62. Internationale Orgelwoche Nürnberg - Musica Sacra

 

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21. - 30. Juni 2013

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62 internationale orgelwoche nürnberg ­ musica sacra 21 ­ 30 juni 2013 gnade thematisch performativ bildlich vielfältig 62 ion

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sparkassen-finanzgruppe leben nah am sich selber ein bild von e ie org re vors machen s gen für ih n leistun unsere zukunft ie und ihre ihre famil der perfekte rahmen für ihr vermögen das private banking der sparkasse s sparkasse nürnberg wir beraten sie exklusiv und individuell zu absicherung vorsorge vermögensoptimierung generationenund immobilienmanagement gern entwickeln unsere private banking experten ganzheitliche lösungen für ihre persönliche lebenssituation vereinbaren sie jetzt einen gesprächstermin wenn s um geld geht ­ sparkasse nürnberg.

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danksagung die veranstaltungen der internationalen orgelwoche nürnberg ­ musica sacra sind nur dank des großzügigen engagements zahlreicher freunde und förderer möglich die stiftung »internationale orgelwoche nürnberg ­ musica sacra« dankt den nachfolgenden damen und herren firmen und institutionen sehr herzlich für diese unterstützung hauptsponsoren sparkasse nürnberg henriette schmidt-burkhardt sponsoren augustinum roth tucher sche kulturstiftung patronat freundeskreis der internationalen orgelwoche nürnberg e.v brigitte baur dieter a beran dr elisabeth birkner dr dieter bouhon martin drechsler dr matthias everding dr peter hußmann dr hans-georg kinsky heimo messer uwe lamann karin nitsche gunther oschmann günter petz joachim pietzcker dr ingo riedel dr bernd rödl siegbert rudolph oskar schlag norbert schmitt bruno schnell konsul günter späth martin steger und gabriele streng Öffentliche zuschussgeber bayerisches staatsministerium für wissenschaft forschung und kunst bezirk mittelfranken stadt nürnberg kirchliche zuschussgeber evangelische landeskirche in bayern evangelische gesamtkirchengemeinde nürnberg katholische gesamtkirchengemeinden in nürnberg erzbistum bamberg bistum eichstätt 3

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4 projektförderer hauptstadtkulturfonds ihk-kulturstiftung der mittelfränkischen wirtschaft mercedes-benz niederlassung nürnberg n-ergie nationales performance netz projektpartner radialsystem v berlin staatstheater nürnberg tafelhalle nürnberg medienpartner bayerischer rundfunk stadtreklame nürnberg presse und Öffentlichkeitsarbeit ophelias pr münchen kartenvertrieb staatstheater nürnberg service gmbh herausgeber des programmbuchs stiftung internationale orgelwoche nürnberg ­ musica sacra folkert uhde künstlerische leitung robert vogel geschäftsführung cornelia schiffel organistion lorenzer platz 10a 90402 nürnberg redaktion des programmbuches bernhard schrammek berlin druck und anzeigen offsetdruck buckl gmbh nürnberg

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5 s sparkasse nürnberg privatebanking kulturreferat pb_logo.indd 1 08.02.12 17:21 gefördert durch den freistaat bayern

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freitag 21 juni samstag 22 juni sonntag 23 juni montag 24 juni dienstag 25 juni thematisch performativ bildlich orgel gottesdienste und sonstige veranstaltungen »05« evangelischer festgottesdienst 10.00 uhr st sebald s 30 »07« mittagskonzert i 12.15 uhr frauenkirche s 36 »10« mittagskonzert ii 12.15 uhr frauenkirche s 50 »03« Ökumenische vesper 18.00 uhr st lorenz s 20 »08« klangprobe 17.30 uhr st lorenz s 40 »11« klangprobe 17.30 uhr st lorenz s 52 »01« einführungsvortrag 20.00 uhr st lorenz s 14 »04« ionacht 20.00 uhr diverse orte »06« brucknermesse 19.00 uhr st lorenz »09« inside partita 20.00 uhr aufseßsaal s 32 s 42 »12« ladymass 20.00 uhr frauenkirche s 54 »02« eröffungskonzert 21.00 uhr st lorenz s 14 s 22 24 »13« inside partita 20.00 uhr aufseßsaal s 42

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mittwoch 26 juni donnerstag 27 juni freitag 28 juni samstag 29 juni sonntag 30 juni »29« katholischer festgottesdienst 10.00 uhr frauenkirche s 110 »14« mittagskonzert iii 12.15 uhr frauenkirche s 58 »17« mittagskonzert iv 12.15 uhr frauenkirche s 68 »20« mittagskonzert v 12.15 uhr frauenkirche s 80 »21« orgelpunkt 16.00 uhr st lorenz s 84 »25« workshop 16.00 uhr lux s 100 »15« klangprobe 17.30 uhr st lorenz s 60 »18« klangprobe 17.30 uhr st lorenz s 70 »22« klangprobe 17.30 uhr st lorenz s 86 »16« elsbeth tucher 20.00 uhr rathaus s 62 »19« preisträgerkonzert 20.00 uhr st sebald s 78 »23« angel s share 20.00 uhr tafelhalle s 88 »26« angel s share 20.00 uhr tafelhalle s 88 »30« h-moll-messe 19.00 uhr friedenskirche s.112 »24« ion-party 22.00 uhr tafelhalle »27« missa nova 21.00 uhr st lorenz s 102 s 98 »28« reflektionen 23.00 uhr st egidien s 108

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8 »gnadenbedürftigkeit ist in der moderne die eigentliche zumutung des glaubens« gespräch mit petra bahr kulturbeauftragte der ekd und folkert uhde künstlerischer leiter der ion über das thema der diesjährigen ion das gespräch führte bernhard schrammek »gnade« lautet das leitwort der diesjährigen internationalen orgelwoche nürnberg ­ musica sacra der begriff ist allgemein bekannt und dennoch schwer zu fassen wie kann man »gnade« treffend definieren petra bahr das wort »gnade« kommt heute vor allem in der rechtsprechung als akt der begnadigung vor dies ist bereits sehr aufschlussreich für die bedeutung des begriffs gnade ist der verzicht auf das legitime mittel mein recht einzufordern auf den alltag übertragen heißt das wenn wir gnädig miteinander umgehen verzichten wir auf das recht das uns eigentlich zusteht auf das recht uns aufzuregen oder gegenseitig anzuzeigen allerdings stellt sich die wirklichkeit oft genau umgekehrt nämlich gnadenlos dar wir agieren eben nicht wie der bundespräsident der bestrafte begnadigen kann sondern wie zornige götter beim gericht die medien unterstützen das bereitwillig und befördern eine stimmung die von voyeurismus häme und negativer begeisterung geprägt ist gnade dagegen ist eine form der aktiven großzügigkeit nämlich etwas zuzulassen das in den aufrechnungsstrukturen des alltags nur schwer möglich ist wo liegen die wurzeln des »gnaden«-begriffes pb es gibt unterschiedliche wurzeln für das was heute unter gnade verstanden wird zum einen ist es das alte juristische gnadenrecht das der könig oder ein anderer herrscher innehatte mit seiner souveränität konnte er willkürlich über das schicksal der menschen entscheiden zum anderen kommt die vorstellung von gnade aus der bibel und wird als eine grundeigenschaft gottes beschrieben gott ist dazu in der lage seine selbst geschaffenen sanktionen und regeln auch auszusetzen sehr schön ist das beispielsweise an der sintflut-geschichte im alten testament abzulesen gott ist zunächst zornig und will die welt vernichten schließlich agiert er aber doch gnädig und lässt alles noch einmal neu entstehen.

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9 liegt in der willkür von gnade nicht auch eine gefahr pb ja gnade ist immer etwas außerrechtliches und kann daher als ungerechtigkeit oder auch als zumutung an das recht verstanden werden daher muss gnadensprechung gut ausbalanciert und aus beiden perspektiven beurteilt werden wenn wir nur beobachter sind finden wir das zuweilen empörend wenn wir aber selbst auf gnade angewiesen sind sind wir natürlich froh dass es diesen schöpferischen spielraum gibt in der christlichen tradition wird die gnade als ausnahme von der regel sozusagen demokratisiert denn jeder mensch ­ so die biblische aussage ­ ist trotz seiner fehler und unzulänglichkeiten geliebt gewürdigt und geachtet und kann auf gottes gnade hoffen dazu muss man aber glauben pb wahrscheinlich ist die gnadenbedürftigkeit in der moderne die eigentliche zumutung des glaubens statt der selbstrechtfertigungsversuche wäre glaube das vertrauen dass ich meine fehler nicht vertuschen oder entschuldigen muss weil die göttliche großzügigkeit mir einen neuanfang ermöglicht wie kommt es nun zur wahl des themas »gnade« für die diesjährige ion folkert uhde festivalprogramme und themen ergeben sich in meiner arbeit meist organisch im laufe der vorbereitungszeit im falle der diesjährigen orgelwoche betraf dies vor allem zwei aspekte zunächst einmal hat sich relativ früh herauskristallisiert dass in mehreren konzerten messvertonungen erklingen werden man hätte das festival nun einfach mit »missa« überschreiben können allerdings suche ich lieber nach begrifflichkeiten die zum nachdenken und zur diskussion anregen hierbei kam mir ein zweiter aspekt entgegen der sich konkret auf die stadt nürnberg mit ihrer unglaublich reichen kulturgeschichte aber auch der furchtbaren zerstörung im zweiten weltkrieg bezieht mit den werken des eröffnungskonzertes wird daran erinnert es erklingen die »quatre chants« von gerard grisey die sich in eindrucksvoller weise mit dem ende auseinandersetzen und dabei immer fragmentarischer werden damit sowie mit ähnlich von verzweiflung geprägten werken aus dem 17 jahrhundert möchte ich dem moment der totalen zerstörung dem »nullpunkt« nachspüren gesungen wird

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10 aber auch der ruf »herr erbarme dich« der am beginn jeder messe steht und auf die gnade gottes verweist um diese aspekte miteinander zu verbinden habe ich als titel der nürnberger orgelwoche das wort »gnade« gewählt pb ich erhoffe mir von so einem festival dass auch menschen die sonst wenig oder nichts mit gott zu tun haben beim hören der musik zumindest für kurze zeit in die grundhaltung der glaubenden versetzt werden und ich möchte dabei mut machen die alten texte wie etwa das kyrie der messe nicht als »weltkulturerbe« aufzufassen sondern sich als text von heute anzueignen solche konzerte laden ein sich zumindest probeweise in eine haltung zu versetzen die es erlaubt den herrn um erbarmen zu bitten damit kann ein festival auch ein experiment in glaubenssachen werden ob es der kollektive aufschrei am beginn der h-moll-messe ist oder die stille verzweifelte arie »erbarme dich« aus der matthäus-passion ­ über die musik werden die texte in einer ganz persönlichen und einzigartigen weise zu uns transportiert fu damit wird der besuch eines konzertes zu einer wirklichen erfahrung ich versuche mit meiner arbeit immer wieder neue wahrnehmungsräume zu schaffen es soll nicht nur um »schöne« musik gehen die gut klingt sondern mit dem hörer soll etwas passieren dafür muss man natürlich die voraussetzungen schaffen mehrfach wird in den festivalkonzerten am beginn einer messvertonung das »kyrie eleison« erklingen handelt es sich dabei um eine huldigung oder einen bußruf pb beide aspekte gehören zusammen auf der einen seite steht das verzweifelte ich das sich nicht zu fein ist einen anderen um hilfe zu bitten und dieses anliegen auch an einen konkreten adressaten richtet auf der anderen seite besteht aber auch das vertrauen dass dieser adressat so groß ist dass er mir helfen kann je nach persönlicher befindlichkeit und stellung im kirchenjahr können sich diese beiden seiten des »kyrie eleison« in ihrer gewichtung verschieben welche rolle hat die musik in diesem religiösen zusammenhang?

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11 pb musik hat einen verkündigungsauftrag und ist damit eine form der religiösen erfahrung so wie die predigt eine andere ist daran muss man immer wieder erinnern die musik im gottesdienst soll die menschen keineswegs nur in gute stimmung bringen oder auf die predigt vorbereiten sondern hat die emotionale qualität menschen den sinn für höheres zu öffnen und damit einen eigenständigen theologischen und ästhetischen kommentar zu erbringen musik ist also ein »door-opener« nicht nur für die tür zum himmel sondern auch für die tür zum verborgenen in uns selbst allein die unterschiedlichen messvertonungen die in den letzten 1000 jahren entstanden sind ja nicht nur ein zeugnis der unterschiedlichen musikhistorischen epochen sondern jeweils eigenständige auslegungen des evangeliums fu das ist auch das faszinierende an einem festivalprogramm das ­ wie in unserem fall ­ fast 700 jahre musikgeschichte abdeckt man kann innerhalb weniger tage erleben wie unterschiedlich die komponisten mit denselben texten umgegangen sind und gleichzeitig spricht es umgekehrt für den ungeheuren gehalt des kanonisierten messtextes mit dem sich so viele generationen überaus kreativ auseinandergesetzt haben leider ist es selbst unter den musikern heute keineswegs eine selbstverständlichkeit sich intensiv mit dem text zu beschäftigen bevor eine messe einstudiert und aufgeführt wird pb dabei haben mir mehrere dirigenten versichert wenn sie mit den musikern vorher über die texte sprechen klingt es auch anders das betrifft nicht vorrangig die korrekte artikulation der worte sondern das verstandes und gefühlsmäßige reflektieren der inhalte petra bahr folkert uhde

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12 fu ich würde sagen es geht um beseelung pb genau das rein mechanische konzertieren bekommt dadurch noch eine andere dimension seltsamerweise gibt es gerade in der kirchenmusikalischen praxis wenig sensibilität dafür ich wünschte mir dass ein pfarrer wenigstens zweimal im jahr mit seinem kirchenchor an den inhalten der texte arbeiten würde fu wahrscheinlich wird dies in der kirche als bekannt vorausgesetzt dabei verliert man ja gerade dadurch auf die dauer die verbindung zu den texten und löst dadurch auch keine resonanz mehr bei den zuhörern aus dann besteht die gefahr dass die musik zur bloßen dekoration heruntergestuft wird pb dann ist kirchenmusik auch keine geistliche musik mehr weil sie in einem »gefühligkeits-modus« steckenbleibt denn geistliche musik muss sakrale räume öffnen und einen aneignungsprozess auslösen dazu ist die kunst notwendig und natürlich die bereitschaft auf hörerund interpretenseite sich offen damit zu beschäftigen dann kann aus kirchenmusik auch wieder geistliche musik werden ­ und das nicht nur im gottesdienst sondern auch und gerade bei geistlichen konzerten im rahmen eines festivals fu mein ziel bei diesem festival ist es wahrnehmungsräume zu öffnen oder auch bestimmte »haken« zu setzen an denen man hängenbleiben kann das versuchen wir beispielsweise mit der aufführung der h-moll-messe im abschlusskonzert gleich nach dem ersten kyrieruf des chores wird das stück unterbrochen und ein zwischenruf erschallen auch im weiteren verlauf gibt es immer wieder weitere textliche »widerhaken« die zum nachdenken über den text und die musik anregen sollen diese zwischenrufe kommen entweder aus dem ensemble oder aus dem publikum das wird für irritationen sorgen aber gleich von anfang an eine »gefühligkeit« verhindern etliche konzerte bei der diesjährigen ion werden mit lichtregie begleitet und sind von ungewöhnlichen sitzordnungen geprägt warum haben sie sich dazu entschlossen fu ich möchte keine vordergründigen events schaffen die bunt und schrill sind sondern ich versuche mit diesen mitteln eine fokussie-

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13 rung zu erreichen dies gelingt manchmal durch eine irritation am besten wenn zum bespiel alle im saal darauf warten dass vorn auf der bühne etwas passiert dann aber von hinten jemand in den saal kommt und singt kann man sicher sein dass das publikum ab sofort eine geschärfte wahrnehmung hat oder wenn während des einlasses bereits auf der bühne ein musiker im halbdunkel vor sich hin spielt verändert das ganz entscheidend die wahrnehmung und kann besser auf die später erklingende musik auf das eigentliche des abends hinführen keine events also sondern eine tiefere erfahrung möchte ich bei den konzerten der ion erreichen teufelsbrunnen an der lorenzkirche detail

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14 »01« »02« freitag 21 juni 2013 20.00 uhr einführungsvortrag dr petra bahr kulturbeauftragte der evangelischen kirche in deutschland kmd matthias ank orgel 21.00 uhr st lorenz eröffnungskonzert johann sebastian bach 1685­1750 »aus tiefer not schrei ich zu dir« choral aus der kantate bwv 38 eingerichtet für orgel heinrich schütz 1585­1672 »erbarm dich mein o herre gott« swv 447 für sopran streicher und basso continuo gérard grisey 1946­1998 »quatre chants pour franchir le seuil« »vier lieder um die schwelle zu überschreiten« für sopran und 15 musiker i la mort de l ange der tod des engels franz tunder 1614­1667 »an wasserflüssen babylon« für sopran streicher und basso continuo gérard grisey »quatre chants pour franchir le seuil« ii la mort de la civilisation der tod der zivilisation

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15 heinrich schütz »erbarm dich mein o herre gott« gérard grisey »quatre chants pour franchir le seuil« iii la mort de la voix der tod der stimme matthias weckmann 1618 19­1674 »wie liegt die stadt so wüste« für sopran bass streicher und basso continuo gérard grisey »quatre chants pour franchir le seuil« iv la mort de l humainité der tod der menschheit heinrich schütz »erbarm dich mein o herre gott« gérard grisey »quatre chants pour franchir le seuil« berceuse johann sebastian bach »aus tiefer not schrei ich zu dir« dorothee mields sopran grisey leah gordon sopran barockkantaten martin berner bariton barockkantaten staatsphilharmonie nürnberg georg kallweit konzertmeister barockkantaten guido johannes rumstadt dirigent grisey folkert uhde konzept und projektionen kai weßler dramaturgie martin tebs licht und video

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