IMPULS 2: Alkohol

 

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Die heutige Jugend, eine Generation von KomasäuferInnen? – Ein Blick hinter die Kulissen.

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www.supro.at/impuls impuls heft 02 september 2010 2 euro impuls generation komasaufen ein blick hinter die kulissen magazin der suchtprävention in vorarlberg thema alkohol 2

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impuls magazin der suchtprävention in vorarlberg liebe leserinnen und leser die heutige jugend eine generation von komasäuferinnen ­ dieser frage wollen wir in dieser impuls-ausgabe auf den grund gehen gemeinsam mit jugendlichen und expertinnen betrachten wir die beziehung jugend alkohol aus verschiedenen blickwinkeln und stellen fest alkohol ist primär eine volksdroge der erwachsenen wird aber für jugendliche immer früher zum thema in einer nation in der alkohol fix in die gesellmag andreas prenn schaft integriert ist gilt es erfahrungswerte zu sammeln und eigene konsummuster zu finden die aufgabe von uns erwachsenen ist es die jugend in dieser experimentier und probierphase zu begleiten und uns vermehrt unserer vorbildwirkung und verantwortung bewusst zu werden zudem müssen wir den jugendlichen eine welt zur verfügung stellen in der sie sich entwickeln können dazu braucht es freiräume aber auch grenzen denn sucht hat viele gesichter prävention auch 18 17 14 impuls 7 jugend alkohol impuls 4 generation komasaufen ein blick hinter die kulissen modeerscheinung rauschverherrlichung oder experimentierverhalten hintergründe über das gar nicht so neue trinkverhalten jugendlicher univ prof dr reinhard haller und mag andreas prenn geben antworten impuls zum erwachsenwerden gehört auch alkohol 13 im gespräch suchtexperte dr toni berthel abends rausch morgens beratung emotionale zeitfenster konstruktiv nutzen der sozialmedizinische dienst der caritas sucht jugendliche nach alkoholvergiftungen im krankenhaus zu beratungsgesprächen auf im gespräch mag dsa bernhard gut sozialarbeiter und psychologe reality check alkohol ist ein zentrales thema diskotheken-inhaber thomas krobath liefert einblicke in das nachtleben von vorarlberger jugendlichen mag andreas prenn leiter der supro ­ werkstatt für suchtprophylaxe 20 es sind nicht immer nur wir jungen jugendliche berichten über ihre erfahrungen im umgang mit alkohol impressum herausgeber und medieninhaber redaktion und texte mag.a beatrix spalt gestaltung mag fh johannes rinderer fotos supro fotolia johannes rinderer lukas wagner supro ­ werkstatt für suchtprophylaxe am garnmarkt 1 6840 götzis t 055 23 54 9 41 www.supro.at/impuls info@supro.at mohrenbrauerei amazone land vorarlberg kc lustenau gemeinde fußach privat lektorat cornelia ammann kornelia kopf inhaltliche unterstützung mag andreas prenn pascal keiser mag.a christine schnetzer wir danken auflage 5.000 stück druck flyeralarm

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inhal t thema alkohol alkohol gesellschaft impuls 39 ein freund mit vielen gesichtern alkohol ist den menschen seit tausenden von jahren ein ambivalenter wegbegleiter ist fluch und segen zugleich und wird seit jeher geliebt gehasst oder verboten kontrovers 46 ein mehr als kleiner unterschied mädchen nähern sich dem trinkverhalten von jungs an ­ doch ihre konsummuster und beziehungen zum alkohol sind alles andere als männlich in eigener sache 22 jugendschutz vorgelebt 50 alkoholprävention geht alle an das projekt kennidi rückt den verantwortungsvollen umgang mit alkohol in den mittelpunkt und bezieht jugendliche und ihre bezugspersonen mit ein schwarzen schafen einhalt gebieten mit testkäufen konnte die abgabequote von alkohol an minderjährige jugendliche deutlich gesenkt werden 24 einbinden statt bevormunden mitwirken und vorbild werden die kennidi-cocktailbar und die amazonebar ermöglichen alkoholprävention von und für jugendliche 52 impuls einheitlichkeit und transparenz am wunschzettel unterschiedliche jugendschutzgesetzbestimmungen in Österreich sorgen nicht nur bei jugendlichen für unverständnis 26 dem schlechten ruf davon geeilt jugendschutz und eine vorbildliche haltung im umgang mit alkohol werden von vorarlberger vereinen zunehmend ernst genommen impuls 29 kennidi-cocktailbar das alternative partykonzept stellt sich vor 55 alkohol hat im straßenverkehr nix zu suchen chefinspektor meinrad müller geht nicht nur mit strafen gegen alkolenker vor in vorträgen bringt er jungen menschen die gefahren von trunkenheit am steuer näher 30 ein fruchtig-frischer kick-off vom erfrischenden mangogetränk zum alkoholpräventionsprojekt 58 im gespräch chefinspektor meinrad müller 35 im gespräch pascal keiser kennidi-projekkoordinator 36 klartext über klartext vorstellung des präventionsprogrammes klartext das informationen für eltern lehrerinnen und schülerinnen bietet besserwissen 60 alkoholmythen wahr oder nicht wahr 62 zahlen und fakten zum thema alkohol 63 wie voll sind sie wirklich ­ so berechnen sie ihren promillewert 37 im gespräch mag christine schnetzer supro

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4 jugend alkohol impuls generation komasaufen ein blick hinter die kulissen modeerscheinung rauschverherrlichung oder experimentierverhalten hintergründe über das gar nicht so neue trinkverhalten jugendlicher saufen bis zum umfallen ­ mit headlines wie diesen wurde vor einigen jahren das neue jugendphänomen komatrinken auf plakative art und weise publik gemacht der alkoholkonsum junger menschen wurde damit systematisch in den mittelpunkt der Öffentlichkeit gerückt das grelle scheinwerferlicht der medien ermöglichte es ein stärkeres bewusstsein für das thema zu schaffen so beurteilt univ prof primar dr reinhard haller die entwicklung die das thema alkohol zunehmend in den fokus gerückt hat grundsätzlich als positiv Über jahrzehnte hinweg wurde der blick immer nur auf das drogenproblem der jugend gerichtet im verhältnis reagiert ­ gemeinsam mit der supro wurde ein symposium zu diesem thema abgehalten wir waren der zeit deutlich voraus mittlerweile aber hätten die vielen negativmeldungen eine menge an vorurteilen geschürt die auf dem rücken jugendlicher ausgetragen werden gibt supro-leiter mag andreas prenn zu bedenken auch der vorarlberger kinder und jugendanwalt michael rauch ist der meinung dass die berichterstattung oftmals zum nachteil der jugendlichen ausfalle und diese somit in ein ecke stellen die sie so nicht verdienen der fokus auf den promillerausch bei jugendlichen hat nichtsdestotrotz wohl dazu beigetragen die sensibilität für dieses thema zu erhöhen und präventive maßnahmen in diesem bereich anzukurbeln vom mode zum unwort es war mitte der 90er-jahre als die diskussion über die neuen trinkmuster der jugendlichen entstand:1 der jungen generation wurde vorgeworfen exzessiven trinkgewohnheiten zu frönen und der begriff der in alkoholprävention kann vor allem dann gelingen wenn vernünftiges und ,normales verhalten in den mittelpunkt gestellt wird und wenn bezugspersonen in die präventionsarbeit mit eingebunden werden andreas prenn supro-leiter zur ,hauptdroge alkohol sind diejenigen jugendlichen die ein drogenproblem haben aber in der minderheit in vorarlberg hat man auf das phänomen trinkens des rauschfrüh sehr

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impuls jugend alkohol 5 der internationalen debatte häufig zur verwendung kam war ,binge drinking dieser ausdruck der wörtlich mit trinkgelage übersetzt werden kann wurde schnell zum geflügelten schlagwort das für das exzessive verhalten einer rauschsüchtigen jugend stand an einer einheitlichen definition was unter binge drinking überhaupt zu verstehen ist mangelt es jedoch bis heute einer2 gere hände wie reinhard haller ausführt jugendliche haben ,früher sicherlich erst später begonnen zu trinken als sie dies heute tun die bestehenden schutzbestimmungen wurden ernster genommen und natürlich war der alkohol früher auch weniger leicht erhältlich es hat nie diese fülle an besten getränken in bester qualität und in bester vielfalt zum billigsten preis gegeben wie das heute der fall ist räusche seien zwar früher auch häufig passiert heute aber oftmals etwas von vornherein geplantes hohes unfallrisiko auffälliger und risikoreicher mögen die konsumsitten der jugendlichen zwar geworden sein aber insgesamt ist der alkoholkonsum der österreichischen jugendlichen gesunken im internationalen vergleich sind 5 seits wird die bezeichnung mit begriffen wie komatrinken gleichgesetzt andererseits existieren auch verschiedene angaben von trinkmengen in einem bestimmten zeitraum3 darüber hinaus wird binge drinking aber vor allem als vorsätzliches rauschtrinken verstanden bei dem das element der absicht im fokus steht auch verhaltensweisen wie gewalttaten pöbeleien und belästigungen dritter werden mit dem ausdruck in verbindung gebracht so ist es eigentlich auch nicht verwunderlich dass die bezeichnung komasaufen im jahr 2007 die zweifelhafte ehrung zum österreichischen unwort des jahres erhielt.4 nicht mehr nur anders was ist aber nun tatsächlich dran am phänomen komasaufen neigen junge menschen des 21 jahrhunderts tatsächlich mehr zu alkoholexzessen als noch vor einigen jahrzehnten andreas prenn kann das so nicht bestätigten jugendliche trinken heute nicht grundsätzlich mehr als früher sie trinken aber anders nämlich nicht ­ wie wir in unseren jungen jahren ­ bier oder wein sie trinken vornehmlich wodka ­ geruchlos geschmacklos ­ mit red bull oder mit süßem fruchtsaft bei solchen mischungen spürt und schmeckt man nicht so schnell wie viel alkohol man zu sich nimmt ­ eine maßvolle dosierung ist umso schwieriger die heftige wirkung setzt dafür umso unvermittelter ein neben selbst gemixten drinks erfreuen sich auch nach wie vor alkopops trinkfertige mischgetränke mit hochprozentigem alkohol und süßen säften/limonaden großer beliebtheit die promilletüchtigen limonaden präsentieren sich meist in jugendlichbuntem outfit haben aber so ganz und gar keine jugendgerechten inhalte in einer einzigen flasche sind ca zwei gläser schnaps enthalten die gelangen in zunehmend jün zur person univ prof primar dr reinhard haller geboren 1951 in mellau ist psychiater und psychotherapeut seit 1983 ist er chefarzt der stiftung maria ebene seit diesem zeitpunkt ist er außerdem als psychiatrischer sachverständiger an verschiedenen in und ausländischen gerichtshöfen tätig und verfasste unter anderem gutachten in den fällen des sexualmörders jack unterweger und des bombenhirns franz fuchs seine forschungsschwerpunkte sind sucht und suizid forensische psychiatrie und kriminologie 2003 wurde er zum universitätsprofessor durch den damaligen bundespräsidenten dr thomas klestil ernannt haller hat über 250 wissenschaftliche arbeiten publiziert und mehrere Österreichs jugendliche aber immer noch im spitzenfeld angesiedelt womit sie sich den gesellschaftstypischen konsumgewohnheiten der erwachsenen in einem hochkonsumland wie es Österreich ist anpassen experimentierphasen gibt es bei fast allen jugendlichen und es gibt nur ganz wenige die nie alkohol trinken weiß andreas prenn er hebt aber auch hervor dass die zahl derer die über einen längeren zeitraum sehr intensiv und hochriskant trinken eher klein ist die gefahr die in den exzessiven trinkgewohnheiten der jugendlichen lauert sei weniger das entstehen einer sucht sondern vor allem das stark erhöhte unfallrisiko ­ dass etwas passiert das gesundheitliche oder persönliche probleme nach sich zieht bis hin zum tod alkohol ist im alter zwischen 15 und 25 jahren die todesursache nummer 1 primar dr reinhard haller auch reinhard haller führt vor augen dass im alter von 15 bis 25 jahren alkohol die todesursache nummer 1 ist wenn man die unfälle aufgrund von alkoholkonsum aber auch kriminelle handlungen die auf den promillerausch zurückzuführen sind berücksichtigt hier gelte es der jugend die folgende botschaft mitzugeben kultiviere bücher veröffentlicht darunter der sachbuch-bestseller die seele des verbrechers im september 2010 wurde er mit dem dr toni-russpreis und -ring ausgezeichnet haller ist verheiratet und hat drei kinder.

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6 jugend alkohol impuls deinen alkoholkonsum so dass er nie zum problem für dich wird beachte seine gefahren und schau dass du über diese phase in der alkohol für dich wichtig ist gut hinwegkommst dann wird es keine diskounfälle geben mit fünf toten und du wirst dich später nicht mit den folgen eines leidens das man sich unüberlegt zugelegt hat ein leben lang herumschlagen müssen trinkmotive und orte bei allen negativen folgeerscheinungen die alkohol hat birgt er doch auch unglaublich potentiale in sich er ist sozusagen ein superstar wie reinhard haller ihn in einem kapitel seines buches unglück der sucht 6 betitelt diese bezeichnung habe ich deshalb gewählt weil alkohol wirklich sehr viel kann er ist durstlöscher psychopharmakon schlafmittel beruhigungsmittel genussmittel appetitanreger verdauungsmittel und vieles mehr er kann sehr viel darum ist er ja auch so begehrt so hilft er als minder regelmäßig stattfindende rituell anmutende alkoholszenen abspielen:9 diese werden nach ihrem austragungsort in die kategorien straßenszenen öffentliche plätze lokalszenen und in private szenen abgeschirmte räumlichkeiten eingeteilt an einem großteil dieser schauplätze bleibt der alkoholkonsum relativ unauffällig 10 auffällige verhaltensweisen littering vandalismus pöbeleien aggressionen gewalttätigkeiten sind besonders bei kommerziellen freizeitangeboten mit alkohol zu dumpingpreisen zu bemerken ­ vorwiegend in lokalen aber auch rund um supermärkte oder tankstellen in der praxis zeigt sich dass manche jugendliche innerhalb eines abends mehreren szenen beiwohnen ­ dass etwa zu hause oder im öffentlichen raum vorgeglüht wird bevor die gruppe ein lokal betritt insgesamt ist der alkoholkonsum jugendlicher somit sichtbarer und öffentlicher geworden auch in meiner jugend hat es natürlich räusche gegeben da schließe ich mich selbst nicht aus aber der rausch wurde nicht von vornherein geplant und im nachhinein nicht verherrlicht heute geht s aber oft darum sich bewusst zu betrinken soziales schmiermittel jugendlichen etwa dabei neue kontakte zu knüpfen und flirtversuche zu erleichtern in erster linie greifen heranwachsende zum alkohol um spaß zu haben aber auch um sich zu entspannen sich glücklich selbstsicherer und stärker zu fühlen und um probleme zu vergessen alkohol hilft zudem dabei erwachsen und cool zu wirken weitere trinkmotive könoder gruppendruck sein.7 gleich primar dr reinhard haller nen auch langeweile einsamkeit altrige in einer clique können einerseits zum alkoholkonsum verführen aber gleichzeitig auch als eine art kontrollinstanz fungieren und übermäßiges trinkverhalten regulieren getrunken wird vor allem an wochen8 enden beim ausgehen wo sich mehr oder wir waren in unserer jugend auch keine heiligen aber wir hatten nicht das geld um uns in der disko cocktails oder wodka zu kaufen in unseren hosentaschen hatten wir genau abgezählt das geld für drei bier sonst hätten wir sicher auch mehr getrunken harald keckeis edelbrand-hersteller rankweil

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impuls jugend alkohol 7 univ prof primar dr reinhard haller spirituosen sollten ein tabu sein solange das gehirn noch nicht ausgereift ist man sollte überdies dafür sorge tragen dass räusche so selten wie möglich passieren und dass sich wieder vermehrt eine alkoholkultur und -mündigkeit entwickelt wortung übernehmen um lebens und risikokompetenzen der kinder zu fördern das motto lautet ,hinschauen und handeln um schwierige situationen frühzeitig zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken macht prenn deutlich besonderes anliegen ist ihm die einbindung der jugendlichen anstatt sie nur zu bevormunden sollten gemeinsam mit ihnen sinnvolle vereinbarungen getroffen werden auch die vorbildwirkung spielt für prenn in diesem zusammenhang eine wesentliche rolle wenn es nach der feuerwehroder musikprobe heißt ,eine runde freibier für alle ist das ein denkbar schlechtes zeichen besser ist es wenn es ,eine runde getränke für alle heißt alkoholprävention könne vor allem dann ge normales ins rampenlicht wie aber nun sollen eltern bezugspersonen und die gesellschaft vorgehen um jugendliche dabei zu unterstützen einen vernünftigen umgang mit alkohol zu entwickeln andreas prenn sieht als leiter der supro den schlüssel in einem ausgewogenen verhältnis an verhältnispräventiven und verhaltenspräventiven maßnahmen verhältnispräventiv bedeutet ein eingeschränktes angebot an alkohol angepasst an die jeweilige altersgruppe ­ also dass die kassiererinnen im supermarkt keinen alkohol an unter 16-jährige abgeben und flatrate-partys wo es alkohol zum dumping-preis gibt unterbunden werden siehe bericht auf s 50 verhaltenspräventiv hingegen bedeutet mit den personen selbst zu arbeiten sie zu informieren und die reflexion zu fördern sprich das eigene verhalten zu überdenken und lösungsansätze für gewisse situationen zu finden erwachsene sollten zudem verantlingen wenn vernünftiges und normales verhalten in den mittelpunkt gestellt werde und wenn bezugssysteme und -personen in die präventionsarbeit involviert sind denn sie sind diejenigen die beziehungen zu den jugendlichen haben das ist nicht der experte der einmal an die schule kommt und einen vortrag hält alltägliche bezugspersonen sind es auch die glaubhaft einen mündigen umgang mit alkohol vermitteln können ­ einer der nicht verherrlichend aber auch nicht bagatellisierend ist wie primar reinhard haller es rät und dies so auch in seiner eigenen familie umgesetzt hat ich hab gemeinsam mit meinem sohn das erste bier getrunken weil mir lieber ist er erfährt seine ersten alkoholerlebnisse in einem sicheren rahmen als wenn er irgendwo auf einem mittelmeer-exzess ist wo dann nachher zehn hirnverletzte und einige tote zurückbleiben genauso wie es auf der einen seite gilt normale trinkmuster und -rituale ich stelle fest dass erwachsene zunehmend sensibler mit dem thema ,jugend und alkohol umgehen auch bei den jugendlichen gibt es immer mehr vernünftige die aufeinander schauen und verantwortung füreinander tragen andreas prenn ko matrin ke n und mögliche folgen · unfallgefahr:alkoholbeeinflusstdie wahrnehmung und führt oft zur Überschätzung der eigenen fähigkeiten · aggresivität&gewalt:95%dergewalttaten von jugendlichen erfolgen unter dem einfluss von alkohol · einflussaufdieentwicklung:das trinken größerer mengen alkohol verringert die produktion von wachstumshormonen und kann die gehirnentwicklung beeinflussen regelmäßiger alkoholkonsum kann die entwicklung massiv stören · alkoholvergiftung:derkonsumvon größeren mengen alkohol im speziellen hochprozentige getränke kann zu einer alkoholvergiftung führen bewusstlosigkeit koma und sogar der tod ab 4 promille sind mögliche folgen · alkoholabhängigkeit:dieversuchung die jugendlichen heutzutage sind nicht schlimmer oder weniger schlimm als wir es in der jugendzeit waren tatsache ist dass der ersteinstieg bei alkohol zwei drei jahre früher stattfindet als bei den heute 50-60-jährigen und auch die haben damals in ihrer jugend durchaus mal zu tief ins glas geschaut herbert humpeler chefinspektor lka vorarlberg gruppe prävention ist groß auf den problemlöser alkohol zurück zu greifen je früher jugendliche beginnen regelmäßig alkohol zu trinken und rauscherfahrungen zu machen desto größer ist das risiko später einen problematischen alkoholkonsum zu entwickeln.

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8 jugend alkohol impuls jugendlicher zu fördern sollten im umkehrschluss konsumverhalten die aus dem rahmen fallen nicht einfach nur geduldet werden macht andreas prenn deutlich jugendliche suchen nach selbstwirksamkeit sie schauen was passiert wenn sie hinter der kirche trinken wenn sie flaschen kaputt machen ziel muss sein dass wir da hingehen und sie ansprechen und ihnen mit zivilcourage entgegentreten ich glaube dass man irgendwie verlernt hat mit den jugendlichen vernünftig darüber zu reden es ist immer gleich konfrontativ und man ruft die polizei dabei könnten solche gespräche durchaus auf fruchtbaren boden fallen ­ natürlich nicht in jedem fall und nicht immer unmittelbar wenn aber mehrere erwachsene den jugendlichen immer wieder dieselbe botschaft vermitteln ist es möglich die norm zu festigen und in den mittelpunkt zu rücken quellen 1 jugendlichen aber an ein ungesichertes gewässer gelangen würden sie ertrinken weil sie nicht zu schwimmen gelernt haben ebenso verhält es sich auch mit dem alkohol durch hohe preise extreme strafen und eine radikalen einstellung hält man junge menschen von alkohol fern sobald sie aber die möglichkeit haben an alkohol zu gelangen gehen sie förmlich darin unter weil sie nicht gelernt haben wie sie damit umgehen sollen in einer gesellschaft in der alkohol ein kulturgut darstelle könne prävention also nur darauf bauen einen mündigen eigenverantwortlichen und vernünftigen umgang mit alkohol zu fördern und die glorifizierung von räuschen ebenso wie mögliche folgeschäden möglichst zu minimieren präventionsprojekte allein könnten zwar grundlegende probleme die ursache für das trinken sind nicht beheben da diese zu vielschichtig sind macht reinhard haller deutlich ­ aber sie können doch gewisse botschaften und stimmungen vermitteln etwa dass es nicht gottgewollt ist dass auf jedem bierfest 13-jährige betrunkene kinder herumhängen oder dass jugendliche untereinander nur akzeptanz und anerkennung finden wenn sie ein bier vor sich haben wie aber kann man glaubhaft vermitteln dass leute etwas nicht kaufen oder konsumieren sollen mit dieser frage ist auch andreas prenn konfrontiert wenn es um die umsetzung von präventionszielen geht die supro setzt dabei auf positive und handfeste botschaften was auch den vorstellungen von reinhard haller entspricht es geht hier nicht um alkoholabstinenz oder etwa gar ein freudloses leben vielmehr soll ein freudvoller umgang mit alkohol hervorgehoben werden zu dem auch ruhig einmal ein rausch dazu gehören kann ­ immer aber im bewusstsein darüber welche gefahren und risiken der alkohol in sich birgt p vgl jugendliche alkoholszenen kon mündigmachen als ziel klare regeln und strukturen engen nicht nur ein sondern geben auch sicherheit spricht sich auch reinhard haller dafür aus dass gewisse grundbedingungen aufgestellt werden also dass man etwa sagt solange das gehirn noch nicht ausgereift ist sind spirituosen tabu man sollte überdies dafür sorge tragen dass räusche so selten wie möglich passieren und dass sich wieder vermehrt eine alkoholkultur und -mündigkeit entwickelt die totale abschottung von alkoholika durch extreme regelungen könne nicht ziel sein wenn prävention gelingen soll prenn führt dazu folgendes beispiel aus wenn man die restriktive skandinavische alkoholpolitik ummünzen würde auf das schwimmen dann wäre jeder fluss oder jeder see mit einem zaun versehen um die jugendlichen vom wasser fernzuhalten sobald die sumkontexte trinkmotive prävention irmgard eisenbach-stangl alexander bernardis kurt fellöcker judith haberhauer-stidl gabriele schmied wien 2008 2 handbuch alkohol ­ Österreich zah len fakten trends 2009 http www.api or.at/sp/download/habaoe%202009a.pdf stand juli 2010 3 4 ebd s 91 http www.duden.de/deutsche_spra che/sprachwissen/wort_unwort/oesterreich.php stand juli 2010 5 jugendliche alkoholszenen s 22 unglück der sucht ­ wie sie ihre ab bis 28 6 hängigkeiten besiegen reinhard haller salzburg 2007 s 75 ff 7 vgl mit jugendlichen über alkohol reden ­ was eltern wissen sollten supro ­ werkstatt für suchtprophylaxe november 2009 quelle epidemiologischer suchtsurvey vorarlberg 2005 8 zusammenfassung der studie jugend liche alkoholszenen konsumkontexte trinkmotive prävention policy brief november 2008 europäisches zentrum für wohlfahrtspolitik und sozialforschung http www.euro.centre.org data/1225887864_72136.pdf 9 10 ebd in meiner jugendzeit haben wir uns auch auf festen und in lokalen getroffen um alkohol zu trinken dort haben wir uns eigentlich recht autonom bewegen können vom sogenannten komasaufen war damals noch überhaupt keine rede die aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und in den medien war eine ganz andere als heute hansjörg frick schulsozialarbeiter in liechtenstein

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impuls jugend alkohol 9 zum erwachsenwerden gehört auch alkohol Über die wechsel und nebenwirkungen der kombination alkohol pubertät die österreichischen jugendlichen sind hinsichtlich des alkoholkonsums nicht die hauptproblemgruppe die meisten problemkonsumentinnen und den höchsten man alkoholdurchschnittskonsum findet eine andere entwicklung bemerkbar ­ das zunehmend sinkende einstiegsalter die ersten erfahrungen mit promillehaltigen getränken werden hierzulande im alter zwischen 12 und 13 jahren gesammelt ­ mit 14 jahren wird dann im schnitt bereits regelmäßig alkohol konsumiert ein jahr früher als noch vor zwei jahrzehnten.2 frühreife ist kein schutzfaktor akzeleration also beschleunigung nennt man diese entwicklung nach der die pubertät immer früher einsetzt und damit einhergehend verhaltensweisen früher übernommen werden grund genug sich vor augen zu halten welche wirkung promillehaltige getränke auf jugendliche und kinder überhaupt haben denn obwohl kinder immer früher reif werden ist die wirkung von alkohol nicht dieselbe wie bei erwachsenen schließlich ist die körperliche entwicklung noch nicht abgeschlossen verschiedene organe sind noch nicht ausgereift zudem sind die enzyme die den alkohol in der leber abbauen bei jugendlichen in geringerer menge vorhanden als bei erwachsenen dazu kommt das meist geringere körpergewicht das schneller zu trunkenheit führt in kombination mit einer erhöhten risikobereitschaft kann das in vermehrtem ausmaß unfälle verursachen die langfristige schäden nach sich ziehen können Überdies wird die gefahr einer alkoholvergiftung deutlich unterschätzt u die elternbroschüre mit jugendlichen über alkohol reden ­ was eltern wissen sollten ist in der supro erhältlich derzeit bei den 30-39-jährigen ­ hält das handbuch alkohol ­ Österreich zahlen fakten trends 2009 fest ein fakt aus dem sich schließen lässt dass übermäßiger alkoholkonsum vornehmlich ein phänomen der erwachsenen ist und doch ist es immer und immer wieder die jugend die mit ihrem trinkverhalten vor allem medial für aufmerksamkeit sorgt auch wenn an dieser stelle zum wiederholten mal in diesem magazin darauf hingewiesen wird dass die landläufige meinung immer mehr jugendliche trinken immer mehr alkohol nicht der wahrheit entspricht ist der fokus auf die jugend nicht unberechtigt schließlich werden im kindes und jugendalter viele grundlegende bausteine für zukünftige lebens und verhaltensmuster gesetzt denn auch wenn jugendliche insgesamt seltener und weniger intensiv 1 trinken wie eine österreichische studie untersuchungszeitraum 2006-2008 ergab macht sich doch

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10 jugend alkohol impuls doch dem nicht genug alkohol im jugendalter kann die konzentration des wachstumshormons das für knochen und muskelentwicklung zuständig ist hemmen dies kann auswirkungen auf die körpergröße haben.3 auch die gehirnentwicklung wird von der alkoholaufnahme negativ beeinflusst neueste untersuchungen belegen dass die lernfähigkeit und entscheidungsfindung durch alkohol schaden nehmen können insbesondere regelmäßiges und exzessives trinken werden als ursache für nachhaltige veränderungen in der gehirnentwicklung verantwortlich gemacht s rechte spalte 4 auch das gehirn mischt mit der gehirnreifeprozess im jugendalter kann auch einfluss auf das konsumverhalten haben nicht ganz eindeutig äußert sich die wissenschaft über die korrelation von alkoholkonsum in jungen jahren und einer späteren abhängigkeit von dieser substanz ein artikel der neuen zürcher zeitung im juni 2010 fasst die gängigen meinungen diesbezüglich folgendermaßen zusammen im jugendalter werden viele nervenschaltkreise neu eingestellt darunter auch das neuronale belohnungssystem aus epidemiologischen nun ist es also so dass regelmäßiger und übermäßiger alkoholkonsum im jugendalter die ausreifung dieser fähigkeiten hemmen kann gleichzeitig kann aber auch das gehirn selbst gewisse konsummuster fördern vernunftsgemäß zu handeln das ist für jugendliche nicht immer so leicht ganz einfach auch weil ihr gehirn noch im reifungsprozess ist jugendliche konsumieren alkohol um reize und action zu haben gleichzeitig ist ihr hirn noch nicht fähig der enthemmenden wirkung von alkohol etwas entgegenzusetzen so kann es zum beispiel zu einem rauschtrinken kommen das ist ein typischer mechanismus umschreibt berthel bereichsleiter für adoleszenz und sucht an der integrierten psychiachtrie winterthur die wechselwirkung von gehirnreifung und verhaltensmustern studien ist bekannt dass jugendliche die sehr jung unter 14 jahren bereits alkohol trinken ein größeres risiko haben im erwachsenenalter alkoholsüchtig zu werden als solche die später damit anfangen forscher vermuten dass dies mit einer störung im belohnungssystem zusammenhängt eine solche wird allgemein als ursache für suchtverhalten gesehen dr toni berthel chefarzt der integrierten psychiatrie winterthur nimmt hierzu folgendermaßen stellung es gibt tendenzen und mythos teenagergehirn robert epstein vom cambridge center für behavioral studies in massachusetts5 hingegen stellt in den raum dass das typische teenagergehirn als mythos einzuordnen sei gehirnveränderungen würden schließlich nicht nur während der pubertät sondern zeitlebens stattfinden teenager sind sehr leistungsfähig doch werden sie von der westlichen kultur entmündigt blockiert und isoliert betont der psychologe in einem artikel der zeitschrift alkohol kann veränderungen in der gehirnentwicklung verursachen alkohol überspielt unsicherheit aber nicht nur aufgrund körperlicher entwicklungsmerkmale wirkt alkohol bei jugendlichen anders als bei erwachsenen erläutert univ prof primar dr reinhard haller der jugendliche ist natürlich weit weniger erfahren im umgang mit alkohol als dies erwachsene sind das ist genau dasselbe wie beim autofahren wenn es etwa um das handling von geschwindigkeit geht die erfahrungswerte darüber fehlen einem führerscheinneuling einfach noch zudem betont haller dass junge menschen kaum aus genuss oder durst trinken sondern in erster linie aus psychischen gründen ­ um sich zu enthemmen sprechprobleme oder Ängste zu überwinden oder das eigene selbstwertgefühl zu stärken u untersuchungen die belegen dass die wahrscheinlichkeit eine abhängigkeit zu entwickeln dann ansteigt wenn kinder früh zum alkohol greifen pädagogen und psychiater führen dies eher auf die substanz und ihre wirkungen soziologen hingegen mehr auf soziale verhältnisse zurück ich bin der meinung dass hier beide kriterien zusammenhängen hirnreifung beeinflusst entscheidungen alkohol kann die gehirnreifung in jugendjahren nicht nur wesentlich beeinflussen gleichzeitig kann das stadium der gehirnentwicklung auch viele verhaltensmuster erklären erläutert berthel das frontalhirn reift sehr viel später als die anderen teile des gehirns hier sind die exekutivfunktionen angesiedelt die etwa für die entscheidungsfindung und das aushalten von frustrationen maßgeblich sind auch moralische werte und integrationsfähigkeit sind zuständigkeitsbereiche dieser gehirnregion gehirn geist epstein ist überzeugt dass es nicht das gehirn selbst ist das den aufruhr im jugendalter erzeugt sondern dass es diesen von der gesellschaft mitbestimmten prozess lediglich wiederspiegelt ungeachtet divergierender meinungen in punkto auswirkung der gehirnentwicklung kommen epstein und berthel aber zum selben schluss nämlich dass es vermehrt gilt jugendliche gesellschaftsfähig zu machen ihnen etwa ­ wie epstein vorschlägt ­ verantwortungsvolle aufgaben zu übertragen p

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impuls jugend alkohol 11 denn ein junger mensch sei wie ein wanderer zwischen zwei welten kein kind mehr und doch kein erwachsener diese umbruchsituation gehe mit einer gewissen verunsicherung einher bestätigt auch dr toni berthel je komplexer eine gesellschaft ist umso länger dauert die phase der adoleszenz wo man lernen kann wie man sich mit dieser welt zurechtfindet in diesem prozess geht es um die bildung der identität es geht auch um die seelische und die sexuelle identität wir müssen den sexuell reifen körper als teil unserer persönlichkeit akzeptieren wir müssen uns vom elternhaus lösen wir müssen uns außerhalb der familie in eine struktur einbinden und wir müssen eigenständige moralvorstellungen entwickeln die damit einhergehende unsicherheit kann durch verschiedene mittel wie größenphantasien aktivitäten oder eben auch durch psychoaktive substanzen abgewehrt werden erläutert berthel letztere gehören zum jugendalter einfach dazu ist er überzeugt da die entwicklungsverfassung den jugendlichen einen vernünftigen umgang mit alkohol erschwere sei das ausprobieren und sammeln von erfahrungen umso wichtiger um ein risikobewusstes ckeln zu können türen in die gesellschaft öffnen gesellschaftsfähig zu sein heißt auch fähig zu sein mit bestandteilen unserer gesellschaft mündig umgehen zu können meint berthel alkohol gehört zu unserer kultur einfach dazu in den usa darf man zum beispiel erst ab 21 jahren trinken deshalb trinken aber nicht weniger jugendliche alkohol bei cannabis ist es auch so der konsum ist verboten und trotzdem tun es viele also konsumverhalten entwidas verbot ist der falsche weg wir müssen mit jugendlichen darauf hinarbeiten einen vernünftigen selbstverantworteten umgang mit substanzen zu finden positive wirkung nicht verschweigen part der erwachsenen ist es in diesem prozess ihre verantwortung ernst zu nehmen macht toni berthel deutlich und führt fort wir müssen akzeptieren dass jugendliche grenzen suchen es gehe darum alkohol nicht zu verteufeln sondern jugendschutzmaßnahmen umzusetzen und harm reduction zu betreiben also zu verhindern dass alkoholkonsum zu folgeschäden führt jugendliche wandern zwischen zwei welten adoleszenz und psychoaktive substanzen · inderadoleszenzalsentwicklungsprozessfindet der psychophysisch-soziokulturelle wandel des individuums vom kind zum erwachsenen statt · innerebilderdersicherheitwerdenaufgelockert identität wird diffuser und unklarer · verminderteangst-undfrustrationstoleranz;auftreten von stimmungsschwankungen kontrollverlust verwirrung des identitätsgefühls 6 · dasich-idealmusssichbilden,gewissensinstanzen sich neu konfigurieren neue formen der beziehungen zur mitwelt und zum mitmenschen entstehen · psychoaktivesubstanzennehmenindieserphase einen besonderen stellenwert ein · beieinerminderheitentstehenproblematische konsummuster die sich negativ auf die psychi sche physische oder soziale entwicklung auswirken können · anpassungdesgehirns:hirnteile,derenaktivität unser gesellschaftliches handeln das abschätzen der folgen unseres verhaltens sowie moralische und ethische erwägungen bestimmen entwickeln sich zum teil erst während der pubertät und der adoleszenz.

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12 jugend alkohol impuls ­ etwa im winter patrouillen durch den park zu schicken damit man sichergehen kann dass da niemand erfriert führt berthel aus die ebene der vernunft die man von jugendlichen im umgang mit psychoaktiven substanzen erwarte käme dann erst viel später zum tragen darüber hinaus sei es aufgabe der gesellschaft jugendlichen entwicklungsräume und zukunftsmöglichkeiten zu bieten ­ ausbildung arbeit und perspektiven wichtig sei es auch ehrlichkeit walten zu lassen wir können nicht vorgaukeln psychoaktive substanzen hätten nur negative auswirkungen wenn wir deren positiven eigenschaften doch selbst nur allzu gut kennen berthel verweist in diesem zusammenhang auf die humanistische tradition unserer gesellschaft die es verbietet verhaltensweisen die niemandem schaden und die einem selbst wenig schaden zu verbieten zu behandeln und zu bestrafen das fazit daraus ist für ihn nur logisch wir müssen mit jugendlichen darauf hinarbeiten dass sie lernen mit gewissen dingen umzugehen als beispiel führt er das aufkommen der handys an die in kinderhänden nur allzu oft zur schuldenfalle wurden die fachleute haben gesagt ,das handy ist nicht gut für kinder die eltern aber haben den kindern prepaid-karten gekauft sie haben das handy-problem praxisorientiert gelöst und der jugend damit ermöglicht schritt für schritt den umgang damit zu lernen jugendliche wollen nicht krank sein wer von gesellschaft und kulturen spricht der stößt auch auf sogenannte hypes und trends ­ phänomene die en vogue sind und das auch im bereich der berauschenden substanzen in den 80er jahren war es zum beispiel der heroinkonsum der ,in war dann kam cannabis als möglichkeit ,cool zu sein heute wird cannabis aber bereits wieder weniger geraucht als noch vor zehn jahren es gibt eine größere gruppe die es nicht mehr cool findet bekifft rumzuhängen führt berthel aus mittlerweile läge der fokus eher auf dem alkohol aber wie bei allen megatrends wird auch dieser hype von selbst verschwinden zeigt sich berthel überzeugt quasi zeitlos scheint aber das phänomen von rausch süchtigen prominenten zu sein ob medikamente oder alkoholexzesse die klatschblätter dieser tage sind jedenfalls voll mit geschichten über hollywood-stars und musikgrößen die in der entzugsklinik landen fast schon scheint es schick zu sein seine lust am exzess öffentlich zur schau zur stellen klar dass hier auch die frage nach der zweifelhaften vorbildwirkung der stars laut wird dieser befürchtung gebietet toni berthel jedoch einhalt natürlich kann es sein dass man über ein solches vorbild zum konsum einer gewissen substanz angeregt werden kann aber wenn jemand in die klinik muss ist er/sie krank und wenn eine krankheit ins spiel kommt dann wirkt das auf jugendliche abschreckend denn jugendliche wollen alles andere als krank sein sie wollen stark und gesund sein p quellen 1 jugendliche alkoholszenen konsumkontexte trinkmotive präventi on irmgard eisenbach-stangl alexander bernardis kurt fellöcker judith haberhauer-stidl gabriele schmied wien 2008 2 3 ebd seite 28 alkohol im körper ­ wirkung und abbau pädagogisches hilfsmittel was alkohol im jugendlichen gehirn anrichtet artikel von lena stall für lehrpersonen der oberstufe auf www.sucht-info.ch stand juli 2010 4 mach in der neuen zürcher zeitung vom 1 juni 2010 5 der mythos vom teenager-gehirn artikel von robert epstein in ge cannabis und jugendalter ­ psychoaktive substanzen und seelische hirn und geist ausgabe 1-2/2008 6 entwicklung artikel von dr toni berthel in der therapeutischen umschau verlag hans huber bern 2007

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im gespräch jugend alkohol 13 prävention ist nicht gratis interview mit dr toni berthel über das trinkverhalten jugendlicher und über den part der erwachsenen und der politik in der suchtprävention herr berthel sie sind co-leiter der integrierten suchthilfe winterthur wie sieht ihr tätigkeitsprofil aus die integrierte suchthilfe fasst verschiedene angebote für menschen die probleme mit suchtmitteln haben zusammen es gibt beispielsweise spezialisierte angebote für substituierte aber auch ,normale drogen und alkoholberatungsstellen wir sind damit eine wichtige schnittstelle zur suchtprävention in winterthur meine aufgabe liegt vor allem in der entwicklung und unterstützung von projekten und umfasst die kontrolle der mitarbeiter ich übernehme also sozusagen die funktionen als supervisor coach und teacher wie ist der derzeitige stand der dinge in sachen alkoholkonsum in der schweiz die entwicklung ist rückläufig wir trinken zum beispiel in der schweiz nur noch halb soviel alkohol pro kopf wie vor hundert jahren auch die jugendlichen trinken nicht mehr alkohol als früher aber es gibt eine gruppe von jugendlichen die in kurzer zeit sehr viel alkohol trinkt aber ­ und das zeigen auch alle untersuchungen ­ bei den meisten jugendlichen geht diese art von konsum nicht in eine abhängigkeit über worin unterscheiden sich jugendliche und erwachsene in punkto trinkverhalten jugendliche trinken viel mehr in gruppen erwachsene hingegen greifen öfter zum alkohol wenn sie gestresst von der arbeit nach hause kommen junge menschen halten darüber hinaus oft trinkzusammenkünfte im öffentlichen raum ab so ersparen sie sich kontrollen von wirten sie holen sich halt irgendwo ein bier und schon haben sie eine szene die sich oft durch lärm und littering vermüllung eines ortes bemerkbar macht ohne diese begleiterscheinungen würde die bevölkerung sich eindeutig weniger über den alkoholkonsum der jugend aufregen wie stehen sie generell zu alkohol-verboten jugendschutzbestimmungen sind durchaus wichtig aber verbote alleine können kein gesellschaftsphänomen lösen uns muss eher gelingen dass jugendliche dieses genuss und rauschmittel positiv anwenden ohne dass es zum suchtmittel wird so ein verhalten kann man durch vorbildwirkung und auch durch schaffung von ritualen ­ feste und orte wo es möglich ist gemeinsam mit alkohol zu feiern ­ fördern ich meine keinesfalls dass alle jugendlichen trinken rauchen oder kiffen müssen aber wir müssen lernen mit diesem teil unserer kultur umzugehen verbote haben auch in den gefängnissen nicht geholfen die sind hermetisch abgeriegelt und trotzdem wurden da drogen genommen wir müssen das vorhandensein der psychoaktiven substanzen akzeptieren und lernen damit umzugehen p wo liegen hier risiken und problemfelder denen erwachsene entgegenwirken sollten problematisch sind die akuten rauschereignisse aus denen sich auch eine sucht entwickeln kann die folgen sind unfälle gewaltereignisse schlägereien verkehrsunfälle oder erfrierungen im winter diese müssen natürlich so gut es geht verhindert werden prinzipiell müssen wir uns aber überlegen sollen wir tatsächlich wegen einer kleinen gruppe die längerfristige probleme entwickelt allen anderen verbieten alkohol zu konsumieren ich glaube viel wichtiger ist es jugendlichen eine welt zur verfügung zu stellen in der sie sich entwickeln können erwachsene müssen sich ihrer verantwortung bewusst werden klar ist auch prävention ist nicht gratis arbeit mit jugendlichen im suchtbereich ist immer eine politische arbeit man kann nicht sagen jugendliche müssen mehr sport machen aber man investiert kein geld in sportplätze zur person dr toni berthel geboren 1953 ist ärztlicher co-direktor der integrierten psychiatrie winterthur www.ipw.zh.ch wo er leiter des bereiches adoleszenz und sucht ist zudem ist er co-leiter der integrierten suchthilfe winterthur http sucht.winterthur.ch

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14 jugend alkohol impuls einsicht die aus einer emotionalen erfahrung entsteht ist nachhaltig deshalb nehmen wir auch diesen aufwand auf uns die jugendlichen unmittelbar nach dem trinkvorfall aufzusuchen bernhard gut abends rausch morgens beratung emotionale zeitfenster konstruktiv nutzen der sozialmedizinische dienst der caritas sucht jugendliche nach alkoholvergiftungen im krankenhaus zu beratungsgesprächen auf freiwillig sucht wohl kaum ein jugendlicher eine beratungsstelle auf ist sich mag dsa bernhard gut sozialarbeiter und psychologe im bereich gemeinwesenorientierte suchtarbeit im sozialmedizinischen dienst der caritas bewusst mit einem kriseninterventionsprojekt für alkoholintoxikierte jugendliche in vorarlberg wird seit mai 2007 die chance genutzt direkten kontakt zu jugendlichen die durch einen risikoreichen alkoholkonsum auffällig wurden aufzunehmen abends rausch ­ morgens beratung heißt der leitspruch den bernhard gut als leiter dieses projektes gemeinsam mit seinem team aus sozialarbeiterinnen psychologinnen und pädagoginnen verfolgt un verblüffende offenheit die unmittelbare zeitliche nähe zum trinkereignis das direkt ins krankenhaus führte lässt die beratungsgespräche unter anderen vorzeichen als üblich ablaufen solche vorfälle lösen bei jugendlichen oft eine verser projekt basiert auf einer zusammenarbeit mit den krankenhäusern bregenz dornbirn hohenems feldkirch und bludenz diese verständigen uns wenn jugendliche aufgrund einer alkoholvergiftung eingeliefert werden noch während ihres aufenthaltes im krankenhaus suchen wir dort mit ihnen das gespräch ­ im idealfall im beisein ihrer eltern erläutert gut zahlen fakten von mai 2007 bis mai 2010 wurden in vorarlberg · 249jugendlicheimaltervon12bis21jahrenim rahmen des krankenhausprojektes erreicht da· dieberatungenfandenüberwiegendansamstagen und sonntagen statt · deralkoholkonsumerfolgtezu55prozentauf privatpartys gefolgt von rund 16 prozent in diskotheken oder anderen freizeiteinrichtungen quelle projektbericht 3 jahre krisenintervention bei alkoholintoxikierten jugendlichen des sozialmedizinischen dienstes der caritas einlieferungen bei erwachsenen im vergleich jahr 2007 2008 2009 jugendliche 16 18 jahre 70 98 97 erwachsene 384 400 513 vonwarenüber57%männlichund43%weiblich · diemeistenjugendlichenwarenzwischen14und 17 jahre alt · derdurchschnittlichepromillewertlagbei1,7 promille.

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im gespräch impuls jugend alkohol trinkverhalten 15 blüffende offenheit aus wenn man den gleichen jugendlichen nur fünf tage später begegnet zeigen sie sich schon wesentlich verschlossener weiß bernhard gut und untermalt diese feststellung mit einem persönlichen erlebnis an einem krankenhausbett eines morgens kam ich zu einem 17-jährigen ,gestandenen bregenzerwälder ins zimmer der nicht mit meinem erscheinen gerechnet hatte als ich das zimmer betrat sah ich ihn im bett liegen er trug eine windel das war ihm furchtbar peinlich aber die gesamtsituation ­ also das ,kranksein einerseits und die scham über das vorgefallene rauschereignis waren auch auslöser für eine ungewohnte offenheit mitgrund für diese erhöhte empfänglichkeit und gesprächsbereitschaft sind emotionen wie angst und scham aber auch das bewusstsein dass dieser vorfall schlimmer hätte ausgehen können und eben in dieser besonderen von sensibilität geprägten situation gelte es ­ wie gut betont ­ die zeit konstruktiv zu nützen die jugendlichen über die wirkung von alkohol bei regelmäßigem konsum zu informieren und natürlich auch in das leben der jungen menschen und deren familien hineinzuschauen im positivsten fall kann diese intensive erfahrung letztendlich schutz vor einer wiederholung dieses szenarios bieten einlieferungen gestiegen von den bisher knapp 250 jugendlichen die in den ersten drei projektjahren beraten wurden landeten lediglich drei neuerlich aufgrund ihres alkoholkonsums im krankenhaus für bernhard gut ein indiz dafür dass einsicht umso nachhaltiger ist je emotionaler die erfahrung ist über die man sie gewonnen hat differenziert sind für gut auch die steigenden zahlen der alkoholintoxikierten jugendlichen zu betrachten waren es etwa noch im jahr 2004 43 jugendliche im alter zwischen 16 und 18 die wegen einer alko holvergiftung ärztlich behandelt wurden lag die zahl im jahr 2009 in dieser altersgruppe bereits bei 97 jugendlichen auch die erhebungen der daten aus den ersten beiden projektjahren ließen eine leicht gestiegene zahl an einlieferungen innerhalb dieses zeitraumes erkennen ­ eine tendenzielle entwicklung die die vorschnelle vermutung nahelegen könnte dass es immer mehr exzessiv trinkende jugendliche gibt diese folgerung aber wäre als unlogischer und zu einfacher schluss zu werten verdeutlicht gut vielmehr sei die entwicklung ein zeichen dafür dass eine erhöhte sensibilität und vorsicht eher und früher zu einer einlieferung veranlassen als dies noch vor ein paar jahren der fall war ebenfalls eindeutig zu widerlegen sei das klischee vom komatrinkenden jugendlichen wie dies eine wissenschaftliche evaluation des krankenhausprojektes im rahmen einer diplomarbeit an der fh vorarlberg ergeben habe nur eine minimale gruppe der jugendlichen in vorarlberg ist in die kategorie ,komatrinker einzustufen und setzt sich bewusst in einen exzessiven rauschzustand die bewusste absicht zum starken rausch sei eher bei jungen erwachsenen kaum aber bei jugendlichen zu finden fasst gut zusammen eltern-kind-annäherungen besonders beeindruckende und auch berührende momente erlebt das krankenhaus-team der caritas immer dann wenn es um beziehungsarbeit zwischen eltern und jugendlichen geht ­ wenn sich widerspenstige und ,erwachsene jugendliche ihren eltern öffnen und zu tränen gerührt sind wenn sie zugeben ,was ich gemacht habe war nicht gut und eigentlich mag ich dich gern ansonsten schreit man sich ja häufig an und geht sich aus dem weg oftmals kommt es auch zu grundlegenden diskussionen mit einer enormen intensität die eltern so nicht erwartet hätten ­ gerade wenn es um beziehungen in der familie geht die sich mit dem heranwachsen von jugendlichen naturgemäß verändern die ausnahmesituation im krankenhaus sei dabei für die erziehungsverantwortlichen oft schwieriger als für die jugendlichen selbst eltern erleben teilweise emotionen wie scham angst schuld aber auch wut und schätzen es in diesem moment ganz besonders dass sie mit einer außen stehenden person über das erlebte sprechen können gleichzeitig ermöglicht dieses emotionale zeitfenster rund um so ein ereignis eine völlig neue art der begegnung und bringt nicht nur jugendliche sondern auch ihre eltern zu neuen einsichten ich hatte aber auch schon eltern die völlig überreagiert haben ihren sohn schon als säufer auf der parkbank liegen sahen die frage ist schon auch wie man mit solchen vorfällen als erwachsener umgehen soll ich kann ein drama daraus machen ich kann es aber auch völlig bagatellisieren ins lächerliche ziehen oder aber ich kann das erlebte nützen und konstruktiv damit umgehen das braucht manchmal ein wenig p mut aber es lohnt sich derzeit besteht das team aus fünf personen bernhard gut theresia metzler kathrin natter eva garmusch und eva-maria zech alkoholintoxikation · entstehtinfolgeeinereinmaligenübermäßigen alkoholaufnahme unterschied zu chronischer alkoholvergiftung · merkmale:enthemmung,streitbarkeit aggressivität affektlabilität aufmerksamkeitsstörung einschränkung der urteilsfähigkeit beeinträchtigung der persönlichen leistungsfähigkeit und mindestens einer der folgenden merkmale ·gangunsicherheit ·standunsicherheit ·verwaschenesprache ·augenzittern ·bewusstseinsstörung ·gesichtsröte ·bindehautrötung quellen kriterien der icd-10 internationale statistische klassifikation der krankheiten und verwandter gesundheitsprobleme und handbuch alkohol ­ Österreich zahlen fakten trends 2009 http www.api.or.at/akis/download/01_1hbao.pdf

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