Hochwasserschutzfibel

 

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hochwasserschutzfibel objektschutz und bauliche vorsorge

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hochwasserschutzfibel objektschutz und bauliche vorsorge stand dezember 2010

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1 grußwort hochwasser bedrohen seit jeher die menschen an bächen flüssen seen und den küsten als teil des natürlichen wasserkreislaufs sind hochwasser zunächst naturereignisse die erst wenn sie auf werte treffen schäden verursachen können wo und wann das nächste mal ein hochwasser entsteht ist kaum vorhersehbar auch mehrere jahre ohne hochwasser an einem binnengewässer oder ohne sturmfluten an den küsten dürfen nicht zu dem trugschluss verleiten dass die gefahr gebannt sei zusätzlich lassen die auswirkungen des klimawandels einen anstieg der intensität und häufigkeit von hochwassern erwarten deshalb werden überall große anstrengungen unternommen um der bedrohung entgegen zu treten während beim küstenschutz vor allem technische schutzmaßnahmen im vordergrund stehen sind beim binnenhochwasserschutz vorsorgemaßnahmen in gleichem maße wichtig wie technische schutzbauten oder der hochwasserrückhalt in der fläche die strategien zum hochwasserschutz haben sich in den letzten jahren grundlegend gewandelt früher wurde meist nach einem schadensträchtigen hochwasser lösungsansätze gesucht um an gleicher stelle ein vergleichbares hochwasser in zukunft schadensfrei überstehen zu können mit der umsetzung der hochwasserrisikomanagementrichtlinie der europäischen union werden in den kommenden jahren in deutschland und in ganz europa an den relevanten gewässern hochwasserrisikomanagementpläne aufgestellt die neben der reinen gefährdung durch hoch wasser auch das hochwasserrisiko berücksichtigen also die kombinationen aus häufigkeit und schadensausmaß im rahmen der pläne werden maßnahmen des hochwasserschutzes und der hochwasservorsorge konzipiert und bewertet die private vorsorge wird dabei eine wichtige rolle einnehmen die hochwasserschutzfibel gibt dazu wertvolle hinweise an bauherren hausbesitzer und mieter auch für architekten und ingenieure die im rahmen der gebäudeplanung die schutzkonzepte entwerfen kann sie eine wichtige planungshilfe sein und dazu beitragen dass größere schäden verhindert und unnötige finanzielle belastungen vermieden werden damit sensibilisiert und stärkt die fibel das bewusstsein auch dort wo es bisher keine erfahrungen mit hochwasser gab nur gemeinsam lassen sich die negativen auswirkungen von hochwasser abmindern oder verhindern auch wenn es keinen absoluten hochwasserschutz geben kann wird es attraktiv bleiben in der nähe von gewässern zu wohnen und zu leben das hochwasserrisikomanagement ist ein wichtiger teil der öffentlichen daseinsvorsorge und der integrierten flusspolitik der bundesregierung dr peter ramsauer bundesminister für verkehr bau und stadtentwicklung

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2 inhaltsverzeichnis einführung hochwasser ­ ein naturereignis hochwasser und statistik mögliche auswirkungen des klimawandels auf die hochwassersituation strategien zur hochwasservorsorge teil a bau und verhaltensvorsorge für betroffene bürger 1 1.1 1.2 1.3 einwirkungen von hochwasser auf gebäude eindringen von wasser in gebäude wasserdruck und auftrieb maßnahmen gegen auftrieb 4 4 6 6 8 9 10 10 10 11 11 11 12 13 16 18 20 20 20 21 22 23 23 24 24 24 25 25 26 1.3.1 ausreichende gebäudelasten und wand sohlendimensionierung 1.3.2 flutung von gebäuden 1.4 2 3 4 5 5.1 5.2 5.3 5.4 6 6.1 6.2 strömung schutz der gebäude vor oberflächenwasser schutz der gebäude vor eindringendem grundwasser schutz der gebäude vor eindringendem kanalisationswasser rückstau bauliche vorsorge heizung und installation sicherung des heizöltanks vor aufschwimmen auftrieb lagerung und umgang mit sonstigen wassergefährdenden stoffen baustoffe -materialien wasserbeständige materialien verhaltensvorsorge hochwassergefahrenkarten wissen um die gefahr persönliche alarm und einsatzpläne hochwassercheckliste 6.2.1 organisation einer nachbarschaftshilfe 6.2.2 hochwasserausrüstung 6.2.3 evakuierung des mobiliars 6.2.4 notgepäck und dokumente notquartier 7 risikovorsorge

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3 teil b grundsätze beim vorsorgenden hochwasserschutz 8 9 10 11 gesetzliche vorgaben hochwasserflächenmanagement verhaltenvorsorge und hochwasservorhersage technischer hochwasserschutz 27 28 32 33 34 34 34 35 37 38 40 40 40 41 42 43 43 44 46 47 11.1 funktion der technischen hochwasserschutzsysteme 11.2 wirtschaftlichkeit von hochwasserschutzmaßnahmen 11.3 mögliche versagensarten von schutzeinrichtungen 11.4 hochwasserschutz im kanalsystem sicherung der binnenentwässerung 11.5 küstenschutz 12 planung von abwehrmaßnahmen 12.1 zuständigkeiten im hochwassereinsatz 12.2 alarmplan 12.3 einsatzplan 12.4 vorbereitung und durchführung von evakuierungen 12.5 mechanismen zur maßnahmenoptimierung 12.6 materialien zur hochwasserabwehr technische ausrüstung 13 Öffentlichkeitsarbeit bewusstseinsbildung bei den von hochwasser betroffenen anhang 1 hochwasserbeständige bau materialien anhang 2 checklisten zur privaten hochwasservorsorge

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4 einführung hochwasser an der elbe extreme niederschlagsereignisse haben in den letzten jahren im mitteleuropäischen raum zu hochwassern mit hohen volkswirtschaftlichen schäden geführt die auswirkungen dieser hochwasser waren für viele der privaten haushalte und für viele der betroffenen gemeinden ohne hilfe von außen nicht zu bewältigen auch die nord -und ostseeküsten bleiben von extremen meteorologischen ereignissen nicht verschont nach der letzten verheerenden sturmflut in deutschland im jahr 1962 wurden allerdings umfangreiche technische maßnahmen ergriffen um siedlungsgebiete an den deutschen küsten gegen vergleichbare fluten besser zu schützen anders als beim hochwasserschutz im binnenland sind die handlungsmöglichkeiten des einzelnen dort sehr beschränkt allerdings können vor allem im bereich der rückgangsküsten oder innerhalb der städte wie z.b hamburg und bremen die inhalte dieser broschüre auch für die dort von sturmfluten betroffenen hilfreich sein diese hochwasserschutzfibel gibt ratschläge und arbeitsanleitungen damit bei der mehrzahl der zukünftigen hochwasserereignisse schädigende auswirkungen vermieden bzw abgemindert werden sie soll anwendung bei wohn und verwaltungsgebäuden finden im grundsatz sind alle hinweise auch auf den gewerblichen bereich übertragbar allerdings entstehen durch die besonderheiten jedes einzelnen betriebes viele einzelfälle die über den rahmen dieser broschüre hinaus gehen in teil a gibt die hochwasserfibel betroffenen bürgerinnen und bürgern wertvolle hinweise für die bau und verhaltensvorsorge in teil b werden gesetzliche grundlagen dargestellt und die strategien und handlungsschwerpunkte der betroffenen gemeinden beim hochwasserrisikomanagement aufgezeigt im anhang finden sich materialien für die organisation und die durchführung von maßnahmen der privaten hochwasservorsorge die verknüpfung von hinweisen an privatpersonen und an öffentliche entscheidungsträger in dieser fibel soll das verständnis untereinander verstärken hochwasser ­ ein naturereignis in unregelmäßigen zeitabständen führen außergewöhnliche witterungsereignisse zu hochwasser diese gehören ­ wie die jahreszeiten ­ zu den ständig wiederkehrenden naturereignissen hochwasser sind ein bestandteil des naturhaushaltes viele arten und lebensgemeinschaften haben sich nicht nur an das hochwassergeschehen angepasst sondern brauchen die regelmäßige Überflutung zur erhaltung ihrer lebensräume der mensch hingegen kann sich mit seinem lebensumfeld nicht immer an die dynamik eines hochwassers anpassen das wissen über das hochwasser zusammen mit der richtigen vorsorge kann helfen die schäden die ihm durch hochwasser entstehen können gering zu halten.

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5 der höchstwasserstand des hochwassers gut abschätzen hier erhält die verhaltensvorsorge des einzelnen aufgrund der vorhandenen reaktionszeit eine besondere bedeutung bei der schadensminderung selbstverständlich sind auch hier eine gute bauliche vorsorge und eine hochwasserangepasste bauweise erforderlich kanalrückstau kann sowohl als folge von starkniederschlägen als auch als folge von hochwasser in flüssen auftreten werden abwasserkanäle durch zu große regenmengen überlastet oder gelangt flusswasser oder hohes grundwasser in erheblicher menge in das kanalsystem kommt es zum rückstau im abwasserkanal das über die hausanschlussleitung in die kellerräume einströmende wasser kann erhebliche schäden verursachen grundwasseranstieg ist die folge lang anhaltender niederschläge oder nassperioden im klimageschehen sowie von ausgedehnten hochwasserereignissen solche hochwasserereignisse führen zuerst in der aue später im binnenland zu einem grundwasseranstieg eisgang in flüssen kann in verbindung mit kleineren hochwasserereignissen lokal zu hohen wasserständen führen besonders vor künstlichen hindernissen wie beispielsweise brücken können sich treibende eisschollen verkeilen das abflussprofil versperren und oberhalb zu einem rückstau führen löst sich die eisbarriere plötzlich auf kann die dabei entstehende schwallwelle unterhalb hohen schaden anrichten sturmflut wird ein ereignis an der nordseeküste genannt wenn durch entsprechende dauer und stärke des auflandigen windes sowie des tidehubes der wasserstand höher als 1,5 m über dem mittleren tidehochwasser hochwasser lassen sich nach entstehung und erscheinungsform wie folgt unterscheiden starkniederschläge sind besonders in den sommermonaten als folge von gewitterfronten zu beobachten starkniederschläge weisen die größten niederschlagintensitäten auf sind räumlich begrenzt und haben eine relativ kurze dauer besonders bäche und flüsse mit kleinen einzugsgebieten reagieren mit einem sehr schnellen anstieg des abflusses und des wasserstandes in der regel sind die reaktionszeiten so gering dass für ergreifen von schutzmaßnahmen wenig bzw keine zeit bleibt eine präzise vorhersage ist nicht möglich deshalb ist zur schadensminderung eine bauliche vorsorge am gebäude besonders wichtig hochwasser in flüssen treten immer dann auf wenn räumlich ausgedehnte lang anhaltende niederschläge teilweise in verbindung mit schneeschmelze die abflussmenge im gewässer so groß werden lassen dass diese ausufern die wasserstandsschwankungen liegen dabei im meterbereich aufgrund der an vielen gewässern vorhandenen hochwasservorhersagesysteme lassen sich der zeitliche verlauf und

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6 stand mthw liegt vom zuständigen bundesamt für seeschiffahrt und hydrographie gibt es eine klassifikation von sturmflutstärken 1,5 bis 2,5 m über mthw leichte sturmflut 2,5 bis 3,5 m über mthw schwere sturmflut 3,5 m über mthw sehr schwere sturmflut hochwasser und statistik hochwasser gibt es seit jeher allerdings existieren quantitative aufzeichnungen von historischen hochwasserereignissen erst seit etwa 150 jahren davor gibt es meist nur hinweise auf extreme hochwasserereignisse zum beispiel durch historische hochwassermarken oder in chroniken aus den aufzeichnungen der pegeldaten lassen sich statistische analysen durchführen wie häufig ein bestimmter pegelstand überschritten wurde jedes neue hochwasserereignis oder auch lange zeiten ohne hochwasser verändern die statistik für die bewertung von sturmflutereignissen spielen zusätzlich die aufzeichnung und auswertung des meereswasserspiegelanstiegs der strömungsverhältnisse der wellenenergie und der sturmereignisse eine entscheidende rolle rheinpegel köln mögliche auswirkungen des klimawandels auf die hochwassersituation klimawandel ist eine der größten herausforderungen unserer zeit und für unsere zukunft dabei steht außer frage dass wir uns in einem prozess der veränderung unseres klimas befinden hauptindikator für den klimawandel ist die globale erderwärmung die sich bereits zeigt und die in den kommenden jahren voraussichtlich weiter zunehmen wird der prozess ist schleichend aber erste auswirkungen können wir bereits heute verspüren eine erhöhung der globalen durchschnittstemperatur in den kommenden jahrzehnten von ein bis zwei grad celsius wird als möglich angesehen ohne eine wesentliche minderung der treibhausgasemissionen muss von einem deutlich höheren anstieg in den globalen durchschnittstemperaturen ausgegangen werden die trendaussagen der klimaprojektionen dürfen aber nicht mit der wettervorhersage verwechselt werden während bei der wettervorhersage die wetterentwicklung ausgehend von den aktuellen werten und beobachtungen unter einbeziehung der erfahrung aus der wetteraufzeichnung für die kommenden tage vorhergesagt wird erfolgt eine klimaprojektion auf basis von szenarien bei denen unter anderem die konzentrationen von treibhausgasen in unserer atmosphäre die veränderungen der flächenversiegelung die bevölkerungsentwicklung oder der umgang mit den energieressourcen für die kommenden jahre vorausgeschätzt werden erst die ergebnisse mehrerer szenarien ergeben im vergleich ein bild der möglichen großräumigen klimaentwicklungen die klimaprojektionen betrachten dabei großwetterlagen und treffen keine aussagen zum eintreten von kleinräumigen ereignissen wie starkregen oder gewitterniederschlägen alle klimamodelle haben eines

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7 wetterextrem starkniederschlag wetterextrem trockenheit gemeinsam kein modell kann das komplexe klimageschehen in seiner gesamtheit abbilden zudem ist es für die modellierung zukünftiger klimatischer verhältnisse erforderlich annahmen und vereinfachungen zu treffen durch die die rechenergebnisse immer mit unsicherheiten behaftet sind unterschiedliche annahmen in der modellierung erschweren zudem die vergleichbarkeit der ergebnisse hochwasser im binnenland ist die folge von niederschlägen im ersten grundsatz gilt mehr wärme bedeutet mehr energie bedeutet mehr feuchtigkeitsumsatz nach einschätzungen der für deutschland vorliegenden regionalen klimamodelle werden sich die niederschläge im jahreszeitlichen verlauf verschieben im winter wird es voraussichtlich mehr niederschläge geben allerdings weniger schnee im sommer hingegen wird es in der gesamtbilanz vielerorts trockener wodurch andere probleme zu erwarten sind die prognosen zum niederschlag beziehen sich dabei auf die lang anhaltenden tiefdruckniederschläge zu den veränderungen der häufigkeiten und intensitäten der starkniederschläge im sommer geben die klimamodelle derzeit noch keine antwort die klimaprognosen sind für die einzelnen regionen in deutschland zum teil recht unterschiedlich großwetterlagen werden sich verändern oder verschieben deshalb ist es schwer eine allgemeine aussage über die folgen des klimawandels auf das hochwassergeschehen in deutschland zu geben in süddeutschland zum beispiel sind bei den häufig wiederkehrenden hochwasserereignissen zunahmen der hochwasserabflüsse bis zum ende des jahrhunderts um bis zu 75 pro zent möglich bei den seltenen ereignissen die statistisch gesehen einmal in hundert jahren oder seltener auftreten können abflusserhöhungen von bis zu 25 prozent auftreten je kleiner das wiederkehrintervall bzw je größer die eintretenswahrscheinlichkeit desto höher wird die zunahme erwartet dies bedeutet dass dort die kritischen pegel zukünftig häufiger erreicht und überschritten werden könnten die zunahme der hochwasserabflüsse um einen bestimmten prozentsatz bedeutet aber nicht bei jedem pegel den gleichen wasserstandsanstieg jeder pegel hat seine eigene charakteristik je nach form des gewässerquerschnitts am pegel nimmt der abfluss mit steigendem wasserstand unterschiedlich zu die beziehung von wasserstand zu abfluss am pegel wird pegelkurve genannt eine beispielhafte auswertung verschiedener pegelkurven an unterschiedlichen gewässern in süddeutschland zeigte einen möglichen anstieg des wasserstands um durchschnittlich ca 0,5 bis 1,2 metern bei den häufig wiederkehrenden hochwasserereignissen die statistisch alle fünf jahre bis alle 20 jahre eintreten und eine mögliche erhöhung von durchschnittlich ca 0,2 bis 0,6 metern bei den seltenen hochwasserereignissen mit einem wiederkehrintervall von hundert jahren und mehr für ganz extreme ereignisse ab einem statistischen wiederkehrintervall von tausend jahren wird keine erhöhung erwartet bei aktuellen hochwasserschutzplanungen wird die klimaentwicklung von den planern bereits berücksichtigt sei es durch entsprechende zuschläge sei es durch entsprechende vorbereitungen für spätere anpassungen das bedeutet aber nicht dass alle schutzeinrich-

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8 flächenvorsorge bauvorsorge tungen in den kommenden jahren mitwachsen werden mancherorts werden die vorhandenen schutzgrade rechnerisch auch abnehmen an den küsten ist aufgrund des sich abzeichnenden klimawandels mit verschiedenen veränderungen zu rechnen die auswirkungen auf die hochwassersituation haben können dazu zählen der anstieg des meeresspiegels die zunahme der wellenenergie die veränderung der strömungsverhältnisse tideänderungen und die intensivierung der sturmtätigkeit bereits heute werden mögliche auswirkungen von klimaänderungen bei der planung sorgfältig abgewogen und berücksichtigt zum beispiel werden küstenschutzanlagen aus gründen der sicherheitsvorsorge so ausgelegt dass ein meeresspiegelanstieg von 30 bis 50 cm in hundert jahren möglich wäre obwohl im letzten jahrhundert nur 10 bis 20 cm zu beobachten waren die tatsächlich eintretenden entwicklungen werden fortlaufend beobachtet und ausgewertet damit zeitnah die ggf nötigen maßnahmen ergriffen werden können um das heutige schutzniveau aufrecht erhalten zu können das forschungsvorhaben kliwas des bmvbs befasst sich damit die bandbreite der zu erwartenden hydrologischen veränderungen an den wasserstraßen und an der küste in deutschland wissenschaftlich belastbar zu erfassen die ergebnisse werden wichtige grundlagen für die weiterentwicklung des hochwasserschutzes liefern strategien zur hochwasservorsorge die wirtschaftliche entwicklung und der siedlungsdruck haben dazu geführt dass flussauen und küstengebiete als industrie gewerbe und siedlungsfläche sowie als landund forstwirtschaftliche fläche genutzt werden der schutz durch technische hochwasser verhaltensvorsorge risikovorsorge schutzanlagen wie mauern deiche sperrwerke an der küste oder hochwasserrückhalteanlagen im binnenland wirkt nur bis zum jeweiligen bemessungshochwasser darüber hinausgehende hochwasser überfluten die bis dahin geschützten gebiete einen absoluten hochwasserschutz gibt es nicht bereits 1995 wurde in der leitlinie für einen zukunftweisenden hochwasserschutz der bund-länder-arbeitsgemeinschaft wasser lawa darauf hingewiesen dass ein umfassender hochwasserschutz neben dem technischen hochwasserschutz auch eine weitergehende hochwasservorsorge beinhalten muss die weitergehende hochwasservorsorge umfasst folgende einzelstrategien die flächenvorsorge mit dem ziel möglichst kein bauland in hochwassergefährdeten gebieten auszuweisen die bauvorsorge die gebäude durch hochwasserangepasste bauweisen und nutzungen mögliche hochwasserüberflutungen schadlos überstehen lässt die verhaltensvorsorge die vor anlaufenden hochwassern warnt und diese warnung vor ort in konkretes schadensminderndes handeln umsetzt die risikovorsorge die finanzielle vorsorge für den fall trifft dass trotz aller vorgenannten strategien ein hochwasserschaden eintritt.

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9 teil a bau und verhaltensvorsorge für betroffene bürger das wissen um die einwirkungen von wasser auf bauwerke und deren ausrüstung und die kenntnis über um das hochwassergeschehen sind grundvoraussetzung für eine effektive bau und verhaltensvorsorge die überwiegende anzahl der hier gegebenen empfehlungen beziehen sich auf bestehende gebäude wo immer möglich sollten bei der wahl neuer siedlungsstandorte hochwassergefährdete flächen gemieden werden als hochwassergefährdet können dabei alle flächen angesehen werden die im hochwasserfall nass werden können also auch flächen die jenseits von gesetzlichen Überschwemmungsgebieten liegen die nachfolgenden technischen darstellungen stellen beispielhafte möglichkeiten dar im einzelfall empfiehlt es sich einen fachkundigen planer einzuschalten private hochwasservorsorge

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10 teila bauundverha lt e n s vo rsorgef Ü rbetroffeneb Ü rger 1 einwirkungen von hochwasser auf gebäude 1.1 eindringen von wasser in gebäude 1.2 wasserdruck und auftrieb das eindringen von wasser in gebäude führt im allgemeinen nicht zu einer gefährdung seiner standsicherheit jedoch zu nachhaltigen schäden am gebäude z b an türen fenstern haustechnik putz tapeten bodenbeläge und an der inneneinrichtung ziel gebäudebezogener schutzmaßnahmen sollte daher sein das eindringen von wasser in das gebäude zu verhindern oder zumindest zu begrenzen solange noch eine ausreichende gebäudestandsicherheit gegeben ist grundsätzlich werden untenstehende wege des wassereintritts in gebäude im falle eines hochwasserereignisses unterschieden wassereintrittsmöglichkeiten bei gebäuden wassereintrittsmöglichkeiten bei gebäuden steigt das grundwasser über das niveau der gründungssohle entstehen wasserdruck und auftriebskräfte am gebäude die größe der auftriebskraft hängt von dem durch das gebäude verdrängten wasservolumen ab und somit von der höhe des wasserstandes die auftriebskraft nimmt mit dem steigenden wasserstand und dem verdrängten wasservolumen zu wird die auftriebskraft größer als die summe aller gebäudelasten schwimmt das gebäude auf im ungünstigsten fall kann das gebäude dabei zerstört werden deshalb muss die gebäudestandsicherheit zu jeder zeit ­ also auch bei höchsten hochwasserereignissen ­ gewährleistet sein insbesondere in der bauphase können sich kritische zustände ergeben wenn die gebäudelasten noch gering sind deshalb ist die bauausführung so zu planen dass gefährdete bauabschnitte wie z b nach fertigstellung der gründung nicht mit jahreszeit typischen hochwassern in den winter und frühjahrsmonaten zusammenfallen vorsorglich sollte die möglichkeit einer flutung des gebäudes eingeplant werden achtung wasserdichte gebäude mit wenigen geschossen haben normalerweise nicht das gegen auftrieb erforderliche eigengewicht darüber hinaus entstehen zusätzliche beanspruchungen aus dem wasserdruck auf die gründungssohle und die seitenwände häufig sind die gebäude nicht für solche belastungen ausgelegt bei hochwasser können dann die seitenwände eingedrückt und oder die sohle beschädigt werden hochwasser 5 2 6 geländeoberkante 4 1 1 3 1 eindringen von grundwasser durch kellerwände sohle 2 eindringen von rückstauwasser durch kanalisation 3 eindringen von grundwasser durch umläufigkeiten bei hausanschlüssen rohrwege kabel sind i.d.r nicht druckwasserdicht in das mauerwerk eingebettet oder durch undichte fugen 4 eindringen von oberflächenwasser durch lichtschächte und kellerfenster 5 eindringen von oberflächenwasser infolge durchsickerung der außenwand 6 eindringen von oberflächenwasser durch tür fensteröffnungen

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t eila bauundverha lt e n s vo rsorgef Ü rbetroffeneb Ü rger 11 gefahr des aufschwimmens auftriebskraft gebäudelasten gefahr des aufschwimmens auftriebskraft gebäudelasten hochwasser hohes grundwasser 1.3 maßnahmen gegen auftrieb summe aller gebäudelasten 1.3.1 ausreichende gebäudelasten wand sohlendimensionierung hochwasser geländeoberkante nur geringfügig eingestaute gebäude haben in der regel eine ausreichende auftriebssicherheit es sollte aber unbedingt eine statische Überprüfung der auftriebssicherheit durch den planer für jedes gefährdete gebäude erfolgen neben der auftriebssicherheit des gesamtgebäudes müssen auch die einzelnen gebäudeteile auf den erhöhten wasserdruck bemessen sein deshalb sind im allgemeinen kellerwände und gründungssohlen in stahlbeton auszuführen außerdem ist die gründungssohle durch ausreichende verankerungen gegen aufschwimmen oder aufbrechen zu sichern 1.3.2 flutung von gebäuden gefährden auftrieb oder wasserdruck die gebäudestandsicherheit kann als einfachste und auch kurzfristig wirkungsvollste gegenmaßnahme das gebäude teilweise oder auch vollständig geflutet werden für diesen fall sind markierungen im gebäude pegel hilfreich die die erforderliche höhe für eine flutung des gebäudes anzeigen eine flutung mit sauberem wasser kann folgeschäden verringern die nebenstehende abbildung veranschaulicht das kräfteverhältnis bei wasserverdrängung und flutung durch eine flutung wird im gebäudeinneren ein gegendruck aufgebaut der die von außen auf das gebäude wirkenden kräfte deutlich reduziert zusätzlich wird die gebäudelast um das gewicht des wassers erhöht fazit flutung reduziert die resultierenden belastungen auf das gebäude wasserdruck auf die außenwand wasserdruck auf die außenwand sohlwasserdruck auftriebskraft sohlwasserdruck auftriebskraft erhöhung des gegendrucks durch teilweise flutung des gebäudes erhöhung des gegendrucks durch teilweise flutung des gebäudes hochwasser mit ungeflutetem gebäude hochwasser mit geflutetem gebäude summe aller gebäudelasten hochwasser erhöhung des gegendrucks durch teilweise flutung geländeoberkante wasserdruck auf die außenwand sohlwasserdruck auftriebskraft sohlwasserdruck auftriebskraft wasserdruck auf die außenwand

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