vdw-magazin-2012-02

 

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vdw verband der wohnungs und immobilienwirtschaft in niedersachsen und bremen magazin 03 i perspektiven für ein leeres land prof hahne in bad zwischenahn 09 i der mieter ist wichtiger 7 norddeutsche energiekonferenz 24 i richtig korrigieren bgh zu betriebskostenabrechnungen 34 i eine bessere welt serie genossenschaften workshop wohnen für studenten 11 juni 2012 in hannover 0212 zeitschrift des vdw niedersachsen bremen in zusammenarbeit mit dem verband norddeutscher wohnungsunternehmen e v.

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höherer wohnwert zufriedene mieter attraktivere wohnobjekte mit multimedia3 aus dem kabelanschluss en ternehm ungsun wohn and.de eutschl beld www.ka kabel anschluss mehr wohnqualität bei bestandsimmobilien ohne großen kostenaufwand der kabelanschluss macht es möglich er bietet technik fürs leben einfach unkompliziert und alles aus einer hand · digitales fernsehen inkl hdtv1 · internet-flatrate mit bis zu 100.000 kbit/s2 · festnetz-telefonanschluss ­ kein telekom-anschluss notwendig3 · mobil telefonieren und surfen erfahren sie mehr über die multimedialen möglichkeiten des kabelanschluss bei ihrem persönlichen geschäftskunden-partner ihr kabelanschluss für fernsehen internet und telefon 1 empfang von hd nur soweit die sender im hd-standard eingespeist werden die freischaltung von im hd-standard verbreiteten programmen kann von zusätzlichen anforderungen des programmveranstalters abhängen 2 maximale downloadgeschwindigkeit maximale uploadgeschwindigkeit 6.000 kbit/s 3 in immer mehr ausbaugebieten und mit modernisiertem hausnetz verfügbar.

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inhalt t ite l f ot o neubaui st wiederenvogue auchdiemitglie dsu nter n ehm en des vdw ­ das bild zeig t ei n e baus t elle in hildeshe im ­ habenihrefertig st e l l un gsza hle n m it a ugenm a ss vergrö ss er t d e nn och muss die e n tw ickl un g an denwohnu ng s mä rktenweit erhi n sehr differe nzier t bewer t et werde n mehr dazu aufd en se it e n 2 u n d 4 7 4 8 aufn axelbornma ga z i n 0 2 1 2 02 03 06 09 13 15 19 24 28 32 34 37 40 45 46 47 49 vdw iiiiiiiiiiiiiiiii vor wort perspektiven für ein leeres l and tagung vernetztes wohnen thema norddeutsche energiekonferenz klimaschutz rauchwarnmelder tagung dokumentierte verantwortung betriebskostenabrechnung serie design ideenwerkstatt serie genossenschaften neugründungsboom im genossenschaftssektor serie großwohnsiedlungen vdw elektromobilität seminarankündigungen neubau namen und n achrichten inhalt 0212

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bernd meyer verb an dsdirek to r vdw i m a ga z i n 0 2 1 2 zwischen wohnungsnot und leerstand vor wenigen wochen hat eine pressekonferenz bundesweit beachtung gefunden die verbände des mauerhandwerks freier wohnungsunternehmen die ig bau steine erden und der mieterbund haben ein gutachten veröffentlicht in dem ein erheblicher wohnungsmangel bis hin zur wohnungsnot festgestellt wurde ­ mit stark steigendem trend jetzt hat das statistische bundesamt festgestellt vor allem im westen stehen wohnungen leer die leerstandsrate sei seit 2006 von acht auf 8,6 prozent gestiegen was denn nun beide aussagen sind so richtig wie falsch festzustellen ist nämlich dass aussagen zu wohnungsmärkten nur regional differenziert getroffen werden können so haben wir beispielsweise in niedersachsen mit braunschweig eine wachsende großstadt und in unmittelbarer nachbarschaft sinkt die einwohnerzahl in salzgitter dramatisch im Übrigen ist die inflationierung des begriffes wohnungsnot scharf zurückzuweisen wohnungsnot bestand nach dem kriege in den zerstörten städten in denen viele menschen in baracken und notunterkünften untergebracht waren heute haben wir regional angespannte wohnungsmärkte mit zum teil nicht akzeptablen miethöhen die allerdings schnelles handeln von politik und investoren erfordern die forderung nach mehr wohnungsneubau ist genauso differenziert zu betrachten generell kann für unser verbandsgebiet festgestellt werden dass der neubau eine wichtige ergänzung zur stabilisierung bestehender stadtteile oder zum abbau von marktengpässen sein kann unsere mitgliedsunternehmen bauen auch wieder 2010 und 2011 sind mehr als 2.500 neue wohnungen errichtet worden dabei kann aber kein zweifel daran bestehen dass der investitionsschwerpunkt insbesondere auf die entwicklung des wohnungsbestandes gerichtet bleibt die demografische entwicklung und der klimaschutz stehen für die wohnungswirtschaft im fokus um die zukunftsfähigkeit der bestände zu sichern noch ein deutliches wort zum neubau bei genauer betrachtung ist zu erkennen dass der wohnungsneubau fast ausschließlich im hochpreisigen marktsegment entsteht wir brauchen aber neue wohnungsangebote auch für mittlere einkommen unter anderem weil sich die sozialbindungen vieler wohnungen verringern bund länder und kommunen sind aufgefordert für diesen bedarf zielgenaue förderprogramme zu entwickeln insgesamt gilt dass nicht einseitige forderungen zum ziel führen sondern nur differenziertes handeln durch ein aktives portfoliomanagement qualifizierte antworten auf die aktuellen herausforderungen geben kann vorw ort » früher dachten wir ja auch ich denke also bin ich heute wissen wir geht auch so di eternuhr deutscherkabarettist 1 9 6 0 « 2

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prof dr ul f hahne pr ofess o r fü r nachhalt ige regi onal entwi c klun g ulf hahne ist seit 1999 professor für nachhaltige regionalentwicklung an der universität kassel am fachbereich architektur stadtplanung landschaftsplanung seit 2006 ist er professor für Ökonomie der stadt und regionalentwicklung und seit drei jahren geschäftsführender direktor des instituts für urbane entwicklungen seine forschungsschwerpunkte Ökonomie und indikatoren nachhaltiger regionalentwicklung regionale wirtschaftskreisläufe und nachhaltige siedlungsstruktursysteme hahne hat beim diesjährigen zwischenahner gespräch seine thesen zur regionalentwicklung dargelegt i m a ga z i n 0 2 1 2 perspektiven für ein leeres land vi e le l ä nd l ic he r ä u me in deutschla nd erl eben derzei t ei n en graviere n den sc hru mp f u ng s p ro zess f ür d en sien icht gerü ste t si n d und de n sie mi t den alth erg e b ra c h te nmitt el nder wa c hs t u ms stimulat ion aufhalt en woll e n doch diese in st ru me n te g r e if en ni c h t sonde rn vers chl imm ern die si tuat i on noch m eh r zu gl ei ch wirddieserd em o g ra fi sc he p ro zess nochmal s an getriebe n durch die z un e hm ende ko nzen trati o n vo narbe it s pl ä tz en in den agg lom erat i on sr äum en we lche den sog au sdenl ä nd li c hen r ä u men v e r st är ke n imm er wei tere a n stre ngun ge n werden un te rn o m me n umdie v o l le s tad t z u erhalt en wäh rend perspektive n fü r da s l eere la n d feh l en zwis che nahn er gespr äch 3

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ende des wachstumsdenkens lange galt auch für ländliche räume das versprechen des wachstums mit attraktiven bedingungen für wohnen und gewerbe sollte es auch ländlichen räumen gelingen wachstum zu generieren und entwicklungen anzustoßen viele ländliche regionen haben tatsächlich bemerkenswerte entwicklungen genommen doch ein großteil der ländlichen räume in deutschland sieht sich nun seit längerem und zudem dauerhaft dem schrumpfungsphänomen gegenüber sinkende einwohnerzahlen überalterung der bevölkerung sowie ein rückgang von steuereinnahmen und einwohnerbezogenen zuschüssen bedeuten über kurz oder lang die gefährdung der technischen und sozialen infrastruktur die kosten steigen überproportional an und müssen auf weniger haushalte und gebührenzahler umgelegt werden die sicherung von basisinfrastrukturen ­ kinderbetreuung bildung brandschutz medizinische versorgung etc ­ wird immer schwieriger rückläufige einwohnerzahlen setzen schrumpfungsspiralen in gang die sich in der vielfalt privater angebote vor ort den öffentlichen leistungen der investitionsbereitschaft privater und Öffentlicher sowie bei den immobilienwerten widerspiegeln unattraktive standorte beschleunigen aber die abwanderung und so wird die verödung weiter angeheizt die traditionelle antwort gegensteuern die antwort vieler kommunen auf die schrumpfung lautet gegensteuern mit den bisher bekannten mitteln das bedeutet ausweisung von neubaugrundstücken prämien für neubürger familiengestaffelte zuschüsse bis hin zu symbolischen hauspreisen oder dem verschenken von grundstücken mit den allfälligen mitteln des wachstums durch neue bürger soll dem einwohnerverlust begegnet werden doch wo sollen diese einwohner herkommen angesichts der wirtschaftlichen schwäche dieser ländlichen räume führt die strategie des gegensteuerns zu einer gnadenlosen kleinräumigen bürgermeisterkonkurrenz verlierer sind dabei alle ­ auch die kommunen die scheinbare erfolge haben da diese kommunen mit dumpingpreisen und prämien arbeiten sind die potenziellen zukunftserträge durch neubürger schon zuvor durch investitionen und subventionen verausgabt worden m a ga z i n 02 1 2 die teufelskreise der schrumpfung attraktivitätsverlust investititionsbereitschaft nimmt ab verringerung öffentlicher investititionen angebotsvielfalt privatwirtschaft sinkt einwohnerrückgang sinkende kommunale einnahmen versinkende kosten nicht einmal die strategie des gegensteuerns kann die entwertung ländlicher vermögensbestandteile aufhalten so versinken die erstellungskosten kommunaler investitionen und privater immobilien und müssen mit hohen wertberichtigungen bilanziert werden auf wachstum ausgelegte infrastrukturen erweisen sich als überdimensioniert und werden zur last für die verbleibenden gebührenzahler diese strategie kann den wertverlust im bestand nicht aufhalten sondern wird mit dem weiter wachsenden angebot die nachfragelücke nur noch vergrößern kaufkraftverlust unterauslastung infrastruktur attraktivitätsverlust investititionsbereitschaft nimmt ab verringerung öffentlicher investititionen preisverfall wertverlust und öff liegenschaften der mühsame weg des anpassens anpassen bedeutet über veränderungen der bislang gewohnten lösungen und standards nachzudenken das nachdenken lohnt sich der rückbau kann sich als chance erweisen wenn korrekturen an überlebten und wenig nutzbringenden angeboten angebracht märkte entlastet und gesellschaftliche kosten reduziert werden die überprüfung der bedarfe und angebote kann neue entwicklungsmöglichkeiten vor ort schaffen Überangebot immobilienmarkt unterauslastung infrastruktur die negativspiralen der schrumpfung1 4

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neue wertschöpfung im bereich der daseinsvorsorge zeigen bereits etliche modellregionen dass mit passgenauen auf die lokalen und regionalen bedingungen zugeschnittenen ideen nicht nur geeignete anpassungen an geringere nutzerzahlen gelingen sondern sogar verbesserungen der lebensqualität flexible bürgermobilität bürgerbusse internetbasierte mitfahrbörsen ersetzt starre busverbindungen und verbessert die erreichbarkeit eine neue zielgruppenorientierung bei sozialen diensten schafft mehr service als zuvor flexible und mobile lösungen werden ergänzt durch multifunktionale zentren die vom einzelhandel bis zu temporären gesundheitsdiensten zweigstellen von ärzten verschiedenste einrichtungen bündeln.2 trotz schrumpfung gelingt eine wertverbesserung im bereich der immobilien und der flächenplanung liegt die chance des rückbaus in verbesserungen des wohnumfeldes und der konzentration von funktionseinrichtungen die wohn und aufenthaltsqualität vieler ortslagen lässt sich durch lückenschaffung anstelle von lückenschließung verbessern im leeren land kann man der enge der stadt entfliehen ohne rückbau geht es nicht funktionslose aber kostenträchtige dorfgemeinschaftshäuser sind ein beispiel für nötige einschnitte in liebgewonnene gewohnheiten ländliche regionen verfügen über eigenständige potenziale die sie derzeit zu wenig nutzen dabei geht es nicht nur um die möglichkeiten als alternative zur globalisierten stadt räume der entschleunigung in der spätmoderne anzubieten und so für ruhesuchende und raumpioniere interessant zu werden.3 große möglichkeiten eigenständiger entwicklung finden sich in den feldern dezentrale energieerzeugung im sozialen kapital des bürgerengagements und auch im lokal verfügbaren finanzkapital der bürger die nutzung dezentraler erneuerbarer energien bietet hervorragende möglichkeiten regionale nachfrage durch angebote aus der region zu ersetzen und wertschöpfung in die region zurückzuholen bürgerkapitalgesellschaften zeigen dass hierfür auch lokales kapital zur verfügung steht nicht nur im energiebereich ist die suche nach wertschöpfungskooperationen ein thema das in ländlichen räumen intensiv bearbeitet wird ob das restaurant den bauernhof als zulieferer sucht oder handwerker ihre angebote bündeln und gemeinschaftlich nischenmärkte bedienen ob produzierende unternehmen sich gegenseitig mit fachkräften aushelfen oder spezifische unternehmer und unternehmerinnennetzwerke gründen die selbstorganisationskraft ländlicher räume ist beachtlich regional als lebensstil erfährt insbesondere im bereich landwirtschaftlicher produkte eine renaissance das gilt für regionale produkte ebenso wie für die regionale küche gastronomietrend nova regio auch im feld des wohnens gibt es chancen durch regionale bauten mit heimischen rohstoffen holz und regionalspezifischer durchaus moderner architektur neue impulse zu setzen und die regionale nachfrage anzuregen die vielfältigen beispiele zeigen welche potenziale auch in schrumpfenden ländlichen regionen vorhanden sind dazu braucht es mutige akteure unternehmer und macher vor ort ­ und geeignete unterstützung durch kommunen landkreise und ein aktivierendes regionalmanagement m a ga z i n 02 1 2 zwis che nahn er gespr äch nutzen von kooperationen ein kernproblem des schrumpfungsdilemmas ist das verhalten der beteiligten sie alle bewegen sich wie im klassischen gefangenendilemma als isolierte akteure die nicht mit anderen kooperieren ­ und genau deshalb die schlechteste aller lösungen bekommen würden sie kooperieren könnten sie eine strategie zur verbesserung ihrer situation erarbeiten gute lösungen profitieren vom zusammenführen der akteure da findet sich ein sozialer träger für den einzelhandel und die zulieferung durch den regionalversorger räumt konditionen ein die sonst nur große verbrauchermärkte erhalteni da schließen sich stadtwerke zum interkommunalen verbund zusammen um wissen und kapital zu bündeln und die vorteile dezentraler energieverbünde zu nutzen und zaghafte versuche interkommunaler flächenentwicklung und funktionsplanung entstehen flexibilität in der gestaltung öffentlicher aufgaben lässt sich über verstärkte kooperationen zwischen gemeinden erreichen langfristig ist dies jedoch nur die zweitbeste lösung da viele kommunen bereits unter haushaltszwang stehen mehren sich die freiwilligen zusammenschlüsse zu leistungsfähigeren großgemeinden beispiel schladen um noch größere kooperationsdividenden einzufahren innovationen durch schrumpfung schrumpfungsregionen sind vorreiter für eine entwicklung die weite teile europas aber längst auch viele regionen in japan oder china betrifft hier gilt es nachhaltige lösungen zu finden lösungen welche den ressourcenverbrauch vermindern ohne die kosten je nutzer überproportional ansteigen zu lassen und die sozial und umweltstandards zu vernachlässigen lösungen welche beispielgebend und mutmachend sind lösungen welche neue stadt-land-partnerschaften begründen und eine neue räumliche arbeitsteilung entwickeln schrumpfung ist damit auch eine innovationschance 1_vgl z.b bundesanstalt für landwirtschaft glatthaar michael franziska lehmann 2011 tante emmas enkel nachversorgung und begegnung im werra-meißner-kreis eine erfolgsgeschichte eschwege 2_bundesverband der gemeinnützigen landgesellschaften deutscher landkreistag deutscher städte und gemeindebund deutsche vernetzungsstelle ländliche räume hrsg 2012 demografischer wandel vor ort ideen konzepte beispiele bonn 3_ulf hahne 2011 neue ländlichkeit landleben im wandel in der bürger im staat heft 1-2.2011 s 12-18 5

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v d w johan ni teru nd f ra unho fe r iss t ver an stalt en fachta gun g vern etz tes wohnen die neue technik muss spaß machen m a ga z i n 0 2 1 2 hannover das war wirklich ein hartes stück arbeit 12 vorträge reichlich diskussionsstoff eine interessante ausstellung ­ und das alles in der nüchternen atmosphäre der medizinischen hochschule hannover sechs stunden in einem hörsaal entpuppten sich für die rund 90 teilnehmer an der fachtagung vernetztes wohnen die gemeinsam vom vdw den johanniter und dem fraunhofer-institut für software und systemtechnik isst vorbereitet worden war als ordentliches pensum doch es war die mühe wert denn in allen referaten und bei allen gesprächen wurde deutlich dass forscher sozialdienstleister wohnungswirtschaft aber auch politik und verwaltung die folgen des demografischen wandels als große herausforderung ansehen die es gemeinsam zu bewältigen gilt wichtigste botschaften trotz aller technischen möglichkeiten und errungenschaften gehe es doch stets um menschen und bei der praktischen umsetzung technischer lösungen in den wohnungen ist langer atem nötig fehlender leidensdruck und fehlende modellprojekte behindern derzeit noch eine umfassende marktdurchdringung vdw-verbandsdirektor bernd meyer kündigte an dass die wohnungswirtschaft den weg beim vernetzten wohnen konsequent weitergehen werde er schränkte aber auch ein technik ist ein hilfsmittel ­ der mensch steht im mittelpunkt schon björn kemeter aus dem niedersächsischen sozialministerium machte zu beginn der tagung deutlich dass der einsatz von technischen lösungen immer auch sehr verantwortungsbewusst geschehen müsse wir sollten uns stets fragen ob wir die menschen mit neuer technik belasten oder ob wir ihnen wirklich helfen pflegeroboter seien zweifellos nicht wünschenswert sinnvoll sei es die ansätze von aal ambient assisted living mit quartierskonzepten und funktionierender nachbarschaftshilfe zu verbinden darüber hinaus müsse auch der kostenaspekt beachtet werden wenn die technik zu teuer ist wird sie gräben reißen zwischen arm und reich prof dr andreas hein vom offis institut oldenburg der auch schon beim auftakt 11 des vdw über die technischen möglichkeiten im bereich des vernetzten wohnens referiert hatte unterstrich dass die entwickler neben datenschutz und kostenfragen auch die frage der ethischen vertretbarkeit beachten müssten hein kündigte an gemeinsam mit der stäwog in bremerhaven ein weiteres pilotprojekt umzusetzen und in erster linie die von älteren mietern gewünschten technologien zu installieren dabei geht es vor allem um sicherheit in der wohnung die forscher daraus machte hein kein hehl sind in ihren laboren natürlich bereits viel weiter zunehmend würde dabei auch der lifestyle-aspekt eine rolle spielen 6

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prof dr andreas hein björn kemeter catherine ley m a ga z i n 0 2 1 2 ver ne tzt es wohn e n wie früher veranstaltung im hörsaal wie funktioniert das mit dem tablet-pc johanniter-landesvorstand thomas mähnert befürchtet ein erhebliches kommunikationsdefizit zwischen entwicklern und anbietern einerseits und den nutzern in den wohnungen andererseits wir dürfen nicht versuchen den älteren menschen die welt zu erklären sie sind profis im organisieren ihres alltags technische oder soziale dienstleistungen die senioren als hilfebedürftig stigmatisieren werden abgelehnt lothar schöpe vom fraunhofer isst hingegen vertrat die auffassung gerade bei der ausstattung der wohnung innovativ und aktiv vorzugehen und nicht nur auf die erwartungen der bewohner zu reagieren auch die automobilindustrie mache ihre entwicklungen nicht immer von kundenwünschen abhängig schöpe plädierte dafür die wohnung so zu gestalten dass sie sich den sich ändernden anforderungen der bewohner in verschiedenen lebensphasen anpassen kann technik kann keine menschliche zuwendung ersetzen sagte prof dr ing ralph welge von der leuphana universität in lüneburg für einen informatiker ein durchaus erstaunlicher satz wie er selbst eingestand gleichwohl sei das forschungsprojekt aal@home darauf ausgerichtet hausautomation zu verbessern ­ sowohl aus technischer als auch aus pflegedienstlicher und hausärztlicher sicht ein thema dabei ist die berührungslose übertragung von vitaldaten und deren auswertung unbeantwortet aber in aal-kreisen praktisch ständig diskutiert sei weiterhin die frage wer die anfallenden kosten übernimmt sagte welge sehr konkret und für die wohnungswirtschaft sicherlich umsetzbar ist das daily care journal das von johannitern fraunhofer und anderen partnern entwickelt worden ist thomas müller vom juh-landesverband kündigte an dass in nächster zeit ein testlauf mit zehn personen in verschiedenen anlagen des betreuten wohnens in hannover absolviert wird daraus sollen erkenntnisse gewonnen werden wie die älteren menschen mit den speziell für tablet-pc entwickelten seniorengerechten programmen zurechtkommen ziel sei neben der vermittlung von pflegeleistungen und wohnbegleitenden services unter anderem auch eine verstärkte kommunikation innerhalb der nachbarschaft die johanniter hatten einige der tablet-pc mitgebracht und die teilnehmer nutzten die gelegenheit sich durch die verschiedenen menüpunkte zu klicken dr sibylle meyer vom sibis in berlin beklagte aal sei bislang zu sehr an der technik orientiert stattdessen seien intelligente unterstützungskonzepte gefragt ein 60-jähriger hat andere erwartungen an technik in der wohnung als ein 85-jähriger deswegen brauchen wir module statt eine eierlegende wollmilchsau von der wohnungswirtschaft erwarte sie allerdings eine klarere positionierung beim thema vernetztes wohnen die vorherrschende zurückhaltung müsse langsam aufgegeben werden das bundesforschungsministerium unterstützt derzeit 18 aal-projekte mit insgesamt 45 millionen euro catherine ley vom vdi/vde in berlin berichtete unter anderem über 7

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mark finley ver ne tzt es wohn en m a ga z i n 0 2 1 2 bernd meyer bernd lange christian kesselring harald klaus thorsten müller prof dr ralph welge das projekt tsa an dem die baugenossenschaft speyer beteiligt ist ausgangspunkt dabei war die überlegung dass senioren großen wert auf gesundheit komfort und sicherheit legen sehr wichtig ist auch die kommunikation mit verwandten freunden und nachbarn um diese grundbedürfnisse zu befriedigen baut tsa in einem innerstädtischen quartier in speyer ein technisch-soziales assistenzsystem auf zum einen werden bestandswohnungen mit geeigneten technischen hilfsmitteln altersgerecht ausgestattet zum anderen werden soziale netzwerke zur unterstützung von älteren menschen aufgebaut smartliving und smartsenior sind ebenfalls aal-projekte die bereits in der wohnungswirtschaftlichen praxis erprobt werden christian kesselring vom ebz bochum meinte neue digitale angebote würden den wohnungsunternehmen auch weitere geschäftsfelder öffnen ­ vergleichbar mit dem aral-store an den tankstellen harald klaus deutsche telekom t-labs erläuterte smartsenior sei ein integriertes serviceportal das in den bereichen wohnen gesundheit mobilität und kommunikation vermietern möglichkeiten zu mieterbindung und kundenfindung biete 8

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7 nordd eu ts c he e ne rgie ko nfer en z inno vat ive vers orgun gsk on zepte die warme wohnung muss bezahlbar bleiben m a ga z i n 0 2 1 2 en ergiek onf ere nz klimaschutz ­ mit coolem blick hamburg während draußen minusgrade herrschten und die elbe bedeckt mit eisschollen eher an ein arktisches als an ein norddeutsches gewässer erinnerte war die stimmung bei der siebten norddeutschen energiekonferenz in der kuppel des hotels hafen hamburg alles andere als eisig acht referenten hatten sich auf den weg gemacht um ihre neuesten erkenntnisse im bereich innovative versorgungskonzepte zu präsentieren begrüßt wurden sie und die rund 180 teilnehmer mit einem hamburgischen moin moin von vnw-verbandsdirektor dr joachim wege wie in den vergangenen jahren wurde die energiekonferenz 2012 von dem eingespielten trio vnw vdw und techem organisiert ebenfalls wieder dabei war dw-chefredakteurin ulrike silberberg die durch das programm führte wie die eisschollen die elbe so behindere zurzeit auch die politik den fluss in richtung klimaschutz und energiewende kritisierte wege die bundesregierung hat bislang noch keine konsistente klimaschutz und energiepolitik entwickelt die den grundsätzen ökologischer ökonomischer und sozialer nachhaltigkeit wie auch der wirtschaftlichkeit und versorgungssicherheit entspricht die warme wohnung müsse bezahlbar bleiben dazu könnten die steigerung der energieeffizienz alfa nord die gesteigerte kraft-wärme-kopplung sowie intelligente stromund wärmenetze smart grids beitragen regulatorischer zwang schade hingegen meist aktuell wolle der vnw die erhöhung der gas und strompreise über eine strukturierte tranchenbeschaffung qua bundesweiter ausschreibung bremsen dies komme letztlich den mietern zugute erläuterte der verbandsdirektor klimaschutz mit coolem blick das erwartete wege und erhoffte sich wichtige impulse von der energiekonferenz 9

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m a ga z i n 02 1 2 joachim blätz dr joachim wege prof dr dieter wolff christian bruns gas solar und strom wachsen zusammen den auftakt der referenten machte prof dr ing dieter wolff von der ostfalia hochschule für angewandte wissenschaften aus wolfenbüttel in seinem vortrag anspruch und wirklichkeit ­ energetische effekte und wirtschaftlichkeit von solaranlagen zeigte er auf dass solarthermie per se nicht unbedingt nützlich sei derzeitige solare anlagentechnik liefert keine wesentlichen endenergieeinsparungen meinte wolff gründe dafür wärmeverluste in der heizzentrale und speicherprobleme anhand von beispielen aus der praxis präsentierte wolff dass die effektivität von solaranlagen gleich null sein kann sein fazit solarthermie lohne sich im moment nur zur warmwasserbereitung für eine hohe abnehmerzahl kritisch sieht wolff die aktuellen berechnungen der effektivität der solaranlagen und spricht von verschleierten energiebilanzen für wolff zählt weder der solarertrag noch die verminderung der kesselnutzwärme sondern einzig und allein die endenergieeinsparung denn diese sei mess und damit als erfolg nachweisbar sein blick in die zukunft gas ­ solar ­ strom wachsen zusammen win-win-win-situation passend zum vortrag über solaranlagen brach die sonne durch den hamburger himmel ein licht sollte den gästen dann zu dem thema chancenpotenzial dezentralisierung ­ die wohnungswirtschaft als energieversorger aufgehen christian bruns geschäftsführer der städtischen wohnungsgesellschaft bremerhaven machte in seinem vortrag deutlich dass die wohnungswirtschaft zukünftig tatsächlich auch als energieversorger agieren könne vor allem der betrieb von bestandsnahen bhkw und der verkauf des bhkw-stroms direkt an die mieter könne sich zu einer win-win-win-situation entwickeln vorteile wie günstige strompreise für die mieter zusätzliche deckungsbeiträge optimale nutzung der energieressourcen und die damit verbundene senkung der co2-belastung sind nur einige der positiven faktoren mit denen bruns den wohnungsunternehmen mut machen will den weg in richtung dezentrale energieversorgung zu gehen make or buy alternativ stellte andreas klupik von techem energy contracting aus eschborn die frage machen oder kaufen in seinem vortrag make or buy ­ kwk-lösungen im outsourcing zeigte er chancen und grenzen der nutzung eigener kraft-wärme-kopplungs-anlagen auf kwk sei ein 10

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m a ga z i n 02 1 2 en ergiek onf ere nz tragendes element der energiewende und unverzichtbares instrument für höhere energieeffizienz in bezug auf die eigene versorgung betonte klupik zum beispiel die möglichen einsparpotenziale bei den betriebskosten auch die vermeintlich weiter steigenden strompreise verbesserte die wirtschaftlichkeit der kwk neben den chancen wies klupik auf die grenzen hin die kwk sei kapitalintensiv in ihren einsatzmöglichkeiten eingeschränkt und eine entscheidung mit langfristiger bindung daher meinte klupik der hohe kapitalaufwand sowie die risiken des anlagenbetriebs sprechen grundsätzlich für eine outsourcing-lösung allerdings gebe es keine allgemeingültige antwort auf die frage das gesamtpaket im verhältnis von Ökologie und Ökonomie müsse stimmen machen oder kaufen diese frage wird folglich jedes unternehmen für sich entscheiden ment gleich produzent ist prosumer eine welt die als modell zurzeit in mannheim und fünf weiteren deutschen städten existiert eine welt die funktionieren könne so stenzel zurück in der realen welt gab es allerdings kritische fragen vor allem der faktor datenschutz in bezug auf die speicherung des verbraucherverhaltens sowie die sehr teure technik ließen einige gäste an der umsetzung zweifeln der mieter ist wichtiger als alles andere zukunftsorientierung schafft bei der baugenossenschaft wiederaufbau aus braunschweig das projekt kompass richtungsweisend in diesem projekt ist weniger die himmelsrichtung als vielmehr eine energetische portfolioanalyse in dem gemeinsamen vortrag energetische bestandsentwicklung in schwierigen marktregionen zeigten wiederaufbau-vorstand joachim blätz und prof dr norbert raschper von der iwb entwicklungsgesellschaft aus braunschweig wie wichtig die gemeinsame betrachtung von bestand und bewohnern ist um die effektivität zukünftiger energetischer maßnahmen einschätzen zu können ergebnis der portfolioanalyse den hohen ausgaben für energetische sanierungen stehe häufig ein zu geringes einsparpotenzial gegenüber besser seien deshalb in vielen fällen geringinvestive maßnahmen wie die heizungsoptimierung und das vnw-projekt alfa unmissverständlich betonte blätz die bedeutung des verbraucherverhaltens der mieter ist wichtiger als alles andere der kompass zeige also mehr in richtung zielgruppenspezifische investitionen und weniger in richtung energetische maximallösungen 11 smarte welt ralf stenzel von der mvv energie ag präsentierte in seinem vortrag modellstadt mannheim ­ das energiesystem wird intelligent wie die zukunft dezentraler energieversorgung aussehen könnte dafür nahm stenzel die teilnehmer mit in die so genannte smarte welt eine welt in der verbrauch erzeugung verteilung und übertragung sowie speicherung von energie miteinander in verbindung gebracht und gesteuert werden ­ durch eine echtzeitvernetzung aller systemkomponenten smart grid eine welt in der strom dann verbraucht wird wenn er vorhanden und günstig ist eine welt in der die erzeugung überflüssiger energie vermieden wird eine welt mit energiebutler der im haushalt verbrauch und verhalten managt und abbildet eine welt in der konsu-

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m a ga z i n 02 1 2 en ergiek onf ere nz wind weht wenn geheizt werden muss dass bei uns im norden ab und an die eine oder andere steife brise weht ist bekannt wie diese energetisch genutzt werden kann eigentlich auch bei der wärmeversorgung spiele die windkraft derzeit aber noch keine relevante rolle so prof dr ing constantin kinias vom i.a.u institut für arbeitswissenschaft und unternehmensoptimierung aus kiel in seiner präsentation wärmeversorgung von gebäuden vor dem hintergrund der `energiewende´ und des klimaschutzes wies er deshalb auf nutzungsmöglichkeiten dezentraler windwärme hin wind weht wenn geheizt werden muss war die klare ansage von kinias wichtig sei vor allem eine harmonie zwischen windaufkommen und elektrischem bedarf herzustellen überschüssiger strom müsse vermieden gespeichert und/oder umgewandelt werden kinias wies darauf hin dass zurzeit in schleswig-holstein pro jahr strom im wert von rund 20 millionen euro bezahlt aber nicht genutzt werde deshalb schlägt er vor überschüssigen strom in wärme bzw kälte mit zentraler oder dezentraler speicherung umzuwandeln um die 26.000 wohneinheiten könnten heute schon mit windwärme beheizt werden auf dauer würden sich dadurch nicht nur die kosten sondern auch die co2-emissionen reduzieren jetzt müsse die politik aktiv werden so kinias denn gesetzliche vorschriften zur nutzung des überschüssigen stroms gebe es aktuell nicht und der aufwand für die betreiber sei noch zu hoch bis die steife brise aus dem norden unsere wohnungen wärmt muss also noch ein längerer weg gegangen werden die iba ist keine messe eine kurze anfahrt hatte uli hellweg von der iba hamburg gmbh mit dem vortrag zukunftskonzept erneuerbares wilhelmsburg ­ ein modell für städtische energieversorgung präsentierte er den gästen wie ein stadtentwicklungsprojekt auf eine zukünftige 100-prozentige selbstversorgung hinarbeiten kann dazu stellte er die vier handlungsfelder vor sanierung nach neubau-standard energetisch exzellenter neubau erneuerbare energien und regenerative wärmenetze die mischung aus energetisch einwandfrei aufgestellten gebäuden und eigener energieproduktion soll die zukünftige selbstversorgung ermöglichen mit einer 100-prozentigen elektrischen selbstversorgung wird ab ende 2020 gerechnet bis 2050 soll eine 85-prozentige thermische selbstversorgung wilhelmsburgs möglich sein dadurch könnten die co2-emissionen gen null gehen unter anderem wird dafür zurzeit der seit 63 jahren leer stehende bunker in einen energiebunker umgebaut der soll dort zukünftig als ein wärmenetz von fünfen agieren einige konferenzteilnehmer hatten bereits am nachmittag zuvor die chance genutzt den bunker von innen anzuschauen im kommenden jahr kann dann jeder bei der abschlusspräsentation der internationalen bauausstellung das neue wilhelmsburg kennen lernen die iba ist keine messe sie ist ein stadtentwicklungsprogramm stellte hellweg klar bevor er alle einlud 2013 vorbeizukommen dem schlossen sich verbandsdirektor dr joachim wege und moderatorin ulrike silberberg an und sprachen für die 8 norddeutsche energiekonferenz am 6 und 7 februar 2013 ihre einladung aus die energiekonferenz 2012 habe wichtige informationen vermittelt und innovative konzepte vorgestellt doch werden dann gewiss neue energie und klimaschutzfragen zu beantworten sein die uns ­ wie auch die elbe ­ stets neu zufließen 12

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vo n pro f d r b e rt b i e lefel d verdämmt und zugeklebt ­ ziele und praxis beim klimaschutz m a ga z i n 02 1 2 klima schut z arc hi te k t pro f dr i ng b e rt bi e le fe ld le hrt an der u n iversi tät siege n da s fach bauÖko n o mi e u nd bauman ag eme n t w ww.un i-siege n.de/f b9 baumana geme nt er ist inhaber ei nesplanu ng s b ür osindo rt mund www.ber tbie lefel d-a rch itek ten de ges chäft sfüh rer ei n e r pro j e kte n tw icklu ng sges el ls c haft a uto r zahl rei ch er büch er un d wa r dozent bei dervdw fa c h tag u n g zu m k lim awa n del im vo rigen herbs t i n brem erhave n klimaschutz ist das altruistische und idealistische ziel der gesellschaft der politik ­ der welt auch wenn die großen verbraucher von primärenergiequellen in der energiewirtschaft in der industriellen produktion und im verkehrssektor liegen so sind insbesondere die wohngebäude massiv in der öffentlichen diskussion die rasant steigenden anforderungen der enev und das wettbewerbsverhalten des bedienenden apparates an dienstleistern verbänden und kfw-krediten erzeugen einen gesellschaftlichen druck der meiner meinung nach zum innehalten und zur reflektion anregen sollte um nicht die ziele des klimaschutzes aus den augen zu verlieren enev-berechnungen und kfw-kredite fußen vereinfacht dargestellt auf einem rechnerischen nachweis des energieverbrauchs nach fertigstellung des gebäudes dies ist 13

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