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rosen © anja ollmert ein strauß dunkelroter baccararosen stand vor ihr in der kristallvase die sie von ihrer großmutter geerbt hatte zwar fehlte am oberen rand der vase ein winzigkleiner glassplitter aber das tat dem funkeln des kristalls keinen abbruch und die hauptsache war ja schließlich dass das gefäß dicht hielt die rosen waren nun schon eine woche alt und langsam begannen die blätter immer dunkler zu werden von außen nach innen verfärbten sie sich von ihrem charakteristischen tiefrot zu einem etwas unansehnlichen braun dabei rollten die blätter sich zusammen als wollten sie sich vor dem verblühen schützen aber das gelang ihnen natürlich nicht kerstin hatte mitleid mit den rosen hätte sie sich nur früh genug entschieden die blumen kopfüber an einem band im fensterkreuz zum trocknen aufzuhängen dann könnte sie den strauß noch ewigkeiten ansehen zwar hätten die rosen dann auch keinem vergleich mit ihrer ursprünglichen pracht standgehalten aber ein getrocknetes rosenbukett hatte schließlich seinen eigenen reiz zu ihrem 20 hochzeitstag hatte peter ihr das gebinde mit einem beifallheischenden lächeln überreicht und dann war kerstin wie immer in seiner umarmung versunken diese umarmung war das was ihr am meisten fehlte der zu ahnende verlust des rosenstraußes nahm ihr jedoch nun den letzten rest ihrer selbstbeherrschung an die sie sich in den vergangenen tagen krampfhaft geklammert hatte sie dachte an das kreuzgebilde aus weißen rosen dass sie heute morgen bei seiner beerdigung in dem tiefen erdloch auf den sarg hatte sinken lassen erst jetzt war ihr klar dass peter wirklich in der kirschbaumfarbigen holzkiste gelegen hatte mit einem unterdrückten schluchzen sank sie am esstisch zusammen und ihr kopf fand halt auf den verschränkten armen die sie auf der tischplatte abgelegt hatte warum hatte peter gehen müssen nie hatten sie darüber nachgedacht wer von beiden einmal gezwungen sein würde den anderen allein im leben zurück zu lassen aber im stillen hatte kerstin gehofft,
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nicht diejenige zu sein die am ende übrig blieb nun war alles anders gekommen den hochzeitstag hatten sie bei michele dem italiener verbracht in dessen restaurant sie sich vor 25 jahren zum ersten mal begegnet waren wie immer war ihr tisch für sie reserviert und als zu später stunde ein rosenverkäufer an ihren tisch kam winkte kerstin sein angebot ab der wunderbare strauß zu hause vor dem sie jetzt kauerte war ihr genug gewesen sie sah noch vor sich wie der rotwein in den gläsern beim kerzenlicht sein funkeln versprüht hatte wieder und wieder hatten die beiden einander gesagt dass sie froh waren sich gefunden zu haben und ihr leben miteinander zu teilen und nun war peter einfach fort vor den linienbus gelaufen hatte der polizeibeamte lapidar erklärt als sie nach der ursache für peters unfall gefragt hatte aber warum hatte kerstin gefragt das kann ich ihnen auch nicht sagen es war niemand in der nähe der den unfall beobachtet hat und der busfahrer hat in seinem schockzustand ausgesagt dass ihr mann ganz allein am straßenrand gestanden hat bevor er plötzlich die fahrbahn betrat er sagte ihr mann habe telefoniert das hatte er wirklich so wusste kerstin aus erster quelle denn am anderen ende der leitung war sie gewesen sie erinnerte sich wie peter sagte ich muss jetzt gehen tut mir leid und das nächste geräusch waren widerlich quietschende bremsen und ein dumpfer aufprall dann war die verbindung unterbrochen sofort war kerstin in blinde panik ausgebrochen und konnte doch nichts anderes tun als zu warten schließlich wusste sie nicht wo peter sich zum zeitpunkt des unfalls von dem kerstin sogleich ausgegangen war aufgehalten hatte auf einmal überkam sie das dringende bedürfnis peters kleiderschrank auszuräumen zwar erschien ihr das einerseits ziemlich abwegig heute am tag seiner beerdigung aber sie schien einem unsichtbaren zwang zu gehorchen und bewegte sich fast traumwandlerisch durch das appartement in richtung schlafzimmer hektisch riss
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sie die linke tür der schrankwand auf hinter welcher sich peters anzüge verbargen und warf einen nach dem anderen auf das ehebett dabei hielt sie jedes teil kurz in der hand und strich vorsichtig über den stoff bevor sie nach dem nächsten griff bei seinem lieblingsanzug hielt sie inne und griff in die innentaschen dort zog sie ein briefkuvert hervor das sie erstaunt betrachtete die schrift auf dem umschlag war ihr unbekannt der umschlag war nicht leer mit aufkeimendem misstrauen entfaltete sie den briefbogen der sich darin befand mein liebster stand dort in elegantem schriftzug und fassungslos sank kerstin auf den boden um sich in die beinahe unglaubliche lektüre zu vertiefen ihre augen flogen nur so über den briefbogen und der inhalt ließ kerstin aufgewühlt zurück von ewiger liebe war dort die rede und dass er sich nun endlich zu der verfasserin bekennen müsse sie ließ das blatt in ihren schoß sinken ihr war als stünde sie als betrachterin der situation neben sich und wartete auf eine reaktion und diese reaktion kam auch sofort mit einem unglaublichen wutgeheul sprang sie auf und begann die anzugtaschen und danach den übrigen inhalt des schrankes auf weitere hinweise zu untersuchen dabei durchfuhr sie immer wieder die frage mit wem peter dieses doppelleben geführt haben mochte von dem sie nie im leben geahnt hatte und plötzlich fiel ihr die frau ein die heute morgen in sichtweite des grabes gestanden hatte mit einer einzelnen weißen rose in der hand sie war zweifelsohne sehr schön gewesen etwas üppiger als kerstin und mit vollem rotem haar eine auffallende erscheinung kerstin hatte sie für eine von peters kolleginnen gehalten und sich gefreut dass die beliebtheit ihres mannes im kollegenkreis ein so unglückliches tränenfeuchtes gesicht verursachte dieser schweinehund murmelte sie vor sich hin was fällt dem eigentlich ein redet zu mir von der ewigen liebe und betrügt mich hinter meinem rücken alle fundstücke die bei der weiteren suche auftauchten schnappte sie sich und nahm sie mit ins esszimmer dort sichtete sie ihren fund und nach und nach bekam sie einen einblick in das hinterhältige gebaren ihres mannes einige briefe waren datiert und bewiesen ihr dass die affäre mindestens schon drei
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jahre andauerte miriam hieß die verführerin das hatte schon unter dem ersten brief gestanden und noch mehr erfuhr sie die beiden hatten eine gemeinsame tochter während kerstins eigene ehe kinderlos geblieben war hatte peter ein kuckucksei gelegt mit jeder information wuchs kerstins wut fast ins unermessliche und schob die trauer die sie noch vor einer stunde empfunden hatte beiseite alles würde sie über diese unsägliche geschichte in erfahrung bringen schwor kerstin sich zum glück hatte sie in einer innentasche ein foto der frau gefunden das ihr bei der recherche bestimmt nützlich sein würde und so beschloss kerstin den abend damit einen schlachtplan zu entwerfen der ihr in ihrer verletztheit linderung verschaffen sollte und zum ersten mal seit einer woche war sie froh dass sie noch am leben und peter vor den bus gelaufen war am nächsten morgen machte sie sich auf in die bankfiliale in der peter stellvertretender filialleiter gewesen war einige kollegen waren kerstin seit vielen jahren vertraut so auch lisa aumann die gerade am auszugsdrucker stand und mit einem kunden diskutierte kerstin wartete geduldig das ende des gesprächs ab lisa hatte das kundenproblem schnell gelöst und drehte sich zu ihr um es tut mir wirklich leid das mit peter umarmte lisa sie freundschaftlich ist schon o.k erwiderte kerstin und schob gleich die drängendste frage hinterher hast du diese frau schon mal hier gesehen na klar das ist miriam hutter die kommt oft mit ihrer kleinen tochter in die bank ein wirklich niedliches kleines mädchen ach das ist frau hutter sie ist eine alte schulfreundin von peter und hat vergessen ihren absender auf die kondolenzkarte zu schreiben log kerstin unverfroren kannst du mir auch sagen wo sie wohnt ich würde mich gerne mal mit ihr in verbindung setzen wenn alles nicht mehr so frisch ist setzte kerstin eine traurige miene auf um damit lisa von weiteren fragen abzulenken der schachzug gelang lisa antwortete ja sie wohnt in der forellenstraße ich glaube es ist die hausnummer 17 du weißt schon dieses nobelappartementhaus das sich
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einfache bankangestellte nicht leisten können immer wenn ich sie sah habe ich mich gefragt wie sie als alleinerziehende mutter damit finanziell zurecht kommt ich weiß es dachte kerstin böse aber das wird bald ein jähes ende haben nun war ihr auch klar warum sie im letzten jahr auf die versprochene fernreise verzichten musste peter hatte misslungene börsentermingeschäfte vorgeschoben schnell bedankte sie sich bei lisa für die auskunft und mit einem bis bald verabschiedeten sich die beiden frauen voneinander kerstin sprang in ihren wagen und beeilte sich zur forellenstraße zu kommen dort saß sie ungeduldig vor dem haus etwas in den sitz versunken damit man sie nicht sofort erkannte wenn man das haus verließ oder dorthin zurückkehrte lange musste sie nicht warten miriam hutter erschien auf der gegenüberliegenden straßenseite ein kleines schwarzgelocktes mädchen an der hand dessen Ähnlichkeit mit peter bei näherer betrachtung nicht zu leugnen war kerstin verbarg ihr gesicht hinter einer zeitung schließlich sollte niemand sie erkennen miriam überquerte die straße und verschwand im eingangsbereich der hausnummer 17 kerstin war froh so schnell die richtige gefunden zu haben es verging eine weitere woche in der kerstin häufig auf ihrem beobachtungsposten zu finden war aber auch so war sie nicht untätig nachdem der notar peters testament eröffnete hatte kerstin noch mal kurz ein moralisches update trauriger gefühle als sie aber erfuhr dass peter bereits die adoption seiner tochter in die wege geleitet hatte und diese vor seinem tod kurz vor der vollendung stand vergaß sie schnell ihre trauer das war der einzig strittige punkt ihres planes gewesen was sollte mit dem kind geschehen das für die ganze vertrackte situation schließlich nicht verantwortlich war so schien ihr auch dieses letzte problem gelöst schließlich war sie die rechtsnachfolgerin peters was sollte dagegen sprechen dass sie das mädchen adoptierte nichts außer die existenz ihrer eigenen mutter dachte kerstin und die würde nichts dagegen haben da war kerstin sich sicher.
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am nächsten morgen stand kerstin schon früh auf sie hatte noch allerhand vorzubereiten bereits gestern hatte sie sich eine blonde perücke gekauft die so echt wirkte dass niemand daran zweifeln würde auch die kleidung die sie trug hatte sie nur für den heutigen tag in der teuersten boutique der nachbarstadt erstanden so wirkte sie vornehm und elegant als sie auf stöckelschuhen das haus verließ mit denen sie noch etwas unsicher über das pflaster klapperte mit der u-bahn wollte sie heute fahren der wagen war ihr zu riskant den hatte sie gestern bei einem gebrauchtwarenhändler gegen einen kleinen flitzer getauscht vielleicht gab es ja aufmerksame beobachter in der forellenstraße und man sollte sie nicht mit der brünetten in verbindung bringen die dort in der letzten woche auffallend oft geparkt hatte und pünktlich wie an jedem der letzten sieben vormittage verließ miriam gemeinsam mit der kleinen das haus und bewegte sich in richtung bushaltestelle dort setzte sich clarissa so hieß peters tochter auf die bank unter dem wartehäuschen während ihre mutter nach dem bus ausschau hielt der sie zu kinderkrippe bringen sollte in der das mädchen den tag verbrachte während frau hutter ihrem beruf nachging es waren nicht wenige die an diesem freitagmorgen auf das eintreffen der linie 5 warteten genau der buslinie die peter das leben gekostet hatte kerstin stellte sich zwischen die wartenden genau hinter miriam hutter der bus war auf die minute pünktlich er rollte heran und plötzlich kam kerstin auf den hohen absätzen scheinbar unabsichtlich ins straucheln und stieß ihren ellenbogen heftig in miriams rücken diese hatte keine chance mehr den sturz abzufangen der bus überrollte sie und sie fand den tod unter den gleichen reifen wie ihr geheimer liebhaber kerstin jedoch nutzte den moment des aufgeregten tumults unter den passanten und verschwand hinter der nächsten ecke mitleid empfand kerstin nur für den busfahrer sicher war die geschichte für diesen der absolute horror es war wieder ein freitag als kerstin sich zum kinderheim aufmachte um ihre adoptivtochter clarissa in die arme zu schließen gedul-
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dig hatte sie auf diesen augenblick gewartet zum glück hatte auch miriam hutter ein testament hinterlegt das den bestimmungsort für ihre tochter festlegte falls ihr etwas zustoßen sollte und obwohl peter nicht mehr lebte hatte der mann vom jugendamt keinen hinderungsgrund gesehen warum nicht kerstin die adoption übernehmen sollte schließlich gab es genug kinder die im heim ohne eltern aufwachsen mussten und wenn sich schon ein freiwilliger fand war das umso besser zuerst ging sie mit der kleinen in die bank am schalter begrüßte sie lisa und sagte ach hast du jetzt das kind von frau hutter in deiner obhut sie ist jetzt meine tochter und wird sich sicher schnell eingewöhnen frau hutter hatte peter als alten schulfreund zum vormund eingesetzt als hätte sie geahnt dass ihr etwas passieren würde die beiden müssen sich in ihrer schulzeit sehr nahegestanden haben fügte sie noch hinzu clarissa war wirklich ein ausgesprochen liebes kind und schmiegte ihre hand vertrauensvoll in kerstins wir beide nehmen jedenfalls nie wieder den bus sagte kerstin mit nachdruck und setzte zu diesen worten ein überzeugendes trauergesicht auf lisa nickte nur verständnisvoll zu hause angekommen betrat kerstin das esszimmer clarissa folgte ihr auf schritt und tritt komm den werfen wir jetzt in den müll mein schatz sagte kerstin zu ihrer neuen tochter nahm den strauß von braunen rosen und steckte ihn mit den köpfen zuerst in den mülleimer dann beugte sie sich zu clarissa hinunter und die kleine versank bereitwillig und vertrauensvoll in ihrer umarmung.
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