Lahn-Marmor-Nachrichten 21

 

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Nachrichten aus dem Lahn-Marmor-Museum in Villmar

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m m ch nr 21 lahnri ch te marmorn na sammlung historischer aufnahmen auss eummu steeden issn 1619-0289 15 august 2010

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die erste seite in eigener sache liebe mitglieder und freunde des lahnmarmor-museums dieses heft hat einen ganz besonderen beitrag zu bieten nachdem dr grimm in den vergangenen heften fachkundig die entwicklung des lebens auf der erde geschildert hat haben wir für dieses heft prof thomas junker gewinnen können er ist biologe an der universität tübingen und autor mehrer bücher die sich mit dem thema mensch im weitesten sinne befassen er schließt unsere reihe zur erdgeschichte mit seinem beitrag zur entwicklung des menschen ab die kinderseite aus der feder von dr grimm ergänzt den beitrag mit einem villmarer thema befasst sich unsere langjährige autorin lydia aumüller die kalkreusch und eine steinmetzfamilie sind ihr thema aus dem museum gibt es drei themen die wir unseren lesern besonders ans herz legen möchten am 28 august also schon bald nach erscheinen dieses heftes findet im unica-bruch die zweite auflage der night of the reef statt zentraler teil der veranstaltung werden impressionen aus dem meer von heute lebenden riffen sein die nacht wird aber alle sinne anregen denn es gibt nicht nur riffe zu sehen es werden zwei bands spielen und für speis und trank ist auch gesorgt eine weitere veranstaltung ist die jahreshauptversammlung insbesondere jetzt da es so viele neuigkeiten rund um das museum gibt hoffen wir auf ihr erscheinen und eine rege diskussion ganz am ende dieses heftes und auf dem titelbild finden sie einen neuzugang aus steeden der sich jetzt in unserem archiv befindet ­ ein beispiel das hoffentlich schule macht wie immer an dieser stelle wünschen wir ihnen viel spaß beim lesen ­ und wir freuen uns auch über ihre rückmeldung ihr redaktionsteam in diesem heft lahn marmor gestein des jahres 3­4 thema mensch 5­11 kinderseite 12 thema kalkreusch 13­15 aus dem verein nica 16 internationale tagung in hagen 16 night of the reef 17 was ist eigentlich ­ korallenbleiche 17 internetseiten neu gestaltet 18 exkursion nach köln 19­21 einladung zur jahreshauptversammlung 22 neuzugang in archiv 22­23 termine 24 der verein lahn-marmor-museum ­ ansprechpartner und adressen vorstand 1 vorsitzender volker klemens 2 vorsitzender thomas meuser schatzmeister wolfgang behr schriftführer ulrich belz beisitzer gerold alban axel becker rudolf conrads jörg hawig wolfgang hÖhler egon negd dr stephan oetken ingrid pohl dr susanne p schwenzer wolfgang thust kuratorium vorsitzender bürgermeister hermann hepp villmar mitglieder lydia aumÜller villmar friedhelm bender runkel dr manfred fluck limburg hansjürgen heil runkel prof elmar hillebrand köln thomas keller hessisches landesamt für denkmalpflege prof dr thomas kirnbauer bochum dr peter kÖnigshof senckenberg museum frankfurt a m landrat manfred michel limburg bürgermeister martin rudersdorf beselich bürgermeister hans-peter schick weilburg staatssekretär a.d karl-winfried seif bürgermeister thorsten sprenger weinbach ulrike stottrop essen prof dr gerd weiß wiesbaden metfried a prinz zu wied runkel prof dr heinrich zankl marburg verein lahn-marmor-museum am brunnenplatz in villmar peter-paul-str 39-41 65606 villmar telefon 06482/607720 telefax 06482/607718 e-mail info@lahn-marmor-museum.de im internet www.lahn-marmor-museum.de kontonummer 151410107 kreissparkasse weilburg blz 51151919 impressum lahn-marmor-nachrichten herausgeber verein lahn-marmor-museum e v villmar erscheinungsweise halbjährlich issn 1619-0289 verantwortlich für den inhalt vorstand und redaktion namentlich gekennzeichnete beiträge geben nicht unbedingt die meinung des vorstandes und der redaktion wieder redaktionsschluss für heft nr 22 ist der 15.11.2010 verkaufspreis 2,50 im mitgliedsbeitrag enthalten druck kissel beselich redaktion dr susanne petra schwenzer verantwortlich uli belz rudolf conrads volker klemens und egon negd postadresse volker klemens rosenweg 3 35799 merenberg e-mail info@lahn-marmormuseum.de das titelbild zeigt eine impression aus steeden transport eines blockes mit dampflokomobil diese traktoren wurde mit steinkohlebriketts befeuert die hitze erzeugte im kessel dampf der wiederum die energie lieferte mit der das gefährt dann schwere lasten ziehen konnte 2

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thema gestein des jahres lahnmarmor repräsentiert das gestein des jahres 2010 von werner pÄlchen musterplatte mit dem bdg berufsverband deutscher geowissenschaftler logo foto w pälchen seit 1971 als durch den naturschutzbund deutschland e.v mit dem wanderfalken erstmals ein vogel des jahres gekürt wurde werden durch den nabu selbst oder andere gremien tiere oder pflanzen benannt die zu repräsentanten der natur des jahres erklärt werden im vordergrund stand und steht auch weitgehend heute noch die intention auf eine art aufmerksam zu machen die aktuell einer starken gefährdung ausgesetzt ist und daher einen besonderen schutz erfahren sollte inzwischen ist diese vorgehensweise die aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf ausgewählte naturobjekte zu lenken auf viele tier und pflanzenarten und auch auf böden und naturräume wie etwa flusslandschaften ausgedehnt worden trotz einer entwicklung die bereits gefahr lief leicht inflationäre züge anzunehmen hat sich der berufsverband deutscher geowissenschaftler bdg e.v im jahre 2007 nach reiflicher Überlegung entschlossen der bereits langen liste von objekten des jahres noch ein weiteres hinzulahn-marmor-nachrichten nr 21 zufügen ­ das gestein des jahres damit soll ­ abseits von einem bei den meisten anderen naturobjekten im vordergrund stehenden schutzgedanken ­ auf einen wesentlichen bestandteil der natürlichen umwelt der aber oft nur beiläufig zur kenntnis genommen wird in besonderer weise aufmerksam gemacht werden schließlich kann ein boden des jahres oder eine landschaft des jahres nicht losgelöst vom geologischen untergrund also von den gesteinen betrachtet werden die mit ihrer chemischen zusammensetzung und ihrer struktur den aufbau der böden ihr nährstoffpotenzial und den wasserhaushalt der landschaft entscheidend beeinflussen neben dieser rolle von gesteinen als landschaftsprägendes element der natur soll mit dem gestein des jahres aber auch der blick auf seine funktion als rohstoff für die wirtschaft als baustoff für die architektur und als objekt der bildenden kunst der denkmalpflege und der archäologie gelenkt werden 3

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thema gestein des jahres in abstimmung mit der deutschen gesellschaft für geowissenschaften dgg e.v hat der bdg im jahr 2007 den granit 2008 den sandstein und 2009 den basalt als gestein des jahres deklariert dadurch sollten gesteine in das gesichtsfeld der Öffentlichkeit gerückt werden die durch ihre weite verbreitung in vielen deutschen landschaften und ihre verwendung als baumaterial bereits einen hohen bekanntheitsgrad genießen für 2010 wurde der kalkstein als gestein des jahres ausgewählt www.planet-erde.de/aktuelles/geoszene kalkstein ist ebenfalls ein regional sehr weit verbreitetes gestein das in deutschland in einem weiten altersbereich vom kambrium bis zum quartär vorkommt und unter sehr unterschiedlichen geologischen bedingungen gebildet wurde daraus resultiert auch der in vielen gebieten landschaftsprägende charakter von kalksteinen für die verwendung von kalksteinen als rohstoff sind die strukturelle ausbildung und die chemische beschaffenheit ausschlaggebend kalksteine die in deutschland älter als oberkarbon ca 330 mill jahre sind waren der variscischen gebirgsbildung unterworfen und haben deshalb oft eine sammelkristallisation von einem meist feinkörnigen karbonatsediment oder einem organogenen riffkalk zu einem gröberkristallinen kalzitgestein erfahren das gilt auch für den massenkalk aus dem oberen mitteldevon der unter dem begriff lahnmarmor bekannt ist er vereint eine vielzahl von geologischen landschaftsformenden und vegetationsbeeinflussenden eigenschaften einerseits sowie eine breite palette von verwendungsfunktionen anderseits in sich und ist damit hervorragend geeignet den kalkstein als gestein des jahres 2010 zu repräsentieren diese natürlichen voraussetzungen auf seiten des gesteins selbst verbunden mit dem freundlichen entgegenkommen des lahn-marmor-museums villmar e.v haben auch dazu geführt dass der lahnmarmor im rahmen einer veranstaltung des berufsverbandes deutscher geowissenschaftler bdg von dessen vorsitzender frau dr ulrike mattig als repräsentationsgeschenk an einen illustren internationalen teilnehmerkreis ausgereicht werden konnte die vertreter aller in der european federation of geologists efg vereinigten länder und auch der mit dem bdg-ehrenpreis stein im brett ausgezeichnete wissenschaftsjournalist ranga jogeshwar konnten eine kleine platte von lahnmarmor mit nach hause nehmen und werden damit zukünftig wohl willkommene werbeträger für das interessante gestein und das museum in villmar sein adresse des autors werner pÄlchen berufsverband deutscher geowissenschaftler bdg e.v lessenicher straße 1 53123 bonn detail der marmorplatte mit bdg-logo durchmesser des logos ca 1 cm foto w pälchen die platten das lmm in eigener sache -sps nachdem die entscheidung für den marmor als gestein des jahres gefallen war erreichte uns von seiten des bdg die anfrage ob wir marmorplättchen als repräsentanten für den marmor im allgemeinen und das gestein des jahres im besonderen zur verfügung stellen könnten gesagt getan axel becker und uli belz haben ca 40 plättchen hergestellt und mit einem bdg-logo versehen sie verwendeten dazu eine lahnmarmor-platte aus dem material bongard aus den materialbeständen des vereins dadurch dass es sich um eine an einer fläche polierte platte handelte wurden nach dem zuschneiden hauptsächlich die seiten poliert und die oberfläche ausgebessert danach wurden die vom bdg zur verfügung gestellten logos aufgebracht versehen mit einem hinweis auf das lmn übergab axel becker die plättchen dann in wiesbaden an dr ulrike mattig die die aktion angeregt hatte der dank des vereins gilt an dieser stelle zuerst dr mattig und dem bdg für die idee und das uns entgegengebrachte vertrauen er gilt aber auch unseren mitgliedern axel becker und uli belz für das herstellen der platten 4 lahn-marmor-nachrichten nr 21

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thema evolution des menschen die evolution des menschen von thomas junker eine umfassende darstellung der evolution der menschen müsste mit der entstehung des lebens beginnen lmn 17 s 6­10 die bildung der ersten zellen einbeziehen vom ursprung der vielzelligen tiere vor mehr als 650 millionen jahren berichten lmn 17 s 11­18 die weitere evolution über wirbeltiere fische landlebende amphibien reptilien säugetiere bis zu den primaten lmn 18 5­12 lmn 19 12­18 und lmn 20 17­24 und schließlich zu den menschen verfolgen so wichtig die gemeinsamkeiten der menschen mit anderen organismen bis hin zu einzellern auch sind so wenig emotionen rufen sie im allgemeinen hervor ­ zumindest verglichen mit der verwandtschaft von menschen und anderen affen bereits die naturforscher des 18 jahrhunderts wussten dass menschen in ihren anatomischen strukturen bis in kleine details mit den menschenaffen übereinstimmen und obwohl einige wissenschaftler ihren ganzen ehrgeiz daran setzten einen absoluten unterschied zu finden ­ in der zahl und anordnung der knochen im aufbau des gehirns oder in anderen eigenschaften ­ erwies sich jeder dieser vermeintlichen funde als trügerisch das ergebnis der suche nach einer qualitativen anatomischen einzigartigkeit der menschen war insgesamt negativ was man fand waren quantitative abweichungen ­ in den proportionen von armen und beinen in der behaarung und pigmentierung der haut oder in der relativen größe des gehirns war die berühmte frage geboren stammt der mensch vom affen ab so zentral sie für unser selbstverständnis ist so ungern wird sie von wissenschaftler beantwortet dies liegt nicht daran dass sie schwierig zu beantworten wäre im gegenteil sie gilt als längst geklärt aber die art ihrer formulierung wirkt irritierend und nicht zuletzt erinnert sie an unliebsame weltanschauliche debatten über die affenabstammung der menschen die frage ist in der tat missverständlich formuliert da zweifelhaft bleibt was mit ,dem affen gemeint ist die säugetier-ordnung der primaten umfasst rund 230 heute lebende arten die affen im engeren sinn kapuzineraffen paviane meerkatzen u.a ebenso wie die menschenaffen gibbons orang-utans gorillas schimpansen und menschen ein wichtiger und manchmal vergessener punkt ist dass die zur selben zeit existierenden arten niemals voneinander abstammen sondern nur gemeinsame vorfahren haben so stammen gorillas oder menschen nicht von heutigen schimpansen ab ebenso wenig wie umgekehrt schimpansen oder gorillas aus jetzt lebenden menschen entstanden sind und so könnte man annehmen dass die richtige antwort ,nein ist darwin war anderer ansicht und er beantwortete die frage etwas verklausuliert aber doch eindeutig mit einem ja da der mensch aus genealogischer sicht zu den catarrhinen oder altweltaffen gehört müssen wir schließen ­ so sehr die schussfolgerung unseren stolz kränken mag ­ dass unsere frühen vorfahren korrekterweise so bezeichnet werden müssten aber wir dürfen nicht in den irrtum verfallen anzunehmen dass der frühe vorfahre des gesamten affenstammes einschließlich der menschen identisch mit irgendeinem heute lebenden affen oder menschenaffen war oder ihm auch nur sehr ähnelte darwin 1871 1 198-9 die korrekte antwort ist also ein ja denn zu den primaten zählen nicht nur heutige affen und menschenaffen sondern auch viele hundert frühere arten die im laufe der evolution ausstarben oder sich weiterentwickelten unter diesen finden sich auch die vorfahren der menschen da es menschen erst seit rund 2 millionen jahren gibt die ursprünge der primaten aber mehr als 65 millionen jahre in die zeit der dinosaurier zurückreichen stammen wir sogar von einer langen reihe äffischer vorfahren ab die antwort auf die frage ob ,der mensch vom affen abstammt hängt also davon ab ob heutige oder fossile primaten gemeint sind ist dies zweifelhaft lässt sich die frage nicht korrekt beantworten insofern ist es erstaunlich wie häufig die frage ohne vorherige 5 lahn-marmor-nachrichten nr 21 abb 1 im jahr 1699 erschien die erste wissenschaftliche untersuchung eines schimpansen durch den arzt edward tyson charles darwin behauptete nun in seinem berühmten buch über die entstehung der arten 1859 dass man aus der Ähnlichkeit zweier organismen auf ihre verwandtschaft schließen könne und so

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thema evolution des menschen abb 2 die vorstellungen über die verwandtschaftsverhältnisse der menschenaffen haben sich durch untersuchungen an erbmaterial dna grundlegend verändert links das traditionelle schema bei dem menschen eine lange unabhängige evolution durchlaufen rechts das neue modell bei dem menschen und schimpansen nahe verwandt sind nach foley 2000 klarstellung mit nein beantwortet wird vielleicht sollte man in diesem zusammenhang nicht vergessen dass es noch ein anderes ein kategorisches nein auf unsere frage gibt die grundsätzliche verleugnung der herkunft der menschen aus dem tierreich von religiöser seite die mehrdeutigkeit der frage scheint nun einen eleganten kompromiss zu ermöglichen mit einem nein geht man dem konflikt mit den religiösen evolutionsgegnern aus dem weg und kann gleichzeitig eine scheinbar korrekte antwort geben aber der kompromiss ist faul denn ja selbstverständlich stammen die menschen von affen ab aber nicht von heutigen sondern von früheren arten der neue stammbaum schon im 19 jahrhundert war die frage nicht mehr ob sondern wie menschen mit den anderen affen verwandt sind da sich die großen menschenaffen in ihrer äußeren erscheinung der art der fortbewegung und im verhalten von menschen doch recht deutlich unterscheiden vermutete die mehrheit der biologen bis in die 1990er jahre dass schimpansen gorillas und orang-utans untereinander näher verwandt sind als mit den menschen und vereinte sie in der familie der pongiden die stammlinie die zu den menschen führt hätte sich also zuerst abgespalten es war einer der großen erfolge der molekularbiologie dass sie durch den vergleich von proteinen und dna sowohl die abstammungsverhältnisse als auch die annähernden zeitpunkte der aufspaltungen eindeutig bestimmen konnte abb 2 das inzwischen allgemein akzeptierte ergebnis ist dass menschen und schimpansen am nächsten miteinander verwandt sind dann mit gorillas und schließlich mit orang-utans die Ähnlichkeiten zwischen den anderen menschenaffen die biologen in die irre geführt hatten sind also folge 6 ihrer ähnlichen lebensweise und nicht resultat naher genetischer verwandtschaft bei menschen dagegen sind abweichende merkmale entstanden weil sie sich an andere ökologische bedingungen ­ an das leben in baum und gras-savanne ­ angepasst haben der dna-vergleich hat darüber hinaus noch einen unschätzbaren vorteil man kann nicht nur die relativen verwandtschaftsverhältnisse feststellen sondern auch den ungefähren zeitpunkt an dem sich die gruppen getrennt haben die sogenannte molekulare uhr basiert auf der hypothese dass die genetischen veränderungen mutationen in dem untersuchten dna-abschnitt über einen bestimmten zeitraum mit einer gleichmäßigen rate erfolgt sind wenn zudem der absolute zeitpunkt einer der verzweigungspunkte durch unabhängige daten aus paläontologie oder archäologie bekannt ist lassen sich die anderen aufspaltungen datieren vincent m sarich und allan c wilson hatten in ihrer ersten entsprechenden untersuchung von 1967 die trennung zwischen menschenaffen und anderen altweltaffen auf 30 millionen jahre geschätzt was etwa 5 millionen jahre für die aufspaltung zwischen afrikanischen menschenaffen schimpansen und gorillas und menschen entsprechen würde bis dahin hatten viele paläoanthropologen eine unabhängige evolution der menschlichen stammlinie von 15 bis zu mehr als 30 millionen jahren für durchaus plausibel gehalten inwieweit passen nun die fossilen funde ­ die dritte wichtige gruppe von beweisen ­ ins bild im jahr 1871 als darwins descent of man erschien fehlten fossile beweisstücke für die evolution der menschen noch fast völlig junker hoßfeld 2009 die einzige ausnahme waren reste eines ungewöhnlichen skeletts die 1856 in einer höhle lahn-marmor-nachrichten nr 21

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thema evolution des menschen des neandertales bei düsseldorf gefunden worden waren 1891 entdeckte der junge arzt eugen dubois dann auf java skelettreste die als zwischenglied zwischen menschenaffen und menschen interpretiert werden konnten dubois pithecanthropus erectus aufrechtgehender affenmensch wird heute homo erectus genannt abb 3 dies gilt auch für den ,pekingmenschen sinanthropus pekinensis der ende der 1920er jahre im gebiet von zhoukoudian 40 km südlich von peking gefunden worden war bereits 1907 war der paläontologe otto schoetensack südöstlich von heidelberg auf einen gut erhaltenen unterkiefer gestoßen der den namen homo heidelbergensis erhielt seit ende der 1950er jahre wurden auch in ostafrika vor allem am turkana-see kenia und in der olduvai-schlucht tansania sowie in Äthiopien zahlreiche fossilien von australopithecinen geborgen die man verschiedenen arten zuordnete eine sensation war der fund eines vergleichsweise vollständigen skeletts von australopithecus afarensis in der äthiopischen afar-senke durch donald johanson im jahr 1974 unter dem namen ,lucy wurde das 3,2 millionen jahre alte skelett zu einer berühmtheit seither wurden zahlreiche weitere funde in afrika gemacht allerdings waren zunächst keine fossilien von homininen darunter die älter als 4.5 miollionen jahre sind das hat sich erst in den letzten jahren geändert mit ardipithecus ramidus bis zu ~5,5 millionen jahre orrorin tugenensis 6 millionen jahre und sahelanthropus tchadensis 6­7 millionen jahre beginnt sich auch diese lücke zu schließen auf der anderen seite wurden bisher keine fossilen homininen die älter als 2 millionen jahre sind außerhalb von afrika entdeckt es gilt deshalb heute als sicher dass der letzte gemeinsame vorfahre von menschen und schimpansen in afrika lebte wie das schon darwin vermutet hat und dass sich hier auch die nächsten phasen der evolution der menschen abgespielt haben warum gibt es menschen wie kann man sich die letzten gemeinsamen vorfahren von menschen und schimpansen vorstellen die vor mehr als 7 millionen jahren in afrika lebten da bisher keine fossilien aus der zeit kurz vor der trennung der beiden linien gefunden wurden geht man bei der rekonstruktion von den heute lebenden menschenaffen aus weiter nimmt man an dass menschen sich stärker von dem gemeinsamen vorfahren unterscheiden als schimpansen sie sollen also mehr neue abgeleitete eigenschaften aufweisen während die gemeinsamen merkmale von schimpansen gorillas und orang-utans ursprünglicher sind theoretisch wäre es möglich dass die gemeinsamen merkmale der großen menschenaffen in denen sie sich von menschen unterscheiden unabhängig voneinander mehrfach entstanden sind aber dies ist extrem unwahrscheinlich alle heute lebenden menschenaffen von menschen abgesehen sind an das leben im tropischen regenwald angepasst bäume sind nahrungsquelle schlafplatz und schutz vor raubtieren in einem diese umwelt erklärt viele aspekte ihrer lebensweise ihres verhaltens und ihrer anatomie alle menschenaffen auch gorillas bevorzugen als nahrung reife früchte wenn diese vorhanden sind in der anatomie zeigen sie anpassungen an hangeln armschwingen und senkrechtes klettern an bäumen und Ästen man stellt sich den gemeinsamen vorfahren von schimpansen und menschen also ähnlich heutigen schimpansen oder bonobos vor es waren behaarte menschenaffen des regenwaldes die 7 lahn-marmor-nachrichten nr 21 abb 3 schädel und skelett von homo erectus turkana boy homo erectus lebte vor 1,9 bis 0,2 millionen jahren wurde bis zu 185 cm groß und hatte ein gehirnvolumen von 725 bis 1250 kubikzentimetern bis mitte der 1920er jahre waren also nur wenige fossilien aus späteren phasen der evolution der menschen entdeckt worden und die fundorte befanden sich in europa südostasien und china was die weit verbreitete annahme zu bestätigen schien dass der ursprung der menschen in zentralasien war erst nach 1924 rückte afrika ins zentrum des paläoanthropologischen interesses als raymond dart über die entdeckung des schädels eines homininen in südafrika berichtete die ersten reaktionen auf den fund den dart australopithecus africanus südlicher affe aus afrika nannte waren kritisch bis ablehnend.

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thema evolution des menschen nischen regenwald von west über ost nach südafrika umgab um in dieser neuen umwelt überleben zu können mussten sich die australopithecinen erstaunlich wenig verändern unter den merkmalen die sie von den regenwald-vorfahren beibehielten waren lange arme bewegliche schultern ein voluminöser darm starke kiefer ein ausgeprägter sexualdimorphismus unterschied der geschlechter sowie ein menschenaffengroßes gehirn der mit heutigen gorillas vergleichbare größenunterschied zwischen den geschlechtern deutet auf intensive körperliche konkurrenz zwischen den männchen hin und ist ein hinweis auf haremsbildung polygynie Ähnlich wie heutige schimpansen waren sie wohl überwiegend vegetarier als anpassung an das in der trockeneren umwelt festere pflanzenmaterial nüsse samen harte früchte wurden die zähne deutlich größer und durch zunahme des zahnschmelzes härter eine wichtige ergänzung ihrer nahrung waren möglicherweise unterirdische speicherorgane von pflanzen wie zwiebeln knollen rüben und andere wurzeln um nahrung zu suchen oder vor raubtieren zu fliehen haben sie sich noch überwiegend kletternd und hangelnd auf bäumen bewegt zwischen den weiter voneinander entfernten bäumen oder waldgebieten liefen sie auf zwei beinen warum begannen die australopithecinen in dieser situation aufrecht zu gehen statt ­ wie beispielsweise die savannenbewohnenden paviane ­ zu einer vierbeinigen fortbewegungsweise zurückzukehren ein grund ist der unterschiedliche evolutionäre ausgangspunkt sowohl die vorfahren der paviane als auch die der australopithecinen lebten auf bäumen aber die art der fortbewegung war anders während die ursprünglichen schwanzaffen auf allen vieren auf den Ästen liefen und sprangen haben sich die schwereren menschenaffen unter den Ästen geschwungen und gehangelt oder sie kletterten in aufrechter körperhaltung an den bäumen hoch als beide gruppen zum bodenleben übergingen konnten die affen ihre fortbewegungsart im prinzip beibehalten und mussten sie nur an den anderen untergrund anpassen die menschenaffen dagegen nahmen in den bäumen bereits eine aufrechte körperhaltung ein australopithecinen haben sich also nicht aus tieren mit typischem vierbeinigem gang entwickelt sondern sie hatten durch ihre hangelnde fortbewegungsweise bereits anpassungen entwickelt die den Übergang zum aufrechten gang erleichterten den fossilfunden nach zu schließen haben sich die australopithecinen zudem bevorzugt in den uferbereichen von seen und flüssen aufgehalten der zweibeinige gang war aber noch nicht die ausschließliche fortbewegungsweise sondern eine unter mehreren möglichkeiten fakultative zweibeinigkeit auch waren sie noch nicht in der lage weitere strecken auf zwei beinen zurückzulegen abb 4 stammbaum der menschen gattung homo die überwiegende zeit auf bäumen zubrachten wo sie sich hangelnd vorwärts bewegten am boden liefen sie im knöchelgang auf allen vieren ihre nahrung bestand überwiegend aus reifen früchten sowie aus weichen pflanzenteilen wie blättern oder mark weshalb die backenzähne relativ klein waren ergänzt wurde die kost durch insekten und kleine säugetiere in der körpergröße unterschieden sich die geschlechter um ca 50 prozent die männchen hatten zudem ausgeprägte eckzähne sie lebten in sozialen gruppen von bis zu 50 individuen und die weibchen kopulierten mit einer großen zahl von männchen und umgekehrt der erste größere umbruch geschah vor 7 bis 6 millionen jahren als eine population von ur-schimpansen erfolgreich den regenwald verließ auslöser war ein wandel zu trockenerem klima mit starken saisonalen schwankungen in dessen folge die regenwälder aus großen gebieten verschwanden und durch offene waldlandschaften und grasland ersetzt wurden einige baumbewohnende menschenaffen konnten sich nicht in den verbliebenen regenwald zurückziehen ­ vielleicht weil sie in isolierten arealen lebten dadurch waren sie gezwungen zunehmend längere strecken offenen geländes zu durchqueren um von einer baumgruppe zur nächsten zu gelangen in der sie nahrung und schutz fanden die fossilien von pflanzen und tieren die zusammen mit australopithecinen gefunden wurden deuten auf vielfältige aber eher trockene habitate lebensräume hin sie umfassen offenes wald und buschland teilweise auch dichtere wälder und flussufer aber keine regenwälder wie sie für schimpansen und gorillas typisch sind in bezug auf die genaue geographische region in der sich dies abgespielt hat gibt es zwei unterschiedliche theorien bis vor wenigen jahren bevorzugte man das ostafrikanische rift valley das von Äthiopien bis südafrika reicht hier wurden bisher die meisten fossilien gefunden und es entspricht auch in ökologischer hinsicht dem vermuteten lebensraum einer anderen theorie zufolge kommt der gesamte streifen offener waldlandschaften in frage der den zentralafrika8 lahn-marmor-nachrichten nr 21

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thema evolution des menschen während der nächsten fünf millionen jahre ­ bis sie vor etwa 1,4 millionen jahren ausstarben ­ waren die australopithecinen eine sehr erfolgreiche gruppe es werden mindestens fünf verschiedene gattungen und rund fünfzehn arten gezählt wood richmond 2000 diese existierten in den offenen waldlandschaften und savannen afrikas nach und nebeneinander wie es gorillas schimpansen und bonobos heute im regenwald tun unsere letzten noch äffischen vorfahren ,der affe von dem die menschen abstammen waren also die australopithecinen der zweite und vielleicht entscheidende umbruch erfolgte vor rund 2 millionen jahren und führte zur entstehung der ersten echten menschen homo erectus auch hier scheint ein klimawandel der auslöser gewesen zu sein vor 2,5 millionen jahren wurde das klima in afrika noch trockener bäume wurden seltener und die waldlandschaften wandelten sich zunehmend in busch und grassavannen dies verringerte nicht nur das nahrungsangebot an früchten sondern auch die fluchtmöglichkeiten vor schnellen raubtieren ­ wie löwen leoparden und hyänen ­ reduzierten sich drastisch in dieser krisensituation in der sicher viele populationen von australopithecinen ausstarben überlebten einige gruppen indem sie sich in ihrer fortbewegungsweise spezialisierten neue nahrungsquellen erschlossen und ,intelligente verteidigungsmethoden erfanden vielleicht haben sie mit steinen geworfen mit dornigen Ästen geschlagen oder primitive waffen aus holz gefertigt tatsache ist dass einige dieser australopithecinen überlebten und sich schließlich zu menschen entwickelten die Überlebensstrategie die zu den menschen führte war aber nicht die einzig mögliche eine andere erfolgreiche gruppe der australopithecinen spezialisierte sich auf harte pflanzennahrung wie samen oder früchte mit harter schale diese robusten australopithecinen werden heute in der gattung paranthropus zusammengefasst sie lebten noch mehr als eine million jahre bevor sie ausstarben allgemein lässt sich feststellen dass während der evolution der homininen zu den meisten zeiten mehrere arten in derselben geographischen region vielleicht sogar an denselben orten koexistierten die eroberung der welt bis heute hat man keine fossilen homininen die älter als 2 millionen jahre sind außerhalb von afrika gefunden es ist deshalb weitgehend sicher dass sich die frühen phasen ­ zwischen der abspaltung von den schimpansen vor rund 7 und der entstehung der ersten menschen vor rund 2 millionen jahren ­ ausschließlich in afrika abspielten fossile und molekularbiologische daten lassen nun gleichermaßen darauf schließen dass es mindestens drei größere ausbreitungswellen aus afrika gab science 2001 die früheste ging von h erectus aus out of africa 1 es war die erste lahn-marmor-nachrichten nr 21 menschenart der es gelang in gemäßigte klimazonen vorzustoßen und eine vielzahl von habitaten in weit entfernten geographischen regionen zu besiedeln mit sich führten sie einfache steinwerkzeuge der oldowan-kultur die in afrika erstmals vor rund 2,6 millionen jahren auftauchen bereits vor 1,7 millionen jahren haben menschen dmanisi in georgien erreicht vor 1,5 millionen jahren sind sie im mittleren osten und 300.000 jahre später in südeuropa nachweisbar schwerpunkt der ersten ausbreitungswelle war asien vielleicht bedingt durch die geologische und klimatische situation die ostasiatische linie könnte sich in zwei geographisch getrennte populationen aufgespalten haben eine südliche java und eine nördliche linie china die evolution in asien scheint relativ unabhängig von der afrikanisch-europäischen linie erfolgt zu sein da die fortgeschritteneren steinwerkzeuge der acheuléenkultur in asien außerhalb des nahen ostens selten gefunden wurden jedenfalls lebten die nachfahren der h erectus-auswanderer für mehr als eine million jahre in ostasien bevor sie ausstarben ihr verschwinden könnte mit dem eintreffen der modernen menschen vor rund 40.000 jahren in zusammenhang stehen es kam vielleicht zu einer ähnlichen situation wie in europa wo die neandertaler mit den neueinwanderern für einige tausend jahre koexistierten bevor sie verschwanden allgemein führte die ausbreitung der menschen dazu dass sich der genfluss zwischen den populationen in afrika asien und europa aufgrund der weiten entfernungen drastisch reduzierte ob er über längere zeit völlig zum erliegen kam und so reproduktiv getrennte menschenarten entstanden ist aber noch gegenstand der diskussion in afrika tauchte dann vor rund 600.000 jahren eine neue menschenart auf ­ homo heidelbergensis oder ,archaischer h sapiens h heidelbergensis war der erste hominine dessen gehirn so groß war wie bei modernen menschen körperlich war er etwas robuster was für eine anpassung an gemäßigte klimazonen spricht auf ihn geht die zweite große auswanderungswelle zurück ­ `out of africa 2 ­ die vor allem nach europa führte vor rund 500.000 jahren haben die neuen menschen südeuropa frankreich deutschland und england erreicht wo sie eindrucksvolle spuren hinterließen mit sich führten sie die fortgeschritteneren steinwerkzeuge der acheuléen-kultur die vor 1,5 millionen jahren in afrika entstanden war sie zeichnet sich durch faustkeile sowie andere sorgfältig bearbeitete symmetrische geräte aus homo heidelbergensis konnte offensichtlich sehr viel besser mit den klimaschwankungen in europa umgehen als frühere menschen ein vorteil waren vielleicht die besseren werkzeuge jedenfalls waren sie erfolgreiche und geschickte jäger wie die spektakulären funde von schöningen in niedersachsen 9

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thema evolution des menschen zeigen dort fand man 400.000 jahre alte sorgfältig bearbeitete holzspeere zusammen mit den skeletten von mehr als einem dutzend pferden und anderen Überresten wichtig für das Überleben der tiere aus diesen gründen können sie durch die natürliche auslese entwickelt werden dasselbe gelte für die menschen die abstammung der menschen von anderen tieren soll also nicht folgenlos gewesen sein sondern das evolutionäre erbe prägt uns auch in geistiger hinsicht noch heute der modernisierten darwinschen theorie zufolge ist der menschliche geist eine informationsverarbeitende maschine die von der natürlichen und sexuellen auslese geformt wurde um probleme zu lösen vor denen unsere jäger und sammlervorfahren standen in vielerlei hinsicht sind menschen wenig veränderte schimpansen-artige menschenaffen bei aller genetischen Übereinstimmung ist aber unverkennbar dass menschen sich in einigen eigenschaften deutlich von den anderen menschenaffen unterscheiden aus verschiedenen hinweisen lässt sich folgern dass viele vielleicht sogar die meisten der für menschen charakteristischen eigenschaften in den letzten zwei millionen jahren als anpassungen an das leben als jäger und sammler entstanden sind dies gilt für körperliche merkmale ebenso wie für geistige fähigkeiten und verhaltensweisen die zeit der jäger und sammler umfasste mehr als 99,5 prozent der gesamten menschheitsgeschichte erst nach der bislang letzten eiszeit begannen die menschen vor rund 10.000 jahren allmählich zu einer effektiveren form der nahrungsgewinnung zu ackerbau und viehzucht überzugehen was zur folge hatte dass sich eine neue lebensweise mit arbeitsteilung und staatenbildung durchsetzte zivilisation aus sicht eines menschenlebens sind 10.000 jahre eine lange zeit aus evolutionärer perspektive sind es aber nur fünfhundert generationen und dieser zeitraum war zu kurz um entscheidende neue anpassungen hervorzubringen dies ist eine der grundannahmen der evolutionären psychologie wie weit reicht ihre erklärungskraft nun man kann wie der bedeutende freiburger zoologe august weismann in bezug auf die natürliche auslese schrieb niemals schon a priori sagen wie weit ein erklärungsprincip reicht es muss erst versucht werden und diesen versuch gemacht zu haben das ist mein verbrechen oder mein verdienst weismann 1893 63 ein solches experiment ist auch unser buch der darwin-code junker paul 2009 hier untersuchen und zeigen wir wie weit man mit der evolutionären erklärung gerade bei denjenigen menschlichen verhaltensweisen kommt deren entstehung als rätselhaft gilt und zu deren aufklärung die evolutionsbiologie nach ansicht vieler autoren nichts beitragen kann wie weit die deutungsmacht der evolutionsbiologie reicht wenn man die darwinsche methode ohne scheuklappen und voreilige grenzziehungen konsequent anwendet hat uns selbst über abb 5 wanderungen von homo sapiens out of africa 3 eine dritte ausbreitungswelle out of africa 3 fand vor weniger als 100.000 jahren statt in ihrem verlauf kolonisierten anatomisch moderne menschen homo sapiens ostasien 40.000 sowie europa 45.000 erneut und erreichten zudem erstmals australien 50.000 amerika 15.000 und entfernte inseln im pazifik mit ,anatomisch modern ist gemeint dass diese menschen sich in ihrer anatomie nicht von heutigen unterscheiden dass sie aber noch nicht unbedingt alle merkmale modernen verhaltens ­ kunst und komplexe sprache beispielsweise ­ aufwiesen das evolutionäre erbe im jahr 1867 bemerkte der publizist oskar peschel für das große laienpublicum besitzt die darwinsche lehre nur das eine anziehende oder abstoßende nämlich die frage der abstammung des menschen von den affen peschel 1867 74 warum ist dies so warum ruft dieses thema bis heute so starke emotionen hervor im jahr 1859 hatte darwin auf den letzten seiten seines berühmten buches über die entstehung der arten eine kühne prophezeiung gewagt durch die evolutionstheorie werde es zu einer bemerkenswerten revolution in der naturwissenschaft kommen die psychologie wird auf die neue grundlage gestellt dass jede geistige kraft und fähigkeit notwendigerweise durch graduelle Übergänge erworben wird darwin 1859 484 488 in seinem 1871 erschienen buch die abstammung des menschen und die sexuelle auslese diskutierte er dann auf über 150 seiten die unterschiedlichsten geistigen kräfte mental powers der menschen und verglich sie mit den fähigkeiten anderer tiere das spektrum reicht von gefühlen über neugierde nachahmung aufmerksamkeit gedächtnis vorstellungskraft verstand werkzeuggebrauch abstraktion selbstbewusstsein sprache schönheitssinn den glauben an gott und geister den aberglauben bis hin zu einer ausführlichen analyse des moralischen sinns geistige fähigkeiten sind variabel erblich und 10 lahn-marmor-nachrichten nr 21

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thema evolution des menschen rascht als wir uns auch themen wie kultur kunst oder dem sinn des lebens zuwandten selbstverständlich werden menschen in vielerlei hinsicht durch die gesellschaft durch erziehung und kultur geformt aber man kann diese kulturellen varianten nur verstehen wenn man die immer präsente basis die biologische natur der menschen zum ausgangspunkt macht dann aber erweist sich darwins theorie als der geheime schlüssel der das verständnis vieler rätselhafter verhaltensweisen der menschen möglich macht jones s et al eds 1992 the cambridge encyclopedia of human evolution.­ cambridge cambridge up junker t 2008 die evolution des menschen.­ 2 aufl münchen beck junker t und paul s 2009 der darwin-code die evolution erklärt unser leben.­ münchen beck junker t und hoßfeld u 2009 die entdeckung der evolution eine revolutionäre theorie und ihre geschichte.­ 2 aufl darmstadt wbg lewin r 1993 the origin of modern humans.­ new york scientific american library deutsche ausgabe die herkunft des menschen 1995 miller g 2000 the mating mind how sexual choice shaped the evolution of human nature.­ new york doubleday deutsche ausgabe die sexuelle evolution 2001 nesse r m williams g c 1995 why we get sick the new science of darwinian medicine new york times books deutsche ausgabe warum wir krank werden die antworten der evolutionsmedizin 1997 olson s 2002 mapping human history discovering the past through our genes.­ boston houghton mifflin deutsche ausgabe herkunft und geschichte des menschen 2003 peschel o 1867 neue zusätze zu charles darwins schöpfungsgeschichte der organischen welt.­ das ausland 40 74­80 sarich v m und wilson a c 1967 immunological time scale for hominid evolution.­ science 158 1200­1203 schrenk f 2003 die frühzeit des menschen.­ 4 aufl münchen beck science 2001 human evolution migrations.­ science 291 2 märz 2001 jones s et al eds 1992 the cambridge encyclopedia of human evolution.­ cambridge cambridge up tyson e 1699 orang-outang sive homo sylvestris ­ london bennet voland e 2007 die natur des menschen grundkurs soziobiologie.­ münchen beck weismann a 1893 die allmacht der naturzüchtung eine erwiderung an herbert spencer.­ jena gustav fischer wilson e o 1978 on human nature.­ cambridge mass harvard up wood b und richmond b g 2000 human evolution taxonomy and paleobiology.­ journal of anatomy 197 19­60 adresse des autors prof dr thomas junker skylineblick 14 60438 frankfurt am main e-mail thomas.junker@uni-tuebingen.de internet http www.thomas-junker-geschichtederbiologie.de zitierte und weiterführende literatur buss d m 1999 evolutionary psychology the new science of the mind.­ boston allyn bacon deutsche ausgabe evolutionäre psychologie 2004 campbell b g 1974 human evolution an introduction to man s adaptations.­ 2d ed chicago aldine deutsche ausgabe entwicklung zum menschen 1979 conard n j hrsg 2006 woher kommt der mensch?­ 2 aufl tübingen attempto corballis m c und lea s e g eds 1999 the descent of mind psychological perspectives on hominid evolution.­ oxford oxford up darwin c 1859 on the origin of species by means of natural selection or the preservation of favoured races in the struggle for life.­ london murray deutsche ausgabe Über die entstehung der arten im thier und pflanzen-reich durch natürliche züchtung faksimile der 1 deutschen ausgabe von 1860 hg von t junker wbg darmstadt 2008 darwin c 1871 the descent of man and selection in relation to sex.­ 2 bände london murray deutsche ausgabe die abstammung des menschen und die geschlechtliche zuchtwahl 1871 de waal f b m ed 2001 tree of origin what primate behavior can tell us about human social evolution.­ cambridge mass harvard up diamond j 1992 the third chimpanzee.­ new york harpercollins 1992 deutsche ausgabe der dritte schimpanse 1998 eibl-eibesfeldt i 1986 die biologie des menschlichen verhaltens.­ 2 aufl münchen zürich piper foley r 1995 humans before humanity.­ oxford blackwell deutsche ausgabe menschen vor homo sapiens 2000 w und rothe h 2003 henke menschwerdung.­ frankfurt a m fischer henke w und rothe h 1999 stammesgeschichte des menschen berlin [u.a springer johanson d und edgar b 1996 from lucy to language.­ london weidenfeld nicolson deutsche ausgabe lucy und ihre kinder 1998 11 lahn-marmor-nachrichten nr 21

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der urmensch wo kommen wir her von kirsten i grimm hast du dich auch schon mal gefragt wo der mensch herkommt und was sind eigentlich menschen menschen und alle affenarten fasst man als primaten zusammen die menschenähnlichen lebewesen darunter werden hominiden genannt als ältester vorfahr der menschenaffen gilt mit 23­14 millionen jahren der proconsul aus kenia menschen und affen hatten bis vor etwa 8 millionen jahren gemeinsame vorfahren danach entwickelten sich die affen ebenso eigenständig weiter wie die menschen bei der evolution der menschen unterscheidet man zwischen den vormenschen und den frühmenschen etwa 4 millionen jahre vor heute lebte in afrika der vormensch australopithecus der zwar kein affe mehr war aber auch noch kein mensch fünf schritte waren notwendig damit sich aus affen ein mensch entwickelt konnte zunächst musste der aufrechte gang entstehen wenn man auf zwei beinen läuft so nennt man das biped so ging australopithecus bereits aufrecht und er hatte nun die hände frei für andere tätigkeiten wie z.b das tragen von sachen der aufrechte gang war auch ein vorteil in den graslandschaften wer aufrecht stand konnte weiter sehen und so gefährliche tiere und feinde früher entdecken als nächster schritt war es nötig ein größeres gehirn zu entwickeln funde von skeletten des australopithecus belegen dass sein gehirn noch nicht viel größer als das eines menschenaffen war 1974 wurde in Äthiopien ein etwa 3,2 millionen jahre altes skelett von australopithecus afarensis gefunden da das grabungsteam häufig den song lucy in the sky with diamonds von den beatles hörte wurde das gut erhaltene skelett lucy genannt an diesem skelett konnte man vieles erforschen so lief der vormensch australopithecus der von vor vier millionen bis vor ungefähr zwei millionen jahren in afrika lebte aufrecht auf zwei beinen und stellte schon einfache werkzeuge her der gebrauch und die herstellung von werkzeugen ist der dritte schritt auf der entwicklungslinie vom affen zum menschen vor ungefähr 2,5 millionen jahren lebten in ostafrika die ersten frühmenschen es waren die ersten arten von homo habilis homo habilis 12 lahn-marmor-nachrichten nr 21 bedeutet geschickter mensch und zeigt somit dass dieser ein größeres und höher entwickeltes gehirn als der australopithecus hatte homo habilis war aber noch kein jäger er ernährte sich größtenteils von pflanzen gelegentlich aß er sicherlich auch fleisch das von den jagenden tieren übrig gelassen wurde also aas homo habilis verwendete dann als erster einfache werkzeuge vor etwa 1,75 millionen jahren machte homo erectus den vierten entwicklungsschritt und nutzte das feuer zum kochen homo erectus stellte auch schon einfache steinwerkzeuge her die er als jäger und sammler gut gebrauchen konnte homo erectus heißt aufrechter mensch vor etwa 100 000 jahren folgte dann der homo sapiens der kluge oder weise mensch mit dieser gruppe begann der fünfte und letzte schritt der entwicklung vom affen zum menschen neben der sprache entstand eine kultur mit kunst und religion alle diese dinge ermöglichen es erlerntes oder erfahrenes wissen nicht nur an die nächste generation weiter zu geben abstrakte gedanken konnten nun in worte gefasst werden und so auch mitgeteilt werden die anpassung an die umwelt gelang immer besser durch das herstellen von immer besser angepassten alltagsgegenständen und durch die kreativität der einzelnen entstand auch die kunst diese eben genannte entwicklung vom vormenschen zum frühmenschen verlief weitgehend in afrika diese theorie nennt man auch out-ofafrica auf deutsch raus-aus-afrika so haben wir nicht nur die wichtigsten fundstellen unserer vorfahren in afrika z.b in Äthiopien und kenia sondern hier entstand sozusagen der mensch nach asien und europa kamen die vor und frühmenschen möglicherweise in verschiedenen ausbreitungswellen die aber sehr langsam voran schritten vor 2 millionen jahren begann homo erectus sich dann außerhalb afrikas auszubreiten homo sapiens entwickelte sich vor 200.000 jahren in afrika in europa gibt es funde von homo sapiens von vor etwa 40.000 jahren vielleicht gab es aber auch nur eine auswanderung und homo erectus wanderte aus afrika aus und hat sich an verschiedenen orten der welt zu homo sapiens weiterentwickelt.

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thema kalkreusch die villmarer marmormeister wilhelm und heinrich zöller schwarz/grauer marmor in der kalkreusch von lydia aumÜller neben der nassauischen marmorfabrik in villmar an der lahn existierten im 20 jahrhundert noch mehrere kleine steinmetzbetriebe deren meister ihren mann durch gute handwerksarbeit ernährten das florierte meistens unter mithilfe von einem oder mehreren gelernten fachkräften zahreiche der damaligen steinhauerbetrieben sind leider heute nicht mehr vorhanden zum beispiel josef anton leonhard lahnstraße karl leonhard weilburger straße philipp brahm engelshohl heinrich caspari grabenstraße martin scheu später jakob scheu brückenstraße jakob falk lahnstraße bernhard hasselbach lahnstraße johann friedrich schafgasse gebrüder karl may oberau engelbert müller brückenstraße später strutherweg unter diesen befand sich auch die firma der gebrüder wilhelm und heinrich zöller die werkstatt und wohngebäude in der langasse nr 160 heute peter-paul-str nr 179 inne hatten die nachbarin des heute noch bestehenden wohngebäudes marina schuh entdeckte kürzlich unter ihrem bilderschatz ein foto abb 1 das die firma zöller sowie deren steinhauermeister bei der arbeit um 1926 festhält wie die abbildung zeigt wurden damals von den beiden steinmetzmeistern hauptsächlich grabsteine angefertigt darunter befanden sich auch grabmäler für verstorbene jüdische mitbürger deren beschriftungen zum teil in hebräisch ausgeführt wurden und die auf umwegen auf den friedhof für villmarer juden nach arfurt gebracht werden mussten nach dem krieg wurde die firma zöller beauftragt geschändete grabsteine auf dem judenfriedhof in arfurt wieder herzurichten hasselbÄcher 2010 das material entnahmen sie überwiegend aus dem alten steinbruch kalkreusch abb 2 links der lahnhöhe an der hinterstruth den sie von der gemeinde für jahrzehnte in pacht erhielten die ausbeute des steinbruches in dem schlecht zugängigen hanggelände sowie der abtransport mittels einer dampfmaschine dürfte schweißtreibend ja fast lebensgefährlich gewesen sein die ist sicher auch ein grund dafür dass dort noch heute tonnenschwere mit moos überwucherte blöcke vergeblich auf ihren abtransport warten siehe abb 2 aus altersgründen und wegen nachwuchssorgen dürfte die firma zöller um 1958 erloschen sein behr 2010 heute erinnern die aus marmor gefertigten familien-grabstätten der meister wilhelm zöller 1886 1966 und heinrich zöller 1883 1954 mit der inschrift steinmetzmeister an deren meisterhafte tätigkeit rückblick in die steingrube kalkreusch dass im 16 jahrhundert kalkstein in der alten kalkreiß vorhanden war ist im alten villmarer pastorei-saalbuch von 1505-1668 vermerkt hhstaw 115/8 weiter wird im jahre 1719 bei einer landvermessung erwähnt ein wiesenfeld in der arfurter au das auf die alte kalkreusch stößt hhstaw 115/5b diese wiesen sind heute noch links der lahn gegenüber arfurt vorhanden sie münden an jene grube die als marmorgrube in der kalkreusch bekannt ist obwohl die offizielle distriktbezeichnung strutherwald ist der werkmeister der diezer marmorfabrik simon leonhard aus villmar war der geschickteste steinmetzmeister dieser region und genoss den ruf als guter kenner von marmorbrüchen im lahngebiet er führte im jahre 1831 seinem nachfolger bildhauer franz schneider bei einer besichtigung des lahntals die vorhandenen brüche vor dieser berichtete am 6 juni 1832 der her13 lahn-marmor-nachrichten nr 21 abb 1 die gebrüder wilhelm und heinrich zöller werkstatt und wohngebäude in der langgasse nr 160 zur verfügung gestellt von marina schuh.

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thema kalkreusch abb 2 tonnenschwere mit moos überwucherte marmor-blöcke warten vergeblich auf ihren abtransport in der alten steingrube kalkreusch foto l aumüller -zoglichen zuchthaus-direktion die ihren sitz in eberbach hatte über deren zustand und die bereitzustellenden gelder zum abbau der steine hhstaw 211/11574 unter den elf beschriebenen marmorbrüchen villmars wurde zum heute benamten kalkreusch folgendes vermerkt bei arfurt 3 1/4 stunden von hier haben die söhne des werkmeisters simon leonhard [anm johann-peter und engelbert einen bruch von der gemeinde gepachtet worin diese mehrere schwarze blöcke gebrochen und einer davon 4 1/2 lang und 2 1/2 breit 1 1/2 dick gegenwärtig hier in der fabrik zur probe verarbeitet wird allem anschein nach wird er rein schwarz und fast ohne weiße adern sein wir sehen daraus dass der villmarer grau/schwarze kalkreusch-marmor sehr gefragt und damals für die marmorzuchthausfabrik diez von nutzen war verwaist von hecken überwuchert ist die kalkreusch heute eine fundgrube für geologen paläontologen und liebhaber kleiner schwarzer marmor-souveniere quellen behr 2010 mündliche mitteilung von werner behr schwiegersohn von heinrich zöller und heutiger hausbesitzer hhsatw 115/5b hessisches hauptstaatsarchiv 14 lahn-marmor-nachrichten nr 21 wiesbaden hhstaw abt.115/5b villmar güterverzeichnis.s 20f hhstaw 115/8 hessisches hauptstaatsarchiv wiesbaden abt 115 nr 8 villmarer pastoreisahlbuch 1505­1698 s 93 hhstaw 211/11574 hessisches hauptstaatsarchiv wiesbaden abt 211 nr 11574 diez hasselbÄcher 2010 mündliche mitteilung von august hasselbächer damals steinmetzgeselle bei der firma zöller adresse der autorin lydia aumüller kalkstr 33 65606 villmar abb 3 folgende seite auf dem unteren friedhof an der kirche st peter und paul befindet sich der grabstein des ehepaares wilhelm und wilhelmine zöller aus carraramarmor die schriftbearbeitung des steines wurde um das jahr 1940 von den meistern wilhelm und heinrich zöller unter mithilfe von steinmetz august hasselbächer vorgenommen zwei bildhauer aus italien übernahmen die kunstvollen arbeiten in der mitte herz-jesu statue im halbrelief im oberen teil ein px die initialen jesu christi und als krönung das flammende herz hasselbÄcher 2010 lothar speier ein jahrzehntelanger betreuer der grabstätte hat 2007 nach der einebnung derselben den wertvollen marmorgrabstein in die obhut der gemeinde gegeben foto l aumüller.

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thema kalkreusch abb 3 oben erläuterung s vorhergehende seite abb 4 grabstein aus marmor ehepaar heinrich und emilie zöller auf dem friedhof am holzweg villmar foto l aumüller 15 lahn-marmor-nachrichten nr 21

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