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24 t ein projekt von margarete helminger textzusammenstellung fotos margarete helminger
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mit einem leisen »klack klack klack« rollte die blaue kugel die treppe hinunter ihm vor die füße »keine gute zeit für engel nicht wahr?« sagte er lächelte mich an und flog weg gretl helminger t1
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wer wenn ich schriee hörte mich denn aus der engel ordnungen und gesetzt selbst es nähme einer mich plötzlich ans herz ich verginge von seinem stärkeren dasein denn das schöne ist nichts als des schrecklichen anfang den wir noch grade ertragen und wir bewundern es so weil es gelassen verschmäht uns zu zerstören ein jeder engel ist schrecklich rainer maria rilke t2
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dem geschlecht nicht unterworfen ein manifest auszug in unseren ersten arbeiten widmeten wir uns der selbstdarstellung und dem weiblichen als »ganzem« dem was weder »ein fragment noch ein mangel noch eine unvollständigkeit« ist in unserem manifest fÜr eine radikale weiblichkeit fÜr ein anderes kino 1977 haben wir die »radikale weiblichkeit« als eine doppelte gleichzeitig männliche und weibliche triebfeder als ein »gleichgewicht zwischen dem körperlichen und dem geistigen subjektiven geschlecht« bezeichnet wir führten also die idee des zwitterwesens als bestandteil des »weiblichen« ein seit 1982 versuchen wir das fundament der »statischen geschlechterordnung« zu erschüttern indem wir gestalten schaffen deren geschlecht komplex und instabil ist synthetische hermaphroditen umkehrbare travestiten vermittelnde engel diese gestalten tauchen in der mythologie auf sind gegenstand von utopien oder fleisch geworden diese personen sind »personae« leinwände für projektionen oder ausdehnungen des ich geronnene visionen formen des verlangens verkörpert der hermaphrodit den antiken mythos der in einem körper vereinten sexuellen dualität kehrt der/die transvestitin das geschlecht um indem er/sie es zum gegenpol verschiebt stellt der/die intersexuelle die beschaffenheit der pole die der sexuellen dualität zugrunde liegen an sich in frage bei unseren Überlegungen rund um das geschlecht stießen wir nach und nach zur intersexuellen gestalt vor zum »engel« denn er verkörpert die radikalste position keine synthese keine umkehrung sondern ein unfaßbares zwischen-den-beiden wahrscheinlich ist er ein »wedernoch« um eine formulierung aus dem zenbuddhismus aufzugreifen denn das hinauswachsen über die dichotomie männlich/weiblich die diese gestalt verkörpert steht für uns mit dem hinauswachsen über andere dichotomien wie körper/geist subjekt/objekt ich/der andere ich/welt in verbindung da die »normalität« eher ein kulturelles konstrukt als eine natürliche regel ist verschwimmt
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die grenze zwischen »normalem« und »abnormalem« grad an intersexualität und kann nicht definiert werden geschlecht ist also nicht geschlecht und stellt keinen klar abgegrenzten bereich dar somit ist dieser intersexuelle körper der körper des engels der seit jahren durch unsere vorstellungswelt geistert der kern unserer infragestellung der sexuellen dualität er stellt in der geschichte der menschheit am ende des 20.jahrhunderts einen öffentlichen und privaten traum von einer neu verstandenen sexuellen identität dar einer doppelten vielfältigen oder provisorischen identität maria klonaris katerina thomadaki t3
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was vom engel übrigblieb frühmorgens alle bäume sind noch eingebunden und die dinge unberührt erhebt sich zwischen zwei pappeln der engel schläft im fluge aus in den rissen des schlafes singt er wer als erster die gasse betritt verwundet wird von diesem gesang vielleicht ahnt er etwas aber er sieht es nicht es ist grün und das ist alles was vom engel übrigblieb jan skácel t4
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gestirne umkreisen diesen ort lange schon voraus gesagt dort die zusammenkunft kein windhauch kein gesang nicht der klang einer harfe kein flügelschlag lauernd staubige hitze unbewegliche nichtexistenz zeitpunkt verpasst chance vorüber warum sind sie nicht gekommen wer soll jetzt diesen traum befreien wie die rosen duften gretl helminger t5
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den weiten flüssen folge ich seit wochen in strauch und welle lieg ich manchen tag und höre fern an schritt und flügelschlag mein engel kommt mir hinterher gekrochen doch hab ich ihn weit zurückgelassen das macht ihm pein und neugier wer ich bin ein mensch zu sein gäb er sein jenseits hin und der mich schützen soll kann mich nicht fassen aus grünen wasserwurzeln springt ein schäumen das meere mir und mündungen verhüllt der kalte wind wutwandelt in den bäumen ich kann den alten ewigen nicht brauchen und werde vor er wieder nach mir brüllt im abgrund meiner verse untertauchen christoph meckel t6
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gebet ich suche allerlanden eine stadt die einen engel vor der pforte hat ich trage seinen großen flügel gebrochen schwer am schulterblatt und in der stirne seinen stern als siegel und wandele immer in die nacht ich habe liebe in die welt gebracht daß blau zu blühen jedes herz vermag und hab ein leben müde mich gewacht in gott gehüllt den dunklen atemschlag o gott schließ um mich deinen mantel fest ich weiß ich bin im kugelglas der rest und wenn der letzte mensch die welt vergießt du mich nicht wieder aus der allmacht läßt und sich ein neuer erdball um mich schließt else lasker-schüler t7
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