein hinzukam, der noch einmal eine ganz andere Sichtweise einbringen konnte. So waren zwei Pfarrvereine aus Deutschland unsere Partner geworden, die sich in unterschiedlichen Systemen etablieren durften bzw. mussten. Die Württemberger einerseits halfen mit großer Tatkraft: die Thüringer, selbst viele Jahre Empfänger so mancher Hilfe und gerade erst in Demokratie und Kapitalismus angekommen, brachten andererseits viel Verständnis für uns mit, hatten sie doch fast gleiche Auseinandersetzungen erlebt. Dazu gehörten die Bedrängnisse eines kommunistischen Geheimdienstes und die Erfahrung, von anderen Christen jenseits der Grenze gestärkt zu werden. Eine ambivalente Gefühlslage war das oft: In Unfreiheit, machtlos und die Mittellosigkeit in Kauf nehmend hatten wir uns um den aufrechten Gang gemüht, gegenüber einem leicht zu identifizierenden Gegner. In Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 01-2013 kürzester Zeit, der die Seele kaum zu folgen vermochte, zur politischen Frei heit gelangt, standen wir nun vor Fragen, wie wir den Verlockungen von Geld und manchmal auch Macht begegnen sollten, welche Kompromisse einzugehen sind und welche nicht. Sind wir in finanzieller Hinsicht zwar Empfänger, so danken wir vor allem für den gleichberechtigten, regen Austausch über Fragen und Antworten des Glaubens. Ich bin fest davon überzeugt, dass dies uns langfristig miteinander verbinden wird. Als Generalbischof der Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in der Slowakei nehme ich die Dreikirchenpartnerschaft nun noch aus einem anderen Blickwinkel wahr. Ich sehe die zu großem Vertrauen und enormer 3

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Konstanz über viele Jahre gewachsene Partnerschaft zur Evangelischen Kirche in Württemberg und die nach der Fusion von der Thüringer Landeskirche und der Kirchenprovinz Sachsen zur Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland zu pflegenden Beziehungen, die sich allmählich neu ordnen. Dankbar sind wir für die sich bisher so verlässlich erwiesenen Partner, wie den Thüringer Pfarrverein und das GustavAdolf-Werk in Thüringen, die wir an unserer Seite wissen. Neben allen Veränderungen, die die Zeit für unsere Kirchen mit sich bringen mag, müssen wir alles sorgfältig pflegen, was sich als tragfähig erwiesen hat. Dazu zähle ich erstens unseren lutherischen Glauben und zweites dessen Gefäße, die unsere Vorfahren uns anvertraut haben, und die wir oft leichtfertig als bloße Strukturen für marginal und dem Zeitgeist unterliegend (v)erachten, und drittens die Schwestern und Brüder, die für beides bereit sind einzustehen, denen ich voller Hochachtung über die letzten Jahre begegnen durfte. So danke ich Gott für das Geschenk, mit Ihnen glauben und arbeiten zu dürfen. Dr. Miloš Klátik Grußwort von Martin Michaelis auf dem Pfarrertag Bad Mergentheim 15. Oktober 2012 Hochverehrter Herr bischof, lieber Bruder le, liebe Schwestern und LandeZweigBrüder, ich freue mich, einmal probieren zu können, wie es sich anfühlt, bei einem Pfarrertag einen Landebischof begrüßen zu dürfen, denn das geht nicht so oft und überall. Ein bisschen habe ich mich gefragt, wie ich zu der Ehre komme, ein Grußwort für alle deutschen Pfarrvereine zu sagen. Heute früh ist es mir klar geworden als ich von der Präsidentin Ihrer Synode Frau Dr. Christel Hausding gehört habe, wovor die Württemberger Angst haben: Vor Verhältnissen wie in Mitteldeutschland. ������������������ Ich komme aus dieser Kirche! Also, ich bin gern wieder zu ihrem Pfarrertag gekommen und gern überbringe ich die Grüße aus Thüringen und nun auch aus Sachsen-Anhalt, also aus der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, die Grüße des Thüringer Pfarrvereins. Ich tue das auch stellvertretend für die anderen befreundeten Vereine, insbesondere dem aus der Slowakei, und aus dem Vorstand des Verbandes der Pfarrvereine. Ich wünsche Ihnen Gottes Segen für Ihr Zusammensein. Gutes Gelingen für diesen Tag brauche ich Ihnen nicht zu wünschen, wie ich sehe. Grüßen möchte ich Sie mit einem Wort aus dem Kolosserbrief des Paulus: Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 01-2013 4

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Kol 4,3-4 Betet zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir das Geheimnis Christi sagen können, um dessentwillen ich auch in Fesseln bin, damit ich es offenbar mache, wie ich es sagen muss. Wir freuen uns, wenn wir wie jedes Jahr zu Ihnen kommen dürfen. Ich erinnere mich an eine Frau, die als Erwachsene zum Glauben kam und dann Kirchenälteste war. Sie sagte, was nach ihrer Auffassung ganz wichtig für eine christliche Gemeinde sei. Da war nicht zuerst die Rede von festem Glauben, Taufzahlen und Konfirmation, sondern etwas ganz banal Scheinendes: Wie oft besuchen sich die Menschen untereinander und nehmen gegenseitig am jeweiligen Leben teil? In diesem Sinne verstehe ich unsere gegenseitigen Besuche. Wir können sehen und uns erzählen, wie es uns geht, was uns freut, was uns bedrückt. Natürlich könnte ich Ihnen jetzt berichten, vor welchen Problemen und in welchen Auseinandersetzungen wir in der EKM stehen, welchen Stand die Pfarrer genießen oder verteidigen müssen, welche Hilfe und welche Last dabei die Kirchenleitung ist, die Sie ja zum Teil kennen. Unter welchen Infektionskrankheiten wir leiden. Ein neuer Virus greift da um sich, Fusionitis ecclesiae oder so ähnlich heißt er, und welche Symptome er hat, wie er sich lähmend auf das Sozialverhalten auswirkt usw. Ich will da jetzt nicht zu viel erzählen, weil das nicht Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 01-2013 nur den Rahmen sprengen und ihre Württembergischen Ängste schüren würde, sondern auch die Tagesordnung stören würde, denn Sie müssten wahrscheinlich erkennen, dass es nötig wäre, im Sinne des Paulus ein langanhaltendes Gebet dafür einzuschieben, dass Gott uns eine Tür für sein Wort auftäte. Manchmal denke ich, dass alles, was als Reformen daherkommt und heute einen so hohen Stellenwert genießt, zum Teil auch in der Kirche, sinnlos ist, wenn unser Zusammenleben in den Kirchen und Gemeinden nicht funktioniert. Zumal wir Strukturveränderungen, die meistens Kürzungen sind, als Reformen verkaufen, um alle berechtigten Zweifel und Widerstände zu zerstreuen, denn bei den Evangelischen scheinen ja Reformen einfach dazuzugehören, weil wir von der Reformation herkommen. Doch als Pfarrer müssen wir danach fragen, ob das wirklich Reformen im Sinne der Reformatoren sind. Sie sind es nicht, denn ihr Ziel ist das wirtschaftliche Überleben der Kirchen, nicht das geistliche. Sie wollen uns nicht zurück ad fontes, zu den Quellen führen, wie Melanchthon das wollte. Sie wollen etwas Neues, doch das wollten die Reformatoren gerade nicht. Wenn wir also uns gegenseitig besuchen, dann sollten wir uns gegenseitig helfen, dass wir uns nicht irre machen lassen. Wir sind diejenigen, die kraftvoll darauf zu achten haben, dass wir das Geheimnis Christi sagen können. Nichts anders darf auch nur annähernd gleich wichtig werden, alles hat dem zu dienen, hat in diesem Sinne Magd der 5

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Theologie zu sein. Deshalb kommen wir gern und besuchen Sie hier und bitten Sie zugleich, ein waches Auge und vor allem einen wachen Geist zu haben für das, was in den anderen Kirchen geschieht während diese Infektionskrankheit grassiert. Da darf es keine Kollateralschäden im Umgang miteinander geben, wie wir das beispielsweise bei der gewalttätigen Auflösung des GAW-Thüringen gegenwärtig erleben. So wünsche ich Ihnen bei den Auseinandersetzungen um das Wort Gottes mit den Worten des Paulus aus Kol 4,6: Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt, dass ihr wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt. Martin Michaelis. Kiehne mit Gottes Hilfe und im Kreise Ihrer Familie Ihren 80. Geburtstag feiern. - Namens des Vorstandes und der Mitglieder des Thüringer Pfarrvereines möchte ich Ihnen zu diesem Tag von ganzem Herzen gratulieren und für Sie den Segen unseres HERRN erbitten. Es war der Tag der Apostel Simon und Juda, über dem das Wort des Propheten Jesaja steht, das ich als Überschrift für meinen „Geburtstagsbrief“ gewählt habe: „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen.“ Wenn ich in diesen Tagen zurückschaue auf mehr als 30 Jahre gemeinsame Arbeit im Dienst der Evang.-Luth. Kirche in Thüringen und ihrer Pfarrerschaft (und auch heute noch in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland), dann stelle ich fest: JA, dieses Wort des Propheten trifft den Kern Ihres Dienstes und Ihrer Person. Sie waren ein leidenschaftlicher Prediger des Friedens und des Heils und gehörten oft zu den Freudenboten in vielen Pfarrhäusern unserer Landeskirche. Noch mehr verstärkt sich dieser Eindruck für mich, wenn ich auf den Wochenspruch aus dem Römerbrief jener Woche blicke, die mit Ihrem Geburtstag begann: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ - Auch dieses Wort beschreibt so treffend Ihre Art zu leben und zu handeln. Ein Mann der leisen Töne und der liebevollen Freundlichkeit, so habe ich Sie oft kennengelernt. Und das durchzieht im Grunde genommen, Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 01-2013 Kirchenrat i. R. PaulGerhard Kiehne, dem „Vater des Thüringer Pfarrvereins“ zum 80. Geburtstag. „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen.“ Lieber Bruder Paul-Gerhard Kiehne, jeder, der Sie kennt, glaubt es kaum, aber die Zahlen im Kalender bestätigen es. Am 28. Oktober 2012 durften Sie, lieber Kirchenrat i. R. Paul-Gerhard 6

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mein ganzes Pfarrerleben. Es begann noch in der Vikarszeit in Zoppoten, als Sie mich im Auftrag des Ältestenrates der Thüringer Pfarrervertretung um Unterstützung des damaligen Obmannes Peter Wohlleben bei der Betreuung der Ferienhäuser an der Bleilochtalsperre baten. Wenige Jahre später übernahmen Sie die Aufgaben des Obmannes und ich wurde als junger Pfarrer in den Ältestenrat gewählt. Aber nie habe ich das Gefühl gehabt, dass ich eine Alibifunktion ausfüllte oder von Ihnen als „grüner Junge“ angesehen wurde. Ihre Kunst der geschwisterlichen Leitung hat mich getragen und ermutigt, wenn es nötig war, in „jungen Jahren meinen Vorgesetzten zu widersprechen“, wie es mir unser Altbischof W. Leich zu meinem 60. Geburtstag geschrieben hat. - Gern denke ich an eine Begebenheit zurück, als eines unserer Ferienhäuser in großer Gefahr war, durch Windbruch zerstört zu werden. Drei Förster waren der Meinung, nach langer Beratung, den Baum fallen zu lassen, dann „sei das Problem gelöst“ (das ungeliebte Haus im Wald beseitigt). Sie blieben ruhig und freundlich, warteten ab und holten nach der Abreise der Fachleute eine Seilwinde aus Ihrem Auto. Der Baum wurde mit Gottes und der Winde Hilfe in die entgegengesetzte Richtung gezogen und das Haus war gerettet, heute ist es eines der Schönsten unserer Häuser. Dieses Beispiel ist genau genommen ein Bild für Ihre Art, Ihren Dienst auszuüben. Nennen wir es die Kunst der stillen Freundlichkeit und des Klopfens an viele Türen. Sie haben damit das alte Anliegen der Verordnung für die Bildung der Thüringer PfarrerverMitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 01-2013 tretung von 1951, nämlich durch eine zukunftsfähige Konstruktion, die Pfarrerschaft über ihre gewählten Vertreter am kirchenleitenden Handeln und an der Gesetzgebung zu beteiligen, zu der für uns denkbar besten Form geführt. Was zur Folge hatte, dass viele Problemfälle durch frühzeitiges Einbeziehen des Obmannes oder des jeweiligen Vertrauenspfarrers geräuschlos behandelt und gelöst werden konnten. - Sicher waren diese Töne manch einem unserer Schwestern und Brüdern oft zu leise, aber sie waren wirksam und für den Dienst segensreich, denn sie füllten Ihre, unsere Überzeugung, dass es einen untrennbaren Zusammenhang zwischen dem Pfarrdienst und dem Gemeindeleben, und damit zwischen den Arbeitsbedingungen der Pfarrfamilien und den Gemeinden gibt, mit Leben. Lieber Bruder Kiehne, Sie leben fast 20 Jahre im Ruhestand, der für Sie all die Jahre ein Unruhestand war und ist. Sie haben noch viele Jahre den Vorsitz des Pfarrvereines getragen, kümmern sich noch heute um unsere Ruheständler und arbeiten in der neuen Pfarrervertretung der EKM mit, Sie sind das lebendige Archiv unseres Vereins. Dafür danken wir Ihnen und wünschen Ihnen und uns noch viele gemeinsame Zeit. - Also: Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun. - Gott befohlen, Ihr 2. ������������������������������������ Vorsitzender des Thüringer Pfarrvereins 7

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Vortrag vom Prof. em. Dr. Gisela Kittel, Bielefeld auf der Mitgliederversammlung am 19. September 2012 in Neudietendorf Abberufung wegen einer nachhaltigen Störung in der Wahrnehmung des Dienstes“ - Die Praxis von Kirchenbehörden und das Wesen der Kirche. 1 Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mit-Theologinnen und Theologen! Sie wundern sich vielleicht, dass ich, eine pensionierte Professorin und aus NRW angereist, heute vor Ihnen stehe und zu dem genannten Thema spreche. In der Tat: Noch bis vor zwei Jahren habe ich mit dieser Thematik nichts zu tun gehabt. Ich bin Bibeltheologin und habe bis 2005 an der Universität Bielefeld im Rahmen der Ausbildung zukünftiger Grundschul- und Sekundarschullehrerinnen und –lehrer die Fächer Altes und Neues Testament und Biblische Didaktik unterrichtet. Ich war in früheren Zeiten aber auch meiner kleinen Heimatkirche, der reformiert geprägten Lippischen Landeskirche, sehr verbunden, habe 16 Jahre lang der Synode angehört, 12 Jahre den Theologischen Ausschuss geleitet, war Mitglied der Theologischen Prüfungskommission für beide Theologischen Examina. Und dann besuchte mich vor zwei Jahren die Frau eines mir bis dahin nur 8 aus der Ferne bekannten Pfarrers, der in einen in der Presse breit getretenen Gemeindekonflikt verwickelt schien und kurz vor seiner Abberufung stand. Ich habe über diesen Fall im Deutschen Pfarrerblatt , Heft 6, 2010, S.325f, berichtet. Damals fragte ich mich erschrocken: Wie kann es so etwas in der evangelischen Kirche geben? Was ist das für ein Gesetz, das Pfarrer und Pfarrerinnen schutzlos angezettelten Kampagnen und Verleumdungen ausliefert? Wie können Kirchenleitungen so handeln und ohne Gemeindebefragungen, ohne Untersuchung und Wahrheitsfindung einen Pfarrer oder eine Pfarrerin als Sündenbock in die Wüste schicken? Kann es denn wirklich gelten, dass, wer am lautesten schreit und das Ohr der Kirchenleitung gewinnt, sich auch durchsetzt? Solch ein Gesetz muss doch geändert werden! Ich hoffte im Sommer 2010 noch auf die EKD, in der ein für alle Landeskirchen verbindliches neues Pfarrdienstgesetz Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 01-2013

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in der Erarbeitung war. Doch auch diese Hoffnung trog. Ohne Diskussion und ohne eine Gegenstimme hat die Synode der EKD am 10. November 2010 dieses Pfarrdienstgesetz beschlossen, das in den §§ 79ff die Möglichkeit von Abberufungen wegen „ungedeihlichen Wirkens“ (so hieß der Tatbestand früher) nicht nur bestätigt, sondern sogar noch verschärft. Die ganze kirchliche Diskussion drehte und dreht sich um die Frage der „gleichgeschlechtlichen Partnerschaften“ im Pfarrhaus (PfDG EKD § 39), um die Paragraphen 79ff kümmerte sich niemand. Gesetze sind dazu da, dass in Konfliktfällen ordnend eingegriffen und für Recht gesorgt werden kann. Wo es keine Konflikte gibt, braucht man auch keine Gesetze. Deshalb ist die hier verhandelte Thematik vielen Kollegen und Kolleginnen, die sich noch sicher in ihren Pfarrstellen fühlen, auch ziemlich gleichgültig. Doch was geschieht im Konfliktfall? Eignen sich die beschlossenen Gesetze, um tatsächlich für Gerechtigkeit und Frieden zu sorgen? Ein Blick in das neue Pfarrdienstgesetz und seine Begründung lässt ernste Zweifel aufkommen. 1 1 Die Texte finden sich im Internet unter www.kirchenrecht-ekd. de, Online-Rechtssammlung. Das Gesetz selbst steht unter 4.0 PfDG EKD, die jetzt als „nichtamtlich“ apostrophierte Begründung unter 1004.1 Begründung zum PfDG. Den Versetzungstatbestand wegen einer „nachhaltigen Störung in der Wahrnehmung des Dienstes“ regeln die §§ 79 (2)5 und 80 (1) und (2), die Überführung in den dreijährigen Warte- und anschließenden vorgezogenen Ruhestand die §§ 83 (2); 84 (3) und (4); 92 (2). Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 01-2013 Die Unversetzbarkeit von Pfarrern war ein durch die Jahrhunderte hochgehaltenes Gut. Unabhängig und frei von Menschenmeinungen sollte ein Pfarrer das Evangelium verkündigen und auch unbequeme Wahrheiten der Gemeinde sagen. Nur wenn er „falsche Lehre“ verkündigte oder sich schwerer disziplinarischer Verfehlungen schuldig machte, konnte ein Pfarrer sein Amt verlieren. Festgehalten ist dies als ferne Erinnerung auch noch im jetzigen Gesetzestext, in dem es in § 79 (2) heißt, dass „Pfarrer und Pfarrerinnen...um der Unabhängigkeit der Verkündigung willen nur versetzt werden (können), wenn …“ Doch was dann hinter diesem „wenn“ folgt, ist praktisch eine Aushebelung des alten Grundsatzes2 . Vor allem wird dieser Grundsatz außer Kraft gesetzt durch Punkt 5, dem dann in § 80 (1) weitere Erläuterungen folgen. Auffällig ist in § 80 (1) schon das Wörtchen „oder“. Nicht nur die Zerrüttung des Verhältnisses zwischen einer Pfarrerin oder einem Pfarrer und „nicht unbeträchtlichen Teilen der Gemeinde“ ist angesprochen, sondern schon die Zerstörung des „Vertrauensverhältnisses“ zwischen ihm oder ihr und dem Vertretungsorgan der Gemeinde lässt den § 79 (2) 5 zur Anwendung kommen. Und dass beide Sachverhalte nicht „kumulativ“ zu sehen sind, sondern jeder für sich ausreicht, um die Versetzung einzuleiten, betont ausdrücklich der Begründungstext zu § 80 (1). Wie aber will man nachweisen, dass ein 2 Vgl. vor allem die Punkte 3 und 4, die eine Versetzung möglich machen, wenn nur “ein besonderes kirchliches Interesse“ besteht. 9

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„Vertrauensverhältnis“ zerstört ist? Ist dies überhaupt ein nachprüfbarer Sachverhalt? 3 Und wer sind die „nicht unbeträchtlichen Teile der Gemeinde“? Doch die größten Fragen wirft der letzte Satz in § 80 (1) auf, in dem es heißt: “Die Gründe für die nachhaltige Störung müssen nicht im Verhalten oder in der Person des Pfarrers oder der Pfarrerin liegen.“ Das klingt zunächst human. Hier soll also nicht Schuld zugewiesen, schmutzige Wäsche gewaschen werden. Die Beteiligten können – angeblich – ihr Gesicht wahren. Doch man kann diesen Satz auch umkehren, und in dieser juristischen Umdrehung wird er heute angewandt. Gerade weil die Gründe für einen Konflikt nicht im Verhalten oder der Person des betroffenen Pfarrers oder der Pfarrerin zu liegen brauchen, muss auch nichts geklärt, nichts untersucht, nichts nachgefragt werden. Alle bösen Gerüchte, alle Behauptungen oder gar Verleumdungen bleiben im Raum stehen. Die den Antrag auf Abberufung ihres Gemeindepfarrers oder ihrer Gemeindepfarrerin stellen und die Beschuldigungen einreichen, müssen für ihre Aussagen nicht geradestehen. Sie dürfen sogar anonym bleiben - vor der Gemeindeöffentlichkeit, die die Behauptungen ja überprüfen könnte, aber auch vor dem Beschuldigten selbst. Auch er oder sie weiß in den meisten Fällen nicht einmal, was gegen ihn/ sie vorgebracht wurde und von wem. 3 Der Pastoralpsychologe Traugott Schall spricht von einer „Totschlagsphrase“, die „sich vorzüglich zum Etikettenschwindel im Machtkampf und zum Kaschieren von Aggressionen nach erlebter Kränkung“ eignet. Vgl. T. Schall, Kuckucksei im Pfarrerdienstgesetz, in: DPfBL 6/2011, 320. 10 Trotzdem greift die Kirchenbehörde ein und verfügt die Versetzung. Doch wohin soll sich ein abberufener Pfarrer oder eine Pfarrerin wenden, wohin sich bewerben? Denn die Betroffenen müssen sich selbst eine neue Stelle suchen. Werden sie aber – stigmatisiert durch den ganzen Vorgang – eine solche finden? Die Paragraphen 83 (2) und 92 (2) zeichnen den Weg vor. Wenn der Pfarrer oder die Pfarrerin in keine neue Stelle gewählt wird, folgt der Wartestand mit verminderten Bezügen und nach drei Jahren weiterer vergeblicher Suche der vorgezogene Ruhestand mit einer nochmals reduzierten Pension. Es gibt bereits eine sehr hohe Zahl ausgemusterter Pfarrer und Pfarrerinnen, die auf diesem Weg um ihren Beruf, ihre Ehre, ihre Ersparnisse – ja, in manchen Fällen auch um ihre Familien – gebracht worden sind. Und das um eines Tatbestandes willen, zu dem es im Gesetz ausdrücklich heißt, dass „die Gründe… nicht im Verhalten oder in der Person der Pfarrerin oder des Pfarrers“ liegen müssen4. Das ist eine Bestrafung! Eine 4 Vgl. weiter folgende Sätze im Begründungstext: „Allerdings ist auch festzuhalten, dass es letztendlich unerheblich ist, wer die Zerrüttung und Zerstörung des Vertrauensverhältnisses zu verantworten hat oder verschuldet hat. Die Versetzung ist auch dann zulässig, wenn die Gründe für die Zerrüttung nicht in dem Verhalten der Pfarrerin oder des Pfarrers liegen; ebenso, wie sie im Charakter oder Verhalten der Pfarrerin oder des Pfarrers gegeben sein können, können die Gründe für eine Zerrüttung auch in dem Charakter oder Verhalten von Presbytern, Amtsbrüdern, kirchlichen Mitarbeitern oder Gemeindegliedern Liegen. Eine Prüfung der Frage, wer oder was der derzeitigen Pfarrerin oder dem derzeitigen Pfarrer die gedeihliche Führung des Pfarramts unmöglich gemacht hat, verbietet sich im Allgemeinen, weil Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 01-2013

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Bestrafung ohne Schuldnachweis! Denn auch wenn die Kirchenbehörden nicht von „Strafe“ sprechen wollen, da es sich ja nicht um ein Disziplinarverfahren handele5, entsprechen die Folgen des Verfahrens der zweithöchsten Strafe, die das Disziplinarrecht (etwa der EKD6) kennt. Und diese Bestrafung wird verfügt ohne Untersuchung der Hintergründe, ohne Wahrheitsfindung, im Wissen darum, dass „die Gründe… nicht im Verhalten oder in der Person der Pfarrerin oder des Pfarrers“ liegen müssen! Mit rechtsstaatlichen Grundsätzen hat ein solches Kirchenrecht nichts zu tun! Doch nun stehe ich vor Ihnen als Theologin. Und der Untertitel meines Themas lautet: „Die Praxis von Kirchenbehörden und das Wesen der Kirche“. So möchte ich nun noch einen Schritt weitergehen und theologisch nach dem Bild von Kirche, nach dem Verständnis vom Wesen einer christlichen Gemeinde, nach der Auffassung vom Auftrag des Pfarramtes fragen, die in diesem Gesetz und seiner Begründung vorausgesetzt werden. Oder einfacher und säkular gesprochen: Welches sind die „Werte und Normen“, die sich in dieser Rechtssetzung verbergen? Eine Antwort ist bereits im zweiten Abschnitt des Begründungstextes zu § 80 (1) zu finden7: diese Frage als solche unerheblich ist.“ 5 Vgl. das folgende Zitat S. 3 und dazu Anm. 7. 6 Vgl. das Disziplinargesetz der Evangelischen Kirche in Deutschland (DG.EKD), §§ 14-16. Zu finden unter www.kirchenrechtekd.de, Online-Sammlung 4.9.1. 7 Der Begründungstext fußt auf den Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 01-2013 „Sinn und Zweck der Norm ist es, sicherzustellen, dass die Verantwortung für die Einheit der Gemeinde und der Kirche in Lehre und Leben wahrgenommen und der Zusammenhalt und die Zusammenarbeit der Gemeindeglieder gefördert werden kann. Die Norm soll eine fruchtbare Führung des Pfarramtes sicherstellen und ist damit eine Maßnahme, die nicht so sehr die Pfarrerin oder den Pfarrer als vielmehr das Pfarramt selbst zum Gegenstand hat. Obwohl die Maßnahme die Pfarrerin oder den Pfarrer trifft, handelt es sich nicht um eine Disziplinarmaßnahme.8 Die Betroffenheit der Pfarrerin oder des Pfarrers ist nur unvermeidliche Wirkung, nicht aber Zweck der Maßnahme, die nur dem Ziel dient, den Frieden in der Kirchengemeinde wiederherzustellen.“ Da ist vom „Frieden“ die Rede und dass dieser wiederhergestellt werden muss, von der „Einheit der Gemeinde“ und von der „fruchtbaren Führung des Pfarramtes“. Doch was für ein Friede und welche Einheit sind gemeint? Und was wird unter dem „fruchtbaren Wirken“ des Pfarrers oder der Pfarrerin verstanden? Ist es der Friede Jesu Christi, der sich Entscheidungen der VELKD und UEK-Gerichte. Im Originaltext sind Hinweise auf die Aktenzeichen der Gerichtsurteile zwischen den Sätzen eingefügt. Sie sind hier um der besseren Lesbarkeit willen ausgelassen. 8 Für Kirchenjuristen und Landeskirchenämter sind die oben beschriebenen schlimmen Folgen eines Abberufungsverfahrens also nur „Kollateralschäden“! 11

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da ausbreitet, wo sich alle gemeinsam unter das Kreuz Jesu Christi stellen und in ihm, in seinem Versöhnungswerk, ihre Einheit finden? Handelt es sich um den Frieden, der nicht ohne Wahrheit, ohne Buße und Vergebung gefunden werden kann, in dem sich am Ende alle am Konflikt Beteiligten als der Gnade Christi bedürftige Sünder wiedererkennen? Und besteht das fruchtbare Wirken eines Pfarrers und einer Pfarrerin darin, dass sie die Gemeinde mit Gottes Wort und Wahrheit konfrontieren und aus so mancher Verschlafenheit und Gleichgültigkeit aufstören? Nein! Was im Kirchengesetz als oberster Wert und letzte Norm vorausgesetzt wird, ist die Störungsfreiheit . Und eine Gemeinde, in der es zu keinen Konflikten kommt, die nach außen hin ein harmonisch-friedliches Bild abgibt, ist das hohe Ziel. Das fruchtbare Wirken eines Pfarrers aber wird daran gemessen, ob er seine Gemeinde - komme, was da wolle - „störungsfrei“ halten kann. 9 Weil dies die obersten Ziele sind - Ziele, die nicht der heiligen Schrift entnommen, sondern nach den Maßstäben weltlichen Denkens gesetzt sind10 - fallen auch die Lösungswege entsprechend aus: 9 Vgl. die immer wiederkehrende Rede von der „Störung des Gemeindefriedens“ und die Wendung „störungsfreies, also fruchtbares Wirken der Pfarrerin oder des Pfarrers“. 10 Wie es mit den „Störungen“ in der heiligen Schrift bestellt ist, wie sie sich bei Jesus, bei Paulus und dann immer wieder in heilsamer Weise in der Kirchengeschichte ereigneten, habe ich in „Appell und Warnung“ (vgl. Anm.1), Teil III, angesprochen. 12 a) Konflikte werden personalisiert. Eine Sachfrage, eine einungsverschiedenheit entzweit einen Kirchenvorstand, die Mitarbeiterschaft oder die Gemeinde. Doch plötzlich wird jemand entdeckt, auf den man seinen Ärger abladen kann. Und dieser „identifizierte Patient“ – wir reden gewöhnlich vom „Sündenbock“ - ist fast immer die Pfarrperson. Wenn er oder sie nicht mehr da wäre, sei, so wird dann behauptet, die Gemeinschaft wieder heil. b) Das Zerrüttungsprinzip, aus dem weltlichen Scheidungsrecht bekannt, wird in die christliche Gemeinde übertragen. Wie gemäß dem weltlichen Scheidungsrecht eine Ehe wegen Zerrüttung geschieden werden kann, so sollen nun auch in einer christlichen Gemeinde Menschen voneinander getrennt werden. c) Da eine Konfliktbearbeitung viel zu langwierig und aufwändig erscheint, ist eine Lösung ohne Wahrheitsfindung am einfachsten. Sie ist auch für die kirchliche Verwaltung der bequemste Weg. Einer/Eine muss gehen und über alles schweigen. Alle übrigen aber sollen nun nach vorne blicken und sich doch bitte untereinander versöhnen. Doch kann so Frieden werden? Im Neuen Testament lesen wir es anders. Da gibt es Spaltungen in der korinthischen Gemeinde und auch anderswo, Auseinandersetzungen über Glaubensfragen und das richtige Verhalten. Es gibt Starke und Schwache, solche, die Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 01-2013

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an der jüdischen Tradition festhalten, und andere, die sich frei dünken. Wird aber deshalb jemand aus der Gemeinde ausgeschlossen? Der Apostel Paulus geht anders mit den vielen und zum Teil heftigen Konflikten in seinen Gemeinden um. Immer wieder hören wir seine beschwörende Frage: „Wisst Ihr denn nicht?“ Wisst ihr denn nicht, wo ihr herkommt, wem ihr gehört, in wem ihr gegründet seid? „ Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln.“ (Röm 6,3f) Der Apostel Paulus erinnert . Er ruft zurück , zurück zu Christus, dem Gekreuzigten. Und er ruft sie alle. Denn da ist Einer für alle gestorben (2. Kor 5,14), nicht damit diese nun weiterleben, als wäre nichts geschehen, sondern damit sie sich alle – nackt und ausgezogen von aller Eitelkeit und Ehrsucht – in seinem Tod vor Gott wiederfinden. Da hat sich Einer zu den Füßen seiner Jüngergemeinde herabgebeugt (Joh 13,1ff) und das, was sie als Schmutz und Dreck von sich wegtreten und anderen aufladen möchte, auf sich selbst genommen, damit sie alle in ihm ihr Gerecht-Sein finden und auch den anderen im Licht seines Friedensdienstes sehen. „Denn Er ist unser Friede, der aus beiden eines gemacht hat und den Zaun abgebrochen hat, der dazwiMitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 01-2013 schen war, nämlich die Feindschaft, durch das Opfer seines Leibes.“ (Eph 2,14) In Ihm, in Jesus Christus, ist die Einheit und ist der Friede vorgegeben. Daher können wir auch nur von Ihm her und in der Rückwendung zu Ihm hin den Frieden empfangen, den wir dann auch untereinander zu leben berufen sind. Drei Positionen seien am Ende formuliert: 1. Es kann keinen Frieden und keine Versöhnung in der christlichen Gemeinde geben, ohne dass sich alle der Wahrheit stellen. Konflikte müssen aufgearbeitet, sie dürfen nicht zugedeckt, nicht „unter den Teppich gekehrt“ werden. Von daher ist die Übernahme des im weltlichen Scheidungsrecht aufgekommenen Zerrüttungsprinzips in ein kirchliches Recht ein Irrweg. Hier wird ein ungeistliches Prinzip in die Kirche eingeführt, das mit dem Wesen der Kirche nicht vereinbar ist. 2. Es kann keinen Frieden und keine Versöhnung in der christlichen Gemeinde geben, wenn auch nur ein Mensch ausgeschlossen und aus der Gemeinde herausgesetzt wird. Auch ein Pfarrer bzw. eine Pfarrerin ist ein Glied der Gemeinde, wenn auch mit einem besonderen Auftrag, und in ihr verwurzelt. Und neben ihm oder ihr stehen in den meisten Fällen auch noch viele andere Gemeindeglieder, die sich durch die Versetzung ihres Pfarrers oder ihrer Pfarrerin gleichzeitig mit herausgesetzt fühlen und nun ebenfalls die Gemeinde verlassen - durch Kirchenaustritt oder 13

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Rückzug in die innere Emigration. Entweder alle gehen mit der Bereitschaft zur Versöhnung aufeinander zu, oder der verbleibende Rest ist nicht mehr eine christliche Gemeinschaft, nicht mehr der Leib Jesu Christi.11 3. Es wird keinen Frieden und keine Versöhnung in unseren Kirchen geben, solange wir nicht endlich das Fundament unseres Glaubens wieder ernst nehmen und bereit sind, danach zu leben. Das Fundament aber ist der „Christus pro nobis“, das Evangelium, dass der Eine für uns alle starb, damit wir alle in ihm und mit ihm sterben und neu zum Leben kommen. Nicht, dass es Konflikte in der christlichen Gemeinde gibt, ist das Ärgernis. Konflikte hat es in der christlichen Kirche immer gegeben, und sie müssen sein, solange die Gemeinden lebendig bleiben. Doch wie wir mit unseren Konflikten umgehen, ob wir uns nur genauso verhalten, wie es in der Welt üblich ist, oder doch andere Wege zum Frieden finden, darum geht es. Das wollen auch Außenstehende mit brennendem Interesse wissen. Doch was wir ihnen bieten … ? 11 Ein leitender Geistlicher kann nicht gegenüber der Unterstützergruppe eines weggemobbten Pfarrers erklären, dass dieser die Gemeinde verlassen müsse, weil es bei seinem Bleiben „keine Versöhnung“ in der Gemeinde (d.h. im aktuellen Kirchenvorstand) gäbe – und dann ein wenig später diese Unterstützer auffordern, sie sollten aber nun auf jene, die den Konflikt vom Zaun brachen und den Betroffenen bei der Kirchenleitung anschwärzten, zugehen und zur Versöhnung bereit sein. Eine nur 2/3 oder 80% Versöhnung gibt es nicht! 14 Freie Termine 2013 in Lubmin 07.03. - 27.03.2013, 04.04. - 12.06.2013, 20.06. - 26.06.2013, 11.07. - 31.07.2013, 29.08. - 27.11.2013 2 Wohnwagenstellplätze sind auch noch verfügbar ! Interessenten wenden sich bitte an das Büro des Pfarrvereins: Frau Heide Tomschke-März Berggasse 2 96523 Steinach Tel: 036762 / 32203 Fax: 036762 / 12495 Mal: pfarrverein-buero@web.de Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 01-2013

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am Mittwoch, dem 13. Juni 2013 im Zinzendorfhaus in Neudietendorf Einladung zum Pfarrertag Thema des Pfarrertages: Engagiert bis zum Umfallen Vortrag 1: Burnout Entstehung und Prävention: Ansätze für Person und Organisation Prof. Dr. Rüdiger Trimpop - Friedrich-Schiller-Universität Jena, Lehrstuhl für ArbeitsBetriebs- und Organisationspsychologie Vortrag 2: Die Strukturveränderungen in unserer Kirche und die Freiheit des Pfarrberufs. Herausforderungen für Pfarrerschaft und Kirchenleitung Oberkirchenrat Michael Lehmann – Personaldezernent der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland 10.00 Uhr 10.15 Uhr 11.15 Uhr 12.30 Uhr 13.15 Uhr anschließend ca. 16 Uhr Andacht Referat: Prof. Dr. Rüdiger Trimpop Referat: OKR Michael Lehmann Mittagessen Gruppenarbeit Diskussionsrunde im Plenum Ende mit Gebet und Segen Wann leuchtet ein Stern am hellsten? Kurz bevor er kollabiert. Oder gehört die helle Leuchten schon zum Kollabieren? Man nennt es Supernova. Kaum jemand hat es mit eigenen Augen gesehen. Wir wissen, dass es so etwas gibt. Es kommt ja nicht so oft vor. Und so in unserer Nähe, dass es uns betreffen könnte, wird es schon nicht geschehen. 150 Lichtjahre, na und, bis die um sind. Doch falsch gedacht! Erst in dem Moment, in dem sie um sind, können wir die Katastrophe wahrnehmen. Wann erbringen wir die glanzvollsten Leistungen? Kurz vor dem Kollaps? Oder sind die Höchstleistungen schon Teil dieses Zusammenbruchs, gewissermaßen dazu da, Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 01-2013 15

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