Augsburger Domsingknaben Sing33

 

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Augsburger Domsingknaben Sing33

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sing 33 Ausgabe 33 Februar 2019 Jahrgang 18 AUGSBURGER DOMSINGKNABEN Aus dem Inhalt: Konzertreise Schottland Konzertreise Norddeutschland Festival Günzburg BBC Award Deutsche Grammophon Foto: Bernhard Gastager

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_2_ E D I T O R I A L S LIEBE FREUNDE DER AUGSBURGER DOMSINGKNABEN! Hochwertige liturgische Musik in den sonntäglichen Hochämtern des Domkapitels und in den Pontifikalämtern an der Kathedrale, Konzerte a cappella oder mit Orchester im In- und Ausland oder in Augsburg, Engagements für Produktionen bei großen Adressen wie dem Bayerischen Rundfunk, den Münchner Philharmonikern oder bei der Deutschen Grammophon, und immer wieder Opernprojekte, die unseren Sängern zum stimmlichen auch schauspielerisches Talent entlocken, derzeit am heimischen Staatstheater Augsburg „Die Zauberflöte“ von Mozart und „Werther“ von Massenet: Dieses breite Spektrum unserer musikalischen Aktivitäten macht seit Jahrzehnten die Attraktivität und den hervorragenden Ruf der Augsburger Domsingknaben aus. Im neuen Sing sind einige der interessantesten Impressionen und Höhepunkte der letzten Monate zusammengefasst, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Diese wird zum Ende des laufenden Chorjahres tabellarisch im Jahresbericht wieder zu finden sein. Auch in den kommenden Wochen stehen wichtige und für unsere Domsingknaben erlebnisreiche Projekte an: Noch im Februar singen wir in Paris Gustav Mahlers VIII. Sinfonie unter Valery Gergiev. Die Vorbereitung zur turnusmäßigen Aufführung der Matthäuspa ssion von Bach ist in vollem Gang, der rege Kartenvorverkauf hat bereits begonnen... Am Staatstheater Augsburg steht im März eine weitere Premiere an unter Beteiligung von A-Chor Knabenstimmen: die europäische Erstaufführung der zeitgenössischen Oper „JFK“ des amerikanischen Komponisten David T. Little. Im Mai sind wir beim Orchestre de Paris unter Daniel Harding für das War Requiem von Benjamin Britten mit Konzerten in München und Linz engagiert. Ich wünsche Ihnen bei der Lektüre unseres neuen, reich illustrierten Magazins viel Freude. Bleiben oder werden Sie treue Fans der Augsburger Domsingknaben und besuchen Sie unsere vielfältigen Auftritte in Liturgie und Konzert! Und... Neben unserem bewährten und beliebten Magazin Sing: Beachten Sie unseren stets aktuellen Internetauftritt unter www.augsburger-domsingknaben.de! Mit besten Grüßen und allen guten Wünschen Ihr Reinhard Kammler Domkapellmeister IMPRESSUM HERAUSGEBER Kuratorium des Fonds der Freunde und Förderer der Augsburger Domsingknaben Hoher Weg 30, 86152 Augsburg Telefon (0821) 51 00 88 info@augsburger-domsingknaben.de www.augsburger-domsingknaben.de Verantwortlich für den Inhalt: Reinhard Kammler, Domkapellmeister Fotos: Jan-Pieter Fuhr, Bernhard Gastager, H. Hoffmann, Vincent Kudrus, Josef Paul, Archiv Gestaltung: bernhard@salomogmbh.de

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_3_ LIEBE LESERIN, LIEBER LESER, das vorliegende „Sing“ gibt Ihnen wieder einen Einblick in das musikalische Leben der vergangenen Monate bei den Augsburger Domsingknaben. Konzertreisen haben uns von Bad Ischl bis Inverness, von Altenbeuern bis Amsterdam und von Neusäß bis ins Fernsehstudio nach Nürnberg geführt. Immer im Dienst der Musik und immer als Botschafter des Bischofs und der Kathedrale von Augsburg. Überzeugen Sie sich selbst, mit wieviel Freude und Können unsere Sänger unter der Leitung von Reinhard Kammler diese Aufgaben gemeistert haben. „Gemeistert“ werden muss bei großen Unternehmungen wie einer Konzertreise natürlich auch der organisatorische Ablauf. Diese Arbeit stellt sich regelmäßig als ein ganz und gar „unmusisches“ Unterfangen dar, denn hier stehen gültige Reisepässe, Auslandskrankenversicherungen, Ersatzfußbälle und Essen zu allen Tageszeiten im Mittelpunkt der Bemühungen. Dass gute organisatorische Arbeit nicht nur zu überschaubaren, sicheren und geregelten Abläufen führen wird, sondern auch immer wieder wunderbare Momente begründen kann, zeigen unsere stets erfolgreichen Bemühungen, eine Kirche für den Sonntagsgottesdienst zu finden. Unvergessen ist mir und sicher vielen Domsingknaben unter anderem der Gottesdienst in der spanischen Gemeinde in Santa Rosa/USA, in der katholischen Gemeinde in der Millionenmetropole in Wuxi/China und in der ehrwürdigen St. Mary’s Church in Inverness. Mitten im Gewirr von Fremden und Unbekannten finden wir uns fern der Heimat an einem Ort wieder, wo wir ganz selbstverständlich dazugehören und uns tausende Kilometer vom Augsburger Dom entfernt zuhause fühlen dürfen. Organisiert werden muss natürlich auch ein Freizeitprogramm, das den Domsingknaben die Schönheit dieser Welt vermittelt. Besonders eindrucksvoll war diesmal die Fahrt mit der Wendelsteinzahnradbahn, die uns entlang der steilen Felswände des Wildalpjochs auf einen der schönsten Berggipfel Bayerns beförderte, die Führung durch den weltberühmten Kölner Dom, eine Besichtigung der Stadt Lübeck und ein unverzichtbarer Ausflug zu Schottlands geheimnisvollem Loch Ness. Mit Ihren vielen großen und kleinen Spenden, für die wir Ihnen sehr herzlich danken und um die wir Sie weiterhin bitten, ermöglichen Sie als Freunde und Förderer der Augsburger Domsingknaben diese Unternehmungen, die dereinst reichlich Zinsen bringen werden, weil sie junge Menschen heranreifen lässt, die gelernt haben, ihren Mitmenschen und der Schöpfung mit großer Achtsamkeit zu begegnen. „Zum Singen geboren, zum Schauen bestellt“, so hat unser schmerzlich vermisster Präfekt Herbert Bruggner in leichter Abwandlung eines Gedichtes von Johann Wolfgang von Goethe in gewohnter Kürze den pädagogischen Kosmos der Domsingknaben umschrieben. Diesen wollen wir mit Ihrer Hilfe in seinem Sinne bewahren und fortführen. Ihr Josef Paul Kulturmanager Die Augsburger Domsingknaben werden vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst gefördert.

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_4_ O N T O U R INVERNESS AUGSBURGER DOMSINGKNABEN ERSTMALS IN SCHOTTLAND ZU GAST D ie Augsburger Domsingknaben gelten als Kulturbotschafter der Stadt Augsburg. So gaben sie letztes Jahr im Mai erstmals in Augsburgs schottischer Partnerstadt Inverness ein Gastspiel. Vier Tage lang war der Kammerchor unter der Leitung von Domkapellmeister Reinhard Kammler in Schottland unterwegs. Langjährige Beziehungen verbinden Augsburg mit der schottischen Partnerstadt Inverness. Mit ihrem Besuch setzten die Augsburger Domsingknaben nun auch einen kulturellen Impuls, den Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl als „Highlight in der Chronik unserer Städtepartnerschaft“ bezeichnete. Wie der OB weiter betont, lebt eine Städtepartnerschaft immer auch von neuen Impulsen. „Dass erstmalig die Augsburger Domsingknaben, einer der renommiertesten Knabenchöre Deutschlands mit internationaler Konzerterfahrung, Inverness besuchen, bedeutet einen Höhepunkt in der Chronik unserer Städtepartnerschaft. Ich bin sicher, dass dieser Chor als ausgezeichneter Kulturbotschafter Augsburgs die Konzertbesucher begeistern wird“, so der Oberbürgermeister in seiner Grußbotschaft. Inverness liegt an der Mündung des Flusses Ness in der Meeresbucht Moray Firth und ist die nördlichste Stadt im Vereinigten Königreich. Nach einer Stadtbesichtigung wurden die Augsburger Domsingknaben von Bürgermeisterin (Provost) Helen Carmichael empfangen und offiziell zum Lunch ins Rathaus (Town Hall) eingeladen. Dort

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AMSTERDAM LOCH NESS _5_ KONZERT TOWN HALL, INVERNESS fand auch das erste Konzert mit einem weitgespannten weltlichen Programm vom Madrigal bis zum Evergreen statt. In der St. Mary’s RC Church in Inverness sang der Kammerchor in der Hl. Messe. In der St. Anne’s Anglican Church in Strathpeffer gaben die Augsburger Domsingknaben ihr Abschiedskonzert u.a. mit Werken von Lassus, Gabrieli und Bach. Ausflüge in die schottischen Highlands und ein Besuch beim legendären Ungeheuer von Loch Ness rundeten die vielfältigen und unvergesslichen Eindrücke ab. Mit der Fahrt nach Newcastle endete die Städtepartnerschaftsreise der Augsburger Domsingknaben, die von dort mit der Nacht-Fähre nach Amsterdam die Rückreise antraten. NEWCASTLE

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_6_ O N T O U R KÖLN A-CHOR KÖLN, HAMBURG, ITZEHOE, LÜBECK I n der Woche nach Ostern absolvierte der A-Chor unter der Leitung von Domkantor Dr. Julian Müller-Henneberg sehr erfolgreich Konzerte in Norddeutschland. Bei auswärtigen Auftritten tritt der A-Chor als Karl-KraftChor auf, in wertschätzender Erinnerung an den früheren überregional bekannten Augsburger Domorganisten und Komponisten. freiem Eintritt in der schleswig-holsteinischen Stadt Itzehoe statt, unter dem Motto „Kultur für alle“. Entsprechend überfüllt war die norddeutsche Barockkirche. Als Überraschung hatte unsere Domorganistin Claudia Waßner auf Anregung der örtlichen Veranstalter eine populäre „Stadthymne“ für Männerchor a cappella arrangiert. Das Publikum war von dieser musikalischen Geste begeistert und klatschte rhythmisch mit. Der erste Auftritt fand im Rahmen der Reihe „Basilikakonzerte“ in der romanischen Kirche St. Aposteln in Köln statt. Am Ostermontag gestaltete der A-Chor dort außerdem das lateinische Hochamt. Konzert und Liturgie waren außerordentlich gut besucht. Auf Einladung des Hamburger Domorganisten Prof. Eberhard Lauer konzertierte der A-Chor anschließend im Hamburger Mariendom. Ein weiterer Auftritt fand bei Es war genügend Freizeit eingeplant, um in erlebnisreichen Ausflügen Köln, Hamburg und Lübeck zu besichtigen. Der gelungene Tourneeabschluss überstrahlte noch die Rückreise und die Wochen danach. Denn auch im Haus St. Ambrosius wurde immer wieder die Melodie der Stadthymne aus Itzehoe als „Ohrwurm“ von einigen Teilnehmern dieser gelungenen A-Chor Konzertreise gut gelaunt angestimmt. HAMBURG

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KÖLN _7_ HOLSTENTOR, LÜBECK HAFENRUNDFAHRT, HAMBURG

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_8_ P R O D U K T I O N E N PROMINENTE PRODUKTIONEN MIT DER DEUTSCHEN GRAMMOPHON BBC, MAHLER: SINFONIE III MIT BERNARD HAITINK MAHLER: SINFONIE VIII MIT VALERY GERGIEV STERNSTUNDEN IM BR BBC Music Magazine Award 2018 Zusammen mit dem Sinfonieorchester und dem Chor des Bayerischen Rundfunks unter Bernard Haitink wurden im Juni die Knabenstimmen des Kammerchores der Augsburger Domsingknaben mit dem englischen BBC Music Magazine Award 2018 in der Kategorie „Aufnahme des Jahres“ ausgezeichnet für die Interpretation von Gustav Mahlers Sinfonie Nr. III. MAHLER VIII mit den Knabenstimmen in der Philharmonie am Gasteig, München mit Valery Gergiev Auftritt der Knabenstimmen in der Sternstundengala 2018 in Nürnberg Bach-Gesamtausgabe 2018 der Deutschen Grammophon Die Einzel - CD Bach 4-Part Chorales Vol. I gehört zur repräsentativen Gesamtausgabe, die von der Deutschen Grammophon anlässlich 333 Jahre nach der Geburt Johann Sebastian Bachs im Oktober 2018 veröffentlicht wurde. Die Augsburger Domsingknaben wurden beauftragt, für dieses weltweit einmalige Projekt 64 Bach-Choräle aufzunehmen, die bisher für Tonträger noch nie produziert wurden. www.deutschegrammophon.com

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INTERVIEW _9_ FRAGEN DER DEUTSCHEN GRAMMOPHON AN DOMKAPELLMEISTER REINHARD KAMMLER Was ist Ihr Lieblingswerk von Bach? ... gerade das, womit wir uns beschäftigen. Die Genialität der Bach’schen Werke zeigt sich vor allem darin, dass sie sich nie abnützen. Immer wieder finden sich in jeder seiner Partituren neue Aspekte für die Interpretation, auch wenn man z.B. das Weihnachtsoratorium schon zigmal aufgeführt hat. Teil der 333 Complete Edition zu sein, bedeutet für Sie ... eine große Ehre. Das renommierte Label Deutsche Grammophon hat die Augsburger Domsingknaben und mich bereits zum dritten Mal für eine Produktion verpflichtet. Das heißt offenbar, dass man meine Arbeit mit meinem Knabenchor sehr schätzt. In dieser einzigartigen Dokumentation aller Bach-Produktionen der Deutschen Grammophon mit bisher noch nie aufgenommenen Bachchorälen mit meinem interpretatorischen Konzept dabei zu sein, ist eine wohltuende Bestätigung für meine Arbeit auf höchster Ebene. Warum ist Bach einer der Größten? Eine schwere Frage. Für mich ist er der Größte. Ich meine, er hat wie kein anderer erst die Grundlage aller nach ihm kommenden Musikepochen geschaffen, da er die historische Musikentwicklung von der Gregorianik über die Musik der Renaissance bis zum Frühbarock in seinem genialen Musikstil gebündelt hat. Was bedeutet Bach für Sie als Musiker und Künstler? Gerade für die Arbeit mit Knabenstimmen ist das Werk J. S. Bachs aus dem Blickwinkel der historischen Aufführungspraxis wichtig. Die Beschäftigung mit dieser in jeder Hinsicht spannenden Vokalmusik – also Oratorien, Kantaten, Motetten - ist für den jungen Sänger nicht nur spannend und hoch motivierend, sondern auch stimmtechnisch unverzichtbar. Alle Solopartien besetze ich mit Knabensolisten. Als Organist darf ich sagen: In der großen und gewichtigen Orgelliteratur gibt es nichts Genialeres und Größeres, auch für den Interpreten nichts Schwereres als J. S. Bach. Was ist über die Historie der vierstimmigen Bachchoräle zu sagen? Bach war ein Musiker im Dienst für den sonntäglichen Gottesdienst, den allgemeinen kirchlichen Dienst, etwa auch für Trauungen und Beerdigungen. Er hatte sicher mit seinen Kompositionen keine großen Konzerte im Sinn. Er hat für den wöchentlichen Bedarf komponiert, so auch die vierstimmigen Choräle, je nach Anlass und wen er dafür zur Verfügung hatte. Ihr Ansatz für die Interpretation, Anzahl der Sänger ... Es gibt ja Quellen, die von kleinen und kleinsten Besetzungen bei der Aufführung seiner Werke in den Leipziger Kirchen berichten. An diesen Alltag von Bach knüpfe ich, was die Anzahl der Sänger betrifft, an. Ein Teil der Choräle habe ich also mit kleinem Tutti (17 Vokalisten), viele der Choräle aber auch nur mit Doppel- oder sogar Solquartett aufgenommen. Auch die Praxis mit Countertenor - also ohne Diskant mit Knaben - habe ich bei einigen wenigen Titeln, wo es mir angebracht erschien, als zusätzliche Farbe realisiert. Mein stimmbildnerisches Klangideal ist ja ohnehin auf die musikalische und satztechnische Durchdringung der Musik Bachs durch jeden einzelnen Vokalisten ausgerichtet, so dass eine instrumentale, durchsichtige Intonation eine glasklare Linie gewährleistet, die ein groß besetzter Chor für diese Musikepoche nur schwer darzustellen vermag.

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_10_ F E S T I V A L 2 0 1 8 F E S T I VA L AUGSBURGER DOMSINGKNABEN FRAUENKIRCHE GÜNZBURG Die Festival-Konzerte waren wieder ausverkauft! Solisten des Festivals am Freitag (v.l.): Julian Hohbauer, Vinzenz Löffel, Valentin Wohlfarth, Michael Stark Solisten des Festivals am Samstag und Sonntag (v.l.): Stefan Steinemann, Vinzenz Löffel, Julian Romanowsky, Matthew Swensen, Johannes Kammler

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_11_ In kongenialer künstlerischer Zusammenarbeit mit Reinhard Kammler: Peter Riehm, Konzertmeister des ResidenzKammerorchesters München Prominente Besucher (v.l.): Willi und Karin Lander, Hannelore Viermetz-Schaddach

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_12_ P R E S S E S P I E G E L U N D I M P R E S S I O N E N JUNGE SÄNGER MIT STRAHLKRAFT Weihnachtsoratorium mit den Augsburger Domsingknaben Von Oliver Wolff Wer spätestens da nicht in Feststimmung gekommen ist, wird Weihnachten wohl verschlafen. Die Augsburger Domsingknaben führten am Sonntag das Weihnachtsoratorium (BWV 248) in der evangelischen Heilig-KreuzKirche in zwei Abschnitten auf. Nachmittags die ersten drei Kantaten und am Abend die eher unbekannteren Kantaten IV–VI. Der Knabenchor wurde vom ResidenzKammerorchester München unter der Leitung von Domkapellmeister Reinhard Kammler begleitet. Die Solisten waren Tenor Magnus Dietrich und Bariton Diogo Mendes. Sechs Sopran- und Alt- Knabenstimmen teilten sich die Solo-Rezitative und Arien. Dietrich, 23 Jahre und Student an der Musikhochschule München, überzeugte mit lebendigem Gesang, sanften Höhen und einer tollen Ausstrahlung – seine Sicherheit in der Intonation war beeindruckend. Der gebürtige Augsburger und ehemalige Augsburger Domsingknabe Diogo Mendes, 27 Jahre, punktete mit klarer Artikulation, Leich- tigkeit und einem warmen Klang. Der jüngste Solist war Daniel Spindler und verkündete als Engel große Freude, indem er die anspruchsvollen Höhen tadellos meisterte, eine beachtliche Leistung des jungen Sängers. Ihr großes Talent bewiesen auch die weiteren Knabensolisten Julian Romanowsky, Andrij Klitni, Vinzenz Löffel, Raphael Möck und Valentin Wohlfarth. Reinhard Kammler dirigierte elegant und sorgte mit musikalischer Vielfalt für eine kurzweilige Vorstellung. Das Orchester folgte ihm mit Flexibilität und Feingefühl in der Begleitung der Knabensoli. Die Sinfonia gestalteten die Instrumentalisten schlicht – eine warmherzige, aber nicht zu sehr romantisierte Interpretation. Nicht zu vergessen ist natürlich der Chor, der mit seiner Artikulation, facettenreichen Phrasierung und dynamischen Bandbreite eine Klasse fur̈ sich ist. Die jungen Männer und Knaben erzeugten einen organischen Sound und formten die Höhen ohne Nachdruck – nur im wahrsten Sinne ein Kinderspiel, denn fur̈ ihr Alter musizierten die Sänger auf einem erstaunlichen professionellen Niveau. Das begeisterte Publikum spendete minutenlang Applaus. Augsburger Allgemeine

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PRESSESPIEGEL UND IMPRESSIONEN WEIHE, WONNE, WEHMUT Zum ersten Mal in seinem 15-jährigen Bestehen kamen die Augsburger Domsingknaben ohne Bach zu ihrem alljährlichen Dreitage-Festival in die Günzburger Frauenkirche. Haydn, Mozart und Händel spielten die Hauptrollen. Von Helmut Kircher 14 Mal war Bach Namensgeber des konzertanten Großereignisses im Günzburger „Rokokojuwel“ Frauenkirche, dem Dreitage-Festival der Augsburger Domsingknaben. Dieses Jahr allerdings blieb der Hausgott der Domsingknaben gänzlich unberücksichtigt, statt seiner schlug das musikalische Herz für Haydn, Mozart und Händel. Trotzdem weilte natürlich der Segen des Gottvaters aller sündig verfrömmelten Klangwelten auch über den Häuptern und Werken seiner ihm seelenverwandten „Jünger“, wenngleich der Weg vom Himmel zur Hölle bei ihm ein ungleich kürzerer ist. Allerdings, schon beim Eröffnungskonzert für zwei Hörner und Orchester hing jener Segen etwas schief. Zugeschrieben ist es Joseph Haydn. Aber ist es wirklich von ihm? Oder etwa doch von seinem Bruder Michael? Oder gar dem Wallersteiner Haus- und Hofkomponisten Antonio Rosetti? Die Ansichten der Fachwelt sind geteilt – die des Publikums nicht. Es hört und genießt. So oder so. Die beiden Solohornisten Thomas Ruh und Norbert Dausacker schwelgten, jenseits aller Zugehörigkeitsdramatik, in kantilenenhaft zärtlich zündender Blechbrillanz und, mit orchestral galoppierender Begleitung, im Halali hornumflorter Jäger- und Jagdbeglückung. Warum und zu welchem Anlass Wolfgang Amadeus Mozart, kurz vor seiner Abreise mit der Mutter 1777 nach Paris, das Offertorium „Sancta Maria, Mater Dei“ (KV 273) schrieb, ist nicht bekannt. Aus den Kehlen der rund fünfzig Augsburger Domsingknaben strömte sie als heiter lieblicher Wonnesound, als hymnischer Fluss, im speziellen „Kamm(l)erton“ pulsierender Inbrunst, rhythmischer Finessen und bedächtiger Meditation. Mozarts eher selten zu hörende Symphonie Nr. 33 in B-Dur (KV 319) geriet, mit dem hochmotivierten Residenz-Kammerorchester München und Reinhard Kammler am Pult, zu einem Leckerbissen orchestraler Sinnlichkeit. Von geradezu herzerwärmender Innigkeit durchpulst, präsentierte sich die charmant-leichtgewichtige Musik, in kammermusikalischer Leichtigkeit aufblühend und in verklärter Klangfarbenvielfalt direkt aus dem Mozarthimmel schwebend. Der Abschluss des ersten Tages gehörte dann wirklich Joseph Haydn und seiner „Missa in honorem Sancti Nicolai“, der sogenannten Nikolaimesse. Eine vom Komponisten in großer Eile geschriebene Messe mit pastoralem Charakter, aufgrund des im Sechsvierteltakt stehenden Kyrie und Dona nobis pacem, auch „Sechsviertel-Messe“ genannt. Ein Namenstaggeschenk für den Fürsten? Könnte sein. Mit orchestral zupackender Leichtigkeit aufgepolstert, mit einem feierlich innigen Sanctus, strahlend lebhaftem Hosanna und einem chorisch eigenständigen Sopran-Alt-Tenor-BassQuartett (Vinzenz Löffel, Valentin Wohlfarth, Julian Hohbauer, Michael Stark) das, perfekt aufeinander eingespielt, von jugendlicher Frische und Natürlichkeit geprägt, vom Publikum mit verdientem Sonderapplaus bedacht wurde. Am zweiten Festivaltag zweieinhalb Stunden „Messiah“ (wurde am dritten wiederholt). In dreieinhalb Wochen hatte 1741 Georg Friedrich Händel, als bereits 56-Jähriger, sein Messias-Oratorium, ein Wunder an Inspiration und Schnelligkeit, zu Papier gebracht. Es war vom Komponisten nicht als liturgisches Werk gedacht, sondern als eines für den Konzertsaal. Dreiaktig, wie eine Barockoper, und in englischer Sprache verfasst. Also „The Messiah“ statt „Messias“. Der Librettist Charles Jennens verwendete allein Texte aus der Bibel: Weihnachtsgeschichte, Christi Passion und Auferstehung betreffend. So man will, kann man religiöse Erbauung darin erblicken, zum Weihestück wird es damit nicht. Weihe, Wonne und Wehmut liegen dem näher. Reinhard Kammler leitete vom Cembalo aus, bestrebt, sowohl heroischen Bombast wie auch romantisierende Frömmigkeit zu vermeiden. Und schon gar nicht lag ihm daran, das christliche Glaubensbekenntnis zum himmelfernen Opernspektakel herabzuwürdigen. Selbst die oft ins VerkitschtSentimentale abgleitende Hirtenmusik der „Pifa“ stellte er auf barock-irdische Füße. Im Ganzen gesehen gelang ihm damit ein souveräner, auf rhythmische Schärfe und deklamatorische Beweglichkeit bedachter Wohlfühlhändel im expressiven Breitband-Barockdrive. Zur Seite standen ihm mit dem bewährten Residenz-Kammerorchester München ein Klangkörper, der befähigt war, mit seinen punktgenau gesetzten Klangstrukturen geradezu in Dimensionen der Ewigkeit zu leuchten. Die Hauptrolle der Händelschen Bibelvertonung aber liegt auf den Säulen des Gesangs. Ein exzellentes Solistenensemble konnte sich auf dem Boden barocker Ernsthaftigkeit behaupten. Stefan Steinemanns lyrisch schwelgerisches Altuspotenzial und Matthew Swensens schwerelos weich gestylter Tenor waren wie geschaffen für die flüssig weit ausschwingende Melodik der Melismen und kunstvollen Modulationen von Rezitativen und Arien. In Johannes Kammler steckt ein baritonales Hoffnungspotenzial, das ihm aus zukunftsnaher Bühnenwelt zulächelt. Grandios, wie er, koloraturgewaltig und aus vokaler Tiefe geschöpfter Gestaltungskraft, sich in der „The trumpet shall sound“-Arie ein Duell mit der Solotrompete (Konrad Müller) lieferte. Ein stimmlich brillantes Kraftpaket, dieser baritonale Newcomer, der dem klanglich-voluminösen Strahl-Effekt dieses Instruments durchaus nahekommt. Mit jugendlicher Courage und sängerischer Bravour übernahm die Solo-Sopranpartien natürlich der chorische Nachwuchs (Julian Romanowsky, Vinzenz Löffel). Und der konnte sich hören lassen, von „If God be for us“ bis zu den gefürchteten Hürden der „Rejoice“-Arie. Im Mittelpunkt natürlich der Kammerchor, souverän, mit jeglichen Facetten apokalyptischer Jubelorgienkompetenz über alle Fugenhürden sich hinwegsetzend. Wie im fulminanten „Halleluja“Jubel, dem man immer wieder hingerissen lauscht, oder dem machtvoll tönenden, opulent strahlenden Himmelsglanz-Amen der Schlussfuge. „Edle Unterhaltung“ sei sein Messiah, bekam der Komponist einst von einem englischen Adeligen zu hören. Nein, unterhalten wollte er damit die Menschen nicht, gab der zur Antwort, „Ich wollte sie bessern!“ Auch ein Händel kann mal irren! Günzburger Zeitung _13_

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_14_ PRESSESPIEGEL UND IMPRESSIONEN GENIALER TRICK MIT DER AKUSTIK Augsburger Domsingknaben in Stift Haug Von Armin Rausche Klaus Linsenmeyer liebt seine Klais-Orgel im Stift Haug, vor allem, wenn er sie wie bei Max Reger mit vollen Lungen sprechen lassen kann, Präludium und Fuge d-moll (ohne Opuszahl) von diesem Komponisten waren sein hörenswert durchdachter, durchzeichneter, kraftvoller Beitrag zu einem bemerkenswerten Auftritt des Kammerchors der Augsburger Domsingknaben. Bemerkenswert nicht nur wegen der solchen Ensembles oft bestätigten Tugenden wie Präzision, Intonationssicherheit, Ausgewogenheit usw., sondern vor allem der Umgang dieses durchaus im Olymp der Knabenchöre aus Windsbach, Dresden oder Regensburg angesiedelten Ensembles mit der heiklen Akustik in Stift Haug. Was zunächst als eher sinnloses Umherlaufen in der voll besetzten Kirche hätte angesehen werden können, erwies sich als genialer Trick, die Akustik, dem Hall den jeweiligen Werken anzupassen. So wurden für die Werke von der Gregorianik, der Renaissance bis zur bewegenden Romantik Felix Mendelssohns immer neue Plätze des Kirchenraums genutzt. In Giovanni Gabrielis „Jubilate Deo“ war durchaus ein Hauch von Venedigs San Marco zu spüren. Bei Bachs doppelchöriger Motette „Komm, Jesu komm“ war die enge Verzahnung der beiden Chöre durch geringen Abstand ebenso sinnvoll wie die raumgreifende Aufteilung bei den Renaissance-Werken. Der Leiter der Augsburger Domsingknaben und ihr Gründer, Domkapellmeister Reinhard Kammler, führt sie mit relativ sparsamen Bewegungen zu einem expressiven und dynamisch reichen Singen. Dies wirkt sich nicht nur bei der älteren Musik, sondern vor allem bei den romantischen Werken eindrucksvoll aus. Ein gefühlvoll geführter Männerchor in einer Bearbeitung von Johannes Brahms „Guten Abend, gut Nacht“ gelingt ebenso bewegend wie Mendelssohns „Wer bis an das Ende beharrt“ aus Elias und andere romantische Werke. Am Ende des Konzerts gab es stehenden Beifall. Dies wurde mit einer den Augsburgern gewidmeten Fassung von „Der Mond ist aufgegangen“ belohnt. Mainpost Würzburg Die Augsburger Domsingknaben beim Geburtstagsfest „111 Jahre FCA“: Eine interessante Verbindung!

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PRESSESPIEGEL UND IMPRESSIONEN FRÜHERER DOMSINGKNABE FREUT SICH BESONDERS KONZERT Der Chor ist nicht leicht für einen Auftritt zu haben. Doch nun gastieren die Augsburger Domsingknaben in Neusäß. Wie es dazu kam. Sie kennen sich seit vielen, vielen Jahren, und das 30-jährige Stadtjubiläum hat sie nun zu einem gemeinsamen Projekt animiert: Bürgermeister Richard Greiner und Reinhard Kammler, Domkapellmeister, trafen sich zu den Vorbereitungen des Konzerts der Augsburger Domsingknaben am 11. November, das nun den krönenden Akzent zum runden Geburtstag der Stadt setzt. Dabei wurde nicht nur Organisatorisches besprochen, sondern auch in Anekdoten und Erinnerungen geschwelgt. Denn Greiner war seinerzeit selbst ein Domsingknabe. Bis heute verbinden ihn mit dieser Jugendaktivität viele schöne Erinnerungen. Etwa an die Domdienste, Chorfreizeiten oder die Mitwirkung an Puccinis „La Bohème“ am Augsburger Stadttheater. „Ich hatte großes Lampenfieber, denke aber noch gern an die lustigen Begegnungen mit damaligen Starsolisten wie Siglinde Damisch in den Aktpausen, die gern mit uns Buben scherzte“, sinniert der heutige Rathauschef, der damals zur Stimmbildung noch im alten Haus im Springergässchen unterrichtet wurde. Auch „Präfekt Bruggner war immer für uns da“, erinnert sich Greiner, „sei es bei der Unterstützung in Latein oder dem Erschließen von Musikerbiografien durch die dortige Bibliothek.“ Geblieben sind dem Alumnus nicht nur prägende Erinnerungen, sondern auch Kontakte. Wie der zu Reinhard Kammler, dem Domkapellmeister, der bereits mit vielen Weltklassedirigenten wie Sir Colin Davis oder Kent Nagano gearbeitet hat. So gelang es ihm, den stets ausgebuchten renommierten Kammerchor nach langen Jahren wieder für Neusäß zu engagieren. Kammler, der mit den Augsburger Domsingknaben eine Erfolgsgeschichte par excellence geschrieben hat, freut sich auf Neusäß, für ihn eine „Hochburg meiner Aktiven“, da etliche der 350 Chormitglieder im Raum Neusäß leben. Er knüpft auch einen bestimmten Anspruch an den Auftritt: „Wir möchten die Menschen verzaubern.“ Mit außergewöhnlichen Knabenstimmen, aus denen Männerstimmen wurden oder noch werden. Der bekannte Chor bietet ein ganz besonderes Konzert von großer stilistischer Bandbreite dar. Musikalische Ausflüge in die Welt der Operette, Madrigale, auch Popsongs und der alpenländischen Musik, neu arrangiert, warten auf das Publikum. Auch den Neusässer Bürgermeister hat Kammler noch aus Jugendtagen in Erinnerung. Ihn wie viele andere, die ihren Weg gemacht haben und bis heute den Kontakt zum Chor halten. Viele davon schicken auch oft nun ihre Söhne. Kammler kennt alle seine Schützlinge persönlich, dieser direkte Kontakt ist ihm wichtig. „Die Zeit bei uns soll in guter Erinnerung bleiben und der Bub mit unserer Unterstützung eine gute Entwicklung fürs Leben nehmen“, das ist es, was den Chorleiter antreibt. Und natürlich auch die Freude an der Musik. (AL) . Augsburger Allgemeine Zum Requiem für Herbert Bruggner im September sangen über 100 ehemalige und aktive Domsingknaben. Ein eindrucksvolles Zeichen der Wertschätzung für unseren plötzlich verstorbenen ehemaligen Präfekten. _15_

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