Calluna Sommer 13

 

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Die Sommerausgabe des Südheide-Magazins

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unt erweg s als die reisenden in zeiten vor der allgemeinen motorisierung ihnen muss die heide endlos vorgekommen sein mehrere tagesreisen dauerte es bis der öde eintönige landstrich durchquert war der anblick der blühenden heide im spätsommer wurde gewiss auch in früheren zeiten als schön empfunden doch er konnte nicht darüber hinwegtäuschen dass heide eigentlich armut bedeutet wo heide wächst gedeiht kaum etwas anderes nur die wenigsten pflanzen kommen mit so nährstoffarmen staubtrockenen sandböden zurecht der reiseschriftsteller karl gottlob küttner 1755 1805 muss als er in die lüneburger heide kam regelrecht entsetzt gewesen sein » ich dachte nicht dass es so gar elend wäre mich dünkt es ist der schlechteste strich von einem solchen umfange der mir je vorgekommen ist der boden dieses ganzen landes ist eine ungeheure sandwüste die von natur entweder ganz nackt ist oder heidekraut oder dünn vertreute stechende grashalme hervorbringt.« der französische diplomat michel ange mangourit 1752 1829 sah auf seiner reise von celle nach harburg so manches »armseliges dorf« und so manche »elende hütte« die armut war offensichtlich »ganze familien mit bleichem gesicht mit zerfetzten kleidern leben essen schlafen im stalle ihres viehs in der nähe dieser wahren katakomben sieht man einige dünne roggen oder gerstenhalmen und hier und da ein fleckchen mit buchweizen das stroh ist kurz die Ähren arm und mager.« Ähnlich schlecht wie um den ackerbau schien es um die viehzucht bestellt zu sein der reisende aus frankreich sah lediglich ein paar gänse enten und »schaafe von einem erbärmlichen ansehen haydeschnucken« dass heute dort wo sich einst die heide bis zum horizont erstreckte raps blüht kartoffeln reiche ernte bringen und der mais bis zu zwei meter hoch wird ist vor allem zwei erfindungen zu verdanken dem mitte des 19 jahrhunderts erfundenen dampfpflug mit dem die mechanisierung der bodenbearbeitung in der landwirtschaft begann und dem um 1870 von justus liebig eingeführten kunstdünger auch in der forstwirtschaft vollzog sich im 19 jahrhundert ein tief greifender strukturwandel die heide wurde vor allem von der klosterkammer und vom preußischen staat großflächig aufgeforstet und damit verdrängt viel treffender als lüneburger heide wäre heutzutage die bezeichnung lüneburger wald wer auf der bundesstraße 4 von gifhorn nach uelzen unterwegs ist fährt fast die gesamte strecke durch wald es ist nur schwer vorstellbar dass sich hier vor noch gar nicht langer zeit nichts als heide befand am südhang des blauen bergs bei suderburg rund einen kilometer westlich der b 4 lassen sich noch die fundamente einer segelflughalle aus den 1930er jahren entdecken damals gab es ringsum nichts als heide heute liegen die fundamente mitten im wald das verschwinden der heide durch die zunehmenden aufforstungen und umwandlungen in ackerland brachte die ersten naturschützer hervor 1905 kaufte pastor wilhelm bode der auch der heidepastor genannt wurde den totengrund und legte damit den grundstock für das naturschutzgebiet lüneburger heide gemeinsam mit ihm kämpfte hermann löns für den erhalt der heideflächen um wilsede um weitere mitstreiter zu werben pries er unermüdlich die schönheit der heide besondes stimmungsvoll geriet ihm der bericht »ein goldener heidherbsttag« darin schreibt er » schön ist die blühende heide wer sie aber nur kennt in der frühherbstblüte der kennt sie nicht vier hohe zeiten hat die heide viermal im jahr blüht sie wenn der birkhahn balzt zieht sie ihr frühlingskleid aus jungem birkengrün mit silbernem wollgrasbesatz an naht der herbst heran dann trägt sie ihr rosaseidenes schleppgewand im winter kleidet sie sich in ein weißes ballkleid das ihr der rauhreif webt ihr herrlichstes kleid aber schenkt ihr der spätherbst es ist das kleid in dem ich sie am liebsten mag solange sie es trägt bleibe ich ihr treu dann erst ziehe ich in den buchenwald am bergeshang in die steinklippen verschneiter kuppen nie habe ich solchen heidhunger wie dann nicht einmal zur frühlingszeit wenn die moore beben vom hahnengebalz.« mit löns kam die heideromantik so richtig in schwung nach der unterbrechung durch die beiden weltkriege wurde die lüneburger heide in der nachkriegszeit wieder zum gefragten ausflugsziel der von heidepastor bode gegründete verein naturschutzpark wurde unter dem vorsitz des hamburger kaufmanns alfred toepfer zum motor des fremdenverkehrs im gegensatz zu bode stellte toepfer nicht den naturschutz sondern den tourismus in den vordergrund der vereinsaktivitäten stand einst der schutz der tier und pflanzenwelt im vordergrund so gilt es heute neben dem selbstverständlichen schutz der tiere und pflanzen weiträumige erholungslandschaften zu 6 calluna

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