Christus König Halver Netzwerk 2013 Sommer

 

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Magazin der Pfarrei Christus König Halver-Schalksmühle-Breckerfeld-Dahl

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netzwerk Magazin der Pfarrei Christus König christus könig Halver – Breckerfeld – Schalksmühle – Hagen-Dahl Sommerausgabe 2013 In diesem Heft: Thema: Heimat Jubiläum St. Jakobus Offene Kirche Gedenkbuch Liturgische Nacht

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Inhalt 02 03 04/5 06/7 08 09 10 11 12/13 14 15 16 17 18/19 20 21 22 23 24 Inhalt/Impressum Zum Geleit Heimat suchen Liturgische Nacht Kleines Porträt Projekt Caritas Gedenkbuch Papst Franziskus/Pfarreifest Der hl. Jakobus und Breckerfeld Kirchenkäfer Marian Treffpunkt Bücherei Offene Kirche Firmkonzept 2013 Was ist Heimat? Spiritualität Gemeinderatswahlen Termine Termine/Irlandfahrt Hinweis Das nächste Netzwerk erscheint zum Advent 2013. Wir wünschen Ihnen eine wunderschöne Sommerzeit. Ihr Netzwerk-Redaktionsteam Wie Sie uns erreichen… Katholische Pfarrei Christus König Hermann-Köhler-Straße 15 58553 Halver Telefon 0 23 53 / 37 30 Filialkirche Sankt Georg Heerstraße 12 58553 Halver-Oberbrügge Telefon 0 23 53 / 37 30 Gemeinde Sankt Jakobus Am Wehrgraben 7 58339 Breckerfeld Telefon 0 23 38 /1316 Gemeinde Sankt Thomas Morus Hälverstraße 8 58579 Schalksmühle Telefon 0 23 55 / 66 79 Gemeinde Herz Jesu Kallestraße 4 58091 Hagen-Dahl Telefon 0 23 37/ 6 21 Impressum NETZWERK – Magazin der katholischen Pfarrei Christus König Herausgeber: Katholische Kirchengemeinde Christus König Halver – Breckerfeld – Schalksmühle – Hagen-Dahl Redaktion: Ulrike Biesenbach, Michelle Karwot, Thomas Miebach, Cornelia Nölle, Heidrun Rediger, Thorsten Rehberg Mitarbeit an dieser Ausgabe: Ileana Beckmann, Annemone Krause, Claus Optenhöfel, Regina Passoth, Sandra Schnell. Eingesandte Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Titel: Christiane Nölle Bilder: Bistum Essen; Cristian Ilie Ionesc – fotolia.com; Gerhard Jost – blickkontakt; Annemone Krause; Pfarrei Christus König; Thorsten Rehberg; Christian Schmitt – pfarrbriefservice.de; Sandra Schnell; Ralf Wegerhoff; www.presidencia.gov.ar/CC-BY-SA-3.0. Anschrift der Redaktion: Pfarrei Christus König, Hermann-Köhler-Straße 15, 58553 Halver E-Mail: netzwerk@christus-koenig.de Layout/Gestaltung: Heidrun Rediger Druck: Reintjes Graphischer Betrieb GmbH, Kleve Namentlich gezeichnete Beiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung des Herausgebers oder der Redaktion wieder. Für Leserbriefe ist die Redaktion dankbar, ohne den Abdruck zu garantieren. www.christus-koenig.de Aktuelle Termine und Informationen, aber auch Bilder und Berichte aus dem Gemeindeleben finden Sie auf der Homepage unserer Pfarrei mit Links zu den einzelnen Gemeinden. Regelmäßig auf den neuesten Stand bringt Sie ein Pfarrnachrichten-Abo, das Sie ebenfalls über die Homepage bestellen können. 2 netzwerk

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Liebe Leserinnen und Leser des Netzwerk, Gemütlich… »Unsere Kirche ist doch wie ein Wohnzimmer. Da soll es immer schön sein und gemütlich. Das unterstütze ich gern.« Der Satz einer älteren Dame im Ruhrgebiet – einige Jahre ist es her, dass sie es mir so sagte – er klingt immer noch nach bei mir. Er hat mich damals erschreckt, weil ich darin eine Haltung vermutete, die mir immer noch fremd ist. Die Kirche wie ein Wohnzimmer – heimelig und gemütlich. Eine Kirche, in der ich es mir gemütlich machen kann. Eine solche Kirche liegt mir nicht sehr am Herzen, muss ich sagen. … oder beweglich? Wenn ich mich frage, warum, entdecke ich meine eigene Geschichte mit der Kirche. Und sehe: die Art von Gemütlichkeit, die Menschen seit meiner eigenen Jugend in der Kirche pflegten, passte von ihren Vorstellungen, ihren Bildern und ihrem Aussehen her zur Generation meiner Eltern und Großeltern. Es ist nie mein »Bild« gewesen. Ich war immer froh, wenn ich auf Menschen stieß, die für Bewegung und Veränderung standen, die das, was ist, hinterfragten und zu Aufbrüchen einluden. Darum kann ich auch mit Gedanken viel anfangen, die ich zu Pfingsten in der Predigt aufgegriffen habe: Wie Papst Franziskus den Heiligen Geist als einen bezeichnet, der für uns eine Belästigung sei. Er begründet das so: Der Heilige Geist »bewegt uns, er lässt uns unterwegs sein, er drängt die Kirche, weiter zu gehen«. Eben wenig wie im Wohnzimmer, mehr wie auf der Straße oder auf einem Wanderweg. Heimat! Unter diesem Vorbehalt und dieser Fragestellung lade ich Sie ein, diese Neuausgabe des NETZWERK zu lesen. Denn es geht um das Thema »Heimat« – und bei diesem Thema bin ich persönlich wieder nah am Gedanken des »gemütlichen Wohnzimmers«. So kann und soll doch Kirche nicht sein, oder? Gerade, weil wir merken, dass unsere Gesellschaft viele eher heimatlos werden lässt – immer in Bewegung, äußerlich, aber auch in der inneren Orientierung. Gerade, weil wir merken, dass Menschen immer weniger sichere Überzeugungen im Leben haben und viel mehr fragen und zweifeln, von Frage zu Frage neu Antworten suchen. Bei uns? In der Kirche? Wenn solche Menschen eine Heimat suchen – dann doch keine »fest eingerichtete, gemütliche«. Die passt doch gar nicht zum Leben, die lässt sich mit den eigenen Erfahrungen doch so wenig übereinbringen. Heimat heute könnte eher auch ein Ort für Heimatlose sein, scheint mir – ein Ort für Suchende – kein zu festgelegter Ort, sondern auch einer des Kommens und Gehens – weil das Leben sich auch so abspielt. Und doch soll Heimat »Heimat« sein: ein Ort zum Ankommen und Wohlfühlen, wo ich mich vielleicht einbringe, etwas mitgestalte, genieße, da zu sein – aber der mich gut auch wieder gehen lässt, weil ich im Leben immer wieder gehen muss. Welcher von diesen Gedanken lässt sich in »Kirche« wiederfinden – und dann noch einmal speziell in unserer Pfarrei, ihren Orten und Gemeinschaften? Oder doch im Himmel? In der Bibel lese ich: »Unsere Heimat ist im Himmel« – so schreibt es Paulus im Brief an die Philipper. Als Christen unterwegs sein – mit dem Ziel im Blick: auf Gottes Reich hin. So könnte ein »Modell« aussehen, Menschen Heimat zu geben – und dabei nicht an zu vielem »Festen« festzuhalten, was den Weg beschwerlich macht, sondern eher »mit leichtem Gepäck« Weggefährten zu suchen. Wie es gehen könnte… Ich lade ein, diesen Weg mitzugehen: durchaus auch ganz konkret in dem, was dieses Heft an Ideen und Hinweisen anbietet. Ob durch die gemeinsame Feier des Jubiläums in St. Jakobus, ob durch das Engagement in Gremien wie Gemeinde- oder Pfarrgemeinderat, durch neue Gottesdienst-Erfahrungen an ungewöhnlichen Orten oder manches mehr. Auch unsere traditionellen Gottesdienste erfahren in diesen Monaten eine Veränderung in dem, was »Heimat« ist: Unser Gebet- und Gesangbuch »Gotteslob« erscheint jetzt ganz neu. Nach 38 Jahren guter Gewohnheit mit dem »alten« fangen wir jetzt mit dem »neuen« Gotteslob an. Im September werden uns die Bücher geliefert werden, und spätestens zum 1. Advent werden wir in unseren Kirchen daraus singen. So bleibt Heimat und wird Heimat neu. Wir sind gefragt, in einer guten Mischung aus »Zuhause« und »Neuland« immer wieder das Leben selbst zu gestalten. Dazu wünsche ich Ihnen allen Gottes Geleit und Segen. Ihr Pfarrer netzwerk 3

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Heimat suchen Heimat ist für jeden anders. Für den einen vielleicht die Arbeitersiedlung im Ruhrgebiet, die Hinterhöfe in Duisburg oder Gelsenkirchen, die hohen Wälder im bayrischen Wald, die Fachwerkhäuser im Siegerland, das Nordseewatt, der Inselstrand oder die Weinberge an Rhein und Mosel. Heimat ist da, wo Wurzeln haften, wo man mit einem guten Gefühl hinblickt. Heimat ist aber immer noch mehr, denn zur Heimat gehören Erinnerungen. Erinnerungen, die ins Gedächtnis eingebrannt sind. Das können Gerüche von frischem Heu oder duftendem Kuchen sein, das grelle Geschrei der Möwen, das Gurren der Tauben im Sommer, das Brummen von Rasenmähern am Wochenende, aber auch die Lieblingsmusik der Eltern, das Gutenachtgebet, der Geruch von Tannengrün und Lebkuchen. Doch: An »seine« Heimat erinnert man sich erst so richtig, wenn sie nicht mehr da ist. Allein und in der Fremde fehlt sie uns, wie die Luft zum Atmen. Dann schmerzt die Lunge von fehlendem Kneipenqualm und die Seele von Heimweh. Erst in der Fremde lernen wir sie richtig schätzen, da ist sie uns wie ein Anker, wie ein Rettungsring, an den wir uns klammern, um nicht zu ertrinken. Und dann gibt es auf einmal keinen »Mief« mehr, den wir zu Hause so oft beklagten und deshalb einfach nur »raus« wollten – und den wir nun auf einmal klammheimlich vermissen. Heimat – auch das ist eine wichtige Erfahrung – wird umso schöner und besser, je weiter und länger wir uns von ihr entfernt haben.  St. Thomas Morus in Schalksmühle Die Sprache ist für viele Menschen der wichtigste Teil der Heimat. Daheim werde ich verstanden und verstehe die anderen. Ich fühle mich geborgen und dazugehörig. Menschen, die ich nicht verstehe sind mir oft suspekt. »Was reden die jetzt wohl gerade, reden die möglicherweise über mich?« Das sind häufig Gedanken derjenigen, die der fremden Sprache nicht mächtig sind. Man ist abhängig vom Wohlwollen der »Einheimischen«, ist ihnen ausgeliefert. In der Heimat muss ich mich nicht anstrengen, um die korrekten Worte zu finden, sie kommen wie von selbst. Das gibt ein Gefühl der Sicherheit. Heimat: Es ist noch nicht lange her, da war Heimat Trachtengruppe und Blaskapelle, Spießigkeit und der Nachhall von nationalem Pathos. Daher wurde sie von der jüngeren Generation erst belächelt, dann gemieden, galt als verstaubt und »hinterwäldlerisch«. Man war froh, dem endlich entfliehen zu können, neu zu beginnen, sich selbst eine neue Heimat aufzubauen. Heimat ist aber anscheinend nicht unwichtig für die Menschen – im Gegenteil, sie hat eher wieder an Bedeutung dazugewonnen, ehemalige Spötter sind  St. Georg in Oberbrügge Pfarrkirche Christus König in Halver

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um- und heimgekehrt. Heimat ist wieder salonfähig geworden. Heute zählen nur ganz andere Dinge zum Heimatgefühl dazu: die geliebte Fernsehserie, der Sport am Wochenende, das Treffen mit Freunden. Heimat erschaffen wir uns also immer wieder neu. Das schafft zwar Freiheit, aber die Sehnsucht, irgendwo ankommen zu dürfen ohne etwas dafür tun zu müssen, bleibt. Auch mit der Glaubensheimat ist das so eine Sache: Einerseits fliehen wir oft vor Erfahrungen, die wir mit Kirche gemacht haben, andererseits hoffen wir, bei Gott beheimatet zu sein. Wir wollen in der ganzen Welt zu Hause sein, doch wirkliche Heimat werden wir nur bei Gott finden. Kirche ist für mich auch Heimat, mit ihr bin ich verbunden, sie ist mir von frühester Kindheit vertraut. In ihren Räumen kenne ich mich aus, ich kenne die Menschen, die mit mir Gottesdienst feiern, ich kenne den Ablauf der Liturgie. Vertraut ist mir auch das Geläut der Glocken, der Geruch in der Sakristei, die brennenden Kerzen, der Duft des Weihrauchs, der Gesang der Lieder. Sie ist ein Raum, der einfach da ist, der an eine andere Welt erinnert. Und: Ich darf mitbeten, fühle mich dazugehörig, bin willkommen und daheim. Aber: Wer erfährt Kirche heute noch als Heimat? Darf man sich in dieser schnelllebigen, rastlosen Zeit überhaupt noch irgendwo verwurzelt fühlen? Ist das noch zeitgemäß? In einer Zeit mit ständigen Veränderungen fällt es manchen schwer, ein persönliches Verhältnis zur Kirche aufzubauen. Früher war man selbstverständlicher in Kirche beheimatet, man wurde in eine Gemeinschaft hineingeboren, wuchs dort auf, bildete Wurzeln aus. Mit diesen Wurzeln wurde die kommende Generation eingebunden. So konnte eine Gemeinschaft entstehen, die über einen langen Zeitraum Bestand hatte. Kirche von heute muss sich sehr verändern, wenn sie Menschen eine Heimat geben will, wenn sie von ihnen als Heimat angenommen werden soll. Für unseren Pastoralplan haben wir das Ziel formuliert, Menschen zu unterstützen, ihr Christsein selbstbewusst leben zu können. Das heißt: Menschen sollen bei uns eine Heimat finden, sie sollen sich wohlfühlen und sich angenommen wissen. Wohlfühlen kann ich mich aber nur, wenn ich mittendrin bin, wenn ich nicht am Rand, im Abseits stehe. Mittun, mit überlegen, mit anpacken ist für eine Gemeinschaft immens wichtig, denn erst dann wird es wirklich eine GEMEINSCHAFT. Wie kann das gelingen? Es gibt zahlreiche, bestehende Angebote, sich in die Gemeinschaft der Mitchristen einzubringen, doch auch Neues darf entstehen, wird gefördert und unterstützt. Es ist nicht nur wichtig, Menschen zu ermutigen dabei zu sein und mitzumachen. Es gilt auch dann den Mut nicht zu verlieren, wenn es Widerstände und scheinbar unüberwindbare Hürden gibt. Sein Christsein selbstbewußt leben ist ohne Gemeinschaft – und nichts anderes ist Kirche – nicht möglich.  Herz Jesu in Hagen-Dahl Es kostet Mut, zuzulassen, dass Kirche Heimat wird, denn sie ist sicher nicht perfekt. Doch es ist wichtig, dass sich die Menschen, die sich bereits in Kirche beheimatet fühlen, öffnen für Neues, für Neue! Gerade sie sind aus ihrem Glauben heraus gefordert, Zeit zu haben, Freudiges und Trauriges miteinander zu teilen, miteinander zu beten und Gottesdienst zu feiern. So kann Kirche von innen nach außen wachsen und reifen und ebenso von außen nach innen. Es stellt sich die Frage: Wie leben wir wirklich als Christen? Eine Voraussetzung dafür ist sicher, dass wir aufeinander, auf (noch) Fremde zugehen und wohlwollend zuhören, was der andere zu sagen hat. (Ulrike Biesenbach)  St. Jakobus in Breckerfeld netzwerk 5

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Sodbrennen war gestern – ab heute brennt unser Herz! Das war das Motto der Liturgischen Nacht, die am 19. Mai, dem Samstag vor Pfingsten, stattfand. 14 Mitglieder unserer Pfarrei machten sich mit uns, dem Vorbereitungsteam, auf die Suche nach dem Feuer in unseren Herzen und damit natürlich dem Geist, der in uns allen wirkt. An verschiedenen Stationen waren die Teilnehmer eingeladen, dem Feuer nachzuspüren, zum Teil auf sehr konkrete Art und Weise. An einem Tisch zum Beispiel wurde mit Feuer und verschiedenen brennbaren Materialien experimentiert; im Anschluss daran konnte man sich mit kleinen Impuls-Kärtchen zurückziehen und sich Gedanken über die eigene innere »Entflammbarkeit« machen. Wo brenne ich? Verbrenne ich? Den ganzen Abend über bestand an einer »Textbar« die Möglichkeit, sich mit verschiedenen biblischen und weltlichen Texten zu beschäftigen, die das (innere) Feuer und dessen Auswirkungen zum Thema hatten. Die Pfadfinder aus Duisburg, die über Pfingsten in Breckerfeld ihr Zeltlager aufschlugen, hatten vor der Kirche ein kleines Lagerfeuer angezündet. Dort wurden Wünsche auf Papierherzen geschrieben und durch Verbrennen im Lagerfeuer mit dem Rauch sichtbar zum Himmel geschickt. Außerdem gab es hier Gelegenheit zu Gesprächen. In der Sakristei wurde zu einer Traumreise eingeladen, um sich musikalisch dem Thema anzunähern. An einer weiteren Station konnte man Feuer auf der Zunge spüren, indem man Speisen verschiedener Schärfegrade testete. Auch danach gab es die Möglichkeit, die erfahrene Schärfe in einer stillen Zeit mit seinem eigenen Leben in Verbindung zu bringen: »Wo bin ich scharf – in meinen Äußerungen?« 6 netzwerk

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Die Kreativen kamen an diesem Abend auf ihre Kosten, indem sie ihre Gedanken und Gefühle zum Thema »Brennen/Feuer« mit Acrylfarben oder Pastellkreiden auf Papier bzw. Leinwand malen und ausdrücken konnten. Eine Diashow brachte den Anwesenden die Bedeutung des Feuers in unterschiedlichen Epochen und Kulturen näher. Jeder Teilnehmer konnte sich während des Gottesdienstes nach eigenem Befinden und Interesse seine Stationen frei wählen. So war die ganze Zeit über Bewegung und Leben im Kirchraum, der ganz von orangerotem Licht durchflutet war und dadurch eine ganz besondere Atmosphäre erhielt. Der Gedankenaustausch kam während des ganzen Gottesdienstes nicht zu kurz. Zu Beginn tauschten sich die Besucher in kleinen Gruppen darüber aus, wo ihre Herzen brennen – zum Ende des Gottesdienstes wurden die Erlebnisse und Erfahrungen des Abends zusammengetragen. Gegen 22.00 Uhr endete dieser besondere Gottesdienst mit einem kurzen Gebet und einem Segen. Es war ein gelungener Abend, so war die einhellige Meinung der teilnehmenden Christen und auch des Vorbereitungsteams. Einige Stimmen: »Am heutigen Abend ist auch der Naturwissenschaftler auf seine Kosten gekommen und musste feststellen, dass Feuer mehr ist als das, was man wissenschaftlich feststellen kann.« »Ich spüre, dass ich innerlich mehr brennen möchte.« »Feuer steht für mich jetzt nicht mehr nur für Wärme, z.B. aus dem Kamin, sondern auch für Liebe.« Möge der Heilige Geist auch weiterhin wehen und sein Feuer die Herzen der Menschen in unserer Pfarrei wärmen und erleuchten, so dass die Liebe Gottes immer mehr in unserem Tun spürbar wird. Ganz herzlich laden wir ein zur nächsten Liturgischen Nacht am 29. November 2013, dem Freitag vor dem 1. Advent, wieder hier in Breckerfeld. (Annemone Krause) netzwerk 7

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Heimat finden In Schalksmühle haben Martha und Heinrich Karwot eine neue Heimat gefunden. In der Vergangenheit sind viele Menschen aus anderen Ländern nach Deutschland eingewandert. Für sie war es nicht immer leicht, sich hier zu integrieren, im Alltag zurecht zu finden oder neue Freundschaften zu knüpfen. Meist war das einzige, was ihnen blieb, der Glaube an Gott. Denn egal aus welchem Land sie kommen oder welche Kultur sie haben: Wenn sie den gleichen Glauben haben, haben sie auch die gleiche Lebensgrundlage und eine Gemeinsamkeit mit allen Katholiken auf dieser Welt. Deswegen war die Hoffnung auf ein Leben in Gemeinschaft durch Glaube der Weg, den die meisten Immigranten guten Gewissens wählen konnten. Diese Hoffnung auf ein Leben in Gemeinschaft durch Glaube hatten auch meine Oma Martha und mein Opa Heinrich Karwot, die aus Schlesien nach Deutschland kamen. Wie sie sich in ihrer neuen Heimat zurechtgefunden haben, erzählen sie hier. Wie habt ihr von den Kirchen in der Umgebung erfahren? Wir haben bewusst eine Kirche gesucht, da uns die Hl. Messe gefehlt hat. Wir waren immer schon sehr gläubig. Deswegen war uns das sehr wichtig. Dann haben wir einfach angefangen, die Kirche zu besuchen. Wie war euer erster Eindruck von der Kirche? Ist die Kirche hier anders als in Polen? Nein. Kirche ist Kirche, das Einzige, was anders war, ist, dass es in Polen in der Kirche am Sonntag drei Messen gibt. Aber sonst ist alles gleich, und das ist auch gut so. Wurdet ihr von der Gemeinde als Ausländer sofort akzeptiert? Ja, es war alles sehr herzlich. Wir konnten zwar noch kein Deutsch zu dem Zeitpunkt, aber die Menschen haben uns trotzdem gegrüßt. Sie waren alle sehr freundlich. Welche Bedeutung hat der Glaube für euch? Eine sehr große. Wir glauben an Gott, weil wir wissen, dass er uns nie loslässt. Egal in welcher Lebenssituation, er ist immer bei uns und hilft uns, unser Leben zu meistern. Er gibt uns die nötige Hoffnung, die jeder im Leben braucht. Ohne Gott kein Schritt weiter. War es schwer, in die Kirche zu gehen und nicht viel zu verstehen? Nein. Man hat sich allein schon durch diese Geste, indem man in die Kirche geht, verbunden gefühlt. Diese Gemeinschaft hat uns sehr geholfen, dazuzugehören. Hat der Glaube geholfen, euch in Deutschland wohlzufühlen? Natürlich. In einer Gemeinschaft fühlt man sich immer wohler als allein. Es war der erste Schritt, Kontakte zu knüpfen, akzeptiert zu werden und als Gläubige wieder dieses »Gruppenerlebnis Kirche« zu erleben. Habt ihr durch den wöchentlichen Kirchenbesuch Freundschaften knüpfen können? Ja, sehr viele. Menschen in unserem Alter, die uns sehr wichtig geworden sind. Auch kommen immer mehr Menschen auf uns zu und grüßen uns. So kommt man ins Gespräch. Abschließend kann ich sagen, dass sich meine Großeltern mittlerweile hier wirklich wohlfühlen. Wenn ich jede Woche mit ihnen in die Kirche gehe, sehe ich, wie sie anderen Menschen allein durch ihre Anwesenheit ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Sie werden hier akzeptiert und wurden erfolgreich und mit voller Liebe in die Gemeinschaft integriert, wofür sie sehr dankbar sind. An dieser Stelle soll ich der Gemeinschaft für diese liebevolle Aufnahme danken. (Michelle Karwot) 8 netzwerk

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Caritas, eine Säule der Kirche »Eine Kirche ohne Caritas existiert nicht.«, sagte Papst Franziskus bei einem internationalen Treffen der Caritas am 16. Mai .2013. Was bedeutet das? Caritas meint zunächst einmal »gelebte Nächstenliebe«! Es ist natürlich nicht jedem möglich, große Hilfsaktionen durchzuführen, aber seinem Glauben an Gott auch Taten folgen zu lassen, dazu ist jeder aufgerufen! Würden Sie einen Christen ernstnehmen, wenn er lediglich Betroffenheit zeigt? Wenn er nie für etwas einsteht? Es ist daher auch wichtig, Notsituationen wahrzunehmen und sie an kompetente Stellen weiterzuleiten. Auch so erfahren die Hilfsbedürftigen, dass sie nicht vergessen werden, dass sie geliebt werden. Mit Nächstenliebe ist aber meine Liebe gegenüber demjenigen gemeint, der quasi vor mir steht und meine Hilfe braucht – hier und jetzt. Da geht es nicht um Zuständigkeiten, sondern um meine Bereitschaft zu helfen! Jesus sagt dazu: »Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan!« In unserer Pfarrei Christus König gibt es in jeder Gemeinde ehrenamtliche Besuchsdienste, die zu Geburtstagen mit älteren Gemeindemitgliedern in Kontakt treten. Auch Neuzugezogene werden in einigen Gemeinden besucht und willkommen geheißen. In diesen Gesprächen kommt dann auch mal das zur Sprache, was eher unangenehm oder bedrückend ist, was fehlt, wo Unterstützung gebraucht wird. Mit diesen Informationen können dann die örtlichen Seelsorger weitere Schritte einleiten. Auf diese Weise ist es möglich, an Menschen heranzukommen, die eigenständig nicht die Hilfe der Kirche in Anspruch nehmen würden – sei es aus Bescheidenheit, Scham, oder auch aus Unwissenheit. Aber Mitarbeiter für diese Caritasarbeit zu finden ist schwer! »Lass das mal die anderen machen... Das ist nichts für mich... Ich habe privat zu viel um die Ohren...«, sind dann häufig geäußerte Sätze. Sicher, das ist alles auch richtig, jeder lebt sein Leben mit allen Höhen und Tiefen. Jeder kann sich nur nach seinen Fähigkeiten einsetzen. Aber wenn wir uns Christen nennen, also Jesus Christus nachfolgen wollen, dürfen wir die Augen vor den Sorgen und dem Leid – gerade auch in unserer nächsten Umgebung – nicht verschließen. Jeder muss sich selbst prüfen und entscheiden, ob er wirklich nicht helfen kann oder bloß nicht will. Letzteres wäre tragisch, denn wer dazu nicht bereit ist und sich dennoch Christ nennt, muss sich überlegen, ob er es damit überhaupt ehrlich meint. In diesem Sinn gibt es keine Kirche ohne Caritas! Damit sich die ehrenamtlichen Caritashelfer unserer Pfarrei kennenlernen, ihre Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig stärken, findet in diesem Jahr erstmals ein Treffen statt. Aber auch jeder Interessierte kann gerne dazukommen und sich vom Geist der Caritas anstecken lassen, denn Caritas beginnt vor jeder Haustür – und manchmal auch schon dahinter.... Treffen der Caritas-Ehrenamtlichen der Pfarrei Christus König 27. September 2013 von 15.30 Uhr bis 17.30 Uhr im Pfarrsaal St. Thomas Morus Schalksmühle Einen Einblick in caritative Arbeit bekommen wir an diesem Nachmittag von Herrn Winter aus Essen. Bei Kaffee und Kuchen gibt es die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen. (Ulrike Biesenbach) netzwerk 9

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Wir. Unsere Verstorbenen. Unsere Kirchentür. Wir Wir Christen leben unser Christ-Sein in Gemeinschaft. Gemeinsam lesen und deuten wir das Wort Gottes, gemeinsam empfangen wir den Leib Christi, gemeinsam beten und singen wir und erfahren so Gemeinschaft mit Gott und auch untereinander. Zu dieser Gemeinschaft gehören die Christen um uns herum. Sie erleben wir direkt. Zusätzlich zählen wir zu unserer Gemeinschaft aber auch alle, die zur Gemeinde gehören und die Christen darüber hinaus – in Pfarrei, Bistum und auf der ganzen Welt. Unsere Verstorbenen In diesem Sinne fühlen wir uns auch mit unseren Verstorbenen sehr intensiv verbunden. So entstand Anfang des Jahres in der Herz-Jesu-Gemeinde in Dahl der Gedanke, ein Buch mit allen Verstorbenen unserer Gemeinde zu erstellen. In diesem Buch sind alle diejenigen unter ihrem Todestag eingetragen, die zum Zeitpunkt ihres Todes Mitglieder unserer Gemeinde waren und in unseren Kirchenbüchern aufgeführt sind. Dazu zählen auch von 1921 bis 1957 die Schalksmühler Gemeindemitglieder. Das Totengedenkbuch liegt seit dem 9. Juni dieses Jahres offen aufgeschlagen in der Kapelle unserer Kirche mit der herzlichen Einladung, für Ihre Verstorbenen zu beten und auch derer zu gedenken, die heute keine Angehörigen mehr bei uns haben. Nehmen wir alle mit in unser Gebet in der Hoffnung auf Gott, der ihnen nun eine ewige Heimat bei sich bereiten möge. Gern können Sie in dem Buch blättern. Vielleicht fällt Ihnen jemand ein, der gar nicht eingetragen wurde? Das kann möglich sein, wenn jemand in einer anderen Gemeinde beerdigt wurde. Gern tragen wir Ergänzungen nach, wenn Sie uns eine Notiz zukommen lassen. Unsere Kirchentür Im Zusammenhang mit der neuen Bestimmung unserer kleinen Kapelle als Gedenkstätte wurde ich angesprochen, ob wir die Kirche möglicherweise in der Woche tagsüber offen halten können. Es wäre ein sehr schöner Gedanke, dass jederzeit jemand zum Beten in die Kirche kommen kann. Da unsere Kirche aber etwas abseits der Hauptstraße liegt, ist das nur möglich, wenn sich jemand in der Kirche oder in der Nähe während der Öffnungszeiten aufhält. So würde ich mich freuen, wenn Sie sich mit Ihren Ideen und Möglichkeiten einbringen und bei mir melden. Womöglich kann es gelingen, unsere Kirchentür zu bestimmten Zeiten zu öffnen. Mit der Öffnung ihrer Türen zeigt die Kirche immer auch eine Offenheit der Welt gegenüber, dem Stadtteil, in dem wir leben und den Menschen um uns herum. Und die Kirche – das sind wir. (Sandra Schnell)

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Lebenslauf: Jorge Mario Bergoglio – Papst Franziskus Seit dem 13. März 2013 haben wir einen neuen Papst: Franziskus. In den Pressemitteilungen vor der Wahl hatte den Namen Jorge Mario Bergoglio irgendwie keiner auf dem Zettel. Daher ist der Wunsch nach Informationen um so größer. Aus diesem Grund möchten wir Ihnen den Papst in der nächsten Ausgabe ein wenig näher bringen. Hier haben wir zunächst einmal die wichtigsten Eckdaten seines Lebens zusammengefasst. Ein Fest der Pfarrei 17.12.1936 1936 – 1953 1953 – 1956 1958 – 1970 1973 – 1979 1980 – 1986 1986 – 1992 28.2.1998 13.3.2013 geboren in Buenos Aires als Kind italienischer Einwanderer Kindheit und Schulzeit im Mittelklasseviertel Flores in Buenos Aires Ausbildung zum Chemietechniker; Eintritt ins Priesterseminar und in den Jesuitenorden Noviziat; Studium der Philosophie und Theologie; Priesterweihe Provinzial der argentinischen Jesuiten Rektor des Colegio Máximo San José und Pfarrer in San Miguel Seelsorger in Buenos Aires und Córdoba Ernennung zum Weihbischof in Buenos Aires; Bischofsvikar für den Bezirk Flores; Ernennung zum Generalvikar der Erzdiözese Buenos Aires Erzbischof von Buenos Aires; Primas von Argentinien; Aufbau der Seelsorge in den Elendsvierteln von Buenos Aires; Erhebung zum Kardinal Wahl zum Papst (Conny Nölle) »Gemeinsam Christ sein – gemeinsam feiern« – unter diesem Motto wollen wir am Sonntag, den 7. Juli 2013, ein Fest der Pfarrei zum 150jährigen Bestehen der katholischen Gemeinde St. Jakobus Breckerfeld feiern. Schon das erste Vorbereitungstreffen am 29. Oktober 2012 zeigte das gemeinde- und pfarreiübergreifende Interesse an diesem Fest. Neben Männern und Frauen aus allen vier Gemeinden der Pfarrei Christus König waren auch Mitglieder der evangelischen St. Jakobusgemeinde Breckerfeld anwesend. Bei ihnen möchten wir uns für die gute Zusammenarbeit ganz besonders bedanken, da wir auch in deren Räumlichkeiten feiern werden. Im Laufe der weiteren Treffen haben wir den Ablauf unserer Festes konkretisiert und glauben, dass für jeden, ob groß oder klein, etwas dabei ist. Wir feiern am 7. Juli um 11.00 Uhr die Heilige Messe in der evangelischen Jakobus-Kirche in Breckerfeld. Die musikalische Gestaltung wird sicherlich hörenswert sein: Neben dem evanglischen Posaunenchor werden verschiedene Chöre unserer Pfarrei daran teilnehmen. Nach der Messe beginnt das Fest am Martin-Luther Haus. Wer Hunger und Durst hat, den erwartet ein reichhaltiges kulinarisches Angebot. Kalte und warme Speisen sowie Getränke sollen das Herz aller Feinschmecker höher schlagen lassen. Natürlich wird auch ganz viel Spaß für Klein und Groß angeboten: verschiedene Spiele, Kutschfahrten, Bücher- und Schallplattentrödel, Preisrätsel und, und, und… Im Meditationsraum und auf der Bühne des MartinLuther-Hauses zeigt sich ein bunter Reigen verschiedenartigster Programmpunkte. Diese reichen von Vorleserunden über Auftritte der Chöre Herzensklänge und Gospel-Train bis hin zu einer exklusiven Modenschau. Das Vorbereitungsteam glaubt, mit diesem Rahmenprogramm ein solides Gerüst für ein tolles Fest geschaffen zu haben. Jetzt muss es nur noch mit Leben gefüllt werden. Dazu laden wir alle herzlich ein. (Conny Nölle) netzwerk 11

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Der heilige Jakobus, der Jakobusweg und Breckerfeld Der heilige Jakobus, dessen wir am 25. Juli gedenken, war der Sohn des Fischers Zebedäus und der Salome. Zusammen mit seinem Bruder Johannes wurde er von Jesus zu seinem Jünger und einem der zwölf Apostel berufen. Von diesem Zeitpunkt an begleitete er Jesus und war Teil aller weiteren Ereignisse im Leben, Sterben und bei der Auferstehung des Herrn. Nach dem Pfingstfest hat er den Auftrag des heiligen Geistes in die Tat umgesetzt und das Wort des Herrn überall verkündet. Schließlich wurde er von Herodes verhaftet und Ostern 44 durch das Schwert hingerichtet. Er war der erste Märtyrer unter den Aposteln und das Schwert wurde sein Attribut, das ihn bis heute in Form eines Kreuzes, als Waffe oder als Pilgerstab in seinen Darstellungen begleitet. Eine seiner Legenden besagt, dass sein Leichnam einem Schiff ohne Besatzung übergeben wurde, um die Lage seines Grabes in Gottes Hände zu legen. Dieses Schiff landete im Norden Spaniens, wo er begraben sein soll. Nach einer anderen Legende brachte die Verkündigung des Evangeliums Jakobus bis nach Spanien. Aus diesem Grund wurden die Gebeine des Heiligen aus seinem Grab in Jerusalem nach der Eroberung der Stadt durch die Araber nach Nordspanien überführt. Egal welche dieser Legenden zu Grunde gelegt wird, man geht davon aus, dass die Lage des Grabes in Vergessenheit geriet und durch eine Vision im 9. Jahrhundert unter dem Bischof von Iria offenbart wurde. Seitdem wird dieser Ort »Campus Stellar« oder »Compostella« (Sternenfeld) genannt. Der Bischof baute eine Kathedrale über dem Grab und verlegte seinen Bischofssitz nach Santiago de Compostela. Seit der wundersamen Wiederentdeckung des Grabes werden dem Heiligen in Spanien Wundertaten zugesprochen. So waren die Könige von Asturien überzeugt, dass nur der heilige Jakobus ihnen bei ihrem Sieg über die Mauren geholfen hat. Ob Jakobus wirklich in Spanien das Evangelium verkündet hat und ob seine Gebeine tatsächlich in Santiago de Compostela liegen, wird seit dem Mittelalter immer wieder in Frage gestellt. Die älteste Quelle, in der ein Wirken Jakobus‘ in Spanien erwähnt wird, ist das Brevarium Apostolorum aus der Zeit um 600. Im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert sollte dieser Text von einer Kommission im Vatikan auf seine Glaubwürdigkeit überprüft werden. Der spanische Botschafter intervenierte gegen dieses Ansinnen, und 1631 endete der Konflikt mit einem Sieg der spanischen Diplomaten. Der Streit entflammt allerdings bis heute immer wieder neu. Die moderne Quellenkritik unterstützt die Zweifler, zu denen in früherer Zeit auch Martin Luther gehörte, während die katholische Kirche bei ihrer Entscheidung von 1631 bleibt und von der Wahrhaftigkeit der Überlieferung und damit von der Echtheit des Apostelgrabes ausgeht. Unabhängig von der Diskussion über die Echtheit des Grabes entwickelte sich Santiago de Compostela im Mittelalter neben Rom und Jerusalem zum dritten Hauptziel der christlichen Pilger. Das Domkapitel der Kathedrale hat es in dieser Zeit verstanden, den Menschen, die sich nach Frieden und Wunderbarem in ihrem Leben sehnten, die Botschaft eines versöhnenden Christus zu vermitteln. In diese Zeit fällt auch die Entstehung des Jakobbuches, welches die Legenden der Entstehung und Wiederentdeckung des Grabes sowie Wunderberichte im Zusammenhang mit Pilgerreisen zum Grab enthält. Nach den Legenden dieses Buches entstand der eigentliche Jakobusweg, die hochmittelalterliche Hauptverkehrsachse Nordspaniens (Camino Frances), auf dem Spanienfeldzug Karls des Großen, der auf Geheiß des Heiligen den Weg zum Grab von den Mauren befreite. Dieser Teil des Jakobsweges reicht von den Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela und verbindet dabei die Königsstädte Jaca, Pamplona, Estella, Burgos und León miteinander. Auf die Frage, wo der Jakobsweg beginnt, erhält man in Spanien die Antwort: »Der Weg beginnt in Ihrem Haus.« Im Grunde ist hier der »Weg das Ziel«. Im weiteren Verlauf des Mittelalters löste diese Idee einen Aufbruch in ganz Europa aus. Im 15. Jahrhundert reichte der Einzugsbereich von Santiago de Compostela bis Skandinavien und Ostmitteleuropa. Während dieser Blütezeit der Pilgerreisen nach Spanien entwickelten sich überall in Europa Teile des Jakobsweges. Unterwegs entstanden an den Hauptwegen zahlreiche Klöster, Stifte, Herbergen, Hospitäler, Gasthäuser und Kirchen für die Betreuung und Begleitung der Pilger auf ihrem Weg. Auf dem Weg kann man sich in diesen Einrichtungen seine Wallfahrt bestätigen lassen, um bei der Ankunft in Santiago de Compostela die Urkunde für die Pilgerreise, die sogenannte Compostela, zu erhalten. Vor dem 13. Jahrhundert diente das Pilgerabzeichen, das man am Pilgerziel erwerben konnte, als Nachweis für das Erreichen des Zieles. Das Zeichen der Jakobspilger war und ist auch heute noch die Jakobsmuschel. Seit damals wurden viele Stellen des Jakobsweges mit dem Muschelsymbol markiert. Meistens entsprachen die Pilgerwege den großen Handelsstraßen durch Europa – es war oft nicht zu erkennen, was zuerst da war, der Pilgerweg oder die Handelsstraße, sie bedingten einander. Durch die Ausweitung der Pilgerwege sowie durch die Mitgliedschaft im Städtebund der Hanse wuchs die 12 netzwerk

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Bedeutung der 1396 gegründeten Stadt Breckerfeld. Um dem gerecht zu werden, wurde die bestehende romanische Hallenkirche zur heute evangelischen Jakobus-Kirche vergrößert. Während der napoleonischen Kriege löste sich ein großer Teil der Infrastruktur des nordspanischen Jakobsweges auf. Die Pilgerreisen gingen deutlich zurück, kamen aber nie ganz zum Erliegen. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Pilgerbewegung als Ausdruck des Friedens für Europa wieder zu. Man besann sich auf seinen Glauben und die Hilfe des Apostels bei den Aufgaben, die der Wiederaufbau mit sich brachte. Begünstigt wurde dies durch die Gründung verschiedener »Freunde des Jakobsweges« und Jakobusgesellschaften sowie dem politischen Interesse an der touristischen Erschließung der Jakobswege. 1987 erhob der Europarat die Wege der Jakobspilger in Europa zur ersten europäischen Kulturstraße. Es erging die Aufforderung, »die Pilgerwege nach Santiago in ganz Europa zu kennzeichnen und zu identifizieren«. In Deutschland begann die Ausweisung der Jakobswege erst 1992. Der evangelische Pfarrer Paul Geißendörfer realisierte mit sechs Jakobusgemeinden einen Pilgerweg von Rothenburg ob der Tauber nach Nürnberg. Anhand der Berichte spätmittelalterlicher Pilger wurde zwischen 1995 und 1999 der Pilgerweg von Nürnberg über Ulm nach Konstanz erarbeitet. Seit 1999 wird von den Landschaftsverbänden Rheinland und Westfalen-Lippe das Pro- jekt »Wege der Jakobspilger im Rheinland und in Westfalen« vorangetrieben. Durch Westfalen führen inzwischen zwei ausgewiesene Wege. Der Weg vom Dom zu Osnabrück bis Wuppertal-Beyenburg ist die Fortsetzung der alten römischen Via Baltica. Er führt über den Teutoburger Wald ins Münsterland, weiter nach Lünen und Dortmund ins Ruhrgebiet, dann über das bergisch-sauerländische Gebirge nach Gevelsberg, Schwelm und Wuppertal. Der zweite Weg führt entlang der alten Handelsstraße, des Hellweges, von Höxter über Paderborn und Soest nach Dortmund, wo er auf den Weg nach WuppertalBeyenburg trifft. Dort schließt sich der Jakobsweg Nordrhein an. Es existiert ein weiterer Weg durch das Sauerland, der bisher nicht durch die Muschel gekennzeichnet, aber in den Wanderkarten des Sauerländischen Gebirgsvereins als Jakobsweg benannt ist. Er führt auf den Wanderwegen des Vereins von Paderborn durch das Sauerland, das Oberbergische und das RheinischBergische Land. In Untereschenbach mündet dieser Weg in den Elisabethpfad und den Jakobsweg von Marburg nach Köln. Ende des 19. Jahrhunderts entstand neben der evangelischen JakobusGemeinde in Breckerfeld auch eine katholische Jakobus-Gemeinde. Da durch die Vereinigung der reformierten mit der lutherischen Gemeinde die alte reformierte Kirche frei wurde, erwarb der Hagener Pfarrer Anton Mechel das baufällige Gebäude für die neue katholische Gemeinde. In der Tradition des alten Pilgerweges wurde auch diese Breckerfelder Gemeinde nach dem heiligen Jakobus benannt. Somit steht Breckerfeld ganz im Zeichen dieses Heiligen. Er findet sich als Statue über dem Portal der katholischen und im Schnitzaltar der evangelischen Kirche. Pfarrer HansTheo Schulte (1980 – 1998) förderte die Wiederbelebung des Jakobsweges in der Breckerfelder Umgebung. Außerdem engagierte er sich für das gute ökumenische Miteinander der beiden Breckerfelder Jakobusgemeinden. Über zehn Jahre lang pilgerten beide Gemeinden in Teilstrecken zum Grab nach Santiago de Compostela. Als Erinnerung wurde 1996 ein Bronzerelief mit dem heiligen Jakobus und den beiden Kirchen in der katholischen Jakobuskirche angebracht. 2010 führte das Pilgerengagement der Breckerfelder Gemeinden zur Gründung der Jakobusfreunde Breckerfeld. Diese haben in den letzten Jahren eine Verbindung zwischen dem Jakobsweg Osnabrück–Beyenburg und dem Weg durch das Sauerland ausgearbeitet, mit der Muschel gekennzeichnet und im Internet und als Flyer publik gemacht. Er führt von Hagen-Haspe über den DreiTürme-Weg zum Freilichtmuseum im Mäckingerbachtal. Von dort weist er über Zurstraße nach Breckerfeld. An den beiden Jakobuskirchen in Breckerfeld vorbei geht es weiter bis nach Lennep, wo der Weg dann auf den Jakobsweg Marburg-Köln trifft. (Conny Nölle) Internet: www.jakobusfreundebreckerfeld.de netzwerk 13

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Marian der Kirchenkäfer Hallo Kinder! In der letzten Zeit ist mir immer wieder ein Wort begegnet, das mich total wuschig gemacht hat: Pastoralplan! Was soll das denn bitte sein?, habe ich mich gefragt. Wird da der Pastor verplant? Oder ist das bloß sein Terminkalender? Nee, das konnte ja gar nicht sein, sonst müsste es ja Pastorplan heißen. Dann habe ich mich schlau gemacht und gelernt, dass »Pastoral« soviel meint wie »Seelsorge« und »Dienst am gelebten Glauben in unserer Gemeinde«. Es geht also darum was wir tun (können), um als Christen in unserer Gemeinde oder auch Pfarrei zu leben! Und dafür braucht es einen Plan? Also: Ich habe meine Flügel aufgespannt und bin zum Pastor geflogen! »Hallo Pastor«, habe ich gesagt, »weißt du so wenig vom Glauben und Christsein, dass du dir jetzt einen Plan machen musst, damit du nichts vergisst? Ha, haa, haaa!« Der dachte erst, ich wolle ihn veräppeln, und wollte schon böse werden, bis er verstand, worum es mir ging. »Nee nee nee,«, hat er da gesagt, »ich weiß wohl, wie ich meinen Glauben leben will und soll. Die anderen Christinnen und Christen wissen das auch. Aber die spannende Frage ist ja nicht, wie ich meinen Glauben lebe, sondern wie wir gemeinsam unseren Glauben leben wollen. Schließlich sind wir eine Gemeinschaft und kein Club von Jesus-Freaks, wo jeder macht, was er will und keiner tut, was nötig ist.« »Ach!«, habe ich da gesagt. »Genau«, hat der Pastor geantwortet: »Wenn viele Menschen gemeinsam was machen wollen, müssen sie vorher überlegen, was das sein soll und wie sie es versuchen. Wenn beim Fußball jeder nur selber ein Tor schießen will, dann verlieren alle! Gewinnen tut man gemeinsam, verlieren tut jeder für sich allein!« »Man tut nicht ›tut‹ sagen«, habe ich ihm dann geantwortet und bin dann schnell weggeflogen, bevor er sich über mich ärgern konnte. Aber nachdenklich hatte er mich da schon gemacht! Ein guter Bekannter von mir ist bei der Ameisenpolizei: Da gibt es keine Pläne, weil die Königin der oberste Chef ist und sagt, wo es langgeht – und alle müssen gehorchen! Wer’s nicht tut, fliegt raus... Ich meine: Wird rausgeworfen! Aus dem Ameisenhügel! Nun, ich mag meinen Freund, aber so ein Leben als Ameise wäre nichts für mich! Ich denke mal, dass eine Kirche, die so funktioniert wie eine Ameisenvolk, sicherlich ziemlich gut funktionieren würde – aber eben auch nicht mehr! Und da liegt dann auch der Hase im Pfeffer: In der Kirche will ja jeder seinen Glauben leben und nicht nur wie ein Zahnrad im Getriebe funktionieren! Aber wenn das so ist: Hätten da dann nicht noch viel mehr Leute an dem Plan mitmachen müssen? Mit wem konnte ich darüber sprechen? Meine Freundin Hanni kam als Biene dafür nicht in Frage: In einem Bienenstock ticken sie alle ähnlich wie bei den Ameisen! Felicitas hingegen ist eine Feuerfliege: Die war genau die Richtige! Und sie meinte: »Aller Anfang ist schwer! Wenn man sich gemeinsam auf den Weg machen will, dann müssen erst einmal so viele wie möglich begeistert werden – und das ist gar nicht so leicht. Aber je mehr alle merken, dass es den anderen damit ernst ist, sich gemeinsam auf den Weg zu machen, umso mehr werden mitmachen!« Ich war ganz verdutzt: »Also geht es dann doch wieder darum, wie jeder seinen Glauben lebt!« Felicitas nickte: »Genau! Eine Gemeinde ist nur so stark wie der Kleinste in ihrer Mitte. Aber gemeinsam können sie mehr vollbringen, als ein Einzelner jemals träumen könnte!« Also? Ich bin gespannt, wie das mit dem Leben in unserer Pfarrei weitergeht! Euer und Dein Marian P.S.: Marians Podcast findest du im Internet auf der Seite »http://www.christus-koenig.de«, wenn du die Gemeinde Thomas Morus anklickst und dann »Marians Kinderseite«. 14 netzwerk

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Katholische öffentliche Bücherei Die Büchereien empfehlen zum Thema Heimat: Im Mittelalter war »Heimat« ein klar definierter Rechtsbegriff. Eine Heimat zu haben, bedeutete Haus und Hof in einer Gemeinde zu besitzen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erfährt der Heimatbegriff dann eine weitere Bedeutungswandlung. Heimat entwickelt sich zum Gegenentwurf zu einer Realität, in der die Menschen sich nicht mehr zurecht finden. Dies spiegelt sich auch in der Literatur. Werner Sinnwell: Schuttblumen. Pomaska-Brand Verlag 2011, 19,80 €. Ausleihbar in den Büchereien in Schalksmühle und Halver; erhältlich direkt beim Verlag. Erzählen, wie es war. »Hin und wieder gehe ich, bevor ich den Heimweg über die Autobahn antrete, durch die Straßen, in denen ich als Kind gespielt habe. Tauche in die Vergangenheit ein. Oft habe ich das Gefühl, als versuche ich, Mutters schwindende Erinnerungen durch mein verstärktes Erinnern zu kompensieren, um so unsere gemeinsame Geschichte zu retten. Das ist wie ein Sog, gegen den ich mich nicht wehren kann.« Werner Sinnwell, ein in Halver lebender Autor, erzählt eine Geschichte von emotionaler Tiefe, dem Überleben in schwierigen Zeiten und der Erfahrung von Glück, Geborgenheit und Heimat. Papst Franziskus: Mein Leben. Mein Weg. Das Buch folgt chronologisch dem Lebensweg von Jorge Mario Bergoglio, doch lassen die aufgezeichneten Gespräche von den ersten Seiten an immer schon auch seine späteren Einschätzungen der beschriebenen Lebensumstände und die weite spirituelle Dimension des neuen Papstes erkennen. Als Kind italienischer Einwanderer wurde Bergoglio schon früh dazu veranlasst, sich Gedanken über Heimat, Identität und Sprache zu machen. Durch die Lektüre des Buches kommt man dem Menschen, dem Priester, dem Bischof Jorge Mario Bergoglio, dem Papst Franziskus, wirklich näher, lernt ihn kennen und ganz besonders auch schätzen. Jojo Moyes: Ein ganzes halbes Jahr. Die Geschichte Louisas, die ihren Weg im Leben noch sucht und durch die Betreuung und die Liebe zu einem gelähmten jungen Mann schließlich zu sich selbst findet, ihre innere Heimat gefunden hat, ist eine Mischung zwischen ernstem Thema, romantischem Drama und herzergreifender Liebesgeschichte, ein Buch, das den Leser zum Lachen und Weinen bringt!. Lea Singer: Das nackte Leben. In diesem lebendigen romanhaften Porträt schildert die Autorin das aufregende und schwierige Leben der Constanze Mozart. Heimat ist für Mozart da, wo er sich wohl fühlt, Vertrauen hat, keine Angst, wo er nicht allein ist: da wo man ihn bedingungslos liebt – und das findet er bei seiner Frau Constanze. Breckerfeld Öffnungszeiten: Sonntag 10.30 – 12.30 Uhr, Mittwoch 15.00 – 16.00 Uhr, Freitag 16.00 – 17.00 Uhr Dahl Öffnungszeiten: Sonntag 10.00 – 12.00 Uhr, Montag 17.30 – 18.30 Uhr, Dienstag und Donnerstag 16.00 – 18.00 Uhr Schalksmühle Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag 15.30 – 18.00 Uhr Halver Öffnungszeiten: Sonntag, 10.00 – 11 Uhr, Dienstag und Freitag 15.00 – 18.00 Uhr Termine der Büchereien: Dienstag, 13. August 2013 in Schalksmühle »Ritter und Burgfräulein erobern die Bücherei« Rätsel, Spaß und Bastelei für Jungen und Mädchen von 5 bis 10 Jahren. Anmeldung erforderlich, da begrenzte Plätze! Unkostenbeitrag: 2,–  Anmeldung: dienstags und donnerstags zu den Büchereiöffnungszeiten. Die Dahler Bücherei hat während der Sommerferien nur sonntags (10.00 – 12.00 Uhr) geöffnet. Heimat ist nicht Raum, Heimat ist nicht Freundschaft, Heimat ist nicht Liebe – Heimat ist Friede. Paul Keller, (1873 –1932) Meine Heimat Ihr fragt, wo meine Heimat liegt? O, die ist stadt- und häuserfern, Ist dort vielleicht, wo selig wiegt Sich in der Nacht manch froher Stern. Sie liegt für euren Blick zu weit, Der über‘n Tod nicht strebt hinaus, Denn jenseits der gemess‘nen Zeit Liegt meiner Heimat stilles Haus. Alfons Petzold Aus der Sammlung Der Wanderer Für Ihren Urlaub finden Sie in den Büchereien Unterhaltungsliteratur, Reiseführer und Hörbücher für lange Autofahrten. netzwerk 15

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