Pik As - 100 Jahre Nachtasyl

 

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100 JAhre UtA MerteNS · heIKe Ollertz PIK AS NAchtASyl

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Editorial Eine Minute zur Wexstraße, drei Minuten zur Musikhalle, etwa fünf Minuten zum Neuen Wall, zehn Minuten bis zur Reeperbahn – zentraler kann man in Hamburg kaum wohnen. In dieser guten und begehrten Lage steht seit 1913 ein großer, roter Backsteinbau: das Pik As. Übernachtungsstätte für obdachlose Männer ist die offizielle Bezeichnung, es wohnen aber auch einige wenige Frauen hier. Jeder Bewohner hat seine eigene Geschichte: Junge und alte, Männer, die wesentlich älter aussehen, als sie sind, Menschen mit Ausbildung oder Studium und solche, die nie eine echte Chance hatten. Drogen, Alkohol und psychische Probleme gehören hier zum Alltag. Wir haben in diesem Asyl von spannenden Lebensläufen gehört, oft gestaunt, waren betroffen, auch traurig, und nicht selten mischte sich eine ordentliche Portion Wut dazu. Zugegeben – einige Male waren wir von der Verfassung Einzelner, von Alkoholfahnen, mangelnder körperlicher Sauberkeit und offensichtlicher Krankheit auch erschrocken, berührt waren wir jedes Mal. Das Pik As ist die größte Obdachlosenherberge der Stadt und die älteste in ganz Deutschland. 210 Plätze ist die Sollbelegung. Im Winter drängen sich aber häufig fast doppelt so viele Menschen auf die 65 spärlich eingerichteten Räume. Mit geringer Personalstärke und knappen Mitteln versuchen Mitarbeiter und Ehrenamtliche, diesen unterschiedlichen Männern eine menschenwürdige Übernachtungsmöglichkeit zu bieten – und die Chance auf eine Dusche, auf die Möglichkeit, ihre Wäsche zu waschen und vielleicht auf eine Mahlzeit. Das Pik As ist rund um die Uhr für sie geöffnet. Manche bleiben ein paar Tage – andere viele, viele Jahre. Unser großer Dank gilt den Bewohnerinnen und Bewohnern des Pik As für ihr Vertrauen. Ohne diese Nähe, wäre ein Einblick in ihre gegenwärtigen Lebensbedingungen im Pik As nicht möglich gewesen. Uta Mertens Heike Ollertz

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imprESSum Fotografie Idee, Realisation und Text Gestaltung Auflage Preis Produziert dank der großzügigen Unterstützung von: Heike Ollertz Uta Mertens hofAtelier Toni Horndasch 2.000 Stück 20 Euro 100% Spende an den Förderverein – Santa Fe Natural Tobacco Company, Hamburg – Druckerei Girzig + Gottschalk GmbH, Bremen – Papyrus Deutschland GmbH & Co. KG, Ettlingen – Katrin Marcks-Scheftel und Gefördert durch die VG Bildkunst Alle Rechte vorbehalten. Herausgeber Das Copyright liegt bei den jeweiligen Urhebern. Förderverein PIK AS e.V. Neustädter Straße 31 a 20355 Hamburg www.foederverein-pik-as.de Hamburger Sparkasse BLZ 200 505 50 Konto-Nr.: 1001 222 114 Spendenkonto

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inhalt 98 GESichtEr dEr StraSSE Auf der Straße leben … 10 20 24 56 58 60 78 80 90 95 108 124 80 24 taG und nacht Klopf, klopf … Hausrundgang, wir kommen jetzt rein! Ein Tag im Pik As WintErnotproGramm Ein Winterabend KranKhEit und pflEGE Der Fall Pingel – „Mein Leben hat Fallsucht bekommen“ Sterben im Pik As – „Nett, dass Du zu mir kommst“ Das Leben von Harry R. – „Ich bin stehen geblieben“ Wohnungslos. Psychisch krank. hoffnunG Die Geschichte von Klaus-Peter R. – „Für mich zählten nur meine Frau, meine Hunde und meine Arbeit.“ Ein Gespräch mit Modupe A. – „Warum aufgeben? Es ist Dein Leben!“ Gesellschaftliches Engagement – „Ein Sommermärchen“ 126 138 140 60 BEWacht, vErfolGt, aufGEfanGEn Pik As in Zahlen Am Rand und mittendrin – Ein Rückblick Asyl ohne Rückfahrkarte – Undercover 1967 Pik As heute Leben am Rande des Sozialstaates – Fotoserie von Rudolf Wichert aus dem Winter 1982/83 145 146 154 157 158 hintErGrund 164 126 3

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Platte an der „Roten Flora“ in der Schanzenstraße im März 2013. 4

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Eine der bekanntesten „Platten“ in Hamburg ist unter der KerstenMiles-Brücke. Die Empörung war groß, als im September 2011 der damalige Bezirksamtsleiter Markus Schreiber einen Zaun aufstellen ließ, um die Obdachlosen zu vertreiben. Die Proteste führten dazu, dass er wieder abgebaut wurde. Im Winter 2013 brannte es hier und die „Platte“ musste geräumt werden. Aktuell wird die Brücke saniert. 6

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GruSSWort Obdachlosigkeit hat viele Gesichter: Es sind die der Männer und Frauen, die wir auf der Straße sehen. Es ist der Verkäufer des Straßenmagazins Hinz & Kunzt. Es sind vermehrt Männer und Frauen aus Osteuropa, die nach der EU-Osterweiterung hier auf besseres Leben hofften, aber keine Arbeit finden. Sie leben oft zurückgezogen. Aber sie haben ihre persönliche Geschichte. In Hamburg gibt es viele beeindruckende Persönlichkeiten, die sich für Obdachlose stark gemacht haben und stark machen. Ich denke etwa an Annemarie Dose, die 1995 die Hamburger Tafel gründete. Und es gibt neben dem Winternotprogramm der Stadt – das deutschlandweit seinesgleichen sucht – eine ganze Reihe weiterer Hilfsangebote für Wohnungslose. Eines dieser Angebote ist die Obdachlosenherberge Pik As in der Neustadt. Hier helfen engagierte Männer und Frauen denjenigen, die sich selbst oft nicht mehr helfen können. Sie helfen, wenn es etwa darum geht, Arbeit und Wohnung zu suchen, sie stehen bei Behördengängen mit Rat und Tat zur Seite. Dass das Pik As seine Hilfe pragmatisch und lebensnah gestaltet, zeigt zum Beispiel das neue Projekt der fertig gepackten Krankenhaustasche – weil Obdachlosen für einen stationären Klinikaufenthalt oft die nötigsten persönlichen Dinge fehlen. Seit 100 Jahren stehen die Türen des Pik As offen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tragen dazu bei, dass Obdachlose ihren Alltag besser bewältigen können. „Beeindruckend und gut, dass es Menschen gibt, die das täglich machen“, hat die Schauspielerin Nina Petri, Schirmherrin und Patin des Pik As, vor kurzem gesagt. Die Obdachlosen, um die man sich im Pik As kümmert, haben ihre Gesichter und ihre Geschichten. Uta Mertens hat sie besucht, ihnen zugehört und ihre Geschichten aufgeschrieben. Die Fotografin Heike Ollertz hat einige der Männer und Frauen fotografiert, die sie im Pik As getroffen hat. Ich lade alle Hamburgerinnen und Hamburger ein, mit den beiden genau hinzuschauen. Den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dem Förderverein Pik As e.V. und allen Unterstützerinnen und Unterstützern danke ich für ihr Engagement. Erster Bürgermeister Olaf Scholz 9

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oben: Oli P. (46) rechts: Werner S. (60) 12

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