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wohlgensinger das salongedicht tragische komödie
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raffael wohlgensinger das salongedicht tragische komödie
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für die kleine blume die bezaubernd blühte!
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personen reinhardt bram arianda laines cecilien claudia inna dichter opi omi ehepaar automobilpionier sein angestellter gasthausbesitzerin ihre tochter
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erster akt spärlich beleuchtete stube einer heruntergekommenen raststätte die tapeten bereits vergilbt der holzboden morsch die vermoderten vorhänge löchrig und verblasst ein kleiner teil des entrees und das empfangsbüro links vorne eine schmale wendeltreppe führt daneben zu den zimmern hinab dahinter die bar mit küche nur eine verstaubte flasche scotch scheint überlebt zu haben ein verstummtes röhrenradio rechts ein schwedenofen dessen feuer längst zur kaum erkennbaren glut erstickt daneben in der mitte des raumes fallen zwei recht gut erhaltene ohrensessel aus leder ins auge sie stehen sich gegenüber und heben sich merklich von ihrer umgebung ab streichhölzer und humidor liegen auf dem tischchen das sich zwischen den sesseln befindet im hintergrund ein grosses bücherregal wenige tische und ein paar stühle sowie der beginn eines niedrigen flurs an der wand lassen sich gemälde und vielleicht ein familienportrait erahnen der regen prasselt unaufhörlich nieder die pendeluhr in der ecke schlägt vier mal verstummt dann und nach einigen sekunden der stille wieder drei mal worauf sie ihr will6
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kommensspiel mit einer nostalgischen melodie fortsetzt die alte haustür öffnet sich und der automobilpionier laines und sein angestellter cecilien treten ein sie sind ganz durchnässt cecilien streicht sich die nassen haare aus dem gesicht hoffentlich gibt es hier fliessend wasser ich brauche unbedingt eine dusche laines warum grad eben haben wir geduscht und unsre seelen sind doch rein ausserdem wird dafür bestimmt ein aufpreis verlangt dieses risiko will ich nicht eingehen cecilien diese ewige rappenspalterei laines in dieser welt ist nichts umsonst sparst du jetzt hast du im alter auch sie werden das noch erkennen mein junge cecilien nennen sie mich nicht so sie wissen genau dass ich es nicht mag 7
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laines nun gut wo ist denn jetzt der empfang ich glaube zu wissen dass wir hier rechts müssen oder etwa nicht cecilien erblickt eine schmutzige theke mit empfangsklingel darauf ich denke hier ist es oder das was noch davon übrig geblieben ist laines sehr schön sehr schön ich sehe die hotelführung vermeidet unüberlegte restaurationen diese leute haben eben noch sinn fürs geschäft er deponiert seinen hut auf der theke cecilien während er den staub von der klingel bläst na geschäft nenne ich das nicht laines bestimmt ist die wirtschaftskrise schuld am nicht optimalen besuch der kundschaft cecilien nicht optimal hier muss seit monaten ja vielleicht sogar jahren niemand mehr gewesen sein schaut sich um trotzdem stelle ich fest dass mich diese rustikale einrichtung anspricht 8
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laines wo die kundschaft ist kann der hausherr nicht weit sein cecilien noch seh ich keinen gast noch seh ich keinen wirt meist stellen sich ihre thesen als falsch heraus laines nur mit der ruhe ich bin sicher wir werden uns hier wohl fühlen doch zuerst melden wir uns an er betätigt die klingel einmal zweimal doch auch nach dem dritten versuch passiert nichts cecilien wie ich es vermutet habe die besitzer haben die flinte ins korn geworfen und sich mit hab und gut aus dem staub gemacht wir werden wohl nach einer anderen scheune ausschau halten müssen laines auf keinen fall zweifellos sind die eigentümer ein bisschen schwerhörig cecilien sie haben wohl am ohrenarzt gespart laines die rezeptionistin wird beschäftigt sein 9
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cecilien ich frage mich womit plötzlich ohne jede vorwarnung erscheint reinhardt der dichter er ist in einen grauen nadelstreifenanzug gekleidet und trägt eine runde hornbrille laines leicht erschrocken da der hausherr hab ich es nicht gesagt cecilien ein wenig verärgert wie immer haben sie recht laines guten tag der herr wir würden gerne hier übernachten haben sie noch freie zimmer cecilien halblaut mehr zu sich als zu laines die treffendere frage wäre ob noch zimmer existieren reinhardt klatscht in die hände kommt mit einem lachen auf sie zu und umarmt die beiden wie froh ich bin euch zu sehen die dame des hauses und ihre reizende tochter sind zurzeit leider ausser hause ich bin jedoch sicher dass zimmer lyksal im untergeschoss bezugsbereit ist 10
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laines erfreut wunderbar cecilien verwundert über umarmung was haben sie gesagt reinhardt nimmt einen kleinen silbernen schlüssel aus seiner westentasche überreicht ihn laines bitte sehr richten sie sich in ruhe ein laines wie freundlich cecilien sind sie der page reinhardt nein ich bin der dichter in einer stunde gibt es nachtessen laines sie haben es gehört cecilien lassen sie uns das zimmer begutachten zeit ist geld und ich gedenke so wenig wie möglich davon zu verschwenden ich hebe es mir lieber für später auf cecilien natürlich ich folge gerne ihren vorschriften cecilien murmelt etwas vor sich hin die beiden steigen die stufen hinunter der dichter wartet bis er alleine ist geht zum regal und nimmt ein verstecktes notizbuch hervor 11
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schlägt es auf setzt sich in einen ohrensessel und beginnt zu lesen der regenklang wirkt dazu als hintergrundmusik reinhardt das sein ist nur ein vorhang der vor blendung uns bewahrt nichts als ein traumgebilde das auf ewig uns verwahrt und wirst du s mal erkennen was dahinter sich versteckt du könntest dich nicht trennen weil dein geist sich neu erstreckt keine fesseln keine formen und kein feuer du befriedigst deine lust nach freiheit aber je mehr du siehst desto weniger kannst du verstehen denn gut ist dein gewissen doch böse dieser wahn und kehrst du zurück zum loch zusammen mit der welt stellst du mit schrecken fest dass du nichts mehr begreifst wenn der schwarze schleier fällt 12
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er senkt den blick schliesst vorsichtig sein werk und lässt es wieder hinter anderen büchern verschwinden inna die wirtstochter tritt ein mit roter regenpellerine und einkaufskorb sie legt die rote regenpellerine und das körbchen auf einen stuhl hinter den tresen dann schwenkt sie ihr blondes haar nach hinten und mustert reinhardt inna reinhardt was wollen sie da beim bücherregal lesen sie reinhardt schreckt auf und dreht sich zu ihr um nein wo denken sie hin ich bin dichter nicht leser das ist was anderes inna wenn sie meinen sie bemerkt den hut den laines auf dem empfangstisch vergessen hat wem gehört dieser hut reinhardt auch er hat ihn erblickt den neuen gästen soeben sind zwei eingetroffen ich habe ihnen einen zimmerschlüssel gegeben inna welches zimmer 13
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