KÖPFE

 

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kö p f e helmut h i rte

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kö p f e helmut h i rte

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inhaltsverzeichnis

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vorwort von dietrich heissenbÜttel bildteil köpfe bildhauerei ab 2000 bildteil köpfe bildhauerei ab 1990 bildteil köpfe bildhauerei ab 1980 impressum 09 14 25 36 84

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vorwort dietrich heissenbÜttel

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dass das denken die richtung wechseln kann es sind immer köpfe auf die es fotografen und bildredaktionen abgesehen haben die führenden köpfe des landes head of department abteilungsleiter der kopf ist oben oder auch vorn der kopf eines zuges lateinisch caput ­ das haupt ­ die kapitale ­ die hauptstadt ­ das kapital der kopf steht für den ganzen menschen im pro-kopf-einkommen der kopfpauschale oder wenn dieser ein dach über dem kopf braucht dahinter stecke immer ein kluger kopf behauptet eine tageszeitung von sich kreative köpfe sucht ständig die werbebranche der kopf ist rund damit das denken die richtung wechseln kann das zitat ist bekannter als sein autor der künstler francis picabia der mensch lebt durch den kopf dichtete bertolt brecht doch der kopf reicht ihm nicht aus versuch es nur von deinem kopf lebt höchstens eine laus ach die welt ist so geräumig und der kopf ist so beschränkt meinte auch wilhelm busch für helmut hirte sind köpfe ein künstlerisches problem im ursprungssinn des griechischen wortes nämlich einer aufgabe oder gar einer streitfrage die es zu lösen gilt denn zu dieser künstlerischen aufgabe haben künstler verschiedener zeiten durchaus widerstreitende antworten gefunden die griechischen bildhauer suchten das ideal das der maler zeuxis aus den schönsten partien von fünf modellen zusammensetzte das ergebnis war dass die klassischen statuen alle gleich aussahen dagegen kannten sowohl die Ägypter als auch die römer die hohe kunst des porträts die dann erst im 13 jahrhundert unter zuhilfenahme von totenmasken wieder entdeckt wurde.

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der kopf das gesicht zumal ist der teil des körpers an dem man den menschen erkennt hirte der weder nach klassischen idealen noch nach einem realistischen abbild der äußeren wirklichkeit sucht gesteht durchaus zu dass ihn bei seinen ersten kopfdarstellungen gereizt habe heraus zu finden ob es ihm gelänge die porträtierten erkennbar wiederzugeben doch haben diese porträts zugleich etwas exemplarisches es sind sozusagen typen ob es sich um einen gestandenen mann mit kräftig gebautem haupt und oberlippenbart handelt um eine frau oder um ein kind auch ein selbstporträt ist darunter mit schnellen strichen skizziert modelliert und vom hintergrund abgesetzt durch ein paar eilig hingeworfene schraffuren bei aller flüchtigkeit tritt deutlich das bild eines neugierig wachen blicks einer freundlichen zugleich ironisch distanzierten haltung vor augen aber das porträt ist kein selbstzweck es steht vielmehr bei hirte am anfang einer suche danach was man mit dem thema des kopfes bildhauerisch alles anstellen kann auf die ersten statuarischen gipsköpfe folgen bald dreiviertelporträts aus dem grob behauenen stein oder dem gips herausgearbeitet dann auch ein farbig angelegtes porträt im profil hier werden alte themen der bildhauerkunst seit michelangelo erkennbar der gegensatz zwischen dem fertigen glatten und dem rohen unbearbeiteten stein oder der kopf als ausdrucksträger bis hin zum karikaturhaften die drei sehr verwandten kopfbildnisse der schrei verwandlung und ekel haben alle etwas ausgesprochen groteskes spielen aber zugleich mit struktur und farbigkeit unterschiedlicher gesteinsarten spätere arbeiten lösen sich weiter vom gegenstand einige scheinen nur ganz allge-

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mein einer kopfform zu folgen sie liegen schwer auf der unterlage aus grob behauenem stein mit deutlichen spuren der bearbeitung aber undurchdringlich hart in sich geschlossen oder als liniengewirr auf dem papier mit leuchtend hellen und tiefdunklen passagen helmköpfe wie von metallbändern umschnürt erinnern von fern vielleicht an horst antes oder an alt amerikanische arbeiten wie sie schon henry moore faszinierten die vergleiche hinken etwas archaisches scheint unverkennbar die rauhe unregelmäßige oberfläche kann leicht darüber hinwegtäuschen dass die form genau so gewollt ist dass nicht ein abbild angestrebt ist ein bildnis sondern das material in seiner natürlichen beschaffenheit und in den spuren seiner bearbeitung zum vorschein zu bringen dies gilt ebenso für die grob aus dem untersberger herausgearbeiteten köpfe ­ ein material das hirte gern verwendet ­ wie für die kopfprofile in lehm die wie überflutet und halb weggeschwemmt erscheinen im vergleich überraschen die massiven in sich ruhenden prophetenköpfe kahlköpfig und rund von schwer zu bestimmendem alter scheinbar realistisch wie der berühmte alt ägyptische dorfschulze und doch alles andere als eine bemühte imitation der natur vielmehr zeigen sie nicht weniger und nicht weniger bewusst und gewollt als die abstrakteren arbeiten die spuren der modellierenden bearbeitung ja die kratzer narben druckstellen der oberfläche scheinen eins zu sein mit der ausmodellierung der unregelmäßig runden kopfform nunmehr hat hirte ein breites repertoire zur verfügung,mit dem er sich dem thema kopf in verschiedenen materialien nähert er ist sich dessen bewusst wenn er dieses repertoire in seinem kopfregal über die zeit

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unbeschwert spielerisch zur schau stellt er hört damit freilich nicht auf zu experimentieren vielmehr gewinnen seine arbeiten an wagemut und leichtigkeit so lässt er in ode an die freude eine fragmentarische gipsform auf einem dünnen bein stehend auf einem sorgfältig abgetreppten sandsteinsockel empor wachsen wie von schlamm übergossen wirkt eine kleine tektonik aus gips ein wenig an dubuffet oder giacometti erinnernd blei ist was wie verkrustete hart gewordene lappen aussieht und kontrastiert mit einem hohlblockziegel zu einem kopf mit architektur gerät aus schlichter wellpappe mit paketband verklebt entsteht schließlich eine figur ob es der körper ist oder ein sockel er muss so geformt sein dass er steht und den kopf trägt das ist bei dem material wellpappe das sich nicht ganz beliebig formen lässt schlicht eine statische notwendigkeit der kopf der darauf steht ist rund hirtes köpfe zeigen dass das denken die richtung jederzeit ändern kann.

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kopf mit architektur blei backstein 60 x 60 x 35 cm 2007

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