Festschrift Besamungsverein Nordschwaben e.V. - 50 Jahre

 

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Festschrift zum 50jährigen Bestehen des Besamungsverein Nordschwaben

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besamungsverein nordschwaben e.v besamungsstation hÖchstÄdt 1953 2003

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vorwort des vorsitzenden helmut schürer an einem wahrhaft historischen ort kann der besamungsverein nordschwaben e.v mit freuden sein 50-jähriges jubiläum begehen wenige hundert meter von der station entfernt hat das schloß höchstädt in der heutigen bauform 400 jahre allen wechselvollen Übergriffen trutzen können und wurde jüngst aufwändig restauriert ein halbes jahrhundert organisierte rinderbesamungszucht auch in nordschwaben ist ein meilenstein auf dem bisher zurückgelegten weg in richtung auf verbesserung des viehs im kreise vieler personen die sich um die rinderzucht in nordschwaben besondere verdienste erworben haben ist es ausdruck von dankbarkeit und glück für dieses ereignis einen moment innehalten zu können weitsicht klugheit und zuversicht haben einst die männer der ersten stunde in donauwörth bestärkt sich bei der gründung der besamungsstation in höchstädt auf ein seinerzeit umstrittenes wagnis einzulassen geboren aus der not zur linderung von armut der menschen und der gefahr für das vieh 1 welche segensreiche entwicklung bevorstand war zunächst nicht zu ahnen erst nach zurückdrängen der wertzehrenden seuchen zeigte sich die chance auf beachtlichen zuchtfortschritt durch die bis heute anhaltende vorwärtsstrategie der zuchtselektion weniger vatertiere und deren vervielfachter einsatz daraus resultiert noch immer und weiterhin höchster nutzen und konkurrenzfähigkeit für die mitgliedsbetriebe die besamungsstation höchstädt ist mit ihrer ständigen personellen vor-ort-präsens ein wertstiftender partner der milcherzeuger in nordschwaben nicht zuletzt durch ein facettenreiches dienstleistungsangebot über die instrumentelle besamung hinaus Überregional und international ist die stärke aus kooperativer nachbarschaft die aussicht an globalen entwicklungen der rinderzucht beteiligt zu werden dank entbieten vorstandschaft und ausschuß des besamungsvereins den mitgliedern für treue zusammenhalt und stärkung ihrer station in höchstädt neben diesen haben die besamungstierärzte und die partnerschaftlich benachbarten stationen sowie die mitarbeiter viel zu der aufwärtsentwicklung beigetragen ich wünsche der besamungsstation höchstädt auch künftig für die umsetzung der zuchtziele viel erfolg den mitarbeitern freude an der erfüllung der aufgaben im alltag und eine stets vertrauensvolle zusammenarbeit mit den mitgliedern des besamungsvereins.

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insbesondere um weitere leistungsstarke spezialisierte und überbetriebliche produktionsunterstützung zu bieten vorwort des stationsleiters ddr r lömker langjährig tiefgreifender strukturwandel in der rinderhaltung macht eine fortwährende anpassung und nachsteuerung in kurzen zeitabständen auch für den optimalen betrieblichen aufwand einer selbsthilfeorganisation notwendig nur so kann sie in befriedigender weise die anforderung nach kostengünstiger unterstützung für die einzelbetrieblichen ziele der in der instrumentellen besamung zusammengeschlossenen mitglieder erfüllen die instrumentelle besamung und mit ihr die leistungen der besamungsstation höchstädt können für sich in anspruch nehmen den nordschwäbischen mitgliedsbetrieben wesentlich mehr ökonomischen nutzen zu stiften als kosten dafür verursacht werden solange dies verhältnis erhalten bleibt ist die sorge um die zukunftsfähigkeit nicht besonders gut begründet die geschichte der station zeigt daß die altvorderen mit ihrem mut und ihrem augenmaß der jeweiligen zeit die aussichtsreichen chancen abgerungen haben an die ansprüche der mitgliedsbetriebe erfolgte und erfolgt weiterhin eine laufende anpassung und neuausrichtung der arbeit der besamungsstation 2 durch die länderübergreifende zentralisierung der rinderzucht in globalisierten rinderpopulationen kommt der fähigkeit und dem willen zu kooperationen für eine regional verwurzelte besamungsorganisation ein angebotssteigerndes moment zu ganz ausdrücklich möchte ich mich für die gutgehenden und arbeitsteiligen partnerschaften zwischen mehreren benachbarten und ausländischen besamungsstationen und ihren verantwortlichen bedanken allen mitgliedern die mit selbstloser zuarbeit das zuchtprogramm und den einsatz der prüfbullen langjährig unterstützen gebührt ausgesprochener dank für die dargebrachte grundlage der erfolgreichen arbeit von besamungstierärzten stationstechnikern und stationsmitarbeitern zuhelfende mitglieder und funktionierendes gemeinschaftswesen im besamungsverein nordschwaben sind uns immer neuer ansporn nach vorn zu arbeiten und für die mitglieder besser zu werden mögen in weiteren jahren erfolg und anerkennung die arbeit der besamungsstation begleiten um in wechselvollen zeiten die richtigen dinge richtig zu tun!

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die geschichte der besamungsstation höchstädt zwei weitblickende männer an der spitze des zuchtverbandes für das schwäbische fleckvieh haben in der nachkriegszeit weitreichende entscheidungen vorbereitet der damals schon 76-jährige landesökonomierat anton munding aus krumbach war der vorsitzende des zuchtverbandes seit 1919 sein stellvertreter gutsdirektor gustav hahl aus schwaighof war von der neugegründeten arbeitsgemeinschaft deutscher tierzüchter gerade zu ihrem präsidenten gewählt worden beide haben in der ausschußsitzung des zuchtverbandes am 26.04.1952 die gründung einer besamungsstation vorgeschlagen ihnen war zu eigen daß sie durch tierzüchterische passion und hohen praxisbezug die besamung erkannten als ein wirksames hilfsmittel zur bekämpfung der seinerzeit grassierenden trichomonadenseuche diese verursachte als deckinfektionsseuche mit der folge frühen verkalbens hohe produktionsverluste im faselbaren rinderbestand und verbreitete sich durch die lokale gemeinschaftshaltung von deckbullen auch war die chance klar mit nur noch wenigen aber den besten vatertieren die selektionsschärfe in der zucht enorm zu steigern und damit auch von dieser seite starken einfluß auf die wirtschaftlichkeit der milchproduktion nehmen zu können 3 die hohe Überzeugungskunst der wegbereitenden männer im verbandsausschuß wird auch dadurch so bemerkenswert als daß dem verband durch den entstehenden verminderten jungbullenverkauf absehbar einnahmeverluste entstehen mußten nach eingehender debatte beschloß der ausschuß die einrichtung einer station und beauftragte vorsitzende und geschäftsführer mit den vorbereitungen dieser beschluß konnte als sensationell gelten hatte doch damit ein zuchtverband die instrumentelle samenübertragung erstmals gegen alle widerstände voll anerkannt die gründungsversammlung des besamungsvereins nordenschwaben im gasthof rose in donauwörth fand auf einladung des zuchtverbandes am

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24.10.1952 statt 22 gründungsmitglieder unterzeichneten für ihre mitgliedschaft zum 01.10.1952 war schon ein bullenwärter angestellt worden zum 01.11.1952 wurden ein stationsverwalter und zum 15.11.1952 ein tierarzt angestellt da in donauwörth kein geeignetes anwesen zu finden war bot sich für den zweck des stationsbetriebes ein in höchstädt an der donau auslaufender betrieb an vom landwirt karl schickinger konnte der vorsitzende anton munding für den betrag von 45.000 dm eine nach drei seiten offene hofstelle mit 21 tagwerk fläche erwerben der milchwirtschaftliche verein allgäu gab aus ebensolcher motivation 20.000,­ dm und noch einmal ein darlehen in gleicher höhe im sommer 1952 wurde umgebaut ein stall für 5 bullen und ein weiterer für 10 bullen im ehemaligen wohnhaus wurden labor samenabnahmeraum sowie büro und versandräume eingerichtet für betriebspersonal wurden ebenso 2 wohnungen geschaffen hof schickinger obwohl der zuchtverband seine mittel für den ausbau von auktionseinrichtungen auch gebraucht hätte widmete er 60.000,­ dm für ankauf und ausbau der besamungsstation um vom landwirtschaftsministerium wurden für den ausbau 10.000,­ dm und im folgejahr für den bullenankauf noch einmal 10.000,­ dm förderung gewährt auch der bauernverband gab zum zwecke der entwicklung der gesamtlandwirtschaft eine summe von 10.000,­ dm bestätigung der satzung 4

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bis heute ist eine besonderheit in nordschwaben daß der vorsitz des besamungsvereins und des zuchtverbandes in personalunion geführt wird obwohl die satzung des vereins mehrmals den gewandelten züchterischen und wirtschaftlichen bedingungen angepaßt wurde hat sie doch die enge verknüpfung der rinderzucht durch besamung und herdbuch bislang nicht aufgegeben am 01.01.1953 wurde mit dem praktischen besamungsbetrieb begonnen nachdem mit interessierten tierärzten verträge geschlossen und mit benachbarten besamungsstationen Übernahmevereinbarungen getroffen worden waren die im grenzgebiet vorweg schon an einzelne tierärzte samen geliefert hatten das besamungsgebiet das vereinsgebiet des besamungsvereins nordschwaben e.v und das besamungsgebiet der besamungsstation höchstädt umfaßt die früheren tierzuchtamtsbereiche donauwörth und günzburg später seit 1973 zusammengefaßt im tierzuchtamt wertingen es sind dies die landkreise augsburg dillingen a d donau donau-ries aichach-friedberg günzburg neu-ulm neuburg-schrobenhausen einzelne betriebe in den landkreisen weilheim landsberg am lech und ansbach besamungskörung zur abstufung der einsatzzahlen von bullen 5

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chronik des stationsausbaus 1955 der 10-er stall wird nach norden mit einer doppelten standplatzreihe und dazwischenliegendem futtergang um 14 plätze erweitert in der nähe des stalles wird ein überdachter bullenauslauf eingerichtet 1957 durch aufstockung des bürogebäudes werden zwei wohnungen geschaffen dadurch werden im parterre büroräume frei Über dem stall wird eine heubelüftung eingebaut 1958 nach westen wird das bürogebäude durch einen neuen samenabnahmeraum in form eines flachbaus mit ca 80 m2 verlängert dadurch kann das labor erweitert werden rechtwinklig nordwärts zum flachbau werden 4 garagen erbaut bullenauslauf alter sprungraum 1959 für die wasserversorgung der station wird auf dem nördlich der ensbachstraße gelegenen feld ein neuer brunnen gebohrt 1960 neben dem stall im bereich der tenne werden zwei grünfuttersilos á 40 m3 errichtet 1961 der samenabnahmeraum wird nach westen auf 100 m2 vergrößert und modernisiert 1962 der stall erfährt über die tenne hinaus nach norden eine erweiterung um 30 plätze 6

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eine maschinenhalle mit 261 m2 grundfläche und eine werkstatt wird in verlängerung der garagen angebaut Über der halle wird durch eine vorgezogene decke ein strohlager gebaut mit 352 m2 grundfläche hinter der maschinenhalle wird ein dieseltank mit 26.000 liter fassungsvermögen aufgestellt in verlängerung des stalles kann die station das anwesen heppner erwerben und damit das betriebsgelände abrunden 1968 der alte stall mit 24 plätzen erhält eine schubstangenentmistung und eine neue dunglege 1969 nach erwerb des betriebsgeländes vom zuchtverband kann der besamungsverein einen neuen produktionstrakt erstellen der für das produktionsverfahren tiefgefrierlagerung notwendig wird außerdem wird ein verwaltungsgebäude neu gebaut dies umfaßt sozialräume für besamungstechniker und stationspersonal ein materiallager sowie die heizzentrale im untergeschoß im ersten stock finden sich sekretariat buchhaltung scheinverarbeitung sowie das büro für vorsitzenden und stationsleiter im zweiten stock befinden sich tagungsräume für den ausschuß sowie für mitarbeiterbesprechungen auch liegt dort die wohnung des stationsleiters für den ständige präsenz auf dem stationsgelände vorgesehen ist ein geräumiger sprungraum für die samenabnahme großzügige laborräume und ein geräumiges samenlager werden nach süden hin ausgebaut die mit einer flachdachver7 luftbild aus dem jahre 1962 er ist angelegt mit mittigem futtertisch schubstangenentmistung sowie neuer mistlagerstätte mit jauchegrube in der tenne wird ein hafersilo mit schrot und mischanlage eingebaut drei weitere grünfuttersilos á 50 m3 werden in der nähe des stalles errichtet 1964 der garagentrakt wird verlängert und ein behandlungsstand für bullen und eine tierwaage werden eingebaut 1965 in nächster nähe zur station wird ein 4-familienhaus für mitarbeiter der station fertiggestellt drei weitere betonsilos á 77 m3 ergänzen die bisherigen silos 1967 ein zweites 4-familienhaus für mitarbeiter und deren familien wird neben dem stationsgelände errichtet.

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dem stall sind 496 m2 heulager mit einer belüftungsanlage angelegt das zum produktionstrakt liegende dach des neubaus ist vorgezogen auf dem areal zwischen stall und produktionsgebäude finden in den folgenden jahren regelmäßig zum himmelfahrtstag bullenparaden statt bis im jahr 1988 wegen des ansteckungsrisikos eine veterinärbehördliche einstellung verfügt wird 1982 eine bergehalle mit brückenkran und ein stall für 52 bullen in anbindehaltung werden ergänzt dieser wird von der nach osten erweiterten bergehalle für heu und stroh in richtung norden geführt er erhält eine schubstangenentmistung nebenan entstehen ein sozialraum für die bullenpfleger sowie ein stationärer behandlungsstand für bullen labor bindung an das verwaltungsgebäude angrenzen für die samenauslieferung ist ein gesonderter raum angeschlossen der über eine innenliegende rampe ein witterungsunabhängiges beladen der transportcontainer in auslieferungsfahrzeuge möglich macht 1975 da wartebullen auch nicht mehr nur teilweise auf mitgliedsbetrieben untergebracht werden können muß mehr haltungskapazität auf der station entstehen ein neuer stall wird südlich des produktionstraktes in ost-west-ausrichtung zur aufstellung gebracht er umfaßt 36 standplätze die zweireihig mit mittigem futtertisch angeordnet sind nach westen schließt sich eine bergehalle mit 357 m2 grundfläche an in der 6 holzsilos und ein 6-zellen-getreidesilo platz finden ein brückenkran mit hydraulikgreifer läuft über den ganzen trakt Über 8 abfüllmaschine

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2001 der rückbau der betonsilos neben dem alten stall wird vorgenommen da sie nicht mehr sinnvoll zu nutzen sind 2002 an dem arbeitnehmerwohnhaus auf dem stationsgelände werden umfangreiche renovierungsarbeiten unter einschluß einer dacherneuerung vorgenommen auch die fremdvermieteten arbeitnehmerwohnhäuser der station werden renoviert 2003 der ausschuß des besamungsvereins hat den beschluß über den neubau eines wartebullenstalles mit gruppenhaltung für etwa 120 bullen gefaßt dieser stall wird auf stationseigener fläche die bestehenden gebäude in richtung westen ergänzen sollen er wird unter dem gesichtspunkt der artgerechten tierhaltung für die bullen besonders komfortabel ausgelegt bullenstall 5 1983 drei holzsilos für maissilage werden nach süden hinter den altbullenstall gestellt deren fassungsvermögen beträgt 822 m3 1996 die bullenbewirtschaftung wird mehr und mehr von der langzeitlagerung mit tiefgefrier-samendepots und abgang der bullen vor der töchterbewertung in richtung auf die lebenderhaltung bis zum möglichen wiedereinsatz umgestellt dies erfordert eine deutlich aufgestockte anzahl von haltungsplatzen der erste stall der zwischenzeitlich nicht mehr durchgängig belegt worden war wird reaktiviert und für die belegung mit jungbullen ausgebaut die entmistung und futtervorlage erfolgen mit einem hoftrak die durchgehende haltung der bullen über die mindestens 4-jährige wartezeit ist über die jahre relativ kostengünstiger geworden als die samenlangzeitlagerung die zahl der auf der station gehaltenen bullen beträgt 150 9 arbeitnehmer-wohnhaus auf der station

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entwicklung der besamung nach zahl der erstbesamungen 250.000 200.000 150.000 100.000 50.000 0 1953 70 60 50 40 30 20 10 0 -10 -20 1954 1963 1973 1983 1993 2001 1963 1973 1983 1993 2003 veränderungen in zum vorjahr verteilung der besamungen nach rassen braunvieh holstein 2 andere 4 2 fleckvieh 92 verteilung der besamungen nach besamer eigenbestandsbesamer 8 techniker 30 tierärzte 62 10

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die besamungsstation heute nach dem ankauf und ersten ausbau der stationsgebäude die noch an den besamungsverein verpachtet waren wurden weitere bauaktivitäten nach dem erbbaurecht vorgenommen damals noch mit der notwendigen zustimmung durch den zuchtverband im januar 1969 wurde der grund mit den gebäuden gegen etwa gleichgroßes ackerland des vereins unter wertmäßiger ablösung der altgebäude mit dem zuchtverband getauscht damit wurde der besamungsverein 1969 eigentümer seines betriebsgeländes und von da an frei in allen bauentscheidungen luftbild des betriebsgeländes 11

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stationsbetrieb die üblicherweise an den bullenmärkten ersteigerten jungbullen durchlaufen eine ca 5-wöchige quarantäne im betrieb konle wolpertstetten in der sie mehrfach auf übertragbare krankheiten untersucht werden in die station aufgenommen wird zügig mit der samengewinnung begonnen eine beurteilung des geschlechtstriebes der libido geht vorweg bis die ersten ejakulate auf ihre qualität hin untersucht werden werden ausnahmsweise die gestellten mindestanforderungen mehrmals nicht erreicht muß ein jungbulle angesagt werden d.h eine unabhängige beurteilung durch den tiergesundheitsdienst entscheidet darüber ob der gewährschaftsfall eingetreten ist und damit der kauf gewandelt wird viele bullen akzeptieren für die samengewinnung ein phantom also ein rinderähnliches gestell auf das sie aufspringen und die künstliche scheide an nehmen andere müssen am sprungpartner vorbereitet und dort zur samenentnahme gebracht werden nach frischsamenverteilung bei ca 5 °c in den anfangsjahren hat sich in höchstädt auch ab 1974 der tiefgefriersamen in flüssigem stickstoff durchgesetzt räumliche und zeitliche unabhängigkeit beim sameneinsatz sind die unanfechtbaren vorteile dieses verfahrens dem jedoch eine relativ aufwändige gefrier und verteilungslogistik gegenübersteht als samenverdünner wird bis heute ein eidotter-tris-verdünner verwendet der die vitalität und die lebensdauer über den natürlicherweise gegebenen zeitumfang hinaus steigert die konzentration an vorwärtsbeweglichen spermien wird für jede portion in enge grenzen gebracht sie beträgt mindestens 15 millionen spermien je dosis eine vollautomatische abfüllmaschine sorgt mit integrierter bedruckung des bullennamens seiner herdbuchnummer des sprungdatums und der eu-nummer der samengewinnenden station für standardisierte samenportionen nach der portionierung werden die pailletten bei kühlschranktemperatur 6 8 stunden langsam abgekühlt bevor die tiefgefrierung auf ­196 °c eingeleitet wird die samengewinnung erfolgte in früheren jahren an vier heute an zwei sprungtagen in der woche der eingefrorene spermavorrat ist im vergleich zu vormaliger zeit wo 30.000 dosen sperma eines bullen eine orientierungszahl war heute auf wenige tausend reduziert die bullen verbleiben dafür über die gut vierjährige wartezeit bis zur töchterbewertung in den stallungen und werden danach bei erreichter züchterischer güte für den zweiteinsatz zur spermagewinnung reaktiviert 12

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zuchtentwicklung von den einst sehr fleischbetonten bullen hat sich der zweinutzungstyp des fleckviehs in heutiger zeit auf beachtliche milchleistungen auszüchten lassen die bewertung eines bullen anhand seiner nachkommenschaft sowohl seiner töchter als auch seiner söhne geschieht anhand von annähernd 20 einzelmerkmalen die merkmale sind mehr oder weniger genau zu erfassen und bilden die grundlage für die schätzung von zuchtwerten also versuchte vorhersagen über zu erwartende nachkommenseigenschaften bei anpaarung an durchschnittstiere die einst üblichen besamungskörungen finden heute nicht mehr statt die erteilung der besamungserlaubnis für bullen liegt aber bis heute in händen der staatlichen tierzuchtverwaltung die sich auf dem sehr umfassenden datenbestand der zuchtwertschätzung stützt und zusätzlich eine marktoder hofkörung vorschaltet einige bullen neueren typs oder sehr aktuelle die besonders in der milchleistungsvererbung sehr stark sind seien beispielhaft abgebildet horst hochrep madera sponsor 13

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Öffentlichkeitsarbeit in den jahren bis 1988 hatten die mitglieder und interessierte landwirte regelmäßig gelegenheit sich die vatertiere nach eigener anschauung für die anpaarung auszuwählen bevorzugt während der jährlichen bullenparade am himmelfahrtstag aus gründen der seuchenvorbeuge ist zutritt zu den bullen für betriebsfremde personen nicht mehr erlaubt Über die jahre wurde die zuchtauswahl der bullen durch fortentwickelte zuchtwertschätzverfahren abgelöst das eigenexterieur eines bullen ist danach von nachrangiger bedeutung für seine zuchtauswahl da der zuchtwert sich wesentlich über seine töchter definiert aus diesen gründen hat sich die informationsweitergabe von der station an die züchter von bullenvorführung und kommentierung hin zu datenweitergabe und abbildung von bullen mittels katalog verschoben während ehedem bullen auch zu verschiedensten anlässen gezeigt werden konnten hat sich die handhabung heute ausschließlich auf die station zurückgezogen auch die bereitstellung von wartebullen zum deckeinsatz in mitgliedsbetrieben ist zur seuchenvorbeuge kaum mehr vorstellbar bullendaten der zentralen zuchtwertprüfstelle in münchen wurden regelmäßig nach aktualisierung mittels abbildungen und zahlentabellen über die besamungsbeauftragten in die mitgliedsbetriebe gegeben 14

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