Stadtteilzeitung Steglitz-Zehlendorf - Oktober 2013

 

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Nr. 171 • Oktober 2013 • 17. Jahrgang Nr. 171 • Oktober 2013 • 17. Jahrgang • Zeitung des Stadtteilzentrum Steglitz e.V. • Ostpreußendamm 159 • 12207 Berlin Fotos: Deutscher Kinderschutzbund - Susanne Tessa Müller Liebe Leserinnen und Leser, Armut ist relativ. Armut in Afrika oder in Südamerika sieht anders aus als Armut in Osteuropa. Armut in den USA anders als in Deutschland. Verglichen mit den Armen in vielen anderen Gegenden der Welt geht es - so sagen es Konservative wie der ehemalige BDI Präsident Hans-Olaf Henkel - „unseren Armen“ vergleichsweise gut. Ihr Überleben wird vom Sozialstaat gesichert; es wird auf „hohem Niveau gejammert“. So die Kritik an der Armutsdiskussion in Deutschland. Armut kann man aber nur verstehen, wenn man sie in ihrem jeweiligen gesellschaftlichen Kontext betrachtet. Dann sehen wir, dass es in unserem Land, in unserer Stadt und auch in Steglitz-Zehlendorf viele Menschen gibt, die weit weniger an Geld und Ressourcen zur Verfügung haben als der Durchschnitt der Bevölkerung. Das, was sie haben, reicht oftmals nicht mehr, um ein menschenwürdi- Leitthema „Armut“ – Warum? werden sich einige fragen. Das hat sich für uns in der Redaktion ziemlich schnell beantwortet. Auch wenn es schwierig anmutet, die Beiträge für diese Ausgabe waren schnell gefunden, die Bereitschaft uns Beiträge zu schreiben sehr hoch und so auch die Seiten schnell gefüllt. Der Deutsche Kinderschutzbund hat uns Bilder und einen Beitrag zur Verfügung gestellt, der Verband für sozial-kulturelle Arbeit ist dabei, der Geschäftsführer des PARITÄTISCHEN Gesamtverbandes, die Jenny De la Torre Stiftung und viele mehr. Selbst in diesem vermeindlich reichem Bezirk von Berlin stößt man immer wieder auf das Thema „Armut“, besonders in der sozialen Arbeit, aber auch im täglichen Leben beim Einkaufen, an der Bushaltestelle, auf den Ämtern. Sind Sie schon einmal angesprochen worden, ob Sie etwas zu essen oder einen Euro übrig haben? Das Beängstige ist – es kann uns alle treffen! Das Tröstliche – jeder von uns kann seinen Teil dazu beitragen, es etwas besser zu machen für all diejenigen, die es schon getroffen hat. Möglichkeiten gibt es sehr viele – suchen Sie sich eine aus. ges Leben zu führen, Kinder werden ausgegrenzt, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben durch hohe finanzielle Hürden erschwert. In keinem Land Europa ist der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft, Zugang zu Bildungsangeboten und Armut so ausgeprägt wie in Deutschland. Arme Kinder haben schlechte Bildungschancen, wachsen unter schwierigen Bedingungen auf und finden keinen Zugang und keine Chance zu gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Erfolg. Kinder armer Eltern werden Eltern armer Kinder. Diesen Teufelskreis wollen - müssen - wir durchbrechen. In einigen Kiezen unseres reichen Bezirkes liegt die Kinderarmut bei rund 50%. Diesen Kindern und ihren Familien Zugang zu Bildung, Kultur, Freizeitangeboten und gesellschaftlichem Leben zu ermöglichen, ist ein Hauptauftrag der Kinder-, Jugend- und Familieneinrichtungen des Stadtteilzentrum Steglitz - aber auch von vielen anderen Projekten und Einrichtungen im Bezirk. Diese Ausgabe der Stadtteilzeitung bietet einen guten Überblick über die vielen Facetten von Armut und die Vielfältigkeit der Angebote um diese zu beseitigen und die Folgen abzumildern. Mit Spenden für einzelne Projekte unseres Vereins können Sie einen Beitrag zur Unterstützung der Arbeit des Stadtteilzentrums leisten - und das nicht nur zur Weihnachtszeit … Herzliche Grüße von Haus zu Haus Thomas Mampel Geschäftsführer Leben auf der Straße – leben im Abseits Immer wieder sind in den Medien Berichte und Reportagen über Obdachlose in unseren Großstädten zu lesen, Stätten des Wohlstandes und Überflusses. Es werden Zahlen genannt und Bilder gezeigt, die uns berühren und nachdenklich machen sollen. Besonders dann, wenn der Winter naht und es kalt wird da draußen auf der Straße. Wenn wieder warme Kleidung gesammelt wird und die heiße Tasse Tee, der Teller heiße Suppe oder eine Übernachtung im warmen Gemeinschaftssaal überlebenswichtig werden. Die Kälte wird am meisten gefürchtet. Da sitzen Menschen einzeln, nie in Gesellschaft anderer, auf dem Boden auf dünnen Decken, im Winter oftmals nur notdürftig warm bekleidet. Manche werden von einem Hund gewärmt, der sich dicht an sie presst. Sie haben eindeutig das bessere Los unter ihresgleichen gezogen: Ein treues Tier begleitet ihr Leben auf der Straße. Sie sind nicht allein. Sie bitten stumm oder mit Worten auf ein Stück Pappe gekritzelt um Geldspenden für sich und ihren Vierbeiner. Die Leute hasten vorüber, kaum einer schaut nach unten, wohin das Schicksal die Wohnungslosen verwiesen hat. Wenige werfen etwas in die bereit liegende Mütze oder sonstigen Behältnisse, meist ohne einen Blickkontakt zu suchen. Man gibt, wenn überhaupt, wortlos und rasch im Vorbeigehen. Es scheint so, als wäre dem Spender sein Tun irgendwie peinlich. Vielleicht nach dem zynischen Motto: „Deine Armut kotzt mich an.“ Ein begehrter Platz ist der neben der Tür einer Bank. Vermutlich besteht die Hoffnung, dass Leute, die gerade Geld geholt haben, eher spenden als solche, die welches im Supermarkt ausgegeben haben. Aber auch hier gehen die Meisten vorbei, ohne etwas zu geben. Es herrscht wohl allgemein die Ansicht, wer da unten gestrandet ist, hat das selbst zu verantworten und soll bitte die da oben nicht belästigen. Wer nicht arbeitet und nur bettelt, muss sehen, wie er klarkommt. „Und überhaupt wird das Geld sicher sowieso nur in Alkohol umgesetzt!“ Die unterschiedlichsten Schicksale und Geschichten Obdachloser könnten bestimmt Bände füllen, wenn sie jemanden interessieren würden. Eine davon erzählte ein ehemaliger Obdachloser in einem Interview. Er schilderte, wie es zu seinem Abstieg aus aufreibender, erfolgreicher Selbständigkeit als Event-Manager runter auf die Straße kam. Das ging ganz einfach: Burnout durch Stress, langer Krankenhaus-Aufenthalt, danach Reha, dann Job weg, kein Geld für die teure Wohnung, Wohnung weg, und schon landete er auf der Straße. Was denn das Schlimmste am Straßenleben war, wurde er gefragt. Erstaunlicherweise war es nicht der Verlust von Hab, Gut und Geld. Am schlimmsten fand er das Wegbrechen der sozialen und Freundes-Kontakte. Zu Anfang gab es da noch Anteilnahme, Mitgefühl und Unterstützung. Doch nach und nach zogen sich die Freunde zurück, bis sie schließlich ganz aus seinem Leben verschwanden. Er passte nicht mehr zu ihnen, zu ihrem Wohlstand, ihrem Gedankengut, ihren Interessen, die vor Kurzem auch noch seine waren. Seine >> Seite 4 neuen Probleme,

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Nr. 171 • Oktober • 17. Jahrgang Jenny De la Torre – „Engel der Obdachlosen“ Am 12. Dezember 2012 feierte die Jenny De la Torre-Stiftung ihr 10-jähriges Jubiläum. Für die Menschen, die dringend auf die Hilfe der Stiftung angewiesen sind, ist es so wichtig zu wissen, dass es sie gibt! Hier finden Obdachlose eine niedrigschwelle ärztliche Hilfe, das heißt, es wird ihnen ohne abschreckende Bürokratie geholfen. Ziel der peruanischen Ärztin ist aber nicht nur die ärztliche Versorgung der Obdachlosen, sondern dauerhafte Hilfe, letztlich will sie die Menschen „von der Straße wegbekommen.“ Das schafft kein Mensch allein und deswegen hat sie die Hilfe vieler ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie anderer Ärzte. Auch eine Kleiderkammer gibt es und einen Essensraum, in dem regelmäßig Gelegenheit gegeben wird, sich zu treffen. „Wir wollen eine Beziehung zu den Menschen aufbauen“ sagt die Ärztin, die einstmals aus Peru kam und in der DDR Medizin studierte. Eigentlich wollte sie armen Menschen in den Slums ihres Heimatlandes helfen, doch in Peru wurde ihr Hochschulabschluss aus der DDR nicht anerkannt und so kam Jenny De la Torre in das inzwischen wiedervereinigte Deutschland zurück und half zunächst am Berliner Ostbahnhof den Obdachlosen, die sich dort regelmäßig aufhielten. Schnell sah sie, dass der Bedarf groß und der Platz, den sie am Ostbahnhof hatte, zu klein war. So gründete sie mit dem Geld eines Preises eine Stiftung und fand schließlich das Haus in Berlin Mitte, das inzwischen der Stiftung gehört und in dem das Gesundheitszentrum untergebracht ist. Es ist nicht nur Anlaufstation für viele Menschen in Not, sondern auch für Delegationen aus ganz Deutschland, anderen Ländern und sogar anderen Kontinenten, die sich hier ein Beispiel dafür ansehen, wie mit einem rein auf Spendenbasis aufgebautem Projekt so vielen Menschen so umfassend und unbürokratisch geholfen wird. Viele weitere Preise und Auszeichnungen hat das Projekt und hat die Ärztin inzwischen bekommen, 2006 war sie „Berlinerin des Jahres“. Das Gesundheitszentrum ist stabil, da es ja der Stiftung gehört, und so sind erstmal die größten Sorgen aus dem Weg geräumt, was die Existenz der Stiftung selbst angehört. Aber es ist eine ständige Anstrengung, das nötige Geld für den Betrieb aufzubringen und genügend Spender zu finden. Rund 200.000 Euro benötigt das Zentrum jedes Jahr und für mehr Geld wäre auch immer Bedarf, sei es, was das Gebäude selbst und seinen Zustand angeht, seien es medizinische Gerätschaften und Medikamente. „Ohne die finanzielle und ehrenamtliche Mitwirkung vieler Menschen hätten wir diesen Jahrestag gar nicht feiern können“, sagte sie denn auch zum zehnjährigen Jubiläum. Der Jahrestag gab Anlass, den bisherigen Einsatz des ganzen Teams in Zahlen darzustellen: In den ersten 10 Jahren gab es 2.764 Erstkonsultationen und 15.843 Konsultationen insgesamt, davon 13.116 männliche (83%), aber auch 2.727 weibliche (17%). Diese Arztbesuche fanden statt bei inzwischen sieben ehrenamtlichen Fachärzten (drei Dermatologen, zwei Orthopäden und zwei Internisten) und Foto: Thomas Gutsche Dr. Jenny De la Torre am Tag der offenen Tür vor dem Gebäude des Gesundheitszentrums, hier vom schönen Garten aus gesehen, der in das Gesundheitszentrum integriert ist indem er die Möglichkeit zum Verweilen und Ausruhen gibt. Jenny De la Torre selbst. Weiterhin gibt es eine ehrenamtliche Zahnärztin mit Zahnarzthelferin, eine Augenärztin und eine Psychologin. Eine Sozialarbeiterin und Anwälte helfen ebenfalls mit. Sehr beliebt sind auch die Dienste der Friseurin. Aber an Plänen für weitere Hilfen besteht kein Mangel: So sollen die Hausbesuche ausgebaut werden und die Begleitungen auf Ämter und Behörden. Denn, wie gesagt, im Gesundheitszentrum in Berlin Mitte werden die Obdachlosen nicht nur medizinisch versorgt, sondern viele von ihnen werden von De la Torres Team auch bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft unterstützt. Die Integration setzt einen dauerhaften Wohnsitz voraus, der außerdem eine erforderliche medizinische Nachsorge erleichtert. Diese Integration und die damit verbundene Sesshaftigkeit sind aber häufig von vielen Komplikationen begleitet. Durch den vorherigen intensiven Kontakt im Gesundheitszentrum zwischen den Patienten und ihren Betreuern können aufkommende Probleme schon im Vorfeld abgefangen werden. Wenn Sie glauben, dass Sie vielleicht helfen können mit Geld und oder Engagement, so rufen Sie am besten an unter (030) 288 8459 80 oder schreiben Sie eine Mail an info@delatorre-stiftung. de . Auch wenig hilft: Ein extra für diesen Zweck gegründeter Verein sammelt kleine Geldspenden und überweist sie zu 100 Prozent an die Stiftung weiter: Der Verein 1000 mal 1 Euro e. V. Thomas Gutsche 1000 mal 1 Euro e.V. Stadtteilzeitung: Thomas Gutsche, sie arbeiten als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundestag. Wie kamen Sie darauf, sich ehrenamtlich für die Ärmsten in unserer Gesellschaft einzusetzen? Thomas Gutsche: Eigentlich wollte ich schon immer ehrenamtlich karitativ tätig sein, aber wie das so ist, man hat viel auf der Arbeit zu tun und dann ist da noch die Familie, sind die Kinder… kurzum, man hat wenig Zeit und auch nicht viel Geld und schiebt es immer weiter hinaus. So war es jedenfalls bei mir. Bis ich eines Tages sehr krank wurde und mir dachte, wenn ich wieder gesund werde, will ich keine Ausreden mehr gelten lassen und engagiere mich, auch wenn ich wenig Zeit und Geld zur Verfügung habe, aber damit will ich dann etwas Gutes tun. Und wie kamen Sie dann darauf, die Jenny De la Torre-Stiftung zu unterstützen? Da ich den Entschluss während meiner eigenen Krankheit gefasst hatte, lag es nahe, etwas für andere Menschen zu tun, die auch krank sind, aber aufgrund weiterer ungünstiger Umstände nicht so ohne weiteres Hilfe finden. Da kam mir Jenny De la Torre in den Sinn, von der la Torre und ihrem Team von der Idee. Die fanden das aber gar nicht gut und schlugen die Hände über dem Kopf zusammen: Als Stiftung unterliegen sie besonders scharfen rechtlichen Bestimmungen. Sie müssten jeden einzelnen Euro so aufwändig verbuchen, dass sie praktisch nur damit beschäftigt wären und das ist natürlich nicht der Sinn der Sache. Und darum gründeten Sie den Verein? Richtig, ich fragte Freunde, die teilweise schon bei der Arbeiterwohlfahrt engagiert waren, und zusammen gründeten wir den Verein, der als gemeinnützig anerkannt ist. Wir sammeln die Spenden und stellen nur auf ausdrücklichen Wunsch der Spender eine Quittung darüber aus. Einmal im Jahr überweisen wir dann den gesamten Betrag an die Stiftung, die dadurch nur wenig Aufwand hat. Unsere Ausgaben decken wir aus der eigenen Tasche. Vielen Dank! Wer jetzt den Wunsch verspürt, die Stiftung durch regelmäßige Kleinspenden oder, bald ist ja schon wieder Weihnachten, auch durch eine Einzelspende zu unterstützen, der kann das über den Seite 2 Verein tun und findet ihn im Internet unter www.1000mal1euro.de sowie auf der Spendenplattform betterplace. org (http://www.betterplace.org/de/ projects/11212-1000-mal-1-euroe-v). Hier die Kontodaten: Kontoinhaber: 1000 mal 1 Euro e.V. Zweck: Jenny De la Torre-Stiftung Bank: GLS-Bank Konto-Nr.: 1141480700 BLZ: 430 609 67 Für das SEPA-Verfahren, ab 2014: BIC GENODEM1GLS IBAN DE44 4306 0967 1141 4807 00 ich schon gehört hatte. Ihr Verein sammelt Kleinspenden, am liebsten Daueraufträge über einen Euro im Monat, und überweist sie dann an die Stiftung. Warum werben Sie nicht gleich dafür, Geld an die Stiftung zu überweisen? Genau das hatte ich erst vor. Ich dachte ich versuche 1000 Menschen zu finden die monatlich einen Euro an die Stiftung überweisen. Dann erzählte ich Jenny De

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Nr. 171 • Oktober 2013 • 17. Jahrgang Pascal ist eines von knapp 1.500 Kindern, die der Berliner Kinderschutzbund in seinen Projekten im Bezirk Wedding betreut und fördert. Kinderarmut begegnet uns hier täglich. Von „unseren“ Kindern leben knapp 90 Prozent in Familien, die nicht allein für ihren Lebensunterhalt sorgen können. Bei vielen Kindern merkt man jedoch auf den ersten Blick wenig davon. Entgegen vieler Vorurteile gegenüber armen Familien, tun die meisten alles für ihre Kinder und dafür, dass es ihnen gut geht. Doch das erfordert Kraft und wahre Manager-Qualitäten. Stundenlanges Sitzen in Ämtern; von A nach B und C geschickt werden; immer wieder neue Unterlagen vorlegen; schier endlose Formulare verstehen und ausfüllen; täglich Preise und Angebote vergleichen, um möglichst an gutes aber günstiges Essen, vernünftige Kleidung oder Möbel heranzukommen – das sind nur einige der Dinge, die es zu meistern gilt. Und immer und überall treffen arme Familien auf Vorurteile und dürfen bei all dem nicht die Hoffnung verlieren. Fotos: Deutscher Kinderschutzbund Jetzt ist Pascal wieder gesund. Doch bis vor kurzem lag er noch im Krankenhaus – immerhin zwei Wochen – ohne Eltern und Geschwister. „Aber das war cool“, erzählt er bei einem Ausflug mit dem Kinderschutzbund. „Da brauchte ich nur klingeln und dann kam eine Frau und ich durfte mir etwas wünschen. Ich habe mir immer einen Kakao gewünscht und den hat mir die Frau dann auch gebracht!“ Kinderarmut Von Träumen und einer Hose unter dem Kopfkissen kreative Lösungen im Sinne der Kinder zu finden – und glücklicherweise haben wir tolle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die diesen Gedanken mittragen. In den vergangenen Winterferien verbrachte eine Kinderschutzbund-Gruppe einen Vormittag auf der Eisbahn. Vor lauter Begeisterung, endlich einmal Schlittschuhlaufen zu können, vergaß der achtjährige Luka glatt rechtzeitig auf Toilette zu gehen. Seine Hose war nass und es war kalt. Natürlich hatte er keine Ersatzsachen dabei. Eine der Kolleginnen zögerte nicht lange und besorgte in einem Laden um die Ecke im Ausverkauf eine neue Hose. Für die Kollegin eine Selbstverständlichkeit – für den Zweitklässler etwas ganz besonderes. Eine Woche später verriet er der Erzieherin: „Ich schlafe jetzt immer mit der Hose unter meinem Kopfkissen. Denn wenn ich die in den Schrank lege, nimmt sie sich einer meiner Brüder. Das ist meine erste ganz eigene Hose und auf die passe ich auf.“ Deutscher Kinderschutzbund LV Berlin e.V. Malplaquetstraße 38, 13347 Berlin Telefon 030 - 45 80 29 31, www.kinderschutzbund-berlin.de Starke Kinder brauchen eine starke Lobby. Bank für Sozialwirtschaft Kontonummer: 318 21 00, Bankleitzahl: 100 205 00. Was viele Menschen nicht wissen - das Essen muss zu den normalen Betreuungsbeiträgen selber bezahlt werden. Für viele Eltern mit einem oder mehreren Kindern nicht machbar, was dazu führt, dass Kinder nicht in Kita oder Hort angemeldet werden. Auch an dieser Stelle helfen soziale Einrichtungen und Instututionen, die wiederum auf Spenden angewiesen sind, um dies leisten zu können. Eine gemeinsame Malzeit gehört für viele Kinder längst nicht mehr zu den Selbstverständlichkeiten des Lebens. Eine Tatsache, die es in einem vermeindlich reichem Land wie Deutschland gar nicht geben dürfte. So erzählt beispielsweise eine junge, alleinerziehende Mutter der Kollegin von der Beratungsstelle ihre „Geschichte“: „Klar, das Grundsätzliche zum Leben haben wir schon, auch wenn es zum Ende des Monats vielleicht nur Brot und Margarine gibt.“ Es zehre an ihren Nerven, jeden Euro zweimal umdrehen zu müssen und genau zu entscheiden, wofür er am besten ausgegeben werden soll. „Das Schlimmste ist“, berichtet sie weiter, „dass ich mir nicht vorstellen kann, dass wir auch mal Geld haben sollen. Es war schon immer so bei mir. Meine Eltern haben immer versucht so zu tun, als wären wir nicht arm. Und ich hatte auch immer Kleidung, Schulmaterialien und zu essen. Aber in der Schule war mir dann recht schnell klar, ich gehöre nicht zu den Normalen. Man wird ganz schön einsam, wenn man so außen vor ist. Und irgendwie habe ich immer die Hoffnung gehabt, wenn Seite 3 ich groß bin, werde ich das ändern.“ Ihren Schulabschluss hat die junge Frau gemacht und im Anschluss eine Lehre. Kurz darauf wurde sie schwanger. Derzeit besucht sie eine Weiterbildungsmaßnahme, die aber demnächst ausläuft. „Seit meine Tochter auf der Welt ist, versuche ich, mich mit ihr durchzuschlagen. Ich würde gerne arbeiten und alleine für mich und meine Tochter sorgen können und nicht immer aufs Amt angewiesen sein. Ich hoffe, dass, wenn sich meine Kleine richtig in die Schule eingefunden hat, ich dann bald eine Stelle finde. Es wäre ja auch für uns beide ganz gut, wenn wir unsere eigenen Wege hätten; oder klingt das komisch? Aber meine Träume kann mir halt keiner wegnehmen!“ In die Beratungsstelle des Berliner Kinderschutzbundes kommen täglich Menschen mit sehr unterschiedlichen Problemen. Armut ist nur eines davon. Manche von ihnen haben noch nicht einmal mehr Träume. Immer wieder hören wir, das Schlimmste sei, sich überall entblößen und erklären zu müssen. Bei den Ämtern, vor den Lehrern, in der Kita und, und, und. Auch für die Kinder ist das – meist mit zunehmendem Alter – immer schwieriger. Kürzlich rief eine verzweifelte Mutter bei uns an. Sie wisse langsam nicht mehr, was sie mit ihrer Tochter machen solle. Seit längerem kommt die Vierzehnjährigen nach der Schule total ausgehungert nach Hause – und das, obwohl es in der Schule täglich ein gutes und gesundes Mittagessen gibt. Auf Nachfrage gestand die Tochter, dass es ihr zu peinlich sei, bei der Essensausgabe vor ihren Freundinnen den „berlinpass“ vorzuzeigen. Der berechtigt sie, vergünstigt zu essen, zeigt also: „Ich bin arm!“. Das Essen zum „normalen“ Preis kann sich die Familie nicht leisten. Also verzichtet das Mädchen lieber ganz auf eine warme Mahlzeit. Wer arm ist, wird gezwungen, dies immer und überall öffentlich zu machen. Beim Kinderschutzbund wünschen wir uns, dass sich niemand schämen muss, wenn er oder sie arm ist. In unserer Kita gibt es beispielsweise einen großen Fundus an neuer Winterkleidung. So muss sich niemand rechtfertigen, wenn es gerade nicht für einen neuen Schneeanzug gereicht hat und alle „unsere“ Kinder kommen trotzdem in der kalten Jahreszeit regelmäßig raus an die frische Luft. Dies ist nur eines von vielen Beispielen, wie wir versuchen, Drei-Gänge-Menue für Kinder - 1 €, Eltern - 1,50 €. Kleider für Kids Das Klamöttchen im Kinder-, Jugendund Nachbarschaftszentrum hat seine Türen wieder geöffnet. Kleider, Spielzeug und vieles mehr kann für eine Unkostenpauschale von 0,50 € erworben oder getauscht werden. Wir suchen weiterhin ehrenamtliche Unterstützung sowie Sachspenden – gut erhaltene Kindersachen, Spielund Schulsachen. Öffnungszeiten: Montag + Freitag, 10.00 - 15.00 Uhr Dienstag + Donnerstag, 12.30 - 17.00 Uhr, Mittwoch geschlossen. KiJuNa Scheelestraße 145, 12209 Berlin Das Klamöttchen im KiJuNa Wieder eröffnet!

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Nr. 171 • Oktober • 17. Jahrgang Macht doch bitte die Augen auf! Wenn Sie in diesen Tagen ein viel zu dünn angezogenes Kind sehen, denken Sie sicherlich unwillkürlich, dass es zu diesen ungezogenen Kindern gehört, die einfach nicht auf ihre Eltern hören wollen und sich angemessen anziehen. Haben Sie im ersten Gedanken auch schon einmal erwogen, dass dieses Kind eventuell nicht ausreichend warme Kleidung besitzt? In unseren Einrichtungen begegnet uns Armut sehr oft in Form von Mangel. Wir sehen Kinder, die nicht dem Wetter entsprechend gekleidet sind. Uns begegnen Kinder, die am Flötenunterricht nicht mitmachen, weil eine günstige Flöte vom Billigladen keine guten Töne von sich gibt. Wir hören von Kindern, die im Sportunterricht nicht mitmachen, weil sie sich nicht die richtigen Hallenturnschuhe leisten können oder die Geschwister zeitgleich die Sportsachen benötigen. Kinder, die eingeschult werden, sehen gleich auf der ersten Materialliste für die Schule, dass die LehrerInnen gute, also teure Stifte und Materialien erwarten. Eltern bekommen schnell mit, dass die altersund rückengerechten Schulranzen nicht bezahlbar sind. Schon gar nicht, wenn da mehr als ein Kind zuhause auf die richtige Ausstattung wartet. Wir erleben Eltern, die jeden Monat auf´s neue überlegen müssen, wie sie das Frühstücksgeld für die Kita oder das Essensgeld für den Hort aufbringen können. Es gibt Fälle, in denen die Kinder abgemeldet werden, weil dieses Geld einfach fehlt. Kinder können an Ausflügen nicht teilnehmen, weil dazu Bus- und Eintrittsgeld benötigt wird und viele Kinder, die sich entgegen vielen Vorurteilen sehr gerne bewegen und Sport machen möchten, können dies nicht, weil die Vereinsbeiträge für ihre Familien nicht bezahlbar sind. Das sind Dinge, die uns in der täglichen Arbeit begegnen und hier ist es unsere Aufgabe zu helfen. Der erste Schritt dahin ist es, Vertrauen aufzubauen, um so die Möglichkeit zu schaffen, Angebote zu machen. Für viele Dinge kann man Anträge stellen und Unterstützung erwarten. Aber wenn Eltern nicht lesen können oder unsere Sprache nur unzureichend sprechen, ist es schwierig, die Hilfsangebote zu verstehen. Zudem gilt es für uns oft, die Hürde zu meistern, dass sich bei uns niemand „erwischt“ vorkommt. Denn das Gefühl, als arm erkannt zu sein, lässt niemanden unberührt. Und wir brauchen das Vertrauen, dass die Familien zu uns kommen. Den Kindern direkt und indirekt zu helfen, ist etwas leichter. Mit Angeboten wie zum Beispiel dem KiReLi – Kinderrestaurant Lichterfelde oder dem Klamöttchen im KiJuNa. Dort gibt es immer ein Mittagessen für kleines Geld oder ein schönes Kleidungsstück wartet auf einen neuen Träger. Wir bieten Ausflüge an und machen Sportangebote, machen Ferienangebote und helfen auch bei Hausaufgaben. Angeboten, die nichts kosten und für alle Kinder offen sind. Es ist uns in den Einrichtungen gelungen, der Armut zu begegnen, ohne sie zu entlarven. Es ist uns gelungen, dass Eltern zu uns kommen und fragen, wo es Hilfe gibt. Die Kinder fühlen sich nicht ausgegrenzt, sondern sind jeden Tag da und mit einer Selbstverständlichkeit, die uns gut tut. Ich würde mir wünschen, dass alle die Augen aufmachen und begreifen, das es diese Armut hier in unserem Kiez, vor ihrer Haustür und mitten unter uns gibt. Viele trauen sich nicht, dies einzugestehen, weil man peinlich berührt wird oder Angst hat selber betroffen zu sein. Armut ist nichts schändliches und man kann dagegen etwas tun - und dies nicht nur zu Weihnachten - einmal, damit man sich gut fühlt. Verstehen Sie uns nicht falsch, wir sind dankbar dafür. Aber die Kinder kommen im ganzen Jahr zu uns und soziale Einrichtungen, wie unsere, können Ihre Unterstützung im ganzen Jahr gut gebrauchen. Das muss nichts Großes sein ... auch kleine Dinge helfen – besonders, wenn man sich bewusst mancht, dass diese Armut auch in diesem vermeindlich reichem Bezirk vorhanden ist. Veronika Mampel Arbeitsbereichsleiterin generationsübergreifende Arbeit Stadtteilzentrum Steglitz e.V. Armut in der Bildung - arme Bildung! Dass Armut ein entscheidender Faktor sein kann, wenn es um individuelle Bildungschancen und -erfolge geht, ist traurig aber wahr. Längst sind es jedoch nicht allein die materiellen oder kulturellen Ressourcen der Familien, wegen denen wir so oft über Armut sprechen müssen. Im Bereich der Bildung gilt es vielmehr eine leider ganzheitliche Armut zu benennen und einzudämmen. Im Bereich der Oberschulen kann man guten Gewissens sagen, dass die Sekundarschule in Berlin in erster Linie das Ziel verfolgt, „Chancengerechtigkeit“ für alle herzustellen. Dies soll unabhängig von Wohlstand, Bildungshintergrund oder auch Herkunft der SchülerInnen beziehungsweise ihrer Familien geleistet werden. Um das erreichen zu können, bietet die Sekundarschule günstiges Mittagessen, Ganztagsangebote, Sozialarbeit, „Ergänzende Förderung und Betreuung“ durch Freie Träger und vieles mehr. Berlin-Pass-Besitzer können Kostenübernahmen für Ausflüge sowie die sogenannte „Lehrmittelbefreiung“ beantragen, sodass die benötigten Schulbücher nicht aus eigener Tasche bezahlt werden müssen. Zudem ist mit dem Bildungs- und Teilhabegesetz (BuT) versucht worden, insbesondere SchülerInnen aus ärmeren Verhältnissen konkrete Lernförderung in jenen Fächern, in denen sie es besonders dringend benötigen, ohne weitere finanzielle Belastungen zu ermöglichen. Es ist gut, dass soviel getan wird, um Armut als „Bildungsbremse“ zu bekämpfen. Es ist jedoch auch traurig bis unverständlich, dass dieses Land zu dieser Zeit so etwas nötig hat. Spannend ist ein gezielter Blick auf die einzelnen, oben erwähnten Maßnahmen. In der Schule, in der ich selbst arbeite, nutzen derzeit etwa 40 von über 700 SchülerInnen das Mittagsangebot. Die Gründe für das Fernbleiben haben sehr oft mit sozialem Druck zu tun – anscheinend ist es uncool, in der Mensa zu speisen. Noch häufiger ist es jedoch die Qualität des Essens sowie die mangelhafte Atmosphäre in Essensräumen, weswegen Kids diese Angebote ablehnen. Was kann man jedoch für 2,50 € pro Mahlzeit – die an Oberschulen nicht subventioniert wird – erwarten? Als Mitarbeiter an einer Sekundarschule habe ich allerdings gelernt, dem Mangel auch Möglichkeiten abzuringen. Ein paar Blumen auf den Tischen, eine tägliche „Menükarte“ an der Wand und Plakate, die ansprechend zu gesunder Ernährung motivieren, sind kostengünstige Chancen, um einen Speiseraum in eine attraktive Mensa zu verwandeln. Auf unterschiedliche Weise ist jede Sekundarschule eine Ganztagsschule. Die Schulen haben dafür Freie Träger als Kooperationspartner gewonnen, die maßgeblich für die Ausgestaltung des Ganztages zuständig sind. Für meine KollegInnen heißt das, dass wir zu acht versuchen, 700 Kids zu betreuen und ihren Bedürfnissen gerecht zu werden. Um dieses Missverhältnis zu entschärfen, ist dringend die Unterstützung durch das komplette Schulpersonal nötig. Da aber eine Schule personell bereits eine 100 prozentige Ausstattung besitzt, sobald in jeder Klasse und Unterrichtsstunde eine Lehrkraft sitzt, gibt es keine zusätzlichen Ressourcen seitens des Lehrkörpers. Einige wenige von ihnen sind mittlerweile bereit, in Freistunden oder gar nach Unterrichtsschluss an Ganztagsangeboten mitzuarbeiten. Dies ist jedoch immer von der individuellen Einsatzfreude der jeweiligen KollegInnen abhängig. Auch solche Personalengpässe birgen gewaltige Chancen. Wir müssen und wollen vor allem im Bereich des Ganztages auch unseren älteren SchülerInnen spezielle Verantwortungen übertragen. Sie sind die Fachleute z.B. für die Hausaufgabenbetreuung jüngerer Mitschüler. Sie können als Mediatoren Konflikte schlichten, bevor diese eskalieren und Lehrkräfte hinzugezogen werden müssen. Es bedarf hierfür nicht großer finanzieller Mittel, sondern ausschließlich einer angemessenen Wertschätzung und Unterstützung. Dazu gehört, sie als „Kollegen“ zu akzeptieren, sie regelmäßig zu schulen und ihnen stets das Vertrauen zu schenken. Daran arbeiten wir, weil wir wissen, dass es nötig und ein fester Baustein jener Schule ist, die wir werden wollen. Ausstattungsbedingt schaffen es die meisten Oberschulen auch nicht, den sogenannten „besonderen Förderbedarfen“ gerecht zu werden, die einige Kinder haben und die aussagen, dass teilweise zusätzliche Pädagogen mit besonderen Qualifikationen den Unterricht mitgestalten sollten. Ihnen steht dies zu, weil jeder anerkennt, dass diese SchülerInnen nur so eine Chance haben, den Schulabschluss zu schaffen und nur so eine für alle konstruktive Lernumgebeung geschaffen werden kann. Wie so ein gemeinsam gestalteteter Unterricht aussehen kann, ist ein Thema, mit dem sich zum Glück bereits sehr viele KollegInnen intensiv beschäftigen. Denn bei aller Knappheit ist es umso wichtiger, vorhande Ressourcen, da wo man es kann, effektiv zu nutzen. Insgesamt sieht es ganz so aus, als wäre es längst nicht mehr die individuelle Armut einzelner Kinder und Familien, welche die Bildungschancen beeinträchtigt. Vielmehr ist es die Armut der Schule selbst, die zum großen Problem geworden ist. Gutes, bezahlbares Essen, generell freie Lehrmittel, faire Löhne für alle, die in der Bildung arbeiten, Ganztagsangebote als Teil der Ausbildung und Stellenbeschreibung der Lehrkräfte, eine stärkere Öffnung der Schulen für Unterstützung von außen. Das kostet sehr viel Geld, wäre aber nötig, um Armut als Faktor für den Bildungserfolg der Kinder zu minimieren. Ich hoffe, dass die neue Bundesregierung sehr schnell die Bildungspolitik wieder in den ihr zustehenden Fokus rückt, nachdem im Wahlkampf offenbar vieles andere wichtiger war. Schließlich ist in der Bildung oft mit kleinen Stellschrauben und gutem Personal unglaubliches möglich. Sebastian Unger Seite 4 Im Herbst wird´s gemütlic h! Di.- So. geöffnet von 12.00 bis 23.00 Uhr. Montag Ruhetag Tischreservierungen unter 030 7 95 35 49 Schweizer Speisen im Stadtpark Steglitz Albrechtstraße 47, 12167 Berlin •

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Nr. 171 • Oktober 2013 • 17. Jahrgang Dieses isoliert sein vom bisherigen Leben, die Einsamkeit und die Sprachlosigkeit, die sich einnisten, das war schlimm, so berichtete der Betroffene. Er hatte sich danach gesehnt, dass jemand mal bei ihm stehen geblieben und ihn nach seiner Geschichte gefragt hätte. Er hätte gern darüber gesprochen, schon um anderen Menschen aufzuzeigen, wie schnell es mit dem Abstieg gehen kann. Er hätte sich dessen nicht mal mehr geschämt. Diese Phase konnte er sich nicht lange leisten. Er hätte auch kein Mitleid gewollt, er hätte einfach nur Verständnis wecken wollen. Dafür hätte er sogar über seine innersten Gefühlen sprechen wollen, dem Verlust des Selbstwertes, dem schweren Gang, „Stütze“ zu beantragen und von der letzten großen Grenzüberschreitung eines gebildeten, vormals vom Erfolg verwöhnten Mannes – dem Betteln auf offener Straße. Betteln, ein beschämendes Wort, das von Vorurteilen und Diskriminierung lebt. Um Hilfe bitten – wie viel menschenwürdiger und eindringlicher würde dieser Ausdruck klingen. Zu diesen psychischen Drücken kamen dann noch ganz pragmatische Probleme: Fehlende Struktur im Tagesablauf, schwierige Versorgung im Krankheitsfall, ungenügende Hygiene, mangelnde gesunde Ernährung. Obwohl es natürlich Anlaufstellen dafür gibt, aber eben nicht jeden Tag und nicht selbstbestimmend wie gewohnt. Heute, erzählte der Mann weiter, habe er die Rückkehr in einen anspruchsloseren Beruf durch Disziplin, Anstrengung und mit dem Quäntchen Glück, das man immer braucht, geschafft. Die Zeit auf der Straße habe ihn geprägt, habe ihn bescheiden werden lassen. Ja, natürlich, sie gibt es auch, die Menschen auf der Straße, denen jeder ansehen kann, dass sie es wahrscheinlich nicht mehr schaffen können – wollen? Alkohol, Drogen, Verwahrlosung – abgeschrieben, ausgegrenzt, unsichtbar. Und trotzdem – vielleicht doch etwas geben und einfach mal stehen bleiben. Angelika Lindenthal Armut in Zehlendorf von Armin Lehmann Der Verein Zephir macht Sozialarbeit in Zehlendorf. Über die sozialen Probleme im Stadtteil hat der Zehlendorf Blog mit Leiter Winfried Glück (58) gesprochen. Er ist Diplompädagoge und promovierter Sozialwissenschaftler. Bei Zephir ist er seit 2007. Herr Glück, das Klischee sagt, Zehlendorf ist fein, reich und langweilig. Nur soziale Probleme gibt’s hier nicht. Nur Idylle hier? Zehlendorf reich und langweilig, Berlin hingegen arm und sexy? Nein, natürlich nicht. Das sind Klischees und Zuschreibungen. Natürlich gibt es auch in diesem Teil des Bezirkes Unterschiede. Worin bestehen diese Unterschiede? Die ökonomischen und finanziellen Faktoren bestimmen die jeweilige Lebenswelt. Insofern gibt es in Zehlendorf reiche, arme und Menschen der Mittelklasse, wobei wahrscheinlich im Vergleich zu anderen Bezirken hier eine größere Dichte höherer Einkommen und Besitz zu verzeichnen ist. Wo sind die ärmeren Haushalte? Betrachte ich zum Beispiel den Kiez des Runden Tisches Zehlendorf-Süd, dann bildet sich eine soziale Struktur ab, bei der einkommensschwache Haushalte dominieren. Das bedeutet, hier leben viele Arbeitslose, Rentner, Alleinerziehende. Dieser Kiez, das sagen auch die offiziellen Stellen der Jugendbehörde, sprechen von einem der sozialen Brennpunkte in Zehlendorf. Wir finden hier bei den unter 18-Jährigen einen deutlich höheren Anteil von Migranten als anderswo in Zehlendorf. Wie angespannt ist die soziale Situation für diese Menschen? Jedes dritte Kind unter 15 Jahren nimmt in Zehlendorf Süd soziale Transferleistungen in Anspruch. Die Inanspruchnahme von diesen Leistungen ist im Vergleich zur Region doppelt so hoch. Zehlendorf-Süd ist das Gebiet mit den höchsten Hilfezahlen in Steglitz-Zehlendorf. Geht die Schere arm-reich auch in Zehlendorf auseinander? Generell gilt der Befund von HansUlrich Wehler auch hier, dass die obersten fünf Prozent der Sozialpyramide enorm begünstigt werden, während die Lebensbedingungen und Einkommen der Mittelschicht und erst recht der Unterschichten stagnieren oder sich verschlechtern. Durch die Entwicklung der Mieten und der Bebauung mit hochwertigen Immobilien wie zum Beispiel an der Clayallee werden in den Bezirk eher wohlhabende Bevölkerungsschichten angezogen und durch den zurückgehenden verfügbaren bezahlbaren Wohnraum einkommensschwache und arme Familien verdrängt. Sehen Sie in dieser Wohnungsbauund Ansiedlungspolitik ein bewusstes System? Ich würde sagen, es geht darum, dass meiste Geld rauszuholen. Eine ausgewogene soziale Stadtplanungspolitik ist daran jedenfalls nicht erkennbar. Welche Probleme haben die bürgerlichen Familien? Bürgerliche und kleinbürgerliche Familien verlieren zunehmend an Funktionalität, da viele Aufgaben an Institutionen übergeben werden. Weiterhin besteht das Bemühen, den sozialen Status mindestens zu reproduzieren beziehungsweise der Wunsch, die Kinder werden etwas Besseres. Beobachtbar sind Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft, die Familien in mehrfacher Hinsicht überfordern und überlasten. Wirken sich Abstiegsängste der bürgerlichen Familien auf die Kinder und Jugendlichen aus? Ich glaube, Abstiegsängste wirken sich auf verschiedene Weisen auf die Kinder und Jugendlichen aus. So bedrohen veränderte sozialökonomische Entwicklungen die Qualität der sozialen Beziehungen in den Familien. Werden etwa Erwartungen nach steigendem Einkommen, wachsenden Sozialprestige nicht mehr erfüllt, kann dies zu zwischenmenschlichen Spannungen der Erwachsenen führen, die sich krisenhaft entwickeln und sich in Trennung oder Scheidung ausdrücken. Abstiegsängste können sich auch in der Gestalt auf die Kinder auswirken, dass die Anforderungen an ihre Entwicklung und Entwicklungsgeschwindigkeit steigen. Coaches für Kinder werden von den Eltern organisiert, damit die Kinder die an sie gestellten Erwartungen aushalten und entsprechen. Wird aus Angst vor der Zukunft Druck ausgeübt? Der gesteigerte Leistungsdruck, der auf die Kinder und Jugendlichen ausgeübt wird, die teilweise elterliche Hilflosigkeit in der Erziehung, drückt sich sowohl in zunehmenden und schnelleren Beschwerden der Eltern in Kitas und Schulen als auch in der wachsenden Bereitschaft, juristische Schritte gegen diese Institutionen oder Mitarbeiter zu ergreifen. Kann man das in Zahlen ausdrücken? Durch die frühzeitige Institutionalisierung von Erziehung, werden Erziehungsthemen und -verhalten der Eltern auch früher öffentlich, was dazu führt, dass der Hilfeanstieg bei den unter 6-Jährigen von 2005 auf 2010 um über 50 Prozent zugenommen hat. Die Tiefenprüfung im Bereich der Hilfen zur Erziehung im Jugendamt Steglitz-Zehlendorf hat ergeben, dass der soziale Bereich mit eher geringer Belastung den höchsten Anteil von Hilfen zur Erziehung 2010 und die größte Steigerung seit 2005 aufweist. Das sind die bürgerlichen Kieze. Was sind andere Folgen, die Sie beobachten können? Foto: Armin Lehmann >> Seite 1 seine neuen Bedürfnisse auf niedrigstem Niveau, seine Armut stürzten ihn in das soziale Abseits. Sozialarbeit im Bezirk der Reichen? Bezahlbarer Wohnraum wird auch in Zehlendorf knapp? Ja. Der Anteil des bezahlbaren Wohnraumes für niedrige- und mittlere Einkommen geht auch in Zehlendorf zurück. In unserer Arbeit mit Familien haben wir es jetzt öfters mit Androhung oder Vollzug von Zwangsräumungen zu tun. Die Suche eines adäquaten Wohnraumersatzes wird schwieriger. Winfried Glück, Leiter von Zephir Der Versuch, individuelle „Lösungen“ durch Tabletten, Alkohol oder andere Drogen oder Gewalt herbeizuführen, ist eine andere Konsequenz. Auch hier sind Differenzen zwischen den sozialen Gruppen festzustellen: in den Gruppen mit den geringsten sozialen Problemen ist der Anteil psychischer Erkrankungen und Sucht im Vergleich zu den Gruppen mit höheren Belastungen überdurchschnittlich gewachsen. Alkohol und Drogen sind in den bürgerlichen Kiezen genauso Thema wie überall? Natürlich haben wir in Zehlendorf auch Drogen-, Alkohol- und Tablettenkonsumenten. Dies differenziert sich bei den Jugendlichen nach der Zugehörigkeit zur jugendkulturellen Peergroup in Abhängigkeit von verfügbaren Geldressourcen. Ist das Selbstverständnis im Bezirk „uns geht’s doch gut, was kümmern uns Probleme?“ Dieses Selbstverständnis ist mir bei den politischen und administrativen Akteuren im Bezirk noch nie untergekommen. Mir scheint dies auch nicht mehrheitsfähig zu sein. Was ist der Schwerpunkt Ihrer Arbeit bei Zephir? Wir engagieren uns in unterschiedlichen Arbeitsfeldern der sozialen Arbeit und sprechen insofern auch unterschiedliche Zielgruppen an. Zephir‘ Streetlife wendet sich im Rahmen der mobilen Jugendsozialarbeit an durch Gewalt, Kriminalität sowie Alkohol- und Drogenkonsum auffällige Jugendliche. Mit Zephir’s Sport-Attack bieten wir den Kindern und Jugendlichen im Kiez Freizeit- und Sportmöglichkeiten ebenso wie Angebote der Selbstfindung und der Besprechung von familiären und schulischen Problemen. Die Integrative Lerntherapie von Zephir arbeitet im Bereich der Lese/Rechtschreibschwäche, Rechenschwäche und Lernschwierigkeiten von Kindern. Sind soziale Solidarität und Bürgersinn in diesem so unterschiedlichen Bezirk ausreichend ausgeprägt? Davon kann es nie genug geben. Die Etablierung der Runden Tische in Zehlendorf-Mitte und in Zehlendorf-Süd sind meiner Meinung nach ein Ausdruck von Solidarität, Bürgersinn und Ehrenamt. Interessant dabei ist allerdings, und anscheinend kommen wir wieder zum Anfang, das es nicht gelingt, solch ein kiezbezogenes Teilhabeinstrument in Wannsee, Grunewald, Dahlem zu institutionalisieren. Dieses Interview erschien auf dem Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin des Tagesspiegels. Seite 5

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Nr. 171 • Oktober • 17. Jahrgang Oktober 2013 - Termine Kinder + Jugendliche Angebote im „kieztreff“, Info/Kontakt 3988 53 66: Hausaufgaben-Hilfe Di., 15.00-17.00 Uhr + Fr., 15.30-17.00 Uhr, Hausaufgaben-Hilfe für Grundschüler. Wir bitten um telefonische Anmeldung. Kreativgruppe für Kinder mit ihren Eltern. Basteln in zwei Gruppen. Anmeldung erwünscht. Bastelmaterial wird gestellt. Cornelia Peetsch, FAMOS e.V. Berlin in Kooperation mit dem Stadtteilzentrum Steglitz e.V. und seinen Mitarbeitern aus dem „kieztreff“. Mittwochs, Gruppe 1: 14.00-15.30 Uhr. Gruppe 2: 15.30-17.00 Uhr. Kinder- und familienfreundliches Spielzimmer Spielzimmer für unsere kleinen Besucher mit Spielteppich für die Jüngsten. Die Eltern genießen im Café einen Kaffee, die Kleinen malen, puzzeln, spielen im großen Garten Ball unter Aufsicht. Mo., Di., Do., Fr., 10.00 -17.00 Uhr. Lesungen für Kinder Märchen und Geschichten von Frau Inge Hofer vorgelesen und besprochen. Für Kinder ab 4 Jahren, Eltern, Großeltern und alle interessierten Menschen. Mo., 16.00-17.00 Uhr. Kinderangebote im Kinder-, Jugendund Nachbarschaftszentrum Osdorfer Straße, Info/Anmeldung 755167 39: Ständige Angebote im KiJuNa: Schülerclub (ab 6 Jahre): Mo.-Fr., 13.00-18.00 Uhr. Anmeldung durch die Eltern erforderlich! Inklusive Mittagstisch und Hausaufgabenbetreuung. Kinderbereich (6-13 Jahre): Mo.- Fr. 14.00-19.00 Uhr. Jugendbereich (14-21 Jahre): Mo.- Fr. 17.00-20.00 Uhr. Mini Stars Tanz-AG mit Ania Mo., 14.30-16.00 Uhr. Fußball AG für Jungen Mit Kristoffer Baumann. Mercator Halle. Mo., 18.00-19.00 Uhr, Treffpunkt 17.45 Uhr im KiJuNa. Carl-Schumann-Halle. Mi., 18.00-19.30 Uhr Treffpunkt 17.50 im KiJuNa Die Tanz Zwerge neue Tanzgruppe mit Ania für Kinder von 3-5 Jahre! Mi., 16.00-16.45 Uhr. Teenie Stars-Tanz AG: Di. + Do., 14.30-16.00 Uhr. Gitarrenunterricht Erste Versuche bis auf die Bühne mit dem Saiteninstrument. Di., 16.30-17.15 Uhr Anfänger, Di., 17.15-18.00 Uhr Fortgeschrittene. Englisch Training mit Sarah Für Grundschüler. Mo. + Mi. nach Vereinbarung. Keyboard AG Grundlagen auf schwarzen und weißen Tasten. Mo., 16.00 -16.45 und 16.45 -17.30 Uhr bei Christin Hirschel Schularbeitshilfe Täglich, 13.00 -17.00 Uhr. Berufsberatung mit Kristoffer Nach Vereinbarung. Kristoffer hilft euch, Bewerbungen zu schreiben. Offenes Tonstudio Beats basteln, Instrumente, Gesang und Rap aufnehmen, mischen und mastern. Studiotechnik zum Anfassen. Meldet euch jetzt an. Nach Vereinbarung. Angebot im Oktober 2013: Herbstferienprojekt „Hundertwasser“ Bei unserem Herbstferien-Projekt lernen wir die Welt der Kunst kennen. Wir entdecken die Kunst von Hundertwasser. Außerdem erwarten euch viele Spiele, Sport, Musik, gemeinsames Frühstück und Mittagessen. Meldet euch jetzt an 7.10.2013 - 11.10.2013, täglich 10.00 - 18.00 Uhr. Kinder- und Jugendhaus Immenweg, Info/Anmeldung 75650301 Disco für Schulklassen oder Geburtstagsfeiern Abtanzen in der Imme. Schnuckeliger Discoraum mit viel Blink-Blink und guter Musikanlage. Vorraum für Buffet und/oder Getränke kann mitgenutzt werden. Riesige Musiksammlung vorhanden, eigene Musik kann aber mitgebracht werden. Laptop für die Musik vorhanden. Für bis zu 80 Personen geeignet. Möglich Fr., 18.00 - 21.30 Uhr oder So., 14.00 -17.00 Uhr. Jörg Backes, Spende gern gesehen. Aufgrund der großen Nachfrage empfehlen wir eine rechtzeitige Reservierung. Hausaufgabenbetreuung in der Imme. Intensive Hausaufgabenbetreuung mit zwei kompetenten ErzieherInnen. Kostenlos, nur mit Anmeldung. Jörg Backes, Katja Kutics. Täglich 12.00 -19.00 Uhr. Polizeisprechstunde Jeden 1. Donnerstag im Monat, von 17.00 -19.30 Uhr, halten zwei Beamte des Abschnitts 46 eine Bürgersprechstunde im „kieztreff“ ab. Die Polizeibeamten sind für die Bürger Ansprechpartner für alle Fragen des Zusammenlebens im Kiez. Nutzen Sie unseren großen Saal für private Feiern! Mo. bis Fr., 10.00 -17.00 Uhr (außer mittwochs) können Sie unseren großen Saal für verschiedene Feiern und Feste buchen. Für Kindergeburtstage, Silberhochzeiten, Trauerfeiern oder Geburtstagsbrunchs. Englischkurs für Menschen ab 45 Jahre Der Englisch-Kurs ist zurzeit voll, auf Wunsch können Sie sich auf einer Warteliste eintragen lassen! Gruppen und Kurse im Gutshaus Lichterfelde, Info/Anmeldung 844110 40: Neue Öffnungszeiten im Café im Gutshaus Lichterfelde Montag - Donnerstag, 9.00-17.00 Uhr Freitag, 9.15-12.30 Uhr Bürosprechstunde bei Frau Kolinski Dienstags von 14.00-16.30 Uhr, Mittwoch von 10.00-13.00 Uhr, Freitags von 13.00-16.00 Uhr. Erstberatung, Unterstützung bei Antragstellung, Gespräche ..., bitte vereinbaren Sie einen Termin, Telefon 84 4110 40. In unserer Canastagruppe sind noch Plätze frei! Mo., 13.00 -17.00 Uhr. Raummiete pro Termin/Person 1 €. Qi Gong im Gutshaus Lichterfelde Mit dem Gesundheitsberater Matthias Winnig. Freitags, 17.00 -18.00 sowie 18.00 -19.00 Uhr. Info/Anmeldung Telefon 030/50 18 77 86 (AB) oder www. gesundheitsberatung-mwinnig.de. Gedächtnistraining Sie können jederzeit dazu kommen und an einer kostenlosen Schnupperstunde teilnehmen. Es tut gut, sich im Kopf fit zu halten und Spaß daran zu haben. Versuchen Sie es einfach mal! Dienstags, 10.00-11.30 Uhr und 12.00 -13.30 Uhr. Englisch Konversation Immer mittwochs, 15.30-17.00 Uhr. 10 Termine 70 €, erm. nach Anfrage. Probestunde möglich. Im Aufbau! Lauffreudige Frauen gesucht Laufen/Klönen/Kaffeetrinken - In Bewegung bleiben - Frauengruppe sucht Mitläuferinnen. Nach ein paar Dehnübungen laufen wir zügig entlang des Teltowkanals. Willkommen zum Treffen um 9.00 Uhr am Gutshaus Lichterfelde (Gartenseite). Kreatives Schreiben Montags, 10.30-12.30 Uhr. Neue Teilnehmer/innen sind immer willkommen. Um telefonische Anmeldung wird gebeten: 7 91 25 63, Ingrid Steinbeck, Kursleiterin. Runder Tisch im Gutshaus Lichterfelde Gemeinsam kann man vieles bewirken, wenn Sie auch der Meinung sind, etwas muss sich ändern, dann nehmen Sie am neuen Runden Tisch teil. Nächster Termin ist der 5. November 2013, 18.30-20.00 Uhr. Info Telefon: 84411040. Kreative Malgruppe Zur Zeit belegt, aber eine Warteliste wird geführt. Die TeilnehmerInnen treffen sich dienstags, 14.00-17.00 Uhr. Pro Termin/Person 1 €. ADFC im Gutshaus Lichterfelde Jeden ersten Donnerstag im Monat ab 19.00 Uhr trifft sich hier im Haus der Allgemeine Fahrradclub Steglitz-Zehlendorf. Jeder kann vorbei kommen, um Erfahrungen auszutauschen und Informationen zu bekommen. Lebenshilfe e.V. Jeden zweiten Dienstag im Monat von 10.00-12.00 Uhr trifft sich die Lebenshilfe e.V., um nette Gespräche zu führen. Eltern mit behinderten Kindern tauschen sich aus und geben sich untereinander Ratschläge. Neue Gruppe in Gründung Kreistänze Kreistänze machen Spaß und diese wollen wir hier anbieten, jeden Freitag von 11.00 -12.30 Uhr. Kosten: pro Termin und Teilnehmer 4 €. Es gibt keine Altersbegrenzung. Dies ist ein generationsübergreifendes Angebot, an dem jeder teilnehmen kann. Anmeldung unter: 84411040 oder direkt bei Frau Kolinski im Gutshaus Lichterfelde. Der Verein Humane Trennung und Scheidung e.V. trifft sich jeden 3. Donnerstag im Monat im Gutshaus Lichterfelde. Wir beginnen mit einem kurzen Vortrag zu einem aktuellen juristischen Thema mit anschließender Beantwortung von Fragen und Austausch von Informationen. Nächste Termine: 19. September/ 17. Oktober/21. November 2013. Freizeitgruppen im CityVillage, für Mieter der GSW kostenfrei. Info/Anmeldung 0172-3866445. Bodyfit Aerobic 30+ Aerobic und Gymnastik für die sportliche Frau ab 30. Di., 12.00-13.00 Uhr, begleitet von Ania. Seniorenzentrum Scheelestraße. CityVillage Sprechstunde Mittwochs, 14.30-17.00 Uhr, im KiJuNa. Erwachsene Angebote im „kieztreff“, Infos/Anmeldung 3988 53 66: Nachbarschaftscafé Täglich (außer mittwochs) ist jeder bei uns willkommen! Von 10.00 -17.00 Uhr geöffnet. Malwerkstatt Mi., 9.30 -12.00 Uhr, Diplom-Pädagogin/Künstlerin U. Langer-Weisenborn, 10,00 € pro Termin. Das Grundmaterial wird gestellt. Ein Neueinstieg ist jederzeit möglich. Info FAMOS e.V. Telefon 85075809 oder „kieztreff“. Deutschkurs für ausländische Frauen Frauen unterschiedlicher Nationalitäten erlernen in entspannter Atmosphäre die deutsche Sprache, Schwerpunkt: Konversation zu Alltagsthemen. Einstieg jederzeit möglich, der Unterricht ist kostenlos. Montags, 10.00-12.00 Uhr. Kostenlose Rechtsberatung im Familienstützpunkt Der Verein „Humane Trennung und Scheidung“ bietet von nun an eine kostenlose Rechtsberatung im Familienstützpunkt in der Malteserstraße an. Drei Rechtsanwältinnen aus dem Verein stehen jeden letzten Mittwoch im Monat vor Ort zur Verfügung. Anmeldung wäre wünschenswert unter Telefon 030/84411040 bei Frau Kolinski oder per E-Mail direkt an den Verein: mail@vhts.de. Familienstützpunkt Malteser Straße 120, 12249 Berlin. Seite 6

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Nr. 171 • Oktober 2013 • 17. Jahrgang Stadtteilzentrum Steglitz e.V. Senioren Seniorenzentrum Scheelestraße. Info/ Anmeldung Veronika Mampel, Telefon 0173 2344644: Geöffnet: Di. - Do., 12.00-16.00 Uhr. Café im Seniorenzentrum Das Café im Seniorenzentrum ist Di.- Do. von 12.00-16.00 geöffnet. Wöchentliche Veranstaltungen: Zauber des Aquarells Wir malen mit Aquarellfarben oder auch mit Pastellkreide. Malen nach Vorlagen oder aus der Fantasie. Für Einsteiger und Fortgeschrittene. Kosten: 20 € pro Person/Monat. Material zum Ausprobieren kostenlos. Anmeldung erforderlich! Frau Reckin Tel: 7723167 oder im Servicebüro. Donnerstags 15.00-17.00 Uhr. Internetcafé im Seniorenzentrum: Di. - Do., 10.00-15.00 Uhr Kaffeenachmittag mit Kuchen, Kaffee und Musik Gemeinsam mit Nachbarn Kaffee trinken, Kuchen essen und vieles mehr. Mittwochs, 14.00-16.00 Uhr. Sport- und Fitnessraum Öffnungszeit des Sportraums Di.- Do., 12.00-15.00 Uhr Computergrundlagen Anfänger + Fortgeschrittene, mittwochs, 11.00-13.00 Uhr, 13.30-15.30 Uhr; donnerstags, 11.00-13.00 Uhr, 14.0016.00 Uhr. Eine Kursteilnahme kann jederzeit erfolgen. 10,00 € je Doppelstunde. Information im Netti 2.0. Veranstaltungen Veranstaltungen im „kieztreff“, Infos/Anmeldung Telefon 3988 53 66: Oktober-Brunch Ein gemeinsames spätes Frühstück mit reichhaltiger Auswahl in geselliger Runde lädt zum Schlemmen und Plaudern ein. Um Anmeldung wird bis zum 8.10.2013 gebeten. Donnerstag, 10. Oktober 2013 von 10.00 -13.00 Uhr im „kieztreff“, Kostenbeitrag 4,00 € pro Person. Veranstaltungen im Gutshaus Lichterfelde, Infos/Anmeldung 8441 10 40 Musikalischer Nachmittag „Wien - Berlin, und anderswo“ Lieder gesungen von Frau Simone Nauck, am Klavier Herr Hans Moser. Ein gemütlicher Nachmittag bei Kaffee und Kuchen. Einfach vorbei kommen und sich ein wenig musikalisch verzaubern lassen. Der Eintritt ist frei, über eine Spende würden sich die Künstler freuen. 1.11.13, 15.00-16.00 Uhr. Fahrradcheck für Kinder und Senioren Am Mittwoch, den 16. Oktober 2013 bietet die Stadtteilgruppe Steglitz-Zehlendorf des ADFC-Berlin e.V. einen kostenlosen Fahrradcheck für Kinder und Senioren an. Ab 16.00 Uhr besteht die Möglichkeit, die eigenen Fahrräder auf ihre Verkehrssicherheit überprüfen zu lassen. Kleinere Mängel werden, soweit möglich, behoben. Mit der durch den ADFC erstellten Checkliste können aufgespürte Mängel dann gezielt durch eine Fahrradwerkstatt behoben werden. Wir sagen DANKE! Am 1. Februar 1979 hat sie ihren kleinen Blumenladen eröffnet und ist mit der Zeit zu einer festen Größe unter den Händlern am Hindenburgdamm geworden. Ingeborg Fröhlich-Duy oder wie ihr Laden heißt, Blumen Evert, geht nun in den wohlverdienten Ruhestand, den sie in Ostholstein verbringen wird und sich sehr darauf freut. Für den Laden hat sie lange eine Nachfolge gesucht, aber es sah schlecht aus. Erst kurz vor Toreschluss fand sich durch Zufall Frau Katarzyna Sulek, der das Ladenlokal sofort gefiel und die ihren Beruf als Floristin dort übergangslos ab dem 1.10.2013 fortsetzen wird. Frau Fröhlich-Duy hat lange Zeit kostenfrei jede Woche die Blumendekoration für die Tische im Nachbarschaftscafé im Gutshaus Lichterfelde gestellt. Jeden Montag konnten wir uns verlässlich fünf kleine Gestecke abholen und so die schöne Atmosphäre im Café unterstreichen. Auch Frau Sulek hat sich bereit erklärt diese kleine Tradition fortzusetzen! Auch künftig wird es kleine Blumengestecke im Café im Gutshaus Lichterfelde geben. Beiden einen herzlichen Dank. Frau Fröhlich-Duy, die sich bei all ihren treuen Kunden bedanken möchte, wünschen wir für die Zukunft das denkbar Beste und Frau Sulek viel Erfolg zur Geschäftsübernahme! Fotos: SzS Liebe Mitglieder, Besucher und Freunde, wir möchten Ihnen/Euch auch zukünftig ein regelmäßiges und buntes Kursprogramm anbieten. Um das zu gewährleisten, müssen wir unsere inzwischen sehr in die Jahre gekommene Computertechnik im Seminarraum dringend ersetzen. Die gute Nachricht ist, das wir dafür schon 1000 € zur Verfügung haben. Die andere Nachricht ist: Uns fehlen noch „500 €“, um dieses Ziel zu verwirklichen! Wir freuen uns über jeden kleinen oder größeren Spendenbetrag der uns unserem Ziel näher bringt. Über den aktuellen Spendenstand halten wir Sie im Netti oder per E-Mail regelmäßig auf dem Laufenden. Viele von Ihnen, die uns inzwischen zu schätzen gelernt haben, wissen was wir für eine Einrichtung sind, und dass wir Ihnen in der Not bei Computer oder allgemein bei Technikfragen regelmäßig freundlich und kompetent zur Seite stehen. Herzliche Grüße - Roman Tismer - Leiter Netti 2.0 Bank für Sozialwirtschaft, Konto-Nr.: 120 24 00, BLZ.: 100 205 00, Stichwort: Spende Netti 2.0 Kurs 1 - Online zum Traumpartner Strategien für die erfolgreiche und sichere Partnersuche im Internet. Do, 24.10.13, 19-20.30 Uhr, Sa, 26.10.13, 11-12.30 Uhr. Dozentin: Anita Loch, Preis: 39,99€ für Mitglieder, 49,99 € für Nicht-Mitglieder Kurs 2 – Microsoft Photo Story Di, 22. - Mi, 23. Oktober 2013, 18.00 19.30 Uhr, Dozentin: Sylvia Kaufmann Info: 2 Termine (in sich abgeschlossener Kurs). Preis: s.o. Nähere Informationen zu Kursinhalten finden Sie unter http://www. computerbildung.org/ Abo-Service Liebe Leser der Stadtteilzeitung, Sie haben keine Zeitung mehr bekommen oder wissen nicht, wo sie ausliegt? Schicken Sie eine E-Mail an Frau Schmidt: schmidt@ stadtteilzentrum-steglitz.de, und Sie bekommen fortan die Stadtteilzeitung als Pdf in Ihren E-Mailpostkasten. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen. Ihre Redaktion Melden Sie sich telefonisch im Netti 2.0 unter 030/20 18 18 62, per E-Mail unter netti2@computerbildung.org oder direkt im Netti 2.0, Hindenburgdamm 85, 12203 Berlin. Einrichtungen des Stadtteilzentrum Steglitz e.V.: • Geschäftsstelle • Ostpreußendamm 159, 12207 Berlin. Gutshaus Lichterfelde • Hindenburgdamm 28, 12203 Berlin, Telefon 84411040. Kita 1 – Die Schlosskobolde • Telefon 84 4110 43. Kinder- und Jugendhaus • Immenweg 10, 12169 Berlin, Telefon 75 65 0301. • Die Happy Laner • Hanstedter Weg 11-15, 12169 Berlin, Telefon 7 97 42 86 47 • JugendKulturBunker • Malteserstraße 74-100, 12249 Berlin, Telefon 53 14 84 20. • Die Giesensdorfer • Ostpreußendamm 63, 12207 Berlin, Telefon 030/710975 31. • „Schuloase“ an der Giesensdorfer Schule • Ostpreußendamm 63, 12207 Berlin. • Die Frankenfelder • Wedellstraße 26, 12247 Berlin, Telefon 0172/3966417. • Die Bechsteiner • Halbauer Weg 25, 12249 Berlin, Telefon 76 68 78 25. • Schulstation „Schuloase“ L. Bechstein Grundschule • Halbauerweg 25, 12249 Berlin, Telefon 77207892. • Schülerclub Memlinge • Memlingstraße 14a, 12203 Berlin, Telefon 84 31 85 45. KiJuNa – Kinder-, Jugend- und Nachbarschaftszentrum • Scheelestraße 145, 12209 Berlin, Telefon 75 51 67 39. Kita 2 – Lichterfelder Strolche • Telefon 72 02 49 81. „kieztreff“ • Celsiusstraße 60, 12207 Berlin, Telefon 39 885366. Seniorenzentrum Scheelestraße • Scheelestr. 109/111, 12209 Berlin, Telefon 7547 84 44. Netti 2.0 • Hindenburgdamm 85, 12203 Berlin, Telefon 20 18 1862. Projekt CityVillage • für Mieter der GSW kostenfrei. Scheelestraße 114, 12207 Berlin, Telefon 36 42 06 61. Familienstützpunkt • Malteser Straße 120, 12249 Berlin. • Kita Lankwitzer Maltinis • Malteser Straße 120, 12249 Berlin. Seite 7

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Nr. 171 • Oktober • 17. Jahrgang Ja. das geht sehr wohl - wir sprachen mit Maik Eimertenbrink vom Verband sozial-kultureller Arbeit über diese außergewöhnliche Einrichtung! Eine Obdachlosen-Uni – was kann man sich darunter vorstellen? Eine Konkurrenz zu anderen Bildungseinrichtungen wie Volkshochschule u.ä.? Nein, die Obdachlosen-Uni ist keine Konkurrenz zu anderen Bildungseinrichtungen. Die von Ihnen erwähnte Volkshochschule ist beispielsweise sogar Kooperationspartner. Es findet aktuell sogar ein Kochkurs für wohnungslose Menschen in den Räumen der Volkshochschule statt! Dank einer Kooperation mit der Gebewo-soziale Dienste, der Volkshochschule Berlin Treptow-Köpenick und der Obdachlosen-Uni Berlin, vertreten durch die Gesellschaft für sozial-kulturelle Arbeit, konnte das funktionieren. Wie Sie sehen, wird vieles möglich durch ein Netz von Akteuren. Die gesamte Obdachlosen-Uni ist so koordiniert. Die Tee- und Wärmestube Neukölln ist da genauso Akteur, wie das Haus Strohhalm in Schöneweide. DIE Obdachlosen-Uni gibts also gar nicht – wir sind lediglich ein Zusammenschluss von freiwilligen (teilweise wohnungslosen) DozentInnen und interessierten (teilweise wohnungslosen) TeilnehmerInnen, die (normalerweise) in Räumlichkeiten der Obdachlosen-Hilfe „Unterschlupf“ finden, um über Philosophie zu sprechen, zu kochen, zu musizieren, den Umgang mit den Computer zu erlernen etc. Meine Aufgabe ist es, die verschiedenen Räumlichkeiten, TeilnehmerInnen und DozentInnen mehr oder weniger zu koordinieren und die Monatspläne, erhältich unter www. obdachlosen-uni-berlin.de zu erstellen und für die Verteilung zu sorgen. An einer „richtigen“ Uni kann man einen Abschluss erwerben, es gibt neben den Studenten, Fachleute, Dozenten, Doktoren, Professoren, Forschungsteams … Das ist bei uns ganz ähnlich. Wir haben StudentInnen, Fachleute, Dozenten, Doktoren, Professoren und Forschungsteams. Einen Abschluss bekommt man bei uns bisher noch nicht. Kann aber noch kommen. Wer weiss ...! Im Ernst: Es melden sich immer wieder StudentInnen, die mitmachen möchten. Es ist sogar eine Kooperation mit der Alice-Salomon-Hochschule entstanden! Fachleute haben wir auch. Jede/r, die/der einen Kurs anbietet, ist Fachfrau/mann. Auch, wenn er nicht durch einen entsprechenden Abschluss belegen muss, dass ein Expertentum vorliegt. Es genügt, wenn z.B. eine wohnungslose Teilnehmerin des Haiku-Kurses (Kurzgedichte) plötzlich merkt, dass ihr das Gedichteschreiben liegt und sie fortan einen eigenen Kurs leiten möchte. Es haben sich auch schon Freiwillige gemeldet, mit Doktorentitel. Eine junge Dame, die in Yale im Fach Psychologie promoviert hat, leitet im Obdachlosenwohnhaus Haus Lübecker Str. 6 in Moabit eine Kursund Gesprächsrunde „Warum ist es so Obdachlosen-Uni Berlin Eine Uni für Obdachlose? Geht das? frustrierend zum Jobcenter zu gehen?“. Auch eine Kunst-Professorin in Pension ist auf uns zugetreten, um einen Kurs anzubieten. Und nun noch zum Thema „Forschungsteams“: Ja, auch die gibt es bei uns. So haben z. B. die Bewohner eines Obdachlosen-Heims in ihrem Keller geforscht und herausgefunden, dass sich dort alte medizinische Gerätschaften verbergen. Sie leben nämlich in einem ehemaligen Krankenschwesternwohnheim! Kurzerhand haben sie nun im Rahmen der Obdachlosen-Uni eine öffentliche Ausstellung organisiert, samt Zeitzeugeninterviews, Führungen und Dokumentation! Mitgeholfen haben hier übrigens auch STADTGESCHICHTEN e.V. i. Gr. und der Umsonstladen der TU Berlin. Brauchen Obdachlose das überhaupt, müssen sie nicht erst mal ganz elementare, existentielle Probleme lösen, um wieder Fuß zu fassen? Wie kann ihnen den Bildung dabei helfen? Ja, vielleicht. Auch ich müsste elementare, existentielle Probleme lösen. Das hält mich nicht davon ab, mich in der Obdachlosen-Uni zu engagieren. Das geht den Wohnungslosen ähnlich. Einige machen mit, weil sie Lust haben. Andere nicht, da sie sich um andere Dinge kümmern müssen. Das ist bei den Wohnungslosen nicht anders als bei Sesshaften. Und um die zweite Hälfte Ihrer Frage zu beantworten: Bildung hilft, sich besser in der Welt zurecht zu finden. Auch das gilt für Wohnungslose genauso, wie für Sesshafte. Auch wenn manch Wohnungslose/r mehr in der Welt unterwegs ist als manch Sesshafter. Aber das ist ein anderes Thema. Wie erreicht die Obdachlosen-Uni ihre Zielgruppe bzw. wie finden Obdachlose in der Praxis Zugang dazu? Wir hängen die Programme in möglichst vielen Berliner Einrichtungen der Obdachlosenhilfe aus. Wir stellen unsere Idee bei Obdachlosen-AGs vor. Wir hoffen auf Mund-zu-MundEmpfehlungen. Wir veröffentlichen die Programme im Internet. Wer steckt hinter dieser Idee und was will man damit erreichen? Hinter der Idee steckt die Geschäfts- stelle der Gesellschaft für sozial-kulturelle Arbeit mit mir als Projektleiter für die Obdachlosen-Uni. Es soll erreicht werden, dass der eine oder andere Wohnungslose aus der festgefahrenden Denkstruktur ausbrechen und neue Dinge lernen kann. Aber auch wieder neu zu lernen, gebraucht zu werden, denn wer einen Kurs gibt, der sollte auch erscheinen und das nüchtern. Welche Verbindung hat/schafft die Obdachlosen-Uni zum Gemeinwesen, zu den sesshaften Bürgern? Welche Netzwerke greifen? Von wo gibt es Unterstützung? Die Frage habe ich oben bereits beantwortet, denke ich. Viele arbeiten mit. Stadtteilvereine, „herkömmliche“ Hochschulen, die Volkshochschule, Wohnungslosen-Einrichtungen, Freiwillige. Jede/r macht, was er kann und das meist gut. Wohin soll die Entwicklung der Obdachlosen-Uni gehen? Was wünschen Sie sich für die Zukunft? Ich wünsche mir, dass auch in Steglitz ein Netzwerk im Rahmen der Obdachlosen-Uni entsteht. Nach der Veröffentlichung dieses Interviews in der Stadtteilzeitung Steglitz steht dem wohl nicht mehr entgegen ... Kontakt: Obdachlosen-Uni c/o Maik Eimertenbrink Muskauer Str. 2, 10997 Berlin www.obdachlosen-uni-berlin.de Die Tage werden kürzer und die Nächte länger. Die Temperaturen sinken und jeder, der ein Dach über dem Kopf hat, ist dankbar. In Berlin gibt es über 4000 Obdachlose. Auf sie wartet nun die härteste Zeit des Jahres. Das Frostgefühl ist jedem Einzelnen bekannt, der schon im vergangenen Winter auf der Straße war. Zuerst fühlen sich Hände und Füße kalt an. Dann empfindet der Betroffene seine Schuhe als zu klein. Es entstehen blaurote Flecken. Erfrorene Körperteile fühlen sich schmerzhaft an (wie Nadelstiche) und sind zunächst weiß-grau und weich. Im weiteren Verlauf werden diese Stellen gefühllos und hart. Im schlimmsten Fall folgt der Tod. Seit 1877 engagiert sich die Berliner Stadtmission, um unter anderem Obdachlosen zu helfen. Viele hundert haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter geben der Stadtmission (SM) ein persönliches und glaubwürdiges Gesicht. Sie werden aktiv in den drei Arbeitsbereichen: MDB – Mission (19 SM-Gemeinden), Diakonie (40 soziale Einrichtungen) und Begegnung (12 Hotels und Gästehäuser). Der Kältebus ist wieder ab dem 1. November bis zum 31. März kommendes Jahres unterwegs. Das Team ist unermüdlich auf der Suche nach Wohnungslosen, die es nicht schaffen mit eigenen Kräften eine Notunterkunft zu erreichen. Auf Wunsch werden Obdachlose zu einem sicheren Übernachtungsplatz gefahren. Gespräche sind manchmal wichtiger als der warme Tee, der ihnen gereicht wird. Wer seinen Platz nicht verlassen möchte, bekommt einen Schlafsack angeboten und wird immer wieder kontaktiert. Zwingen, diese Hilfe anzunehmen, kann man niemanden. Alkoholkonsum wird oft zum Verhängnis. Durch die erhöhte Hautdurchblutung wird dabei die Wärmezufuhr aus dem Körperinneren erschöpft und es kommt zur Unterkühlung im Körper, die unterschätzt wird. Zumeist sind Betroffene müde und teilweise zu stark benommen, um selbständig Hilfe zu suchen. Helfen kann man unterkühlten Personen, indem der Kältebus oder ein Krankenwagen gerufen wird. Bei Erfrierungen sollten die betroffenen Körperteile so schnell wie möglich mit 40 Grad warmen Wasser aufgetaut werden. Es sollte unbedingt verhindert werden, dass wiederholt Stellen einfrieren oder diese massiert werden. Die Köpertemperatur kann mit warmen Getränken angehoben werden und eventuelle Wunden sollten trocken gelagert werden. Die Telefonnummer vom Kältebus ist: 0178-5 23 58-38 Juliane Eichhorst Gegen die Kälte – auf vier Rädern Foto:: Obdachlosen-Uni Berlin Seite 8

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Nr. 171 • Oktober 2013 • 17. Jahrgang Was hat Vorgründungsberatung mit „Vermeidung von Armut“ zu tun? Wenn Sie bei Wikipedia das Wort „Armut“ nachschlagen finden Sie nachfolgendes Kapitel: Unternehmerische Armutsbekämpfung – Das Konzept „Base (oder Bottom) of the Pyramid (BoP)“ beschreibt in der Managementliteratur Geschäftsmodelle und Ansätze zur erfolgreichen Einbindung bisher weitgehend vernachlässigter Bevölkerungsschichten in unternehmerische Wertschöpfungsketten … Grundgedanke ist, dass sich auf diese Weise die Verfolgung unternehmerischer Chancen zielgerecht mit dem Bemühen langfristiger Armutsbekämpfung verbinden lässt. (Hahn, R. (2009): Multinationale Unternehmen und die ‚Base of the Pyramid‘ – Neue Perspektiven von Corporate Citizenship und Nachhaltiger Entwicklung. Wiesbaden: Gabler, ISBN 978-3-8349-1643-3; Prahalad, C.K. (2005): The fortune at the bottom of the pyramid. Upper Saddle River: Wharton School Publ. ISBN 9780-13-146750-7; und andere Autoren) In der .garage kümmern wir uns in der Vorgründungsberatung genau um diese Menschen. Im geschäftlichen Kontext heißt das Zielgruppe. In unserer Vision: Menschen mit erschwerten Gründungsvoraussetzungen. Wir begleiten Menschen aus der Arbeitslosigkeit auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Nehmen sozusagen teil an der Entwicklung und dem „Wandern“ in der Pyramide. Ein Lohn dieser Arbeit ist oft Dankbarkeit, holen wir doch Menschen aus der „Vernachlässigung“ heraus. Hier ist ausdrücklich gemeint: die Unterstützung durch ein Angebot für die Ausbildung unternehmerischer Fähigkeiten. Dieses Angebot in dem Umfang ist in Berlin einzigartig. Der zweite Teil des oben zitierten Satzes ist der weitaus schwierigere Teil unserer Arbeit. Der beginnt bei der oft eingeforderten Bewertung einer Geschäftsidee. Danach findet ein Abgleich unseres Unternehmerbildes mit dem Teilnehmer statt. „Erschwerte Gründungsvoraussetzungen“ sind mangelhafte Deutschkenntnisse, fehlende finanzielle Ressourcen, schlechtes Zahlenverständnis, um nur einige zu nennen. Aber sind diese Gründe Grund genug dafür, weiterhin am Rande der Gesellschaft zu stehen und mit oftmals „Tagelöhner-Jobs“ unzufrieden durch’s Leben zu gehen? Wir meinen „nein“. Wenn ein Mensch mit einer Idee zur eigenständigen Finanzierung und damit zur Entlastung des Gemeinwesens beitragen will, dann ist das unterstützenswert. In der .garage berlin lernen unsere zukünftigen Entrepreneure, wie sie sich in bestehende Wertschöpfungsketten einbringen können. Wie sie also den Wert von Produkten und/oder Dienstleistungen erhöhen können. Es geht dabei auch darum, den eigenen Wert zu erkennen. Zu erkennen, dass ich als Mensch „wertvoll“ bin ist ein Ziel der unserer Teilnehmer. Wenn wir uns als „wertvoll“ empfinden, dann ist ein Weg beschritten, der aus der Armut bzw. aus der bisherigen finanziellen „Schieflage“ führen kann. Alleine unsere Teilnehmer müssen ins TUN kommen. Wir unterstützen nicht nur mit betriebswirtschaftlichen Inhalten sondern auch mit Themen wie beispielsweise „mein Verhältnis zu Geld“. Guido Neumann Armut und Geld Eine Beziehungsgeschichte von Kirsten Kohlhaw „Armut ist ohne Zweifel das Schrecklichste. Mir dürft jemand zehn Millionen herlegen und sagen, ich soll arm sein dafür, i nehmet’s net. (Johann Nepomuk Nestroy, österr. Dramatiker und Schauspieler) Mit 60% eines mittleren Einkommens scheint die Armutsgrenze für in Deutschland lebende Personen klar definiert. Bemessungsgrenzen auf der Grundlage von Statistiken sollen eine Orientierung bieten im monetären Kontext der Armut. Das Thema wird entweder heiß diskutiert oder unelegant umschifft, denn es ist so unschön wie komplex. Wie viel soll tatsächlich genug sein, wer kann entscheiden, was nun ein jeder Bürger für ein gutes Leben braucht? Für zu viele Menschen ist Armut in einer vergleichsweise üppigen Zeit ein bitterer Fakt, der es ihnen erschweren kann, an der Fülle gesellschaftlichen Lebens zu partizipieren, und somit auch ein gesellschaftliches Phänomen. Manche sprechen von Armut auch als einer Geisteshaltung. In der gesellschaftlichen Diskussion um Armut steht meist das Geld im Vordergrund. Und – damit zusammenhängend – die Angst vor Verarmung, familiären Problemen und gesellschaftlicher Isolation. Doch ist Armut nicht so einfach zu beziffern, denn sie hat viele Gesichter. Auch über den Köpfen angehender Existenzgründer schweben Scheitern oder drohende Armut wie düstere Wolken. Bei Gründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus ist der Rückfall in den Leistungsbezug eine reelle Sorge. Aus diesem Grund und weil es für jede gesunde Unternehmerpersönlichkeit unerlässlich ist, ein gutes Verhältnis zu Geld zu entwickeln, ist ein Seminar im sechsmonatigen .garage inkubator fester Bestandteil. Es trägt den Titel „Mein Verhältnis zum Geld“. Doch wie sieht eine gute Beziehung zu Geld aus? Die Dozentin, Petra Runggaldier, ist selbst freischaffend. Der ausgebildeten Supervisorin ist bewusst, dass Geld neben der ökonomischen auch eine stark emotionale Seite hat. Und dass der Umgang mit Geld eine Kulturtechnik ist wie Lesen oder Schreiben. Im Umgang mit Geld zeigen sich ihrer Ansicht nach stets auch innere, persönliche Themen. Wer hier genauer hinschaut, wird mit Teilen seiner Persönlichkeit, mit eventuellen Fallstricken und Blockaden konfrontiert. „Es gibt Fallbeispiele, die zeigen, dass Leute, die von 20 Mio auf 10 Mio gehen und Panikattacken bekommen. Wir mögen denken, ist ja Quatsch, doch zeigt dies lediglich, dass die emotionale Komponente nicht zu unterschätzen ist“, so Runggaldier. In ihrer Arbeit mit den angehenden Gründern unterstützt sie diese, einen entspannteren Umgang mit Geld zu entwickeln. Ihr Ansatzpunkt hier ist die Idee, „dass all das, was wir oftmals denken mit Geld tun zu können oder wie wir uns mit Geld fühlen, im Grunde alles menschliche Qualitäten, Facetten des Menschsein sind, die wir nur in uns selber finden und die wir oft einfach ans Geld abgegeben haben.“ wieder. Ich kann mich also fragen: Wie schaue ich persönlich auf Geld? Ist Geld für mich lediglich ein Tauschmittel und sehe ich nur die ökonomische Seite oder wie greift das Vorhandensein oder Fehlen von monetären Ressourcen in meinen Gefühlshaushalt ein? Gebe ich alles, was ich einnehme, sofort wieder aus oder spare ich auch ein bisschen? Wie wurde und wird in meiner Familie mit Geld umgegangen? Wiederhole ich alte Muster? Lebe ich konsequent das Gegenteil zu ihnen oder habe ich tatsächlich bereits einen eigenen Blick auf dieses Thema? Und – wenn ich gemeinsam mit einem Partner gründe, ist in jedem Fall darauf zu achten, wie der andere tickt. Im Gründungsprozess ist es also besonders lohnenswert die eigenen Glaubenssätze zu überprüfen. Denn wenn ich bestimmte Glaubenssätze zum Thema Geld habe, wie z.B. „Ich darf nicht mehr Geld haben als meine Eltern“ oder „Reiche Leute sind arrogant“ kann es sein, dass ich meine unternehmerische Entwicklung unbewusst torpediere, weil ich diese hinderlichen Zerrbilder stetig nähre. Seite 9

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Nr. 171 • Oktober • 17. Jahrgang Der BEA hat das Wort: Die beste Versicherung gegen Armut neben einer soliden Wirtschaftspolitik ist eine gute Bildungspolitik. Alle Reichtümer kann man einem Menschen nehmen, nur nicht sein Wissen, seine Bildung. Bildung befähigt einen Menschen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Also sollte es für alle Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft das Wichtigste sein, in Bildung zu investieren. Sollte man meinen. Ausgaben für Bildung sparen spätere Sozialhilfe. Eine sichere Zukunftsinvestition. Wie hält man es in Berlin, im relativ wohlsituierten Steglitz-Zehlendorf mit dieser These? Hier betrug der Anteil der lernmittelbefreiten Schüler im letzten Schuljahr immerhin nur 11%. Der geringste Anteil in ganz Berlin. Aber … Ja, dieses Jahr wird sogar in Schulrenovierungen und Turnhallenneubauten investiert: Die Goethe-Oberschule soll nach fünf Jahren endlich die neue Turnhalle und Mensa bekommen. Eigentlich hätte man schon vor zwei Jahren mit dem Bau beginnen wollen. Bis jetzt wird in der Aula Sport betrieben und gegessen. Fünf Jahre ist ein Gymnasiastenleben bei der Schulzeitverkürzung! Auch der Ausbau des Arndt Gymnasium wurde vor vier Jahren beschlossen. Jetzt endlich soll etwas passieren. Leider ist unser Bezirk so arm, dass die Stellen im Bezirksamt erst nach langer Wartezeit besetzt werden können oder wollen. Darunter leiden Hochbauamt und Schulamt. Letzteres seit 10 Monaten. Da können Sanierungsprojekte wie bei der Max-von-Laue Schule schon mal völlig aus dem Ruder laufen. Oder es drohen, schon bewilligte Mittel für kleinere Maßnahmen zu verfallen, weil man mit der Planung nicht mehr nachkommt. So schlappe 120 000 Euro für Lernlandschaften in der Montessori-Gemeinschaftsschule. Bei der Peter Frankenfeld-Schule bräuchte man eigentlich nur einen Schlüssel, um vom Hortbereich im Flur nachmittags mal in den Klassenbereich zu kommen, damit sich die Kinder einen Mantel oder ihre Trinkflasche holen könnten. Keine allzu hohe Investition, oder? Und wenn wir einmal einen Reichtum haben, wie unsere guten Schulen, dann gehen wir äußerst sparsam mit den Schulplätzen um. Satt uns bei wachsender Schülerzahl und Neubaugebieten Möglichkeiten für Anbauten Bildungsarmut auszudenken, begrenzen wir einfach die Schulzüge, wie bei der QuentinBlake-Schule, einer sehr nachgefragten bilingualen Schule deutsch-englisch. Statt mit dem Pfund zu wuchern, direkt an der Freien Universität so ein attraktives Angebot zu haben, beschränkt man die Zügigkeit. Die Schüler, die aus dem nicht ganz so entfernten Nachbarbezirk kommen, sollen dort einfach nicht mehr hingehen dürfen. Berliner Bezirke sind aber keine Inseln. Noch drastischer ist das Beispiel der Sachsenwald Schule. Sportbetont und Pilotschule für Inklusion mit einem für diesen Zweck auskömmlichen Raumangebot. Das wird der Schule jetzt zum Verhängnis. Im Verschiebebahnhof der Schuleinzugsbezirke wurden ein paar Straßenzüge der Schule dazugeschlagen. Nach Schülerzahlprognose wird sie von drei auf fünfzügig wachsen. Weg sind die Ruhe- und Fachräume. Inklusion kann aber nicht in Käfighaltung gedeihen. Von den miserablen Ergebnissen der Berufsbildungsreifeprüfung, die jetzt das erste Mal statt des Hauptschulabschlusses an den Sekundarschulen abgenommen wurden, wollen wir einmal schweigen. Ein Viertel der Schüler ist durchgefallen. Und auch die diesjährigen Ergebnisse von VERA 8, einer Vergleichsarbeit in Deutsch, Mathematik und Fremdsprache in der 8. Klasse verheißen nicht viel Gutes. 61 % der Sekundarschüler bleiben auf der ersten Kompetenzstufe und erreichen nicht einmal die Mindeststandards. Wie soll man diese jungen Menschen mit diesen Voraussetzungen vor Armut schützen? Da haben die Schulreformer versagt. Große Klassen mit heterogenen Lerngruppen haben nicht das erwünschte Ergebnis gebracht. Die Hauptschulen abzuschaffen, hat nicht die Probleme der potentiellen Hauptschüler abgeschafft, sondern eher verstärkt. Lieselotte Stockhausen-Doering BEA Steglitz-Zehlendorf Armut hat viele Gesichter. Sie zu betrachten ist eines, der Armut entgegenzuwirken ist etwas anderes. Eine solche Aufgabe anzugehen, ist oft unliebsam, es bleibt bei Thesen bzw. sie bleibt in ihren Anfängen stecken oder verkümmert. Der Armuts- und Reichtumsbericht Im März 2013 wurde der 4. Armutsund Reichtumsbericht durch die Bundesregierung beschlossen. Das Datenmaterial hierzu lässt sich aus statistischen Erhebungen der damit betrauten Ämter zusammentragen und daraus zu verschiedenen Lebensreichen, z.B. Arbeit, Bildung und Gesundheit Zahlen ableiten und kommentieren. Die Federführung der Berichtserstellung liegt beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Der Endbericht wird meist bei Beratungen der beteiligten Organisationen, Parteien und Verbände noch in kritischen Passagen geglättet. Der Bericht umfasst nahezu 500 Seiten und trifft die Aussage, dass sich der Arbeitsmarkt sehr gut entwickelt habe, und Arbeit sei auch das wichtigste Mittel gegen die Armut. Armut im Kontext zu anderen Bereichen Die im Bericht getroffenen Aussagen sind isoliert gesehen richtig, lassen aber keinen Eindruck gewinnen, wie einzelne Haushaltsmitglieder mit ihren oft bescheidenen Mitteln, gerade auch mit Kindern, ihre täglichen Lebenshaltungskosten bestreiten müssen. Arme Bürger leiden an einer chronischen Mittellosigkeit mit der Folge einer entsprechenden Ausgrenzung. Zum anderen sei angemerkt, dass die Armut ja grenzüberschreitend anzutreffen ist. Die Anzahl der Asylbewerber ist in diesem Jahr wieder gestiegen. Damit entstehen Verpflichtungen, sie zunächst an unseren Finanzen teilhaben zu lassen aber auch die Notwendigkeit, unsere Entwicklungspolitik umzustrukturieren. Nicht nur die Entwicklungspolitik auch andere öffentliche Aufgabenbereiche sind mit der Armutsproblematik verzahnt, Gedankensplitter Armut in Zahlen und auf Plakaten wie z.B. Arbeit, Bildung, Ausbildung und Gesundheit. Wenn die Einkommen gewachsen und das Armutsrisiko nicht gestiegen ist, kann daraus nicht geschlossen werden, dass zwischen Armen und den Gutverdienenden ein gewisses Gleichgewicht hergestellt ist. Hier greifen Sozialtransferleistungen als Ausgleichsfaktor. Der Verband deutscher Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen e.V. (VENRO) hat als oberste Ziele die Armutsbekämpfung sowie soziale und ökologische Gerechtigkeit eingefordert. VENRO hat anlässlich der Wahlen zum Deutschen Bundestag die Thesen der fünf z.Zt. führenden Parteien zusammengestellt. Dabei sind Thesen zur Entwicklungspolitik und zur Armutsbekämpfung mehr oder weniger bei allen fünf Parteien zu finden sind. Wahlplakate der Parteien Schaute man sich die Wahlplakate zur Bundestagswahl im September in unserer Stadt an, so versprachen alle Parteien Gerechtigkeit, eine sichere Zukunft und einen sicheren Arbeitsplatz. Foto: Inge Krüger Die Auswahl des Plakats ist themenbezogen. Sie ist nicht als „Parteinahme“ oder als eine „politische Aussage“ zu verstehen. Zu hoffen bleibt, dass die Armutsbekämpfung von allen Parteien tatsächlich und mehrspurig angegangen wird und es nicht bei Wahlversprechungen bleibt. Inge Krüger schen und Dosen sammelt und einlöst, kommt Geld für ein gutes Frühstück zusammen …“ Und das gibt einem doch zu denken: Einerseits scheint es einem Großteil der Bevölkerung so gut zu gehen, dass dieser ohne Weiteres auf Dosen- und Flaschenpfand verzichtet, diesen sozusagen „wegschmeißt“ oder achtlos liegen lässt. Anderseits hat sich aufgrund prekärer Lebensverhältnisse ein ganzer Zuverdienst-Erwerbszweig – der des Flaschensammlers – gebildet. Wieviel das letztlich bringt, vermag ich nicht zu sagen. Ich bewundere aber, dass sich die Menschen auch in schwierigen Lebenslagen immer Überlebensstrategien ausdenken. Der unverbesserliche Neoliberalist wird sich über die Möglichkeiten des Marktes freuen. Mich beschleicht ein eher ungutes Gefühl, zeigt sich doch hier, wie schnell auch unsereins in schwierige, prekäre Lebenssituationen rutschen kann und dann sehen muss, wie er zurechtkommt! Hagen Ludwig Seite 10 Flaschen sammeln – ein neuer Erwerbszweig … Wer öfter mit der Bahn fährt, hat sie schon beobachtet, die Flaschensammler auf den Bahnhöfen. Zum Teil trifft man sie sogar in den Zügen, geduldet und oft sogar gegrüßt vom Bahnpersonal … Dabei entsprechen die Flaschensammler so gar nicht den Klischees, die man „von solchen Leuten“ eigentlich hat. Hier finden sich alle Altersklassen, meist unauffällig aber ordentlich gekleidet und in der Regel mit dem entsprechenden Werkzeug (Taschenlampe, Handschuhe etc.). Die Territorien scheinen abgesteckt und die Ausbeute ganz erklecklich! Ein Schaffner sagte mir bei einer Bahnfahrt: „Wenn man die in den Abfallbehälter des Zuges entsorgten Pfandfla-

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Nr. 171 • Oktober 2013 • 17. Jahrgang Immer mehr können von ihrer Hände Arbeit nicht mehr leben; die Zahl der Wohnungslosen steigt in den letzten Jahren wieder erheblich an; steigende Mieten lassen die Haushaltseinkommen dahinschmelzen; die Zahl der armen Kinder ist in Berlin am höchsten und Alleinerziehende sind besonders von Armut betroffen. Weil das so ist und um das zu ändern, haben 2009 über 30 Initiativen und soziale Organisationen die Landesarmutskonferenz Berlin (lak-Berlin) gegründet. Heute arbeiten bereits nahezu 60 Organisationen mit. Die lak hat zum Ziel, die in Berlin dramatisch zunehmenden sozialen Risiken für wachsende Bevölkerungsschichten zu thematisieren und auf landespolitischer Ebene Korrekturen einzufordern, quasi der Politik auf die Sprünge zu helfen. Die lak begnügt sich nicht mit zustimmenden Reden der Politiker, sondern fragt durch ihre Sprecher, Ingrid Stahmer und Hermann Pfahler immer wieder nach, ob bereits Versprochenes verwirklicht wurde und mahnt die notwendigen Veränderungen an. In den sechs Fachgruppen der lak wurden und werden zahlreiche Stellungnahmen erarbeitet, Fachtage und Podiumsdiskussionen durchgeführt, Pressemeldungen verfasst und pressewirksame Einzelaktionen durchgeführt. Zu folgenden Themen hat die lak Stellung bezogen, Vorschläge erarbeitet und Aktionen für und mit von Armut Betroffenen durchgeführt: Aktion „Wir kommen wählen“ in ca. 20 Einrichtungen: • Verbesserte Sozialberichterstattung für Berlin. • Mehr Beratung in den Jobcentern. • Mobile Beratung durch freie Träger vor den Jobcentern. • Ausgestaltung u. Erhaltung des Ferienpasses Berlin mit kostenlosem Zugang zu den Bädern. • Mietenentwicklung und Maßnahmen gegen Verdrängung aus den Innenstadtbereichen. • Frauenarmut, Strategien gegen Kinderarmut, Hinweise auf zunehmende Altersarmut. • Medizinische Versorgung von sozial benachteiligten Menschen ohne Krankenversicherung. Stellungnahmen und Dokumentationen finden Sie auf unserer Internetseite unter www.landesarmutskonferenz-berlin.de Landesarmutskonferenz Berlin Geschäftsstelle c/o Diakonisches Werk Berlin Stadtmitte e.V. Wilhelmstr. 115, 10963 Berlin, Tel.: 030 690 382 45 geschaeftsstelle@landesarmutskonferenz-berlin.de Prof. Ingrid Stahmer Seite 11 Der Paritätische Gesamtverband Berlin ist arm, das weiß fast jeder, sogar der regierende Bürgermeister. Viele Berlinerinnen und Berliner sind ebenfalls arm, das wissen viele noch nicht, und die meisten Armen schämen sich deshalb und sagen es auch keinem. Die Landesarmutskonferenz „Die Kluft zwischen Arm und Reich – gerade die Kinder brauchen Perspektiven“ 15,2 % der Bevölkerung in Deutschland waren im Jahr 2011 armutsgefährdet. Ihr Einkommen lag unter 60 % des Durchschnittseinkommens. Dies sind immerhin rund 12 Millionen Menschen – ein Höchststand im wiedervereinten Deutschland. Zunehmende Perspektivlosigkeit ist es , die die neue Einkommensarmut kennzeichnet und ihre besondere Brisanz begründet. Rund ¾ der Hartz-IV-Bezieher sind bereits ein Jahr und länger auf diese Hilfe angewiesen. Etwa über die Hälfte ist es sogar bereits zwei Jahre und länger. Mit dem berühmten „Trampolin“ oder dem „Sprungbrett in den Arbeitsmarkt“, als das uns Hartz IV politisch schöngeredet werden sollte, haben diese Zahlen nichts zu tun. Es ist eine zerstörerische Wirkung, die von dieser Perspektivlosigkeit ausgeht. Arbeit ist bekanntermaßen mehr als Gelderwerb. Arbeit strukturiert unseren Alltag, Arbeit prägt unsere Familienstrukturen, Arbeit gibt uns Rollenbilder, Arbeit ist mit Status verbunden und prägt sogar einen Großteil unserer Eitelkeiten. Nach wie vor leben wir in einer Arbeitsgesellschaft mit ausgesprochenem Arbeitsethos. Der Fall in die Arbeitslosigkeit bedeutet daher weit mehr als Einkommensverlust. Der Fall in die Arbeitslosigkeit bedeutet geradezu einen Zusammenbruch von zum Teil seit Jahrzehnten gelebten Routinen und Selbstbildern. Entscheidend dafür, wie dieser Absturz wahrgenommen wird, ist die Perspektive, die der einzelne hat. Ob es sich lediglich um eine „Durstrecke“ handelt, deren Ende bereits absehbar ist oder ob keinerlei Ausweg in Sicht ist, ist entscheidend für das Erleben und die persönliche Entwicklung, die nicht selten von Existenzängsten geprägt ist und irgendwann dem Gefühl, einfach nicht mehr dazuzugehören. Gerade Kinder brauchen das Gefühl der Zugehörigkeit und die verheißungsvolle Perspektive für ihre Entwicklung wie die Luft zum Atmen Viele Pädagogen werden es bestätigen: Erst die Orientierung auf die Zukunft und die Freude auf den morgigen Tag schaffen die Energie und die seelische Bewegung, die das Kind zu seiner Entfaltung braucht. Die subjektive Vorwegnahme künftiger Optionen durch das Kind ist ständiger Antrieb und Motor von Entwicklung. Wer Kindern jedoch den Glauben an die Perspektive und die Freude auf das Morgen nimmt, lässt Energien versiegen, raubt dem Kind die Kindheit und nimmt dem Pädagogen jede Chance zur Bildung und Erziehung. Fraglich ist jedoch, woher Kinder und Jugendliche ihren Glauben an Perspektiven nehmen sollen, wenn sie miterleben, wie ihre älteren Geschwister sich hundertfach erfolglos bewerben, und wie sie zu der Überzeugung gelangen sollen, ihre Zukunft selbst in der Hand zu haben, wenn sie erleben müssen, wie ihre Eltern schon über Jahre erfolglos versuchen, aus Hartz IV herauszukommen, aber immer wieder scheitern? Wie sollen diese Kinder Lebensmut entwickeln, wenn zu Hause Resignation und Frust herrsche? Wir haben Regionen in Deutschland, in denen jedes dritte Kind von Hartz IV lebt. In unserer Hauptstadt Berlin sind es sogar 35 Prozent. Wir können uns heute noch gar keine rechte Vorstellung davon machen, was es für die Entwicklung eines Kindes bedeutet, wenn nicht nur die eigenen Eltern und die Nachbarn jahrelang ohne Arbeit sind, sondern der halbe Stadtteil; wenn Arbeitslosigkeit und Hartz IV der Normalfall sind und die Erwerbstätigkeit die Ausnahme bleibt. Wir sollten uns vor Augen halten, dass in Deutschland in großer Zahl Kinder heranwachsen, die die Situation, dass morgens alle das Haus verlassen, weil sie zur Arbeit oder zur Schule gehen, am ehesten noch aus dem Fernsehen kennen, aber nicht aus dem persönlichen Umfeld. So wichtig Bildung und Bildungsabschlüsse in dieser Erwerbsgesellschaft für die Chancen unserer Schüler auch sind – es sind abstrakte Möglichkeiten. Für denjenigen, dem die Schule leicht fällt, der Unterstützung von zu Hause erfährt und für den die Erwerbstätigkeit seiner Eltern etwas ganz Selbstverständliches ist, scheinen sie während der gesamten Schulzeit greifbar und fast selbstverständlich. Wer jedoch keine guten Startvoraussetzungen mitbringt, wer schon aufgrund der Einkommenssituation seiner Eltern ausgegrenzt ist und mit der Erfahrung der schier aussichtslos wirkenden Arbeitssuche seiner Eltern und der genauso deprimierenden Lehrstellensuche seiner älteren Geschwister aufwächst, für den bleiben sie immer abstrakt. Es kann nicht funktionieren, ein Kind oder einen Jugendli- Dr. Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätische Gesamtverband chen zu – aus seiner Sicht – sinnlosen Anstrengung motivieren zu wollen. Um Kinder- und Jugendliche aus sozial unterprivilegierten Umfeldern zu motivieren, müssen die Perspektiven konkret und damit glaubhaft sein. Unsere Sozial- und Bildungspolitik wird nur dann eine Antwort auf die Armutsfrage finden, wenn sie den Armen ganz konkrete Perspektiven bietet und nicht lediglich irgendwelche Bildungsinhalte vermittelt. Bildung mag die notwendige Bedingung sein, die ganz konkrete Perspektive die hinreichende. Wir können nur erahnen, was es für das Klima, die Lernbereitschaft und die Leistungsfähigkeit an unseren Hauptschulen bedeuten würden, wenn wir jedem Schüler und jeder Schülerin einen ganz konkreten Ausbildungsplatz versprechen könnten, wenn die Leistung halbwegs stimmt. Gleiches gilt genauso für all die sogenannten Maßnahmen und sozialpädagogischen Hilfen für junge Menschen in Hartz IV – vom Sprachkurs über Bewerbungstraining bis hin zum Ein-Euro-Job, wären sie tatsächlich auf ein ganz konkretes Ziel hin geplant und organisiert, nämlich auf den Ausbildungsplatz oder Arbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt. Unsere Gesellschaft ist im Begriff, regional und sozial auseinanderzubrechen. Unsere sozialen Sicherungssysteme sind an ihren Grenzen angelangt. Alle bildungs-, sozial- und arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen müssen folglich danach befragt werden, ob sie die Menschen vor Einkommensarmut und Ausgrenzung bewahren und ob sie konkrete Perspektiven schaffen. Perspektiven für die Armen, Perspektiven für diese Gesellschaft. Dr. Ulrich Schneider Die Volkshochschule Steglitz-Zehlendorf empfiehlt: talentCAMPus: Mehrgenerationenhaus Phoenix Ferienwerkstatt für junge Menschen ab 10 Jahre 5 Tage: 7.–11. Oktober 2013 – entgeltfrei Jetzt buchen bei der VHS: www.vhssz.de oder Telefon 030–90299 5020 In Kooperation mit: LEO BORCHARD MUSIKSCHULE STEGLITZ-ZEHLENDORF GEFÖRDERT VOM mehr als Wissen Victor-Gollancz-Volkshochschule

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Nr. 171 • Oktober • 17. Jahrgang Foto: SzS Kein sicheres Überqueren für Schulkinder! 30 Tempo 30 Übrigens, ganz nebenbei … Übrigens, ganz nebenbei … von Angelika Lindenthal Das ist eine Variante. Die andere, auch immer wieder erlebte ist diese: Tagelang nichts von Freundin Elke gehört. Freundin Elke kennt mich lange und gut, auch meine abendlichen Aktivitäten. Oft so ab ca. 19.30 Uhr beginne ich mein Abendbrot zusammen zu stellen, dann Nachrichten, vielleicht noch Kurzkrimi und danach evtl. Hauptfilm, jedenfalls außerhalb der heißen Sommermonate. Gerade hat der Film begonnen, da klingelt das Telefon. Freundin Elke ist dran und möchte mit mir plaudern (manchmal meine ich, sie stellt den Kurzzeitmesser exakt auf 20.20 Uhr). Mein AB teilt ihr freundlich aber bestimmt mit, dass ich gerade nicht zu Hause bin. Schade, liebe Elke, ich bin im Heim-Kino. Sie nimmt Vorlieb mit meinem Chip und plaudert. Ich habe keine Zeitbegrenzung eingespeichert. Ich kriege einige Filmsequenzen nicht mit, weil ich doch Elkes Wortschwall lausche, ihn aber nicht verstehe. Ich habe beobachtet, dass ich eigentlich oft gerade dann irgendwie unabkömmlich bin, wenn das Telefon klingelt. Mal stehe ich auf der Leiter, mal unter der Dusche, mal unter Zeitdruck wegen eines knappen Arzttermins, mal bin ich beim Schreiben einer Kolumne oder eben nicht zu Hause. Danach verstreichen wieder Zeiten der absoluten Stille, die von keinem Anrufer unterbrochen wird. Und wenn – dann siehe oben. Ich glaube, da gibt es so ein kleines Telefon-Teufelchen, das dem Anrufer im falschen Moment leise zuflüstert: „Ruf jetzt an, los, mach schon“, sich ins Fäustchen lacht und es einfach drauf hat, mich zu ärgern. Kennen Sie das auch? Herausgeber: Stadtteilzentrum Steglitz e.V., Geschäftsstelle: Ostpreußendamm 159, 12207 Berlin, Telefon 0 30 / 84 4110 40 info@stadtteilzentrum-steglitz.de Redaktion: Thomas Mampel, V.i.S.d.P., Telefon 0 30 / 83 22 0743, mampel@stadtteilzentrum-steglitz.de Hagen Ludwig; Angelika Lindenthal; Peter Dörrie; Juliane Eichhorst; Peter Sieberz; Sabine Wilhelm-Osterloh, Friederike Prinz-Dannenberg; Inge Krüger; Susanna Quandt; Anna Schmidt; Ansprechpartner Redaktion, Anzeigen, Gestaltung + Satz: Anna Schmidt, Telefon 0 30 / 77 20 65 10, schmidt@stadtteilzentrum-steglitz.de Belichtung + Druck: BVZ Berliner Zeitungsdruck GmbH Auflage: 10.000 Stück nächster Redaktionsschluss: 10. Oktober 2013 Thema der Septemberausgabe: Männer Kennen Sie das auch? Oh, Moment, mein Telefon klingelt, ich gehe schnell einmal ran, bin sofort wieder bei Ihnen. So, da bin ich wieder, Entschuldigung. Also, genau das meine ich, wenn ich Sie frage, ob Sie das auch kennen: Ich sitze entspannt irgendwie irgendwo in den eigenen Wänden. Grabesstille um mich herum. Kein Fernsehen, kein Radio, keine Aktivität, nur ich und meine Gedanken. Manchmal sind diese solcher Art: Warum rufen eigentlich nie Freundin Monika oder Freundin Elke an, immer muss ich. Jetzt hätte ich Lust auf ein Schwätzen. Aber warum soll ich wieder? Wir haben doch alle Flatrate. Na gut, ich versuch‘ es trotzdem. Dreimal Klingelzeichen, dann die wohlbekannte Stimme von Freundin Monika. Doch nein, leider nicht live, es ist ihr Sprachautomat. Die hinlänglich strapazierte lustige Ansage spult sich ab, der nervige bip und dann soll ich. Aber ich will nicht. Raunze nur: „Ich war’s, melde dich doch mal“ und lege auf. Nach längerer, Telefonanruf freier Ruhepause begebe ich mich z.B. in die Küche zwecks Nahrungszubereitung. Gerade wenn ich mir die verklebten Latex-Einmal-Handschuhe mühsam übergestreift habe und den Kartoffelschäler über Erdäpfel oder Rote Rüben flitzen lasse, klingelt das Telefon. Ich kann jetzt nicht, alles tropft und überhaupt. Dann höre ich Freundin Monikas ungeduldige Stimme auf meinem AB: „Dich erreicht man ja nie, ruf mich doch mal zurück“. Ruf jetzt an Der Hindenburgdamm ist eine stark befahrene Straße, zugleich aber auch ein sehr stark genutzter Überweg. Vier Schulen, drei Kitas in unmittelbarer Nähe, das Krankenhaus Benjamin Franklin sowie der Schlosspark Lichterfelde als stark genutzter Freizeitbereich liegen unmittelbar an der Straße. Gefahrloses Überqueren des Hindenburgdamm ist für Erwachsene, Kinder und Senioren nur schwer möglich. Wir werden uns weiterhin verstärkt dafür einsetzen, dass der Hindenburgdamm zwischen Bäke- und Klingsorstraße als Tempo 30 Zone eingerichtet wird. Unterstützen Sie uns und kommen Sie mit uns ins Gespräch. Dazu laden wir Sie herzlich zum nächsten „Runden Tisch“ ins Gutshaus Lichterfelde ein: 5. November 2013, 18.30 - 20.00 Uhr. Gutshaus Lichterfelde, Hindenburgdamm 28, 12203 Berlin am Hindenburgdamm Sudoku 8 2 3 1 9 5 4 1 9 6 8 9 9 3 2 1 7 5 9 6 4 6 3 1 8 2 3 7 5 6 Die Zahlen 1 bis 9 in jeder Spalte, jeder Reihe und jeder 3x3 Box einmal unterbringen! Die Lösung des Rätsels aus der September-Ausgabe sehen Sie unten. 4 5 3 6 9 8 7 1 2 7 6 2 3 1 4 8 9 5 9 8 1 5 7 2 6 4 3 1 9 4 2 6 3 5 8 7 8 2 6 7 5 9 1 3 4 3 7 5 8 4 1 9 2 6 6 3 8 1 2 7 4 5 9 5 1 9 4 3 6 2 7 8 2 4 7 9 8 5 3 6 1 Über die Armut braucht man sich nicht zu schämen. Da gibt‘s vielmehr Leut‘, die sich über ihren Reichtum schämen sollten. Johann Nepomuk Nestroy

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