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tom van endert mit hammer und schlüssel Über sinn und unsinn ein russisches motorrad zu fahren
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tom van endert »mit hammer und schlüssel« 6 auflage 2009 © 2003 verlagshaus monsenstein und vannerdat monse und van endert ohg münster www.monsenstein-und-vannerdat.de alle rechte vorbehalten alle abbildungen mit freundlicher genehmigung von ural-moto und bmw alle fotos wenn nicht anders ausgezeichnet tom van endert gedruckt in der eu isbn 978-3-938568-29-3
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vorwort zur 6 auflage es ist nun sechs jahre her dass die erste auflage von »mit hammer und schlüssel« erschien damals hätte ich nie zu träumen gewagt dass es von diesem buch einmal eine sechste auflage geben dass es sich jahr für jahr konstant auf dem buchmarkt halten könne dieser erfolgt zeigt deutlich dass die szene der russenfahrer stetig wächst und es erfüllt mich natürlich mit stolz dass dieses buch heute scheinbar in keiner werkstatt fehlt in der auch eine ural oder dnepr oder m72 steht ich nutze daher diese gelegenheit um mich bei den vielen lesern zu bedanken auch wenn der schwerpunkt dieses buches auf den 650ern liegt den »echten« russischen gespannen aus der zeit vor den europanormen und zugekauften westteilen und damit ganz klar meine persönliche vorliebe wiederspiegelt so muss sich doch zugeben dass ich mich bei der Überarbeitung der vorliegenden auflage in das aktuelle modell »roter oktober« verliebt habe kaum chrom alles schwarz und matt tank und kotflügel im guten alten look der siebziger jahre und entdecke ich dort auf dem foto nicht sogar eine schlechte schweißnaht am beiwagen-boot na also es geht doch tom van endert im oktober 2009
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vorwort zur 1 auflage kurz vor redaktionsschluss zu diesem buch hat der hersteller der ural motorräder das irbiter motorradwerk werkseigene vertriebsfirmen in amerika und europa gegründet damit stellt sich das werk neuen aufgaben und das werk hat schon viele aufgaben bestanden zuerst die produktion von einfachen behördenkrädern dann die bewältigung der motorisierung der völker der ehemaligen sowjetunion urals waren und sind lastenträger für russische landwirtschaft und gewerbe wir in europa haben die russischen gespanne als freizeitvergnügen für individualisten kennen und lieben gelernt ein familienfahrzeug mit hohem sympathiefaktor unter wahrung der kernkompetenz der industriellen fertigung von schweren motorrädern mit beiwagen wendet sich das ural werk nun verstärkt unseren wünschen zu damit sind die enorm hohen stückzahlen in der produktion endgültig geschichte die zukunft sind kleine serien in diesem sinne gibt es ab 2004 auch neue modelle die ural »basic« ein preiswertes tourengespann für den gespanneinsteiger ein motorrad pur ohne schnickschnack ohne chrom ideal für winterfahrer denn es steht funktion im vordergrund die optik ist schlicht und einfach gehalten und die ural »retro« ein wunderschönes solo-motorrad und gespann das den kräftigen 750er boxermotor mit e-starter und katalysator in einer neuen stabilen rahmenkonstruktion mit vielen schönen im laufe der jahrzehnte verloren gegangenen bauteilen wie tropfentank einzelscheinwerfer und klassischer telegabel verbindet details die dem gefälligen design des ersten ural-motorrades der m72 entliehen sind 18 zoll räder und hydraulische trommelbremsen bewirken höchstes fahrvergnügen ein großer dank gebührt dem autor des vorliegenden buches es ist eine hervorragend recherchierte retro auf die »schwere« sowjetische motorradindustrie und es spiegelt den geist des typischen ural und dnepr-fahrers wider.
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so wie jedes ural gespann ist dieses werk liebevoll im detail gestaltet und zeugt vom verständnis der technischen besonder und eigenheiten unserer »olgas« und »nataschas« viel vergnügen beim erlesen dieser eigenen motorradwelt und natürlich beim erfahren mit dem eigenen gespann wünscht hari schwaighofer 2003
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inhalt 1 die russische versuchung ural dnepr und die »retro-welle« die »bmw-frage« 2 wie die bmw nach russland kam die politischen voraussetzungen motorradgespanne im zweiten weltkrieg warum man gerade eine bmw kopierte 3 die firmengeschichte m72 die anfänge ural und dnepr erhalten ihre namen dnepr oder ural eine glaubensfrage 4 von der m72 bis heute die anfänge die 50er jahre in irbit die 60er jahre in irbit die 70er jahre in irbit die 80er jahre in irbit die 90er jahre in irbit das 21 jahrhundert in irbit die 50er jahre in kiew die 60er jahre in kiew die 70er jahre in kiew die 80er jahre in kiew 5 der technische teil der 650er russe in der werkstatt der seitenventilmotor der 650er ohv-motor der ural der 650er ohv-motor der dnepr der 750er ohv-motor der ural eine neue generation aus irbit 6 tipps und tricks die motoren Öl und Ölverbrauch Ölverlust Öltemperatur ventilspiel 8 10 12 16 17 19 24 28 28 30 32 35 38 40 40 40 42 42 44 46 46 48 50 53 53 59 65 69 74 76 76 78 81 81
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auspuffanlage vergaser optimierung der blechschieber-vergasers 7 tipps und tricks antriebsstrang getriebe kardanwelle Änderung der getriebeübersetzung kupplung 8 tipps und tricks elektrik die zündung die zündspule kabel schalter regler lima und co 9 tipps und tricks fahrwerk von der m72 bis heute gabel oder schwinge bremsen Öl in der hinterradbremse räder und speichen reifen beiwagen und beiwagenbetrieb 10 kaufen zulassen fahren mit dem russischen gespann auf große fahrt neufahrzeuge kaufen gebrauchtfahrzeuge kaufen der gute eindruck und die probefahrt die zulassung 11 umbauen und umrüsten 12 anhang dank literatur bildrechte verzeichnis der ural und dnepr-händler stichwortverzeichnis genealogie 85 87 89 97 97 98 100 102 103 103 108 110 115 115 120 121 127 128 132 133 141 141 144 147 150 151 154 158 158 159 160 166 170
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die russische versuchung seit vielen jahren wissen nur wenige motorradmarken die gemüter so zu erregen wie ural oder dnepr von vielen belächelt von wenigen geliebt konnten diese zweiräder aus russland aber immerhin einen bekanntheitsgrad erreichen der sich hinter den fernöstlichen oder westlichen marken nicht verstecken muss so wie sich die japaner mit qualitativ hochwertigen und innovativen produkten als marktführer etablierten oder bmw seinen weltweiten ruf unbedingter zuverlässigkeit immer weiter ausbauen konnte räumten sich die schweren boxer-gespanne aus kiew oder irbit ihren ganz besonderen ruhm durch veraltete technik und mangelhafte qualität ein dnepr und ural sind heute für die meisten schlichtweg pseudonyme für »schrott vom fließband« aber so wie sich viele sonderbare vorlieben und hobbys in unserem leben angefangen beim briefmarkensammeln bis hin zur oldtimerei auch mit größter mühe dem verständnislosen nicht plausibel erklären lassen gibt es doch eine stetig wachsende gemeinde von »russenfahrern« die allen unkenrufen und pannenstatistiken zum trotz auf ihre fahrzeuge schwören hierbei handelt es sich in der regel um die leute mit den ewig schmutzigen fingernägeln motorradfahrer denen ein modernes motorrad welches außer dem turnusmäßigen Ölwechsel keine wirklichen technischen herausforderungen mehr bietet schlichtweg keine freude bereiten würde wir können nun also beobachten dass sich diese gruppe der sonderlinge stetig vergrößert und sich der ein oder andere gelegenheitsfahrer ohne große schrauber-vorkenntnisse in richtung dnepr oder ural wagt wir müssen uns also ernsthaft fragen warum diese augenscheinlich veralteten und unzuverlässigen produkte so viel interesse erwecken können 8
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der eigentliche anlass dieses buch zuschreiben war diese ural sie überstand anstandslos über 130.000 km mit demselben motor mit dem selben getriebe und ohne große reparaturen und sie läuft noch heute jeden tag bei jedem wetter das ist schon ein dankeswort wert oder?
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der besondere reiz dieser russischen boxer lässt sich nicht allein mit der verlockenden möglichkeit erklären endlich nach herzenslust schrauben und tüfteln zu dürfen ganz ohne moderne technik und komplizierte bordelektronik liegt es nicht vielmehr an dem anziehenden hauch des geheimnisvollen der die produkte der ehemaligen sowjetunion noch heute umweht gilt es nicht auch etwas ungewöhnliches zu fahren etwas das kein anderer hat und keinesfalls dürfen wir bei unserer betrachtung den beiwagen vergessen mit dem der größte teil der bislang verkauften urals und dneprs ausgeliefert wurde ein gespann ist heutzutage auch wenn die zulassungszahlen steigen noch immer etwas besonderes im straßenverkehr das russische boxermotorrad ob nun mit oder ohne beiwagen ist ohne frage ein gesamtkunstwerk die ausnahmslose verneinung von modernem design hat uns ein fahrzeug erhalten das es dergestalt eigentlich nicht mehr geben dürfte ein oldtimer frisch vom band gerade passend zur sogenannten »retro-welle« ural dnepr und die »retro-welle« »alles kommt wieder!« würde mein vater jetzt sagen der seine hosen auch deshalb nie wegschmeißt weil deren schnitt irgendwann einmal wieder modern sein wird da wo heute die japaner und engländer mit viel liebe zum detail und mit enormem finanziellen und technischen aufwand das motorrad-design der sechziger und siebziger jahre durch modelle wie estrella w650 thunderbird und bonneville wieder aufleben lassen haben die russen endlich mal glück gehabt weil sie eben auch nichts wegschmeißen nach dem oldtimerboom in den achtziger und in den frühen neunziger jahren explodierten die preise für klassische fahrzeuge heute ist es kaum noch möglich einen halbwegs funktionstüchtigen klassiker zu einem bezahlbaren und vor allem gerechtfertigten preis zu erstehen der oldtimer früher noch das fortbewegungsmittel für schrauber und individualisten geriet zum spekulationsobjekt alles was eben alt genug war um schon rosten zu können wurde gewinnbringend an den mann gebracht scheunenfunde gehören inzwischen in den bereich der legenden 10
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doch auch wenn der markt längst abgegrast ist was wir vom oldtimerboom geerbt haben ist ein wachsendes interesse für klassische formen und diesen boom bedient die fahrzeugindustrie mit klingelnden kassen aber nicht nur das dieses steigende angebot neuer aber klassisch anmutender autos und motorräder öffnet den markt auch für diejenigen die sich niemals einen echten oldtimer gekauft hätten da sie zuverlässigkeit und geringe wartungsintervalle vor authentizität und schrauberfreuden stellen es leben fabrikneue fahrzeuge im stile der fünfziger sechziger und siebziger jahre es lebe die retrowelle für uns zweirad-enthusiasten bedeutet dies der motorradfahrer mit dicker brieftasche und »zwei linken händen« greift heute zum chopper oder zum retro-klassiker der rest guckt in die röhre oder in die werbeanzeigen der ural und dnepr-händler denn hier finden sich spätestens seit dem fall des eisernen vorhangs die angeblichen bmwnachbauten nagelneue maschinen wie zu großvaters zeiten zum taschengeldpreis anfang der neunziger jahre kamen die russischen gespanne in rauen mengen ins land doch viele haben sich damals verschätzt und ein vermeintlich neues und anspruchsloses motorradgespann erstanden welches sie dann schnell technisch überforderte ganz egal ob dies nun am fahrer oder am fahrzeug lag der schlechte ruf der russen wurde durch die vielen frustrierten »schnäppchenjäger« weiter gefestigt natürlich ist hier nicht immer der kunde schuld der sich vielleicht nicht richtig informiert hat kein technisches verständnis und zwei linke hände hat vielmehr versuchten ganze armeen von selbsternannten importeuren reine ausschussware aus russland als »neu« und »frisch ab werk« zu verscherbeln die mär von der bmw-kopie half dabei stets den zweifelnden doch noch zu überzeugen doch eine »ural tourist« bj 1993 ist keine bmw-kopie weder in technischer noch in qualitativer hinsicht und heute stehen diese vielen russischen gespanne rostend in den garagen gärten und hinterhöfen herum dieser blinde aktionismus mancher käufer gereicht uns allerdings auch zum vorteil heute bietet der markt zum einen ein reichhaltiges angebot guter gebrauchter maschinen zum anderen ein umspannendes seriöses händlernetz mit aktuellen modellen und zwei jahren garantie 11
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was die meisten aber vergessen wenn sie abends beim humpen bier lautstark mit dem gedanken spielen nun auch dem kreis der »russenfahrer« beitreten zu wollen ist dass sowohl dnepr als auch ural nicht erst seit dem fall des eisernen vorhangs mit ihren antiquierten dreirädrigen motorrädern auf den markt gedrängt sind beide firmen produzieren bereits seit langen jahren boxermotorräder mit der »bmwoptik« nimmt man die mutter aller ural und dnepr hinzu die m72 dann geschah dies bereits lange bevor honda yamaha kawasaki oder suzuki ihre ersten schweren motorräder vom band laufen ließen wenn wir also wissen russische motorräder seien als neufahrzeug vergleichsweise preiswert und als gebrauchte geradezu billig dann gilt dies natürlich auch für die »echten« oldtimer aus gleichem hause in den frühen vierziger jahren begann die damalige sowjetunion mit der produktion von boxermotor-getriebenen gespannen und bereits nach dem zweiten weltkrieg geschah dies in gigantischen stückzahlen wo bei uns in den siebziger jahren das gros der bestände älterer fahrzeuge auf den schrottplätzen dezimiert wurde führte die fahrzeug ersatzteile und geldknappheit der sowjets dazu jedes gefährt so lange am leben zu erhalten wie es eben nur möglich war auf unserer seite konzentrierte sich das interesse der oldtimerszene bislang auf »sammelnswerte« fahrzeuge vornehmlich westlicher herkunft mit den russischen m72 und den frühen gespannen aus kiew und irbit tut sich für uns nun ein wirklich interessanter markt auf abgesehen von wenigen prototypen und einigen sportvarianten handelt es sich bei diesen motorrädern trotz ihrer herkunft nicht um exoten deren restaurierung nur unter erschwerten bedingungen zu vollziehen wäre im gegenteil die ersatzteilversorgung ist beispielhaft da beinahe alle komponenten noch heute hergestellt werden die »bmw-frage« sobald man den motor seiner ural oder seiner dnepr gestoppt und seinen helm abgesetzt hat werden fahrer und motorrad schnell von einer interessierten menschenmenge umgeben und diese menge wird fragen stellen genauer gesagt sie wird die eine frage stellen »ist das eine bmw?« für die meisten zeitgenossen ist der boxermotor unweigerlich mit der bayerischen marke verbunden da hilft manchmal kein argumentieren tatsächlich avancierte der boxermotor bereits mit dem 12
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ersten serienmodell der r 32 zum konstruktiven aushängeschild der weiß-blauen marke er ist aber definitiv nicht ihr alleiniges patent nicht nur zündapp sondern auch viele andere motorradhersteller wie zum beispiel douglas mz oder honda griffen und greifen auf dieses konstruktionsprinzip zurück ganz zu schweigen von den vierrädrigen fahrzeugen wie steyr oder citroën die allerersten boxermotoren im motorradbau wurden anfangs noch längs eingebaut und mittels einer primärkette mit dem getriebe verbunden was zu temperaturproblemen mit dem hinteren zylinder führte bmw führte deshalb bereits in den zwanziger jahren das legendäre prinzip mit den quer zur fahrtrichtung liegenden zylindern angeblocktem getriebe und kardanwelle ein die vorteile liegen auf der hand ein niedriger schwerpunkt in verbindung mit ruhigem motorlauf die optimale lage der zylinder im küh auch dieser freundliche herr fährt gerne mal mit der ural
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