Unipress UP 125

 

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Wissenschaftsmagazin der Universität Bern

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200 jahre medizinische fakultät gespräch ­ zum rücktritt von christoph schäublin 36 40 juni 2005 begegnung ­ harald reuter frieden fördern mit forschung forschung ­ heisse spur am mittelmeer 30 unipress 125 forschung und wissenschaft an der universität bern

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2 0 0 jahremedizinischefaku lt ä t die jubilarin gilt weitherum als sonderfall der zugang zu ihr ist erschwert und nur nach bestandenem eignungstest zu schaffen dennoch wirkt sie für studierende ungebrochen attraktiv zudem braucht sie viel geld deutlich mehr als ihre universitären schwestern bei all dem ist die nachfrage nach ihren leistungen in unserer gesellschaft im steigen dann steht sie trotz fortgeschrittenem alter in stetem kontakt zu beiden «elternteilen» zur universität bern und zum inselspital in diesem jahr feiert die medizinische fakultät der universität bern ihren 200 geburtstag «unipress» gratuliert der rüstigen jubilarin mit einem schwerpunkt in dem einige facetten aus ihrer vergangenheit und gegenwart zu wort kommen die dazugehörigen bilder hat stefan wermuth realisiert zehn jahre lang prägte er das bild der universität nun tritt er zurück professor christoph schäublin der erste vollzeitrektor der universität bern übergibt ende august den stab seinem nachfolger das interview mit dem kunstsinnigen altphilologen sprengte den üblichen rahmen und wurde nach rund zweieinhalb stunden beendet die quintessenz haben wir in unserer rubrik «gespräch» zusammengefasst den frieden durch forschung fördern ja das geht davon ist harald reuter emeritierter pharmakologieprofessor überzeugt darum engagiert er sich in einem verein zur unterstützung von forschungsprojekten in denen palästinenser und israeli paritätisch und friedlich zusammenarbeiten feuer wasser und hirn dies sind drei stichworte aus den forschungsberichten in diesem heft was weisstannen feuer und das mittelmeer verbindet was buntbarsche evolutionsbiologen lehren und warum sie liebe leserinnen und leser sich an das gelesene überhaupt erinnern können das alles erfahren sie in unserer rubrik «forschung» man greift schneller in die tasten wenn einem etwas ärgert um so mehr hat es uns gefreut dass wir für die neukonzeption von «unipress» viel lob erhalten haben wir sammeln die reaktionen und werden sie zusammen mit hoffentlich weiteren leserzuschriften zu gegebener zeit abdrucken marcus moser 2 unipress 125/2005

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inhalt thema 2 0 0 jahremedizinischefaku lt ä t 5 kurze geschichte der medizinischen fakultät in bern von marcel h bickel forschung und rubriken 9 vom streit um betten zur engen zusammenarbeit von urs boschung forschung 30 feuergeschichte paläobotaniker verfolgen heisse spur am mittelmeer von antoinette schwab 32 evolutionsbiologie bei buntbarschen sehen verlierer rot von felix straumann 34 neurobiologie wie tausende von erinnerungen in einen kopf passen von sabine olff 11 die medizinische fakultät zwischen universität und spital von martin g täuber 15 problemorientiert zu ärztlichem wissen können und verhalten von vinzenz im hof 18 vom vertrauensarzt zum arztvertrauen von andreas tobler 21 weltweite bedrohung durch neue infektionen von kathrin mühlemann 25 150 jahre waldau ­ ein spiegel der gesellschaft von werner strik 27 mit pipette und stethoskop von martin f fey rubriken 2 editorial 36 gespräch christoph schäublin ­ vorwärts zum universitären zentrum mittelland von sabine olff und marcus moser 40 begegnung harald reuter ­ mit der forschung auch den frieden fördern von marcus moser 42 meinung herzliche sachlichkeit von emilio bossi 43 bücher 44 impressum unipress 125/2005 3

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kurze geschichte der medizinischen fakultät in bern nach vorformen wie dem medizinischen institut 1797­1805 entstand die medizinische fakultät im schosse der akademie 1805­1834 und gewann ihre zeitgemässe gestalt innerhalb der neuen organisationsform der universität in der sie sich kräftig entwickelt hat von marcel h bickel die medizinische fakultät wird oft als sonderfall innerhalb der universität betrachtet ihre geschichte unterscheidet sich deutlich von derjenigen der anderen fakultäten vor 1700 erfolgte medizinischer unterricht in bern entsprechend der standesgliederung der medizinalpersonen auf zwei ebenen wundärzte und landärzte wurden in einer handwerklichen lehrzeit ausgebildet und geprüft die eigentlichen Ärzte dagegen durchliefen die lateinschule und auswärtige universitäten am inselspital lässt sich medizinischer unterricht bis ins 16 jahrhundert zurückverfolgen im 18 jahrhundert vermittelten die Ärzte des inselspitals unter der bezeichnung collegium insulanum oder medizinische fakultät einen unterricht der wohl wenig systematisch war zu besonderer bedeutung war die anatomie als grundlage der medizin gelangt so dass etwa albrecht von haller in den jahren 1734 bis 1736 demonstrationen in einem neuen theatrum anatomicum durchführen konnte derselbe von haller verfasste 1765 ein gutachten zur besseren ausbildung der Ärzte angesichts der im argen liegenden medizinischen versorgung der bevölkerung des kantons bern als dann in den 1790er jahren die studienmöglichkeiten an ausländischen universitäten infolge der revolutionswirren schwierig geworden waren war der wunsch nach einer eigenen medizinischen ausbildung so gross geworden dass zur tat geschritten und 1797 ein medizinisches institut als private ausbildungsstätte gegründet wurde dass gleichzeitig ein politisches institut und eine kunstschule geschaffen wurden weist auf die tatsache dass das lehrangebot der hohen schule nicht mehr genügte vgl kasten «zur vorgeschichte» vom medizinischen institut zur akademie das medizinische institut diente der ausbildung von landärzten und der vorbildung von medizinstudenten für den besuch von universitäten neben theorie im ehemaligen barfüsserkloster gab es am inselspital anatomischen unterricht an der leiche die lehrfächer des medizinischen instituts sind abbild des ersten regulären lehrkörpers und der ersten geordneten medizinischen ausbildung vgl kasten «lehrfächer des medizinischen instituts 1803» es war allerdings ein bescheidener anfang denn um genügend studenten auch aus landgebieten einzubeziehen mussten die eintrittsbedingungen auf einem minimum gehalten werden lesefähigkeit sowie kenntnis der vier arithmetischen grundoperationen und doch bildete diese schule den grundstock der späteren fakultät und schaffte den sprung vom ancien régime in die helvetik und darüber hinaus zur vorgeschichte die 1460 gegründete universität basel war für fast vier jahrhunderte die einzige universität auf schweizerischem gebiet in den städtischen zentren zürich bern lausanne und genf gab es bis zum beginn des 16 jahrhunderts nur lateinschulen die auf die universität vorbereiteten ähnlich wie die späteren gymnasien dies änderte sich mit der reformation zwingli brachte 1523 zürich zur annahme seiner lehre wobei das grossmünsterstift 1525 säkularisiert und in eine hohe schule umgewandelt wurde dem beispiel folgte bern 1528 auch die neu gegründete berner hohe schule diente primär der ausbildung der reformierten pfarrer und der umschulung der katholischen geistlichkeit es handelte sich also um eine theologische hochschule zur bereitstellung der pfarrer für die fast 200 pfarreien und der lehrer für die sieben lateinschulen des kantons sitz der hohen schule war das aufgehobene kloster der barfüsser am ort des heutigen kulturkasinos als 1536 bern die waadt eroberte konnte dort die reformation sichergestellt und schon ein jahr später auch in lausanne eine hohe schule für den neuen frankophonen kantonsteil gegründet werden genf das 1536 ebenfalls dem neuen glauben beigetreten war gründete 1559 seine hohe schule in späteren jahrhunderten begann in bern eine erweiterung des lehrangebots die enge der reinen theologenschule auszuweiten naturwissenschaftliche und andere weltliche fächer begannen sich einzunisten und die jurisprudenz wurde sogar mit einer eigenen professur bedacht so sind 1805 die theologische juristische und philosophische fakultät der akademie aus der hohen schule hervorgegangen nicht jedoch die medizinische diese hat ihre vorbereitungsphase ausserhalb der hohen schule durchlaufen die mediationszeit brachte 1805 das ende der theologisch dominierten hohen schule und die gründung der akademie als nachfolgeinstitution die akademie war nach dem vorbild der in der napoleonischen hochschulreform entstandenen ecoles spéciales gestaltet das heisst fest im griff des staates straff durchorganisiert ein aggregat von spezialschulen sie enthielt neben der theologischen juristischen und philosophischen fakultät auch eine medizinische zweifellos begüns 200 jahre medizinische fakultät unipress 125/2005

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tigt durch die existenz des medizinischen instituts die medizinische fakultät hatte je eine professur für anatomie/physiologie für pathologie/therapie und für chirurgie/geburtshilfe neben diesen drei nunmehr hauptamtlichen professoren gab es dozenten für weitere lehrgegenstände etwa die hälfte der dozenten wurden vom früheren medizinischen institut übernommen die zulassungsbedingungen wurden verschärft und die studiendauer für die rund 50 studenten betrug vier jahre der nicht mehr lateinisch sondern deutsch geführte unterricht erfolgte in form von vorlesungen sowie praktika im anatomischen kabinett in der entbindungsanstalt und in spitälern laboratorien und ärztlichen praxen die akademie überdauerte die mediations und restaurationszeit war aber mit dem politischen umsturz durch die siegreiche liberale bewegung zu beginn der 1830er jahre in auflösung wie 29 jahre zuvor die hohe schule 1834 erfolgte die gründung der universität zwar als nachfolgeinstitution der akademie jedoch auf völlig unterschiedlicher grundlage von der akademie zur universität die reihe der eigenschaften welche die universität von der akademie unterschied lehrfächer des medizinischen instituts 1803 osteologie materia medica arzneimittellehre pharmazie botanik pathologie chirurgie spezielle therapie operationen und verband medizinisches klinikum geburtshülfe naturgeschichte ist eindrücklich die neue hochschule war nunmehr dem muster der erfolgreichen deutschen universitäten nachgebildet im liberalen geist verwurzelt war sie nicht mehr am gängelband von kirche oder staat und besass ein hohes mass an autonomie die ordentlichen und ausserordentlichen professoren waren nicht mehr konservative alt-berner sondern zum grossen teil liberale deutsche zur lehre gesellte sich die forschung als hauptaufgabe beide mit freiheiten ausgestattet die eine gedeihliche entwicklung gestatteten kollegienzwang wurde zur lehr und lernfreiheit im gegensatz zur akademie besass die universität auch das recht zur verleihung des doktorgrades neu für die medizin an der universität war insbesondere das beginnende spezialistentum die entstehung und institutionalisierung von spezialfächern bis in die frühe neuzeit war die medizin eine einheit gewesen an den universitäten vertreten durch je eine professur für theoretische und praktische medizin später auch für anatomie die lokalisierung von krankheiten in einzelnen organen durch morgagni 1682­1771 schaffte die grundlage für die betätigung von organ oder anderen spezialisten sie traten zuerst um 1800 in wien und paris im 19 jahrhundert in allen städten auf die entstehung eines neuen spezialfachs erfolgt typischerweise so dass kliniker oder forscher auf einem neuen spezialgebiet untereinander kommunizieren eine fachgesellschaft und eine fachzeitschrift gründen und als privatdozenten unterricht in ihrer spezialität erteilen kontinuierlich gewordener unterricht führt bei erfolg und notwendigkeit zur schaffung einer professur und eines instituts respektive einer spezialklinik womit das neue spezialfach institutionalisiert ist und in der regel pflicht und prüfungsfach wird lich etiketten zur didaktischen unterteilung des lehrstoffs der medizin erst in der universität entstanden ab 1834 spezialfächer vgl kasten «die ersten medizinischen spezialfächer» innere medizin chirurgie und anatomie/physiologie besassen schon 1834 ordentliche professuren und institute sieben weitere fächer wurden zwar gelehrt haben sich jedoch erst später im jahrhundert als spezialfächer etabliert die medizinische fakultät 1850 bis 2005 bei der gründung der universität zählte die medizinische fakultät acht professoren 43 studenten und sieben institute respektive kliniken auf diesen bescheidenen anfang setzte bald ein kräftiges wachstum ein das diese fakultät zur grössten an der universität werden liess sie nahm auch als erste fakultät der schweiz ausländische und weibliche studierende auf und errichtete die ersten assistentenstellen durch bedeutende forscher und kliniker hat sie sich internationales ansehen erworben und auch viel zum verständnis für die universität im volk beigetragen auch die spezialisierung schritt unaufhaltsam weiter im zeitraum 1850 bis 1950 hat sich im durchschnitt alle sechs jahre ein neues fach mit lehrstuhl und institut verselbständigt diese spezialisierung trug auch dazu bei dass lehre und forschung auf den verschiedenen gebieten der medizin professionell und effizient wurden die erfolge im verständnis der krankheiten in der diagnostik und schliesslich auch in der therapie waren unübersehbar dies und die erfolge der wissenschaftlich gewordenen medizin reflektierten die situation in europa von lokaler bedeutung war der Übergang des inselspitals vom armenspital zur reich gegliederten universitätsklinik und schliesslich wurde das medizinische examenswesen ursprünglich die angelegenheit des kantonalen sanitätsrats vom die im medizinischen institut und in der akademie gelehrten fächer waren nicht institutionalisiert sondern ledig 6 unipress 125/2005 200 jahre medizinische fakultät

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anatomisches institut um 1840 an der hodlerstrasse bund geregelt und durch revisionen der laufenden entwicklung angepasst nach jahrzehnten einer etwas gemächlicheren entwicklung im 20 jahrhundert führten die grossen veränderungen in der medizinischen forschung und organisation nach dem zweiten weltkrieg zu einem anpassungs und erneuerungsprozess ende der 1960er jahre kam es zu einer stellenvermehrung auf allen ebenen und zu einem ausbau von zahlreichen instituten und von kliniken des inselspitals das baulich zu einem wahrzeichen der stadt wurde die arbeitsbedingungen der assistenten und oberassistenten wurden entscheidend verbessert und eine welle von beförderungen und von verselbständigungen vieler neuer fächer und neuer institute brachte bewegung in ein erstarrtes gefüge und schaffte den äusseren rahmen dafür dass in lehre forschung und dienstleistung internationales niveau beibehalten werden konnte alle diese veränderungen vollzogen sich innerhalb weniger jahre um 1970 mitbegünstigt durch die wirtschaftliche hochkonjunktur die zahl der selbständigen spezialfächer und institute respektive kliniken war auf etwa 50 angewachsen und die medizinische fakultät war endgültig zum grossbetrieb geworden auf sozialem gebiet kam es zu neuen organisationsformen der studierenden der medizin des mittelbaus und der dozierenden was wiederum die neuen strukturen der fakultätsleitung mitbeeinflusste in den jahren um 1970 wurde auch eine studienreform durchgeführt die das medizinstudium vereinheitlichte und auf sechs jahre begrenzte lehrveranstaltungen wurden fachübergreifend koordiniert der klinische unterricht erfolgte näher am patienten und praxisorientierter lernziele und fertigkeitskataloge wurden definiert und gesamtschweizerisch identische schriftliche examina eingeführt bereits mitte der 70er jahre setzte jedoch das ende der wirtschaftlichen hochkonjunktur ein und führte während der letzten jahrzehnte zu immer härteren sparmassnahmen und rationalisierungen neues wie etwa die studienreform der 1990er jahre mit dem «problem based learning» konnte im prinzip nur noch durch verzicht auf bestehendes verwirklicht werden und auch rationalisierungen auf landesweiter ebene zeichnen sich ab ein sorgenvoller blick in die zukunft hat den optimismus der frühzeit abgelöst die ersten medizinischen spezialfächer und der beginn eines kontinuierlichen unterrichts an der universität bern anatomie chirurgie dermatologie geburtshilfe/gynäkologie innere medizin medizinische poliklinik ophthalmologie pathologie pharmakologie physiologie staatsmedizin/gerichtsmedizin hygiene psychiatrie pädiatrie biochemie otorhinolaryngologie orthopädie rheumatologie/physikal med 1834 1834 1834 1834 1834 1834 1834 1834 1834 1834 1834 1859 1861 1862 1863 1863 1875 1886 kontakt prof dr marcel h bickel institut für medizingeschichte marcel.bickel@mhi.unibe.ch 200 jahre medizinische fakultät unipress 125/2005

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vom streit um betten zur engen zusammenarbeit das inselspital erhielt mit der gründung der medizinischen fakultät einen zusätzlichen auftrag den es aus eigenen mitteln nicht erfüllen konnte damit ergab sich die notwendigkeit den bereich lehre und forschung der eng mit der krankenbehandlung verbunden ist genauer zu definieren und finanziell abzugelten erklärte sich die insel ausserstande eine zusätzliche klinik zu betreiben erst ein vertrag zwischen staat und insel ermöglichte fünf jahre später die eröffnung der augenklinik und weitere verhandlungen führten schliesslich 1878 dazu dass der staat fortan als «entschädigung für die durch die kliniken verursachten mehrkosten» jährlich 25 000 franken bezahlte das entsprach rund 13 prozent der gesamtausgaben appendix der universität nach dem bau des neuen spital 1884 am heutigen ort ­ vorher befand es sich dort wo inwischen das bundeshaus ost steht ­ genügte die bisherige abgeltung nicht mehr da die drei kliniken nun rund die hälfte der betten beanspruchten kritiker beanstandeten das spital sei zu einer «appendix der universität speziell der medizinischen fakultät verwandelt» worden und nicht mehr ein «stiftungsgemässes krankenhaus für arme» denn die kliniken bekamen immer mehr betten zu lasten des spitals 1888 einigten sich erziehungsdirektion finanzdirektion und insel darauf dass das spital für die kliniken 170 betten zur verfügung stellte die «gesamtverpflegungs und behandlungskosten» sowie den unterhalt der unterrichtsgebäude übernahm und dass der staat dafür jährlich zwei franken je besetztes klinikbett und pflegetag bezahlte aber auch die «aufgabe als kantonsspital für arme kranke» war nicht mehr länger aus eigener kraft zu erfüllen bislang war dies dank dem umfangreichen besitz der inselstiftung möglich gewesen der neubau des inselspitals war aber an die substanz gegangen das gesetz von 1899 sicherte nun auch für die nicht-klinischen abteilungen «für den dritteil der pflegetage» einen beitrag von zwei franken zu um die wende zum 20 jahrhundert waren zu den bisherigen kliniken die dermatologische klinik und die halsnasen-ohren-klinik hinzugekommen 1910 verfügte das inselspital über 393 klinische und 244 nicht-klinische betten noch bis von urs boschung der unterricht am krankenbett ist seit dem 18 jahrhundert ein zentraler bestandteil der ärztlichen ausbildung solange die staatlich besoldeten stadtärzte und chirurgen sich von einzelnen medizinstudenten und chirurgenlehrlingen zu ihren verrichtungen im inselspital begleiten liessen ergaben sich daraus auch keine grösseren schwierigkeiten weder im 18 jahrhundert noch zur zeit des medizinischen instituts vgl «eine kurze geschichte der medizinischen fakultät» seite 5 dies blieb auch nach der schaffung der medizinischen fakultät an der neugegründeten akademie zunächst noch der fall da alle professoren zugleich inselärzte waren erst als prof e e fueter 1833 professor der inneren medizin wurde erachtete man es als sinnvoll der «klinik» zwei eigene krankenzimmer mit 14 betten zuzuweisen denn er war nicht am inselspital selber tätig mit klinik war also nicht etwa der ort gemeint sondern die lehre die art des unterrichts der professor hielt seine vorlesungen inmitten der studierenden und mit geeigneten patienten die der praktischen anschauung dienten auswahl im schausaal die umwandlung der akademie in die hochschule 1834 und die berufung von klinischen professoren aus deutschland verlangten vom inselspital wesentliche organisatorische Änderungen durch regierungsratsbeschluss wurden für den internisten f w vogt und den chirurgen h a demme klinische abteilungen von 29 respektive 26 betten geschaffen und zusätzlich je eine assistenzarztstelle den bisherigen inselärzten blieben drei entsprechend verkleinerte nicht-klinische abteilungen die beiden professoren waren vom staat besoldet und erhielten zusätzlich ein halbes gehalt als inselärzte sie nahmen einsitz im inselkollegium und hatten das vorrecht im «schausaal» unter den eintretenden kranken die für den lehrbetrieb ihrer kliniken geeigneten patienten auszuwählen der schausaal entsprach einem grossen wartesaal bevor die insel eine eigene kapelle hatte diente er auch für gottesdienste und andere veranstaltungen jeweils am montag und am donnerstag fanden sich alle diejenigen dort ein die eine einweisung hatten oder denen ein armutszeugnis ihre bedürftigkeit bescheinigte denn gemäss seiner ursprünglichen zweckbestimmung war die insel ja eine wohltätige stiftung zur heilung armer kranker berner spital gegen klinik 1841 löste der staat seine bisherigen finanziellen verpflichtungen indem er die insel einmalig mit einem entsprechenden kapital dotierte anstatt alljährlich für arztbesoldungen medikamente und anderes mehr beiträge auszurichten aus dem ertrag dieses kapitals und des übrigen stiftungsvermögens sollte fortan der betrieb bestritten werden sobald dem spital zusätzliche aufgaben übertragen wurden sahen die inselbehörden nun das gleichgewicht zwischen einnahmen und ausgaben bedroht als die regierung 1862 eine professur für augenheilkunde einrichtete 200 jahre medizinische fakultät unipress 125/2005

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altes inselspital um 1884 von der kirchenfeldbrücke aus fotografiert rechts im bild das alte bellevue und links das alte casino in die 50er jahre sollte das ständige mehr an klinischen betten jeweils zu lasten der nicht-klinischen betten gehen bis die gesamtzahl schliesslich zunahm an inselnahen einrichtungen bestanden zudem das pathologische institut das medizinischchemische institut das pharmakologische institut und das hygienisch-bakteriologische institut als abgeltung für den mehraufwand wurde 1910 eine jährliche pauschale von 170 000 franken vereinbart die die regierung bei entsprechendem bedürfnisausweis auf 200 000 franken erhöhen konnte zahlreiche einzelheiten wurden geregelt so bau und unterhalt wahlverfahren besoldung und unterkunft der assistenten Öffnungszeiten der laboratorien oder die zuteilung der patienten je klinik hatte der staat «zur verrichtung aller dem unterricht und wissenschaftlichen studien dienenden nebenarbeiten» einen abwart zu stellen dem das spital «freie wohnung und beköstigung» gewährte wenig geld in krisenjahren mit der revision des vertrags 1923 erhöhte sich die pauschale auf 400 000 franken bei nahezu unveränderter bettenzahl zusätzlich sicherte das insel-hilfsgesetz über kopfbeiträge von staat und gemeinden die erforderlichen mittel für den betrieb des spital und speziell des geplanten loryhauses «für chronischkranke» in den krisenjahren 1933­1936 reduzierte der grosse rat diese beiträge die pauschale ging von mittlerweile 420 000 franken schrittweise auf 190 000 franken zurück und die inselangestellten mussten wie das staatspersonal einen lohnabbau hinnehmen 1944 erreichte der betrag wieder die vorherige höhe 1948 wurde er auf 600 000 franken und 1953 auf eine million franken erhöht damit wies das spital eine beinahe ausgeglichene rechnung auf 1958 stimmte das bernische stimmvolk der gesamterneuerung des inselspitals zu der vertrag staat-insel von 1959 brachte eine klare unterscheidung zwischen spitalabteilungen die nicht dem unterricht dienten und den kliniken und instituten für letztere verpflichtete sich der staat zur Übernahme der jährlichen betriebskosten nicht nur die professoren sondern auch sämtliche Ärzte wurden nun durch die universität beziehungsweise den staat angestellt und besoldet der posten «beitrag des staates an die kliniken» in der spitalrechnung stieg von rund drei millionen franken im jahre 1960 auf 14,9 millionen franken im jahr 1970 und nachdem 1975 bettenhochhaus und operationstrakt west bezogen waren auf 48,5 millionen franken engere beziehung einen wichtigen organisatorischen schritt hin zum modernen universitätsspital bedeutete der vertrag von 1984 er beendete die gliederung in klinische und nicht-klinische abteilungen wertete das Ärztekollegium auf und gestaltete das verhältnis spital ­ medizinische fakultät deutlich enger sämtliche durch die universität im klinikbereich bezahlten löhne figurierten von da an in der spitalrechnung die anstellung der Ärzte mit ausnahme der ordentlichen und ausserordentlichen professoren wurde sukzessive durch das inselspital übernommen zugleich erhielt die auf anna seilers gründung von 1354 zurück gehende inselstiftung ihre bestätigung und eine vom spitalbetrieb getrennte rechnung für die abgeltung von lehre und forschung folgte die regierung einem gutachten des betriebswissenschaftlichen instituts der eth und legte fest dass 19,3 prozent der betriebskosten als pauschale durch die erziehungsdirektion beziehungsweise die universität abzugelten sind 1995 betrug dieser anteil 95,5 millionen franken ein betrag der seither trotz steigender betriebskosten beibehalten wurde da das krankenversicherungsgesetz kvg einen gesonderten ausweis der kosten von lehre und forschung im spital verlangt muss die pauschalentschädigung künftig auf eine konkrete leistungserfassung abgestellt werden die ende 2004 unterzeichnete leistungsvereinbarung zwischen universität und inselspital ist gegenwärtig das letzte glied in der langen kette sich stetig enger gestaltenden zusammenarbeit von medizinischer fakultät und inselspital gemeinsam erarbeiten die beiden jetzt detaillierte leistungsaufträge für lehre und forschung in den einzelnen institutionen des inselspitals kontakt prof dr urs boschung institut für medizingeschichte urs.boschung@mhi.unibe.ch 10 unipress 125/2005 200 jahre medizinische fakultät

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die medizinische fakultät zwischen universität und spital forschen auf der einen heilen auf der anderen seite die medizinische fakultät steht in einem ständigen spannungsfeld zwischen unterschiedlichsten ansprüchen sie sieht dies als chance und will die spannungen zwischen grundlagenforschung und anwendung produktiv nutzen berufsausübung qualifiziert mit der universitären masterwürde nach fünf jahren ist das medizinstudium ebenfalls nicht abgeschlossen sondern wird durch ein praktisches jahr und ein eidgenössisches staatsexamen ergänzt die markanten unterschiede zu andern fakultäten sind offensichtlich und vielfältig auch nach dem staatsexamen ist der jungmediziner nicht zur freien berufsausübung qualifiziert sondern es folgen mehrere jahre weiterbildung unter anleitung in denen er das notwendige rüstzeug für die unabhängige berufsausübung mittels einer mischung von praktischer tätigkeit und weiterbildung durch erfahrene Ärzte erwirbt aus universitärer sicht störend ist nicht so sehr dass der von ihr entlassene student immer noch nicht flügge ist sondern dass diese weiterbildung in form der saläre der professoren durch universitäre mittel mitfinanziert wird aber auch für die universitätsspitäler ist die ärztliche weiterbildung ein gemischter segen wäre es doch einfacher den betrieb mit erfahrenen und effizienten wenn auch etwas teureren fachärzten zu betreiben wie dies die lukrativen privatspitäler praktizieren können auch in der forschung steht die fakultät in einem nicht zu übersehenden spannungsfeld zwar betreibt sie grundlagenforschung in der biomedizin die sich kaum von derjenigen der naturwissenschaften unterscheiden lässt allerdings besteht an der medizinischen fakultät die inhärente tendenz die forschung in richtung anwendbares auszurichten also ins «klinische» abzugleiten dies wird aus traditionell-universitärer sicht besonders dann suspekt wenn solche forschung in enger zusammenarbeit und mittels finanzieller unterstützung der pharmazeutischen industrie geschieht das spital andererseits pocht darauf dass vor allem die grundlagenforschung in seinen räumen durch universitäre gelder und eingeworbene drittmittel abgedeckt wird externe oder interne spannungen nach dieser summarischen schilderung der spannungsfelder der medizinischen von martin g täuber schon eine oberflächliche analyse des umfeldes der medizinischen fakultät zeigt auf dass diese zwischen zwei institutionen eingespannt ist die in ihrem wesen kaum unterschiedlicher sein könnten auf der einen seite ist sie teil ihrer alma mater die als ihre vornehmsten aufgaben die lehre und forschung pflegt man assoziiert mit der universität attribute wie akademische freiheit wissenschaftliche neugier musse vorlesungen prüfungen bücher und labors den andern pol stellen die tertiärmedizinischen spitäler insel und universitäre psychiatrische dienste upd dar dazu kommen einem stichworte wie pflege operation leiden geburt und tod technologie zuwendung akuter notfall komplexe routine und kostenexplosion in den sinn die medizinische fakultät befindet sich zwischen diesen beiden polen in einer exponierten position auf der einen seite ist sie dank ihrer tragenden rolle in den universitätsspitälern in den alltag des gesundheitswesens und der gesundheitspolitik eingebunden die zurzeit eine besonders unruhige phase durchmachen die gegenwärtigen diskussionen kreisen zumindest aus politischer sicht durch die ansteigenden kosten des gesundheitswesens geprägt um fragen der kostendämpfung konzentration der spitzenmedizin zusammenarbeit zwischen universitär-medizinischen zentren und um die zukunft der medizin im allgemeinen selbstverständlich muss sich die medizinische fakultät hier aktiv einbringen will sie verhindern dass entscheidungen ohne das nötige sachwissen nur durch politische Überlegungen geleitet werden von universitärer seite wird die fakultät bei der erfüllung ihrer aufgaben in lehre und forschung in die pflicht genommen und dies durchaus mit einem gewissen nachdruck geht doch ein beträchtlicher anteil der universitären finanzen zirka 40 prozent an die medizin was bei alleiniger betrachtung der anzahl medizinstudierender hoch scheint kostentransparenz ist also gefragt dementsprechend wird neuerdings die durch die fakultät am inselspital mit universitären mitteln erbrachte lehre und forschung durch eine leistungsvereinbarung geregelt zur kostentransparenz ist es dennoch ein langer weg bei dem die fakultät eine zentrale rolle spielen muss spannungsfelder bei der ausbildung der studierenden unterscheidet sich die medizin von den andern fakultäten durch einen über einen numerus clausus beschränkten zugang und durch ein dadurch gesichertes günstiges verhältnis zwischen lehrern und studierenden die unterrichteten inhalte reichen von theoretischen grundlagen bis zu praktischen «skills» wie untersuchungstechniken wobei das gesamte studium stark auf das berufsziel des arztes ausgerichtet ist es kombiniert damit reine wissensinhalte mit für den arzt wichtigen fertigkeiten und mit fähigkeiten wie kommunikation und psychosozialem verständnis welche durch entsprechende unterrichtsformen gefördert werden das studium lässt vergleichsweise wenig raum für die universitären ideale der akademischen freiheit und neugierde oder gar der musse bei der einführung des bologna konzeptes wird die medizin eingeengt durch ihre ausbildungsziele nach den ersten drei jahren nicht einen bachelor anbieten können der zu einer 200 jahre medizinische fakultät unipress 125/2005 11

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altes inselspital um 1880 rechts im bild vorne links ist der westflügel des bundeshauses und gleich anschliessend das alte casino zu sehen fakultät kann man sich fragen wie diese in diesem umfeld überleben oder gar gedeihen soll eine versuchsweise antwort auf diese frage führt über eine etwas genauere betrachtung der skizzierten spannungen es wird dem aufmerksamen leser kaum entgangen sein dass die geschilderten spannungen nur zum teil externer natur sind sondern vielmehr teil der medizinischen fakultät selbst darstellen innerhalb der fakultät finden sich vertreter der grundlagenfächer die ungenügendes grundlagewissen beklagen und der klinisch angewandten forschung mit einem gewissen misstrauen begegnen es finden sich kliniker die im alltag den spagat zwischen arzt und manager zu meistern versuchen und ihr schwindendes engagement in der forschung mit schlechtem gewissen zur kenntnis nehmen müssen in ihren reihen sind die exponenten der klinischen forschung die sich oft nahe an den einflusskreis der pharmaindustrie wagen und so ihre akademische unabhängigkeit aufs spiel zu setzen scheinen kaum einer von uns kann sich diesen spannungen in seinem alltag völlig entziehen gleichzeitig sind die mitglieder der medizinischen fakultät aber verbunden durch ein tägliches tiefes und inspirierendes interesse am verständnis von gesundheit und krankheit respektive am erhalten der ersteren und am heilen der zweiten gerade wegen dieses gemeinsamen nenners stellen die identifizierten spannungsfelder meines erachtens nicht in erster linie eine gefahr sondern eine chance dar immerhin entsteht elektrischer strom nur dank spannung und kaum ein bedeutendes kunstwerk ist je von einem restlos glücklichen satt gegessenen und sorglosen menschen geschaffen worden lösungsansätze wie könnte eine produktive umsetzung der spannungen aussehen relativ einfach ist die antwort in der fakultären forschung das stichwort heisst «translationelle» forschung das heisst forschung welche bewusst auf eine gegenseitige befruchtung zwischen der grundlagenforschung und der klinischen forschung abzielt die fakultät bietet ein forum in dem die klinische praxis fragestellungen in der grundlagenforschung prägen kann während die im labor erarbeiteten resultate in der klinischen forschung weiter entwickelt werden mit dem ziel die behandlung der patienten zu verbessern die medizinische fakultät ist in der einzigartigen lage diese zusammenarbeit zwischen klinikern und grundlagenforschern zu ermöglichen und zu fördern in vielen bereichen wird in bern solche translationelle forschung bereits betrieben und die fakultät hat sich in ihrem kürzlich verabschiedeten forschungsprofil klar zur zentralen bedeutung der translationellen forschung bekannt auch in der lehre bieten spannungen durchaus chancen die bolognareformen erlauben eine flexibilisierung des studiums in zukunft ist es denkbar die studierenden frühzeitig zu einer individuelleren planung ihres studiums anzuhalten indem sie sich bewusst mit einigen prototypischen studienzielen zum beispiel grundversorger medizinischer forscher spezialarzt «public health» experte auseinander setzen durch ein an solche berufsziele angepasstes curriculum liessen sich die chancen der erhöhten flexibilität im studium besser nutzen und die studierenden gezielter und vertiefter auf ihr späteres berufsleben vorbereiten auch ist es in zukunft wahrscheinlich angezeigt dass sich medizinische fakultäten neben der ausbildung von Ärztinnen und Ärzten auch aktiv an der entwicklung von neuen berufsbildern im medizinalbereich beteiligen solche bestrebungen sind an unserer fakultät im rahmen der entwicklung von neuen masters-programmen zum beispiel im bereiche biomedizin bereits im gang kontakt prof dr med martin täuber dekanat der medizinischen fakultät der universität bern martin.taeuber@ifik.unibe.ch 12 unipress 125/2005 200 jahre medizinische fakultät

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problemorientiert zu ärztlichem wissen können und verhalten das medizinstudium an der universität bern setzt auf problemorientierten unterricht in gruppen und auf selbständiges lernen das «berner curriculum» ist ein strukturierter studiengang der inhaltlich reformen vorwegnimmt wie sie bald für die ganze schweiz gelten hörsaal anatomisches institut um 1910 von vinzenz im hof die ausbildung der studierenden in human und zahnmedizin geschieht zwar nach eidgenössischen richtlinien steht aber in der verantwortung der kantonalen universitäten in der obhut der medizinischen fakultäten liegen die organisation strukturierung und kontinuierliche verbesserung der studiengänge wobei sich die inhaltlichen veränderungen den fortschritten der wissenschaft aber auch den wechselnden gegebenheiten des gesundheitswesens und letztendlich der gesellschaft anpassen müssen das studium der fachrichtung humanmedizin ist eidgenössisch geregelt klar strukturiert und dauert sechs jahre das eidgenössische staatsexamen oder besser «bundesexamen» das nach zwölf semestern abgelegt wird ist voraussetzung für die anschliessende von der Ärztegesellschaft fmh geregelte obligatorische weiterbildung an spitälern und in arztpraxen die mit einem facharztexamen abgeschlossen wird erst jetzt können die Ärztinnen und Ärzte selbständig und in eigener verantwortung kranke menschen betreuen es folgt die berufsbegleitende fortbildung die heute von den medizinischen fachgesellschaften vorgeschrieben und überprüft wird das studium der fachrichtung zahnmedizin dauert insgesamt fünf jahre die ersten zwei jahre werden gemeinsam mit den studierenden der humanmedizin absolviert anschliessend folgt eine stark praxisorientierte dreijährige ausbildungsphase an den zahnmedizinischen kliniken der universität nach dem staatsexamen dürfen die zahnärztinnen und zahnärzte die eigenverantwortliche berufsausübung aufnehmen wobei immer häufiger noch eine im gegensatz zur humanmedizin nicht obligatorische ein bis zweijährige berufliche weiterbildung angeschlossen wird spezialisierungen dauern deutlich länger an den drei deutschsprachigen universitäten basel bern und zürich bestehen zulassungsbeschränkungen für die fachrichtungen human und zahnmedizin die universität bern stellt zur zeit 125 studienplätze für humanmedizin und 35 für zahnmedizin zur verfügung eignung zum medizinstudium die nachfrage unter den maturandinnen und maturanden ist gesamtschweizerisch nach wie vor hoch und weiter ansteigend für das studienjahr 2005/2006 lagen zum beispiel in bern 396 voranmeldungen für humanmedizin und 56 für zahnmedizin vor in den nächsten fünf bis sieben jahren muss weiterhin mit einem missverhältnis von nachfrage und angebot gerechnet werden die kandidatinnen und kandidaten werden zur selektion einer eidgenössisch geregelten eignungsprüfung unterzogen der test klärt die eignung für das medizinstudium und nicht die spätere berufseignung als arzt oder Ärztin an der medizinischen fakultät waren im letzten jahr 1561 studierende immatrikuliert der frauenanteil belief sich auf über 53 prozent das studium wurde in den letzten jahren in bern inhaltlich und strukturell grundlegend überarbeitet und insbesondere den modernen erkenntnissen der erwachsenenbildung angepasst unterrichtet wird heute vor allem in gruppen von acht bis zehn personen mit dem ziel den studierenden ein solides fachwissen und soziale kompetenz zu vermitteln gefördert werden auch die wissenschaftliche neugier und das kritische denken und hinterfragen dazu kommen die schulung des praktischen könnens und der eigenverantwortlichen informationssuche wichtig ist zudem die einführung in die ärztliche ethik und kultur das studium setzt demnach auf wissen können und verhalten die studierenden durchlaufen sechs intensive klar strukturierte jahre mit vergleichsweise vielen examina und wenig raum für tätigkeiten ausserhalb des studiums problemorientierter unterricht das medizinstudium in bern das sogenannte berner curriculum unterteilt sich in zwei abschnitte das grundstudium und das fachstudium das grundstudium vermittelt vor allem kenntnisse über den bau und die funktion des menschlichen körpers und der organe im dritten studienjahr werden bereits klinische fertigkeiten wie das erfassen der bisherige krankengeschichte und der aktuelle probleme der patienten anamnese sowie die körperliche untersuchung status gelernt 200 jahre medizinische fakultät unipress 125/2005 1

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