100 Jahre Kleingärtnerverein Burgfrieden e.V.

 

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Chronik des Kleingärtnerverein Burgfrieden e.V.

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Landeshauptstadt Hannover Grußwort vom Bürgermeister Bernd Strauch Im Sommer dieses Jahres haben wir das 100-jährige Bestehen des Neuen Rathauses gefeiert. Das schlossähnliche Gebäude am Maschpark ist längst das Wahrzeichen Hannovers geworden. Ebenso prägend und markant für das Erscheinungsbild unserer Stadt sind aber auch die zahlreichen Grünflächen, die zur hohen Lebensqualität in Hannover beitragen. Es sind nicht nur die Eilenriede, der Tiergarten und die weltberühmten Herrenhäuser Gärten, die Hannover so grün machen: Auch die vielen gepflegten Kleingartenflächen, die kleinen Oasen mitten in der Stadt, haben daran ihren Anteil. Eine dieser Oasen ist die Anlage des Kleingärtnervereins Burgfrieden. 1913 gegründet feiert er wie das hannoversche Rathaus nun ein stolzes Jubiläum, herzlichen Glückwusch zum 100jährigen Bestehen! Jubiläen bieten immer einen guten Anlass zur Rückschau, die Festschrift blickt auf eine wechselvolle Geschichte der Anlage und des Vereins zurück. Vor 100 Jahren dienten die Gärten noch überwiegend der Versorgung mit Nahrungsmitteln und auch in Kriegs-und Nachkriegszeiten stand dies oft im Vordergrund. Heute stehen Kleingärten als citynahe Erholungsfläche hoch im Kurs. Hier kann man sich eine Auszeit vom oft hektischen Leben in der Großstadt gönnen und sich mit Gleichgesinnten treffen. Im übertragenen Sinn hat man hier seine eigene Burg und seinen Frieden natürlich ebenso. Der Verein Burgfrieden trägt dazu bei, dass Hannover lebens- und liebenswert ist! Ich wünsche Ihnen und Ihren Gärten weiterhin alles Gute! Bernd Strauch Bürgermeister

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Grußwort des „Landesverbandes Braunschweig der Gartenfreunde e.V.“ Zum 100 jährigen Bestehen des Kleingärtnervereins Burgfrieden e.V. gratuliere ich im Namen des Landesverbandes Braunschweig der Gartenfreunde herzlich! Das Geburtsjahr des Vereins liegt in einer Zeit, in der es den Menschen auch an frischem Obst und Gemüse mangelte. Am Stadtrand Hannovers schlossen sich nach 1900 an vielen Stellen Bürger zu Kleingärtnervereinen zusammen. Es begann mit 40 Kolonisten. 20 Jahr später wurden fast 500 Gärten bewirtschaftet. Das zeigt, welche Bedeutung die Kleingärten zu dieser Zeit für die Bevölkerung hatte. In erster Linie dienten sie zur Versorgung mit Obst und Gemüse für die Familien. Ein Rückblick auf 100 Jahre Vereinsgeschichte zeigt uns die großen sozialen und politischen Umbrüche und Veränderungen in dieser Zeit. In der Zeit zwischen 1933 und 1945 wurde der Großverein aufgelöst und die Kolonien durch das NSRegime zwangsverwaltet. Der Kleingarten bot im Krieg vielen Menschen, die ihre Wohnungen verlassen mussten die einzige Unterkunft. In Zeiten der Not und des Mangels entstand immer ein starker Zusammenhalt. Mit finanziellen Opfern und Fleiß wurde die Anlage in Gemeinschaftsarbeit nach 1945 auf- und ausgebaut. Alles erforderte ein hohes Maß an Entschlossenheit der Vorstände und Leistungsbereitschaft der Mitglieder. Die Anlage liegt mit weiteren Kleingartenanlagen inzwischen im Grüngürtel der Stadt und ergänzt ihn mit der für die Kleingartenanlagen typischen Artenvielfalt. Die Sehnsucht vieler Menschen nach einem preiswerten Stück Natur, auf das man sich zurückziehen kann, besteht heute wie vor 100 Jahren. Die Rahmenbedingungen haben sich jedoch entschieden verbessert. Gesetze und Verträge schützen vor willkürlichen Kündigungen, garantieren den Gartenfreundinnen und Gartenfreunden Sicherheit und sichern Entschädigungsansprüche zu. Dafür lohnt es sich, den uns vorgegebenen Rahmen bei der Bewirtschaftung der Gärten einzuhalten. Kleingärtnerische Bewirtschaftung bedeutet Anbau von Obst und Gemüse für den Eigenbedarf und Erholungsnutzung. Entspannung und Geselligkeit im Grünen sowie der Anbau von unbelasteten Gartenerzeugnissen sind in der heutigen Zeit Argumente, einen Kleingarten zu pachten. Der kleine Garten ist wieder für alle Bevölkerungsschichten interessant. Kleingartenanlagen sind Teile des öffentlichen Grüns und Bestandteil der Stadtplanung, sie tragen zur Verbesserung des Klimas in der grünen Stadt Hannover bei und haben sich inzwischen zu einer nicht wegzudenkenden sozialen Komponente entwickelt. Im Kleingarten können die Kinder spielerisch die Natur erleben, hier wird Gemeinschaft und Integration praktiziert. Neben der gärtnerischen Tätigkeit gewinnt soziales Engagement heute immer mehr an Bedeutung. Es wird auch in unserer Organisation zukünftig einen immer größeren Stellenwert einnehmen. Meine Anerkennung und ein Dankeschön gehen an die Vorstände und alle Mitglieder, die den Verein zu dem gemacht haben, auf das Sie heute mit Stolz zurückblicken können. Ich wünsche Ihnen einen guten Verlauf der Geburtstagsfeier, dem Verein ein langes Fortbestehen und den Mitgliedern weiterhin viel Freude im und am Garten. Manfred Weiß, Landesverbandsvorsitzender

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Grußwort des „Bezirksverbandes Hannover der Kleingärtner e.V.“ Der Kleingärtnerverein „Burgfrieden“ e.V. feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen – ein besonderes Jubiläum. Der Bezirksverband Hannover der Kleingärtner e.V. gratuliert und spricht dem Verein sowie seinen Mitgliedern im Namen aller hannoverschen Gartenfreundinnen und Gartenfreunde herzliche Glückwünsche aus. Das Kleingartenwesen hat in Hannover eine lange und stolze Tradition. Dazu haben alle Kleingärtnervereine durch die engagierte Pflege ihrer Gärten und Vereinsanlagen beigetragen – auch der Verein „Burgfrieden“. Unsere Gärten leisten einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung des Wohnumfeldes sowie zur Grün- und Freiflächengliederung. Und das schon über 100 Jahre. 100 Jahre, in denen das Kleingartenwesen starken strukturellen Wandlungen unterworfen war. 100 Jahre, in denen die einzelnen Vereine Höhen und Tiefen durchlaufen mussten. Besonders gravierende Einschnitte für „Burgfrieden“ bedeuteten die starken Zerstörungen während des II. Weltkrieges und die Vernichtung des Vereinshauses durch einen Brand im Jahre1983. Große Schwierigkeiten waren beim jeweiligen Wiederaufbau zu überwinden. Viel Eigenleistung war gefordert. Es waren lange, beschwerliche Wege bis wieder eine besucherfreundliche Anlage geschaffen werden konnte. Alles wurde durch die Arbeit aktiver Vorstände und den persönliche Einsatz vieler Mitglieder erreicht. Mit berechtigtem Stolz kann der Verein auch auf die Anerkennung seiner Bemühungen verweisen. So wurde schon 1924 eine Bronzemedaille für hervorragende Leistungen im Kleingartenwesen gewonnen. In der Neuzeit wurde der Verein zweimal mit dem „Goldenen Spaten“ ausgezeichnet und im Wettbewerb „Bunte Gärten“ wurden Einzelpreise gewonnen. Voraussetzung für diese Erfolge ist eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit im Verein sowie ein partnerschaftliches Miteinander mit den Nachbarvereinen und dem Bezirksverband. Nur gemeinsam können wir erfolgreich sein und einen langfristigen Bestandsschutz unserer Gärten erreichen und ein fester Bestandteil der „Stadt im Grünen“ bleiben. Der Bezirksverband Hannover der Kleingärtner e.V. wünscht dem Verein „Burgfrieden“ für die Zukunft alles Gute, dem Vorstand eine stets glückliche Hand, den Jubiläumsveranstaltungen einen harmonischen Verlauf und allen Mitgliedern und Freunden des Vereins auch für die nächsten Jahre viel Freude und Entspannung in ihren Gärten und ihrem Verein. Mit freundlichem Gartengruß „GUT GRÜN“ Bezirksverband Hannover der Kleingärtner e.V. Karl-Heinz Rädecker Präsident Klaus Meyer Pressesprecher

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Ein Kleingärtnerverein erzählt: „Ich bin 100 Jahre geworden!“ Liebe Gartenfreundinnen und Gartenfreunde, meine Geschichte beginnt 1913. Im November 1913 wurde ich unter Mitwirkung vom Gutsherrn Ludolf Mummy vom Rittergut Burg ins Leben gerufen. Er teilte ein Wiesen- und Kleegelände für Kleingärten auf, das an der Helmkestrasse – heute Rehagen - lag. Es hatten sich etwa 40 Gartenfreunde eingefunden, an die die Gärten einzeln verpachtet werden sollten. Dies war meine Geburtsstunde. Meine Kolonisten, wie die Kleingärtner damals genannt wurden, gingen unverzüglich zur Sache, um ihre Parzellen für sich nutzbar zu machen. Die Gärten wurden eingezäunt und einzelne Unterkünfte gebaut, damit im Frühjahr 1914 das Land mit Gemüse und Kartoffeln bestellt werden konnte. Leider war es 1914 nicht mehr möglich einen engeren Zusammenschluss herbeizuführen. Der erste Weltkrieg war ausgebrochen. Der größte Teil meiner Kolonisten wurde sofort eingezogen. Für die Frauen und Kinder meiner Gartenfreunde waren die Gärten während des Weltkrieges eine notwendige Unterstützung in der Ernährungsfrage. 1917 vergrößerte ich mich. Die Stadt Hannover stellte weiteres Land für Kleingärten zur Verfügung. Der Dahlienweg – heute Lotto-Burghardt- Weg - wurde ausgebaut und 44 Gärten von mir übernommen. Bis 1919 blieb mein Gartenbestand bei 84 Parzellen. Anfang Juni 1919 fand sich ein Teil meiner Kolonisten in der Eschenallee zusammen, um mir ein Gefüge zu geben. Es wurde beschlossen, am 19. Juni 1919 eine Versammlung bei Gastwirt Röring in der Haltenhoffstrasse abzuhalten, in der meine offizielle Namensgebung stattfinden sollte. In dieser Versammlung wurde ich auf den Namen Laubenkolonie „Burgfrieden“ Hannover-Hainholz getauft. Der Vorschlag hierzu kam von der Tochter Wilhelm Lichtenbergs. Die Bezeichnung „Burgfrieden“ sollte dazu beitragen, den Verein nach Wilhelm Lichtenberg mit seinen innen und außen zu festigen und die Geselligkeit Söhnen der Mitglieder zu pflegen. Damit war der 1914 versäumte Zusammenschluss meiner Mitglieder nachgeholt. Da die Nachfrage nach Kleingärten sich vergrößert hatte, wurde der Bauer Rehwinkel angesprochen, mit dem Erfolg, dass ich mich um

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15 Gärten vergrößerte. Der „Rehwinkelweg“ wurde damals nach ihm als Dankeschön benannt. Auf meinem Vereinsgelände gibt es diesen Weg heute nicht mehr. Das Jahr 1923 war besonders wichtig für mich. Ich wurde offiziell anerkannt, denn es erfolgte endlich im April 1923 die Eintragung in das Vereinsregister beim Amtsgerichts Hannover. Bald darauf kam die Anerkennung als gemeinnützige Institution hinzu. Unser Gartenfreund Julius Gohlke hatte dieses entschieden vorangetrieben. Zuvor hatte ich mich im März dem im Jahr 1921 gegründeten „Regierungs-BezirksVerband Hannover im Reichsverband der Kleingartenvereine Deutschlands e.V.“ angeschlossen. Der Magistrat der Stadt Hannover übertrug mir die Generalpacht für die Kolonie. Von jetzt an konnte meine Vereinsführung die Pachten selbst einziehen und verwalten. Anlässlich der Deutschen Gartenbauausstellung in Hannover wurde ich 1924 mit der Bronzene Medaille für hervorragende Leistung auf dem Gebiet des Kleingartenwesens ausgezeichnet. Mein erstes Vereinsheim war Mitte der 20er Jahre ein angekaufter Eisenbahnwaggon. In den darauf folgenden Jahren und besonders nach dem 1. Weltkrieg erfolgte zielstrebig der weitere Ausbau der Gärten. Es wurden Lauben gebaut und bei der Gestaltung der Gärten waren noch keine straffen behördlichen Grenzen gesetzt. Ich vergrößerte mich ständig. Da die Nachfrage nach Gärten weiterhin anstieg, unter anderem auch bei meinem Vorstand, verhandelte meine Vereinsführung mit der Stadt im Jahre 1926 und ich bekam einen weiteren Streifen Land hinzu. Es entstand der Lilienweg mit 55 Gärten. 1927 folgten durch Landzuteilungen insgesamt 47 Gärten, die das Oberteil des Rosen- und Lilienweges bildeten. Damit war ich auf 208 Gärten angewachsen. Im Jahre 1929 kam der „Wetterwinkel“ mit 37 Gärten hinzu, die heutige Burggartenallee entstand. 1927 überreichte mir der „Regierungs- Bezirks-Verband Hannover im Reichsverband der Kleingartenvereine Deutschlands e.V.“ ein Ehrendiplom für den guten Aufbau und die vorbildliche Pflege der Gärten. Im Dezember 1928 erfolgte von einigen Gartenfreundinnen des Vereins eine Sammlung bei den Frauen, um mir eine Vereinsfahne zu stiften. Besonders haben sich die Gartenfreunde Dreves, Gohlke, Ristenpat mit ihren Ehefrauen bei der Beschaffung der Fahne verdient gemacht. Am 1. Dezember 1928 fand die Fahnenweihe in den Festsälen des Hainhölzer Gesellschaftshauses unter der Teilnahme vieler befreundeter Vereine statt. Unter der Rubrik „Vereinsnachrichten“ der Januar- Ausgabe 1929 der „Hannoversche Kleingärtner- Zeitung“ schrieb mein Vorstand (Zitat): „Allen Vereinen, welche uns zu unserer Fahnenweihe durch ihren Besuch geehrt haben, sowie allen Vorständen, welche uns zu unserer Fahne einen Fahnennagel gestiftet haben, bedanken wir uns recht herzlich.“

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Auch Laubenfeste wurden auf meinem Gelände gefeiert. So wurde 1929 in der Juni- Ausgabe obiger Zeitung bekannt gemacht, dass das Laubenfest am 14. Juli, der Umzug an diesem Tag um 3 Uhr und der Fackelzug abends um 9 Uhr stattfindet. Eine weitere Vereinsnachricht aus der Ausgabe vom Juli 1932 enthielt, dass das Laubenfest am 17. Juli und das Kinderfest am 18. Juli stattfinden sollten. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Gärten dem Feste entsprechend zu schmücken seien. Das Programm zum Laubenfest beinhaltete (Zitat): 14 Uhr Aufstellen des Festzuges und 1932 Laubenfest Abholen der Fahne vom Restaurant Fritz Gottschalk, Schulenburger Landstrasse 22; 14.30 Uhr Abmarsch vom Vereinsplatz anschließend Festmarsch durch die Kolonie. Nach Eintreffen auf dem Festplatz: Weihe des Jugendwimpels. 16 Uhr Konzert und Tanz auf der Festwiese. 21 Uhr Antreten zum Fackelzug. Kinderfest : 16 Uhr Aufstellung aller Koloniekinder beim Vereinshause zum Kinderfestzug. Nach Eintreffen auf dem Spielplatze finden Reigentänze, Kinderspiele und Wettkämpfe statt. Preisverteilung 18 Uhr. Anfang 1930 wurde in einer Vorstandssitzung angeregt, ein Vereinshaus und einen Lagerschuppen zu bauen. Am 10. Mai 1930 stimmte die Mitgliederversammlung dem Vorschlag des Vorstandes zu. Es wurde beschlossen, für die Finanzierung meines neuen Zuhauses eine Umlage von 8,00 Reichsmark je Garten zu erheben. Mit dem Bau des Vereinsheimes, das bis heute an der gleichen Stelle steht, erhielten meine Mitglieder eine Anlaufstation, die den Gemeinschaftssinn innerhalb meiner Mitglieder bereichern sollte. Was bestimmt auch der Fall war. Meine Mitglieder verschönerten diese Gemeinschaftsstätte in den Folgejahren. Meine Entwicklung ging rasant weiter. Die Weltwirtschaftskrise Ende der 20er und Anfang der 30er Jahre beeinflusste meine Entwicklung sehr stark. Die große Zahl der Arbeitslosen und die schlechte Nahrungsmittelversorgung nahm der Staat zum Anlass, Kleingärten für Erwerbslose bereitzustellen. Auf Vermittlung der Regierung stellte die Stadt Hannover Ländereien zwischen der Helmkestrasse und dem Vinnhorster Weg zur Verfügung. Weitere 492 Gärten wurden mir zugeteilt und der Grundstein für die Arbeitslosengärten in den Abteilungen III und IV wurde gelegt. Da das Geld knapp war, wurde auf den Düngerkauf verzichtet und kompostiert.

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Bis weit in die fünfziger Jahre galt der Reim: „Hier werden gesammelt von Mann und Frau Liebesgaben für den Gartenbau. Drum dränget und drückt mit Mut und Kraft für die notleidende Kleingärtnerschaft.“ Am 15. Februar 1932 begannen die Pächter mit 71,00 Reichsmark und einigen Obstbäumen als Starthilfe mit den Arbeiten. Am 15. Juli 1932 waren alle Gärten eingezäunt und die ersten Wege auf dem mir zugeteilten Gelände erkennbar. Die hinzugekommenen Gärten machten es erforderlich, mich in Abteilungen aufzuteilen. Zur Abteilung I gehörten der Rosen- und der Lilienweg, zur Abteilung II die Burgggartenallee, die Abteilung III bestand aus den Wegen des heutigen Kleingärtnervereins Burgland und die Abteilung IV setzte sich aus dem Dreieck Hecken-, Blumen-, Flieder- und Margeritenweg sowie dem Sonnen- und Veilchenweg zusammen. 1938 musste ich mich zwangsläufig von einigen Gartenfreundinnen und Gartenfreunden trennen. Dieses lag daran, dass ich mit 665 Gärten zu groß geworden war. Die komplette Abteilung III wurde abgetrennt und die Kolonie „Burgland“ war entstanden. Die Trennung ging einvernehmlich vonstatten mit dem gegenseitigen Versprechen, nach wie vor wirtschaftlich und mit 1932 Luftbild vom größten Teil des Vereinsgeländes gegenseitigem Respekt zusammenzuarbeiten. Meine neue Satzung wurde am 21. Januar 1939 verabschiedet und ins Vereinsregister eingetragen. Vom 2. Weltkrieg wurde auch ich nicht verschont. Ein großer Teil meiner Gartenmitglieder wurde eingezogen. Nun lag die Bewirtschaftung der Gärten wieder einmal bei den Frauen. Viele meiner Mitglieder und deren Söhne kamen nicht zurück. Der 2. Weltkrieg richtete größere Schäden an als der erste. 146 Bomben fielen auf mich, vernichteten viele Lauben und zerstörten die Mühen langjähriger Aufbauarbeit.

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1942 Zerstörung 1945 Wiederaufbau In den bitteren Nachkriegsjahren ab 1945 schätzten sich viele meiner Mitglieder glücklich, dass sie ein Stückchen Land besaßen, um die kargen Zuteilungsrationen durch eigene Gartenbewirtschaftung zu ergänzen. Auf den Mitgliedskarten wurde im Jahr 1946 vermerkt, dass jedes Mitglied eine Zuteilung von 10 Saatkartoffeln erhalten hatte. 1946 Mitgliedskarte mit dem Vermerk für zugeteilte 10 Saatkartoffeln am oberen Rand Der Wiederaufbau begann. Jeder versuchte nach besten Kräften und wenig Material die die ärgsten Schäden zu beseitigen. Von den zerstörten Häusern im Umkreis wurden Steine herangeschleppt, geputzt und mit Karbid- Schlamm für den Bau neuer Lauben verwendet. Mehr als 100 Gartenfreunde schufen sich so im Garten ein Dach über dem Kopf infolge der großen Wohnraumnot. Mein Kleingartengelände wurde nach dem Krieg für viele zur Heimstatt. Damals waren 145 meiner Gartenlauben bewohnt. Noch heute haben 4 Mitglieder Wohnrecht. Dieser Zustand hat mein Gesicht für viele Jahre geprägt. Aber die Aufwärtsentwicklung in meinem Vereinsleben war nicht mehr aufzuhalten. Die wohnenden Mitglieder beteiligten sich zum überwiegenden Teil vorbildlich an der Gestaltung des Vereinslebens. Sie gaben mir, dem Kleingärtner-Verein, ein festes Gefüge und waren für die neu hinzugekommenen Kleingärtner eine Stütze und hilfreiche Nachbarn. Material war überall knapp. So wurden meine Pächterausweise nach dem Krieg auf Altpapier (Karton) gedruckt.

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1948 Pächterausweis Vorderseite 1948 Pächterausweis Rückseite Irene Heidmann bekam 1946 den Auftrag, die Anzahl der Kinder in meiner Kolonie zu ermitteln und diese miteinander bekannt zu machen. Aus diesem Auftrag heraus entstand nach dem Krieg eine der ersten Jugendgruppen in Hannover mit dem Namen „Burgfriedener Schreberjugend“, die in den folgenden Jahren von „Tante Irene“ geleitet wurde. Neben den Burgfrieden-Kindern gehörten auch aus den Nachbarvereinen Kinder und Jugendliche zu dieser Gruppe. Sie trat in einigen in der Nähe liegenden Gartenvereinen auf und nahm an deren Ausmärschen teil. 1951 Auftritt der Burgfriedener Schreberjugend am Hauptbahnhof Hannover In diesen Jahren feierte man auch wieder die ersten Laubenfeste. Ein als Spielplatz geplantes Areal war der erste Festplatz. 1947 wurde sogar ein Festzelt zum Feiern aufgebaut. Die Beteiligung war immer sehr groß. In den Jahren 1950 und 1951 wurde mein Vereinshaus von 1930 komplett überholt und vergrößert. Die Beschaffung des notwendigen Baudarlehens wurde durch das Mitwirken des Gartenfreundes Fritz Schmidt erleichtert. Durch meine Wohnenden wurde in den 50er Jahren die Wasserleitung mit ca. 100 Anschlüssen installiert.

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Am 04. Februar 1952 trat die Satzung der von Fritz Brockmann, dem damaligen Kassierer, ins Leben gerufene „Kranzspende- Selbsthilfe im Kleingartenverein Burgfrieden e.V.“ in Kraft. Diese Selbsthilfe auf gemeinnütziger Grundlage erfolgte für alle Mitglieder des Vereins im Umlageverfahren. Für verstorbene Vereinsmitglieder wurde von diesem Geld ein großer Kranz gekauft. Satzungs- und Quittungsheft der „Kranzspende-Selbsthilfe im Kleingärtnerverein Burgfrieden e.V.“ Einige Ehefrauen des Vorstandes führten im Jahre 1952 wiederum eine Sammlung in der Kolonie durch, um mir ein neues Tischbanner zu stiften. Auch die „Burgfriedener Schreberjugend“ war nicht untätig. So wurde in den fünfziger Jahren zum sogenannten „Blumentag“ das NordstadtKrankenhaus unter Begleitung von meinen Vorstandsmitgliedern, meiner Fahnenabordnung und 1953 Burgfriedener Schreberjugend vor dem Nordstadteiner Kapelle Krankenhaus am Blumentag aufgesucht und dort Blumen und Obst den Kranken übergeben. Für diesen Zweck wurden fast tausend Sträuße gebunden. Am heutigen Festplatz bauten meine Mitglieder 1963 den Dünger- und Geräteschuppen mit zwei Räumen. Dieser wurde später um einen Werkstattraum, einen Maschinenraum und einen Unterstellplatz ergänzt.

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In den sechziger Jahren wurde die Flächengröße meiner Parzellen, die früher in Quadrat-Ruten berechnet wurden, in den Pachtverträgen mit „Quadratmeter“ angegeben.Eine Rute entsprach 21,84 qm. Mit anderen Worten: ein Garten von 20 Ruten hatte eine Fläche von ungefähr 440 qm. Im Sommer 1972, während unseres Gartenfestes, wurde unter Mitwirkung des 1. Vorsitzenden des Bezirksverbandes meine neue, zweite Vereinsfahne geweiht. Diese hatten mir meine Vereinsmitglieder gestiftet. Beide Fahnen, die altersschwache Traditionsfahne, die - Dank eines Gartenfreundes - den Krieg unter Kohlen versteckt überlebt hat, und die neue, kann man sich im heutigen Schulungsraum meines Vereinshauses ansehen. Am 01. Januar 1978 wurde zwischen meiner Vereinsführung und der Stadt Hannover ein 25- Jahre Pachtvertrag abgeschlossen. Die Existenzängste meiner Kleingärtner wurden damit zunächst gebannt. Meine Vereinsanlage wurde nun ausgestaltet: Noch im gleichen Jahr wurden die Burggartenallee, der Lilien- und der Rosenweg über Erdkabel verstromt. Im Folgejahr folgten die anderen Wege. Der Mastenwald für Stromkabel auf meinem Gelände verschwand. 1978 erfolgte auch der Antrag zum Anbau eines Vorstands- und Schulungsraumes an mein Vereinshaus. Dieses Vorhaben wurde 1980 vollendet. Im Jahre 1981 nahm ich am Wettbewerb „Goldener Spaten“ der Stadt Hannover teil. Dieser Spaten wurde mir am 01.12.1981 zuerkannt. 1982 erhielt mein Vereinshaus für die Abwasserentsorgung ein Drei- KammerSystem mit 6 m³ Fassungsvermögen und einer Verrieselungsanlage. Einer der schwärzesten Tage in meiner Vereinsgeschichte erlebte ich am 26.05.1983: Durch Brandstiftung wurde mein Vereinshaus, das von meinen Mitgliedern mit viel Mühe und Schweiß aufgebaut worden war, vernichtet. Nach Beseitigung der Überreste wurde unverzüglich mit dem Wiederaubau begonnen. Ich bin stolz auf das, was meine Mitglieder geleistet haben. Auch heute noch bin ich der Meinung, dass ich eines der schönsten und gemütlichsten Vereinshäuser in Hannover habe. 1983 Zeitungsnachricht Neue Presse Hannover

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1984 wurde meine äußere Grenze erneuert und damit auch verschönt: 3.000 m Außenzäune wurden durch neue ersetzt. Seit Einrichtung der Abteilungen I bis IV begann die Nummerierung der Gärten in jeder Abteilung mit „1“. Erst 1984 erfolgte die Neu- Nummerierung aller meiner Gärten durchgehend. Damit gab es aus Sicherheitsgründen für Feuerwehren und Rettungsdienste keine dreifach vergebenen Gartennummern mehr auf meinem Vereinsgelände. Noch heute kann man an einigen Gartenpforten die ursprünglichen Gartennummern sehen. 1986 wurde von meiner Vereinsführung beschlossen, die Wasserversorgung zu erneuern. Statt der Zapfstellen in den Wegen erhielt jeder meiner Gärten einen eigenen Trinkwasser- Anschluss mit einer Wasseruhr. Dieses Vorhaben wurde bis 1989 abgeschlossen. Im Jahr 1997 erfolgte die Ausgliederung der Stromversorgung in die neu gegründete Stromgesellschaft bürgerlichen Rechts. Dies war notwendig geworden, weil für mich die Gefahr bestand, dass ich die Gemeinnützigkeit und die damit verbundenen Steuerprivilegien verloren hätte. 2009 wurde nach einem Beschluss des Rates der Stadt Hannover das Projekt „Kleingärten in Hannover“ auf meinem Vereinsgelände als Muster für andere Kleingärtnervereine begonnen. Die Umbaumaßnahmen an den Eingängen Blumenund Burgweg sowie am großen Parkplatz und am Vereinshaus mit Parkplatz zogen sich weit bis ins Jahr 2010 hinein. Den neugestalteten Biergarten an meinem Vereinshaus konnten wir im Sommer 2010 eröffnen. Damit man den Bereich meines Vereinsgeländes besser erkennen kann, wurde im Jahre 2010 die marode Außenbeschilderung erneuert und um einige Schilder an weiteren wichtigen Standorten ergänzt. Die Genehmigung für das 3- Kammer-System mit der Verrieselungsanlage der Abwasserentsorgung lief im Jahr 2012 aus. Das Vereinshaus musste mit erheblichem Kostenaufwand an den Abwasserkanal, der durch mein Vereinsgelände führt und den Lilienweg kreuzt, angeschlossen werden. Wenn man zurückblickt, muss man feststellen, dass sich die Menschen in und um mich herum in den einhundert Jahren nicht groß verändert haben. In den ersten Jahrzehnten nach meiner Geburt liefen auf meinen Gartenwegen Kolonisten Streife,

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