Orthopädie und Unfallchirurgie - Mitteilungen und Nachrichten 05/2013

 

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Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten Oktober 2013 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten • 5/13 Strahlungsfreie periradikuläre Therapie Rettungsdatenblätter erleichtern Bergung Haftungsrechtliche Konsequenzen bei Infektionen

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Editorial DIE PRÄSIDENTEN 2013 Prof. Karl-Dieter Heller Kongresspräsident BVOU Prof. Reinhard Hoffmann Präsident DGOU Präsident DGU Prof. Bernd Kladny Präsident DGOOC Stellv. Präsident DGOU „Menschen bewegen – Erfolge erleben“ Das Fachgebiet Orthopädie und Unfallchirurgie könnte nicht treffender beschrieben werden. Das diesjährige Kongressmotto zeigt in kurzen Worten eindringlich und prägnant die Grundforderung und den Antrieb eines jeden hier Tätigen. Das Ziel unseres Handelns muss es sein, unsere Patienten und das Fach in klinischer, wissenschaftlicher, administrativer und wirtschaftlicher Sicht nach vorne zu bewegen, um Erfolge erleben zu können. Das diesjährige Kongressmotto meint aber auch, dass wir Ärzte uns, unsere Mitarbeiter und die in unser Tun integrierten Berufsgruppen alltäglich im übertragenen Sinne bewegen. Wir müssen uns bewegen, indem wir uns an die fortwährenden Veränderungen unseres Fachgebietes anpassen. Wir müssen uns weiterhin im Sinne des Zusammenwachsens unseres großen Faches O und U aufeinander zu bewegen. Nur als große und gemeinsame Fachgruppe können wir unsere gemeinsamen Interessen bestmöglich vertreten und werden von Außen wahrgenommen. Ebenso werden wir uns als Ärzte in der Klinik und der Niederlassung aufeinander zu bewegen und die Klinik- und Praxisstrukturen den alltäglichen und gesundheitspolitischen Veränderungen anpassen müssen. Dies betrifft zum einen die Aufhebung der Sektorengrenzen, die sowohl den Interessen der Niedergelassenen als auch denen der Kliniker entgegenkommen sollte, die Schaffung von familienfreundlichen Strukturen, und zum anderen die Motivation des Nachwuchses. Wir müssen der jüngeren Generation die Faszination unseres Faches nahe bringen und sie dafür gewinnen. Dafür müssen wir die Rahmenbedingungen der Weiterbildung verbessern und mit strukturierten, möglicherweise sektorenübergreifenden Maßnahmen verbindlich und umfassend gestalten. Auch die Kostenträger gilt es zu bewegen und für uns zu gewinnen. Auch wenn auf Grund ökonomischer Zwänge immer mehr Wirtschaftlichkeit und Effizienz gefordert werden, so müssen wir doch zum Wohle der Patienten auch um eine leistungsgerechte Vergütung kämpfen, um weiterhin eine lückenlose, qualitativ hochwertige und erfolgreiche Versorgung unserer Patienten zu gewährleisten. Auch auf die Medien müssen wir uns zubewegen, um einseitigen Darstellungen entgegen zu wirken. Unsere Patienten haben ein Recht auf Information: auf Qualitätsvergleiche und Rankings, die die Realität adäquat abbilden, und auf patientengerechte Fortbildungen zu medizinischen Themen, die sie betreffen. Statt Komplikationen gibt es aber nur noch Behandlungsfehler. Reißerisch wird über vermeintliche Skandale berichtet, von denen bei der exakten juristischen oder sachgerechten wissenschaftlichen Aufarbeitung in der Regel wenig übrig bleibt. Die Verunsicherung der Patienten nimmt aufgrund dieser einseitigen Darstellung zu. Bewegung hat auch unser langjähriger Standort erfahren. Durch notwendige Renovierungsarbeiten im ICC tagen wir erstmals in den Hallen des Messegeländes Süd – eine neue Herausforderung, aber gleichzeitig die Chance, den Charakter dieses Kongresses spürbar zu verändern. Vielseitiges Kongressprogramm Als Kongressbesucher erwartet Sie eine ausgewogene Mischung aus unterschiedlichen Symposien, Sitzungen sowie Konferenzen. Auftakt ist der Spezialitätentag, an dem sich die Sektionen, Arbeitsgemeinschaften und Arbeitskreise in gewohnter Form präsentieren. Die folgenden Tage sind von wissenschaftlichen Sitzungen, Expertenrunden, Tipps und Tricks sowie Veranstaltungen zur Forschungs-, Gesundheits- und Berufspolitik geprägt. Alle offiziellen Veranstaltungen beginnen stets um 9 Uhr und enden um 18 Uhr. Auf Mittagsvorlesungen haben wir in diesem Jahr bewusst verzichtet, um Mitgliedern der Fachgesellschaften die Teilnahme an den Jahresversammlungen zu ermöglichen. Neu etabliert haben wir bei diesem Kongress ein Kursprogramm der ADO, welches täglich in zwei parallelen Strängen stattfindet und somit die Buchung mehrerer Seminare ermöglicht. Neben der Grundlagenforschung wurde eine Vielzahl von interessanten klinischen Beiträgen berücksichtigt. Das Programm bildet auch die konservativen und rehabilitativen Aspekte des Faches ab. In ausgewählten Sitzungen werden wie gewohnt EBM-Kommentare integriert. Auch den Posterpräsentationen messen wir eine hohe Bedeutung bei. Der internationale Dialog genießt einen immer höheren Stellenwert. Daher haben wir zusammen mit den diesjährigen Gastnationen Österreich und Spanien internationale Sitzungen konzipiert, die Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Oktober 2013 507

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Editorial orthopädisch-unfallchirurgische Themen in den verschiedenen Ländern aufgreifen. Neben zahlreichen Repräsentanten der europäischen Organisationen EFORT und ESTES erwarten wir eine große Delegation der Chinese Orthopaedic Association (COA) sowie eine Delegation der World Orthopaedic Alliance (WOA). Für die niedergelassenen Kollegen haben wir die für sie besonders interessanten Programmpunkte auf die 2. Kongresshälfte gelegt und hoffen, dass dies zusammen mit dem am Samstag stattfindenden Programm der Akademie Deutscher Orthopäden (ADO) einen weiteren Anreiz bietet, den DKOU zu besuchen. Am Mittwoch findet der vom Jungen Forum der DGOU organisierte „Tag der Studierenden“ statt, ebenso gibt es erneut einen Patiententag in Kooperation mit der Rheumaliga zum Thema „Arthrose“. Zudem werden auch in diesem Jahr interdisziplinäre Sitzungen in Zusammenarbeit mit Pflege-/Rettungsdienst, Physiotherapie und Orthopädietechnik im Programm sein. Die große und neu konzipierte Industrieausstellung bietet Ihnen umfangreiche Möglichkeit der Information. Im Rahmen der offiziellen Eröffnungsfeier, welche am ersten Kongresstag um 18.15 Uhr beginnt, wird unser Gastredner Ulrich Wickert das Kongressmotto kritisch und amüsant interpretieren. Der anschließende Empfang findet ebenfalls auf dem Kongressgelände im traditionsreichen Marschall-Haus statt. Die Kongressparty wird am Donnerstag im „Event-Island“ auf einer Havelinsel in Spandau stattfinden. Auch das von unseren Damen gestaltete Begleitprogramm unter dem Motto „Made in Berlin“ offeriert zahlreiche kulinarische und kulturelle Highlights, welche in dieser Form wohl nur in der pulsierenden Hauptstadt Berlin zu finden sind. Die Besonderheit dieses Kongresses besteht auch in der Vielfalt seiner Besucher, wodurch sich wieder einmal das breite Spektrum unseres Faches und seine besondere Faszination zeigen. Unser Ziel ist es, Ihnen mit unserem Kongressprogramm den geeigneten Rahmen für neue Ideen, Initiativen, kritische Diskussionen und Denkanstöße im Sinne unseres Mottos „Menschen bewegen – Erfolge erleben“ zu bieten. Wir würden uns sehr freuen, Sie in Berlin begrüßen zu dürfen. Ihre Präsidenten Ihre Präsidenten Prof. Dr. Karl-Dieter Heller Kongresspräsident BVOU Prof. Dr. Reinhard Hoffmann Präsident DGOU/DGU Prof. Dr. Bernd Kladny Präsident DGOOC Stellv. Präsident DGOU D I E D KO U - H I G H L I G H T S D E R P R Ä S I D E N T E N 2 0 1 3 Prof. Dr. Karl-Dieter Heller, BVOU: Der besondere Reiz lag darin, ein Programm zusammenzustellen, welches für Kliniker und Niedergelassene gleichermaßen interessant ist. Ich denke, das ist uns gelungen! So freue ich mich neben dem wissenschaftlichen Programm besonders auf die Expertenrunden, die Tipps & Tricks und auf die berufs- und gesundheitspolitischen Themen. Die Seminare und ADO-Kurse runden das Ganze wunderbar ab. Die Endoprothetik ist für mich ein wichtiges Hauptthema. Auf keiner anderen orthopädischen Veranstaltung im Jahr kommen so viele Orthopäden und Unfallchirurgen aus den verschiedenen Sektoren zusammen. Somit bietet es sich an, intensiv über Berufs- und Gesundheitspolitik zu sprechen. Einen hohen Stellenwert haben die Strukturveränderungen in Klinik und Praxis sowie die Entwicklung des Vergütungsund Honorarsystems. Ein weiteres Highlight ist der internationale Austausch, der die Bedeutung des DKOU als größten europäischen Kongresses unterstreicht. Ich freue mich sehr auf die Eröffnungsveranstaltung mit dem anschließendem Empfang im geschichtsträchtigen Marshall-Haus und die Kongressparty unter dem Motto „Berlin – jetzt!“. Prof. Dr. Reinhard Hoffmann, DGOU/DGU: Highlight für den Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2013 sind sicher die neuen Räumlichkeiten auf dem Messegelände. Auf die Eröffnungsveranstaltung mit dem Festvortrag von Ulrich Wickert, „Werte im Wandel – erfolgreich um jeden Preis?“, freue ich mich persönlich besonders. Der bekannte Tagesthemen-Moderator und Buchautor nimmt Bezug auf unser Kongressmotto und wird gesellschaftskritisch wie launig sicher auch „die Medizin“ beleuchten. Wie in jedem Jahr gibt es eine große Auswahl an hochkarätigen wissenschaftlichen Sitzungen, Seminaren und Kursen. Aus unfallchirurgischer Sicht sind beispielsweise die Altersfrakturen, die vernetzte Behandlung Schwerverletzter und die Unfallprävention zu nennen – dies auch Grenzen überschreitend mit unseren europäischen Nachbarländern. Als Gastländer begrüßen wir Spanien und Österreich. Wir erwarten zudem eine sehr starke chinesische Delegation in Kooperation mit der WOA (World Orthopaedic Alliance) sowie viele andere internationale Gäste. „Menschen bewegen – Erfolge erleben“, das Kongressmotto ist damit „gelebtes Programm“. Prof. Dr. Bernd Kladny, DGOOC: Ich freue mich auf die Eröffnungsveranstaltung mit Herrn Wickert, der das wichtige Thema Werte thematisiert. Die diesjährige Pauwels-Vorlesung hält Prof. Willi Kalender, der einer der renommiertesten Medizinphysiker weltweit ist. Dies zeigt, dass wir die fachgebundene Bildgebung als integralen Bestandteil unseres Faches sehen. Wir haben ein neues Zeitmanagement, und dies ermöglicht jedem Teilnehmer, die Mitgliederversammlungen seiner Gesellschaft/en zu besuchen und seine demokratischen Rechte wahrzunehmen. Wir haben großen Wert darauf gelegt, dass vom Grundlagenforscher über den Kliniker bis hin zum Niedergelassenen ein ausgewogenes Programm zustande kam, welches sowohl Generalisten als auch hoch spezialisierte Kollegen anspricht. Besonders stolz bin ich, dass hochrangige Vertreter der Gastländer, aber auch der neuen Weltorganisation (WOA) und der europäischen Organisation der Orthopäden (EFORT) und Unfallchirurgen (ESTES) sowie der Volksrepublik China (COA) als auch wichtige Vertreter aus Südamerika den Kongress beehren und bereichern werden. 508 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Oktober 2013

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Editorial Editorial „Menschen bewegen – Erfolge erleben“ 507 R E T T U N GSDAT E N B L ÄT T E R Schnelle Hilfe für eingeklemmte Fahrzeug-Insassen H U M A N I TÄ R E H I L F E 545 Impressum Nachrichten 512 Kranken Kindern eine Zukunft schenken 549 VERSORGUNGSFORSCHUNGSKONGRESS Spannende Themen aus O und U 514 514 FR AGILIT Y FR AC TURE NE T WORK 551 537 Kurz und bündig Orthofit geht in die 4. Runde Bündelung der Expertise von Orthopäden und Unfallchirurgen Wo die Evidenz an ihre Grenzen stößt Strahlenfreie periradikuläre Therapie: Im Umgang mit der periradikulären Therapie (PRT) bestehen bei Krankenkassen und Patienten aktuell große Unklarheiten. Orthopäden und Unfallchirurgen können sich ab sofort an die AG Schmerztherapie von BVOU und IGOST in Kooperation mit der DGOOC und der DGOU wenden. Mauern zwischen den Disziplinen einreißen 552 515 Qualität und Sicherheit Z WISCHENFÄLLE 516 „Der betroffene Arzt“ INFEK TIONSSCHUTZGESETZ 554 Politik H AUS - U N D FACH A R Z T V E RTR ÄG E Haftungsrechtliche Konsequenzen für Ärzte und Krankenhäuser 558 518 Vorfahrt für Selektivverträge S PI FA Recht und Wirtschaft Ä R Z T L I CH E S V E R SO RG U N GS W E R K Fachärztliche Verantwortung ist unteilbar 520 Wichtige Hinweise für die Altersvorsorge A U S L Ä N D I S C H E PAT I E N T E N 562 Aus unserem Fach 545 Rettungsdatenblätter: Die Konstruktion moderner PKWs kann die technische Rettung eingeklemmter Insassen erschweren. Mit papiernen und digitalen Rettungsdatenblättern stehen innovative Lösungen bereit. NEUE GESCHÄF TSSTELLE Aufklären und behandeln trotz Sprachbarriere 524 NACHGEFR AG T: PAT I E N T E N R E C H T E G E S E T Z 564 Herzlich willkommen! FA C H A R Z T S TAT I S T I K 2 0 1 2 Fast 19.000 Fachärzte mit Ausrichtung Orthopädie und/oder Unfallchirurgie WEITERBILDUNGSORDNUNG Wie weit reicht die Aufklärungspflicht? 526 KO M P L I K AT I O N E N 566 Baustopp für WBO – BÄK legt Denkpause ein GONARTHROSE Warum gehen Patienten zum Anwalt? 529 KBV-STELLUNGNAHME 567 Implantieren wir wirklich zu viel? 532 S T R A H L E N F R E I E PE R I R A D I K U L Ä R E THER APIE Kostenübernahme von Ankersystemen bei der Rotatorenmanschettennaht 569 PRT sichern – orthopädische Schmerztherapie ausbauen S T R A H L E N S CH U T Z Unterwegs 537 E I N S AT Z I N A F G H A N I S TA N Chirurgie am Hindukusch 539 A SG -FELLOWSHIP -TOUR 2013 570 558 510 Infektionsschutzgesetz: Kommt es im Krankenhaus zu Infektionen, wird oft der Vorwurf laut, hygienische Standards seien nicht eingehalten worden. In einem solchen Fall drohen haftungsrechtliche Konsequenzen. Fachkunde nach Röntgenverordnung INTERV IE W Orthopäden zeigen Flagge in der Rheumatologie Zu Gast bei orthopädischen Exzellenzzentren in England, USA und Kanada 543 574 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Oktober 2013

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Editorial EC T E S S T I P E N D I U M It could not have been more perfect 580 BVOU Kurzbericht von der Gesamtvorstandssitzung des BVOU Honorardesaster 2009 bis 2012 aus Sicht der KBV-Statistik 585 DGOOC Jahresbericht der Sektion 7 Hand-, Mikro- und Replantationschirurgie Die DGORh: Experten für interdisziplinäre Kooperation Neue Mitglieder 602 Namen Personalia Wir gratulieren... Nachrufe 582 582 583 622 587 Die Pflegeversicherung: Der Erhalt des Vermögens im Alter 590 Neue Mitglieder 591 603 605 Für Sie gelesen Für unsere Mitglieder Kursangebote OU Medizin und Markt DGOU Jahresbericht der GOTS Sektion 594 Jahresbericht der Arbeitsgemeinschaft Endoprothetik (AE) 595 Registernetzwerk zum DGOUGemeinschaftsprojekt ausgeweitet 598 Antrag auf Ergänzung der Tagesordnung der DGOU-Mitgliederversammlung Neue Mitarbeiterin Neue Mitglieder DGU Gedenken der jüdischen Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Unfallheilkunde, Versicherungsund Versorgungsmedizin 606 Vorschlag des Präsidiums zur Änderung der DGU-Satzung 624 639 614 599 600 600 Frakturen, Fehlstellungen und Weichteilverletzungen der oberen Extremität im Kindesalter 615 Bericht der AG Alterstraumatologie 616 Jahresbericht der Sektion Handchirurgie Aktuelles aus der AG Ultraschall Neue Mitglieder Die DGU trauert um ihre Toten 617 618 620 620 GEDENKEN UND MAHNUNG In dieser Ausgabe finden Sie auf Seite 606 ff. einen Beitrag von Prof. Jürgen Probst zum „Gedenken der jüdischen Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Unfallheilkunde, Versicherungs- und Versorgungsmedizin“. Erst in mehrjährigen Nachforschungen konnten die Lebensschicksale dieser vom NS-Regime entrechteten, verfolgten, zum Teil ermordeten, in der Nachkriegszeit in Vergessenheit geratenen Kollegen geklärt werden. Ihnen, die untadelige berufliche Leistungen vollbrachten und tätige Mitglieder der DGU waren, sollen hiermit die Rechte und die Anerkennung unserer Gesellschaft wiedergegeben werden. Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Oktober 2013 511

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Impressum Herausgeber Für den Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. Präsident Helmut Mälzer Für die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e. V. Generalsekretär Prof. Dr. med. Fritz Uwe Niethard Für die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e. V. Generalsekretär Prof. Dr. med. Hartmut Siebert Schriftleitung DGOOC Prof. Dr. med. Fritz Uwe Niethard (V.i.S.d.P.) Geschäftsstelle DGOOC Straße des 17. Juni 106-108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 30 Fax: (0 30) 340 60 36 31 E-Mail: funiethard@dgooc.de Schriftleitung BVOU Prof. Dr. med. Karsten Dreinhöfer (V.i.S.d.P.) Geschäftsstelle BVOU Straße des 17. Juni 106-108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 30 02 40 92 12 Fax: (0 30) 30 02 40 92 19 Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. Vorstand Präsident Helmut Mälzer, Berlin Vizepräsident Dr. med. Andreas Gassen, Düsseldorf Vizepräsident Prof. Dr. med. Karsten Dreinhöfer, Berlin Schatzmeister Dr. med. Peter Heppt, Erlangen Vorstandsmitglied Dr. med. Helmut Weinhart, Starnberg Vorstandsmitglied Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, Braunschweig Vorstandsmitglied Dipl.-Med. Frank-Ullrich Schulz, Brandenburg Generalsekretär der DGOU Prof. Dr. med. Hartmut Siebert, Schwäbisch Hall Geschäftsstelle des BVOU Straße des 17. Juni 106-108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 79 74 44 44 Fax: (0 30) 79 74 44 45 E-Mail: bvou@bvou.net www.bvou.net Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie Geschäftsführender Vorstand Präsident (und Präsident der DGU) Prof. Dr. Reinhard Hoffmann, Frankfurt/Main Stellv. Präsident (und Präsident der DGOOC) Prof. Dr. Bernd Kladny, Herzogenaurach Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e. V. Geschäftsführender Vorstand Präsident Prof. Dr. med. Bernd Kladny, Herzogenaurach 1. Vizepräsident Prof. Dr. med. Wolfram Mittelmeier, Rostock 2. Vizepräsidenten von DGU und DGOOC 2. Vizepräsident Prof. Dr. med. Henning Windhagen, Prof. Dr. Bertil Bouillon, Köln Hannover Prof. Dr. Henning Windhagen, Hannover Generalsekretär (und Generalsekretär der DGU) Prof. Dr. Hartmut Siebert, Schwäbisch Hall Stellv. Generalsekretär (und Generalsekretär der DGOOC) Prof. Dr. Fritz Uwe Niethard, Aachen Schatzmeister Prof. Dr. Werner E. Siebert, Kassel Vertreter der nichtselbständigen Ärzte aus dem nichtständigen Beirat Dr. Richard Stange, Münster/ Dr. Babak Moradi, Heidelberg Leiter des Ausschusses Versorgung, Qualität und Sicherheit Dr. Daniel Frank, Düsseldorf Leiterin des Ausschusses Bildung und Nachwuchs Prof. h.c. Dr. Almut Tempka, Berlin Leiter des Wissenschaftsausschusses Prof. Dr. Dr. h.c. Joachim Grifka, Bad Abbach Vertreter des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie Helmut Mälzer, Berlin Generalsekretär Prof. Dr. med. Fritz Uwe Niethard, Berlin Schatzmeister Prof. Dr. med. Werner E. Siebert, Kassel Präsident des Berufsverbandes BVOU Helmut Mälzer, Berlin Leiter der Ordinarienkonferenz Prof. Dr. Dr. h. c. Joachim Grifka, Bad Abbach 2. Vorsitzender des VLOU Prof. Dr. med. Volker Ewerbeck, Heidelberg Geschäftsstelle der DGOOC Straße des 17. Juni 106-108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 30 Fax: (0 30) 340 60 36 31 E-Mail: info@dgooc.de www.dgooc.de Schriftleitung DGU Prof. Dr. med. Hartmut Siebert Joachim Arndt Geschäftsstelle der DGU Straße des 17. Juni 106-108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 20 Fax: (0 30) 340 60 36 21 E-Mail: hsiebert@office-sha.de Redaktion Jana Ehrhardt-Joswig Tel.: (0 30) 340 60 36 30 E-Mail: jana.ehrhardt@gmx.de Verlag Georg Thieme Verlag KG Dr. Grit Vollmer Rüdigerstr. 14 70469 Stuttgart Tel.: (07 11) 89 31 630 Fax: (07 11) 89 31 408 E-Mail: grit.vollmer@thieme.de www.thieme.de/oumn Verantwortlich für den Anzeigenteil Christine Volpp, Thieme Media, Pharmedia Anzeigen- und Verlagsservice GmbH Rüdigerstr. 14 70469 Stuttgart Tel.: (07 11) 89 31 603 Fax: (07 11) 89 31 569 E-Mail: christine.volpp@thieme.de Erscheinungsweise 6 x jährlich: Februar/April/Juni/August/ Oktober/Dezember Zur Zeit gültiger Anzeigentarif Nr. 17 vom 1. Oktober 2012 ISSN 2193-5254 Satz und Layout Georg Thieme Verlag KG Druck Grafisches Centrum Cuno GmbH & Co. KG Gewerbering West 27 39240 Calbe Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie Geschäftsführender Vorstand Präsident Prof. Dr. Reinhard Hoffmann, Frankfurt/Main Erster Vizepräsident Prof. Dr. Christoph Josten, Leipzig Zweiter Vizepräsident Prof. Dr. Bertil Bouillon, Köln Dritter Vizepräsident Prof. Dr. Michael Nerlich, Regensburg Generalsekretär Prof. Dr. Hartmut Siebert, Schwäbisch Hall Schatzmeister Prof. Dr. Joachim Windolf, Düsseldorf Schriftführer und Schriftleiter der Website www.dgu-online.de Prof. Dr. Andreas Seekamp, Kiel Geschäftsstelle der DGU Straße des 17. Juni 106-108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 20 Fax: (0 30) 340 60 36 21 E-Mail: office@dgu-online.de www.dgu-online.de Vertreter des Berufsverbandes Deutscher Chirurgen Dr. Jörg-A. Rüggeberg, Bremen Vertreter des Jungen Forums Dr. Matthias Münzberg, Ludwigshafen Vorstand Präsident Prof. Dr. Stefan Nehrer, Krems/Österreich 1. Vizepräsident Prim. Dr. Josef Hochreiter, Linz/Österreich 2. Vizepräsident Prim. Dr. Peter Zenz, Wien/Österreich Generalsekretär Univ. Prof. Dr Alexander Giurea, Wien/ Österreich Kassierer Prim. Univ. Prof. Dr. Karl Knahr, Wien/ Österreich Schriftführer Prof. Dr. Catharina Chiari, Wien/Österreich Fachgruppenobermann Dr. Rudolf Sigmund, Oberwart/Österreich Sekretariat der ÖGO c/o Wiener Medizinische Akademie Alserstraße 4 A-1090 Wien Kontakt: Silvia Konstantinou Tel.: +43-1 - 405 13 83 21 Fax: +43-1 - 405 13 83 23 E-Mail: sk@medacad.org DGOU-Geschäftsstelle Straße des 17. Juni 106-108 10623 Berlin Tel.: (0 30) 340 60 36 00 Fax: (0 30) 340 60 36 01 office@dgou.de www.dgou.de Mitglied der Arbeitsgemeinschaft LA-MED Kommunikationsforschung im Gesundheitswesen e. V. Mitglied der Informationsgesellschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V. Mitglieder dieser Vereine erhalten die Zeitschrift im Rahmen der Mitgliedschaft. 512 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Oktober 2013

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Nachrichten Kurz und bündig DGU und ADAC plädieren für Einsatz der Rettungskarte Auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) präsentieren DGU und ADAC an einem gemeinsamen Stand die Rettungskarte. In Autos sind hochfeste Werkstoffe, Gasgeneratoren und elektrische Leitungen verbaut, die Rettungskräften bei der Bergung eingeklemmter Insassen die Arbeit extrem erschweren. Der ADAC, der Verband der Automobilindustrie (VDA) und Feuerwehrverbände haben deshalb die so genannte Rettungskarte entwickelt: ein A4-Blatt, das für Automodelle aller Hersteller und Importeure kostenfrei erhältlich ist und die möglichen Zugangswege zeigt. Sie sollte hinter der Fahrer-Sonnenblende platziert werden. Untersuchungen der Feuerwehr zeigen, dass sich die Zeit für die Rettung eingeklemmter Unfallopfer damit um knapp zehn Minuten verkürzen lässt. Lesen Sie dazu unseren ausführlichen Beitrag „Schnelle Hilfe für eingeklemmte Fahrzeug-Insassen“ auf Seite 545. AKTION ORTHOFIT 2013: © 11.-15. Nov. EU gibt Millionen für orthopädische Forschung Am 30. August 2013 startete an der Orthopädischen Universitätsklinik Magdeburg das internationale Forschungsprojekt „HypOrth“. „Unser Ziel ist es, im Rahmen von umfassenden klinischen Untersuchungen neue Konzepte in der Endoprothetik zu entwickeln, die uns perspektivisch einen großen Schritt auf dem Weg zu einer personalisierten, also einer individuell möglichst ‚maßgeschneiderten‘ Therapie voranbringen“, fasst Prof. Dr. Christoph Lohmann, Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik Magdeburg und Koordinator des Projekts, das Forschungsvorhaben zusammen. Es soll untersuchen, wie das Immunsystem auf Implantate reagiert und welche Hypersensibilitäten auftreten können. Die Erkenntnisse daraus können in die Forschung für Oberflächenveredelungen bzw. Oberflächenmodifikationen von Implantaten einfließen. „HypOrth“ wird von der Europäischen Kommission im Rahmen ihres Health and Innovation Programms über eine Laufzeit von fünf Jahren mit 5,28 Millionen Euro gefördert. (Universitätsklinikum Magdeburg) „ZEIGT HER EURE FÜßE“ EINE AUFKLÄRUNGSKAMPAGNE DES BERUFSVERBANDES DER FACHÄRZTE FÜR ORTHOPÄDIE UND UNFALLCHIRURGIE E.V. ! www.aktion-orthofit.de Orthofit geht in die 4. Runde Vom 11. bis 15. November heißt es auch in diesem Jahr wieder: „Zeigt her Eure Füße“. Orthopäden in ganz Deutschland besuchen dann Grundschulen, um den Kindern auf spielerische Weise Wissenswertes rund um die Gesundheit ihrer Füße zu vermitteln. Das Konzept der BVOU-Kampagne „Orthofit – Zeigt her Eure Füße“ geht auf: Nicht nur, dass jedes Jahr Hunderte von Kindern – und so auch ihre Eltern – erfahren, wie wichtig Bewegung für ihre gesunde Entwicklung ist. Auch die Presse begleitet die Aktion des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie mit einer durchweg positiven und sympathischen Berichterstattung – was heutzutage alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist. Der BVOU hat sich deshalb dazu entschieden, die Kampagne das vierte Jahr in Folge weiterzuführen. Wie schon im vergangenen Jahr findet im November kein OrthofitTag, sondern eine ganze Orthofit-Woche statt. Über 200 Mitglieder des Berufsverbandes haben ihre Teilnahme zugesagt, manche von ihnen besuchen zwei und mehr Schulen, so dass insgesamt mehr als 400 Schulen bei Orthofit eingebunden sind. Schirmherr ist in diesem Jahr kein Politiker, sondern Joey Kelly, einstiger Popstar und heute bekannt dafür, in ExtremWettkämpfen regelmäßig an die Grenzen seiner körperlichen Leistungsfähigkeit zu gehen. Dass die Füße eine tragende Rolle im Leben spielen – wer könnte das besser verkörpern als er? An seiner Seite findet sich Christian Barmann, Kika-Moderator und Garant für gute Laune bei den Kindern. (je) Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Oktober 2013 Hygiene-Preis für Helge Karch Für sein Münstersches Modell für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention erhielt Prof. Dr. Helge Karch den „Preis für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention“ der Robert-Koch-Stiftung. Der Direktor des Instituts für Hygiene am Universitätsklinikum Münster (UKM), auch bekannt als „EHEC-Pabst“, ist der erste Preisträger der neu geschaffenen und mit 50.000 Euro dotierten Auszeichnung. Das Münstersche Modell vernetzt regionale Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime, niedergelassene Ärzte und Patientenvertreter eng mit dem UKM, um die Ausbreitung gefährlicher Keime zu verhindern. (UKM) Foto: UKM 514

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Das Direktorium des UniversitätsCentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie in Dresden: Geschäftsführender Direktor Prof. Dr. Klaus-Peter Günther, Pflegedienstleiterin Meike Jäger, Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Hans Zwipp und Verwaltungsleiterin Ute Dittmann (v.l.n.r) Bündelung der Expertise von Orthopäden und Unfallchirurgen Am 1. Juni 2013 ist das „UniversitätsCentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie“ am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden – kurz OUC – gegründet worden. Damit wird die Expertise zweier bisher getrennter universitärer Fachbereiche in einem bislang einzigartigen Modell gebündelt, denn unter Erhalt beider Lehrstühle für Orthopädie bzw. Unfallchirurgie ist eine neuartige Struktur geschaffen worden, die weit über andere Kooperationsformen hinausgeht. Die zwei Grundpfeiler der bisher getrennten Expertise, das „Überregionale Traumazentrum“ und das „Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung“, werden im Sinne flacherer hierarchischer Strukturen durch sechs subspezialisierte Sektionen quer miteinander vernetzt. In einer Sektion „Akutversorgung“ erfolgt die Erstbehandlung unfallchirurgischer und orthopädischer Notfälle, fünf weitere Sektionen sind überwiegend organ-bezogen ausgestaltet („Fuß, Sprunggelenk und Kinderorthopädie“, „Hüfte und Becken“, „Knie und Tumororthopädie“, „Schulter, Ellenbogen und Hand“ sowie „Wirbelsäule“ – siehe Organigramm). In diesen neu geschaffenen Ebenen ist das bisherige orthopädische und unfallchirurgische Fachwissen zusammengeführt und kann damit weiterentwickelt werden. Neben den Vorteilen in der Krankenversorgung und der optimierten Weiterbildung sind auch in Lehre und Forschung durch das Organigramm des OUC Zusammenführen von gemeinsamen Schnittstellen, Ressourcen und Fachwissen Synergien und Mehrwert zu erwarten. Das Zentrum wird von einem Direktorium geleitet, in dem ein ärztlicher Direktor (Prof. Dr. Hans Zwipp) und ein geschäftsführender Direktor (Prof. Dr. Klaus-Peter Günther) zusammen mit der Pflegedienstleiterin Meike Jäger und der Verwaltungsleiterin Ute Dittmann vertreten sind. Den beiden ärztlichen Leitern ist gemeinsam die letztendliche Führungsverantwortung für das Zentrum übertragen, und sie rotieren in ihren Positionen. Interdisziplinäre Leitungsstrukturen setzen sich auch in die Sektionen fort, die jeweils von ärztlichen und pflegerischen Leitern gemeinsam geführt werden. Auch nach Einschätzung des Klinikumsvorstandes, der das Konzept nachdrücklich unterstützt, gehen die beiden Kliniken damit keine Kooperation ein, die nur auf dem Papier steht, sondern eröffnen mit dieser innovativen Struktur eine besonders zukunftsfähige Perspektive. Die Zusammenarbeit von mehr als 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist über mehr als ein Jahr in einer Vielzahl von Arbeitsgruppen mit externer Moderation vorbereitet worden. Prof. Dr. Hans Zwipp, Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Klaus-Peter Günther, Geschäftsführender Direktor Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Oktober 2013 515

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Nachrichten Wo die Evidenz an ihre Grenzen stößt Die evidenzbasierte Medizin stützt sich auf beste wissenschaftliche Beweise. Sie soll Ärzten als Sicherungsanker bei ihren Entscheidungen dienen und Behandlungsfehler eindämmen. Doch ist eine Medizin, die auf verlässlichen Statistiken beruht, immer auch die richtige Medizin? Dieser Frage geht die Dokumentation „Heilen wie am Fließband“ nach, die am 17. September auf arte ausgestrahlt wurde. Die 16-jährige Ellen leidet an einer seltenen Muskelschwäche. Das Standardmedikament verträgt sie nicht. Weil das, was ihr hilft, nicht hinreichend mit Evidenz belegt ist, zahlen Ellens Eltern die Behandlung ihrer Tochter aus der eigenen Tasche – 1.000 Euro monatlich, weit mehr, als sich die Landwirte eigentlich leisten können. An Evidenz fehlt es dem Medikament aus einem Grund: Es gibt so wenig Kinder mit Ellens Erkrankung, dass es für eine randomisierte, kontrollierte Studie schlicht nicht genug Probanden gibt. Mit dieser Geschichte beginnt der Film von Ingolf Gritschneder. Er erzählt auch von der Journalistin Sonia Mickich, die am eigenen Leib erlebt hat, was es bedeutet, in die Mühlen des Medizinbetriebes zu geraten. Sie berichtet, wie sie nur mit knapper Not überlebt hat. Der einzelne Kranke werde nur in den seltensten Fällen individuell betrachtet, so ihre Quintessenz. Doch der Film lässt auch Ärzte und Wissenschaftler zu Wort kommen, die die Untiefen eines Gesundheitssystems beklagen, das sich immer mehr an wirtschaftlichen Rahmenbedingungen orientiert. Einer immer älter werdenden Bevölkerung steht eine schrumpfende Anzahl an Ärzten gegenüber. In dieser Situation ziehen die Krankenkassen ihre Stellschrauben – ausreichend, zweckmäßig, wirtschaftlich, das Maß des medizinisch Notwendigen nicht überschreitend – immer fester an. Bollwerk gegen medizinische Behandlungsfehler Damit geht der evidenzbasierten Medizin (EbM) ihre ursprüngliche Intention verlustig. Als Bollwerk gegen medizinische Behandlungsfehler dachte sie sich ihr Erfinder, der kanadische Arzt David Sackett, vor 20 Jahren. Statistischen Daten wird dabei die höchste Evidenz zugeschrieben, der Erfahrung von Experten der geringste Evidenzgrad zugebilligt. Randomisierte, kontrollierte Studien sind nahezu heilig – sie bestimmen maßgeblich das medizinische Handeln und was dem Patienten zusteht. Doch die vermeintliche Sicherheit bahnt einer großen Unsicherheit den Weg. Zwar wird das Erfahrungswissen der Ärzte von ihren Patienten geschätzt. Dennoch laufen Mediziner, die sich auf ihr Bauchgefühl verlassen, Gefahr, verklagt zu werden, denn abseits von Leitlinien entstehen Irrtümer. Dabei ist die Objektivität von Leitlinien bei weitem kein ehernes Gesetz, wie oft glauben gemacht wird. Zu oft habe die Industrie ihre Finger im Spiel der Leitlinienkommissionen, warnt der Film. Zudem müssten bei der Übersetzung von Leitlinien nationale Besonderheiten berücksichtigt werden, berichtet der Franzose Jean Bousquet, Vorsitzender der Global Alliance Against Chronic Respiratory Diseases (GARD) der Weltgesundheitsorganisation – während beispielsweise die Franzosen nicht gern Tabletten schlucken, inhalieren Japaner nicht. „Medizin ist mehr eine Kunst als eine exakte Wissenschaft“ Doch nicht nur deshalb empfiehlt sich eine kritische Distanz zu Zahlen und Statistiken. EbM-Kritiker mahnen, dass Erkrankungen vielfach zu komplex sind, um sie in ein Schema zu pressen. „Medizin ist mehr eine Kunst als eine exakte Wissenschaft“, findet zum Beispiel Prof. Nicolas Levy aus Marseille, der sich der Erforschung seltener Erkrankungen verschrieben hat. Darüber hinaus seien viele Ärzte im Verstehen von Evidenz nur mangelhaft ausgebildet, erklärt Gerd Gigerenzer, Direktor des Harding-Zentrums für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut in Berlin, wo unter anderem Statistik-Kurse für Ärzte angeboten werden. Aus lauter Angst, verklagt zu werden, neigten Ärzte häufig zu einer „defensiven Medizin“, so Gigerenzers Erfahrung. Sprich: Sie verschreiben Medikamente und Methoden, die sie für sich oder ihre Angehörigen niemals in Anspruch nehmen würden. Arzt/Patientenkontakt reduziert sich auf ein Minimum Das ist die große Stärke der arte-Produktion: Sie nähert sich der evidenzbasierten Medizin von allen Seiten. So wird zwar betont, dass erst die EbM den Rahmen für freie, unkorrumpierte Entscheidungen des Arztes bilden kann. Und dennoch gelingt es dem Film, die Grenzen der Evidenz aufzuzeigen – anhand sachlicher Argumente, konkreter Beispiele, ganz und gar nicht marktschreierisch. So transportiert der Film einen interessanten Denkansatz: Dass unter dem Primat der Ökonomie die EbM von einem Sicherungsinstrument für Ärzte „zu einem Instrument für ein auf Effizienz gerichtetes Gesundheitssystem wird“ (Giovanni Maio, Professor am Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Uni Freiberg), also zu einer Rechtfertigung und Erklärung dafür, dass Ärzte ihren Blick mehr auf den Computerbildschirm richten als auf ihre Patienten. Denn dort finden sie die Koordinaten für ihr Handeln, nämlich Diagnose- und Therapiestandards sowie Kostenvorgaben, an die sie sich zwangsläufig halten müssen. Die Zeit für die Zuwendung zum Patienten wird ihnen dabei genommen. Jana Ehrhardt-Joswig Jana Ehrhardt-Joswig 516 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Oktober 2013

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Politik Plädierten gemeinsam für Selektivverträge: Helmut Mälzer (BVOU), Dr. Christopher Hermann (AOK), Dr. Werner Baumgärtner (MEDI), Dr. Berthold Dietsche (HÄV) (v. li. n. re.). H A U S - U N D FA C H A R Z T V E R T R Ä G E Vorfahrt für Selektivverträge Investitionshemmnisse bei Direktverträgen müssen abgebaut und mehr Wettbewerb ins Gesundheitssystem eingeführt werden. Das betonten Vertreter des Landesverbandes Baden-Württemberg des Deutschen Hausärzteverbandes, Medi Baden-Württemberg und der AOK Baden-Württemberg vor der Presse in Berlin. Mit auf dem Podium: Helmut Mälzer, Präsident des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU). „Die Zeit des Durchwurschtelns geht zu Ende“, sagte Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK BadenWürttemberg, gleich zu Beginn. „Wir brauchen im Herbst nach der Bundestagswahl einen gesundheitspolitischen Ruck, kein Ruckeln. Die Politik sollte von Stillstand in den Veränderungsmodus schalten.“ Hausärzteverband, Medi und die AOK plädierten vor Medienvertretern dafür, dass das Beispiel Baden-Württembergs bundesweit Schule machen sollte – nur so könne die Versorgung der Patienten dauerhaft verbessert werden. In Baden-Württemberg werden seit fünf Jahren die auf § 73b des Sozialgesetzbuches V basierende hausarztzentrierte Versorgung und die nach § 73c des SGB V fachübergreifende Versorgung wie in keinem anderen Bundesland vorangetrieben. Ärzte haben dort die Möglichkeit, an Direktverträgen teilzunehmen. 3.500 Ärzte nehmen mittlerweile an dem AOK-Vertrag teil, der nachweislich die Versorgung chronisch kranker Patienten verbessert und die Zufriedenheit seitens der Ärzte und Patienten erhöht habe. Dr. Berthold Dietsche, Landesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes und Stellvertretender Bundesvorsitzender, erklärte, dass die eigene Gebührenordnung – in Euro ohne Budgetierung und ohne Regresse – die wirtschaftliche Existenz der Praxen dauerhaft sichere. Hermann sprach von mindestens 30 Prozent mehr Honorar. Die Selektivverträge seien deshalb, so Dietsche, eine „echte Alternative zu dem festgefahrenen KV-System. Das zeigen allein 1.000 Neueinschreibungen nach Bekanntgabe des neuen HausarztEBM.“ Dieser würde, so Dietsches Überzeugung, einer Drei-Minuten-Medizin 518 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Oktober 2013 Foto: MEDI Verbund

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Politik FA Z I T V O N H E L M U T M Ä L Z E R Die Krankenkassen sollten in Zukunft per Gesetz dazu verpflichtet werden, neben Hausarzt- auch Facharztverträge nach § 73c SGB V abzuschließen. Aufgabenverteilung zwischen Hausärzten und Fachärzten wird eine bessere und wirtschaftlichere ambulante Vollversorgung möglich“, betonte der MediVorstandsvorsitzende Werner Baumgärtner. Er schilderte die effizienten Kommunikationsstrukturen zwischen den teilnehmenden Haus- und Facharztpraxen. Dank einer „einzigartigen Infrastruktur“ würden Befunde schneller übermittelt, die Anzahl der nicht vom Arzt vermittelten Krankenhausein- und -überweisungen wie auch die Einmal-Kontakte seien zurückgegangen. Die Wartezeiten seien kürzer, zudem gebe es Vorteile bei den rabattierten Arzneimitteln. Das bestätigte BVOU-Präsident Helmut Mälzer. Während in der herkömmlichen starren Versorgerwelt die Budgets im Zentrum medizinischen Handelns stünden, sei in Baden-Württemberg endlich wieder der Patient in den Mittelpunkt gerückt. Gerade die Orthopädie und Unfallchirurgie sei mit dem Vorwurf unnötiger Operationen konfrontiert. „Doch um unnötige Operationen zu vermeiden, braucht man Zeit, wiederholte Arzt-Patienten-Kontakte und eine ausführliche Beratung vor dem Krankenhausaufenthalt.“ Dies alles sei in Baden-Württemberg durch den neuen Facharztvertrag Orthopädie gewährleistet. „Fazit: Der neue Baden-Württemberger Orthopädie-Vertrag ist die bundesweite Blaupause für Facharztverträge nach § 73c.“ Deshalb forderten die Akteure auf dem Podium einhellig, die Krankenkassen in Zukunft per Gesetz dazu zu verpflichten, neben Hausarzt- auch Facharztverträge nach § 73c SGB V abzuschließen. Die Redner waren sich ebenfalls darin einig, dass Direktverträge durch kalkulierbare Rahmenbedingungen mit besseren und festen Preisen das beste Mittel gegen den (drohenden und in manchen Regionen bereits bestehenden) Nachwuchsmangel sind. Daneben forderten sie, die sogenannte Refinanzierungsklausel nach § 73b SGB V abzuschaffen. Diese sieht vor, dass sich Investitionen in Verträge von Beginn an rechnen müssen. Auch die Bereinigung der Honorare zwischen Kollektiv- und Selektivvertrag wurde kritisiert, da ungünstige Bereinigungsregeln Selektivverträge von vornherein unattraktiv machten. Jana Ehrhardt-Joswig Helmut Mälzer, Präsident des BVOU „Für die Zukunft sind ein Wegfall der Refinanzierungsklausel, die Pflicht für Krankenkassen, Facharztverträge nach § 73c abzuschließen und eine rechtssichere Budgetbereinigung notwendig. Einen herzlichen Dank des BVOU an unser Verhandlungsteam in Baden-Württemberg für diese Leistung! Der neue Orthopädie-Vertrag nach § 73c kann so ein Vorbild für die übrigen Regionen Deutschlands sein.“ den Weg bahnen. Im Hausarztvertrag hingegen habe sich gezeigt, dass die einfachere Abrechnung den Ärzten viel bürokratischen Aufwand erspare und sie deshalb mehr Zeit für Gespräche mit den Patienten hätten. Abgestimmte Aufgabenverteilung zwischen Haus- und Fachärzten 280 Millionen Euro wurden nach Angaben der AOK Baden-Württemberg im vergangenen Jahr in den Hausarztvertrag investiert. Im Gegenzug wurden 190 Millionen Euro weniger Honorar an die KV Baden-Württemberg überwiesen. Zusätzlich habe man rund 100 Millionen Euro gespart durch entfallene KV-Einzelleistungen, rationalere Arzneimitteltherapie und vermiedene Krankenhausausgaben, zählte Hermann auf. Vor einigen Wochen sind das Vertragsmodul Kinderärzte und der Facharztvertrag für Orthopädie neu hinzugekommen. „Nur durch aufeinander abgestimmte Hausarzt- und Facharztverträge entsteht ein schlüssiges Versorgungskonzept – insbesondere für die chronisch kranken Patienten, deren Zahl stetig zunimmt. Erst durch eine abgestimmte Jana Ehrhardt-Joswig, freie Journalistin und Redakteurin der OUMN GEMEINSAMES POSITIONSPAPIER Die AOK, der Hausärzteverband und Medi Baden-Württemberg haben ein gemeinsames Positionspapier „Gesundheitspolitik im Brennpunkt: Qualitätswettbewerb braucht Freiräume für Investitionen“ verabschiedet. Darin fordern sie den Wegfall der Refinanzierungsklausel, die Pflicht für Krankenkassen, Haus- und Facharztverträge nach § 73c abzuschließen, sowie eine bürokratiearme und rechtssichere Budgetbereinigung zwischen Kollektiv- und Selektivvertrag. Ärztliche Vergütungsverträge sollen regional verhandelt und der Kontrahierungszwang mit Krankenhäusern gelockert werden. Sie können sich das Papier herunterladen unter: www.medi-verbund.de. Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Oktober 2013 519

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Deutschland hat gewählt. Was das Ergebnis für das Gesundheitssystem erwarten lässt, lässt sich an den Wahlprüfensteinen des SpiFa ablesen. S P I FA Fachärztliche Verantwortung ist unteilbar Die Revolution in der Gesundheitspolitik fliegt derzeit noch unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung. Während die Linksparteien die Staatsmedizin einführen wollen – unter Einebnung der (fach)ärztlichen Verantwortlichkeit –, zeigt sich die konservative Seite zu zahm in der Verteidigung der ärztlichen Verantwortlichkeit. Das unterstreicht der SpiFa auf Basis der Analyse der Reaktionen auf die 14 SpiFa-Wahlprüfsteine, die die Fachärzte den im Bundestag vertretenen Parteien vorgelegt haben. Der SpiFa fordert in seiner Analyse mehr Engagement von allen Parteien zum Erhalt der ärztlichen Verantwortung für die Patientengesundheit. Es gibt zwei Ebenen der Einebnung. Beherrschend ist die Bürgerversicherung (Wahlprüfstein (WPS) 2, 5, 6, 7), die das Ende der Privatversicherung besiegeln soll. Drei der fünf Parteien (SPD, Bündnis90/Die Grünen, Die Linke) im aktuellen Bundestag wollen sie einführen. CDU/ CSU und FDP halten dagegen – während die FDP die natürliche Gralshüterin ist, weiß man nicht so genau, wie sattelfest die C-Parteien wirklich sind. Substitution – die verkannte Gefahr Das Dahinplätschern des Wahlkampfs verdeckt, dass die Linksparteien tiefgrei- fende Umbaupläne auch auf der Ebene der Versorger haben. Denn die Substitution ärztlicher Leistungen ist die zweite Ebene, das bis jetzt bekannte Gesundheitssystem einzuebnen (WPS 9). Der SpiFa lehnt dies entschieden ab: „Ärztliche Verantwortung ist unteilbar!“, so SpiFa-Vorsitzender Dr. Andreas Gassen. 520 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Oktober 2013 Foto: Fotolia

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Politik Delegation ja, Substitution nein. Doch Substitution ist für fast alle Parteien ein Thema – die Ausnahme bildet, man staune, die SPD, die ausschließlich von Delegation spricht und die Medizinischen Fachangestellten (MFA) fördern will. Das Spektrum: Mit der Substitution soll experimentiert werden (CDU/CSU), sie soll nur im Einvernehmen mit den Ärzten umgesetzt werden (FDP), bei Grünen und Linken werden bereits die Aufgaben verteilt. Ginge es nach den Grünen, wären die (Fach)Ärzte noch nicht einmal Erster unter Gleichen, sondern nur Gleiche unter Gleichen. Stichworte für die Partei sind „Integration, Kooperation, Koordination“ (WPS 9) – aber die geborenen Koordinatoren sind die (Fach)Ärzte nicht. Ungelöste Problematik „ambulant – stationär“ – aber das nächste Fass soll geöffnet werden Für das Einreißen der Sektorengrenzen stationär – ambulant und die absehbaren Verteilungskämpfe ist noch nicht im Ansatz eine Lösung in Sicht, da öffnet die Politik die Schleusen für nichtärztliche Berufe. Die Hausärzte sollten dies auch baldmöglichst verinnerlichen: Substitution ist auch für sie eine bittere Medizin. Wie sehr die Substitution die Fachärzteschaft ins Wanken bringen kann, erklärt sich in Verbindung mit einer anderen Frage, die der SpiFa der Politik vorlegte: Sind die Parteien bereit, die Fachärzte im Gesetz (SGB V) zu verankern? Die Grünen, die mit dem Teammodell am weitesten in der Substitution gehen würden, lehnen eine solche gesetzliche Festschreibung entschieden ab. Eine Verankerung der Facharztmedizin im Gesetz würde eine „Versäulung“ der Facharztmedizin bedeuteten, so die Grünen (WPS 3). Dies ist einer der wichtigsten Sätze von allen Antworten der Parteien. Er steht stellvertretend für alle, die den Komplettumbau des Systems wollen. SpiFa Vorsitzender Andreas Gassen: „Damit wird die Facharztmedizin zur Disposition gestellt. Was Fakt ist, darf de jure nicht Fakt werden!“ Denn die Facharztpraxis, so setzt der SpiFa dagegen, ist bereits die tragende Säule in der ambulanten Medizin. Aufwachen Der Komplettumbau der Linksparteien wäre ein formidables Angriffsfeld für CDU/CSU und FDP – vor allem mit dem Wissen, dass die Patienten ihren Ärzten in ungebrochenem Maße vertrauen! Doch muss vor allem die konservative Partei scheinbar zum Jagen getragen werden. Der SpiFa fordert all die Parteien auf, die es Ernst mit der Erhaltung der ärztlichen Verantwortung nehmen, der Substitution ärztlicher Leistungen den Kampf anzusagen. Keine Modellversuche! Die Fachärzte setzen das klare „Nein“. Nicht anders, wenn es um die Kliniken geht So wie die Ärzte in einem Konglomerat mit nichtärztlichen Berufen aufgehen würden, so würde dies auch zwischen den Sektoren geschehen (WPS 11), deren Grenzen aufgelöst werden sollen. Die Linke spricht sich klar für das Polikliniksystem aus. Die Grünen wollen eine Sektor übergreifende Versorgungsplanung einführen. Und die SPD setzt auf die Bundesländer, diese zu steuern. Der SpiFa fordert, den Grundsatz „ambulant vor stationär“ konsequent weiterzuverfolgen: „Ambulant vor stationär, das ist das fachärztliche Credo, die Sektorengrenzen zu überwinden“, kommentiert SpiFaVorsitzender Andreas Gassen. Hier zollen die Freien Demokraten der Leistungsverlagerung vom stationären in den ambulanten Sektor deutlichen Respekt; auch bei der CDU/CSU findet sich ein solcher Passus. Deutlicher Akzente setzen Die Linksparteien SPD, Grüne und Linke haben klare Umbaupläne – die handfeste Bedrohung der Staatsmedizin ist nicht vertrieben. Dem setzt das konservativliberale Lager noch nicht genug Abwehr entgegen, mahnt der SpiFa. Von der liberalen Partei gibt es zwar ein klares Bekenntnis zur Freiberuflichkeit, verbunden mit Wahl- und Therapiefreiheit, Abschaffung der Budgets und Einführung der Kostenerstattung (WPS 2, 5). Für sie ist die bekannte Form der Facharztpraxis der Nukleus für moderne Kooperationsformen, zum Beipiel in Netzen. Aber, so der SpiFa, was hilft das, wenn der Wunschkoalitionspartner nur den Eindruck des Ungefähren vermittelt. Wahlprüfsteine des Spitzenverbandes Fachärzte Deutschlands 1. Präambel – Gesundheitspolitik für die Menschen Die Ausübung der fachärztlichen Heilkunde ist Dienst am Menschen durch Menschen. Daher muss die Maßgabe des Handelns aller Beteiligten der Schutz des Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patient sein. Dieses gilt es, zu stärken und zu fördern. Es ist die Basis unserer guten, fachärztlichen Medizin. Wir brauchen wieder mehr Vertrauen in die Verantwortung der Ärzte. Die forcierte Misstrauensunkultur gegenüber dem Beruf des Arztes muss ein Ende haben. Freiheit und Freiberuflichkeit kennzeichnen die Erfolge fachärztlicher Medizin in den letzten Jahrzehnten. Wir benötigen Entscheidungsfreiheit zur medizinischen Behandlung, die für unsere Patienten angemessen ist. Deshalb lehnen die Fachärzte Budgetierung, übermäßige Planung und Zentralisierung medizinischer Versorgung ab. Wir wehren uns gegen eine ressourcenverzehrende Bürokratie, die den Fachärzten und ihrem medizinischen Fachpersonal Zeit für die Patienten raubt. Die Arzt-Patientennähe bedarf der räumlichen Entsprechung: Flächendeckend und wohnortnah muss sie sein. Deshalb sind die Facharztmedizin in der niedergelassenen Praxis und die Durchsetzung des Grundsatzes „ambulant vor stationär“ wichtig. 2. Fachärztliche Spitzenleistung braucht feste Preise Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Oktober 2013 521

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Politik SpiFa-Wahlprüfstein: Wie stehen Sie zu der Forderung nach festen Preisen, und wie stehen Sie zur Budgetierung (Änderung der §§ 85 ff SGB V; insbesondere ersatzlose Abschaffung der Regelleistungsvolumina, § 87 b SGB V)? 3. Der Facharzt ins Gesetz! SpiFa-Wahlprüfstein: Jeder Paragraph – und vor allem jeder neue Gesetzesabschnitt – muss den fachärztlichen Aspekt explizit aufgreifen. Wie stehen Sie dazu, die niedergelassene Facharztmedizin im Sozialgesetzbuch V (in den §§ 73 ff. SGB V, z.B. in einem eigenen Absatz in Paragraphen 73 SGB V) fest zu verankern? 4. Monistische Finanzierung konsequent umsetzen – Geld muss der Leistung folgen (ambulant vor stationär) SpiFa-Wahlprüfstein: Sind Sie bereit, die duale Finanzierung im Gesundheitssystem (wieder) abzuschaffen? Sind Sie bereit, den Finanzierungsrahmen unter dem Aspekt „ambulant vor stationär“ neu zu formulieren? Wie stehen Sie zu einer Neugestaltung der Krankenhausfinanzierung und der damit verbundenen Abschaffung des Krankenhausfinanzierungsgesetzes (KHG)? 5. Keine Industrialisierung in der ambulanten Versorgung! SpiFa-Wahlprüfstein: Was gedenken Sie konkret zu tun, um einer patientenschädlichen Industrialisierung im Gesundheitswesen entgegenzuwirken? Würden Sie das Überleben des von den Versicherten und Patienten gewollten „Arztes um die Ecke“ nach Kräften schützen und stützen? 6. PKV ist ein wichtiger Baustein in der Versorgung SpiFa-Wahlprüfstein: Wie sollte nach Einschätzung Ihrer Partei die GKV im Vergleich zur PKV weiter entwickelt werden. Welchen Beitrag wird Ihre Fraktion dazu leisten? 7. GOÄ – jeder freie Beruf baucht eine Gebührenordnung SpiFa-Wahlprüfstein: Befürworten Sie einen zügigen Fortgang der GOÄ-Verhandlungen, die auch unsere Forderungen nach einer eigenen Gebührenordnung untermauern? 8. Förderung von zukunftsweisenden Strukturkonzepten SpiFa-Wahlprüfstein: Wie steht Ihre Partei zur weiteren Förderung von Vernetzung im ärztlichen Bereich? Ist Ihre Partei bereit, dass Netze im Sozialgesetzbuch V (SGB V) über die bisherigen Möglichkeiten der §§ 73 ff bzw. 140a ff SGB V hinaus als zugelassene Leistungserbringer aufgenommen werden und insbesondere auch Medizinische Versorgungszentren gründen können – (Gründereigenschaft nach § 95 Absatz 1a SGB V)? 9. Delegation ja, Substitution nein SpiFa-Wahlprüfstein: Wie steht Ihre Partei zur Frage der Delegation und Substitution ärztlicher Leistungen? 10. Medizinethik muss auch für Krankenkassen gelten SpiFa-Wahlprüfstein: Wie werden Sie sicherstellen, dass Krankenkassen ihrer ursprünglichen Aufgabe und Verantwor- tung in der Selbstverwaltung nachkommen und beidem gerecht werden? 11. Arbeitsbedingungen in Klinik und Praxis SpiFa-Wahlprüfstein: Wie will Ihre Partei die Zusammenarbeit zwischen dem ambulanten und stationären Sektor verbessern? 12. Die Weiterbildung der Zukunft muss die niedergelassene Praxis einbeziehen SpiFa-Wahlprüfstein: Wie stellt sich Ihre Partei die zukünftige Finanzierung (stationär – ambulant) der Weiterbildung von Assistenzärztinnen und -ärzten vor? Wie werden Sie sicherstellen, dass die notwendige Weiterbildung im Bereich der Niedergelassenen darin einbezogen wird? 13. Nachwuchsförderung – flächendeckende, wohnortnahe Versorgung durch Fachärzte erhalten SpiFa-Wahlprüfstein: Wie wollen Sie das legitime Anliegen der Ärztinnen und Ärzte für verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen und eine daraus resultierende Planungssicherheit umsetzen? 14. Begrenzung der ausufernden Bürokratie! SpiFa-Wahlprüfstein: Sind Sie bereit, Gesetzesvorhaben vorab auf die damit verbundene Mehrbelastung der Ärzte mit Bürokratie überprüfen zu lassen? Sind Sie bereit, den Ärzten den bürokratischen Mehraufwand zu vergüten? Spitzenverband Fachärzte Deutschlands 522 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Oktober 2013

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Tiergartentower, Straße des 17. Juni 106–108 In gutgelaunter Runde vereint: Prof. Dr. Hartmut Siebert, Generalsekretär DGOU/DGU, Helmut Mälzer, Präsident BVOU, Prof. Reinhard Hoffmann, Präsident DGOU/DGU, Prof. Bernd Kladny, Präsident DGOOC, Prof. Fritz Uwe Niethard, Generalsekretär DGOOC, Prof. Dieter Heller, Kongresspräsident BVOU. Dr. Skell, BVOU-Präsident Helmut Mälzer und Jürg AOK-Bundesverband (v. li. n. re.) Prof. Siebert und Herr Frisch vom Novotel Nach den Reden: Häppchen Blick auf die Berliner Skyline NEUE GESCHÄF TSSTELLE Herzlich willkommen! Seit Ende Juni arbeiten die Geschäftsstellen von BVOU, DGOOC, DGOU und DGU unter einem Dach – im Berliner Tiergartentower. Mit an Bord sind außerdem der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFA) sowie der Verband leitender Orthopäden und Unfallchirurgen (VLOU). Grund genug, den gemeinsamen Neustart zu feiern. Am 29. August 2013 wurden die neuen Räume bei einem kleinen Empfang eingeweiht. 524 Orthopädie und Unfallchirurgie Mitteilungen und Nachrichten | Oktober 2013

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