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Blick ins Riepental hausen gesehen. Hastig überquerten die Wilderer den Riepenbach. Vor ihnen lag nun ein steiler Aufstieg auf den Berg Riepen, den sie zur Lummerkerstraße hinabstiegen. In einem alten Steinbruch, vermutlich nahe des Albrechthauses, versteckten die Brüder ihre Gewehre. In großer Eile liefen sie dann durch den Wald zurück nach Sievershausen. Wilderer vor Gericht Ihr Opfer, Feldjäger Rolfs, wurde noch am selben Tage gefunden und seine Leiche geborgen. Durch den Zeugen fiel der Verdacht der Polizei schnell auf die Gebrüder Mund. In ihrem Haus konnten die Beamten triefend nasse Schuhe sicherstellen, deren Profil mit Fußabdrücken am Hengstrücken übereinstimmte. Das Wilderer-Trio muss bei der überstürzten Flucht eine Menge Spuren hinterlassen haben. Man fand die blutbefleckten Waffen und einen Leinenbeutel mit Schießzubehör im Steinbruch. Angesichts dieser Beweislast wurden die Munds unverzüglich inhaftiert. Obwohl die Indizien erdrückend waren, gaben die Täter kein Geständnis ab. Es dauerte noch zwei Monate bis die Täter sich durch die Preisgabe eines Versteckes im „Kohlhai“ selbst überführten. Dort fand die Polizei ein Gewehr, das sich eindeutig dem zerbrochenen Ladestock des toten Rolfs zuordnen ließ. Nach einem langen Prozess wurden Carl und Heinricht Mund schuldig gesprochen. Carl saß bis 1843 eine Gefängnisstrafe wegen Wilderei ab. Sein Bruder Heinrich, der Mörder, wurde zu lebenslanger Haft im Zuchthaus im Kalkberge zu Lüneburg verurteilt. Er verbrachte 49 Jahre im Kerker, bis er 1888 im Zuge einer kaiserlichen Amnesie und die Fürsprache des Sievershäuser Pastors frei kam. Mit dem Geld, das er im Gefängnis verdient hatte, kaufte er sich ein Gewehr. Trotz seines mittlerweile hohen Alters fing er wieder an zu jagen und wurde mehrfach erwischt und verurteilt. Bei seiner letzten Gerichtsverhandlung soll er stolz erklärt haben: „Als Wilddieb bin ich geboren, als Wilddieb will ich sterben.“ Heinrich Mund starb Anfang des 20. Jahrhunderts. Sein Bruder Carl war ebenso unverbesserlich. Kurz nach seiner Entlassung wurde er wieder auffällig. Als der Gutsbesitzer von Garmissen aus Friedrichshausen ihn beim Holzdiebstahl ertappte, drohte Carl Mund ihn zu erstechen. Um den Wilddieb loszuwerden, soll ihn der Gutsherr ihn nach Übersee geschickt haben. Er gab ihm Geld für eine Reise nach Amerika. Leonard Happel 6

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Die Zeit der „Fleutjepaipen“ Bastlösereime aus dem Solling m Frühjahr bastelten sich Jungen und Mädchen früher Musikinstrumente aus Weidenholz. Ihre „Fleutjepaipen“, „Quarrepaipen“ oder „Maienpfeifen“ waren Schalmeien aus Baumrinde mit einem Mundstück aus Weidenholz oder Eberesche. Das Lösen der Rinde vom Holzstamm erforderte Geduld und Geschick. Die Kinder klopften mit dem Messerheft solange auf den frisch geschnittenen Weidenstab, bis der Bast sich endlich löste und die Rinde sich problemlos abziehen ließ. Dazu Mai, Mai, Peipe, eck sla deck inne Ere sau deib as ne Kere. Kamm ne ale Hexe mit‘n stumpen Messe. Wolle cheren Saft hebben, Saft, Saft, was‘r nich. (Aus dem Solling) Ra, ra, Paipe, bist döu bale raipe, wenn döu meck nich hören wutt, stopp eck deck int Bullderlock; kümet ne ale Hexe mie‘n stumpen Meste. Kopp aw, Bein aw, alles wat‘ r anne sitt. Piff, puff, paff, nöu gah er mant von aw. (aus Neuhaus) Fleutjepeipe wudd dou choon bis no Helmarshousen. Helmarshousen is nich weiit, dauert nur ne halve Stunne. (aus Lippoldsberg) I summten, brummten, sprachen oder sangen sie Reime in plattdeutscher Sprache, die in jedem Dorf anders waren. Ihre „Bastlösereime“ waren eine Art Volksdichtung und manchmal Jahrhunderte alt. Die Kinder beschworen mit ihrem Singsang den Erfolg ihres mühsamen Handwerks. Die Pfeife hieß in Neuhaus und Mühlenberg Quarrepaipe, in Hellental Zappaipe. Maienpfeifen stellten die Kinder des Sollings noch in den 1950er Jahren. Später kamen sie aus der Mode und wurden vergessen. Mai, Mai Pfeife, ich schlage dich in die Erde so tief wie eine Kerbe. Kam eine alte Hexe mit‘m stumpfen Messer. Wollte ihren Saft haben. Saft, Saft gab es nicht. Ra, ra Pfeife bist du bald reif, wenn du mich nicht hören willst, stopf ich dich ins Bollerloch. Kommt eine alte Hexe mit einem stupfem Messer. Kopf ab, Bein ab, alles was dran sitzt. Piff, puff, paff, nun geht er ab. Flötenpfeife, willst du gehen bis nach Helmarshausen. Helmarshausen ist nicht weit, dauert nur ein halbe Stunde. 15

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