Informationen des Thüringer Pfarrvereins e.V. Oktober - Dezember 2013

 

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Vortrag zum Pfarrertag

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Thüringer Pfarrverein Oktober / November / Dezember 2013 Oktober - Dezember 2013 Nr. 4 | 3. Jahrgang 2013 3 Editorial 6 Jahresbericht des Vorstandsvorsitzenden 16 Vortrag von Prof. Rüdiger Trimpop „Burnout“ 31 Berichte zum 50. Geburtstag von Miloš Klatik und Besuch evangelischer Repräsentanten beim Slowakischen Präsidenten 36 Impulsheft zu Martin Luther erschienen 39 Geburtstage 40 Trappes Witze-Ecke

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EIN SCHÖNES GEFÜHL. RÜCKHALT. Man kann Leben einfach versichern. Man kann es aber auch einfach sicherer und lebenswerter machen. Gemeinsam tun wir das und unterstützen kirchliche und soziale Projekte. Gute Beratung braucht Zeit für Gespräche. Wir sind für Sie da. Regionaldirektion Hessen-Thüringen Heinrich von Bibra Platz 14 A .36037 Fulda Telefon 0661 72651 thomas.schulze@bruderhilfe.de Menschen schützen. Werte bewahren.

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Editorial vom Michael Thurm, stellv. Vorsitzender des Thüringer Pfarrvereins, Pfarrer in Rudolstadt „Wohl dem Menschen, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen…“ Dieser Satz fiel mir beim Lesen eines Leserbriefes unter der Überschrift „Verharren in der Vergangenheit“ eines gewissen Manfred Zerner aus Unterwellenborn ein, in welchem er einen Beitrag „Gedanken zur Woche“ zum Anlass nahm, die ganze Kolumne aufs heftigste anzugreifen, indem er folgende Sätze formulierte: „Was da häufig krampfhaft formuliert und fabuliert wird, ist im Kern ein Verharren der Autoren in jenen längst vergangenen Zeiten in denen sich die mythologisch-religiösen Glaubensinhalte entwickelten. Angesichts der… naturwissenschaftlichen Erkenntnisse, die eine völlig neue Weltbilddarstellung vermitteln, sind viele dieser oft seltsamen ‚Gedanken zur Woche’ weder plausibel, noch notwendig. Es bewahrheitet sich ein Zitat von Georg Christoph Lichtenberg: ‚So viel ist ausgemacht, die christliche Religion wird mehr von Leuten verfochten, die ihr Brot von ihr haben, als solchen, die von ihrer Wahrheit überzeugt sind.’“. Nun wurde ich gebeten wieder einen Beitrag für unser Mitteilungsheft zu schreiben. Dabei kam mir dieser Leserbrief in der OTZ wieder in Erinnerung. Darin greift der Schreiber in längst vergangen geglaubter Art und Weise nicht nur uns Pfarrer, sondern genaugenom Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 04-2013 men alle Christen an. Ich meine, das dürfen ordinierte Pfarrer nicht unwidersprochen in der Öffentlichkeit stehen lassen und so habe ich versucht auf dieses Machwerk in eben dieser Zeitung mit einem Leserbrief zu antworten. Leider wurde dieser trotz mehrmaligen Kürzens nie gedruckt. Mit seinem harschen und z.T. unsachlichen Ton lieferte er mir die Bestätigung zu einer Beobachtung in meinem siebenunddreißigjährigen „Pfarrerleben“ und bestätigte mir meine Erfahrungen als Kind und Pfarrerssohn in der untergegangenen DDR. - Zunächst meine Erfahrung: Wie oft musste ich mir von sogenannten Neulehrern anhören, dass meine Eltern zum „Klassenfeind“ und zu den Revanchisten gehörten und dem Sozialismus in seinem Lauf im Wege standen. Und dann auch noch: „Gagarin 3

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war im Himmel und hat dort keinen Gott gefunden“. Mein Vater als begeisterter Flieger und den neuesten naturwissenschaftlichen Entdeckungen stets offen gegenüberstehender Pfarrer entgegnete damals solch einem Lehrer. „Wenn es meinen Herrgott nicht gäbe, der alles so weislich geordnet hat, wäre Gagarin gar nicht bis in den ‚Himmel’ gekommen.“ Später, bei meiner Berufsfindung und dem Entschluss Theologie zu studieren, hieß es „überlege dir das gut, denn 1985 gibt es keine Kirche mehr, dann gibt es nur noch sozialistische Persönlichkeiten, die brauchen keinen Gott“ denn „ohne Gott und Sonnenschein bringen wir die Ernte ein“. 1989 bewahrheitete sich die Umkehrung dieses in den 60iger Jahren flott daher gesagten Spruches, nämlich „ohne Sonnenschein und Gott geht die ganze Welt bankrott“. Es gab noch eine Kirche und mit Gottes und vieler mutiger Menschen Hilfe konnte die bankrotte DDR durch eine friedliche Revolution umgestaltet werden. Nun meine Erfahrung: Nach einem Jahrhundert mit furchtbaren Kriegen, die wohlgemerkt Menschen aus Hochmut, Gewinnsucht und Neid heraus angestiftet und geführt haben und nach zwei ideologiegeprägten Diktaturen hat sich bei vielen Menschen große Gottverdrossenheit ausgebreitet, die sich vor allem in einer ideologiebehafteten Kirchenfeindschaft äußert. Ja, ich vermute sogar, dass diese Haltung mit einer verdrängten oder fehlgeleiteten Schuldfrage in direktem Zusammenhang steht: ‚Ich war doch an der Katastrophe nicht schuld!’ Da ist es doch leichter den Herrgott, wenn es ihn denn gibt, dafür verantwortlich zu machen. ‚Wie kann 4 denn der liebe Gott so etwas zulassen?!’ - Interessant ist, dass sich dabei religiöse Sehnsüchte in keiner Weise in Luft aufgelöst haben. Diese Menschen „glauben“, d.h. vertrauen, an, bzw. auf vielerlei Dinge und suchen sich eine religiöse Heimat an Orten (wie Indien), die nun gar nicht unserem Kulturkreis entsprechen. Ja, es bewahrheitet sich der alte Spruch, „wo der Glaube zur Tür hinausgeht, da kommt der Aberglaube zum Fenster herein“. Dazu sagte der hochgeachtete Journalist Peter SchollLatour 2009 in einem Interview auf die Frage „Herr Scholl-Latour, der Sie von Jesuiten erzogen und geprägt wurden, fühlen Sie sich unwohl in der gottfernen Moderne: „Mein Glaube ist ein Akt des Willens. Wo es keine Gewissheit gibt, muss man sich eine schaffen.“ - Und im Blick auf die modernistischen Versuche vieler westlich geprägter Menschen heute, sich eine eigene Weltsicht und Religion aus vielen auf der Welt vorkommenden Religionen zusammenzubasteln, fährt er fort: „Soll ich mich etwa buddhistischen Spinnereien hingeben oder einen Diener vor dem Dalai Lama machen? Oder als Hindu im Darm eines Hundes wiedergeboren werden? Nein, ich bin ein Mensch des jüdisch/christlichen Abendlandes.“ Dazu kommt eine undifferenzierte Wissenschaftsgläubigkeit, die außer Acht lässt, dass die Wissenschaft uns immer nur vorläufige Wahrheiten, d.h. Lehrmeinungen von Gelehrten anbieten kann, die zur Diskussion und Weiterentwicklung anstehen. So leben viele nach der Devise „die Wissenschaft hat fest gestellt, dass Marmelade Fett enthält, drum essen wir auf jeder Reise MarmeMitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 04-2013

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lade Eimerweise“. Oder nach dem altbekannten Motto längst vergangener Tage „das wissen wir heute noch nicht, aber unsere Freunde, die sowjetischen Wissenschaftler werden das schon noch herausfinden“. Zu meiner Erfahrung gehört deshalb auch, dass die ach so kämpferisch auftretenden Atheisten (sie wollen ohne Gott leben, werden diesen aber nicht los, das sieht jeder an ihrem Geschrei) zur absoluten Minderheit mit Blick auf die weltweite Menschheit gehören. Was sind schon ein paar Millionen Gottesleugner im Blick auf mehr als 7 Milliarden Menschen, die sich mit religiösen Vorstellungen am Leben erhalten. - Ich gratuliere also Herrn Zerner zu seinem Selbstbewusstsein angesichts dieser Zahlenverhältnisse, was zählt schon die Mehrheit von mehr als 95% religiöser Menschen. Ja, ich bin Pfarrer, gerne und mit allen Sinnen meiner Existenz. Ich gehöre nach der Meinung von Herrn Zerner zu den Autoren aus längst vergangenen Zeiten und verfechte angeblich „die christliche Religion“ weil ich „mein Brot von ihr habe“. - Stimmt, aber nur zum Teil! Denn zuerst bin ich gläubiger und praktizierender Christ, der aus seinem Glauben heraus weiß, dass sein Leben nicht zufällig entstanden, einmalig, unaustauschbar und unverwechselbar ist, weil er ein „Kind Gottes“ ist, das mit Hilfe seiner Eltern in diese Welt als eigenverantwortlicher Mensch gestellt wurde. Aus diesem Wissen bin ich der freieste Mensch, den man sich vorstellen kann, denn ich bin niemanden als Gott allein Rechenschaft schuldig und darf darauf Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 04-2013 vertrauen, dass er mir um Christi Willen wie ein liebender Vater (nicht der ‚liebe Gott’!) gegenübersteht. - Davon anderen Menschen Zeugnis zu geben hat mich bewogen, Pfarrer zu werden. Das „Brot“ war es nicht, denn das war damals im Gegensatz zu meinem ersten Beruf als Maurer recht karg bemessen. Ich und viele andere Kolleginnen und Kollegen wollen mit Sicherheit nicht in der Vergangenheit verharren, sondern die Verbundenheit mit den Wurzeln unserer menschlichen Existenz dokumentieren. Denn wer nicht mehr weiß, was seine Wurzeln sind und woher er kommt, hat keine Zukunft mehr. Wir vertrauen dem einen Gott, den Gott der Juden, der Christen und wohl auch des Islam, der sich am Dornbusch auf dem Sinai selbst vorgestellt hat, der uns als autonome, freie und verantwortliche Menschen in seine Welt gestellt hat und von dessen Verheißung wir leben: Solche Menschen „sind wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit…“ Das meint und glaubt Ihr 5

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Jahresbericht des Vorstandsvorsitzenden am 18. September 2013 auf der Mitgliederversammlung in Neudietendorf Verewigung Zum Versteinern stehen die Leute Schlange Wer an die Reihe kommt steigt auf das Trittbrett Er wirft sein Geldstück ein und wählt Gesteinsart und Farbe Er selbst betätigt den Hebel und hört noch ein leises Zischen Dann wälzen ihn zwei Gehilfen in die Allee Oder man stellt ihn zu Haus auf im Kreis der Familie Jeder sein eigenes Denkmal liest man im Schlangestehen Manche stehen so stramm als wäre es gar nicht mehr nötig Erich Fried Liebe Vereinsmitglieder, zehn Jahre nach den “Maßnahmen” von Erich Fried (Die Faulen werden geschlachtet, die Welt wird fleißig. ... Die Bösen werden geschlachtet, die Welt wird gut.), vielleicht erinnern Sie sich noch an die Reaktionen, zitiere ich ihn wieder. Zehn Jahre habe ich stramm gestanden und seinen Namen vermieden. Warum eigentlich? Dass es nicht gänzlich langweilig wird, da habe ich mir schon zu helfen gewusst, es gibt noch andere Dichter und die Bibel ja auch. Zum zehnten Mal stehe ich hier nach langen Stunden zähen Schreibens und natürlich Fragens, wie das wohl aufgenommen wird, freundlich und ohne Folgen, oder kritisch und manchmal sogar verbreitet und diskutiert. Mein erster Vorstandsbericht jedenfalls hatte mir die meisten Einladungen in Konvente beschert. Inzwischen haben sich einige ihr Bild gemacht. Einer sagte mir kürzlich, er sei sehr auf das Grußwort von mir gespannt gewesen, weil man ja nie wisse, was ich sagen werde. Zugegeben, das weiß ich manchmal auch nicht und muss lange grübeln. Aber wenn man es schon vorher wüsste, dann wäre ich vielleicht schon so ein Denkmal, das man in die Allee oder den Müll gewälzt hat. Wir vermeiden es anzuecken, wollen kein Ärgernis bieten (Paulus!) oder gar sein. Da kann es langweilig werden und ohne Hoffnung, wenn keiner mehr sagt, was er denkt oder längst aufgehört hat zu denken und deshalb wortreich nichts mehr sagt, mit freundlichstem Gesicht, unaushaltbar. “Stramm stehen, als wäre es nicht mehr nötig.” Zuerst habe ich mich verlesen: ... “als wären sie nicht mehr nötig”. Manchmal, seit Sigmund Freud, sind Versprecher viel interessanter als perfekt gesetzte Worte, Verleser auch. Ein stramm stehendes Denkmal in Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 04-2013 6

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der Allee, lieblich grinsend, nicht mehr nötig. Da gibt es solche überfreundlichen Begrüßungen, obwohl da mal ganz ernst miteinander zu reden wäre. Doch das bleibt aus. Grinsendes Denkmal. Das habe ich nicht nötig. Denkmale sind die, die es allen recht machen. Meistens sind sie genau deshalb schon tot, aus Stein oder Bronze wiederbelebt und aufgestellt, so halten sie den Mund. Sie kommen in Zitaten nur noch zu Wort, wenn es uns passt. Da klingen sie gut, aber nötig sind sie nicht mehr, höchsten aus phonetischen Gründen, weil es so schön rauscht. Und manchmal werden sie frisch getötet, vom Sockel gestoßen und zertrümmert, weil ein Held ein Zitat gefunden hat, das in seine Tage oder seinen Kopf nicht passt. Mancher wäre gern ein Denkmal, damit man ihn zitiert, und in der Hoffnung, dass er dann so klobig-klotzig ist, dass ihn keiner umzuschubsen vermag. Dafür steht er lange stramm, längst nicht mehr nötig. Stramm stehen vor wem, vor was, bei welchen Gelegenheiten? “Welche Pfarrer braucht das Land?” fragte der letzte Deutsche Pfarrertag, so schlecht besucht wie noch nie. Braucht es überhaupt welche? Angepasste, stramm grinsend vor Angst, seine Identität zu verlieren, gar nicht erst zu finden in einer Welt, die nur noch vor dem Geld stramm steht. Es ist ein schönes Gedicht zur Lutherdekade: Reformation und Toleranz. Wie tolerant sind wir, was ist das überhaupt? Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 04-2013 Toleranz gegenüber dem Islam ist eine leichte Übung, solange die Christen in Syrien oder Afrika vertrieben und umgebracht, ihre Kirchen angezündet werden. Schuldeingeständnis anstelle der Reformatoren an einem Denkmal für die ermordeten Wiedertäufer ist billige Buße, weil es nicht die eigene Schuld ist, sondern die derer, die sich dazu nicht mehr äußern können. Jetzt kommen die mal auf den Sockel und Luther muss runter. Es hebt unser Selbstwertgefühl, wenn wir das entscheiden können. Macht über andere zu haben bewahrt vor dem Strammstehen, denkt man. Toleranz im Wortsinn, etwas erdulden können. Duldsamkeit, auch wenn es mir nicht passt. Ein Thüringer GAW in der EKM jedenfalls scheint die Grenze des Tolerierbaren weit zu überschreiten, misst man es an dem Aufwand und den eigenen Verlusten an Vertrauen und Ansehen, die man bereit war und immer noch ist hinzunehmen. Oder ist es die Toleranz aus der Technik? Wie viel Abweichung von der Norm ist erlaubt, bis man zum Ausschuss erklärt wird, den es auszusortieren gilt? Und wer darf den Gütekontrolleur spielen? Oder ist es die Toleranz aus der Medizin? Wie viel vergiftete Atmosphäre verträgt jemand, bis er geht, vielleicht auch zugrunde geht, oder krank wird, den Mund hält, weil es ihm den Atem verschlägt? Wie viel Toleranz gegenüber Gemeindegliederzahlen bringt ein Finanzsys7

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tem auf, wenn es uns doch eigentlich um das Seelenheil gehen sollte? Ich bin gespannt, für welche Sorte Toleranz wir uns am Ende des Jahres entschieden haben werden, kurz bevor wir so weitermachen wie bisher. 1. Die Vereinsarbeit Derzeit hat der Verein 658 Mitglieder. Seit der letzten Mitgliederversammlung gab es sieben Austritte. Dem stehen sieben Aufnahmen gegenüber. Das ist tolerierbar, ausgewogen. Bei den Austritten ist auffällig, dass es sich dabei oft um Wegzüge von im aktiven Dienst stehenden Pfarrern aus unserer Landeskirche gehandelt hat. Manche, die die Landeskirche verlassen haben, sind aber auch dem Thüringer Pfarrverein treu geblieben. Unsere Satzung lässt das ja seit einigen Jahren zu. Das erweist sich als sinnvoll, damit diesen Familien die Hilfen des Vereins weiter zugute kommen können. Dennoch ist es natürlich ein Wermutstropfen, wenn Schwestern und Brüder in eine andere Landeskirche wechseln, weil sie dort bessere Perspektiven sehen. Keinesfalls möchte ich diese Feststellung als Vorwurf verstanden wissen, vielmehr muss es Anlass sein, nach den Ursachen zu fragen, denn nicht immer sind das nur familiäre Gründe. Wir haben bereits heute Vormittag zusammen mit dem Vorsitzenden des Hannoverschen Pfarrvereins, Pfarrer Andreas Dreyer, darüber intensiv nachgedacht. Beunruhigen muss uns diese Entwicklung wegen des in wenigen Jahren 8 akuten und jetzt schon beginnenden Pfarrermangels, der besonders die abgelegenen ländlichen Gebiete und die dort verbliebene Pfarrerschaft treffen wird. Diese Problematik, die bis vor wenigen Jahren trotz vieler Mahnungen aus der Gesamtpfarrervertretung der VELKD und des Verbandes der Pfarrvereine kaum ernst genommen wurde, wird nun auch in der Kirchenleitung der EKD und in der Dienstrechtlichen Kommission diskutiert. Ich habe dort darauf hingewiesen, wie die kaum noch vermeidbare Entwicklung die Kirchen im Osten treffen wird, und noch einmal besonders hart diejenigen, die in den ausgedünnten Gebieten kirchliches Leben aufrecht erhalten wollen und müssen. Wenn die Arbeitsbedingungen, u.a. die Größe der Pfarrbereiche, und die Gehälter hier ungünstiger sind, muss davon ausgegangen werden, dass der Nachwuchs in attraktivere Gebiete abwandert. Das Thema des letzten Pfarrertages im Juni hat sich als durchaus relevant erwiesen, auch wenn wir es vor einigen Jahren mit anderen Referenten schon einmal bedacht haben. Die bevorstehende Entwicklung hat auf die Häufigkeit von Burnout keinen geringen Einfluss. Die Ausführungen von Professor Trimpop aus Jena, lebendiger vorgetragen als sonst üblich, werden wir im nächsten Vereinsheft abdrucken können. Erfreulich war, dass Oberkirchenrat Lehmann als neuer Personaldezernent uns einen Einblick in die Akzente gegeben hat, die er gern setzen möchte. Wir wünschen ihm dazu viel Mut und dann auch Erfolg. Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 04-2013

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Unser Vereinsblatt haben wir weiterhin herausgeben können. Das ist mit viel Mühe verbunden, der sich Pastorin Gabriele Schmidt liebevoll hingibt. Wir würden uns freuen, wenn es hin und wieder Reaktionen gäbe, die wir abdrucken dürfen, damit daraus ein Forum zum Austausch wird. Auch für Aufsätze sind wir dankbar. Wir hoffen, dass sich das in der nächsten Zeit entwickeln wird. 2. Arbeiten im Pfarramt - Wohnen im Pfarrhaus Mit diesem Thema hat sich ansatzweise die gesamte Pfarrvertretung befasst, zwei Delegierte in einer landeskirchlichen Arbeitsgruppe genauer. Für Pfarrer im Entsendungsdienst soll es demnächst flächendeckend Dienstanweisungen geben. Dazu bedurfte es einheitlicher Vorgaben, d.h. Stundensätze, die zu erarbeiten waren. Soweit das dem Schutz der Berufsanfänger dient, ist dem sicher nicht unbedingt zu widersprechen. In Thüringen hatte vor über zehn Jahren die Synode dazu einen Leitfaden entwickelt, um zu einer Übereinkunft zwischen Pfarrstelleninhaber und Gemeindekirchenrat zu kommen. Die Vorgaben sollten dazu Hilfestellung sein, nicht aber verbindliche Stundensätze. Das war aus meiner Sicht eine kluge Entscheidung. Uns muss daran gelegen sein, dass Dienstanweisungen nicht dem Pfarrdienstgesetz entgegenstehen, das in § 24 regelt: Pfarrerinnen und Pfarrer sind in Gestaltung und Inhalt ihrer Verkündigung frei und nur an die Verpflichtungen aus der Ordination Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 04-2013 und an die Ordnungen ihrer Kirche gebunden. Einerseits darf es nicht zu einer Gängelung, die Freiheit des Berufes in Frage stellend, kommen, weil das potenziellen Nachwuchs zusätzlich abschrecken könnte. Andererseits ist auch uns an einem Schutz vor Überforderung gelegen. Gut verhandelt wurde von der Seite der Pfarrvertretung, dass zukünftig Fahrzeiten, die ein bestimmtes Maß überschreiten, angerechnet werden. Hieraus ergibt sich, dass der territorialen Größe von Pfarrstellen zukünftig Grenzen gesetzt werden. Ansonsten wird sich die Pfarrvertretung mit dem Entwurf in einer Stellungnahme auseinanderzusetzen haben. Die Pfarrhäuser sind für Gemeinden ein Zentrum geistlicher und diakonischer Tätigkeit, aber oft werden sie wegen ihres baulichen Zustandes zur Last für die Gemeinde, die sie erhalten muss, und zum Ärgernis für die, die sie bewohnen müssen. Werden sie nicht mehr gebraucht, werden sie deshalb oft verkauft. Das ist sehr bedauerlich, geht doch jedes mal mit dem Pfarrhaus eine z.T. Jahrhunderte währende Tradition geistlichen Lebens und hilfreicher Zuwendung zu Ende. Sicher gibt es dazu oft keine Alternative, wenn die Zahl der Gemeindeglieder dramatisch abgenommen hat und niemand mehr das Pfarrhaus bewohnen wird. Was aber geschieht, wenn ein Pfarrhaus noch von einer Pfarrerin bewohnt wird, diese sogar noch Dienst tut, wenn auch nicht in dieser Gemeinde? Nun haben wir einen Fall zu beklagen, bei dem das Pfarrhaus an dubiose Käufer veräußert wurde, die Pfarrerin deshalb 9

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größten Repressalien ausgesetzt ist. Es ist ein Vorgang, der zu Denken gibt. Die Frage der Pfarrhäuser muss wohl doch noch einmal gründlicher bedacht werden. Häufen sich solche Fälle, steht die Dienstwohnungsfrage zur Debatte, die ohnehin teils recht unterschiedlich gehandhabt wird. Damit geht der Verlust eines Berufsbildes einher, das lange tragfähig war. Der Pfarrberuf droht von der Profession zum Job zu verkommen. Mit großer Verantwortung müssen wir prüfen, was wir hier wirklich wollen. 3. Pfarrverein, Pfarrvertretung und Gustav-Adolf-Werk Thüringen Mancher meint vielleicht, das seien drei unterschiedliche Dinge, die genau genommen nichts miteinander zu tun hätten, gäbe es nicht die personelle Überschneidung durch Michael Thurm und mich, die wir beide in beiden Vorständen und der Pfarrvertretung tätig sind. Das sehe ich anders. Bereits im vergangenen Jahr habe ich in unserem Vorstandsbericht und in verschiedenen Gesprächen deutlich gemacht, dass die GAW-Arbeit eine Basisbewegung von Pfarrern gewesen ist, die unabhängig von kirchlichen Strukturen über einhundertfünfzig Jahre Christen in der Diaspora geholfen hat. Sowohl der Pfarrverein als auch die Pfarrvertretung haben die Aufgabe, sich der Rechte der Pfarrerschaft anzunehmen und diese zu bewahren. Deshalb war es geboten, sich mit dieser Problematik zu befassen und unmissverständlich zu Wort zu melden. Das habe ich in einem Gespräch mit der Kirchenamtspräsidentin Frau Andrae getan, aber auch mit dem Vorstands10 bericht im vergangenen Jahr. Bedauerlicherweise ist unsere Kirchenleitung von dem Kurs der Eskalation nicht abgewichen. Weder wurde mit uns glaubhaft das Gespräch mit dem Ziel gesucht, in diesem Konflikt eine tragfähige Lösung zu erarbeiten, noch wurden die rechtlichen Fragen vor weiteren Maßnahmen hinreichend abgeklärt. Stattdessen gab es ultimative Schreiben, Drohungen und letztendlich die Einleitung von Disziplinarverfahren gegen alle geistlichen Vorstandsmitglieder des GAW. Für eine rechtliche Klärung wurde zwar das Verwaltungsgericht der EKD mit einer Klage gegen Pfarrer Burmeister angerufen und die Disziplinarverfahren bis zu dessen Urteil ausgesetzt. Doch das ist wenig hilfreich und verletzt trotzdem das Beschleunigungsgebot bezüglich solcher Verfahren. Die Folgen für die Betroffenen sind zum Teil beträchtlich, z.B. können Bewerbungsverfahren nicht sinnvoll in Angriff genommen werden, solange sich jemand mit solch einem Verfahren im Nacken bewerben, d.h. sich in einer neuen Gemeinde vorstellen soll. Das hat dazu geführt, dass sich ein Vorstandsmitglied nicht um eine von ihm gewünschte Pfarrstelle bewerben konnte und ein weiteres aus demselben Grund sich jetzt im Wartestand bei verminderten Bezügen befindet. Auch die Arbeitsfähigkeit der Pfarrvertretung blieb davon nicht unberührt. Sobald ein Disziplinarverfahren anhängig ist, und das ist es auch bei Aussetzung desselben noch, muss die Tätigkeit in der Pfarrvertretung ruhen. So sieht es das Gesetz vor und daran haMitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 04-2013

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ben Michael Thurm und ich uns zuerst einmal zu halten. Seitens des Personaldezernates wurde das zwar anders interpretiert und angeboten, dass wir das Amt weiter wahrnehmen können, doch konnten wir uns dieser Interpretation nicht anschließen, ganz abgesehen von den Arbeitsbedingungen. Wie soll diese Tätigkeit unter solchem Druck unbeeindruckt weitergehen. Dazu kommt, dass die Entlastung, die mir als Vorsitzendem zusteht, bereits Monate vorher in Frage stand, weil der mir zur Seite gestellte Pfarrer mit einer anderen Aufgabe betraut werden sollte, was von Juni 2013 an auch geschah. Ursprünglich war dafür der Januar geplant gewesen, also ein Zeitpunkt zu dem vom Ruhen der Ämter in der Pfarrvertretung noch nicht die Rede war. Erfahren habe ich davon eher zufällig, offiziell erst Ende Juli. Ein diesbezügliches Gespräch hat es nie gegeben. Seitens des Personaldezernates wurde unser Schritt zum Ruhen der Ämter zwar bedauert, wir prüfen gegenwärtig auch, ob wir diese aufgrund der kirchenleitenden Interpretation wieder aufnehmen werden, müssen aber zugleich feststellen, dass die Voraussetzungen bezüglich der Entlastung gegenwärtig nicht gegeben sind. Glaubhaft, das betone ich, wurde uns versichert, dass an einer guten Zusammenarbeit mit der Pfarrvertretung großes Interesse besteht, zugleich wurden uns aber die Voraussetzungen entzogen. Sicher ist es eine wichtige Aufgabe für die Zukunft, notwendiges Vertrauen wieder herzustellen. In unserem Vereinsblatt haben wir über Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 04-2013 die Vorgänge so sachlich wie möglich unter Verzicht auf Interpretationen berichtet. Angesichts der Tatsache, dass es keine Forderungen nach Richtigstellungen gab, gehe ich davon aus, dass Einigkeit darin besteht, dass wir korrekt berichtet haben. Meine Befürchtung vom August des vergangenen Jahres, dass ich großen Schaden für das Ansehen unserer Kirche kommen sehe, hat sich leider bestätigt. Selbstverständlich wurden die Vorgänge auch im Vorstand des Verbandes der Pfarrvereine, in der Vorsitzendenkonferenz und in der Fuldaer Runde (Konferenz aller deutschen Pfarrvertretungen) mit Entsetzen zur Kenntnis genommen und diskutiert. Das Gesprächsangebot des Verbandsvorsitzenden Pfarrer Thomas Jakubowski, zur Vermittlung, wurde seitens unserer Kirchenleitung als „nicht hilfreich“ ausgeschlagen. Im Ausland, insbesondere in der Slowakei und Österreich, gibt es für die Vorgehensweise ebenfalls keinerlei Verständnis. Inzwischen ist bezüglich des Spendenaufkommens und der Spendenbereitschaft beträchtlicher Schaden entstanden. Es gibt gegenwärtig keine GAW-Pfarrergabe (bisher in Thüringen ca. 7000 €), keine EKM-spezifische Werbung für die GAW-Konfirmandengabe (bisher in Thüringen 6-8.000 €). Stattdessen wurde in einer Gemeinde die Konfirmandengabe ausdrücklich auf unser Vereinskonto überwiesen, damit dieses Geld einer Gemeinde in der Slowakei (Svit) zugute kommt, deren Dank ich hier mitbringen darf. 11

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Es ist also neben dem Imageschaden auch ein beklagenswerter Verlust an Hilfsmöglichkeiten für Diasporagemeinden entstanden. Von der propagierten Verbesserung der GAW-Arbeit kann überhaupt keine Rede sein. Der Vertrauensverlust bezüglich der GAWArbeit ist überhaupt noch nicht abschätzbar. Stattdessen frage ich, wer für den entstandenen Schaden als Folge des schon im Vorjahresbericht benannten katastrophalen Konfliktmanagements aufkommen wird, insbesondere dann, wenn die Klage vor dem EKD-Verwaltungsgericht erfolglos bleibt, wovon ich zunächst ausgehe. Solidarität gibt es, aber sie ist nicht laut. Das zeigt etwas davon, wie oft Pfarrer Einzelkämpfer sind. Oft wird gehofft, alles werde sich schon von selbst zum Besseren wenden, ein Trugschluss, wie ich meine. 4. Kontakte zu den Partnervereinen Das Jahr 2013 war von besonders vielen Kontakten zur unseren slowakischen Schwestern und Brüdern geprägt. Im Mai sind Michael Thurm und ich wieder zusammen mit den Württembergern in Bratislava zur Sitzung des Verteilerausschusses gefahren. Im Anschluss konnten wir uns von der guten Verwendung der Pfarrhausmittel überzeugen. Auch Projekte, die das GAW-Thüringen gefördert hat, gehörten zu den Zielen an einem weiteren Reisetag. Die Beihilfen für die Kinder können wie bisher weitergeführt werden. Der Autofonds trägt sich inzwischen fast selbst, so dass wir dieses oder nächstes Jahr 12 voraussichtlich das letzte Mal etwas einzahlen werden. Im August war eine Gruppe aus dem Westdistrikt in unserer Kirche zu Gast. Pfarrer mit ihren Familien und Gemeindeglieder, begleitet von Distriktbischof Milan Krivda und Generalbischof Miloš Klatik besuchten die Lutherstätten in Erfurt, Eisenach, Eisleben und Wittenberg, auch das Landeskirchenamt zu einem Gespräch mit Amtsleiterin Frau Andrae und Landesbischöfin Junkermann, die dem Pfarrverein für die Reiseplanung und die besondere Pflege der Partnerschaft zur Slowakei dankte. Zwei Gemeinden haben sie besucht, die der Annenkirche in Eisleben und Mellingen. Mit Probst Schneider gab es ein Treffen mit interessantem Austausch über die Gegenwart.Tatsächlich war eine solche Reise nur mit der Unterstützung aus dem Verein möglich, der im Wesentlichen die hier anfallenden Kosten übernommen hat. Beide Bischöfe dankten dem Vereinsvorstand für die Vorbereitung und den Vereinsmitgliedern, die mit ihren Beiträgen die Partnerschaft auf diese Weise unterstützen. Das gebe ich hier gern weiter. Im September feierte Generalbischof Miloš Klatik, mit dem uns enge Kontakte seit seiner Zeit als 2. Vorsitzender des Pfarrvereins verbinden, seinen 50. Geburtstag. Dabei wurde augenfällig, welches Ansehen er in Kirche und Gesellschaft in der Slowakei und in Europa genießt. Zu den deutschen Gästen gehörten unter anderen Landesbischof July und der Vereinsvorsitzende Zweigle aus Württemberg, OKR Denecke als Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 04-2013

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Vertreter der VELKD. Gäste waren aus Polen, Slowenien, Ungarn und Österreich gekommen, auch hochrangige slowakische Gäste aus Regierung und Parlament. Liebevoll haben die Gemeinden Vel‘ký Grob und Bratislava-Petržalka die Feiern ausgerichtet, daneben kamen Gäste aus anderen Gemeinden mit Kuchen und Speisen. Als Vertreter unserer Kirche hatten meine Frau und ich eine Einladung erhalten, einen Beitrag für die Festschrift zu schreiben und den Festgottesdienst musikalisch mit Orgel und Horn mitzugestalten. Im Grußwort für die drei Partnervereine habe ich die Verdienste des Generalbischofs an der vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Kirchenleitung und Pfarrverein hervorgehoben. Ausdruck der Wertschätzung unseres Vereins und des GAW-Thüringen war die Aufforderung, als einer von acht Gästen am Empfang des Staatspräsidenten Ivan Gašparovič im Präsidentenpalast in Bratislava teilzunehmen. In dem dreiviertelstündigen Gespräch kam er sehr schnell zu seinem Anliegen: Wir sollten das nicht als Kritik verstehen, aber die Kirche solle sich zu den aktuellen Problemen, u.a. zum Syrienkonflikt, klarer und deutlicher aus christlicher Sicht äußern. Ich habe auf die gemeinsame Geschichte hingewiesen, in der uns gesagt wurde, dass der Glaube Privatsache sei, und wir uns oft tatsächlich nicht trauten, gegen sich als unausweichlich darstellende Zwänge anzugehen. Nicht als Kritik, sondern als Aufforderung würde ich es verstehen und gern Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 04-2013 mit zu uns nach Deutschland nehmen. Er betonte noch einmal, das sei wichtig, damit nicht die wirtschaftlichen und machtpolitischen Argumente das Übergewicht gegenüber den ethischen, mitmenschlichen und christlichen bekämen. Auch dürfte die Kirche die Meinungsbildung nicht den Medien überlassen. Die Politik sei dabei auf unsere Stimme angewiesen. Insgesamt blicken wir dankbar auf diese Tage zurück, auf den Schatz des über viele Jahre in dieser Partnerschaft spürbar gewachsenen Vertrauens. Im vergangenen Jahr hatten wir eine Partnerschaft zum Verein lutherischer Pfarrer in Polen begründet. Als erste Hilfe war vorgesehen, einen Darlehensfonds zur PKW-Beschaffung aufzubauen. Damit haben wir jetzt begonnen. Um die Pflege der Kontakte nach Polen kümmert sich Pfarrer Max Kessler. Ganz neu ist die Anfrage aus der Slowenischen Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses nach Begegnungen. Bischof Geza Erniša berichtete mir in Bratislava, dass seine Lutherische Kirche mit kaum zwanzig Pfarrern so klein sei, dass sie oft übersehen werde. Dennoch sei es für ihn ein Wunder, dass sie über die Jahrhunderte überlebt habe. In den nächsten Tagen wird er mir Informationen zukommen lassen, damit wir überlegen können, ob wir dorthin eine Korrespondenz aufbauen können. Schön wäre es, wenn sich jemand aus unserem Verein dieser Aufgabe annehmen könnte. 13

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5. Ferienhäuser Als wir die Übernahme der Ferienanlage in Lubmin in Angriff genommen haben, gab es Befürchtungen, ob wir uns da nicht zu viel vorgenommen haben. Zu viel die finanziellen Aufwendungen zur Sanierung betreffend, vor allem aber den damit verbundenen Arbeitsaufwand. Die Renovierung kann jetzt als abgeschlossen angesehen werden. Die Aufträge des Architekturbüros Held sind vollständig abgearbeitet und auch alle Rechnungen können wir bezahlen. Insgesamt sind die Urlauber sehr zufrieden, die Finnhütten nahezu ausgebucht. Nur in der Nebensaison gibt es noch frei Plätze. Dass man auch die Stellplätze für Wohnwagen, Wohnmobile oder zum Zelten mieten kann, muss sich erst noch herumsprechen. Die Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Pfarrverein, der jedes Jahr einige Durchgänge für Pfarrfamilien aus den südöstlich gelegenen Ländern mietet, läuft reibungslos. Nach der Fertigstellung der einzelnen Hütten im vergangenen Jahr ist nun der Anbau an das Gemeinschaftshaus ebenfalls vollendet. Es gibt insbesondere für die Nutzer der beiden Campingstellplätze dort nun Toiletten, Duschen, Waschbecken und einen Platz für Waschmaschine und Wäschetrockner. Das große Zimmer und der Sanitärtrakt im Gemeinschaftshaus werden inzwischen wie die Finnhütten mit einem Klimasplitgerät geheizt. Das ist bezüglich der Energiekosten wesentlich günstiger. Veränderungen 14 im Außenbereich wollen wir uns für das kommende Jahr vornehmen. Der Kinderspielplatz muss dringend mit neuen Spielgeräten ausgestattet werden. Der Weg zwischen den Stellplätzen und dem Sanitäranbau soll noch befestigt werden. Die Preise haben wir nur geringfügig erhöht. Für Mitglieder unseres Vereins hat sich nichts geändert. Das halten wir für gerechtfertigt, weil dieser die Kosten der Sanierung von über 300.000 € weitestgehend getragen hat. Ohne jeden Zweifel, so meine ich, können wir sagen, dass die Entscheidung richtig war, die Ferienanlage zu übernehmen. Die Sonderaufgaben sind bewältigt. Es bleibt uns nun nur noch das Alltagsgeschäft. Dafür hat der Vorstand beschlossen, Frau Tomschke-März die Arbeitszeit um ein Stunde täglich zu erhöhen. In Zoppoten hat Herr Tobias Marx mit viel Einsatz und Liebe nun die beiden großen Häuser neu mit Schindeln eingedeckt und das vierte Haus sehr schön renoviert. Es hat eine Terrasse bekommen mit einem Zugang für Rollstuhlfahrer, ein Klimasplitgerät, neue Fenster, Elektrik, Küche und Mobiliar. Zum Saisonbeginn konnten die ersten Gäste einziehen und waren voll des Lobs. So möchte ich Herrn Marx an dieser Stelle ganz besonders danken, aber auch unseren beiden Frauen im Büro in Steinach und in Wolfmannshausen, Frau Tomschke-März und Frau Herrmann, die für alle Arbeiten die Abrechnungen abgewickelt und die Betreuung der Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 04-2013

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Gäste bei den Buchungen gewährleistet haben. Das war in den letzten beiden Jahren sehr viel zusätzlicher Aufwand. Uns wurde bei der Überplanung des Erholungsgebietes an der Biere bei Zoppoten ein weiterer Bauplatz neben den beiden Partyhäusern angeboten. Dieses haben wir nicht ausgeschlagen. In den nächsten Jahren werden wir klären, welche Vorstellungen wir dafür entwickeln können und ob diese mit den Vorgaben des Bauamtes vereinbar sind. Sinnvoll wäre neben einer weiteren Ferienwohnung ein Gemeinschaftsraum, der eine größere Zusammenkunft erlaubt, denn nicht selten wurden schon mehrere Häuser für Familienfeiern angemietet. Auch wie die Sanitärangelegenheiten zu lösen sind, wird einiger Überlegungen bedürfen. 6. Zusammenfassung Es gab viel zu tun, manchmal zu viel. Hin und wieder ist das praktisch, denn da bleibt keine Zeit zum Strammstehen. Das haben wir denn auch unterlassen. Dadurch wird es voraussichtlich zwar nichts mit dem Denkmal, dafür wälzt man uns aber auch nicht weg. Noch laufen wir selbst, einigermaßen aufrecht und wohin wir wollen. Wir sind gern gesehen und werden geschätzt, auch wenn wir dafür manchmal in der eigenen Gemeinde bleiben oder 700 Kilometer weit weg fahren müssen. Vergangenen Sonntag hat mir das vorgeschriebene Psalmgebet die Worte in den Mund gelegt: Gelobt sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn, der vom Tode errettet. Wir haben so viel Schönes zustande gebracht und Gutes erleben dürfen. Manches war schwer, sicherlich, aber hilflos waren und sind wir nicht. Gott sei dank, täglich. Martin Michaelis Hinweis: Neue Online-Kommentarfunktion zu Beiträgen des deutschen Pfarrerbalttes unter www.pfarrverband.de Zur regen Nutzung des “blog” wird herzlich eingeladen! Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 04-2013 15

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