Systemische Orale Medizin 4_2013

 

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Sinn des Lebens, Bewusstsein

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2. Jahrgang · Ausgabe 4/2013 Fachorgan der Internationalen G e s e l l s c h a f t f ü r G a n z h e i t l i c h e Z a h n M e d i z i n e . V. Über den Sinn des Lebens Bewusstsein und Geist ihre Beziehung zur Komplementärmedizin Mineralkomposite – eine neue Möglichkeit zur täglichen Pflege der Zähne und der Mundschleimhaut Systemische Orale Medizin Kompetenz-Netzwerk für Orale Medizin · 2. Jahrgang 4/2013 1

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Editorial Zahnarzt und Arzt als Partner ärzten sind bei regionalen ärztlichen Arbeitskreisen gerne gesehen. Auf Wunsch unterstützt Sie die GZM-Geschäftsstelle bei der Vorbereitung und stellt Ihnen Informationsmaterial zur Verfügung. Der Bodensee-Kongress „Parodontologie ohne Grenzen“ im Mai 2014 ist eine Gelegenheit, gemeinsam mit Ihren Cotherapeuten mehr über die systemischen Wechselwirkungen der Parodontitis zu erfahren. Wir wünschen Ihnen eine friedvolle Weihnachtszeit und für das Neue Jahr Gesundheit, Glück und Zeit für alles, was Ihnen wichtig ist. E ine Aufgabe der GZM ist, die Zusammenarbeit zwischen Zahnärzten und Ärzten zu intensivieren und das Wissen über Zusammenhänge zwischen Mundgesundheit und Allgemeinerkrankungen zu verbreiten. Daher engagierte sich die GZM in diesem Jahr bei mehreren Ärztekongressen und gestaltete beim Herbstkongress des ZAEN eine Vortragsveranstaltung zum Thema: Chronische Erkrankungen und Mundgesundheit, die von den Ärzten mit Interesse verfolgt wurde (Seite 30). Im Gespräch mit Ärzten zeigte sich, dass sie bereits von Zusammenhängen zwischen Parodontitis und Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehört hatten, bisher aber noch keinen Diabetespatienten zum Zahnarzt geschickt haben. Man denke im Praxisalltag einfach nicht daran, so die Begründung der Ärzte. Wie können wir das Bewusstsein fördern, dass es selbstverständlich wird, dass Ärzte unsere Unterstützung bei chronischen Erkrankungen nutzen? Neben Informationen bei Ärztefortbildungen scheint es uns hilfreich, dass Sie als Zahnärzte in der Praxis einen engen Kontakt mit den Haus- und Fachärzten Ihrer Patienten pflegen und beispielsweise bei einer schweren chronischen Parodontitis beim Hausarzt nachfragen, ob ein Diabetesrisiko besteht. Auch Vorträge von Zahn- Herzlich Dr. Beate I. Kreisel Chefredakteurin Mensch & Mund In dieser Ausgabe erhalten Eltern Tipps, wie sie ihre Kinder optimal auf den ersten Zahnarztbesuch vorbereiten können. Bitte melden Sie sich bei der GZM-Geschäftsstelle, wenn Sie zusätzliche Exemplare für Ihre Praxis wünschen. Für Ihr Wartezimmer Diesmal: Der erste Zahnarztbesuch für Kinder Systemische Orale Medizin · 2. Jahrgang 4/2013 3

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Bodensee-Kongress vom 2. bis 3. Mai 2014 in Lindau – Vorläufiges Programm Parodontologie ohne Grenzen www.parodontologie-ohne-grenzen.de 11:15 Freitag 2. Mai 2014 Eröffnung / GZM/ Dentista/ Grußwort Dr. Susanne Fath/ZÄ Christine Albinger-Voigt 14:15 „Parodontitis – eine versorgungspolitische Herausforderung“ Prof. Dr. Dietmar Oesterreich/Berlin 14:45 Systemische Sicht auf die Parodontitis Prof. Dr. Dr. Heinz Spranger/Dersum 15:15 Diskussion – Pause zum Besuch der Ausstellung 16:00 Parodontitis vs. Periimplantitis: biologische Unterschiede in Entstehung und Verlauf PD Dr. Nicole Pischon/Berlin 16:30 Geschlechterspezifische Aspekte der Parodontitis PD Dr. Dr. Christine Gleissner/Mainz 17:00 Liebe Deine Bakterien - alles eine Frage des Milieus? Dr. vet. Anke Kracke/Kirchlintelen 17:30 Schlussdiskussion/Referenten ab 18:00 Get together/Buffet und Life Musik in der Ausstellung 14:00 Objektive Kontrolle des Behandlungserfolgs mit Entzündungsmarkern PD Dr. Lutz Netuschil/Marburg Orthomolekulare Therapie im Rahmen der Parodontitisbehandlung Dr. Heinz-Peter Olbertz/Troisdorf Diskussion/Referenten – Mittagspause kurze Begrüßung Physiotherapeutisch-osteopathisches Behandlungskonzept speziell für Parodontitis PT Holger Hüttermann/Stuttgart Der Einsatz von Phytotherapie bietet eine vielfältige Therapiemöglichkeit die dem multifaktoriellem Krankheitsgeschehen gerecht werden ZA Bernd Chargé/Villingendorf Parodontitis und Darmsanierung – ein systemisches Praxiskonzept Dr. Andrea Diehl/Berlin Diskussion – Pause zum Besuch der Ausstellung Homöopathie bei PA Therapie – state of the art Prof. Thomas Ostermann/Witten-Herdecke Psychosomatische Aspekte in der PA-Therapie Dr. med. Wolf-Richard Nickel/Berlin Zusammenfassung Dr. Susanne Fath 12:00 12:30 14:00 14:05 14:35 15:05 Samstag 3. Mai 2014 09:00 09:05 09:35 Einführung und Tagungsvorsitz Dr. Susanne Fath/Berlin Einblicke in ein ganzheitliches ParodontologieKonzept Dr. Ursula Meyer, Euskirchen Praxiskonzept für die Behandlung systemisch belasteter Patienten Dr. Georg Gassmann/Brunnen KFO - Belastung oder Chance für das Parodont? PD Dr. Philipp Meyer-Marcotty/Würzburg Diskussion/Referenten– Pause zum Besuch der Ausstellung 15:35 16:30 17:15 18:00 10:05 10:35 Parallelprogramm für Mitarbeiterinnen am 3. Mai 2014, 9:30 bis 12:30 Uhr Grundwissen aus der Naturheilkunde für die zahnärztliche Mitarbeiterin in der ganzheitlichen Zahnarztpraxis ZÄ Christine Albinger Voigt, ZA Peter Bornhofen

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Inhalt Wissenschaft und Praxis 6 Mineralkomposite - eine neue Möglichkeit zur täglichen Pflege der Zähne und der Mundschleimhaut Dr. rer. nat. habil. Wolf-Dieter Jülich Dr. rer. nat. habil. Dieter Schmidt 12 Bewusstsein und Geist - ihre Beziehung zur Komplementärmedizin ZA Franz Christians 16 Über den Sinn des Lebens Interview mit Prof. Dr. Markolf Niemz Medizinrecht 18 Bringt das Patientenrechtegesetz wirklich Neues? Dr. Frank A. Stebner GZM 24 Herbsttreffen 2013 der Projektgruppe Bewusstsein 25 Vorstand auf Reisen Fortbildung 26 GZM in Baden-Baden Dr. Bodo Wettingfeld 28 Festspiel-Gespräche zur Ganzheits-Medizin Dr. Christel-Maria Foch 30 Der ZAEN und die GZM – Alte Liebe rostet nicht Dr. Bodo Wettingfeld 33 Basisausbildung zum qualifizierten GZM-Mitglied an der Haranni Academie Interview mit Renate Dömpke 35 Veranstaltungen Claudia Reimer n 3 Editorial n 11, 23 Buchvorstellungen n 22 Marktplatz n 34 Impressum n Beigelegt: Mensch und Mund Systemische Orale Medizin · 2. Jahrgang 4/2013 5

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Wissenschaft Mineralkomposite – eine neue Möglichkeit zur täglichen Pflege der Zähne und der Mundschleimhaut Doz. Dr. rer. nat. habil. Wolf-Dieter Jülich Doz. Dr. rer. nat. habil. Dieter Schmidt In der Untersuchung wurde geprüft, ob die Zufuhr von Mineralkompositen mit hohem kolloidalen Anteil über das tägliche Zähneputzen die Vitalität der Mundschleimhaut und dadurch die Widerstandkraft gegen Virusinfektionen fördern kann. D 1. Einleitung er Mund-Nasen- und Rachenraum ist die Eintrittspforte vieler Krankheitserreger. Die Mundschleimhaut ist die erste Barriere gegen eindringende Viren, Pilze und Bakterien. Die Mundschleimhaut ist bekanntlich widerstandsfähig gegen chemische oder physikalische Noxen. Trotzdem sind Veränderungen der Mundschleimhaut relativ häufig. Ursachen können physikalische Irritationen, aber auch allergische oder toxische Reaktionen auf Nahrungsbestandteile oder auf - aus Dentalwerkstoffen herausgelöste - Inhaltsstoffe sein. Ebenfalls können Folgen von systemischen Erkrankungen, Vitaminmangel oder Nebenwirkungen von Arzneimit- teln die Mundschleimhaut schwächen. Reaktionen, die zur Lockerung der kollagenen Strukturen des Weichgewebes beitragen, begünstigen infektiös bedingte Entzündungen der Mundschleimhaut. Erreger sind Bakterien (z. B. Borrelia vincentii, Fusobacterium nucleatum), Viren (z. B. HSV-1 und 2, Coxsackie-Virus, Epstein-Barr-Virus, Influenza-Virus, Erreger von Erkältungskrankheiten, Cytomegalie-Virus und HIV) und Pilze (z. B. Candida albicans). Diese Infektionen können zu einer Stomatitis führen, die oft harmlos verläuft, im ungünstigen Fall aber die Kau- und Schluckfunktion stark einschränkt. Am häufigsten treten viral bedingte Entzündungen der Mundschleimhaut auf. Besonders bei älteren Menschen und bei Probanden mit geschwächtem Immunsystem ist die Mundschleimhaut nicht mehr ausreichend vital. Deshalb ist bei diesen Probandengruppen eine Infektion oft verbunden mit einer erhöhten Freisetzung von Entzündungsmediatoren wie TNF-α und IL-1ß, gefolgt von den Matrixmetalloproteinasen, die die Entzündung verstärken (Zyba, 2010). Eine Gesundheitsförderung durch polymere Mineralstoffe ist lange bekannt. Zeolithe (z. B. Klinoptilolith) und Tonminerale (z. B. Montmorillonit) sind häufig eingesetzte natürliche siliciumreiche Minerale. Der Nachweis, ob z. B. in Heilerden enthaltene polymere Minerale die Vitalität und damit die Abwehrkraft der Mundschleimhaut gegen Virusinfektionen för- 6 Systemische Orale Medizin · 2. Jahrgang 4/2013

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Wissenschaft dern können, ist schwierig. Um einen Einfluss der Mineralstoffe und Minerale auf die komplexen Stoffwechselvorgänge in der Zelle nachweisen zu können, bedarf es aufwändiger zellulärer Nachweissysteme. Nach unseren Erfahrungen sind die Sauerstoffaufnahme und der Nährstoffverbrauch gute Indikatoren für die Stoffwechselaktivität der Zellen. In einer Perfusionszellkultur kann der Glucoseverbrauch zum Nachweis einer prophylaktischen Wirksamkeit genutzt werden (Pörksen und Jülich, 2010). Zum Nachweis der Zellvitalität eignet sich die Neutralrot-Methode. In geschädigten Zellen ist die Fähigkeit vermindert, Neutralrot aufzunehmen und zu binden. Tote Zellen werden nicht angefärbt, da sie keine intakten Lysosomen mehr besitzen. Zum Nachweis der antiviralen Wirkung wurde als ein leicht handhabbares Modellvirus das Polio-Impfvirus gewählt. Das Virus wird in der Regel durch den Mund in den Körper aufgenommen und vermehrt sich anschließend im Darm. Bei Impfviren handelt es sich um Mutanten, die sich in Nervenzellen nicht vermehren können und daher ein gefahrloseres Arbeiten gestatten. 2.2. Einfluss der Minerale auf die Vitalität von FL-Zellen Die Anzahl vitaler Zellen wurde mit der Neutralrot-Methode nach Lindl u. Bauer (1994) bestimmt. 2.3. Einfluss auf die Abwehrkraft gegen Virusinfektionen Eine Polio-Impfvirus-Suspension (Titer 107) wurde in einer Reihe auf der Basis 10 verdünnt. Danach wurden 100 µl dieser Suspension zu 100 µl einer FL-Zell-Suspension gegeben, die 40 mg/l der polymeren Minerale enthielt. Die Inkubation erfolgte in einer Gas-Atmosphäre mit 5 % Sauerstoff. Die Zahl der überlebenden Zellen ohne CPE wurde mit der Neutralrot-Methode (s. 2.2.) bestimmt. Die Untersuchungen wurden im Hygieneinstitut Greifswald des Landeshygieneinstituts MV durchgeführt. 2.4. Testsubstanzen Mineralkomposit: Die Dispersion amphiphiler polymerer Minerale führt zu spontan aggregierenden supramolekularen Strukturen. Diese Strukturen sind sehr flexibel, da sich die Bausteine leicht gegeneinander bewegen können. Die „Weichheit“ ist ein Charakteristikum solcher Komposite, die ihre Verwendung als besonders schonende Putzkörper für die Zahnpflege interessant macht. Das Mineralkomposit wurde entsprechend der DP-Anmeldung 10 2012 023 612.3 hergestellt. Fraktion aus MixedLayer-reichen Tonmineralen: Die Fraktion < 30 µm wurde mittels Zentrifuge (1000 Umdrehungen/min, 10 min) sedimentiert. Der kolloidreiche Überstand über dem Sediment wurde abpipettiert und in einer Konzentration von 5 % Vol. dem Medium der Perfusionszellkultur zugesetzt. Vergleichsweise wurden die Geopolymere Bentonit MX 80 und Kaolin untersucht. Bentonit hat eine hohe Ionenaustauschkapazität und eine große spezifische Oberfläche. Kaolin enthält als Hauptminerale Kaolinit, Quarz und einen kleinen Anteil von 3-Schicht-Silikaten. Die Kationenaustauschkapazität ist um eine Zehnerpotenz, die spezifische Oberfläche fast um zwei Zehnerpotenzen niedriger als beim Bentonit. 3. Ergebnisse Im Gegensatz zu Bentonit und zum Ausgangsmaterial Mixed-Layer erhöht die aus den Mixed-Layern gewonnene Fraktion mit hohem kolloidalem Anteil den Glucoseverbrauch in einer Perfusionszellkultur um etwa 20 %. Eine durch den Indikator Glucosever- 2. Methodik 2.1. Perfusionszellkultur Es wurden FL-Zellen (Lieferant: biometec GmbH ) eingesetzt. Die Ausschaltung der Zellteilung erfolgte mit Mitomycin C. Je 1 ml Zellsuspension in Zellkulturmedium wurde auf die Zellträger (Nunc Inc, Naperville, IL USA) in einem Minusheet-Zellhaltersystem (Minucells & Minutissue Vertriebs GmbH, Bad Abbach) in einer Mikrokulturwanne eine 24-well-Zellkulturplatte (Nunc GmbH & CoKg, Wiesbaden) pipettiert, 24 Stunden kultiviert (37oC, 5 % CO2, 97 % Luftfeuchte). Die Testsubstanzen wurden in einer Konzentration von 5 % im Perfusionsmedium suspendiert. Die Glucosekonzentration wurde in Messintervalle: 12 h +/- 1 h bestimmt. Die Untersuchungen wurden in der analysio GmbH Greifswald von Herrn J. Pörksen durchgeführt. Abb. 1: Zellvitalilät, bestimmt mit der Neutralrot-Methode, unter dem Einfluss von polymeren Mineralstoffen Systemische Orale Medizin · 2. Jahrgang 4/2013 7

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Wissenschaft brauch nachgewiesene erhöhte Stoffwechselaktivität der Zellen führt zu einer erhöhten Zellvitalität. Wie mit der Neutralrot-Methode nachgewiesen wurde, ist die Anzahl vitaler Zellen unter dem Einfluss der quellfähigen Minerale MixedLayer-reiches Mineralkomposit und Bentonit signifikant erhöht (Abb. 2). Ursache könnte sein, dass die quellfähigen Tonminerale ein sehr hohes Ionenaustauschvermögen besitzen. Durch den Ionenaustausch kann es zu einer Hyperpolarisierung der Zellmembranen kommen. Eine Erhöhung des Membran- potenzials innerhalb des physiologischen Regelkreises der Zellen führt allgemein zu einer stimulierenden Wirkung. Das nicht quellfähige Kaolin mit seiner geringen Ionenaustauschkapazität hat keinen signifikanten Effekt. Durch die Virusinfektion wird die Zahl der vitalen Zellen ohne zytopathogenen Effekt in jedem Fall auf etwa 50 bis 60 % des Ausgangswertes herabgesetzt. In den durch die Virusinfektion geschädigten Zellen ist die Fähigkeit vermindert, Neutralrot aufzunehmen und zu binden (Abb. 3). Bei den mit dem Mineralkom- posit mit hohem kolloidalem Anteil versetzten Zellen besteht ein höheres Ausgangspotenzial vitaler Zellen (Abb. 2). Die erhöhte Vitalität der mit dem Mineralkomposit vorinkubierten Zellen setzt die Widerstandskraft gegenüber der Virusinfektion herauf (Abb. 3). Bei mit Bentonit bzw. mit Kaolin vorinkubierten Zellen sinkt die Anzahl neutralroraufnehmender Zellen nach der Virusinfektion sogar unter die der Kontrolle. 4. Diskussion Die steigende Lebenserwartung der Bevölkerung, verbunden mit Multimorbidität und Einnahme einer Vielzahl von Medikamenten sowie die damit in Zusammenhang stehenden Mundschleimhautveränderungen, stellen neue Anforderungen an die Zahnmedizin. Mit zunehmendem Alter wird die Immunabwehr schwächer, und die Speichelproduktion nimmt ab. Da Speichel antibakterielle, entzündungshemmende Substanzen enthält, wird auch die Mundschleimhaut anfälliger für Infektionen und entzündliche Veränderungen. Besonders in den hochindustrialisierten Ländern wird die natürliche Abwehrkraft darüber hinaus durch falsche Ernährung, fehlende Bewegung und Reizüberflutung geschwächt. Daher werden natürliche, widerstandsverbessernde Prinzipien immer wichtiger. Eine Prophylaxe muss auch die Abwehrkräfte des Wirtes gegen Viren stärken und die Selbstheilungskräfte unterstützen. Es ist deshalb eine sehr günstige Möglichkeit, das tägliche Zähneputzen mit einer Vitalisierung der Mundschleimhaut zu verbinden, und so die Abwehrkräfte gegen Virusinfektionen zu verstärken. Für die biologischen Effekte von polymeren Mineralen ist die Erhöhung des kolloidalen Anteils besonders wichtig (Douglas H. Everett, 1992; Daniel und Audebert, 1999). Für viele Anwendungen der Tonminerale ist das kolloidchemische Verhalten von besonderer Be- Abb. 2: Glucoseverbrauch in einer Perfusionskultur mit menschlichen Zellen (FL-Zellen) unter dem Einfluss von polymeren Mineralstoffen Abb. 3: Ergebnisse der Neutralrot-Methode nach einer Virusinfektion von Zellen, die unter dem Einfluss von polymeren Mineralstoffen kultiviert wurden 8 Systemische Orale Medizin · 2. Jahrgang 4/2013

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deutung (Lagaly, 2003). Nach dem Vorbild der Natur wurden Mixed-Layer-reiche Mineralkomposite entwickelt. Eine für die praktische Anwendung wichtige Stabilisierung kann durch ein Mineralkomposit erreicht werden, bei dessen Herstellung Polymerketten verschiedener Minerale verknäulen (Jülich u. Schmidt, 2012). Mit dieser neuen Verarbeitungsmethode für Silikate wird die Mineralversorgung über die Mundschleimhaut beim täglichen Zähneputzen verbessert. Kolloiddisperse Systeme haben durch die feine Verteilung der einen Phase in die andere im Verhältnis zu ihrem Volumen eine enorm große Grenzfläche und können deshalb Schmutz und Schadstoffe binden. Sie können deshalb die Zahnoberfläche effektiv reinigen, ohne den Oberflächenfilm oder gar den Zahnschmelz zu schädigen. Auch nach einer gründlichen Zahnreinigung bildet sich auf der Zahnoberfläche sofort das Pellikel als unsichtbarer azellulärer Film, der den Zahn vor Abrasion und Säureangriff schützt. Dieser Film besteht in erster Linie aus Proteinen des Speichels, die aufgrund ihrer Eigenladungen an die Kalzium- und Phosphatgruppen des Apatits der Zahnhartsubstanz elektrostatisch binden. Das Pellikel ist aber auch Ausgangspunkt für eine bakterielle Besiedlung. Zur Erosionsprävention ist es daher wichtig, einerseits diese Schutzschicht durch besonders weiche Putzkörper möglichst wenig zu schädigen, andererseits antibakteriell auszurüsten. Die antibakterielle Ausrüstung kann vorteilhaft mit Chitosan erreicht werden. Chitosan unterstützt die Filmbindung auf dem geputzten Zahnschmelz (Park et al., 1999; Park u. Zhao, 2004). Erste Untersuchungen zeigen, dass das in guten Zahnpasten verwendete Chitosan an die Zahnhartsubstanz oder das Pellikel adsorbieren und dabei protektive Effekte entfalten kann (Ganss, 2013) Eine Kombination des Mineralkomposits mit Chitosan ist auch aus folgenden Gründen vorteilhaft:  Während das Mineralkomposit die Widerstandsfähigkeit gegen virale Infektionen erhöht, unterdrückt Chitosan das Wachstum von Streptokokken, die für die Bildung von Zahnkaries verantwortlich sind.  Zum Schutz der Mundschleimhaut ist diese mit einem zähflüssigen Schleim überzogen. Wichtige strukturgebende Bestandteile dieses Schleims sind die Muzine. Polysaccharide wie Chitosan verstärken die Wasserbindungskapazität der Muzine und unterstützen damit die Vitalisierung der Mundschleimhaut.  Schließlich wirken das Mineralkomposit und Chitosan auch bei der Immobilisierung von toxikologisch relevanten Stoffen, die die Mundschleimhaut schädigen können, synergistisch zusammen. Chitosan bildet auf Oberflächen Filme und kann dabei größere Mengen Mineralstoffe aufnehmen (Park u. Zhao, 2004). Dabei beeinflusst Chitosan die kolloidale Struktur der polymeren Minerale (Roussy et al., 2005). Eine Kombination von Mineral- komposit und Chitosan, muss die kolloidale Struktur erhalten. Schon für die Herstellung des Mineralkomposits ist ein sehr aufwändiger Verarbeitungsprozess erforderlich, um den für die biologischen Effekte entscheidenden hohen kolloidalen Anteil zu gewährleisten (Jülich u. Schmidt, 2012). Die Dotierung der Mineralkomposite mit Chitosan ist ein anspruchsvolles, aber aussichtsreiches Ziel. Daher kommen sowohl das Mineralkomposit als auch die Mineralkomposit-Chitosan-Zubereitung hauptsächlich für anspruchsvolle Zahnpasten des gehobenen Preisniveaus infrage. Zusammenfassung Die Mundschleimhaut ist eine erste Abwehrbarriere des Immunsystems. Da sich mit zunehmendem Alter die Immun-abwehr generell verschlechtert, ist auf Grund der steigenden Lebenserwartung der Bevölkerung mit einer zunehmenden Zahl von Patienten zu rechnen, bei denen Veränderungen der Mundschleimhaut auftreten, die infektiös bedingte Entzündungen der Mundschleimhaut begünstigen. In den hochindustrialisierten Ländern wird die natürliche Abwehrkraft der Mundschleimhaut darüber hinaus bei vielen Probanden durch falsche Ernährung, fehlende Bewegung und Reizüberflutung geschwächt. Daher werden prophylaktische Prinzipien immer wichtiger, die Systemische Orale Medizin · 2. Jahrgang 4/2013 9

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Wissenschaft sich ohne weiteren Aufwand mit dem täglichen Zähneputzen verbinden lassen. Akute virale Infektionen der oberen Atemwege gehören zu den am häufigsten vorkommenden Erkrankungen überhaupt. Eine Prophylaxe muss daher auch die Abwehrkräfte des Wirtes gegen Viren stärken und die Selbstheilungskräfte unterstützen. Eine Zuführung von Mineralkompositen mit hohem kolloidalem Anteil über das tägliche Zähneputzen fördert nach den vorgelegten Ergebnissen die Vitalität der Mundschleimhaut und setzt dadurch auch die Widerstandkraft gegen Virusinfektionen herauf. n Literatur Daniel, J. C. und R. Audebert: Small Volumes and Large Surfaces: The World of Colloids. In: M. Daoud und C. E. Williams (Hrsg.): Soft Matter Physics. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg Douglas H. Everett (1992): Grundzüge der Kolloidwissenschaften. Steinkopf Verlag Darmstadt Ganss, C (2013): Polyvalente Metallkationen und Biopolymere – innovative Wirkstoffe zu Erosionsprävention und -therapie. Symposium „Mundhygiene für eine moderne Lebensweise“ am 19. April 2013 in Basel Ishihara, M. (2002): Photocrosslinkable Chitosan Hydrogel as a Wound Dressing and a Biological Adhesive, Trends in Glycoscience and Glycotechnology, Vol. 14 No. 80, 331–341 Jülich, W.-D. und D. Schmidt (2012): Lagerstabile granulare Mineralkomposite mit hohem kolloidalem Anteil, Verfahren zu ihrer Herstellung und ihre Verwendung. DP-Anmeldung 10 2012 023 612.3 Lagaly, G. (2003): From clay minerals to colloidal clay mineral dispersions. In: B. Dobias (Hrsg): Coagulation and flocculations. Theory and applications. 2. ed. Decker New York Lindl, T u. J. Bauer (1994): Zell- und Gewebekultur, 3. Aufl. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, Jena, New York Park, H. J., Jung, S. T., Song, J. J., Kang, S. G., Vergano, P. J., Testin, R. F. (1999): Mechanical an barrier properties of chitosan-based biopolymer film. Kichin, Kitosan Kenkyu 5, 19-26 [Chem. Abstracts 131, 20503] Park, S und Y. Zhao (2004) Incorporation of a High Concentration of Mineral or Vitamin into Chitosan-Based Films. J. Agric. Food Chem. 52, 1933-1939 Pörksen, J und W.-D. Jülich (2010): Verfahren und Vorrichtung zum Nachweis von biologischen Langzeiteffekten in Zellen. PCT/EP2010/004002 Roussy, J, M. v. Vooren, E. Guibal (2005): Chitosan for the Coagulation and Flocculation of Mineral Colloids. J. Dispersion Science and Technology. 25 (5) Zyba, V. (2010): Wirkung von antiseptischen Mundspüllösungen auf die menschlichen Zellen der Mundschleimhaut. Diss Med. Fak Univ. Göttingen Autoren Doz. Dr. rer. nat. habil. Wolf-Dieter Jülich Jahnstr. 15 a 17489 Greifswald E-Mail: wjuelich@uni-greifswald.de Studium 1963-1968 Chemie an der Universität Greifswald Berufsabschlüsse 1968 Diplom-Chemiker 1974 Promotion zum Dr. rer. nat. 1981 Fachnaturwissenschaftler der Medizin 1986 Habilitation 1987 Facultas docendi 1990 Berufung zum Honorardozenten Tätigkeiten 1968-2001 Hygiene-Institut Greifswald (Landesgesundheitsamt) seit 2001 Lehrstuhl für Pharmazeutische Biologie, Institut für Pharmazie, Ernst-Moritz-ArndtUniversität Greifswald Ergebnisse der wissenschaftlichen Tätigkeit: 110 wissenschaftliche Originalarbeiten, 39 Beiträge zu Lehrbüchern und Monografien sowie Übersichtsarbeiten, 331 wissenschaftliche Vorträge im In- und Ausland, 82 Patentanmeldungen Doz. Dr. rer. nat. habil. Dieter Schmidt Friedrich-Krüger-Str. 18 17489 Greifswald E-Mail: schmidt-greifswald@t-online.de Studium 1958-1961 Geologie an der „Freien Universität“ Berlin 1962-1966 Mineralogie an der Universität Greifswald Berufsabschlüsse 1966 Diplom-Mineraloge 1975 Promotion zum Dr. rer. nat. 1982 Facultas docendi 1983 Habilitation 1984 Berufung zum Dozenten Tätigkeiten 1961-1962 mern 1966-1972 wald 1972-2000 ab 2000 Kollektor im Erdöl- & Erdgaskombinat GomInstitut für Mineralogie der Universität GreifsInstitut für Geologie der Universität Greifswald Gründungsgesellschafter der URST-GmbH Greifswald und Gründungsgesellschafter der PURMIN UG Ergebnisse der wissenschaftlichen Tätigkeit: 21 wissenschaftliche Originalarbeiten, 32 Forschungs- und Untersuchungsberichte, 9 Patentanmeldungen 10 Systemische Orale Medizin · 2. Jahrgang 4/2013

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Buchvorstellung Lehrbuch der Oralen Medizin Herausgeber: Prof. Dr. Erich Wühr MSc, Dr. med. dent. Wolfgang H. Koch Autoren: Dr. med. Frank Bartram, Tanja Blank, Dr. med. dent. Uwe Drews, Dr. med. dent. Wolfgang Funk, Hardy Gaus, Dr. med. dent. Wolfgang H. Koch, Dr. med. dent. Wolf-Dieter Seeher, Dipl.-Psych. Martin Simmel, Dr. med. Roland Werk, Dr. med. dent. Thomas Weidenbeck, Dr. med. dent. Ann Wittenberg, Prof. Dr. Erich Wühr MSc Verlag: Verlag Systemische Medizin , 1. Auflage 2013 ISBN 978-3-86401-005-7 Teil II umfasst acht Teilgebiete der Oralen Medizin. Grundlagen und Praxiskonzepte der Systemischen Zahnmedizin Quintessenz Die Herausgeber haben in hervorragend anschaulicher und übersichtlicher Art die Orale Medizin dargestellt und ihre zentrale Bedeutung in der Medizin des 21. Jahrhunderts hervorgehoben. Der Zahnarzt hat die ihm von vielen Seiten zugewiesene Nische – der Schmalspurmediziner und Handwerker im Mund zu sein – verlassen. Die Autoren haben in ihren Beiträgen bewiesen, dass systemisches Denken in der Medizin essentiell auch für die Ausübung der Zahnmedizin ist. Das „Lehrbuch der Oralen Medizin“ hält allen aktuellen wissenschaftlichen Kriterien stand. Mit diesem Buch wird dem eingeschränkten „scholastischen“ Denken, der einfachen Kausalität, eine Absage erteilt und die Zahnmedizin vom Kopf auf die Füße gestellt. Dafür kann ich mich auch persönlich nur außerordentlich bedanken. Dieses Buch ist ein Grundlagenbuch und Nachschlagewerk für alle Zahnärzte, Ärzte und Therapeuten, die sich um die Wiederherstellung der Gesundheit ihrer Patienten bemühen und bereit sind „über den Tellerrand“ ihrer erlernten Profession zu schauen und im Netzwerk zum Wohle ihrer Patienten zu wirken. N Ein Titel hält, was er verspricht un ist es soweit, ich halte das erste Lehrbuch der Systemischen Zahnmedizin in meinen Händen und bin begeistert. Selten habe ich ein Lehrbuch in so kurzer Zeit gelesen. Den Herausgebern ist es gelungen, in übersichtlicher Art und Weise ein Grundlagen- und Nachschlagewerk für Zahnärzte, die Ganzheitliche Medizin/ Naturheilkunde in ihren Praxen ausüben wollen, an die Hand zu geben. Im Teil I werden zunächst die Grundlagen der Oralen Medizin verständlich und in sehr übersichtlicher Gestaltung aufbereitet. Er beginnt mit den systemischen Grundlagen, den anatomisch-strukturellen und neuroanatomischen Basics, weiter über die Grundlagen der Toxikologie und Immunologie, der Schmerzmedizin, der Mikrobiologie, der Psychologie und Psychosomatik und endet mit einer Übersicht zur Anamnese. Die einzelnen Kapitel sind von verschiedenen Autoren geschrieben, was aber den Lesefluss nicht behindert, eher bereichert. Bestechend ist, dass dem Leser bereits in den „Grundlagenkapiteln“ praktische Hinweise und Hilfsmittel/Anamnesebögen angeboten werden. ·         Umwelt-ZahnMedizin und Umwelt-ZahnTechnik Parodontologie und Immunologie Kraniofaziale Orthopädie Systemische Restaurative Zahnmedizin Systemische Kieferorthopädie Oralmedizinische Prävention und systemische Kinderzahnheilkunde Schmerzzahnmedizin Psychische Erkrankungen und ihre Manifestation im Mundraum Die Autoren der Kapitel arbeiten in sehr anschaulicher Weise die einzelnen Themenbereiche der Oralen Medizin heraus und betonen den zentralen Stellenwert der Zahnmedizin in der Präventivmedizin, der allgemeinen Gesundheitsvorsorge der Bevölkerung. Teil III behandelt die Themen Organisation und Networking. Hier geben die Autoren nochmals wichtige Hinweise zur Umsetzung der Oralen Medizin in der Zahnarztpraxis und zum Aufbau eines Netzwerkes. Wie die Herausgeber im Nachwort feststellen, deckt die erste Auflage des Buches das Themenfeld der Systemischen Zahnmedizin noch nicht umfassend ab. Wichtige Themen werden mit den Folgeauflagen oder in einzelnen Titeln Zug um Zug ergänzt, hoffentlich unter aktiver Mitarbeit der Leser. Dr. med. Christel-Maria Foch Systemische Orale Medizin 2. Jahrgang 4/2013 11

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Praxis Bewusstsein und Geist Von ZA Franz Christians Bildquelle: Wikipedia Aus: Robert Fludd, Utriusque cosmi maioris scilicet et minoris […] historia, tomus II (1619), tractatus I, sectio I, liber X, De triplici animae in corpore visione. ihre Beziehung zur Komplementärmedizin Der Mensch stellt Fragen, kann aber nicht alle beantworten. Das liegt an seinen Erkenntnisgrenzen. nach Colin McGinn D ie Rolle des Bewusstseins im therapeutischen Geschehen rückt zunehmend in den Vordergrund. Wie Studien belegen, kommt dem Faktor Bewusstsein weit mehr Bedeutung zu, als ursprünglich angenommen. Betrachtet man die große Zahl von Testund Therapiegeräten, den sogenannten Mind-Matter-Interfaces, die heute in zahlreichen Praxen mit ganzheitlicher Ausrichtung zur Anwendung kommen, kann der Eindruck entstehen, dass Geräten bei komplementären Behandlungsmethoden der Vorrang vor bewusstseinsbasierten Heilungen eingeräumt wird. Was es im Einzelnen damit auf sich hat, soll im Folgenden näher erläutert werden. Der vorliegende Artikel beschäftigt sich mit der Verknüpfung von Bewusstsein und Geist mit Teilen der Komplementärmedizin. Bewusstsein    Ein Zustand, in dem man sich einer Sache bewusst ist, deutliches Wissen von etwas, Gewissheit Gesamtheit der Überzeugungen eines Menschen, die von ihm bewusst vertreten werden Gesamtheit all jener psychischen Vorgänge, durch die sich der Mensch der Außenwelt und seiner selbst bewusst wird Bedeutung: Philosophisch: Das Wissen von der eigenen Existenz, Selbstwahrnehmung als eigenständig denkendes Lebewesen  Geistig: Das Wissen von bestimmten Fakten, das Erinnern an bestimmte Ereignisse  Medizin: Zustand geistiger Wachheit, geistige Klarheit  Ethik: Summe der Überzeugungen und Standpunkte  Synonyme: Erkenntnis, Gewissheit, Vollgefühl, Wissen, Überzeugung, Ich-Bewusstsein, Besinnung, geistige Verfassung, Sinne. „Zum Bewusstsein kommen“ bedeutet, ein Gewissen bekommen; heißt wissen, was gut und böse ist; wobei Letzteres kulturkreisabhängig und von der jeweiligen Weltanschauung des Individuums geprägt ist. 12 Systemische Orale Medizin · 2. Jahrgang 4/2013

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Praxis Das Wesen des Bewusstseins Das Rätsel des Wesens des Bewusstseins ist seit den frühesten bekannten Erklärungsversuchen (Upanishaden, Plato, Aristoteles usw.) bis in die heutige Zeit, nicht gelöst worden. So nimmt Colin McGinn an, dass, wegen Bestehens von nicht ausschaltbaren Erkenntnis-Grenzen, bestimmte Probleme nicht oder nur unvollkommen gelöst werden können [11]. Im Griechischen gab es für Bewusstsein und Geist nur das Wort „logiké“. Das Wort „pneuma“ bezeichnete den „Geist“, die Seele. Im englischen Sprachraum sowie im Deutschen werden die beiden Begriffe aus philosophischer Sicht getrennt: „Consciousness“ für Bewusstsein und „Mind“ für den Geist. Wenn eine bewusstseinsbasierte Behandlung durchgeführt wird, geschieht dies in der Regel mit Hilfe eines sogenannten „Mind-Matter-Interface“, welcher Art auch immer. (Geist – Materie – Verbindung {Umsetzer}) die Mitarbeiter, positive Gestaltung der Praxisräume u. v. a. m., wird dagegen erst in zweiter Linie gesehen. Gerade im Bereich der bewusstseinsbasierten Heilweisen ist dieser geistige Teil der notwendigen (nonverbalen) Kommunikation unverzichtbar [4]. Aber, die meisten medizinisch Tätigen wurden während ihrer Ausbildung durch die von den Naturwissenschaften übernommene Ausgrenzung aller „geistigen“, als nicht messbar gefundenen Vorgänge, damit nicht vertraut gemacht. Das führt leicht zum Verkennen dieser Bedeutung für das Gelingen von Diagnose und Therapie. Somit fällt es den Therapeuten oft schwer, die Ausschlag gebende Rolle des bewussten Geschehens der (nonverbalen) Kommunikation überhaupt zu erkennen. Zusätzlich haben leider verschiedene Hersteller von Geräten zum Gebrauch im Bereich der bewusstseinsbasierten Bewusstsein in der Medizin Im Deutschen hat das Wort „Bewusstsein“ eine ambivalente Bedeutung: a) Eine mehr materielle Seite des Bewusstseins, als Adverb; z. B. „ich bin mir bewusst, dass …“ b) Eine immaterielle Seite als Notwendigkeit (auch unbewusst) für die (nonverbale) Kommunikation in der zwischenmenschlichen Beziehung, z. B. in der Beziehung Arzt zu Patient. In der Fortbildung im medizinischen Bereich wird leider allzu oft nur auf die mehr materielle Seite des Bewusstseins abgestellt: „Man solle sich z. B. bewusst machen, wie man den beruflichen Stress minimieren könne“ und andere nur auf den Therapeuten bezogene Fakten. Es wird fast nur die Befindlichkeit des Therapeuten/Arztes betrachtet. Das zwischenmenschliche Verhältnis, Empathie, „Geist“ in der Praxis, wie verhalten sich Abb. 1: Im Bewusstsein werden Daten zusammen geführt, evaluiert und daraus eine Entscheidung generiert. Diese wird dem Geist übermittelt, der für die Umsetzung in die materielle Wirkung verantwortlich ist. Eine Umgehung des Bewusstseins ist in „Notfällen“ möglich, (Input-shortcut, s. o.). – Die Rückkopplung dient der nachträglichen Kontrolle auf Übereinstimmung von Entscheidung und materieller Wirklichkeit. Systemische Orale Medizin · 2. Jahrgang 4/2013 13

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Praxis Heilweisen immer noch nicht den Mut gefunden, darauf hinzuweisen, dass der Erfolg dieser Heilweisen im Wesentlichen von der Fähigkeit des Therapeuten abhängt, die Kommunikation mit dem Patienten zu gestalten, und an das Bewusstsein des Patienten an zu koppeln, was im Allgemeinen über das therapeutische Ritual erfolgt [16]. Zur Erhöhung der Erfolgsquote sind als wesentlich die verwendeten Geräte (rituelle Gegenstände mit entsprechendem Ritus) anzusehen [8, 10]. Das Bewerben dieser Geräte durch Gebrauch von hochtrabenden physikalischen und technischen Termini ist sehr häufig nicht oder nur beschränkt in der Wirkung nachweisbar. Wichtig ist hier ebenfalls der Glaube des Patienten, dass der Therapeut ihn heilen oder ihm zumindest wesentlich helfen kann [2, 3, 6, 7]. Folgerung Das Bewusstsein ist der Entscheidungsfinder und Entscheidungsträger. Hier werden „Daten“ aus Umwelt (sensorisch) und dem Gedächtnis (Kurz- und oder Langzeitgedächtnis) zusammengeführt, durchdacht und evaluiert. Der Vorgang findet seinen Abschluss in der Entscheidung. Diese wird im Normalfall (Gleichgewicht zwischen linker Hirnhälfte {logische} und rechter Hirnhälfte {kreative}) durch die Zusammenarbeit beider Hirnhälften erreicht. Je nach etwa vorhandenem Ungleichgewicht spricht man von einer überwiegenden „Kopfentscheidung“ oder einer Entscheidung „aus dem Bauch“ heraus. Mit der Entscheidung wird durch Beteiligung des Geistes (englisch: Mind) die Umsetzung aus dem immateriellen geistigen Konstrukt in die materielle Wirklichkeit (englisch: Matter), vollzogen. Verschiedene deutschsprachige Autoren sprechen dann von Beteiligung einer sogenannten „feinstofflichen Energie“. Im Englischen steht hierfür der Ausdruck „subtle energy“. Die korrekte Übersetzung wäre „subtile Energie“; außerdem ist der Ausdruck „feinstoffliche Energie“ eine Contradictio in se: Energie ist nicht stofflich, weder fein noch grob. Unter besonderen Umständen, plötzliche Gefahr oder dergleichen, scheint es vorzukommen, dass ein solches Geschehen den Geist, unter Umgehung des Bewusstseins, direkt anspricht (s. auch Abb. 1), die Wirkung also besonders schnell zu Stande kommt. Das kann unter Umständen lebensrettend sein. In der Regel hat der betreffende Mensch anschließend auch keine oder nur vage Erinnerung an den besonderen Vorgang (spielt für die Einschätzung von Zeugenaussagen eine große Rolle). Nach Eintritt der materiellen Wirkung findet zur „Kontrolle“ eine Bewertung des Ergebnisses im Vergleich zur Entscheidung des Bewusstseins statt (Rückkopplung führt bei Ungleichheit im Idealfall zu einem Lernprozess). Der Weg vom ersten Fassen eines Gedankens bis zur materiellen Wirkung führt somit über die immaterielle Stufe des Überlegens, mit Evaluierung und Entscheidung, über die Vermittlung des Geistes zur materiellen Wirkung. Letztere kann im Gegensatz zu den immateriellen Durchgangsstadien naturwissenschaftlich gewichtet werden. (Z. B. durch bildgebende Verfahren {fMRT} [2, 3] und/oder Darstellung {Isolierung} von Neurotransmittern und deren Rezeptoren) [12]. Bewusstsein und Geist entziehen sich jedoch einer naturwissenschaftlichen Überprüfung. Der eigentliche „Wirk-Mechanismus“ bei der Umsetzung von Immateriell zu Materiell, d. h. im lebenden Organismus, entzieht sich bisher der Erkenntnis: „Was macht der Geist, damit die Umsetzung ins Materielle geschieht?“ [11]. In Studien wurde festgestellt, dass z. B. Emotionen nicht Folge oder Auslöser der beobachteten bio-chemischen Reaktionen sind. Beide treten simultan auf [9, 12]. Alle Heilweisen der Komplementärmedizin, die ohne nachweisbare Wirkungskomponenten eingesetzt bzw. vom Be- Autor ZA Franz Christians • Jahrgang 1934 • 1960 -1966 Studium der Zahnheilkunde, Universität Köln • 1966 Approbation • 1966 -1967 Assistent in chirurgischer Abteilung der Univ. Zahnklinik, Köln • 1967-1968 Assistent in Zahnarztpraxis • 1968 -2001 Gemeinschaftspraxis mit Ehefrau Carin in Essen • Ab 1971 Fortbildung im In- und Ausland; Schwerpunkt: Rehabilitation. Soviel, wie nötig, so wenig, wie möglich • Übersetzung zweier Fachbücher aus dem Amerikanischen • Ab Ende der 1970er-Jahre Fortbildung in ganzheitlicher Zahnheilkunde • Nach Praxisübergabe selbst-ständige Tätigkeit in befreundeter Praxis bis 2008 Franz Christians Marktplatz 8, 85250 Altomünster E-Mail: christians.f@t-online.de 14 Systemische Orale Medizin · 2. Jahrgang 4/2013

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Praxis wusstsein gesteuert werden, gleichgültig welcher speziellen Methoden sie sich bedienen (z. B. Radionik, Bioresonanz-, Informations-, Energie- und Frequenz-Medizin usw.) sind unter dem Oberbegriff Bewusstseinsmedizin zu sehen. Natürlich ist auch bei der sogenannten „universitären Medizin“, die Pharmaka mit starken Nebenwirkungen verabreicht, die Rolle des Bewusstseins mit im Spiel (Placebo-, Nocebo-Effekt). Jede ärztliche Handlung, und allgemein, jedes menschliche Verhalten, ist gekennzeichnet durch eine spezifische und eine unspezifische Wirkung. Die spezifische Wirkung ist die materiell nachweisbare Seite, also z.B. die pharmakologische Wirkung, oder eine Massage. Der unspezifische Teil der Wirkung ist der immaterielle Teil, also alles, was nicht greifbar ist und sich als förderlich oder hinderlich für den weiteren Verlauf der Behandlung erweist. (Eintritt der Placebo- oder Nocebo-Wirkung ) [4]. Bis vor relativ kurzer Zeit wurden Placebo-Wirkungen durch die „universitäre“ Medizin als negativ eingeschätzt. In letzter Zeit findet dort jedoch ein Umdenken statt, da sich herausgestellt hat, dass auch bei einer Verum-Behandlung durch den Placebo-Effekt eine z.T. erhebliche Dosisverminderung, weniger schädliche Nebenwirkungen und geringere Kosten daraus resultieren [3]. Literatur [1] Christians, F.: Bioresonanz-Faszination, Wirkung und Realität CO´MED 10/2011 [2] Christians, F.: Bioresonanz kritisch hinterfragt: Eine Analyse von Franz Christians in psychophysik.com, Blogbeitrag zur Forschungslage „Placebo in der Medizin“ [3] Christians, F.: Geistbasierte Heilkraft, Systemische Orale Medizin 2. Jhrg. 1/2013 [4] Dellmann, T./Lushington, K.: How can complementary medicin practitioners enhance non specific effects? Journ. Of The Traditional-Medicin Society 2008:14(1):13-17 [5] Dürr, H. P./Oesterreicher, M.: Wir erleben mehr, als wir begreifen. Herder Spectrum 2001 [6] Faulstich, J.: Taschenbuch/Film „Rätselhafte Heilung“, 15.11.2006 [7] Faulstich, J.: Taschenbuch/Film „ Das Geheimnis der Heilung“, Knaur-MensSana 2012 [8] Grösser, H.: Interview mit Dr. Dr. W. von Lucadou CO´MED 6/98 [9] Lipton, B.: Intelligente Zellen, S.129 ff KOHA V, 2. Aufl. 2006 [10] Lucadou, Dr. Dr. W. von: Die Magie der Pseudomaschine in: Belschner, J. Galuska, H. Walach, E. Zundel (Hrsg.): Transpersonale Studien 5, Univ. Oldenburg 2002 [11] McGinn, Colin: Wie kommt der Geist in die Materie? de Gruyter 2001 [12] Pert, Candace B.: Moleküle der Gefühle Rowohlt TB Verlag 11/2001, 4. Auflg. 5/2011 [13] Senkowski, Dr. E.: Nachruf George Meek CO´MED 7+8/99 [14] Senkowski, Dr. E.: Bewusstseins geprägte Strukturen in der Medizin CO´MED 11/99 [15] Scofield, Dr. T.: Das radionische Prinzip (Bewusstsein über Materie) Teil 1 + 2 CO´MED 08/06 [16] Grösser, H.: Interview mit Kuby, C.; Heilung aus dem Geist, in: „Geist und Gehirn“ 31.01.2002 [17] Bei Frau Claudia Reimer der GZM-Geschäftsstelle bedanke ich mich sehr herzlich für ihre Unterstützung bei der Anfertigung der Grafik. Fazit Die „universitäre“ und die komplementäre Medizin sind als zwei Teile einer Gesamt-Medizin zu verstehen. Es ist wie mit einer Münze, deren zwei Seiten auch nur dann widerspruchslos erscheinen, wenn man davon ausgehen kann, dass die zwei Seiten der Münze dieser inhärent sind. Diese Sichtweise hat sich auch in der sogenannten Quantenphysik gezeigt, wenn sich widersprechende Eigenschaften, wie z. B. beim Licht (Quanten- und Wellen-Natur) nicht anders erklärt werden können. Es wäre zu begrüßen, wenn diese Erkenntnis als Allgemeingut der Medizin anerkannt würde. Systemische Orale Medizin · 2. Jahrgang 4/2013 15

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