Die deutsche Kolonie Streckerau (Kreis Nowousensk) Zum 50jährigen Jubiläum ihres Bestehens.

 

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Streckerau 50º Anniversary

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Die deutsche Kolonie Streckerau (Kreis Nowousensk) Zum 50jährigen Jubiläum ihres Bestehens. Booklet by Jorge Bohn – Village Coordinator AHSGR – Streckerau & Marienberg Villages

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About two year behind, I found a bibliography that was referring to one of my ancestral villages, Streckerau. This time took me to obtain the original article, which is reproduced in this booklet. I must be grateful to: AHSGR staff members: librarian Diane Wilson, Yulia Tsymbal and volunteer Leslie Bill, who looked through the microfilm, to extract the original history. Wladimir Kakorin (Vovkakak) that did the arrangements so that Andreas Idt (andreas.idt@t-online.de) did the transcription of Gothic German to modern. And finally to Alexander Shpak, the creator of Wolgadeutsche.ru, who is including a file in pdf with the transcription of the article that can turn in: http://wolgadeutsche.net/bibliothek/DjVu/Die_deutsche_Kolonie_Streckerau.pdf Booklet by Jorge Bohn – Village Coordinator AHSGR – Streckerau & Marienberg Villages

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Zum 50jährigen Jubiläum ihres Bestehens. Im Jahre 1862 wurde in den Mutterkolonien der Bergseite an der Wolga wegen Landmangels von der Regierung veröffentlicht, dass eine Aussiedlung auf die Wiesenseite der Wolga erlaubt sei; und zwar auf Kronsländereien. Da der Landmangel sehr fühlbar war, entschlossen sich aus fast allen Dörfern der Bergseite Leute zur Übersiedlung auf die Wiesenseite. Auf einer Öde ohne Wasser und Wald entwuchsen dem Erdboden neue Dörfer, katholische und lutherische; von ersteren nur zwei: Marienberg und Streckerau. Streckerau liegt von Marienberg 3 Werst entfernt, von Rownoje – 35, von Saratow – 90 Werst. Im Nachwinter 1863 begann für Streckerau die Übersiedlung: bis zum Frühjahr blieben die Übersiedler in Seelmann, Hölzer und Preuß; sie waren aus folgenden Dörfern: Kamenka – 114 männliche und 75 weibliche, aus Pfeifer 60 m. und 51 w., aus Seewald 4 m. und 3 w., aus Rohleder 32 m. 23 w., aus Schuck 42 m. 25 w., aus Leichtling 25 m. 22 w., aus Husaren 11 m. 11 w., aus Vollmer 22 m 20 w. aus Marienfeld 3 m. 3 w., aus Josefstal 1 m. 1 w., aus Hildman 4 m 2 w., aus Göbel 20 m. 9 w., aus Rothammel 1m. 1 w., aus Semenowka 3 m. 5 w. Personen. Da die Kolonie nicht vollzählig war, kamen 1875 noch dazu aus Deller 53 Familien und aus Neukolonie 2 Familien. Land wurde der Kolonie laut Besitzurkunde zugewiesen: für 488 Revisionsseelen 8127 Dessjatinen. Manchen gefiel die ihnen angewiesene Scholle nicht, und sie ergriffen den Wanderstab und gingen nach Amerika, und zwar wanderten von 1876 – 1886 aus: 120 männl. und 97 weibl., von 1902 -1913 gingen dahin 471 männl. und 369 weibl. Personen; ausgestorben sind seit der Gründung ?? (unleserlich) Familien. D Die Kolonie liegt von N.W. am Bisukgraben und von S.O. an der Salzstraße, den Wasserstand bildet die Gemeine in jedem Frühjahr durch Eindämmung des Bisukgrabens, durch zu frühe oder zu späte Eindämmung entstand schon häufig großer Wassermangel, entweder wurde der Damm weggespielt, oder der Graben füllte sich nicht mehr. Die Kolonie hat 6 Gemeindebrunnen, davon hat einer ungenießbares Wasser, mehrere Bauern haben ihre eigenen Brunnen, in den meisten ist das Wasser untauglich. Ihren Namen bekam die Kolonie vom damaligen Obervorsteher Strecker; manche wollten die NeuKamenka, andere Neu-Pfeifer usw. nennen, da es keine Einigung gab, riet der Obervorsteher nennt sie „Strecker-Au“ und dabei blieb es. Aller Anfang ist schwer, so ging es auch den Gründern der Kolonie Streckerau. Das Land war fest, die Arbeitsstärke schwach, dann die totalen Missernten 1879, 80, 85, 90, 91, 1911 und 1912, so dass die Kolonie noch ziemlich arm aussieht, sie hat 269 Hofplätze von 15 X 25 Faden, durch das Auswandern sind mehrere Plätze unbebaut, die Kolonie hat 72 hölzerne Häuser, darunter 3 mit Bleidächern und 180 Lehmhäusern. Die Aussaat im Jahre 1913 betrug 820 Dessj. Roggen, 2114 Dessj. Weizen und 189 Dessj. Gerste. Marienberg und Streckerau bildeten ein Kirchspiel, der Ortsgeistliche wohnte in Marienberg. 1903 wurde Streckerau zu einer selbständigen Pfarrei erhoben und bekam in demselben Jahre als Seelsorger P. Michael Brungardt, 1907 wurde er nach Hölzel überführt. Er war wegen seiner Güte und Menschenfreundlichkeit sehr beliebt und Streckerau bedauerte allgemein sein Scheiden. Nach seinem Weggang wurde Streckerau abermals von dem Marienberger Seelsorger verwaltet. Das Kirchspiel Marienberg mit der Filiale Streckerau wurde versehen von folgenden Geistlichen: 1863- 1870 vom Seehlmänner Dekan, 1870-73 P. G. Dechant (Georg Dechant1), 1 In Klammer die Schreibweise der Namen nach Joseph Schurr „Die Kirchen, die Geistlichen und das religiöse Booklet by Jorge Bohn – Village Coordinator AHSGR – Streckerau & Marienberg Villages

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1873-75 Kolininowski ( Dominikaner P. Xenon Kalinowski) 1875-79 Dekan P. J. Schewschinski (Dekan Joseph Schewtschinski), 1879-85 P. J. Bach (Johannes Bach), 1885-86 P. M. Marsal (Markus Marsal), 1886-87 P. Andrscheikowitsch (Dominikaner P. Raymond v. Andreschejskowitsch) 1887-90 P. G. Sauer (Georg Sauer), 1890-92 Pfarrer Jassenas (Jesenas), 1892-95 Schidagis (Matthias Schidagis), 1895-1900 P. F. Löwenbrück (Franz Löwenbrück) 1900-1907 P. Joh. Beilmann (Johannes Beilmann). Seit dem 21 August 1908 wirkt als Seelsorger in Streckerau P. Josef Altmeier; dieser genießt die Liebe und Achtung aller seiner Pfarrkinder; wer nur will, kann ihn jederzeit im Beichtstuhl finden. Obgleich schon im Greisenalter, besteigt er jeden Sonn- und Feiertag zweimal die Kanzel, um seine Pfarrkinder im Evangelium und Katechismus zu unterweisen und zu belehren. Bei seinem Amtsantritt, 1908, sing er im Nachmittagsgottesdienst mir dem Katechismus an „wozu sind wir auf Erden“ am 28 April 1913 endigte er mit dem letzten der 4 Dinge des Menschen, dem Himmelreich. Streckerau kann nur wünschen, dass es dem greisen Herrn Pfarrer noch lange beschieden sein möge, so fortzuwirken. Die Kirche wurde im Jahre 1875 aus Holz gebaut, die Länge beträgt 19, die Breite 7 und die Höhe 4 Faden. Der Turm mit 2 Glocken an die Kirche gebaut, misst 19 Faden. Wurde 1876 eingeweiht im Auftrage Sr. Exzellenz des H. Bischofs F. X. Zottmann von P. Zerr, dem späteren Diözesanbischof, die Kirche steht nicht ganz in der Mitte des Dorfes, mit dem Hauptaltar nach Osten, sie hat 42 Fenster, die Sakristei befindet sich hinter dem Hochaltar. Beim Eintritt in die Kirche sieht man auf beiden Seiten je 17 Sitzbänke, nach altem Stil, Stahlfarbe. An beiden Seiten der Wände hängen die 14 Stationsbilder, wenn auch schon alt, aber sehr gelungene Arbeit in Goldrahmen, links der Seitenaltar mit der Statue der Himmelskönigin unter einem Glasschirm, das Geschenk eines hiesigen Einwohners, in dem halbrund gebauten Presbyterium befindet sich der Hochaltar; dieser steht auf 3 Stufen, wurde von der Gemeinde 1910 bei Herrn F. Stuflesser bestellt, für 2400 Rbl. ohne Zoll und Fracht, er ist ein Prachtwerk, gebaut aus Eichenholz mit reicher Goldverzierung; der Tabernakel ist zweistöckig. Über dem Tabernakel stehen Statuen in Lebensgröße, und zwar der Kirchenpatron, der hl. Antonius mit dem Jesuskind, zu beiden Seiten Herz-Jesu- und Herz Maria-Statuen; auf den Sakristeitüren stehen die Statuen der hl. Apostel Peter und Paul. Rechts vom Presbyterium steht der Nebenaltar, denn der Taufbrunnen, einige Schritte zurück die Kanzel mit den Bildnissen der 4 Evangelisten und des hl. Wendelin, zuletzt die Tumba in einer Nische, in der Mitte der Kirche hängt ein Kronleuchter, eine Zierde der Kirche, vom Ausland verschrieben; er ist fast ganz vom Wohltätern bezahlt. Pf. J. A., P. L., Pf. G. spendeten je 50 Rbl. Eine ewige Lampe, ebenfalls ein teures Werk, wurde von einer Frauensperson geschenkt. Die Empore ruht auf 8 Holzpfeilern, auf ihr nimmt der Sängerchor Platz. Als Kircheninstrument dient eine veraltete Physharmonika. Dem inneren Schmuck der Kirche fehlt noch 2 Nebenaltäre und eine Orgel. Dank der häufigen Missernten konnte sich die Gemeinde zum Erwerb dieser Gegenstände noch nicht entschließen. Dabei sei erwähnt, dass die Gemeinde 1905 zur Verbesserung ihrer Kirche 7000 Rbl. verausgabte. Die Schule war anfangs in Privathäusern untergebracht, dann wurde ein Schulhaus gebaut, das sich aber bald als zu klein erwies. 1901 baute die Gemeinde ein neues Schulhaus für 4500 Rbl. 10 Faden lang 5 Faden breit. Die Landamtsschule versehen 2 Landamtslehrer, die Kirchenschule der Ortsküster; 1908 übernahm das Landamt die ganze Schule und stellte 4 Lehrer an. In der ersten Periode verdient besonderes Lob Herr Lehrer J. Hahl, der hier 4 Jahre wirkte; er war ein Lehrer im Leben der Russlanddeutschen Katholiken auf dem Boden der Tiraspoler Diözese“, Stuttgart, 1972, S. 131 Booklet by Jorge Bohn – Village Coordinator AHSGR – Streckerau & Marienberg Villages

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besten Sinne des Wortes, und da er sich auch noch als sträng gläubiger Katholik auszeichnete, sah ihn Streckerau nur ungern scheiden. Familienverhältnisse zwangen ihn, nach Kamenka in seine Heimat zu gehen. Nach ihm bekamen wir als Leiter der Schule Herrn Peter Holzmann, der seinen Lehrerpflichten vollständig nachkommt und von jedermann geachtet wird; da er auch eine Landwirtschaftsschule absolvierte, stellt er nicht nur in der Schule, sondern auch außerhalb seinen Mann; wie ein Vater weilt er unter den kleinen und bringt ihren die Kenntnisse bei. Außerhalb der Schule wird er privatim zu Rate gezogen von Gartenzüchtern, beim Landmessen; überhaupt bleibt er niemandem eine Antwort schuldig. Im Winter 1912 gab er mit dem erst ein Jahr hier wirkenden Lehrer G. Bäumler Jünglingen und jungen Männern unentgeltlich Abendschule, im darauffolgenden Frühjahr unternahm er mit Bäumler eine Exkursion nach Saratow, um den Exkursanten die Sehenswürdigkeiten Saratows zu zeigen. Möge er noch lange in unserer Schule wirken. Lehrerinnen haben wir seit 1908. W. Ganina, 1909 K. Kroschowa, 1912 A. Zepkowa und E. Kunz. Schulkinder haben wir 103 Knaben und 92 Mädchen. Der Schulrat besteht aus Pf. J. Altmeier, Lehrer P. Holzman, Pf. Grünwald und 3 Gemeindegliedern. Dank dem Bemühen des Schulrates und unseres Landschaftsabgeordneten Georg Grünwald übergab 1912 die Gemeinde das Schulgebäude dem Landamt, das die Schule eine Landamtschule mit 6 Abteilungen umgestaltete. Zu besonderem Danke ist Streckerau Herrn Pf. Grünwald verpflichtet, der zur Hebung der Schule es an Hilfe und Mittel nicht fehlen lässt. Streckeraus Einwohner: 1265 männliche und 1096 weibliche Personen. Die letzte Landverteilung war 1907. Dabei wurden 6412 Dessjatinen Land auf 1193 männliche Seelen verteilt, unter Gärten sind 23 Sessjatinen, Tenne 12 Dessjatinen, Heuschlag 120 Dessjatinen, Hofplätze 48 Dessjatinen, unter Wagenn; Viehweide befinden sich 1512 Dessjatinen. Die Gemeinde wirtschaftet noch wie früher, es steht aber zu erwarten, dass sie bald auf Einzelbesitz übergehen wird. Seelenanteile wurden verkauft von hiesigen Einwohnern an Brunnenthaler 207 Dusch, an Mennoniten 12, an Georg Grünwald 69, an hiesige Bauern 125, an die hiesige Gemeinde 42, an Kulsch 6 und an Adam 8. Die Preise waren von 165 – 300 Rbl. pro Dusch. Der Viehbestand: 94 Kamele, 545 Pferde, 340 Kühe, 184 Ochsen, 46 Rinder, 62 Ziegen, 525 Schafe und 360 Schweine, der Abgang an Vieh infolge der Missernten betrug 1911 und 1912, die Schweine ausgenommen, nicht beträgt 486 Stück. Es gibt bei uns folgende Handwerker: 2 Schmiede, 1 Schneider, 2 Böttcher, 2 Weber, 2 Schreiner, 1 Kummetmacher. Hier sind 4 Klein- und ein Großhändler. In unserm Dorf arbeiten 3 Windmühlen. Brunnenthal, Streckerau und Marienberg zählten sich früher zum Nieder-Jeruslanschen Kreise, 1874 bildeten diese 3 Kolonien ihren eigenen Kreis. „Bisucker“ werden wir genannt nach dem Graben, an dem die 3 Dörfer liegen. Seit 1894 begleitet die Kreisschreiberstelle Herr Johannes Rost; einen vortrefflicheren Mann kann sich der Kreis wünschen; für jedermann und zu jeder Zeit ist er zu sprechen, bei ihm gilt kein Ansehen der Person, arm und reich ist vor ihm gleich, bei den gewesenen Landvögten stand und bei dem gegenwärtigen steht er in Ansehen. Auch in Streckerau galt ein Sängerchor als gut, wenn nur viele „Krischer“ da waren. Der Herr Pfarrer bat nun die Gemeine, nach dem Beispiele der andern Dörfer, doch auch einen Küster-Organister anzumieten. Im Jahre 1910 fand die Gemeinde einen solchen; es scheint, dass Streckerau in der Person des Alexander Gareis die richtige Wahl getroffen hat, den seit seinem Hiersein hat er im Gesang schon vieles geleistet. Von Gräueltaten ist die Kolonie nicht frei. 1906 wurde von 3 Einwohnern ein Mord verübt, und im Jahre 1912 wurde ein Jüngling von einem 19-jährigen Bengel erschlagen. Zwei Feierlichkeiten hat die Kolonie in ihrer Geschichte:1896 und 1897 feierten die neugeweihten Priester Josep Baumtrog und Eduard Dittler hier ihre ersten heiligen Messen. Gefirmt wurde in Booklet by Jorge Bohn – Village Coordinator AHSGR – Streckerau & Marienberg Villages

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Marienberg in den Jahren 1869, in Marienberg und in Streckerau 1876 und 1911. Gelesen wird hier sehr wenig. Vier Einwohner erhalten „Argentinischen Volksfreund“ zugeschickt, das ist alles. Die Volksbibliothek wird etwas fleißiger benutzt. Man findet unter den Bauern nicht ein einziges Exemplar unserer „Deutschen Rundschau“! Am allgemeinen Frieden fehlt es leider stark! Der Schreiber dieses rät seinen Brüdern, Hader und Neid über Bord zu werfen, mehr Liebe und Friede zu hegen. Dann wird es bald besser gehen, denn „wo Liebe, da - Friede, wo Friede, da - Gott, wo Gott, da – keine Not“. Deutscher Volkskalender für Stadt und Land auf das Jahr 1914. Odessa, 1913, S. 89-94. Streckerau village, viewed from the north, with Byziuk river. Google capture 17/07/2011 Booklet by Jorge Bohn – Village Coordinator AHSGR – Streckerau & Marienberg Villages

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