Der Dämmstoff-Spider als Indikator für ökologisches und ökonomisches Bauen!

 

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Der Dämmstoff-Spider als Indikator für ökologisches und ökonomisches Bauen!

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dämmstoff Methode: Dämmstoff-Spiders – der rasche Durchblick Ausgabe 2014 Der Dämmstoff-Spider als Indikator für ökologisches und ökonomisches Bauen! Kurzversion

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Spider Update 2014 mit neuen Anwendungsbereichen Im Mai 2009 wurde der Dämmstoff-Spider zum ersten Mal veröffentlicht. Er ist in der Baubranche auf ein unerwartet grosses Interesse gestossen und findet bei der Dämmstoffwahl in der Praxis offensichtlich eine breite Anwendung. Das war genug, um nach zwei Jahren die aktualisierte Version 2011 aufzulegen. Um die Aktualität auch weiterhin sicherzustellen, wurde nun mit dieser Ausgabe die zweite Aktualisierung realisiert und gleichzeitig um zwei neue Anwendungsbereiche ergänzt. Sie berücksichtigt die seither veränderten Wärmedämmeigenschaften und Kosten der verschiedenen Dämmstoffe sowie die aktualisierten Stoff- und Energiebilanzdaten, die in der Zwischenzeit publiziert wurden. Graue und weisse EPS-Dämmstoffe sind seit Kurzem auch frei von Schadstoffen, was sich selbstverständlich in den Spider-Diagrammen niederschlägt. Die Anwendungen wurden um die Innendämmung über der Bodenplatte und die Dämmung von Heizungs- und Sanitärleitungen ergänzt. Somit widerspiegelt die aktuelle Version der Dämmstoff-Spiders die Produkte und Datensituation per Ende 2013. Die Aktualisierung hat sich auf die Resultate im Vergleich zu 2011 nur in einzelnen Bereichen ausgewirkt. An der Methodik wurde nichts geändert, sie hat sich bewährt, ist robust, richtungssicher und wird hoffentlich auch Ihnen bei der Auswahl von nachhaltigen Dämmstofflösungen gute Dienste leisten.

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dämmstoff © Visuelle Darstellung der Nachhaltigkeits- und Anwendungsaspekte von Wärmedämmstoffen Bericht über Methodik und Ergebnisse Inhaltsverzeichnis Dämmstoff-Spiders – der rasche Durchblick Flachdach: Vorteile für die EPS-Dämmstoffe Hinterlüftete Fassade: 19 bis 30 cm für dieselbe Dämmleistung Verputzte Aussenwärmedämmung: Fast alles spricht für EPS Perimeterdämmung: Herstellung mit geringen Unterschieden Innendämmung über Bodenplatte: Hartschäume sind erste Wahl 4 10 14 18 22 26 Dämmung Heizungs- und Sanitärleitungen: PIR folgt dicht auf Glaswolle 30 Ueli Kasser, Daniel Savi und Matthias Klingler Schaffhauserstrasse 21 CH-8006 Zürich Tel. 043 300 50 40 Fax 043 255 15 35 u.kasser@umweltchemie.ch www.umweltchemie.ch Im Auftrag der swisspor AG, 6312 Steinhausen

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Dämmstoff-Spiders – der rasche Durchblick Ueli Kasser, Daniel Savi und Matthias Klingler. Über die Nachhaltigkeit von Dämmstoffen sind schon viele Forschungsarbeiten, Bücher, Gutachten und Traktate geschrieben worden. Eine praxisgerechte Information für die Bauträgerschaft, die Planerin oder den Bauphysiker, die eine schnelle und richtungssichere Entscheidung ermöglicht, gibt es bisher nicht. Die swisspor AG hat deshalb zusammen mit einem externen und unabhängigen Experten die Dämmstoff-Spiders entwickelt, auf deren Achsen die wichtigsten Nachhaltigkeitsaspekte visuell einfach erfasst werden können. Die Spider-Darstellungen sind methodisch korrekt nach objektiven und transparenten Kriterien entwickelt. Die Merkmale auf den Spider-Achsen bilden den ganzen Lebenszyklus, die Investitionskosten sowie auch Faktoren, die die Beständigkeit und Gebrauchstauglichkeit beeinflussen, ab. Stärken und Schwächen sind einfach erkennbar und lassen sich rasch erkennen und interpretieren. Skalierung nach dem Schulnotenprinzip Die Bezeichnung der Spider-Achsen ist so gewählt, dass sie ohne Fachkenntnisse verstanden wird und eine positive Wertung anzeigt. Da die Skalierung bei allen Parametern von 0 bis 6 reicht und 6 die beste Wertung ist, muss dies in der Achsenbezeichnung zum Ausdruck kommen. Die Darstellung verlangt nach einer Quantifizierungsmethode. Insgesamt neun Merkmale wurden auf diese Art bearbeitet und auf den Achsen abgebildet (vgl. Tabelle). Alle Bewertungen und Berechnungen sind dämmleistungsnormiert. Die Auswahl der Merkmale ist durch die konzeptionelle Bedingung der Quantifizierung beschränkt. Es lassen sich keine nur qualitativ beschreibbaren Merkmale auf den Achsen darstellen. Zudem müssen für die quantitativen Modelle objektive, reproduzierbare und allgemein anerkannte Daten und Fakten verfügbar sein. Dämmstoff-Spider: Ein Beispiel EPS 19 Graphit geklebt 18 cm EPS 15 Standard geklebt 23 cm EPS 16 Graphit geklebt 19 cm Ressourcenschonung Recyclierbarkeit und Entsorgung 4 3 2 1 0 6 5 Umweltschonung bei der Herstellung Schadstofffreiheit Klimafreundlichkeit Verarbeitungssicherheit Preisvorteil 4

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dämmstoff Methode: Dämmstoff-Spiders – der rasche Durchblick Die methodische Ausgestaltung der Merkmale und ihre Grundlagen Merkmal (Achsenbezeichnung) Ressourcenschonung Umweltschonung bei der Herstellung Klimafreundlichkeit Preisvorteil Verarbeitungssicherheit Anwendungsspektrum (Brandschutz) Schadstofffreiheit Nutzungsdauer Recyclierbarkeit und Entsorgung Bewertungs- und Quantifizierungsmethode Graue Energie in MJ, nur Herstellung ohne Entsorgung Umweltbelastungspunkte UBP, nur Herstellung ohne Entsorgung Treibhauswirkpotenzial CO2-Aeq [kg /m2], nur Herstellung ohne Entsorgung In Fr./m2, verarbeitet, Material und Arbeitskosten Zwei quantitative, drei qualitative Kriterien je nach Anwendungsbereich unterschiedlich gewichtet Ein quantitatives, zwei qualitative Merkmale Menge und R-Sätze von kennzeichnungspflichtigen Bestandteilen Jahre: Mittelwert aus wirtschaftlicher und bauphysikalischer Nutzungsdauer Vier qualitative Voraussetzungen und Bedingungen, zwei offiziell definierte halbquantitative Kriterien 5

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Ökobilanzen im Hintergrund Hinter den Merkmalen „Ressourcenschonung“, „Umweltschonung bei der Herstellung“ und „Klimafreundlichkeit“ verbergen sich Stoff- und Energiebilanzen von der Herstellung der Produkte bis zum Fabriktor. Die „Ressourcenschonung“ bildet den kumulierten Energieaufwand an nicht erneuerbaren Energieträgern ab (fossil, nuklear). Es sind die wichtigsten Ressourcen, die knapp sind und deren Nutzung mit erheblichen nachteiligen Umweltauswirkungen verbunden ist. Hinter der „Umweltschonung bei der Herstellung“ steht die Bewertungsmethode der ökologischen Knappheit. Die Methode umfasst mehrere Dutzend Schadstoffparameter in Luft, Wasser und Boden, die zu einer einzigen Zahl aggregiert werden (Umweltbelastungspunkte UBP). Die „Klimafreundlichkeit“ wird als Treibhauswirksamkeit in kg CO2-Äquivalenten dargestellt. Die Zahl repräsentiert im Wesentlichen den Bedarf an fossilen Energieträgern ohne Wasser-, Wind- und Kernenergie. Die Skalierung erfolgt bei allen drei Achsen nach einheitlichem Prinzip. Dem niedrigsten Wert wird die Note 6 zugeordnet, die anderen werden umgekehrt proportional auf der Achse dargestellt. Eine Dämmkonstruktion beispielsweise, die im Vergleich zum niedrigsten Wert (Note 6) in derselben Anwendung einen doppelten CO2-Wert aufweist, erhält demnach die Note 3. Ein sehr hoher Wert ergibt eine Note nah bei null. Die Skalierung entspricht somit dem, wie man eine Spiderdarstellung normalerweise „liest“. Einheitliche Preisermittlung Hinter der Achse „Preisvorteil“ werden die gesamten Investitionskosten innerhalb der definierten Systemgrenzen, d. h. die Kosten für die Wärmedämm- und Hilfsstoffe sowie die Kosten der Verarbeitung bei Standardannahmen, herangezogen. Die Unterhalts- und Entsorgungskosten sind nicht enthalten. Die Investitionskosten wurden nach denselben Grundlagen und Randbedingungen in Zusammenarbeit mit den Sachverständigen der Branchenverbände erhoben. Für die Aktualisierung 2014 wurden die Preise durch swisspor den aktuellen Verhältnissen angepasst. Die Preisachse ist in der gleichen Weise skaliert wie die Stoff- und Energiebilanzen. Methodisches Konzept der Spider-Achsen Ressourcenschonung Recyclierbarkeit und Entsorgung 5 4 3 2 1 0 Umweltschonung bei der Herstellung 6 Nutzungsdauer Klimafreundlichkeit Schadstofffreiheit Preisvorteil Verarbeitungssicherheit Anwendungsspektrum (Brandschutz) Recyclierbarkeit (4 Punkte) Trennbarkeit (1 Punkt) Logistik (1 Punkt) Technische Verfügbarkeit (1 Punkt) Kostenneutralität (1 Punkt) Entsorgung (2 Punkte) Rückstände Verbrennung/ Inertstoff Punktesystem (Punkte abh. von Anwendung) Gesundheit (x) Flächengewicht (x) Formelelastizität (x) Witterungsemp ndlichkeit (x) Halbquantitativ Quantitativ Quantitativ 65 Jahre = 6, 0 Jahre = 0 Keine = 6, Referenz PUR Flachdach = 0 Klassierung (2 Punkte) Anzahl Geschosse (1 Punkt) Aufwand Massnahmen (2) Quantitativ Min = 6 Doppelt = 3, ∞ = 0 6

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dämmstoff Methode: Dämmstoff-Spiders – der rasche Durchblick Brandschutz für hinterlüftete Fassaden unterschiedlich Mit dem „Anwendungsspektrum“ werden nur bei der hinterlüfteten Fassade die Einschränkungen durch Brandschutzmassnahmen bewertet. Die Brandkennziffer nach VKF-Richtlinie, die Anzahl der Geschosse, die ohne besondere Massnahmen gedämmt werden können, sowie der Aufwand für Brandschutzmassnahmen werden bewertet. Während alle mineralischen Dämmstoffe auch für Hochhäuser ( > 20 m) ohne besondere Massnahmen verwendet werden können, sind die organischen und organisch-chemischen Dämmstoffe in der Anwendung ab vier Geschossen eingeschränkt. Toleranz und Schädlichkeit Die Gesundheit des Arbeiters und die bautechnische Sicherheit sind Gegenstand der Achse „Verarbeitungssicherheit“. Die Achse bildet vier Kriterien ab. Je zwei zielen auf die Arbeitshygiene und verarbeitungstechnische Aspekte: die Notwendigkeit von Schutzmassnahmen (lungengängige Fasern), das Plattengewicht, das Formveränderungsverhalten und die Witterungsempfindlichkeit. Je mehr Gewicht verlegt werden muss, desto stärker ist die Belastung des Körpers für das Handling der Platten. Starre Platten sind schwieriger in der Anpassung an Details und anfälliger auf Temperatur- und Feuchtigkeitsdifferenzen (Schüsseln). Dämmstoffe müssen grundsätzlich trocken eingebaut werden, damit spätere Schäden auszuschliessen sind. Bei wasseraufnahmefähigen Dämmstoffen ist das Risiko höher als bei solchen, die kein Wasser aufnehmen können. Ein erhöhtes Verarbeitungsrisiko erfordert demnach eine grössere Sorgfalt bei der Verarbeitung, um Fehler und Schäden ausschliessen zu können. Häufig spricht man auch von der Fehlertoleranz eines Materials. Je nach Anwendungsbereich wurden die Kriterien der Verarbeitungssicherheit anders gewichtet. Schadstoffe quantifiziert und gewichtet Bei Schadstoffen handelte es sich um Bestandteile in Dämmstoffen, die nicht chemisch gebunden sind und mit einem oder mehreren R-Sätzen zu kennzeichnen sind. Es geht bei den Dämmstoffen vor allem um Brandschutzadditive, Katalysatoren, Stabilisatoren und Treibgase in Kunststoffschaumprodukten. Mineralische Dämmstoffe sowie die im Rahmen der Spiders analysierten Hanf- und Holzweichfaserplatten enthalten keine kennzeichnungspflichtigen Zusatzstoffe. Auf der Achse „Schadstofffreiheit“ wird das toxikologische und umweltbelastende Potenzial von Bestandteilen abgebildet, unabhängig davon, ob und welche Mengen davon während der Nutzungs- und Entsorgungsphase effektiv in die Umwelt gelangen. Das Potenzial berechnet sich aus einem offiziellen Gewichtungsmodell für R-Sätze und der vorhandenen Menge pro Flächeneinheit. Nutzungsdauer auf Flachdach unterschiedlich Beim Flachdach gibt es anerkannterweise unterschiedliche Nutzungsdauern aufgrund von physikalischen Unterschieden in der Konstruktion. Jedoch gibt es in der Praxis die verschiedensten Gründe, weshalb die Nutzungsdauer eines Daches begrenzt wird. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, wird auch die Nutzungsdauer nach SIA 480 herangezogen, die auch für eine Wirtschaftlichkeitsrechnung verwendet wird. Auf den Flachdach-Spiders wird der Durchschnittswert der physikalischen und ökonomischen Nutzungsdauer abgebildet. Wiederverwertung ist prioritär Die Entsorgungsmerkmale bieten die grösste Herausforderung, um die komplexen Zusammenhänge einfach auf einer Spiderachse darstellen zu können. Zum einen ist die Recyclierbarkeit nicht objektiv messbar. Zum anderen muss auch die Option Verbrennung/Deponie beurteilt werden, da bei allen Anwendungsbereichen davon auszugehen ist, dass die Konstruktionen erst im Schadenfall zurückgebaut werden. Das kann bedeuten, dass zumindest die wasseraufnahmefähigen Produkte nass, verrottet und verfault sind, sodass sie kaum mehr recycliert werden können. Deshalb werden auf dieser Spiderachse „Recyclierbarkeit und Entsorgung“ beurteilt. Eine gute Recyclierbarkeit wird jedoch doppelt so stark gewichtet wie eine problemlose Entsorgung. Der Begriff der Recyclierbarkeit bedarf der Präzisierung, denn grundsätzlich ist alles recyclierbar. Jeder Stoff 7

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kann beispielsweise ganz fein gemahlen und als Füllstoff in einem neuen Baustoff wiederverwendet werden. Hier wird jedoch unter Recycling eine stoffliche Verwertung im engeren Sinne verstanden. Das nicht mehr verwendbare Produkt soll einer gleichwertigen Funktion zugeführt werden, in der es gleichwertige Rohstoffe substituieren kann. Ausser für PUR, PIR und PF als nicht thermoplastische Kunststoffe ist diese Voraussetzung theoretisch für alle Dämmmaterialien gegeben. Die Recyclierbarkeit wird darüber hinaus auch davon abhängen, ob die Rücknahmelogistik vorhanden und die Kostenneutralität im Vergleich zur Entsorgung gegeben ist. Als problemlos zu entsorgen gelten bei den brennbaren Dämmstoffen jene, die in der KVA keine problematischen Rückstände bilden. Die nicht brennbaren Stoffe müssen Inertstoffqualität gemäss abfallrechtlichen Vorschriften erreichen, damit sie in diesem Rahmen als „problemlos“ qualifiziert werden. Sechs Anwendungsbereiche und vierzehn Dämmstofftypen Methodisch korrekt können nur Dämmstoffe innerhalb desselben Anwendungsbereichs verglichen werden, da die gleichen Dämmstofftypen in verschiedenen Anwendungsbereichen unterschiedliche physikalische Eigenschaften aufweisen (Rohdichte, Festigkeit, Wärmeleitfähigkeit). Die Systeme sind dämmleistungsnormiert. Ausser bei der Perimeterdämmung und der Innendämmung über der Bodenplatte ist man von einem U-Wert von 0.15 W/m2K ausgegangen. Die Vergleiche werden zwischen Systemen (Dämmstoffe inkl. Hilfskonstruktionen) durchgeführt, die denselben U-Wert inkl. Wärmebrücken (Unterkonstruktionen bei den hinterlüfteten Fassaden) aufweisen. Bei derart niedrigen U-Werten benötigt man für gewisse Dämmstoffe Dämmstärken bis zu 30 cm. Solche Konstruktionen sind, namentlich bei der hinterlüfteten Fassade und bei der verputzten Aussenwärmedämmung, nicht üblich und statisch sowie bauphysikalisch teilweise noch wenig erprobt. Bei der hinterlüfteten Fassade sind Holzweichfaser-, Hanffaser- und Schaumglasplatten als „Alternativen“ zu den gebräuchlichen Produkten beigezogen worden. Für die verputzte Aussenwärmedämmung wurde eine Sandwichplatte mit Polyisocyanurat-Kern und EPS-Deckschichten in den Vergleich einbezogen. Bei der Innendämmung über der Bodenplatte ist Glaswolle als „Alternative“ zu den gebräuchlichen Dämmstoffen berücksichtigt. Beim Flachdach, der Perimeterdämmung und der Dämmung von Heizungsund Sanitärleitungen sind keine besonderen Alternativen verfügbar oder bauphysikalisch einigermassen erprobt. 8

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dämmstoff Methode: Dämmstoff-Spiders – der rasche Durchblick Anwendung/Dämmleistung Flachdach extensiv begrünt, begehbar U = 0.15 W/m2K (Betondecke und Dämmstoffe) Hinterlüftete Fassade auf Backstein U = 0.15 W/m2K (gesamte Konstruktion ohne Bekleidung inkl. Wärmebrücken und Dämmung) Verputzte Aussenwärmedämmung (Kompaktfassade) auf Backstein U = 0.15 W/m2K (Backsteinwand, Dämmstoffe und Verputz) Perimeterdämmung ohne Grundwasser U = 0.20 W/m2K (Betonwand und Dämmstoffe) Innendämmung über Bodenplatte U = 0.20 W/m2K (Bodenplatte und Dämmung) Dämmung Heizungs- und Sanitärleitungen U ≈ 0.15 W/m2K (Dämmung ohne Aufhängung und Verluste durch Wärmebrücken) Dämmstoffe EPS Standard, EPS-Graphit, Polyurethan PUR, Steinwolle, Schaumglas, XPS EPS-Graphit, Steinwolle, Glaswolle, Hanffaser-, Holzweichfaserplatte, Schaumglas EPS Standard, EPS-Graphit, Steinwolle, PIR-Verbundplatte EPS intensiv expandiert, XPS, Schaumglas EPS, Polyurethan PUR, Glaswolle, Steinwolle PIR, Steinwolle, Glaswolle 9

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dämmstoff Flachdach: Vorteile für die EPS-Dämmstoffe Ausgangslage ist ein begehbares und begrüntes Flachdach mit einem U-Wert von 0.15 W/m2K ohne besondere Lasten und Merkmale. Die erforderlichen Dämmstärken wurden für das gesamte Dach inklusive Betondecke, jedoch ohne Abdichtung berechnet. Verglichen werden sechs Kunststofftypen mit zwei mineralischen Varianten. Gewählt wurden die gängigsten Produkte auf dem Schweizer Markt. Die Unterschiede der Dämmstärken und Flächengewichte zwischen den acht Produktvarianten sind enorm gross. Die Dämmstärken bewegen sich zwischen 13 cm (PUR) und 29 cm (Steinwolle). Die leichteste Variante (PUR spezial) ist zwölfmal leichter als die schwerste (Steinwolle). Die notwendigen Festigkeiten in diesem Anwendungsbereich erfordern vor allem bei der Steinwolle eine hohe Rohdichte, was sich wiederum in einer erhöhten Wärmeleitfähigkeit niederschlägt. EPS – ressourcenschonend und klimafreundlich Die Spiders von Flachdachdämmstoffen sind geprägt durch die unterschiedlichen Flächengewichte. Auf den drei Achsen, welche die Stoff- und Energiebilanzen abbilden, schneiden die Kunststoffe deutlich besser ab als die schweren Steinwolleplatten und das Schaumglas. Der CO2-geschäumte XPS ist deutlich ressourcenintensiver und umweltbelastender als EPS. Der Unterschied ist vor allem auf die höhere Rohdichte zurückzuführen. Der Unterschied zwischen EPS-Graphit und normalem EPS beruht auf der reduzierten Wärmeleitfähigkeit von Δλ = 0.005 W/mK. Normales Polyurethan hat zwar eine noch niedrigere Wärmeleitfähigkeit, ist jedoch wegen der höheren Rohdichte und der wesentlich ungünstigeren Ökobilanzdaten umweltbelastender als EPS-Graphit. Die Wärmeleitfähigkeit von PUR spezial liegt mit λ = 0.020 W/mK unter derjenigen von ruhender Luft und kommt durch die Verwendung eines speziell wärmedämmenden Treibgases zu Stande. Die erhöhte Treibhauswirksamkeit dieses Gases ist bei der Klimafreundlichkeit vollumfänglich berücksichtigt worden. Die Steinwollevariante erfordert für dieselbe Leistung zehnmal mehr Masse als EPS-Graphit. Dieser Unterschied kann durch eine geringere Umweltbelastung pro Masseneinheit gegenüber den Kunststoffvarianten nicht kompensiert werden. Beim Kompaktdach aus Schaumglas fallen zusätzlich zu den 30 kg Dämmstoff die 13 kg Heissbitumen ins Gewicht. Die Investitionskosten werden beim Flachdach von den Materialkosten bestimmt. Die Verarbeitungskosten machen nur etwa 15 – 20 % der Materialkosten aus. Schaumglas ist rund viermal teurer als die Kunststoffvarianten. Bei der Verarbeitungssicherheit schneidet die XPS-Platte am besten ab. Es treten keine arbeitshygienischen Risiken auf, sie ist leicht und nicht witterungsempfindlich. Nur das Formverhalten wird negativ bewertet. Die anderen Kunststoffplatten weisen eine geringfügig erhöhte Witterungsempfindlichkeit auf. Bei Steinwolle bestehen arbeitshygienische Risiken durch die lungengängigen Fasern, das Produkt ist witterungsempfindlich und schwer. Beim vergossenen Schaumglas stellen die Dämpfe des Heissbitumens eine Umweltbelastung (VOC) dar. Mineralische Dämmstoffe und EPS schadstofffrei Bei den Schadstoffen teilen sich XPS und die PUR-Varianten das untere Ende der Skala. Dank des neu eingesetzten bromierten Polymers als Flammschutzmittel erhält EPS nun die Bestnote für Schadstofffreiheit. XPS enthält rund 1.5 11

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Massen-% HBCD, beim PUR bestimmen 8 % TPCC und der im Produkt verbleibende Katalysator (ca. 1 %) die Wertung. Für XPS ist die Umstellung des Flammhemmers von HBCD auf ein bromiertes Polymer im Laufe des Jahres 2014 vorgesehen. Nach der Umstellung wird sich die XPS-Bewertung auf die Höchstnote verbessern, was durch die gestrichelte Linie im Spider-Diagramm dargestellt wird. Bei der Nutzungsdauer, die nur bei der Anwendung Flachdach differenziert wird, liegt das Kompaktdach mit 65 Jahren an der Spitze. Für die anderen Varianten beträgt die theoretische Nutzungsdauer 40 bis 45 Jahre. Es handelt sich um Mittelwerte zwischen einer ökonomischen und physikalischen Nutzungsdauer. Die Trennbarkeit im Hinblick auf eine Recyclierbarkeit ist beim Kompaktdach nicht gegeben, bei den anderen ist sie optimal. Die Steinwolle ist sowohl recyclierbar wie auch problemlos zu entsorgen. Die EPS-Typen sind zwar optimal in der Recyclierbarkeit, erfüllen jedoch das Entsorgungskriterium nicht, weil sie mit dem Element Brom einen problematischen Rückstand bei der Verbrennung verursachen. PUR und XPS sind beide nicht recyclierbar im Sinne der Interpretation und verursachen ebenfalls negativ zu bewertende Rückstände in der Verbrennung. Flachdach, U-Wert 0.15 W/(m2·K) Deutliche Vorteile für die EPS-Dämmstoffe EPS 25 Standard 22 cm Ressourcenschonung Recyclierbarkeit und Entsorgung 4 3 2 1 0 6 5 Umweltschonung bei der Herstellung Nutzungsdauer Klimafreundlichkeit Schadstofffreiheit Verarbeitungssicherheit Preisvorteil Steinwolle 29 cm Ressourcenschonung Recyclierbarkeit und Entsorgung 4 3 2 1 0 6 5 Umweltschonung bei der Herstellung Nutzungsdauer Klimafreundlichkeit Schadstofffreiheit Verarbeitungssicherheit Preisvorteil 12

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dämmstoff Spiderprofile für Flachdachanwendung EPS 25 Graphit 19 cm Ressourcenschonung Recyclierbarkeit und Entsorgung 4 3 2 1 0 Polyurethan viles-kaschiert 16 cm Polyurethan alu-kaschiert 14 cm Polyurethan spezial alu-kaschiert 13 cm Ressourcenschonung Umweltschonung bei der Herstellung Recyclierbarkeit und Entsorgung 4 3 2 1 0 6 5 6 5 Umweltschonung bei der Herstellung Nutzungsdauer Klimafreundlichkeit Nutzungsdauer Klimafreundlichkeit Schadstofffreiheit Verarbeitungssicherheit Preisvorteil Schadstofffreiheit Verarbeitungssicherheit Preisvorteil Schaumglas 26 cm Ressourcenschonung Recyclierbarkeit und Entsorgung 4 3 2 1 0 XPS 23 cm XPS 23 cm HBCD-frei (Umstellung ab 2014 geplant) Ressourcenschonung Umweltschonung bei der Herstellung Recyclierbarkeit und Entsorgung 4 3 2 1 0 6 5 6 5 Umweltschonung bei der Herstellung Nutzungsdauer Klimafreundlichkeit Nutzungsdauer Klimafreundlichkeit Schadstofffreiheit Verarbeitungssicherheit Preisvorteil Schadstofffreiheit Verarbeitungssicherheit Preisvorteil 13

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dämmstoff Hinterlüftete Fassade: 19 bis 30 cm für dieselbe Dämmleistung Ausgangslage ist eine hinterlüftete Fassade mit einem U-Wert von 0.15 W/m2K auf einem Backsteinmauerwerk und einer Fassadenbekleidung von maximal 25 kg/m2. Die erforderlichen Dämmstärken wurden für die Aussenwand inklusive Wärmebrücken der Befestigungssysteme und Unterkonstruktionen berechnet. Bei den vergleichsweise grossen Dämmstärken sind die Unterkonstruktionen relevant, sowohl in Bezug auf den Materialaufwand wie auch in Bezug auf die Wärmebrücken und die damit verbundenen Mehraufwendungen an Dämmstoffen. Bei den hinreichend elastischen Dämmstoffen wurden sowohl die Dübelvariante (nach System Rogger) wie auch die Konsolenvariante (nach System Wagner) berechnet. Beim Dübelsystem wird der Dübel durch eine Holzlattung für die Hinterlüftung und den Dämmstoff direkt in die Tragkonstruktion geschraubt. Die Unterschiede der Dämmstärken und Flächengewichte zwischen den elf Konstruktionsvarianten sind auch in diesem Anwendungsbereich gross. Die Dämmstärken bewegen sich zwischen 19 cm für EPS 25 Graphit und 30 cm für eine mit Konsolen befestigte Hanffaserplatte. Die Variante EPS 15 Graphit ist etwa zehnmal leichter als die schwerste mit Schaumglas 115. Kunststoffe und natürliche Materialien nahe beieinander Die Spiders liegen mit Ausnahme des Schaumglases deutlich näher beieinander als beim Flachdach. Auf den drei Achsen, die die Stoff- und Energiebilanzen abbilden, liegen die Kunststoffe, die Mineralwollen und die organischen Dämmstoffe, wenn sie mit dem Dübelsystem befestigt sind, relativ nahe beieinander. Die Konsolenvarianten sind bei der Hanffaser und bei der Steinwolle deutlich ressourcenintensiver als die Dübelvarianten. Das hängt mit dem vergleichsweise materialintensiven Konsolensystem zusammen (UKS), das wegen der Wärmebrücken auch um ca. 3 – 4 cm höhere Dämmstärken erfordert. Dagegen kann die Glaswolle wegen der geringeren Dämmstärke mit dem konventionellen Wagnersystem (WSK) befestigt werden. Das ist deutlich weniger materialintensiv. Umweltgerechte Dübelvariante Aus der Sicht der Ressourceneinsparung und Umweltbelastung müsste folgerichtig vor allem bei grossen Dämmstärken immer das Dübelsystem verwendet werden. EPS-Graphit zeigt die kleinste Umweltbelastung in der Herstellung, während Steinwolle am wenigsten Ressourcen verbraucht und die Hanffaser am klimafreundlichsten ist. Der Wert für die Umweltbelastung bei der Hanffaser ist unsicher. Die Unterschiede bei der Klimafreundlichkeit hängen in der Regel mit mehr oder weniger Anteilen an schweizerischem Strom zusammen. Dieser ist vergleichsweise CO2-arm, da er sich aus grösseren Anteilen an Wasserkraft und Atomstrom zusammensetzt. Dieser Effekt erklärt die Unterschiede von Glaswolle und Steinwolle. Die Rohstoffe für die Glaswolle werden mit elektrischer Energie eingeschmolzen, während der entsprechende Prozess bei der Steinwolle im Kupolofen mit Koks erfolgt. Die Investitionskosten verteilen sich bei der hinterlüfteten Fassade im Verhältnis zwei zu eins auf Material und Verarbeitung. Die Verarbeitungskosten sind für die Systeme mit Dübeln und die Konsolenvarianten vergleichbar. Die Gesamtkosten aller Varianten liegen mit Ausnahme von Schaumglas und Hanffaser sehr nahe beieinander. Schaumglas ist rund zwei- bis dreimal teurer als die anderen Varianten ohne besondere Vorteile bei den übrigen Merkmalen. 15

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