Weltlager-Zeltoffen Sommer 2012

 

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verschollene geschichten aus 1001 nacht neuentdeckt und übersetzt aus dem arabischen von weltlager-zeltoffen seite 1

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inhalt einleitung 3 die begegnung der könige 4 von der erzählkunst 5 die farben des regenbogens 7 die 40 räuber und der blaue dschinn 8 geschlechtertausch 11 rauschende feste 14 licht und schatten 15 der abschied 16 gedankenpfützen 17 abspann 19 nachwort 20 seite 2

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vorwort lieber leser bevor sie beginnen sich in den sagenhaften erzählungen von 10 nächten weltlager-zeltoffen zu verlieren möchte ich noch ein paar worte zum 3 weltlager-zeltoffen der initiative an sich und vor allem den menschen die das alles möglich machen sagen weltlager-zeltoffen das ist nicht etwa bloß eine dienstleistung ein willkürliches freizeitangebot es ist eine initiative mit botschaft nicht nur der name zeltoffen enthält eine solche botschaft auch der solidarische kern der es unabhängig von finanziellen mitteln allen kindern möglich machen soll an einem der weltlager-zeltoffen-angebote teilhaben zu können schizophren schien es mir dass auf der einen seite ein unübersehbarer wohlstand vorhanden auf der anderen seite aber gerne zahlen wie 16 kinderarmut vertuscht werden Überfluss mangel das lässt sich doch prima kompensieren und so entstand der frei wählbaren kostenbeitrag gegenüber dem bekannte freunde und verwandte immer wieder skeptisch waren unrecht hatten sie sicherlich nicht immerhin schlummert in diesem konzept die versuchung des ausnutzens allerdings hat sich diese befürchtung bisher nicht bestätigt und das vertrauen sich belohnt gemacht und solange diese methodik eine möglichkeit und kein hindernis darbietet soll sie ein inspirator und vorbild für mögliche wirtschaftsmodelle sein mit freude im herzen beobachte ich wie dieses projekt nach nur einem kurzen anlauf schon auf festen beinen steht und sich in immer fortwährendem wachstum befindet gerade geht das 2 jahr vorüber und das weltlager hat 3 freizeiten mit insgesamt 54 teilnahmen veranstalten können diese arbeit wurde und wird von der tatkraft von ca 15 ehrenamtlichen jugendlichen mit der unterstützenden hilfe von den bewohnern des pausenhofs geleistet und so verwandelt sich diese initiative die anfänglich von wenigen köpfen und händen entwickelt und gelenkt wurde langsam zu einer selbstorganisierten jugendarbeit ich bin gespannt auf die Überraschungen die diese initiative womöglich noch bereit hält so und nun genug der trockenen informationen jetzt möchte ich sie entlassen in die geschichten und abenteuer die wir im 3 weltlager-zeltoffen erlebt haben die zehn tage verbrachten wir in den aufregenden geschichten des orients in dieser zeit sind uns welche begegnet die es wahrscheinlich noch nicht in die sicherheit der bücher geschafft haben mögen diese geschichten in dieser schrift gut aufgehoben sein und mögen sie möglichst viele leser und erzähler inspirieren mit lieben grüßen ihr emo eitle seite 3

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die begegnung der könige als die nacht gekommen war sagte dinarasad zu ihrer schwester scheherazade ach schwester erzähle uns doch eine deiner wunderbaren geschichten und scheherazade erzählte dem könig schahriyar man berichtet sich von einem mystischen ort der die geheimnisse der welt und die zauber der tollkühnsten phantasien in sich birgt man nennt ihn den pausen-hof weil er alle sorgen vergessen und alle weltlichen lasten verschwinden lässt dort hat die zeit ihre eigenen gesetze regelmäßig treffen sich dort die größten könige der seelenwelten um einander an den schätzen und gaben ihrer reiche teil haben zu lassen diese versammlungen nennen sie weltlager-zeltoffen erst letztens so erzählt man sich trafen sich sieben könige und königinnen und zwanzig prinzen und prinzessinnen aus aller welt an jenem besagten ort die sich bekannten vielen einander in die arme und berichteten von den zwischenzeitlichen geschehnissen in ihren reichen dann wurde das lager aufgeschlagen und die majestätischen zelte mit leben gefüllt auch neue gesichter waren unter ihnen die gekommen waren um wissen auszutauschen zu handeln und neue bündnisse zu knüpfen schnell verging der erste tag durch gespräch und kennenlernen und die nacht brach herein als bald suchten die zwanzig prinzen und prinzessinnen ihre lager auf und verfielen in geruhsamen schlaf denn nirgends so sagt man sich ist der schlaf erholsamer als auf dem pausen-hof die sieben könige indes verweilten noch im schein der kerzen und fackeln gespannt auf das was die kommenden tage noch bringen mögen da erreichte das morgengrauen scheherazade und sie hörte auf zu erzählen das ist aber eine spannende geschichte sagte ihre schwester was ist das schon erwiederte scheherazade gegen das was ich euch morgen nacht erzählen werde wenn ich dann noch lebe und der könig mich verschont der aber sprach schahriyar zu sich selbst bei gott ich werde nicht eher ruhen als bis ich die gesamte geschichte der könige und ihrer versammlung gehört habe und von da an erzählte scheherazade dem könig schahriyar jede nacht eine geschichte von den geheimnisvollen geschehnissen auf dem pausenhof seite 4

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von der erzählkunst die könige wussten wahrlich spannende geschichten zu erzählen aber einer der könig der worte und sprache verstand es diese so zu erzählen dass es den zuhörern so schien als würde sich das erzählte tatsächlich vor ihren augen abspielen jeden morgen noch bevor der physische leib mit nahrung gestärkt werden sollte erzählte dieser könig eine seiner wunderbaren geschichten es waren all die geschichten die ich euch oh könig in den vergangenen nächten bereits erzählt habe oder von denen ich euch noch erzählen werde geschichten von den vierzig räubern von sindbad der messingstadt könig salomon und seinem krieg gegen grausame dschinns aber eine dieser geschichten die gleich am ersten tag erzählt wurde möchte ich euch heute nacht erzählen es ist die geschichte vom igel und den zwei tauben die trauben die an der burgmauer des pausen-hofes jeden sommer ihre vollste reife erhalten waren schon immer eine unerreichbare köstlichkeit für den igel gewesen dessen zuhause unter der fair-Änder-bar liegt ihm blieb all die vergangenen sommer nichts anderes übrig als diese vom boden aus zu betrachten sie zu kosten blieb ihm allerdings bisher verwehrt wie das schicksal es wollte kamen eines tages zwei weiße tauben aus dem süden vorbeigeflogen die sich mir nichts dir nichts an den köstlichen trauben satt aßen als der igel das sah überkam ihn eine tierische eiversucht und er überlegte wie er die beiden tauben dazu bringen könnte ihm welche abzugeben so ließ er sich eine list einfallen he tauben ihr fresst ja alle trauben auf dann bleibt euch für den winter nichts mehr übrig gurr gurr war die bescheidene antwort ich biete euch jedoch an einen fetten wintervorrat für euch in meinen vorratskammern zu lagern wenn ihr so gütig seid auch mir ein paar zu ernten seite 5

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dieser vorschlag gefiel den tauben und sie pflückten genügend trauben so dass es für sie und den igel gereicht hätte als der winter gekommen war und die tauben nichts mehr zu fressen hatten besuchten sie ihren freund den igel der für sie die trauben aufbewahrte wohlwollend lächelnd ließ der igel die beiden vögel in seine höhle doch bevor die tauben überhaupt etwas ahnen konnten verbarikadierte er schon den eingang so du einfältiges flattertier rief er triumphierend aus jetzt habe ich einen besonders schmackhaften wintervorrat mhm trauben gefüllte tauben verzweifelt suchten die beiden vögel einen ausweg aus ihrer misslichen lage doch es war hoffnungslos ach igel sagte die eine taube wenn du uns hier schon gefangen halten musst so möchte ich uns zum zeitvertreib eine geschichte erzählen und sie erzählte dort draußen lieber igel vor deiner haustüre sind gerade zwanzig prinzessinnen und prinzen und sieben könige und königinnen versammelt einer dieser könige ­der könig der musik und melodie vermag es die klänge des windes des regens und das rascheln der blätter einzufangen und sie mit seiner gitarre und stimme noch viel schöner erklingen zu lassen er schrieb ein lied für die schönheit der welt und des lebens der igel war so gefangen von den worten der taube dass er gar nicht merkte wie sich die andere an ihm vorbeischlich und den ausgang entriegelte und hast du nicht gesehen waren beide tauben aus ihrer falle entwischt seite 6

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die farben des regenbogens einer der könige ­der herrscher über die farbenfrohen ländereien der morgen und der abendstunden vermochte es den regenbogen der sich über das weltlager spannte aufzusaugen und auf einmal zu verschlucken das tat er freilich nicht einfach so zumvergnügen er wartete bis der regenbogen komplett verdaut war sich die farben voneinander getrennt hatten dann füllte er sie in eimer mit der regenbogenfarbe die so in den eimern gefangen waren zeigte der könig der farbenfreude den anderen wie er einfachen weißen stoff in schönste bunte kleider und tücher verwandeln konnte die anwesenden waren so begeistert von der kunst des königs dass die es ihm gleich tun wollten da er bereit war diese kunst mit seinen freunden zu teilen geschah es dass jeder der könige königinnen prinzen und prinzessinnen bis zum heutigen tage ein kleidungsstück getaucht in die farben des regenbogens trägt seite 7

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die 40 räuber und der blaue dschinn die nächste geschichte oh könig ist ein abenteuer der wildesten art eines nachts die prinzen und prinzessinnen lagen bereits auf ihren lagern und träumten die träume der heiligen geriet das weltlager in aufruhr die könige hatten festgestellt dass die königin der vegetation und pflanzen plötzlich entschwunden war einige machten sich auf sie zu finden als diese nach vielen stunden noch immer nicht zurück waren wurden die zurückgebliebenen nervös und weckten die schlafenden prinzen und prinzessinnen auf und berichteten ihnen von den vorkommnissen gemeinsam bildeten sie einen riesen suchtrupp und machten sich mit fackeln ausgerüstet auf in die dunkelheit ich hatte ja bereits von den erzählkünsten des herrschers über wort und sprache berichtet es stellte sich heraus dass er am morgen so lebendig erzählt hatte dass sich die figuren seiner geschichte in der realität manifestierten diese geschichte war jene von den vierzig räubern diese gauner hatten die königin der vegetation entführt und in ihre räuberhöhle verschleppt auf seinem weg durch die dunkelheit begegnete dem suchtrupp eine riesen gestalt ein koloss es war der blaue dschinn ein wesen dass dem könig salomon ewige treue geschworen hatte und seine übernatürlichen kräfte nur für das gute einsetzte stillschweigend gebot er den suchenden die fackeln zu löschen und ihm schweigend zu folgen unsichtbar schwebten sie dahin in richtung der räuberhöhle so leise und unsichtbar waren sie dass die wache am eingang sie gar nicht bemerkte der dschinn führte sie zu einer true in der die waffe versteckt war mit der es möglich war die wache vor dem eingang der räuberhöhle zu besiegen neugierig und voller erwartung öffnete ein mutiger prinz die true welch schreckhafte Überraschung als aus ihrem inneren ein untoter eine mumie heraussprang und laut schreiend auf die am höhleneingang stehende wache rannte dem wilden mann der für gewöhnlich keine furcht kannte und jedem grausamen feind die stirn bot war plötzlich das blanke entsetzen ins gesicht geschrieben ohne weiteres nahm er seine beine in die hand und flüchtete in die höhle die mumie ihm dicht auf den fersen die prinzen und prinzessinnen hintendrein seite 8

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ein fürchterliches geschrei aufleuchten von feuer einmal zweimal dreimal dann war stille vorsichtig dicht aneinander gedrängt und immer auf eine Überraschung vorbereitet drangen die suchenden weiter und weiter in die höhle ein immer wieder wurden sie verfolgt doch schafften sie es jedes mal die verfolger abzuschütteln und sie in den weit verzweigten gängen irre gehen zu lassen letztlich kamen sie an ein großes spinnennetz das den ganzen höhlengang einnahm das berühren der feinen klebrigen fäden war gefährlich dennoch mussten sie hindurch ohne diese zu berühren das ging nur in gemeinschaftlicher arbeit aber letztlich hatte es jeder geschafft und der weg ging weiter die gänge wurden zunehmend enger um sie herum wurde es immer dunkler aus den gängen waren beunruhigende geräusche zu hören war da wer wurden sie wieder verfolgt leise beinahe unhörbar schlich der zug weiter voran moment da lag etwas auf dem boden ein körper ein menschlicher körper die komplette mannschaft versammelte sich um den fund und beäugte ihn neugierig es war ein wunderschönes mädchen anmutig und edel in ihrer gestalt sie schlief da schlich sich unhörbar von hinten eine riesenhafte vermummte gestalt an und brüllte so laut dass es in den gängen weithin wiederhallte in todesangst stob der trupp auseinander und rannte die blindlings weiter in die höhle hinein doch wo waren sie jetzt niemand wusste mehr wie es zurück ging jetzt waren sie gefangen in der dunkelheit der räuberhöhle die entführte königin der vegetation jedoch die das nahen ihrer retter hörte ließ aus dem nichts ein maisfeld wachsen welches sich bis hin zu den verirrten erstreckte da wussten sie dass es ihre geliebte königin sein musst die allein ein solches wunder vollbringen vermochte und sie folgten den pflanzen tatsächlich da saß sie gut gelaunt wie man sie kannte inmitten einer blühenden wiese der weg zurück ans tageslicht war nicht besonders schwer das übernahmen die pflanzen die von natur aus immer in richtung sonne streben seite 10

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geschlechtertausch es ist wohl nichts spannender als die besonderheiten des anderen geschlechts das galt auch für die prinzen und prinzessinnen besonders da sie aneinander gefallen gefunden hatten und wie kann man besser das andere geschlecht kennen lernen und verstehen als selbst in dessen rolle zu schlüpfen also luden die könige einen magier ein der es verstand geschöpfe in andere zu verwandeln es war der selbige wie jener aus kalif storch von dem ich euch oh könig bereits erzählt habe dieser brachte ein pulver mit das er über die häupter der prinzen streute und dazu geheimnisvolle ferse murmelte den prinzessinnen gab er je ein fläschchen mit einer bläulichen flüssigkeit die sie tranken und schon waren sie verwandelt die prinzessinnen wurden zu stattlichen jünglingen die an anmut und erhabenheit jeden jungen mann übertrafen die peinlichkeit bestand jedoch darin dass das zauberpulver die prinzen nicht in schöne zarte mädchen sondern in alte kreischende weiber verwandelte seite 11

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mit der verwandlung des Äußerlichen war es jedoch noch nicht getan jetzt galt es sich auch in den verhaltensweisen zu üben so widmeten sich die verwandelten prinzen der maniküre pediküre frisierten einander und verloren sich in ratsch und tratsch nicht so ihre neuen brüder die sich in ihrer neuen rolle sichtlich wohl fühlten sie veranstalteten mutproben öffneten baola-flaschen und maßen ihre kräfte als der abend kam verlor der zauber seine wirkung und sie verwandelten sich wieder zurück in ihre ursprüngliche gestalt naja nahezu seite 12

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rauschende feste im feiern musizieren und tanzen die heiterkeit des lebens zu erfüllen das versteht wohl jedes volk auf der ganzen welt und ist in jeder kultur verankert so natürlich auch in den reichen unserer königinnen könige prinzen und prinzessinnen natürlich jedes auf seine eigene art und weise und gerade darin liegt die besonderheit wenn unterschiedliche kulturen zusammen kommen dann kennen vielfalt und farbenfreude keine grenzen mehr seite 13

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ihr könnt euch nicht vorstellen oh könig wie ungezwungen rauschend die feste im weltlager waren das lachen und tanzen die lebensfreude und heiterkeit waren dort zu hause und unter den eingeladenen gästen fanden sich auch alle gestalten aus meinen geschichten wieder selbst die dschinns waren gekommen seite 14

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licht und schatten das feuer oh könig spendet nicht nur wärme und licht es ist bekanntlich auch zerstörer ganzer städte für manche hat das feuer dennoch eine so starke anziehungskraft dass sie sogar damit spielen mit ihm jonglieren die kunst besteht darin herr über dieses element zu werden und tatsächlich war auch der könig des feuers der herr der flammen unter den königen niemand verstand es besser als er mit dem feuer zu spielen er war weithin bekannt und wurde schlicht der burner genannt seite 15

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