VNW Magazin 5/2010

 

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VNW Magazin 5/2010

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magazin 03 iiiv nw-a r beitstagung 06 v nw-zu ku nfts w erk statt 18 w ohnen fü r ein langes leben mi nisterin kommt zum auftakt 11 38 i reform geht ins leere en twur f zum m i etrecht u nzureichend wohnzukunft gestalten 47 i v nw-n a chrichten 0510 verband norddeutscher wohnungsunternehmen e v in kooperation mit dem vdw niedersachsen bremen

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höherer wohnwert zufriedene mieter attraktivere wohnobjekte mit multimedia1 aus dem kabelanschluss kabel anschluss mehr wohnqualität bei bestandsimmobilien ohne großen kostenaufwand der kabelanschluss macht es möglich er bietet technik fürs leben einfach unkompliziert und alles aus einer hand · digitales fernsehen · schnelles internet1 · günstige telefonie1 · mobil telefonieren und surfen2 erfahren sie mehr über die multimedialen möglichkeiten des kabelanschluss bei ihrem persönlichen geschäftskunden-partner ihr kabelanschluss für fernsehen internet und telefon 1 in immer mehr ausbaugebieten und mit modernisiertem hausnetz verfügbar 2 nur in verbindung mit einem kabel deutschland internet phone vertrag möglich en ternehm ungsun wohn and.de eutschl beld www.ka

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i n halt m a ga z i n 0510 02 03 06 08 11 14 18 21 22 24 vn wiiiiiiiiiiiiiiiiiii inhalt vor wort wilfried wollmann v nw-a rbeitstagung v nw-zukunftswerkstatt v nw-n achrichten t hema ib a hamburg intensivseminar energieeffizienz sc hwe rpu n kt wohnen für ein langes leben auftakt 11 landesinitiative li nga vernetztes wohnen thema gedaschko wird gdw-präsident lerninsel 2010 managementforum 2011 unternehmensporträt bauverein der elbgemeinden gentrifizierung mietrechtsreform immobilien lebenszyklus inter view kundenorientierung verbessern v nw v nw-n achrichten 0510 27 28 29 30 34 38 40 44 47

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w ilf xexlot hr i xd w ol n e na nx inlm xx n i i vo rsitzend er der a rbeitsgemeinschaft mecklenb urg-vorpommerscher wo hnungs unternehmen e v es bleibt spannend liebe leserin lieber leser vor 20 jahren wurde die arbeitsgemeinschaft mecklenburgisch-vorpommerscher wohnungsunternehmen in schwerin gegründet zeit eine bilanz zu ziehen unsere 155 mitgliedsunternehmen haben seit der wende über 10 milliarden euro in den wohnungsbau in mecklenburg-vorpommern investiert fast 90 prozent unserer wohnungen haben wir voll oder teilmodernisiert durch unsere leistungen haben wir erheblich zum erfolg des programms stadtumbau ost beigetragen wir konnten die durchschnittliche leerstandsquote auf 7,3 prozent drücken ein spitzenwert im vergleich zu den anderen fünf neuen ländern das antlitz unserer städte hat sich grundlegend verändert schwerin rostock greifswald stralsund neubrandenburg um nur einige zu nennen sind zu architektonischen perlen und tourismusmagneten geworden vom sozialismus zur marktwirtschaft die branche hat einen schmerzhaften veränderungsprozess erfolgreich abgeschlossen von der grundmiete zur marktmiete unsere mitgliedsunternehmen haben ihre wohnungsbestände modernisiert und bieten ihren mietern hohe lebensqualität im bereich des wohnens haben wir die deutsche einheit sozial und ökonomisch verwirklicht es herrschen vergleichbare wohn-lebensverhältnisse in ost und west es bleibt spannend der strukturwandel geht weiter demografische und wirtschaftliche veränderungen stellen unsere mitgliedsunternehmen vor neue herausforderungen es droht eine zweite leerstandswelle darauf müssen wir unsere marketinganstrengungen ausrichten kundenorientierte vermietung mit mehrwert darin liegt unser potenzial der 2 november 2010 bedeutet auch 110 jahre vnw der verband norddeutscher wohnungsunternehmen wurde am 2 november 1900 in ellerbek bei kiel gegründet für uns ist der verband ein starker partner er bietet seinen mitgliedsunternehmen eine effiziente unterstützung in allen fragen es bleibt spannend gemeinsam gehen wir in das dritte jahrzehnt neben der sicherung der wirtschaftlichen stabilität unserer unternehmen kommt es zukünftig maßgeblich darauf an den stadtumbau ost erfolgreich fortzusetzen wir freuen uns auf diese herausforderung gemeinsam mit dem vnw wird die amvw noch viele jubiläen feiern ihr wilfried wollmann vorw ort m a ga z i n 0510 anmerkung mehr über das jubiläum lesen sie im heft die arbeitsgemeinschaft mecklenburgisch-vorpommerscher wohnungsunternehmen e v hat unter dem titel 20 jahre amvw eine chronik veröffentlicht » wenn esmorgensumsechsuhr an meinert ü r lä utetundichkannsicher sein dass es dermilchmannist dannwei ß i c h dass ich in einer demokratie lebe.« wi ns t o nc hurchill ehemal igerbritischerpolitiker 1874 ­ 196 5 2

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vnw-arbeitstagung streit um die städtebauförderung m a ga z i n 0510 vn w-ar bei tsta gu ng alle fotos t hies ibold hamburg vo m 2 0 b is 2 2 s e pt e m b er 2 0 1 0 fa ndin de r muk m us i k un dkongresshal le l ü bec k di e vn w-a rb eits ta g ung s tat t v n w v e rb ands aus s c hus sv orsitz en d e r ho l g er ko wa lskier ö f f net e vo r 6 5 0 t e il n ehme rn di e ve rans ta ltu n g dabei übte er kritik an den kürzungsplänen des bundesbauministeriums bei den städtebauförderungsmitteln stadtpräsidentin gabriele schopenhauer überbrachte ein grußwort der hansestadt lübeck verbandsdirektor dr joachim wege benannte in seiner rede aktuelle herausforderungen für den wohnungs und städtebau in deutschland dabei handelt es sich um städtebau und stadtumbau energieeinsparung im wohnbereich steuerliche rahmenbedingungen hemmnisse beim wohnungsbau sowie eine partnerschaftliche zusammenarbeit zwischen politik und wohnungswirtschaft diese fünf herausforderungen können wir nur gemeinsam meistern aus der amerikanischen immobilienkrise wurde eine gravierende finanzkrise daraus eine globale wirtschaftskrise und letztlich eine staatliche schulden und haushaltskrise die zentrale aufgabe besteht darin unser finanz wirtschaftsund sozialsystem neu und nachhaltig zu justieren und dabei auch den umwelt und klimaschutz sicherzustellen in der podiumsdiskussion unter moderation von anja würzberg standen die von der bundesregierung vorgesehenen kürzungen der städtebauförderung sowie schärfere energievorgaben für gebäude im mittelpunkt der ­ teilweise heftig ­ geführten diskussion vnw-verbandsdirektor dr joachim wege forderte jan mücke parlamentarischer staatssekretär im bundesministerium für verkehr bau und stadtentwicklung auf die geplante kürzung um jährlich 305 millionen euro zurückzunehmen die zukunft der städte werde gefährdet das projekt stuttgart 21 solle zurückgestellt werden es fehle das rechte augenmaß mücke verteidigte die einsparungen das bauministerium sei nicht für die kürzungen verantwortlich die sparauflagen kämen vom finanzminister er wolle sich dafür einsetzen während der haushaltsberatungen die kürzungen teilweise zurückzunehmen staatssekretär sebastian schröder ministerium für verkehr bau und landesentwicklung des landes mecklenburg-vorpommern stellte die erfolge des stadtumbaus in mecklenburg-vorpommern dar auf die schweriner erklärung habe es ein positives echo bei bürgermeistern gemeindevertretungen bauhandwerkern und architekten gegeben der landtag stütze das positionspapier der bauministerkonferenz vom 3 september 2010 auch minister klaus schlie innenministerium des landes schleswig-holstein machte deutlich 3

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dass die städtebauförderung wichtig für die gemeinden im land sei die sanierungsmaßnahmen in lübeck seien für den tourismus wichtig michael sachs wohnungsbaukoordinator der freien und hansestadt hamburg berichtete über die schwierigkeiten in der hansestadt jährlich 6.000 wohnungen zu bauen dazu gehöre beispielsweise das eigene klimaschutzgesetz welches noch schärfer als die enev 2009 sei der senat habe jetzt unbebaute gewerbegrundstücke für den wohnungsbau freigegeben günter verheugen staatsminister a d und vizepräsident der eu-kommission a d machte eine kritische bestandsaufnahme in seinem vortrag zum thema die europäische union ­ fit for future die europäische integration wirke als garant für das recht auf selbstverwirklichung und das recht auf wohlstand deutschland ist und bleibt das schlüsselland der europäischen integration so verheugen verheugens botschaft wir müssen mit einer stimme sprechen zum thema vermieter und mieter im dialog gegenoder miteinander diskutierten am dienstagmorgen unter der moderation von renate szameitat gewos institut für stadt regional und wohnforschung gmbh gdwpräsident lutz freitag und der direktor des mieterbundes lukas siebenkotten beide waren sich darüber einig dass sich die gegenwärtige politik der bundesregierung im bereich der gebäudesanierung und der kürzung der kfw-mittel kontraproduktiv auf die wohnungsmärkte auswirken werde m a ga z i n 0510 dr joachim wege lutz freitag günter verheugen stadtpräsidentin gabriele schopenhauer dr hajo schumacher holger kowalski lukas siebenkotten renate szameitat 4 staatssekretär jan mücke minister klaus schlie

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m a ga z i n 0510 vn w-ar bei tsta gu ng 5

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vnw-zukunftswerkstatt vnw-agenda 2025 geht an den start me hralsdiever ga ng e n he i t in t eress iert m ic h di ezuk un f t d en n i n ih r g ede nke ic hzuleb en a uc hdah at a lb e r t einst ei n r ec htwiea uc hbei der erkennt nis dass esnochsc hw i er i g er i s t si chvon alten gedanken zu lösen als neue zu entwickeln der vnw möchte mehr über die zukunft des wohnens erfahren welche demografischen ökonomischen sozialen und ökologischen herausforderungen kommen in den nächsten 15 jahren auf unsere mitgliedsunternehmen zu welche probleme und chancen ergeben sich daraus welche wohnungen sollte eine genossenschaft oder ein kommunales wohnungsunternehmen heute bauen oder umbauen um der nachfrage künftiger generationen gerecht zu werden welche haustechnik fragt der mieter von morgen nach wie vermarktet ein wohnungsunternehmen in der zukunft seine wohnungen antworten auf diese und viele andere fragen soll die vnw-zukunftswerkstatt agenda 2025 liefern gerade die wohnungswirtschaft muss mit ihren langfristigen produkten besonders weit in die zukunft blicken der vnw will seine mitglieder aktiv in die zukunft begleiten entwicklungen vorhersehen und frühzeitig lösungen anbieten der vnw-verbandsausschuss hat auf seiner sitzung am 2 november 2010 in schwerin den startschuss gegeben acht themenfelder wollen wir bis zum verbandstag 2011 bearbeiten l demografie/migration/integration l wohnkaufkraft -wünsche/eigentum und miete m a ga z i n 0510 neue wohnformen/serviceangebote l energiefragen/neue baumaterialien bau und haustechniken l marketing/öffentlichkeitsarbeit mieterkommunikation l mitarbeiter/qualifikation l finanzierung l wohnungsunternehmen der zukunft l verband und prüfungsverband der zukunft die vnw-fachausschüsse werden in zusammenarbeit mit dem vorstand und den arbeitsgemeinschaften vorschläge erarbeiten der vnw hat als moderator das hamburger forschungsinstitut analyse konzepte gmbh gewonnen auf einer schlusskonferenz am 19 und 20 mai 2011 sollen die ergebnisse beraten und strukturiert werden auf dem verbandstag im juni 2011 in hamburg sowie in vorträgen auf der arbeitstagung in lübeck im september 2011 werden dann die ergebnisse den mitgliedsunternehmen und der öffentlichkeit vorgestellt werden vnw-verbandsdirektor dr joachim wege der vnw will als vordenker diese themen mit relevanz für die zukunft der norddeutschen wohnungswirtschaft und des verbandes selbst lösungsorientiert mit experten und den mitgliedsunternehmen diskutieren ergebnis sollen gedankenskizzen und strategische handlungsansätze für die nächsten 15 jahre sein die ergebnisse dieser fachübergreifenden arbeiten sollen unseren mitgliedsunternehmen unmittelbar aber imagebildend auch der branche und dem verband zugutekommen 6

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m a ga z i n 0510 vn w-zuku nfts we rkstatt der vnw veranstaltet als erster verband innerhalb der gdw-organisation eine zukunftswerkstatt 7

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ein voller erfolg vnw-fachtagung für sekretärinnen und assistentinnen a m 2 8 u n d 2 9 oktob er 2 0 1 0 fa n d in l üb e ck di e er s t e fa c h tag ung f ü r sek ret ä rin n e n un d a s si s te n t in n en s tatt diep re m i er e is t g e gl ü ckt 2 8 t e il nehme ri n ne n er h ielt en wertvol le an r e g unge nundh in w e ise f ü r i h re t ä gli c he a rbei timse kre ta r i at tanja bögner deutschlands beste sekretärin 2006 und autorin des buches traumberuf sekretärin behandelte mit den teilnehmerinnen inhalte zur effizienten chefentlastung modernes büromanagement und selbstorganisation standen im fokus des ersten tages der zweite tag stand ganz unter dem motto rhetorik ­ weit mehr als nur sprache die kommunikationsexpertin birgit ebertz trainierte mit den teilnehmerinnnen die grundlagen der kommunikation die richtigen worte zur richtigen zeit zu treffen und mit attraktiver sprache menschen zu überzeugen know how engagement teilnehmerorientierung und praxisnähe zeichneten beide referentinnen aus und machten die tagung so zu einem gewinn für alle teilnehmerinnen und deren vorgesetzte das abendliche kochevent unterstützte den gewünschten wertvollen erfahrungsaustausch und rundete die gelungene tagung ab die veranstaltung war sowohl inhaltlich als auch menschlich ein voller erfolg ich konnte viele gute tipps für meine tägliche arbeit gewinnen so kerstin scholz vorstandssekretärin bei der gewoba nord baugenossenschaft eg schleswig ich hoffe dass wir eine solche veranstaltung regelmäßig durchführen können um das gelernte auszubauen und die kontakte zu intensivieren m a ga z i n 0510 vnw-seminar 20 energieexperten im wohnungsunternehmen f ü r e ne rg i e e in s pa ru n g ei n s atz ern eue rb a re r e ne rg i en unde ne rgie ef fi z i e nz im g e bä ud e b er e ic h kö n n en ­ ab g es timm t a uf bauliche und anlagentechnische gegebenh e it e n ­ op t i ma le l ö su n g en g e fu nden w er den voraussetzung sind eine detaillierte kenntnis des bestandes und der randbedingungen einerseits sowie die kompetente bewertung der technischen strategischen und vertraglichen möglichkeiten andererseits im september 2010 schlossen 20 teilnehmer aus hamburg mecklenburg-vorpommern und schleswig-holstein das 4-tägige vnw-seminar energieexperte im wohnungsunternehmen ab mit 3 modulen zu rahmenbedingungen diagnose und optimierung sowie management und 8 vnw-energieexperten entwicklung des bestandes wurde die auftraggeberkompetenz im wohnungsunternehmen gestärkt die inhalte sind auf technische aber nicht ausschließlich mitarbeiter innen im wohnungsunternehmen zugeschnitten um zukünftig professionell energieeinsparstrategien zu entwickeln maßnahmenpakete zu formulieren und externe zuarbeiten zu bewerten die seminarreihe wird 2011 erneut angeboten

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festsitzung zum 20 jahrestag der amvw am 2 november 2010 di eamvw un d der v nw f ü hrten am 2 novemb er 2 0 1 0 e in efest si t z un g zu m 2 0 j a h res ta gderamvwd ur c h w il f ri ed w o l lm a n n v o r si t z en de r d es vors ta n des der amvw b e gr ü s st e 50 g el adeneg ä s te imgros she r zo g sa a l de s sc hw er i ner wein re s taur a n ts uhle in seiner begrüssungsansprache zog er bilanz zu 20 jahren wohnungsw ir tschaft lic her e n tw ickl un g in me ckl en b ur g vorpomm er n während 1989 großer mangel und gravierende mängel die wohnraumversorgung gekennzeichnet haben ist seither die qualität des wohnens bei bezahlbaren mieten in einem umfang gestiegen der damals auch nicht annähernd zu erwarten war über 90 prozent der wohnungsbestände der mitgliedsunternehmen der amvw sind nicht nur technisch sondern auch energetisch modernisiert der energieverbrauch konnte um über 50 prozent in diesen beständen reduziert werden die erfolgreiche umsetzung des programms stadtumbau ost als teil der städtebauförderung des bundes und des landes hat bewirkt dass die durchschnittliche leerstandsquote anfang 2010 auf 7,32 prozent gesunken ist eine unbestrittene feststellung bringt es zum ausdruck ­ die städte in mecklenburg-vorpommern waren in den letzten 60 jahren noch nie so schön wie heute im bereich des wohnens ist die deutsche einheit auch sozial und ökonomisch verwirklicht es herrschen vergleichbare wohnund lebensverhältnisse in ost und west im jahr 2010 feiern viele mitgliedsunternehmen 20-jähriges jubiläum aus dem kreis der wohnungsunternehmen des landes feiern in diesem jahr 20 kommunale wohnungsbaugesellschaften aus diesem anlass mit blick auf das jahr 2011 in dem 30 kommunale wohnungsbaugesellschaften dieses jubiläum begehen werden spürt man die dynamik die diesen entwicklungen inne wohnt wilfried wollmann begrüßte den präsidenten des gdw lutz freitag senator a d jürgen steinert und dr angelika riemer herzlich begrüßt wurde der vorstand des vnw dr joachim wege und gerhard viemann sowie der geschäftsführer des landesförderinstitutes mecklenburgvorpommern dieter schuldt an der festsitzung nahmen m a ga z i n 0510 nachr icht en wilfried wollmann dr joachim wege friedrich schorlemmer horst hildebrandt gerhard viemann neben geschäftsführern und vorständen aus den mitgliedsunternehmen die mitglieder der organe der amvw und des vnw teil l vnw-verbandsausschuss l vorstand und geschäftsführer amvw l leiter der bezirksarbeitsgemeinschaften mecklenburg-vorpommern besonders herzlich wurde friedrich schorlemmer aus der lutherstadt wittenberg begrüßt der den festvortrag zur thematik dass ohne entstellende narben zusammenwächst was zusammengehört ­ die bleibenden aufgaben der einheit hielt daran anschließend fand eine podiumsdiskussion statt die michael schmidt leitender redakteur beim ndr-fernsehen landesfunkhaus mecklenburg-vorpommern moderierte aus anlass der festsitzung erhielten die teilnehmer eine chronik der bewegten 20 jahre mit wichtigen themen und entwicklungen der wohnungswirtschaft in mecklenburg-vorpommern die chronik macht sichtbar wie vielfältig die unterschiedlichen aktivitäten aller beteiligten waren 9

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rostocker dächer bei der wiro scheint die sonne u n te r de n d ä c her n d er wiroleb en i n ro s t o ck fa s t 7 0 0 0 0 m en s c he n o ben d r üb e r pa s s i er t a uc h e i ne men g e das k om m un alewoh nun g su n ter n ehme n g eh ö rtzu de n g r ö s st en solarst ro merz e u g er n in m ec k len b ur g vorpo mme rn auf 21 dächern von wohnanlagen und parkhäusern stehen fotovoltaikanlagen mit einer modulfläche von insgesamt 6.400 quadratmetern erst vor wenigen wochen sind sieben neue anlagen ans rostocker stromnetz gegangen investitionssumme 900.000 euro uns liegen klimaschutz und energieeffizienz am herzen erklärt ralf zimlich vorsitzender der wiro-geschäftsführung auf vielen wiro-dächern in rostock glänzen die kollektoren von solarthermie und fotovoltaikanlagen auch auf dem helios in brinckmanndorf foto w er k3 m a ga z i n 0510 seit 2003 setzt die wiro auf regenerative energien damals hat das wohnungsunternehmen 760 fotovoltaikmodule auf einem wohnblock im stadtteil schmarl aufgestellt ralf zimlich das ergebnis des ersten jahres hatte alle erwartungen weit übertroffen darum setzen wir seitdem weiter auf solarenergie heute produzieren alle wiro-anlagen zusammen rund 750.000 kilowattstunden zum vergleich der jährliche strombedarf einer dreiköpfigen familie beträgt im durchschnitt 3.600 kwh danach produzieren die 21 wiro-anlagen den strombedarf von 210 haushalten zusätzlicher aspekt ist die co2-einsparung so werden durch die gesunde stromproduktion auf dem wiro-bestand mittlerweile mehr als 600 tonnen kohlendioxid vermieden insgesamt ist der ausstoß von kohlendioxid seit dem wiro-sanierungsprogramm zwischen 1994 und 2007 um 40 prozent gesunken dank wärmedämmung neuen fenstern und heizungsanlagen hat sich der energieverbrauch unserer mieter halbiert so zimlich die wiro nutzt die sonnenenergie auch zur warmwasserbereitung 22 solarthermie-anlagen wandeln sonnenlicht in wärme um die den wiro-mietern direkt zugutekommt sie sparen beim duschen oder zähneputzen bis zu 60 prozent der warmwasserbereitungskosten acht neue anlagen sind im september 2010 in betrieb gegangen mit 36.000 wohnungen gehört die wiro zu den größten vermietern der bundesrepublik jeder dritte rostocker wohnt beim kommunalen unternehmen nachr icht en wie viel strom die solarmodule auf einem wohnblock in der vitus-bering-straße in schmarl zu jeder tageszeit produzieren können die rostocker am giebel ablesen 10

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u lihe lwe g uli helweg wurde 1948 in dortmund geboren er studierte architektur und städtebau an der rwth aachen verschiedene berufliche stationen führten ihn nach i gelsenkirchen berlin und kassel 1996 wurde er geschäftsführer der wasserstadt gmbh in berlin seit 2006 leitet er die geschicke der iba hamburg gmbh woh nqua rtier edes 2 1 j ahr hu n d er t s konzepte und projekte der internationalen bauausstellung hamburg 2013 ma ga z in 0510 wie man wohnt so lebt man auf diese einfache formel könnte man das ergebnis einer jüngst erschienen studie im auftrag der bertelsmannstiftung bringen die forscher fanden heraus dass kinder und jugendliche in wohnquartieren mit schlechten städtebaulichen bedingungen deutlich öfter krank übergewichtig und weniger lernfähig waren als in quartieren mit bewegungsmöglichkeiten und großzügigen grünflächen auch bei den müttern wurden deutliche unterschiede festgestellt in den schlechten quartieren lag der anteil der frauen die in der schwangerschaft rauchen deutlich über denen des durchschnitts und erst recht über der entsprechenden quote in den quartieren mit guter städtebaulicher qualität der clou in der untersuchung ist jedoch dass der zusammenhang zwischen quartiersqualität und gesundheit und bildungschancen unabhängig vom sozialen status der bewohner gilt so sitzen mittelschichtskinder in belasteten quartieren deutlich häufiger vor dem computer und bewegen sich weniger als der nachwuchs der gleichen sozialen gruppe in guten wohnquartieren der einfluß der wohnquartiere auf das leben der menschen bestimmt die städtebauliche diskussion nicht erst seit heute zille hatte angesichts der skandalösen hygienischen zustände in den mietskasernen des 19 jahrhunderts den viel zitierten satz von der wohnung geprägt mit der man einen menschen erschlagen kann die frage ist also wie müssen die wohnquartiere der zukunft aussehen um ihren bewohnern insbesondere aber auch den kindern und jugendlichen optimale entwicklungschancen zu bieten die antwort auf diese frage ist nicht ganz einfach da ­ wie die geschichte zeigt ­ städtebau und architektur sehr eng mit den formen und der organisation von arbeit und produktion zusammenhängen die mietskasernenquartiere des 19 jahrhunderts waren eine direkte folge der sich überstürzenden industrialisierung in den großstädten und eines sozialpolitisch desinteressierten nachwächterstaates ­ wie ferdinand lassalle den staat des manchester-kapitalismus nannte die gartenstadtbewegung der genossenschaftliche und soziale wohnungsbau und die charta von athen waren die sozialpolitisch fortschrittlichen antworten darauf schon früh spielten dabei übrigens bauausstellungen eine große rolle so zeigte beispielsweise die bauausstellung in stuttgart 1924/27 nicht nur moderne wohnungen die viel licht luft und sonne boten die aktivisten des neuen bauens waren öffentliche und genossenschaftliche wohnungsunternehmen die nicht nur zu den träger des sozialen wohnungsbaus des 20 jahrhunderts wurden sondern auch zu den motoren neuer wirtschaftlicher bauweisen soziale und technologische innovationen gingen bei den pionieren der moderne zusammen ib a von der aufgelockerten und gegliederten zur urbanen und geteilten stadt die großen wohnsiedlungen der moderne seit den 20er jahren waren die sozialpolitische antwort auf die wohnungsnot des industriearbeiters die aus der gartenstadtbewegung kommenden einfamilienhausgebiete am stadtrand versprachen die idylle vom ordentlichen familienleben des wohlhabenden mittelstandes im letzten drittel des 20 jahrhunderts verloren die traditionellen milieus der industriegesellschaft in den städten zunehmend an boden die klassische familie stellt heute in den großen städten nur noch eine minderheit dar die soziale struktur in den städten hat sich im zuge der ökonomischen globalisierung der entindustrialisierung der städte der zunehmenden qualifizierung und beruflichen mobilität von frauen und der internationalen migrationsbewegungen deutlich diversifiziert die siedlungskonzepte des 20 jahrhunderts wussten auf die veränderten wohn und lebensbedürfnisse keine angemessene antwort der neue heimat skandal 1982 muss aus heutiger sicht wie ein menetekel an den wänden der großsiedlungen der moderne gelesen werden zumal gleichzeitig die alten urbanen quartiere durch hausbesetzer künstler migranten wieder entdeckt wurden auch hier spielte eine iba eine nicht unwesentlich rolle die iba berlin 1984/87 die sich die kritische rekonstruktion josef paul kleihues und die stadtreparatur hardt-waltherr hämer der stadt des 19 jahrhunderts auf die fahnen geschrieben hatte plötzlich trat auch ein neuer in wahrheit alter bauherr wieder auf den plan der stadtbürger er war es der im 18 und 11

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neue quartiere braucht die stadt im rahmen der iba hamburg wird unter dem leitthema metrozonen ­ stadt in der stadt bauen der versuch unternommen neue attraktive urbane räume für die quartiersentwicklung innerhalb der stadt zu erschließen die coolen gründerzeitquartiere à la ottensen schanzenviertel eppendorf usw sind nun einmal nicht vermehrbar aber auch die alten rezepte der moderne ­ ein zweites oder drittes allermöhe ­ versprechen keine entlastung vom aufwertungsdruck in den szenevierteln die quartiere des 21 jahrhunderts müssen aus vielerlei ökologischen und ökonomischen gründen innerhalb der gewachsenen stadt liegen das heißt es muss in zukunft mehr stadt in der stadt gebaut werden in hamburg lassen sich gegenwärtig drei flächenmäßig bedeutende räumliche potentia ma ga z in 0510 19 jahrhundert als kaufmann handwerker arzt notar unsere städte gebaut hatte und der nach der okkupation der stadt durch industrie verkehr und spekulation in der 2 hälfte des 19 jahrhunderts in die villen und einfamilienhausvororte geflohen war seit den 80er jahren des letzten jahrhunderts sind es die unzähligen baugemeinschaften privatanleger baugruppen einzelbauherrn bgb-gesellschaften kleingenossenschaften usw die sich um die historischen quartiere gekümmert haben aber auch die traditionellen wohnungsbaugesellschaften und genossenschaften haben ihre lektionen nach dem neue heimat skandal gelernt und sind zu wichtigen akteuren der stadterneuerung geworden heute allerdings so sieht man nicht nur in hamburg werden auch die grenzen der renaissance der stadt deutlich immer häufiger klagen eingesessene mieter in den angesagten szenevierteln über mietsteigerung und verdrängung verschärft wird der sozialpolitische konfliktstoff durch die in den letzten jahren kontinuierlich gesunkene zahl von neubauwohnungen in hamburg ­ und nicht nur hier ­ zeichnet sich eine doppelte polarisierung ab auf der einen seite steigen die mieten und preise für eigentumswohnungen kontinuierlich während die immobilienpreise im umland seit jahren rückläufig sind zum anderen öffnet sich eine schere zwischen attraktiven und vernachlässigten gebieten innerhalb der stadt während in der letzten dekade die mieten grundstückspreise und kaufpreise in stadtteilen wie st pauli oder ottensen explodierten siehe nebenstehende grafik sind sie in städtebaulich und sozial benachteiligten räumen wie wilhelmsburg ebenso signifikant gefallen man muss den eindruck gewinnen dass das idealbild der stadt der moderne die aufgelockerte und gegliederte stadt göderitz einem neuen gewichen ist nämlich der urbanen und geteilten stadt dass dieses neue ­ und hier in der kürze notwendigerweise verkürzt ­ dargestellte entwicklungsmodell einer sozial und immobilienwirtschaftlich polarisierten stadt auf dauer nicht gut gehen kann liegt auf der hand preisentwicklung eigentumswohnungen im bestand 2000 ­ 2009 quelle lbs marktberichte internationale bauausstellung iba hamburg gmbh preisentwicklung eigentumswohnungen im bestand 2000 ­ 2009 ­ angaben in euro/m² quelle lbs-marktberichte 2009 2000 2009 2000 2009 2000 2009 2000 2009 2000 internationale bauausstellung iba hamburg gmbh 12

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le für diesen neuen urbanen stadtbau ausmachen konversionsflächen wie z b die hafencity oder der bahnhof altona untergenutzte gewerbe und hafenflächen wie z b die harburger schlossinsel oder in zukunft der kleine grasbrook oder innerstädtische peripherien und randbereiche sog metrozonen wie z.b wilhelmsburg die veddel oder große teile des östlichen innenstadtrandes die aufgabe besteht darin hier neue innerstädtischen quartiere zu entwickeln die einerseits urbane qualitäten wie gute verkehrsanbindung wasserbezug attraktive grün und freiflächen gute bildungs und versorgungseinrichtungen bezahlbare wohnungen und häuser bieten andererseits soll jedoch auch eine gute nachbarschaft zu den dort jetzt vorhandenen meist arbeitsplatzwirksamen nutzungen wie hafen industrie und gewerbe gesucht werden es geht also darum die neuen urbanen orte in der stadt als quartiere des sowohl-als-auch der arbeit und des wohnens der städtischen mobilität und des rückzugs des urbanen und des vorstädtischen des nachbarschaftlichen und globalen zu entwickeln dafür müssen neue nicht nostalgisch am klischee des 19 jahrhunderts klebende städtebauliche und architektonische konzepte und bilder von stadt entworfen werden die die besonderen begabungen des jeweiligen ortes unterstützen und nutzbar machen ­ wie in wilhelmsburg zum beispiel das wasser und die großartigen grün und naturräume die vorhandenen industriellen infrastrukturen müssen aktiv in den urbanisierungsprozess einbezogen und neu bewertet werden so wird im rahmen der iba rund um den spreehafen ein bisher durch den zollzaun abgeschottetes hafenbecken für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht aus einer ehemaligen mülldeponie wird ein energieberg mit aussichtsplattform ein alter flakbunker wird zu einem regenerativen kraftwerk mit café und dokumentationszentrum umgebaut die den stadtteil durchschneidende bundesstraße b4/b75 wird verlegt und für alle anwohner der lärmschutz verbessert die durch industrie und logistiknutzungen versperrten ufer der elbe werden zumindest punktuell zugänglich gemacht eine attraktive fläche im hafengebiet am reiherstieg wird dauerhaft für ein open air musikfestival dockville genutzt um nur ein paar beispiele zu nennen die neuen urbanen wohnquartiere des 21 jahrhunderts müssen ein neues verhältnis zu arbeit und produktion in der stadt finden sowie umgekehrt die bastionen der industrieepoche sich der neuen stadt einer zweiten ökologischen moderne öffnen müssen ansätze dazu sind in hamburg ­ z b was das verhältnis von hafen und stadt angeht ­ in den letzten jahren durchaus zu erkennen ist für eine neue stadtverträglichkeit von arbeit und wohnen müssen auch innovative städtebauliche und architektonische lösungen gefunden werden die neuen quartiere brauchen eine urbane architektur mit hohen freiraumqualitäten und exzellenter infrastrukturversorgung mit einfamilienhaustypologien des umlandes lässt sich keine stadt in der stadt bauen die hafencity hat am beispiel des lärmschutzes beispielhafte lösungen für ein solches nebeneinander von wohnen und arbeiten erarbeitet die bundesweit schule gemacht haben die neue architektur bietet neue antworten auf die bedürfnisse und lebenssituationen der stadtbewohner die häuser müssen vielfältig nutzbar individuell ökologisch verantwortlich und wertbeständig sein die iba hamburg versucht in vier themenfeldern auf diese neuen anforderungen an die architektur in den quartieren des 21 jahrhunderts einzugehen im themenfeld smart material houses werden häuser gebaut die nicht nur im energieverbrauch sondern in der gesamten betrachtung des lebenszyklus nachhaltig und energieeffzient sind bei den smart price häusern soll gezeigt werden dass auch in urbanen lagen mit höherer dichte attraktiver und preiswerter wohnraum für menschen mit mittlerem oder niedrigem einkommen geschaffen werden kann die hybrid houses reagieren auf wechselnde lebenssituationen des städters singlehaushalt wachsen und schrumpfen der familie wohnen und arbeiten mehrgenerationenwohnen ­ alles im selben haus schließlich zeigen die waterhouses dass es möglich ist auch in temporär überschwemmungsgefährdeten oder sogar ständig überfluteten gebieten attraktiv zu wohnen und zu leben insgesamt werden in der neuen wilhelmsburger mitte am eingang zur internationalen gartenschau 2013 ca 150 wohneinheiten in modellhäusern gebaut es entsteht ein modellquartier des 21 jahrhunderts in unmittelbarer nähe zu s-bahnstation und einkaufszentrum wilhelmsburg umgeben vom wilhelmsburger inselpark mit schwimmbad kletter und basketballhalle kanukanälen und joggingstrecken die neue stadt in der stadt ist eine chance den trend zurück in die stadt aufzugreifen und auf die gebiete zu lenken die bisher eher auf der schattenseite der stadt lagen nur so lassen sich die tendenzen zur polarisierung der stadtquartiere aufhalten und die sich abzeichnenden konflikte um das recht auf stadt um gentrification ­ also aufwertung durch verdrängung in den historischen quartieren ­ entschärfen historisch ist diese aufgabe ebenso anspruchsvoll wie die erfindung des modernen siedlungsbaus vor hundert jahren damals wie heute sind es die pioniere der neuen stadt die verantwortung übernehmen und voran gehen wäre der aufbruch in diese neue zweite moderne der europäischen stadt nicht auch eine aufgabe für die pioniere der ersten 13 ma ga z in 0510 ib a

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