Calluna Frühling 2014

 

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Das Vier-Jahreszeiten-Magazin der Südheide

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Frühling 2014 Nr. 60/16. Jahrgang Das Vier-Jahreszeiten-Magazin Der Südheide www.calluna-medien.de Calluna 1

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Zur Eins t immung Sommerliche Impressionen aus dem Museumsdorf Hösseringen bei Suderburg. Fotos: Inka Lykka Korth DIE SCHÖNSTEN SEITEN DES LANDLEBENS Calluna schenkt Ihnen zwei Eintrittskarten für das Museumsdorf Hösseringen alluna und das Museumsdorf Hösseringen – das sind zwei, die gut zusammenpassen. Beide zeigen Ihnen die schönsten Seiten des Landlebens. Wenn Sie künftig keine Ausgabe Ihres Südheide-Magazins mehr verpassen möchten, sollten Sie Calluna abonnieren. Sie müssen dann nicht mehr befürchten, kein Heft mehr abzubekommen, weil es bereits vergriffen ist. Als Abonnent(in) erhalten Sie Calluna alle drei Monate druckfrisch ins Haus geliefert. Das Magazin bekommen Sie gratis. Sie zahlen lediglich eine jährliche Versandkostenpauschale von 10,- Euro. Als Begrüßungsgeschenk erhalten Sie zusammen mit dem ersten Heft Ihres Abos zwei Eintrittskarten für das Museumsdorf Hösseringen. Am Landtagsplatz des ehemaligen Fürstentums Lüneburg können Sie auf dem in malerischer Heidelandschaft gelegenen, zehn Hektar großen Freigelände 26 typische Bauten der Lüneburger Heide entdecken – vom imponierenden Hallenhaus des Brümmerhofes über Wagenremise und Feuerwehrhaus bis hin zum freistehenden Plumpsklo. In den Gebäuden wird das ländliche Wohnen und Arbeiten der Zeit von 1600 bis 1950 in der Hei- C de dargestellt. Die Dauerausstellungen zu Imkerei, Schafhaltung, Spinnen, Weben und Schmieden sowie eine Sägerei und Stellmacherei veranschaulichen ländliche Arbeitsbereiche. Bäuerliche Hausgärten, ein Dorfteich mit Enten und Gänsen, Schweine im Auslauf am Schweinestall und Schnucken auf der Heidefläche vervollständigen das ländliche Bild. In der großen Ausstellungshalle sind wechselnde Ausstellungen zur Kulturgeschichte der Lüneburger Heide zu sehen, und bei den Veranstaltungen erhalten Sie einen lebendigen Einblick in das Landleben anno dazumal (Info: Telefon 0 58 26/17 74 oder www.museumsdorfhoesseringen.de) Calluna im Paket mit den Eintrittskarten ist selbstverständlich auch als Geschenk-Abo für Ihre Freunde oder Verwandte erhältlich. Wenn Sie das Magazin abonnieren möchten, schicken Sie bitte eine E-Mail mit ihrer vollständigen Adresse an abo@calluna-medien.de oder rufen Sie uns an (Telefon 0 53 71/5 55 06). Die Laufzeit des Abos beträgt zwei Jahre (acht Hefte). Danach können Sie das Abonnement unbegrenzt weiterlaufen lassen oder es jederzeit formlos kündigen. 2 Calluna

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EDITORIAL INHALT TRÄUMEN AN DEN TEICHEN Wunderschöne Wasserlandschaft WOHER? WOHIN? Alles im Fluss: Das Isewasser fließt einmal quer durch Niedersachsen DORNRÖSCHEN IN ZEITLUPE Im Kühlhaus schläft der Wald von morgen LIEBENSWERTE LAMAS Wiebke und Werner Schröder und ihre fünf vierbeinigen Freunde LEGAL, ABER NICHT LEGITIM Immer mehr Menschen haben es satt UMDENKEN Hilal Sezgin ruft zum Gewaltverzicht gegenüber Tieren auf 6 10 14 20 22 24 27 28 30 34 46 50 52 54 55 56 62 36 59 40 Liebe Leserin, lieber Leser, das frische, zarte Grün des Frühlings ist eine meiner Lieblingsfarben. Wir bei Calluna wollen der im Frühling erwachenden Natur nacheifern und ebenfalls grüner werden, und das ist ganz und gar nicht politisch gemeint. Als Macher des Südheide-Magazins fühlen wir uns der Landschaft, die uns immer wieder begeistert und zu neuen Geschichten und Ausflügen inspiriert, besonders nah und ihr damit auch in gewisser Weise verpflichtet. Natur- und Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind für uns keine Schlagworte, die wir benutzen, um uns ein grünes Image zu geben, sondern nachdrückliche Aufforderung zum Handeln. Deshalb haben wir schon vor Jahren als einer der ersten Verlage auf klimaneutrale Produktion umgestellt. Die beim Druck dieses Magazins entstehenden Treibhausgase werden von uns dadurch kompensiert, dass wir Ausgleichszahlungen leisten, die in zertifizierte Klimaschutzprojekte fließen. Jetzt gehen wir noch einen Schritt weiter. Vielleicht haben Sie es schon gefühlt: Das Papier ist ein anderes. Die Calluna wird nämlich ab sofort auf Recyclingpapier gedruckt, sodass für das Papier dieser und alle weiteren Ausgaben keine neuen Bäume gefällt werden müssen. Lange haben wir nach einem hochwertigen Recyclingpapier gesucht, das mit dem Umweltsiegel »Blauer Engel« ausgezeichnet ist, gleichzeitig aber unsere hohen Anforderungen an die Druckqualität erfüllt. Jetzt haben wir es gefunden. Auch wenn es deutlich mehr kostet als das zuvor verwendete Papier, meinen wir, dass es eine sinnvolle Investition ist. Materialbedingt kann auf Recyclingpapier nicht in derselben Qualität gedruckt werden wie auf chemisch gebleichtem Papier aus Frischfasern. Dass dennoch gelingt, was bislang kaum möglich schien, ist dem Engagement und der Kompetenz unseres Druckpartners, der Service-Druckerei Voigt in Gifhorn, zu verdanken. Deren Mitarbeiter haben nichts unversucht gelassen, um ein optimales Druckergebnis zu erzielen. Jetzt wird sogar mit höherer Auflösung gedruckt als auf dem herkömmlichen Papier. Beifall wünschen wir uns dafür nicht, aber möglichst viele Nachahmer, die in ihrem Bereich ebenfalls nachhaltig wirken, schließlich wollen wir, dass noch viele Generationen nach uns einen grünen Frühling erleben. Ihre BIBER AN DER ALLER Die Rückkehr der großen Nagetiere VON BIENEN UND BLUMEN Blick über den Gartenzaun MYSTERIES LIKE THIS ... Tomaten-Porträt: Southern Night GÄRTNER GESUCHT Calluna-Projekt im Museumsdorf MEISTER DER ILLUSION Ein Blick hinter die Kulissen des Schlosstheaters Celle FRIEDHÖFE ERZÄHLEN ... ... Geschichten vom Leben ENTLANG DER WIPPERAU Geschichte und Gegenwart BÄREN Geschichte von der Weltkarte KEIN BIER MEHR ... ... in der Mühle TRUTZIG Die Feldsteinkirche in Eutzen HAUPTSACHE DURCHHALTEN Ausstellung zum Ersten Weltkrieg Besser leben Buchempfehlungen SüdheideKalender Merle Höfermann Calluna 3

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IMPRESSUM KONTAKT Calluna – Das Vier-Jahreszeiten-Magazin der Südheide erscheint vierteljährlich im Verlag Werner Remus werner.remus@calluna-medien.de Susanne Knöpfle / telemotion susanne.knoepfle@calluna-medien.de DRUCK Voigt Druck GmbH, Gifhorn AUFLAGE 12.000 Exemplare ABO-JAHRESBEZUGSPREIS 10,- Euro inkl. Porto und Versand REPRODUKTIONEN jeglicher Art, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlags. KLIMA- UND UMWELTSCHUTZ Dieses Magazin wird auf hochwertigem Recyclingpapier gedruckt, das mit dem Umweltsiegel Blauer Engel ausgezeichnet ist. Die beim Druck freigesetzten Treibhausgase werden vom Verlag durch Investitionen in zertifizierte Klimaschutzprojekte kompensiert. BÜROS kontakt@calluna-medien.de www.calluna-medien.de CallunaMagazin Steinweg 3 38518 Gifhorn REDAKTION Merle Höfermann (verantwortlich) m.hoefermann@calluna-medien.de Inka Lykka Korth inka.korth@calluna-medien.de Christine Kohnke-Löbert christine.kohnke@calluna-medien.de LAYOUT Inka Lykka Korth inka.korth@calluna-medien.de ANZEIGENGESTALTUNG Friederike Kohnke friederike.kohnke@calluna-medien.de ANZEIGENVERKAUF Martina Ganz (verantwortlich) martina.ganz@calluna-medien.de Jennifer Mallas jennifer.mallas@calluna-medien.de GIFHORN im Kavalierhaus von 1546 Steinweg 3 38518 Gifhorn Tel. 0 53 71/555 06 Fax 0 53 71/555 07 ISENHAGENER LAND auf dem Calluna-Hof Oerreler Dorfstraße 22 29386 Dedelstorf-Oerrel Tel. 0 58 32/97 98 40 Fax 0 58 32/97 98 41 UELZEN hinter der Kaiserlichen Post Gartenstraße 16 29525 Uelzen Tel. 05 81/97 39 20 71 Fax 05 81/97 39 20 72 Print kompensiert Id-Nr. 1436780 www.bvdm-online.de Besuchen Sie uns auch im Internet! Folgen Sie uns auch bei Facebook! facebook.com/CallunaMagazin Wir bloggen täglich unter: callunamagazin.blogspot.de BRID AURIS HY TS G SPOR TOURIN 4 Calluna

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EINSTIMMUNG Ab April: Samstag, Sonntag, Montag und an Feiertagen von 14:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. HOFCAFÉ regional - bio - und mehr t selbstgebackene Kuchen/Torten t FAIR TRADE- & BIO-Espresso-Spezialitäten t italienisches BIO-Eis t kleine Speisen Frühstück und Familienfeiern möglich! Winkelhof - Alte Dorfstraße 12 - 29328 Müden/Ö. Telefon 05053/94077 - Fax 05053/9999810 E-Mail kontakt@winkelhof-mueden.de - www.winkelhof-mueden.de Wir freuen uns auf Ihren Besuch! · Gutbürgerliche er rl he e Küche · Gästezimmer mer m · Feierlichkeiten en n bis 25 Personen · Biergarten Inhaberin Kerstin stin t n Dammann D Dorfstraße 64 · Neudorf-Platendorf ud endorf ndorf Telefon: 0 53 78 - 98 19 17 Mobil: 0179 - 676 48 75 kontakt@gaststaette-heidekrug.de · www.gaststaette-heidekrug.de Calluna 5

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NATURGESCHICHTEN Gratis Katalog anfordern! TRÄUMEN AN DEN TEICHEN Die Wanderung »Beim Hecht im Karpfenteich« führt durch eine wunderschöne Wasserlandschaft VON INKA LYKKA KORTH (Text und Fotos) Gutschein für Ihre erste Bestellung!* Gültig bis 31.7.2014 Code 14FS118 10€ Deerberg.de *Mindestbestellwert 80  € Schuhe und Mode von Deerberg haben ein unverwechselbares Design, werden aus natürlichen Materialien gefertigt und sind fair und nachhaltig produziert. Rufen Sie uns kostenlos an! deerberg.de · 0800 / 480 080 005 Deerberg Versand GmbH · Velgen 35 · 29582 Hanstedt auc n e Wi r druck h hi m Alfred-Teves-Straße 14 38518 Gifhorn Telefon 05371.9855-0 zentrale@service-druckerei-voigt.de or mir Wasser, hinter mir Wasser. Ich komme mir vor wie auf einer Insel, aber ich bin auf einem Damm zwischen zwei Teichen. Einladend stehen hier Tisch und Bänke, gezimmert aus dicken Holzschwarten. Ich setze mich verkehrt herum auf eine der beiden Bänke, mit dem Rücken zum Tisch, und gucke auf das Wasser, in dem sich der blaue Himmel spiegelt. Das Blau ist eingerahmt vom frühlingsfrischen Grün der Bäume am Ufer. Stundenlang könnte ich hier sitzen, die Farben und die Stille genießen – einfach nur so vor mich hinträumen ... Ich schließe die Augen, und die Bilder, die ich jetzt sehe, sind nicht mehr Blau und Grün, sondern Schwarzweiß mit einem Hauch von Sepia. Sie kleben in einem alten Fotoalbum im Wohnzimmerschrank meiner Eltern. Sie zeigen einen See, und am Ufer hängen auf einem Holzgestell Netze zum Trocknen in der Sonne. Vielleicht sind es die Netze meines Urgroßvaters. Der war an diesem See Fischer. Ein Mann mit wettergegerbtem Gesicht und Gutmütigkeit und Großherzigkeit im Blick. Ich kenne ihn nur von Fotos, ebenso »seinen« See, aber hier und jetzt, an den Aschauteichen bei Eschede, spüre ich plötzlich eine innere Verbindung. Es war bestimmt nicht immer einfach, mit der Fischerei die große Familie zu ernähren, aber ich bin mir ziemlich sicher: Er hat seinen Beruf geliebt. Im Morgennebel mit dem Boot hinausfahren, den See ganz für sich alleine haben, erleben, wie die Sonne immer höher steigt und schließlich die Kälte des Morgens vertreibt ... Genug geträumt! Mein Urgroßvater mag einen traumhaft schönen Arbeitsplatz gehabt haben, aber ich hätte seine Arbeit niemals machen können und wollen. Einen Fisch fangen und töten – für mich als Veganerin unvorstellbar! Dennoch würde ich, wenn ich wählen müsste, lieber Fischerin als Schweinemästerin werden. Und ohne die Teichwirtschaft gäbe es auch die Aschauteiche nicht, an deren Ufern entlang es sich so herrlich wandern lässt. Entstanden sind die Aschauteiche 1906 aus landwirtschaftlichen Rieselwiesen entlang dem Heidebach Aschau, der gestaut wurde. Die 86 Hektar Wasserfläche – das entspricht rund 172 Fußballfeldern – wird seit jeher extensiv bewirtschaft. Lediglich knapp ein Drittel des Nahrungsbedarfs der Teichfische wird durch Zufütterung mit Getreide gedeckt. Teichwirt Torben Heese legt Wert auf »naturintegrierte Fischzucht«. Seine Teiche, die im Naturpark Südheide liegen, sind nicht nur als Wasserschutzgebiet, sondern auch als Vogelschutzgebiet ausgewiesen. 2005 wurden sie Bestandteil des europäischen Fauna-Flora- V 6 Calluna m el bl au .

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Traumhafter Teichblick I Wandern auf den grünen Dämmen zwischen den Teichen I Im Überlauf, auch Mönch genannt, wächst eine Brennnessel I Platz an der Sonne auf einem Seerosenblatt I Dem Steg wächst ein grüner Pelz I Die Schautafel an der Teichwirtschaft informiert über die Tier- und Pflanzenwelt und die beiden Rundwanderwege im Teichgebiet. Calluna 7

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NATURGESCHICHTEN Leuchtende Fische in allen Farben – unter Wasser in Rot, über Wasser in Blau –, und ein Frühlingshimmel, der kopfüber baden geht. VOGELKUNDLICHE WANDERUNG RUND UM DIE ASCHAUTEICHE er frühe Vogel fängt den Wurm, heißt es, und weil die Vögel früh unterwegs sind, müssen auch die Vogelfreunde früh aufstehen: Die vogelkundliche Wanderung am Sonnabend, 26. April, beginnt bereits um 8:00 Uhr. Die Teilnahme ist kostenfrei. Geführt wird die Wandergruppe von Manfred Bölke aus Eschede. Treffpunkt: Eschede, Parkplatz an den Aschauteichen, südlich der B191, auf der Wiese gegenüber der Verkaufsstelle. Dauer: rund drei Stunden. Anmeldung erforderlich. INFO 0 51 41-20 81 73 oder anke.puschmann@celle.de D Mittelstrasse 1 Knesebeck Tel.: 05834 - 5261 Umweltfreundlich & mobil wahl Große Aus ng Fachberatu anzierung in F e g ti Güns rantie 2 Jahre Ga rvice e s r Reparatu Jetzt die neuen Modelle bei uns testen d Elektro-Ra ten ühling star In den Frne m neuen mit ei Habitat-Schutzgebiets »Lachte-Lutter-Aschau«. Somit ist auch behördlicherseits anerkannt, dass sich die Teichlandschaft zu einem wertvollen Biotop für viele Tier- und Pflanzenarten entwickelt hat. Es ist tatsächlich kaum noch zu erkennen, dass es sich bei den Wasserflächen nicht um natürlich entstandene Seen, sondern von Menschen künstlich angelegte Teiche handelt. Würde da nicht die das Gesamtbild beeinträchtigende Hochspannungsleitung übers Gelände verlaufen, könnte man glatt das beliebte Schlagwort »Natur pur« verwenden. 2009 dienten die Aschauteiche sogar als Filmkulisse. Damals fanden hier die Dreharbeiten für die Verfilmung des Romans »Die Auflehnung« von Siegfried Lenz statt. Jan Fedder spielte in dem Film den Teichwirt Frank Wittmann, der seinen Fischbestand durch gefräßige Kormorane bedroht sieht, die in Scharen in seine Teichlandschaft einfallen. Auch wenn der Roman nicht zu den Glanzstücken von Siegfried Lenz gehören soll, werde ich mir den Film auf DVD besorgen. Die Lenz-Verfilmungen mit Jan Fedder in den Hauptrollen waren ja alle durchaus sehenswert, und schon allein wegen der Szenen an den Aschauteichen interessiert mich der Streifen. Aber jetzt wollen wir nicht auf den Bildschirm starren, sondern lieber wandern. Die Wanderung mit dem einprägsamen Titel »Beim Hecht im Karpfenteich« beginnt und endet am Parkplatz der Teichwirtschaft, die frisch geräucherten Fisch anbietet. Die Informationstafel am Parkplatz weist eine kürzere (3,6 Kilometer) und eine längere Rundtour (9,6 Kilometer) aus. Wir entscheiden uns für die längere, die auch die nördlich an die Aschauteiche angrenzenden Loher Teiche einschließt. Die Wanderung führt etwa je zur Hälfte durch das Teichgebiet und durch Kiefernwald. Im Wald verläuft der Weg teilweise parallel zur Bahnlinie Celle-Uelzen, und es bleibt nicht aus, dass man mindestens einen ICE vorbeirasen sieht und vor allem hört. Nachdem wir den Wald wieder verlassen haben und zurück im Teichgebiet sind, erklimmen wir noch einen Aussichtsturm, der zur Vogelbeobachtung am Rand eines Teiches aufgestellt worden ist. Als wir da oben sitzen und uns ärgern, weil wir kein Fernglas mitgenommen haben, beschließen wir, bald wiederzukommen – im Sommer, wenn die Seerosen blühen, und im Herbst, wenn sich das Laub färbt und die tief stehende Sonne das Wasser glitzern lässt ... INFO Eine ausführliche Beschreibung der Wandertour »Beim ... immer erst zu LILIE Hecht im Karpfenteich« (W 14) mit detaillierter Karte kann im interaktiven Südheide-Tourenportal unter der Adresse www.regioncelle-navigator.de heruntergeladen werden. Wer lieber mit dem Farrad unterwegs ist, wählt im Tourenportal statt der Wanderung die 32 Kilometer lange Radtour »Wo sich Wasservögel und Teichkarpfen wohlfühlen« (RT 7). 8 Calluna

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Restaurant & Café 1. Mai Hoffest Mai/Juni Traditionelles Spargelbuffet jeden Donnerstag ab 19 Uhr Ihr Ausflugsziel! Wild- und Heidschnuckenbraten, saftige Steaks und saisonale Spezialitäten Planen Sie eine Feier? Sprechen Sie uns an! Unser Festsaal bietet Platz für individuelle Familien- oder Vereinsfeiern (in kleinem oder großem Rahmen) © pressefoto-liss Muttertag/Vatertag Pfingstsonntag + Pfingstmontag von 12 - 14 Uhr - schon reserviert? Gasthaus Zur Linde · Hauptstraße 15 · 29393 Groß Oesingen Tel. 05838/302 · Fax 05838/607· E-Mail gasthauszurlindeoesingen@t-online.de Wir sind immer einen Besuch wert! www.landbaeckerei-grete.de www.gasthauszurlindeoesingen.de n Pause genieße ! ...in Gretes Mühlenbäckerei in Hillerse, Hauptstraße 31. Bestes traditionelles Bäckerhandwerk mit viel Atmosphäre im Bäcker-Café. Jeden Sonntag geöffnet und immer ein lohnendes Ziel für eine leckere Kaffeepause! Hillerse, Hauptstraße 31 geöffnet: Mo. - Fr. 5.00 - 18.00 Uhr Sa. 5.00 - 12.00 Uhr · So. 7.00 - 10.30 + 13.00 - 17.00 Uhr Calluna 9

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NATURGESCHICHTEN WOHER? WOHIN? ALLES IM FLUSS Das Isewasser fließt einmal quer durchs ganze Land BILD OBEN Kein Fluss mit natürlichen Windungen, son- VON INKA LYKKA KORTH (Text und Fotos) dern ein schnurgerade ausgebauter Kanal: die Ise bei Alt-Isenhagen. BILD RECHTE SEITE OBEN Nördlich der Straße von Er- pensen nach Neuekrug geht es parallel zum Grenzgraben am Waldrand entlang, an dem die Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt verläuft, ins Quellgebiet der Ise. hier direkt nach der Einmündung des Gosebachs nordöstlich von Wentorf ist das Wasser der Ise nur an wenigen Stellen. BILD RECHTE SEITE UNTEN So schön in Bewegung wie oher kommt das Wasser der Ise, wohin fließt es? Das sind, wie ich finde, durchaus spannende Fragen, und ich wette, dass selbst im Isenhagener Land, das nach diesem Fluss benannt ist, nur die wenigsten sie beantworten können. Die Antwort auf die Frage nach dem »Wohin« ist zwar vergleichsweise einfach zu beantworten, aber an der Antwort auf die Frage nach dem »Woher« scheiden sich die Geister. Gut, dass die Ise an der Bundesstraße 244 bei Alt Isenhagen ausgeschildert ist! Sonst würde wohl kaum ein Autofahrer bemerken, dass er gerade einen Fluss überquert. Tatsächlich ist die Ise in diesem Bereich noch ziemlich schmal, wirkt eher wie ein begradigter Bach oder ein Entwässerungsgraben. Im Leu, dem großen Waldgebiet zwischen Emmen und Wahrenholz, gewinnt sie dann aber zunehmend an Breite und verdient sich auf diese Weise immerhin W 10 Calluna

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Die Fa rben de s Winter s die Bezeichnung Flüsschen, auch wenn sie streckenweise trotz der Renaturierungsbemühungen nach wie vor den Charakter eines mit dem Linial gezogenen Kanals hat. Auf der letzten Etappe von Wahrenholz nach Gifhorn wird aus dem Flüsschen dann aber doch noch ein stolzer Fluss, der mit seinem Wasser den Mühlensee und den Schlosssee speist. In der Kreisstadt endet zwar die Ise, aber ihrem Wasser steht noch der längste Teil der Reise bevor. Über die Aller führt ihr Weg in die Weser und weiter in die Nordsee, die gewissermaßen für das Salz in der (Süßwasser-)Suppe sorgt. Doch zurück nach Alt-Isenhagen: Von dort aus will ich die Ise flussaufwärts erkunden – nicht mit dem Boot, denn dazu ist die Ise dort zu schmal, sondern mit dem Fahrrad. Östlich der Brücke, auf der die B 244 die Ise überquert, biege ich in den Waldweg ein und fahre jetzt ein bis zwei Kilometer nach Norden, zur Linken die Ise, zu Rechten den Elbe-Seitenkanal. Vor der Kanalbrücke fahre ich nach links in Richtung Wentorf und überquere dabei die Ise auf einer kleinen Brücke mit einem hübschen alten Geländer. Kurz hinter der Brücke biege ich rechts ab und folge der Straße in Richtung Lüder, bis ich an das Hinweisschild zur Dammburg Wentorf komme. Direkt hinter dem kleinen Wäldchen, in dem sich einst die Burganlage befand, treffe ich wieder auf die Ise, deren Wasser hier richtig schön in Bewegung ist. Mir kommt es fast so vor, als würde die Ise hier Freudensprünge machen, weil sie mit dem Gosebach vereint INFO Die Ise ist ein Nebenfluss der Aller und rund 43 Kilometer lang. Ihr Quellgebiet befindet sich an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt, zwischen den Orten Lüben und Neuekrug. Von dort fließt sie zunächst nach Westen, knickt dann direkt hinter dem Elbe-Seitenkanal bei Wentorf nach Süden ab und nimmt dabei das Wasser des Gosebachs auf, der das Schweimker Moor entwässert. Parallel zum Elbe-Seitenkanal fließt die Ise durch die Wiesen zwischen Emmen und Wunderbüttel, passiert Wahrenholz und Gamsen und biegt in Gifhorn schließlich erneut nach Westen ab. Durch den Mühlensee und vobei an der Cardenap-Mühle mündet sie südlich der Bleiche in Gifhorn in die Aller, die bei Verden in die Weser mündet. Die Weser mündet bei Bremerhaven in die Nordsee. Früher floss die Ise in zahlreichen Windungen durch Moore, Wälder und Feuchtwiesen und bildete eine schwer zu überwindene Barriere zwischen West und Ost, zumal es bis ins 18. Jahrhundert, wie aus der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1777 ersichtlich ist, lediglich drei Brücken gab: in Stöcken, Wahrenholz und Gifhorn. Wer keinen Brückenzoll zahlen konnte oder wollte, musste eine der beiden Furten bei Alt-Isenhagen und bei Wunderbüttel benutzen. Calluna 11

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NATURGESCHICHTEN ist, der reichlich Wasser aus dem Schweimker Moor und dem Lüderbruch mit sich führt. Der Gosebach mündet nämlich just an der Stelle in die Ise, an der der Fluss offenbar entspringt. Die Ise scheint direkt unterhalb der Uferböschung des Elbe-Seitenkanals ihren Ursprung zu haben. Das Wasser kommt aus der Tiefe. Ist das etwa die Isequelle, hässlich in Beton eingefasst? Nein, wie der Blick auf die digitale Landkarte zeigt: Auf der anderen Seite des Kanals geht die Ise weiter. Beim Bau des Kanals wurde sie in ein Rohr gezwängt und unter dem Kanalbett hindurch geführt. Um der Ise weiter flussaufwärts folgen zu können, muss ich wieder zurück auf die Straße nach Lüder und bis zur Abzweigung nach Gannerwinkel fahren. Als ich oben auf der Kanalbrücke eine kurze Pause mache und die Aussicht über die weite Landschaft genieße, wird mir schmerzlich bewusst, dass es hier, wenn nicht noch die Vernunft siegt, bald vorbei sein wird mit der Idylle. Die geplante Autobahn 39 soll in diesem Bereich parallel zum Kanal verlaufen. Meine nächste Station an der Ise ist Stöcken. An der ersten Isebrücke im Ort bewundere ich die riesigen, alten Bäume mit zerfurchter Rinde, bei denen es Schon teilweise verlandet, aber immer noch riesig: der Stöckener Teich in der Kurhannoverschen Landesaufnahme aus dem 18. Jahrhundert mit dem als Mühlenbach bezeichneten Oberlauf der Ise. Genz appartments auf der dänischen Nordseeinsel Rømø Modern und bequem eingerichtete Appartments in ruhiger Umgebung in Kongsmark, mitten auf der Insel Rømø (Straßenanbindung ans Festland) mit Nordeuropas breitestem Sandstrand, Dünen, Heidelandschaft und Hafen mit Fischerbooten. In nur ca. 4 Stunden Fahrtzeit aus der Südheide zu erreichen. Das Appartment hat einen großen Wohnraum mit Sitzgruppe, 2 Schlafsofas, Esstisch und Küche. Duschbad mit WC, Schlafzimmer mit Doppelbett und eine Schlafnische. Schlafmöglichkeiten für bis zu 5 Personen. Eigener Eingang, Parkplatz, Liegestühle und Terrasse. Ein beheiztes Schwimmbad mit Sauna steht den Gästen von 8:00 - 20:00 Uhr kostenlos zur Verfügung. Weiterhin vorhanden sind: Fahrräder, Tischtennis-/ Spielraum für Kinder, Spielplatz mit Sandkasten, Minigolfanlage und Fußballplatz. Kostenloser Internetzugang (WLAN) in allen Appartments. Attraktive Preise in der Nebensaison. Genz appartments · Småfolksvej 10 · 6792 Kongsmark, Rømø Tlf.: +45 7475 5401 · info@genz-app.dk · www.genz-app.dk sich offenbar um einige der wenigen Ulmen handelt, die dem verheerenden Ulmensterben in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts getrotzt haben. Da die Bäume im Vorfrühling noch unbelaubt sind, lassen sie sich leider nur anhand der Rinde und der Knospen bestimmen. In Stöcken säumen Erlen die Ise, und Wiesen und Gärten grenzen direkt an ihre Ufer. Ich fahre zur anderen Brücke auf die Westseite des Dorfes. Dort, an der Landstraße von Wittingen nach Langenbrügge, steht die alte Mühle, die auf alten Karten den Beginn der Ise markiert. Östlich der Mühle wurde die Ise früher als Mühlenbach bezeichnet. Die Mühle scheint dem Verfall preisgegeben zu sein. Man kann sich angesichts der vielen Löcher im Dach lebhaft vorstellen, wie das Fachwerkgebälk immer weiter leidet – bis das Gebäude wahrscheinlich irgendwann in sich zusammensackt. Schade, zumal die 1328 erstmals urkundlich erwähnte Mühle mit drei Mahlgängen zu den größten in der Region gehörte. Zwischen Stöcken und Lüben sieht die Ise aus wie jeder andere Entwässerungsgraben. An der Landesgrenze zu SachsenAnhalt trifft sie auf den entlang der Grenze verlaufenden Grenzgraben. Östlich des Grenzgrabens gibt es zahlreiche weitere Gräben, die aber offensichtlich keine oberirdische Verbindung zur Ise haben. Stattdessen sammelt sich in der feuchten Senke zwischen Lüben und Neuekrug das Wasser unterirdisch und speist auf diese Weise Grenzgraben und Ise. Wie mag das hier wohl früher ausgesehen haben, als es noch keine Gräben gab? Wieder zu Hause, lese ich in einem älteren Aufsatz des Heimatforschers Heinz Burghard, dass sich einst westlich von Stöcken ein riesiger Teich bis nach Neuekrug in der Altmark erstreckt hat. Zur Trockenlegung des Teiches legten Suderburger Wasserbauer einen Kanal an, der den Namen Mühlengraben bekam. In der Kurhannoverschen Landesaufnahme, die in den Jahren 1764 bis 1786 entstand, soll der Teich eingezeichnet sein, habe ich gelesen. Ich besorge mir den entsprechenden Kartenausschnitt und bekomme eine ungefähre Vorstellung davon, wie das Quellgebiet der Ise einst ausgesehen haben muss. Obwohl schon teilweise verlandet, ist der Teich für hiesige Verhältnisse immer noch riesig. Leider endet die Karte an der Grenze zum 12 Calluna

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NATURGESCHICHTEN Königreich Preußen, sodass sich die Ausmaße des Teiches in der Altmark nur erahnen lassen. Der Krebs im Lübener Ortswappen erinnert an die Zeit, als die Senke südlich des Dorfes eine einzige große Wasserfläche war. Durch die Entwässerung gewannen die Bauern wertvolles Weide- und Ackerland. An Naturschutz dachte damals noch niemand. In den Jahren 1934 bis 1939 wurde die von den Suderburger Wasserbauern eingeleitete Entwässerung des Feuchtgebiets weiter vorangetrieben. Der Reichsarbeitsdienst legte ein weit verzweigtes System aus Gräben an und baute nebenbei auch gleich noch die Stöckener Badeanstalt etwa 300 Meter östlich der Mühle. Die Naturzerstörung ging auch nach dem Krieg munter weiter: Von 1954 bis 1960 wurde aus dem Flüsschen Ise ein über weite Strecken schnurgerader, »pflegeleichter« Kanal, der zwar AschauTeiche BILD OBEN Zerfurcht: Rinde einer alten Ulme an der Ise bei Stöcken. BILD UNTEN Dem Verfall preisgegeben: die Stöckener Mühle den Anforderungen für maschinelle Unterhaltungsarbeiten genügte, aber Pflanzen und Tieren nicht mehr viel zu bieten hatte. Der Bau des Elbe-Seitenanals in den 1970er Jahren bedeutete einen erneuten schwer wiegenden Eingriff in den Wasserhaushalt der Ise-Niederung. Das Umdenken begann erst Mitte der 1980er Jahre. Die Aktion Fischotterschutz machte die Revitalisierung der Ise-Niederung 1987 gewissermaßen zu ihrem Referenzprojekt. Auch wenn die Ise nicht in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden konnte, ist es doch zumindest gelungen, den geschundenen Fluss und seine Uferzonen soweit aufzuwerten, dass er wieder für mehr Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum dienen kann. Die Aktion Fischotterschutz kaufte rund 500 Hektar landwirtschaftliche Flächen am Fluss auf, um sie aus der intensiven Nutzung herauszunehmen und größtenteils in extensiv bewirtschaftetes Grünland umzuwandeln. Die Uferrandstreifen in diesen Bereichen werden gar nicht mehr genutzt. Zum Teil wurden sie mit Erlen bepflanzt. Calluna 13

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WALDGESCHICHTEN DORNRÖSCHEN IN ZEITLUPE Im Kühlhaus schläft der Wald von morgen: Bucheckern werden nicht mit einem Kuss, sondern in 100 Tagen aufgeweckt VON MARION KORTH (Text und Fotos) B eim Rundgang durch Hallen, vorbei an rotierenden Trommeln und merkwürdigen Maschinen, sind wir schließlich vor einer schweren Stahltür angekommen: »Das ist unsere Schatzkammer«, sagt Andreas Preuß und legt den Hebel um. Draußen scheint die Sonne, ist es warm, hier drinnen kalt und dunkel. Schätze hatte ich mir bislang anders vorgestellt. Statt Geglitzer und Gefunkel alles Grau in Grau, verschweißte Plastiksäcke voller Samen. Hier ruht der Wald von morgen. Zehn Tonnen feinste Baumsamen. »Damit könnten wir locker Schleswig-Holstein bepflanzen, ganz bestimmt«, sagt der Leiter der Forstsaatgut-Beratungsstelle (FSB) in Oerrel bei Munster. Schwingt da nicht ein bisschen Andacht in seiner Stimme mit? Ich jedenfalls bin beeindruckt, nicht, weil dieser Schatz mehr als 400 000 Euro wert ist, sondern weil jedes dieser winzigen Körner die Möglichkeit in sich birgt, zu einem Baumriesen heranzuwachsen, dem unsere Achtung gebührt. Persönlich mag Andreas Preuß am liebsten Eichen, alt und knorrig. In der FSB Oerrel, einem Unternehmen der Niedersächsischen Landesforsten, lagern in Kühlkammern die Samen vieler verschiedener Baumarten, die in den Wäldern unserer Region und in ganz Niedersachsen wachsen: Fichten, Birken, Tannen, Kiefern, Erlen, Lärchen, Stiel-, Stein- und Roteichen, um nur einige zu nennen, außerdem Douglasien und Buchen. Die beiden letzteren Arten sind besonders gefragt. Fichtenforst und Kiefernschonung sind Auslaufmodelle. Der Wald von heute und erst recht der von morgen ist keine Mono-, sondern eine Mischkultur. Kleine Buchen, die sich unter einzelne große Kiefern »mogeln« – das hat System. »Nadelbaummonokulturen sind die Hölle«, sagt Forstwirt Preuß. Anfällig für Wind und Wetter, für Schädlinge und Krankheiten. Der Sturm 1972 warf die Kiefernwälder um, dazu kamen Borkenkäferinvasionen und verheerende Brände. Aus Fehlern hat man gelernt, das Landesprogramm zur »Langfristigen ökologischen Waldentwicklung« – kurz Löwe genannt – markierte mit seinem Beginn 1991 die Kehrtwende weg vom Einheitswald hin zu einer vielfältigeren Waldgesellschaft mit Laub- und Nadelbäumen unterschiedlichen Alters. Freilich, eine wirkliche Wahl hatte man ganz früher nicht, als durch Kahlschlag und Raubbau völlig verarmte Heideböden wieder aufgeforstet wurden. Den Pionieren unter den Bäumen, Kiefer und Birke, haben wir viel zu verdanken, letztendlich bereiteten sie den Boden, auf dem jetzt auch Buchen wachsen können. Gleiches gilt für den Harz, der seinen Wald als Reparationsleistung nach dem Zweiten Weltkrieg hergeben musste, die schnellwachsende Fichte machte seine Hänge wieder grün. Die Zeiten haben sich geändert, die Forstleute stehen heute vor ganz anderen Herausforderungen, nicht nur, dass statt großflächiger Aufforstung kleinflächiger Umbau angesagt ist. Forstleute müssen ohnehin geduldig sein, damit leben, dass sie das Ergebnis ihrer Bemühungen um den deutschen Wald selbst gar nicht mehr sehen können. Aber das, was da langfristig mit dem Klimawandel auf uns zukommt, das geht noch weiter in die Zukunft, ist eine Rechnung mit vielen Unbekannten. »Es gibt verschiedene Modelle«, sagt Preuß. Es kann gut sein, dass Fichten in 500 Jahren nicht mehr bei uns wachsen werden. Buchen und Kiefern kommen mit größerer Wärme und Trockenheit offenbar besser zurecht. Während sich die Nadelbaumbestände, denen der saure Regen zugesetzt hatte, wieder erholen, wird ausgerechnet Preuß‘ Lieblingsbaum, die Eiche, zum Sorgenkind. »Die alten Eichenbestände sehen sehr schlecht aus.« Wassermangel, Mehltau, Schädlinge – ausgerechnet die Eiche, die für die Ewigkeit gemacht zu sein scheint, schwächelt, hat einfach zu viele Feinde. »Breit aufgestellt« zu sein, kann mit Blick auf eine ungewisse Zukunft sicher nicht schaden. Naturschützer, sagt Preuß, sehen das anders und Douglasie oder Roteiche, deren eigentliche Heimat Nordamerika ist, im deutschen Wald nicht gern. Noch eine Nordamerikanerin hält gerade Einzug: Die Eschenbestände sind wegen einer Pilzerkrankung komplett Vielfalt für den Wald von morgen: In den Schaugläsern im Regal der FSB Oerrel stehen rund 50 verschiedene Samen von Baum- und Wildgehölzarten. 14 Calluna

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