Buch Klemenz

 

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À paris une journée pleine de coïncidences in paris ­ ein tag voll von zufällen simone olivia klemenz 1

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vorwort immer wieder habe ich mir die frage gestellt was das thema meiner maturarbeit werden sollte doch lange fehlte mir eine passende antwort mit sicherheit wusste ich nur dass ich etwas kreatives machen wollte ich habe schon immer unheimlich gerne geschichten geschrie ben in welchen ich meiner fantasie freien lauf lassen kann aus serdem schwärme ich für die stadt paris seit ich sie mit 14 jah ren zum ersten mal besuchte dreimal zog es mich nun schon in die stadt der liebe und jedes mal war ich aufs neue begeistert was wäre also besser als diese beiden leidenschaften von mir in meine maturarbeit einfliessen zu lassen plötzlich wusste ich ganz genau was ich machen will ich schrei be ein buch in acht kurzen geschichten welche allesamt in paris spielen sie führen den leser durch die stadt und ergeben auch alle zusammen eine spannende geschichte voll von zufällen und anderen kuriositäten so nimmt das buch einerseits die rolle eines kleinen reiseführers ein indem ich immer wieder orte mit den augen eines beobachters beschreibe um mir die vielen ein drücke von paris wieder ins gedächtnis zu rufen reiste ich letz ten frühling noch einmal für fünf tage in frankreichs haupt stadt andererseits soll das buch dem leser eine genussvolle unterhal tung bieten bei genauem lesen entdeckt er immer wieder neue zusammenhänge zwischen den einzelnen geschichten ich selbst kann mit dieser arbeit mein wissen über die stadt wunderbar mit meiner freude am schreiben verbinden ich möchte an dieser stelle noch anmerken dass alle mit einem sternchen gekennzeichneten orte im buch auf den seiten 88 93 noch genauer beschrieben und auf einem stadtplan einge

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zeichnet sind so kann sich der leser problemlos durch paris le sen ohne die orientierung zu verlieren nun steht ihrem parisurlaub nichts mehr im wege mit dieser lektüre im gepäck sind sie auf jeden fall bestens für einen städ tetrip vorbereitet viel spass beim lesen und reisen 4

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sacré coeur 5

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un clochard n arrive pas à y arriver ein obdachloser schafft es nicht dort anzukommen langsam tauchten die ersten sonnenstrahlen die weisse kup pel der sacrécoeur in warmes goldenes licht und liessen sie dadurch noch heller und majestätischer erscheinen es herrschte eine friedliche stille nur ein paar vögel zwitscherten und ein marder huschte soeben in die büsche die breite treppe vor der kirche war zu dieser stunde bis auf eine in decken eingehüllte gestalt noch völlig verlassen auf den täglichen turistenrummel liessen einzig ein paar zurückgelassene abfallreste des vor abends schliessen ace bereute es zutiefst gestern abend wieder einmal dem alko hol verfallen zu sein sein schädel brummte als hätte sich gerade ein ganzer bienenschwarm darin einquartiert er bereute es hin gegen nicht dass er zwei warme wolldecken auf dem marché aux puces de stouen geklaut hatte fast wäre er aufgeflogen aber eben nur fast das schicksal war ihm noch einmal gnädig ge stimmt gewesen er hatte sich die schwäche der verkäuferin zu nutzen gemacht sie pflegte nämlich gelegentlich hinter ihrem verkaufstisch einzuschlafen und als sie so friedlich gedöst hatte war ace aus seinem versteck geschlichen und hatte zugeschla gen dummerweise hatte er dabei eine vase ins taumeln ge bracht und bevor er hatte reagieren können war sie schon kra chend zu boden gefallen doch zum glück hatte die gute verkäu ferin einen gesegneten schlaf ausser dass sie wohlig grunzte rührte sie sich nicht ace konnte also unbemerkt wieder ver schwinden 7 6

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dank seiner neuen decken war dies der erste morgen seit lan gem an welchem er nicht mit durchfrorenen händen und füssen und tauber nase aufgewacht war gut die decken konnten nichts gegen den steinigen boden ausrichten aber warm gaben sie auf jeden fall ausserdem war er sich gewöhnt auf hartem unter grund zu schlafen immerhin war ace nun schon seit drei jahren obdachlos und nächtigte seit da auf den treppen der sacré coeur er hatte sich aus verschiedenen gründen für diesen ort als zuhause entschieden erstens war die aussicht atemberau bend ganz paris lag ihm zu füssen zweitens war er mit dem pfarrer der kirche seit langem eng befreundet was den vorteil hatte dass ace in besonders kalten nächten in der kirche schla fen durfte drittens liessen die touristen hier immer unglaublich viele essensreste liegen welche ihm morgen für morgen ein frühstück à la resten lieferten und der letzte und wichtigste grund war dass die polizei hier nur selten ihre runden drehte spät abends wenn der rummel vorüber war konnte sich ace ohne probleme vor der kirche niederlassen und sich einrichten alles in allem konnte ace mit seinem eher schäbigen leben zu frieden sein er hatte einen platz zum schlafen und verdiente mit seinem täglichen gitarrenspiel genügend kleingeld um damit durchzukommen ausserdem ging es ihm gesundheitlich bes tens was in seiner lage durchaus nicht selbstverständlich war trotzdem hatte er sich fest vorgenommen eines tages wieder arbeit zu finden er verstand bis heute nicht wie er damals so dumm hatte sein können bis vor drei jahren war er nämlich noch fest als kellner angestellt gewesen er hatte im angélina gearbeitet einem der besten cafés in ganz paris es war an einem freitagabend gewesen obwohl es nicht freitag der dreizehnte war verlief der abend katastrophal wie immer um diese zeit war das angélina randvoll mit anspruchsvollen gästen die schnell bedient werden wollten vor dem eingang des cafés hatte sich bereits eine lange schlange wartender touristen gebildet ace hatte soeben mit seiner schicht begonnen und hetz 7 8

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te von tisch zu tisch um die unzähligen bestellungen aufzu nehmen es herrschte zusätzlich noch eine unglaubliche hitze sodass ace es nicht vermeiden konnte dass sich unter seinen armen riesige schweissflecken bildeten doch plötzlich wurde das gemurmel der gäste von einem grellen schrei übertönt es folgte eine sofortige stille alle blicke waren auf eine ältere dick liche dame mit hochrotem gesicht gerichtet ace eilte zu ihr um die ursache ihres schreis abzuklären madame kann ich ihnen in irgendeiner weise behilflich sein fragte ace und bemühte sich so höflich wie möglich zu klingen für ein paar sekunden war die alte dame unfähig zu antworten die empörung stand ihr in ihr rotes gesicht geschrieben sie fingerte nervös an ihrer protzigen goldkette herum und fächerte sich mit der anderen hand luft zu dann endlich fand sie ihre stimme wieder ich weiss nicht wie ich ihnen das am besten beibringen soll deshalb sage ich es ihnen gleich ganz direkt monsieur in meiner heissen chocolat à la maison befindet sich ein dickes schwarzes haar und ich könnte wetten es stammt von ihrem kopf ace konnte nicht anders er lachte lauthals los und war unfähig wieder auf zuhören die dame war also so aus dem häuschen wegen eines haares eines klitzekleinen haares nicht zu fassen doch es kam noch schlimmer durch den lachanfall ihres kellners höchst ge reizt verlangte die alte nun nach dem chef höchstpersönlich sie begann regelrecht herumzuschreien und wiederholte immerzu dass sie es nicht fassen könne so behandelt zu werden schliess lich ging es so weit dass der chef des cafés monsieur rabut ex tra vorbeikommen musste obwohl er zu diesem zeitpunkt ei gentlich frei hatte natürlich stellte er ace wegen seines unge bührlichen benehmens zur rede und drohte ihm bei einem wei teren fehler mit der kündigung ace nahm sich die drohung zu herzen und eilte sofort in die küche um eine neue haarfreie schokolade für madame zu kreieren er versah das getränk sogar noch mit einem extra grossen sahnehäubchen und steuerte mit dem nettesten gesichtsausdruck welchen er zu diesem zeitpunkt 8 9

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aufbringen konnte auf die alte dame zu und da passierte es ace stolperte über einen am boden liegenden pudel und fiel samt schokolade direkt in den schoss der dame das drama war kom plett es ist an dieser stelle nicht wesentlich zu erzählen was da nach genau geschah entscheidend ist dass monsieur rabut ace nach diesem vorfall gnadenlos gefeuert hatte seit da ging es mit ace nur noch bergab er fand keinen neuen job mehr konnte die miete für seine zweizimmerwohnung in der rue simart nicht mehr bezahlen und wurde schliesslich vom vermieter hinausge schmissen dies ist also der grund wieso ace arbeitslos geworden war und nun noch etwas schläfrig auf der treppe vor der sacrécoeur sass und die kühle morgenluft genüsslich einsog es musste unge fähr 05.30 uhr sein denn die sonne ging gerade auf er streckte seine eingerosteten glieder und liess seinen blick über das vor ihm liegende paris schweifen die stadt wirkte weisslich als läge ein zuckerguss über ihr da und dort blitzte ein grüner fleck auf das mussten die pariser parks sein auffällig zeigte sich auch der tour montparnasse das höchste gebäude welches er sah ace packte seine wenigen sachen zusammen seinen uralten ruck sack welcher alles beinhaltete was er zum leben brauchte seine geliebte gitarre und schliesslich seine zwei neu erworbenen wolldecken zuerst musste er sich etwas zu essen besorgen sein magen knurrte schon wie ein bär glücklicherweise hatte er ge stern etwas mehr als üblich mit seinem gitarrenspiel verdient deshalb konnte er sich heute sogar ein richtiges frühstück leisen er beschloss ins café clichy zu gehen da dieses jeden morgen schon um 06.00 uhr öffnete ausserdem waren die croissants dort erste klasse er begann die endlosen treppen hinabzustei gen welche von der sacrécoeur die den höchsten punkt in ganz paris bildet ins quartier führten die strassen waren zu dieser zeit noch verlassen es war kaum vorstellbar dass in wenigen stunden schon tausende von autos über den teer rollen wür den ace ging in schnellen schritten voran damit ihm die mor 10 9

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gendliche kälte nicht so zu schaffen machte pünktlich um 06.00 uhr erreichte er das café und er konnte es kaum erwarten sein lang ersehntes croissant zu verspeisen und seinen noch müden körper mit einem espresso wieder in schwung zu bringen mit einem wohligen seufzer liess er sich auf einem stuhl am fenster fallen überflog kurz die karte und entschied sich zur feier des tages für das frühstücksmenu pour le grand estomac obwohl es gab eigentlich gar nichts zu feiern im gegenteil sobald ace dieses café verliess hatte er gerade noch ein vermögen von zwei euros und fünfundfünfzig cents was alles andere als viel war diesen gedanken wollte ace aber vorerst ausblenden was ihm auch gelang nach zwei unendlich langen minuten kam sein gla mouröses frühstück und ace laune stieg noch einmal an als er das kleine schokoladenherzchen erblickte welches liebevoll auf dem tellerrand plaziert worden war doch bevor er sich dieses gönnen würde verschlang er hastig sein goldgelbes croissant und genoss anschliessend seinen orangensaft in diesem moment wurde ihm bewusst wie sehr es ihm gefiel in einem gemütlichen café zu sitzen und das leben zu geniessen nur leider war das für ace nicht alltäglich normalerweise würde er jetzt auf der strasse nach etwas essbarem suchen er hatte es allein einem grosszügi gen etwas ungepflegten alten mann in blutrotem jackett zu ver danken dass er heute hier sitzen durfte dieser hatte ihm gestern vor der sacrécoeur sage und schreibe zehn euro für sein gitar renspiel gespendet ace konnte es noch immer nicht fassen dass es auch heutzutage noch so spendable menschen gab er kramte den zehneuroschein aus seinem rucksack hervor um damit zu bezahlen ace warf einen letzten wehmütigen blick auf das wert volle stück als ihm plötzlich eine notiz darauf auffiel sie war nur ganz klein in schwarzer farbe geschrieben morgen 15.04.11 um 07.30 16 arrondissement westlicher eingang des bois de boulogne allein 10 11

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ace las die nachricht exakt zehn mal danach erkundigte er sich aufgeregt beim kellner nach dem heutigen datum es war der 15.04.11 nervös warf ace einen blick auf die uhr an der wand sie zeigte auf punkt 06.30 uhr in einer stunde würde dieses my steriöse treffen stattfinden ace hatte nicht die geringste ah nung ob diese nachricht an ihn gerichtet war doch eins war si cher er würde den westlichen eingang des bois de boulogne aufsuchen zum glück kannte er sich bestens in paris aus er wusste also dass das 16 arrondissement eines der reichsten in der stadt war deshalb erhoffte sich ace sehr viel von dem tref fen vielleicht ging es um eine geldübergabe oder sonst irgendei nen grossen deal ace verlor sich in den wildesten spekulationen als der wirt ihm plötzlich auf die schulter klopfte und ihn auffor derte endlich zu bezahlen widerwillig gab ace die zehn euro her und verliess immer noch fleissig denkend das café mit der ruhigen morgenstimmung war es nun endgültig vorbei die ersten geschäftsmänner hasteten durch die gassen autos verpesteten mit ihren abgasen die morgendliche stadtluft ziel strebig eilte ace zur nahegelegenen métrostation abbesses fast wäre er von einem auto angefahren worden weil er so in gedan ken versunken war sein puls war auf hundertachtzig oder noch mehr die nachricht hatte ihn dermassen aufgewühlt dass er sogar mühe hatte die station zu finden obwohl er die strecke bestimmt schon tausend mal abgelaufen war er wusste nicht wieso aber er wurde das gefühl nicht los dass hinter dieser bot schaft viel mehr als nur ein treffen steckte aber vielleicht war das auch nur ein wunschgedanke da ace seine letzten zwei euro fünfzig nicht für ein métroticket verschwenden wollte quetschte er sich kurzerhand mit einem jungen typen durch die abschrankung um zum gleis zu gelan gen dieser hätte deshalb fast eine schlägerei mit ace begonnen ­ und das um 06.45 uhr in der früh 12 11

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endlich war ace in der métro nummer zwölf richtung mairie d issy er hatte gerade noch hineinhüpfen können bevor die au tomatischen türen ruckartig zugeschnappt waren er war so au sser atem als hätte er gerade ein wettrennen gegen einen jaguar hingelegt suchend sah er sich nach einem platz um und liess sich schliesslich neben einer stark nach parfüm duftenden dame nie der die bahn fuhr los und verschwand in der dunklen röhre wie im traum flog station um station an ace vorbei er hätte um ein haar vergessen bei concorde auszusteigen samt gepäck ver liess er die métro als nächstes musste er mit der nummer eins richtung la défense fahren ace folgte mit schnellen schritten den schildern welche ihn zur nummer eins führen würden es war nun 07.00 uhr die zeit drängte langsam die ganzen unter irdischen durchgänge machten ihn unter zeitdruck halb wahnsinnig endlich war er am richtigen perron angekommen und stieg in die grünweisse métrobahn ein die soeben einfuhr wie immer war die hauptlinie völlig überfüllt es wimmelte nur so von geschäftsleuten und anderen kreaturen doch ace hatte glück und konnte gerade noch einen platz am fenster ergattern und wieder waren seine gedanken bei der mysteriösen nach richt was würde ihn erwarten würde er in nur zwei stunden ein reicher mann sein ace konnte es nicht unterdrücken dass sich seine mundwinkel bei dieser vorstellung zu einem schelmi schen lächeln formten genau in diesem augenblick merkte er dass ihm der ihm gegenübersitzende mann einen bösen blick zuwarf schnell senkte er den seinen und wagte es erst nach gut zwei minuten wieder hochzusehen der mann war zum glück wieder in seine zeitung vertieft allerdings machte er auf ace einen traurigen eindruck dunkelviolette ringe waren unter sei nen augen seine haare wirkten zerzaust und sein anzug zerknit tert er passte voll und ganz in ace bild von einem gestressten geschäftsmann allerdings konnte ace den extrem unfreundli chen blick von vorhin nicht ganz nachvollziehen entweder hatte sich der mann von ace lächeln verspottet gefühlt oder er war 12 13

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