Chronik der Stadtmusik Vöcklabruck 1812 bis 1937

 

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Emil Zelch hat in mühevoller Arbeit mithilfe vieler Vöcklabruckerinnen und Vöcklabrucker die in Kurrent geschriebene Chronik in heute lesbare Schrift "übersetzt" und das Ganze dann in ansprechende Buchform gebracht.

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chronik der stadtmusik vöcklabruck 1812 1937

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emil zelch chronik der stadtmusik vöcklabruck 1812 1937 3

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chronik der stadtmusik vöcklabruck von 1812 ­ 1937 von der gründung im jahre 1812 bis zum jahre 1937 1938 war das jahr der mobilisierung zum 2 weltkrieg erste ausgabe dezember 2011 copyright © 2011 by emil zelch 4840 vöcklabruck Österreich 4

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vorwort die stadtmusik vöcklabruck feiert im jahr 2012 ihr 200-jähriges jubiläum und mein beitrag zu diesem jubiläum ist ein altes und schon lange geplantes vorhaben nämlich die Übersetzung der in kurrent geschriebenen chronik in die heute üblich lesbare deutsche schreibschrift fast 750 handgeschriebene und zum teil schwer lesbare seiten unserer chronik ­ mit dem beginn im jahre 1812 bis zum ausbruch des zweiten weltkrieges 1938 ­ zu übersetzen war von spezialisten für die stadtmusik nicht leistbar leider war auch die stadtgemeinde als sponsor dafür nicht zu gewinnen und so kam ich auf die idee die ältere generation von vöcklabruck dazu einzuladen uns beim Übersetzen zu helfen gleichzeitig sollte es ein einstimmen auf die 200 jahr-jubiläumsfeier im jahr 2012 sein nach mühevollem einscannen des übergroßen formates der chronik und dem umformen in ein pdfformat zum ausdrucken und bearbeiten erstellte ich im frühjahr 2009 eine chronik-homepage im internet und lud die bevölkerung von vöcklabruck dazu ein sich an der Übersetzung zu beteiligen es war ein toller start und ich kam kaum nach die zum teil lustigen Übersetzungen zu kontrollieren und richtigen seiten ins internet zu stellen mit manchen musikalischen ausdrücken taten sich einige nicht leicht und es kam daher auch zu einigen lustigen interpretationen nach zwei monaten aber ging das interesse meiner helfer leider zurück darum kam mir die idee ein chronik-cafe im musikheim der stadtmusik zu starten ein voller erfolg am samstag 6 juni 2009 fanden sich ab 14 uhr etwa 30 kundige leserinnen und leser ein und lasen auf 12 bis 15 stationen einzelne seiten vor die wiederum von unseren jungmusikerinnen gleich in die verschiedenen pcs eingegeben wurden so wurden die letzten seiten des ersten chronikbuches bis zum jahre 1907 bis 19 uhr fast fertig und ich hatte nun die mühevolle aufgabe alles zu kontrollieren und wiederum ins internet zu stellen ­ auch hier musste ich immer wieder kontrollieren und einzelne wörter entziffern ein herzlicher dank an dieser stelle an frau margarete havlena die mir seit dieser zeit sehr viel geholfen hat im herbst 2010 begann ich die zweite chronik ab 1908 bis zum ausbruch des zweiten weltkrieges 1938 einzuscannen und weiter ging s bis zum frühjahr mit der Übersetzung parallel dazu begann ich die gestaltung des buches und nach vielen stunden besser gesagt nachtstunden liegt nun mit ende des jahres 2011 die erste ausgabe der neufassung der chronik in meinen händen zur chronik in der vorliegenden form sei noch vermerkt dass versucht wurde die schreibweise so zu belassen wie es damals vielleicht üblich war aber starke rechtschreibfehler und einige sachen die der verständlichkeit dienen wurden dem neuem deutsch angepasst wenn etwas kursiv und unterstrichen ist konnte es nicht eindeutlich gelesen werden auch habe ich versucht ein einigermaßen gut lesbares layout zu finden ich wünsche allen lesern ein schönes schmökern und mir selbst wünsche ich im speziellen dass unsere jungen musiker die tradition unserer stadtmusik hochhalten und sich auch für die entstehung und den werdegang der musik interessieren ich hoffe euch damit die lange währende geschichte der stadtmusik nähergebracht zu haben emil zelch im dezember 2011 5

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chronik Über das 1812 ­ 1850 in e ntstehen und b estehen der k u k priv unif b Ürger -c orps -k apelle v Öcklabruck seit dem j ahre 1812 der grund dass ich von diesem jahre 1812 die chronik zusammenstellte ist durch aneiferung des herrn johann armbruster fleischhauer in vöcklabruck der durch ältere personen welche früher mitglieder der capelle waren in erfahrung gebracht hat dass in früheren jahren der gebrauch herrschte an festtagen am unteren stadttore lieder und fantasien geblasen wurden wo der ausdruck jetzt kapellmeister der name turnermeister herstammen soll imjahre 1812 war der stand der capelle von 10 mann unter der leitung des herrn schulmeister und musikleiter lorenz herzog herr josef pittermann ­ pensionierter turnermeister herr johann roth ­ turnergesell herr carl streußenberger senior herr carl streußenberger junior herr johann klöbel herr josef vielweib ­ messerschmid herr mathias schmierer ­ vater herr josef schmierer herr mathias schmierer herr gottlieb hauhs ­ lehrer herr franz hammer ­ kaufmann imjahre 1817 bestand die kapelle aus 17 mann herr m hans ­ schulgehilfe als hautboist oboist herr josef radler salzfacktor beamter im salzhandel hautboist herr jacob schweighofer ­ tambour stabführer die ausständigen vier männer konnte ich mit namen nicht eruieren die uniformierung der k.u.k priv unif bürgercorps-kapelle war folgende sturmhut mit grünem gerade stehenden federbuschen weiße hose frack mit roten aufschlägen kurzen säbeln mit schwarzen riemen zeug zum umhängen a m 23 j Ä nner 1822 suchte herr josef schmierer bei dem stadtmagistrat vöcklabruck um die turnermeisterstelle an wo laut zuschrift von herrn bürgermeister franz schlegel folgendes schreiben erhielt wie folgt unterm buchstaben a vermög ratsbeschluß vom 23 jänner 1822 wurde dem bittsteller die thurnermeisterstelle unter folgenden bedingnissen verliehen dass derselbe 1 2 3 sich genau nach seinen eigenen erklärungen benehme und dem ehemaligen turnermeister josef pittermann in seinen einkünften nicht beeinträchtige und mit demselben einen eigenen vertrag errichte sich der vorgeschriebenen prüfung unterziehe worauf erst unternommen werden kann ab dem bittsteller die im zweiten punkt seines gesuches angeführte musikdirektion anvertraut werden kann welche entscheidung sich der stadtmagistrat einstweilen vorbehält da nun der erste punkt erfüllt und auch der zweite gestern vollzogen war den ist so unterliegt die bestätigung von hier aus keinen anstand jedoch ist auch die bestätigung der löblich geistlichen vogtei nachzuweisen 7

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in betracht des 3 punktes aber hat sich der bittsteller mit dem vorigen direktor herrn herzog entweder gütlich auszugleichen oder die entscheidung bei der geistlichen und weltlichen vogtei besonders nachzusuchen stadtmagistrat vöcklabruck am 9 februar 1822 schlegel bürgermeister auf die mitteilung des herrn bürgermeister schlegel wurde durch herrn josef schmierer folgendes gesuch an die löbliche geistliche vogtei abgegeben wie folgt löblich geistliche vogtei laut der unter dem buchstaben a gehorsamst angeschlossenen bescheides des löblichen stadtmagistrates vöcklabruck als weltliche vogtei vom 9 februar bin ich gehorsamst unterzeichneter als turmmeister von hier an und aufgenommen doch mangelt mir noch die gnädige acceptation des löblichen pfarrhofes vöcklabruck als geistliche vogtei nachdem ich zwar wohl aus meinem erhaltenen und vorgeschriebenen lehr und prüfungszeugnis und zu forderst aber durch meine in gegenwart der löblichen geistlichen und weltlichen vogtei abgelegte prüfung vom 7 dmts dargetan zu haben glaube dass ich diese turnermeisterstelle unklagbar und zur allgemeinen zufriedenheit zu verstehen im stande mich befinde so hoffe ich rücksichtlich meiner bei der löblichen weltlichen vogtei abgegebenen erklärung welche ich auch hier ehrfurchtsvoll wiederhole daß ich dem gegenwärtigen turnermeister josef pittermann 1 seiner bisher bezogenen einkünften nach dem unter uns abgeschlossenen vertrag so lang pittermann am leben sei wird ohne mindester schmälerung zugesichert habe nachdem es aber auch im begriffe eines wirklich angestellten turnermeisters liegt dass derselbe das ordre und die direktion der politischen musiken ausschließlich auszuüben haben müssen so wünsche ich gehorsamster unterzeichneter 2 dass mir bei gnädiger verleihung der hiesigen thurnermeisterstelle die aus vorrecht nach dem beispiele anderer arten wo sich thurnermeister befinden ebenfalls huldreichst eingeräumt werde weil die gutwillige direktionsüberlassung des thurnermeisters josef pittermann und herr schullehrer herzog rücksichtlich aus alters und der damals bestandenen differenzen und nur für die dauer als pittermann thurnermeister sein würde folglich einen nachfolgenden turnermeister unbehindert in anwendung kommen komme auch dann wenn herr herzog eine diesfällige bestätigung der ihm übertragenen musikdirektion von der vormaligen politischen behörde nachweisen könnte und da noch überdies das musizieren bei den politischen musiken 3 dem öffentlichen schulunterricht nicht entsprechend und mir auch bei der bekannten feindseligen abneigung des herrn schullehrer herzog viele unangenehme meckereien und verdrüsse zu gehen würden so bitte ich unterzeichneter unterthänigst gehorsamst diese löbliche geistliche vogtei wolle gnädigst geruhen mir den thurnermeisters dienst hier zu vöcklabruck zugleich mit der befugnis die politischen musiken zu ordern und zu dirigieren nach vormaliger alter gewohnheit zu verleihen sofort der verleihung der hiesigen löblichen stadtmagistrates als weltliche vogtei huldreichst beizutreten vöcklabruck den 10 februar 1822 josef schmierer antwort dieses gesuches an den löblichen pfarrhof vöcklabruck wurde rückerstattet wie folgt der von einem löblichem stadtmagistrate allhier untern 23 jänner d.j gefasste rathsbeschluß dem josef schmierer den hiesigen stadtthurnermeister dienst unter gewissen bedingungen zu verleihen wird von seite der unterzeichneten geistl vogtei akzeptiert und somit der besagte josef schmierer als hiesiger thurnermeister von uns aufgenommen mit dem bemerken dass die salarien für diese bedienstung und der kirchencassen nur solange und in dem maaße abgereicht werden können als es die stiftungsrenten zu lassen gleich der löblichen weltlichen vogthey aber versieht sich dabei daß er 8

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1 2 3 nach der mit dem vorigen turnermeister errichteten vertrag diesen in seiner bisher bezogenen einkünfte auf keinerlei weise beeinträchtigte und da der bittsteller wohl selbst bei seiner jugend sich das ansehen nicht zu trauen kann welche die direktion der musik fordert daß er lieber den alten pittermann die ihm schon anfangs zu erkannte und diesseitigem wissen noch nie abgenommene direktion fortführen lasse und mit gebührigkeit wie es einem jüngling zusteht ihm an die hand geht und daß er dem herrn herzog der als regens chorie die kirchenmusik zu dirigieren hat auch als solcher zu respektieren ist alle leiste der geistl vogtei als solcher liegt ganz besonders ob die in der kirche folglich auf dem chore nicht ungeziemendes vorgehe und sie würden jede unverträglichkeit und unordnung nach druck sonst ahnden müssen stadtpfarrhof vöcklabruck 12 februar 1822 franz freindaller pfarrer herr josef schmierer hatte als turnermeister von der löblichen stadtgemeinde vertretung einen gehalt pro jahr von 120 gulden von dem löblichem pfarrhof vöcklabruck für den meßnerdienst einen gehalt pro jahr von 50 gulden der vertrag mit herrn josef pittermann lautete bei jeder tanzmusik mußte herr josef schmierer einen gulden an herrn pittermann entrichten herr pittermann führte die turnermeister stelle bis zum jahre 1822 wo herr josef schmierer den dienst übernahm turnermeisterstelle war gemeint chor musik herr lorenz herzog war vom jahre 1812 bis 1833 musikmeister der gardemusik imjahre 1826 reiste s majestät kaiser franz der i nach italien welcher hier in vöcklabruck seinen aufenthalt genommen hat wurde in corpre empfangen und darauffolgend platzmusik abgehalten imjahre 1829 war die musikkapelle 21 mann stark imjahre 1832 d e n 2 3 juni wurde hier in vöcklabruck das hundertjährige fahnenweihfest von der hiesigen k.u.k priv unif bürger-corps abgehalten nachmittag concertierte die capelle auf der schießstätten ­ wiese der stand der capelle unter musikmeister herrn lorenz herzog waren 22 mann wie folgt herr mathäus schmierer vater herr josef schmierer herr mathias schmierer herr carl bartsch herr carl fölsch senior herr carl fölsch junior herr josef fisch herr joachim huber herr balthasar desch herr ludwig einwald herr ignaz lechner herr franz streußenberger herr georg wiedtmann herr carl streußenberger herr anton maier herr franz schachleitner herr carl konrad herr ignaz wilhelm herr carl höbert herr georg haidinger herr josef haidinger herr carl haidinger herr moritz haidinger imjahre 1832 wurden der erste regiments-tambour zur musik zugeteilt herr benedikt stern welcher diese stelle bis zum jahre 1836 begleitete herr johann ketterer fungierte für eine kurze zeit als regimentstambour herrn turnermeister josef schmierer wurde im j ah r e 1833 die stelle als gardemusik-meister verliehen mit folgender zuschrift vom bürgermilitärkommando der k.u.k landesfürstlichen stadt vöcklabruck wird in beziehung des bekannt besonderen fleißes sowohl in abrichtung der hautboisten als bandisten so auch im dienste mit welchen sich der herr josef schmierer bisher bei der musik ausgezeichnet hat derselbe zum 9

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musikmeister der capelle der garde companie befördert in welcher eigenschaft sie von nun an ihre dienstespflichten bei der ihnen unterstehenden capelle fortzusetzen haben von ihnen bisher bekannten besten verhalten lässt sich übrigens erwarten dass sie sowohl der companie als ihrer capelle in jeder beziehung ehre machen werden vöcklabruck am 30 märz 1833 fürthner hauptmann radler leutnant imjahre 1836 übernahm herr carl streußenberger die stelle als regimentstambour imjahre 1836 wurde regiment-fürstenwärter garnisoniert in salzburg welche während der revolution in polen 1830 diesen jahre versetzt und empfangen das hiesige bürger-corps samt musikkapelle das regiment am postberg welche diese in die stadt herein begleiteten nachmittag war gemütliche unterhaltung am postfeld wo beide musikkapellen abwechselnd spielten imjahre 1837 d e n 18 april wurde im hofmannischen bräuhaus zu litzlberg das versprechen des herrn johann koch gefeiert wo herr capellmeister josef schmierer herr josef fisch georg widtmann baltasar desch georg haidinger zur ballmusik anwesend waren die unterhaltung dauerte bis 2 uhr früh wo zur abfahrt geschritten wurde herr baltasar desch und herr georg haidinger setzten sich auf den bock des stellwagens und hatten geblasen was auch heute noch sittlich ist als der stellwagen gefüllt mit die obgenannten herrn in siebenmühlen ankam verursachte das blasen auf dem bocke sehr schlimme folgen da die pferde scheu wurden der stellwagen fiel die pferde rissen sich los und liefen nach vöcklabruck in ihre stallung als die pferde hier ankamen wurde sofort ein zweiter wagen abgesandt die umgeworfenen abzuholen das malheur an blessierung ging glücklich leicht ab bis auf herrn kapellmeister josef schmierer der verlor zwei zähne herr josef fisch wurde in der rechten hand verwundet und andere kleinere verletzungen kamen vor als der stellwagen in vöcklabruck anlangte war schon von seite der bürgercorpsparade aufstellung anlass des geburtsfestes s majestät kaiser ferdinand imjahre 1838 reiste weiland s majestät der kaiser ferdinand der i durch nach mailand wurde durch das bürgercorps samt musik empfangen imjahre 1839 war der stand der kapelle 21 mann imjahre 1839 reiste s majestät der kaiser ferdinand hier durch das bürgercorps samt musik empfing den allerhöchsten abends bei großer stadtbeleuchtung war platzmusik der sohn vom turnermeister und musikmeister der gardemusik herr lorenz herzog mit namen lorenz herzog war vom jahre 1837 bis 1840 als mitglied der gardemusik welcher heutzutage als pens schulleiter in linz fungiert imjahre 1840 war die uniformierung bei der musikkapelle dunkelbraune uniform karmesinrote aufschläge tuchhosen mit silberborten hut mit dunkelgrünen federbuschen säbel mit wollenem portepee degentrage degengehenk imjahre 1845 reiste s majestät kaiser ferdinand hier durch wo der allerhöchste seinen besuch bei dem erzherzog maximilian in puchheim machte das bürgercorps samt musik marschierte hinunter wo die capelle ein ständchen darbrachte vom allerhöchsten erhielt die capelle eine spende von 50 fl imjahre 1845 b i s 184 7 trat eine lauigkeit in der capelle ein wurde durch junge kräfte im jahre 1847 wieder emporgehoben der capellmeister herr josef schmierer hatte schon 23 jahre den dienst als messner versehen mit dem gehalte pro jahr von 50 fl bei diesem gehalte p jahr 50 fl blieben für die bemühungen und auslagen 13 fl herr josef 10

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schmierer suchte im jahre 1845 um erhöhung des gehaltes bei der woll verwaltung der st ulrichs stadtpfarrkirche zu vöcklabruck an die bestreitung der auslagen war 1 für reinigung der kirchlichen lokalitäten p monat fl im jahr fl 12 2 für den kirchendiener herrn alois schmierer pro jahr fl 25 zusammen fl 37 bleibt vom gehalt von 50 fl pro jahr fl 13 auf das gesuch des herrn josef schmierer wurde von seite der kirchlichen verwaltung st ulrichs der gehalt von 50 fl auf 108 fl erhöht imjahre 1847 kam ein österreichisches militär von dem aufstand zu rattstatt radstadt nach vöcklabruck welche nach wien berufen wurden das bürgercorps samt musik erwarteten selben am postberg und marschierte zum stadtplatz den anderen tag marschierte die truppe ab wodurch das bürgercorps und musik bis zum forstinger keller begleitet wurde a m 3 juli 1849 ausrückung mit der leiche des pensionierten hauptmann herrn carl schreiber imjahre 1849 durch anregung und freundlichste einladung vom herrn grafen khevenhüller in kammer wurde der i Übungsmarsch abgehalten wo das bürgercorps mit klingendem spiele dort einmarschierte die mannschaft wurde vom herrn grafen khevenhüller auf das freundlichste bewirtet die ganze mannschaft war im park versammelt wo die capelle conzertierte imjahre 1849 wurde bei der nationalgarde zu frankenmarkt eine fahnenweihe abgehalten wo die capelle im corpre mit 16 mann anwesend war in diesem jahre waren folgende herren musiker bei dem cörper unter der leitung des herrn capellmeisters josef schmierer herr mathias schmierer herr carl bartsch herr ignaz lechner herr baltasar desch herr carl fölsch senior herr carl fölsch junior herr august strelle herr anton maier herr josef fisch herr johann hueber herr josef jungwirt herr ludwig einwald herr franz streußenberger herr josef schachtner herr franz litarowitsch herr leopold furtmoser imjahre 1850 ausrückung zum empfang des i bezirkshauptmannes herrn anton kettl imjahre 1850 d e n 7 juni ausrückung zum empfang seiner majestät des kaisers ferdinand abends platzmusik die capelle erhielt vom allerhöchsten eine spende von 50 fl ausr Ü ckungimjahre 1850 zu der secundifeier des herrn stadtpfarrers josef peierschmidt welche das 50 jahr seines priesteramtes zurücklegte am vorabend wurde von der capelle ein ständchen dargebracht 11

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chronik 1851 ­ 1885 imjahre 1851 18.8 ausrückung anlässig des geburtsfestes von s majestät kaiser franz josef i imjahre 1851 d e n 8 september reisten die russischen prinzen hier durch wurde die russische volkshymne aufgeführt injahre 1852 d e n 11 februar kam von der stadthalterei der erlass heraus dass sämtliche bürger und schützencorps das ausrücken in fremde garnison bis auf weiteres eingestellt ist am 10 april 1852 wurde lt erlass von der stadthalterei das ausrücken in fremde garnisonen wieder bewilligt imjahre 1852 d e n 18 augu st wurde aus anlass des geburtsfestes s majestät kaiser franz josef i von der garde aus ein scheibenschießen im märzenkeller des herrn grafen siegmund engl veranstaltet wo die zwei ersten besten von der capelle gewonnen worden sind zum schluss des schießens hat unser pyrotechniker herr josef kellner ein feuerwerk abgebrannt wo derselbe das größte lob vom publikum erhielt imjahre 1853 ausrückung zum empfang s majestät kaiser franz josef i imjahre 1854 ausrückung und ständchen bei herrn landesgerichtsrat friedrich imjahre 1855 ausrückung der leiche herrn bürgermeister hesch imjahre 1856 wurde die capelle mit blauem waffenrock und grauer hose ausmontiert in diesem jahre verlieh s majestät der kaiser franz josef i seinen völkern die constitution woselbst die garde samt musik in parade ausrückten imjahre 1859 d e n 18 august ausrückung zum geburtsfest s majestät kaiser franz josef i nachmittag conzert in pendls gastgarten imjahre 1859 d e n 19 september ausrückung zur leiche des herrn stadtpfarrers josef peierschmidt wurde der beethoven trauermarsch aufgeführt imjahre 1860 als der bau der kaiserin-elisabeth-bahn beendet war eröffnete s majestät kaiser franz josef i die strecke wien ­ salzburg bei der durchfahrt s allerhöchsten majestät begab sich die garde samt musikkapelle am bahnhofe zum empfang imjahre 1860 machte das bürgercorps samt musikkapelle einen ausflug per bahn nach schwanenstadt wo vom bahnhofe mit klingendem spiel durch den stadtplatz hinab zur schießstädte marschiert wurde die einwohner von schwanenstadt mussten ein falsches gerücht erhalten haben dass vielleicht statt den nachbarsbürgern der feind kommt mithin alle hausflure gesperrt wurden und die einwohner bei verschlossenen jalousien herausblickten die capelle concertierte in der schießstätte aber ein sehr trauriger besuch war an publikum durch anregung meines vaters herrn heinrich reschauer wurde im jahre 1860 das erste zeremonienconzert aufgeführt welche von dieser zeit an immer fortbestehen imjahre 1862 a m 6 september wurde in der stadt steyr die fahnenweihe abgehalten wo sich die capelle in corpre beteiligt hat abfahrt war am 9 dmtsdes monats um 10 uhr vormittag per bahn nach enns und von dort mittels wagen nach steyr in enns waren 3 stunden aufenthalt und kamen circa 7 uhr abends nach steyr den anderen tag war wie üblich vormittag die fahnenweihe am stadtplatz nachmittag war zusammenkunft in der reder au wo sämtliche 8 musiken anwesend waren das firmament wurde trübe als unsere kapelle die schlacht von novara aufführte fing es so stark zum regnen an die musik hörte 12

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sofort auf und flüchteten sich nach ennsdorf in den biersalon wo das concert weiter fortgeführt wurde in sehr gemütlicher stimmung bis zum grauen des tages vormittag war die abfahrt mittels plätten von steyr auf der enns nach enns die musikkapelle fuhr in corpre mit 26 mann wie folgt herr capellmeister josef schmierer regimentsoffizier streußenberger josef fisch josef schachtner josef billing georg streicher gottlieb leeb matthias gastinger franz poss georg widtmann caythan armbruster leopold furthmoser josef koch franz schuster johann koch johann hueber michael kitzmantel franz obermayer matthias schmierer josef kellner josef karawath isidor broder georg schachinger fritz bobwanger franz streußenberger franz wiesinger imjahre 1860 b i s 1864 bestand die kammermusik welche dort öfters konzertierte imjahr 1862 d e n 16 september kam laut erlass des staatsminister von linz abermals der verboth heraus daß das bürgerkorps samt musikkapelle zur keiner festlichkeit außer´n orte in vollster adjustierung ausrücken dürfen imjahre 1863 d e n 10 juni ausrückung zur leiche des herrn heinrich reschauer imjahre 1865 d e n 9 juli ist die fahnenweihe in sierning bei stadt steyr gewesen laut erlass des staatsministers vom 16 september 1862 unterblieb die ausrückung respektiv aufmarsch ist daher von der capelle zu weyer eine depotation abgesandt worden welche in zivil von hier abfuhren und erst bei der ankunft in sierning den uniform angekleidet haben imjahre 1865 d e n 11 november ausrückung der leiche herrn bürgermeister michael ruttner imjahre 1866 d e n 16 juni war das fahnenweihfest in hallein das bürgercorpscommando vöcklabruck suchte bei dem landesgericht in linz an zu dieser festlichkeit in vollster adjustierung nach hallein ausrücken zu dürfen herr landesgerichtsrat friedrich erteilte die bewilligung nur mit den seitengewehren ausrücken zu dürfen auf diesen bericht wurde die fahrt nach hallein unternommen die abfahrt war mittels bahn nach salzburg von dort per wagen nach hallein in hallein angekommen machte der bräuer zum stein den antrag die musikkapelle von vöcklabruck kann bei mir unentgeltlich übernachten was auch geschah wurde der antrag mit dank angenommen die aufnahme des herrn bräuer war in vollster zufriedenheit aller herren musiker als revanche für die gute bewirtung concertierte die musik in seinem gastgarten wo ein furchtbarer andrang von publikum war die abfahrt von hallein war mittelst großer kehlhamer kelheimer bezeichnung für eine größere bauart der zille auf der salzach nach salzburg in salzburg angekommen wurde in der nähe des michaelstor gelandet mit klingendem spiel zog das bürgerkorps vom ufer der salzach weg zum gebäude der stadthalterei wo herrn stadthalter graf tausse von unserer kapelle ein ständchen dargebracht wurde derselbe sprach den dank aus für die Überraschung von dort war der abmarsch zum bahnhof da noch genügend zeit zur abfahrt war begab sich das bürgerkorps in das gasthaus bräuer zum stein wo rast gemacht wurde die capelle gab einige concertstücke zum besten es füllte sich der garten an menschenmenge als dank spendierte der bräuer der capelle 50 gulden imjahre 1866 d e n 29 juli ausrückung mit der leiche des k.u.k pensionierten rechnungsoffizier herrn karl weindl zum bahnhofe 13

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i mjahre 1867 d e n 5 juli ausrückung zur beiwohnung der fahnenweihe des veteranenverein vöcklabrucks nachmittag concertierte die capelle in herrn grafen engel´s märzenkeller imjahre 1867 d e n 8 november ausrückung zur leiche des bürgermeisters herrn heinrich hauner imjahre 1867 legte herr karl streußenberger seine regiments-tambourstelle ab und herr martin braun übernahm diesen dienst imjahre 1870 d e n 8 november ausrückung zur leiche des hoch-würdigen herrn dechant und stadtpfarrer johann bruckner imjahre 1871 d e n 27 juni ausrückung zur leiche herrn josef meidlinger imjahre 1872 übernahm herr franz obermayer die regiments-tambourstelle von herrn martin braun genannter musste im jahre 1873 diese ehrenstelle wegen schwerhörigkeit ablehnen und übernahm herr josef koch welcher heute noch fungiert diese stelle imjahre 1872 feierte herr kapellmeister josef schmierer das 50-jährige jubiläumsfest als kapellmeister am vortag abends zapfenstreich am festtage früh tagrebell um halb 9 uhr vormittag ausrückung zur begleitung der beiden herren jubilanten herrn josef schmierer und herr johann koch zum hochamte nach schöndorf letzterer feierte das 25-jährige jubiläumsfest als hauptmann des bürgerkorps unter dem hochamte wurde von der capelle eine harmoniemesse aufgeführt als das hochamt beendet war und zum rückmarsch der bürger versammelt war fing es so stark zum regnen an dass es nicht möglich gewesen ist beim oberweg durch die stadt zu marschieren sondern der direkte weg mitterweg zum gemeindehaus genommen wurde nach ankunft bei dem gemeindehaus begaben sich die beiden herren jubilanten im gemeinderatsaal mit beiwohnung des herrn kuk bezirkshauptmann herr bürgermeister sowie die herren offiziere und ein teil der mannschaft welche die glückwünsche an die beiden herren dargebracht haben herr kapellmeister josef schmierer erhielt zum andenken von dem bürgercorps sowie der musikkapelle eine silberne tabakdose mit dem inhalt zum 50 fl gulden samt diplome und lorbeerkranz von der stadtgemeinde sein portrait was heutzutage noch in dem gemeinderatsaal zum andenken aufbewahrt wird herrn schmierers vetter von herrn karl fölsch überraschte ihn auch mit einem portrait von ihm selbst gemalen was heutzutage sein sohn josef schmierer buchbinder in schwanenstadt zum andenken in aufbewahrung hat dieses portrait ist in lebensgröße nachmittags 1 uhr war das festbankett bei herrn josef auracher in dem hause was früher der stadtgemeinde gehörte heut gandolfi hausnummer 47 bei diesem bankett waren sämtliche musiker und gardisten vertreten um 4 uhr nachmittag begaben sich sämtliche in den garten des herrn seifriedsberger wo die capelle concertierte ein sehr trauriger fall schlich am osterdienstag d e n 17 april 1873 ein unser hoch geehrter capellmeister josef schmierer respektive vater der capelle wurde in der früh tot im bett aufgefunden diesen verlust machte unter die herren musiker einen sehr großen eindruck da alle herren musiker schmierers schüler waren die letzten töne welche ihm am grabe erwiesen wurden konnten nicht vollständig zum ausdruck gebracht werden da jeden seiner schüler die augen mit tränen berührt waren imjahre 1873 d e n 19 augu st ausrückung anlass seine majestät kaiser franz josef i geburtsfestes verbunden mit jubiläumsfest das s majestät welcher das 25 jahr seine thronbesteigung zurückgelegt hat mittags tafelmusik bei dem festbankett in forsthubers gastsaallocalitäten imjahre 1873 im monate mai wurde von der löblichen stadtgemeindevertretung die stelle eines capellmeisters ausgeschrieben 14

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nach einlangen der offerte war eines mit namen josef kaltenbrunner der name kaltenbrunner war unter die herren musiker unter schmierers zeiten schon bekannt in dem märsche und konzertstücke von ihm komponiert schon bei der kapelle aufgeführt worden sind herr josef kaltenbrunner wurde als kapellmeister hier angestellt welcher am 23 juni 1873 bei dem ständchen des herrn hauptmann johann koch die musik dirigierte herr kapellmeister reiste wieder ab traf im monate september des jahres samt familie hier ein herr josef kaltenbrunner machte sich sehr beliebt unter die herrn musiker jedoch sein vernehmen auf lange zeit hier zu bleiben wurde ihm zersplittert imjahre 1874 sind die proben immer flauer besucht worden sodass nicht mehr das vereinte zusammenwirken der herren musiker war dessen grund herr josef kaltenbrunner seine stelle als kapellmeister kündete herr kaltenbrunner wurde von mehreren seiten aufgefordert er möge seine stelle fortführen jedoch war es umsonst und hielt am 26 september dieses jahres bei herrn karl forsthuber sein abschiedskonzert herr johann armbruster wurde von mehreren herren musiker welche darauf bestanden herrn kaltenbrunner möge hierbleiben ersucht bei dem abschiedskonzert eine anrede zu halten herr kapellmeister möge seine stelle fortführen bei dem abschiedskonzert wurde die anrede von herrn johann armbruster wie folgt vorgetragen geehrte gönner und musikfreunde obwohl ich durchaus kein redner bin erlaube ich mir doch jetzt die freiheit und wage es einige worte zu sprechen seit einer langen reihe von jahren war die musikkapelle vöcklabrucks eine der ersteren unter den bürgermusiken dieses zeugnis gaben uns viele fremde und auch hierartige personen aus den verschiedensten ständen dies bewies sich auch öfters bei fahnenweihen und derartige festlichkeiten vöcklabruck darf stolz sein eine solche musikkapelle zu besitzen doch das schicksal ist ein bösewicht das kein erbarmen kennt denn plötzlich entriss der tod unseren leiter den wir alle wie einen vater liebten und welcher mehr als 50 jahre unser kapellmeister war groß war nun die trauer um den dahin geschiedenen den wir schmerzlich vermissten ebenso groß war aber später die freude als wir nach einigen monaten erfuhren dass herr josef kaltenbrunner sich um diese stelle annehmen will den wir zwar nicht persönlich kannten wohl aber durch seine musikalien da wir diese schon bei schmierers leben meistenteils von ihm bezogen haben ein neues leben erwachte in uns und mit sehnsucht erwarteten wir den tag seiner ankunft mit freuden und eifer versammelten wir uns bei den proben um uns in der musik immer mehr auszubilden und vorzuschreiten auch er war tätig in der erfüllung seiner pflichten alsbald erkannte man daß wir alles in gegenwärtiger zeit auch die musik mit fortschritt gehe er war es der in kurzer zeit streichorchester zusammenstellte und mit freuden erinnern wir uns an das lob welches uns in dem verflossenen winter und frühlingsmonaten von seite des theaters publikums gespendet wurde er war es der es dahin brachte dass fremde musikkapellen nicht nur von hier verscheucht wurden sondern gar daß wir an andere orten nicht blos tanzmusik sondern auch concerte zur aufführung brachten Überdies ist er nicht nur ein tüchtiger musiker sondern componist es gereicht vöcklabruck zu einer großen ehre einen solchen mann in ihren mauern zu bergen doch nicht lange kaltenbrunner hat gekündigt ist das möglich ja es ist geschehen ich aber glaube es war nur ein arges mißverständnis ich halte es dafür es war nicht so ernst gemeint wir musiker wollen nicht daß er von hier weg gehe wir wollen daß diese sache geschlichtet werde wir wollen keinen anderen freilich hörte man sagen als wären wir froh wenn wir nur wieder spielen dürften oder auch vielleicht könnte dafür gesorgt werden daß wir bei einem andern mitwirken jene aber haben sich großartig getäuscht in ihrer meinung die musikkapelle ist zwar durch statuten mit der garde verbunden sie ist aber demnach ein selbständiger aus freiwilligen mitgliedern bestehender körper musikalien und instrumente sind ihr eigentum teils gespendet größtenteils aber angeschafft von dem gelde aus der musikkassa was bei produktionen eingegangen ist darum hat niemand anderer recht auf das bestehende archiv wozu aber eine solche zersplitterung vöcklabruck war doch immer friedlich und einhellig warum den diesmal nicht wir wollen also die löbliche gemeinde vertretung ersuchen sich über das vorgekommene mit herrn josef kaltenbrunner nochmals zu besprechen und sich auszugleichen wir hoffen auch das dies in kürzester zeit geschehen wird und dann wenn es geschieht dann rufe ich jubelnd aus vivat vöcklabruck vivat heimatsort du bist zwar klein doch ehrenreich wo ist ein oberösterreich so ein städtchen das dir gleich 15

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