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Berichte, Gerichte und Geschichten Ein Rückblick auf die Aktionswoche vom 13. bis 16. Oktober 2014

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Danke: Allen, die uns ihre Suppengeschichten erzählt und dadurch diese Woche so reich gemacht haben, insbesondere Medea, Johanna, Karin, Hye Sung, Judit, Ruth, Werni, Matthias, Geni, Francette, Vera, Sirisopa, Philippa, Josy und Bruno, Remy, Frida, S¸enol für die Interviews. Möglich gemacht haben diese Woche: Kanton Zug (Beitrag) Stadt Zug (Beitrag, Standortbewilligung) Hürlimann Wyss Stiftung (Beitrag) Alice und Walter Bossard Stiftung (Beitrag) Werner Jans Holzarbeiten (Werkstattbenutzung) Zuger Kantonalbank (Standortbewilligung) Verein Zwischenkult (Gastrecht@N) Urban Fuchs Bau AG (Material) Natalia Widla (Artikel in der Neuen ZZ) Stefan Kaiser (Fotografie) Johanna (Kochen und Unterstützung) Judit (Kochen) Christian (Kochen) Clare (Material) Beat (Unterstützung, Mitspielen am Donnerstag) Birte (Unterstützung) Simon (Klang) Manuel, Corinne, Ivan (Mitspielen und Mitrüsten am Donnerstag) Roli (Beschriftung Wagen) Guido (Filmen) Basil (Gegenlesen Gesuche) Elisabeth (Teller und Tischtücher) Remo (Kamera Einrichten) Sara (Gegenlesen)

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suppen sammeln sample soups Berichte, Gerichte und Geschichten Ein Rückblick auf die Aktionswoche vom 13. bis 16. Oktober 2014 Urs Bachmann, Barbara Huber, Sandra Lippuner, Markus Müller

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Weite Welt, kulinarischer Alltag, kulinarische Erinnerung Zug und Zürich im Juli 2015, neun Monate danach... Im Suppenwürfel steckt mehr als Würze zum Kochen. Er wird industriell produziert, auf der ganzen Welt als Zutat verwendet und trotzdem ist er nirgends gleich. Im alltäglichen Gebrauch werden auch weltweit verbreitete Nahrungsmittel Teil der lokalen Kultur. Unsere erste Publikation «Welt der Würfel» widmete sich diesem Thema, und mit der Aktionswoche «suppen sammeln sample soups» wollten wir das Thema auch erlebbar machen. Zur Vorbereitung steckten wir unsere Nasen in fremde Suppentöpfe und fragten Menschen in unterschiedlichsten Lebenssituationen nach ihren persönlichen Bezügen zum Produkt «Bouillonwürfel» und dessen alltäglicher Verwendung. Es zeigte sich, dass für viele Menschen vergangene und aktuelle Erlebnisse, Vorlieben und Abneigungen rund um die Zubereitung und den Genuss von Suppen Teil ihrer persönlichen Biografien sind. Mit Kochen und Essen sind tiefgründige und vielschichtige persönliche Geschichten verknüpft. Der Umgang einer Gesellschaft mit Nahrungsmitteln wird durch das Erzählen dieser Geschichten beeinflusst. Wir beschlossen, dem Bedürfnis, die persönlichen Suppengeschichten zu erzählen, in unserer Aktionswoche breiten Raum zu geben. Nach dem Vorbild der fahrbaren, asiatischen Esstände entwickelten wir ein Koch- und Kunstmobil. An drei Mittagen waren wir auf öffentlichen Plätzen unterwegs und tauschten mit Passanten und Passantinnen frisch zubereitete Suppen gegen Geschichten aus. Am Abend kochten dann jeweils Gastköche und -köchinnen ihre Lieblingssuppe. Die Anwesenden kochten, assen und erzählten mit. Am Abschlussabend war die Zubereitung der Suppe zudem als akustisches Erlebnis zu geniessen. Vor und während der Woche entstand eine Sammlung von berührenden Suppenbiografien, die wir in einem Teil der Publikation nacherzählen, ergänzt mit kurzen Beschreibungen und Bildern der Aktionen. Wer einen kulinarischen Eindruck in diese Woche möchte, findet die Suppenrezepte zum Nachkochen. Guten Appetit beim Lesen und Essen!

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Kostproben aus den drei Aktionen Kochen mit Gästen und Suppengeschichten Abends, 13. bis 15. Oktober 2014 Seit es Töpfe über dem Feuer gibt, werden Suppen gekocht.
Suppen werden auf der ganzen Welt zubereitet. Welche Rolle spielt die «Suppe» in deinem Alltag? Im hinteren Teil des Raumes steht unser Koch- und Kunstmobil (Eigenbau von Markus Müller), beleuchtet und mit einem großen, noch leeren Suppentopf. Dahinter eine Filmprojektion mit einem dampfenden Kochtopf. Davor der Rüsttisch mit den Zutaten der Suppe des Abends; Schneidebrettchen und Rüstmesser stehen bereit zum Gebrauch. Daneben ist eine lange Tafel mit weissen Tischtüchern gedeckt, Suppentellern mit Goldrändern, Suppenschüsseln und Blumensträussen. Das Licht ist gemütlich und nicht zu hell. Unsere Suppenwürfel-Sammlung ist auf einem Tisch am Fenster ausgestellt. Es sind Hörstationen mit Kopfhörern installiert. Hier kann man sich von Schlüsselsätzen aus den Interviews inspirieren lassen. Rund um den Raum, an allen vier Wänden, hängt ein Schriftband mit Zitaten aus unseren Interviews: Bouillon ist so ein Produkt, das man überall antrifft, sogar im Flüchtlingslager in Somalia, z.B. mit Kamelfleisch Bouillon betrifft allí, es isch es alts ehrenwerts Produkt Wenn man krank ist, will man einfach die eigene Bouillon Mini Muetter hät vill Suppe gemacht und sie drüü- bis viermal ufgwärmt Es Tassli heiss Wasser und de dräckig Duume dri hebe und scho häsch en Bouillon Winter und Suppe gehören zusammen Bouillon hilft den kulturellen Geschmack zu treffen Wo hört Bouillon auf und wo fängt die Suppe an und wo fängt der Brei an? Min Vater hät am Mittag immer Suppe welle Suppe ist international und interkontinental Wir haben ein ganz klares Geschmacksbild, wie es schmecken sollte Meine Mutter hat immer irgendwo Bouillon gehabt, auch wenn wir das meiste frisch gemacht haben Die Gäste treffen einzeln oder in Gruppen ein, sie wissen nicht genau, was sie erwartet. Als «Amuse bouche» wird eine Buchstabensuppe in einem kleinen Trinkglas serviert. Für die einheimischen Gäste ist dies ein Gruss aus der Kindheit. Kaum ein Schweizer oder eine Schweizerin, die nicht in der Kindheit mit den TeigwarenBuechstäbeli den Namen auf den Suppentellerrand geschrieben hat. Dass Suppen auch zum Schreiben taugen, ist für die ausländischen Gäste eine Überraschung. Die Gäste sind eingeladen, sich an den Rüsttisch zu begeben und unter Anleitung der Köchin, des Kochs des Abends die Suppe zu zubereiten. Frühlingszwiebeln, Staudensellerie, Kartoffeln werden von den Gästen geschält, geraffelt, geschnitten.

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Schon bald duftet es nach gerösteten Zwiebeln und nach Bouillon. Die Suppe auf dem Koch- und Kunstmobil beginnt zu brodeln. Die Gäste kommen während des Rüstens der Nahrungsmittel ins Gespräch. Sie tauschen sich beispielsweise über die verschiedenen Arten des Bohnen-«Abschwänzelns» aus. Die Zubereitung hat etwas Leichtes, Selbstverständliches und, obwohl Fremde miteinander kochen, etwas Alltägliches. Die ca. 30 Gäste reden miteinander über ihre Geschmacksvorlieben, Erlebnisse und Kocherfahrungen. Nicht alle helfen beim Rüsten. Einige wandern im Raum umher, schauen sich die Ausstellung an und kommen so ins Gespräch. Sie tauschen Geschichten über Suppen, Geschichten aus der Kindheit und aus dem aktuellen Leben aus. Sobald die Suppe fertig ist, wird sie von der Köchin oder dem Koch geschöpft und alle Anwesenden begeben sich an die gedeckte Tafel. Zur Suppe gibt’s frisches Brot, Wein und Wasser. Geschichten werden auch zu Tisch zum Besten gegeben. Die meisten bleiben noch eine Weile nach dem Essen sitzen, gerade so, wie dies wohl bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zuhause im Wohn- und Esszimmer auch üblich ist. Allmählich löst sich die Gemeinschaft wieder auf. Mobile Suppenküche und Suppe gegen Geschichten tauschen Mittags, 14. bis 16. Oktober 2014 Im Vorbeigehen eine Suppe essen: Kurz innehalten im Alltag und sich übers Wetter unterhalten oder sich (Suppen)-Geschichten aus dem Leben erzählen. Die Strasse wird zur Küche und zum Esszimmer. Am Mittag riecht es bei uns auf dem Koch- und Kunstmobil nach Baksosop, einer balinesischen Suppe, welche dort oft auf fahrbaren, kleinen Küchen namens Kaki Lima zubereitet wird. Unsere Bakso wird jeden Morgen von Grund auf frisch zubereitet. Um zwölf Uhr stehen wir an unserem Platz (je einmal beim Bundesplatz, vis-à-vis vom Kino Gotthard und beim Bahnhofsaufgang Richtung Metalli) und sind bereit, Suppen und Geschichten zu schöpfen. Einige hungrige Gäste haben aus der Zeitung, aus dem Zuger Kulturkalender oder durch unsere Flyer und Webseite erfahren, wo und wann es bei uns eine Suppe gibt. Passanten wollen wissen, was unser Gefährt genau bedeutet. Ist der Hintergrund religiös? Wohltätigkeit? Oder doch eher im Kunstbereich einzuordnen? Wir erklären, warum wir hier sind, Gespräche entwickeln sich. Die meisten überlegen sich erst beim Essen, ob sie eine Suppengeschichte erzählen wollen und so eine Suppe gratis erhalten. Einige haben einfach Hunger und wollen schnell Suppe essen. Um zwei Uhr ist der «Mittags-Rush» vorbei, wir ziehen unser Gefährt wieder zurück zur Homebase «Chez Nussbaumer» und machen es bereit für die Abendaktivität.

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Kochklang Abschlussabend, 16. Oktober 2014 Wie klingt kochen?
Wie schmeckt eine auditive Suppe?
Und fliesst das Hörerlebnis ins Geschmacksempfinden ein?
 Kurz bevor die Gäste eintreffen, haben wir noch die letzte Probe. Alles schwirrt und flimmert – ein experimentelles, transdiziplinäres Potpourri. Alle Rüstgeräte sind mit einem Mikrofon ausgerüstet; jedes Kochutensil ist auch Klanginstrument. Hack-, Raffel-, Rührrhythmus und -intensität bilden das Klangmaterial für die Improvisation. Die Rohklänge werden gesampelt. Unser Kunst- und Kochmobil ist bereit für eine weitere Suppe. An diesem Abend kochen wir die thailändische Suppe Tom Kha Gai für die Gäste, nicht mit ihnen. Die Gäste setzen sich an die gedeckten Tische und warten, bis sich das Koch- und Musikerteam auf der «Kochbühne» eingefunden hat. Sandra Lippuner und Barbara Huber stehen heute selber am Suppenherd, eine vegetarische Variante mit Kürbis wird im Hintergrund von Johanna zubereitet. Der Klangkünstler Simon Berz bedient den Sampleherd. Markus Müller und Urs Bachmann sind zusammen mit weiteren Musikern und Musikerinnen am Rüstpult. Die Gäste lauschen den Rüstklängen. Diese sind weder melodisch noch rhythmisch. Es ist kein alltägliches Hörerlebnis, denn meistens stehen beim Kochen andere Sinne im Vordergrund. Und wenn beim Kochen zugeschaut wird, dann meist, um zu lernen, wie etwas zubereitet wird. Zu jeder Handlung erfolgt eine Anweisung durchs Mikrofon; beispielsweise: «Markus, die Limetten-Blätter aggressiv zerreissen». Nicht nur das Setting ist unüblich, auch die einzelnen Zutaten gehören hierzulande nicht zur Küchen-Grundausstattung. Deshalb werden einzelne Zutaten wie die Kaffirlimetten, das Zitronengras, die Galanga-Wurzel zur Probe im Publikum herumgereicht. Einige Kochhandlungen werden zelebriert, weil sie schön tönen, z.B. das Einfüllen der Reiskörner in den Reiskocher. Als es zur Fleischzubereitung kommt, sind nicht nur die vegetarischen Gemüter im Publikum arg gefordert und strapaziert. Mit Handschuhen bewehrt und Messern bewaffnet, wird das Huhn in mundgerechte Stücke geschnitten. Das Geräusch des Zerschneidens verbreitet sich laut und deutlich im Raum. Jede Kochhandlung wird zur musikalischen Handlung und für das Publikum zum sinnlichen Erlebnis. Die Suppe wird hör-, sicht-, riech- und erst am Schluss auch schmeckbar. Ob die Suppe anders schmeckt, wenn sie zuvor erhört wurde?

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Zutaten der Aktionswoche Kochen und Essen sind auch Mittel der sozialen und kulturellen Verständigung. Kochen und Essen ermöglichen Erfahrungen von Zugehörigkeit und können wichtige biografische Momente aus dem Alltag herausheben. Bei unserer Aktion finden das Kochen und Essen nicht im gewohnten Rahmen statt. Gemeinsames Kochen mit Unbekannten, zusammengewürfelte Tisch- und Essgemeinschaften sind in unseren Breitengraden eher aussergewöhnlich. Bedeutung und Ablauf unserer Aktionen sind nicht im Vornherein klar. Passantinnen und Teilnehmer der Veranstaltungen sind eingeladen, mitzuwirken und diese mitzuprägen. Das Erzählen aus der eigenen Kochpraxis trägt dazu bei. Ebenso die gemeinsamen Handgriffe beim Rüsten und Kochen, die in der Gruppe bewusster und intensiver erlebt werden. Dass wir Suppe kochen, kommt nicht von ungefähr: Für ihre Zubereitung braucht es keine ausgefeilten Kochtechniken. Suppen gibt es schon sehr lange und man trifft sie weltweit an. Mit dem Wasser als Aromaträger sind unendlich viele Kombinationen möglich. Suppenrezepturen sind äusserst anpassungsfähig ans Nahrungsangebot, an Vorlieben und am gesellschaftlichen oder kulturellen Stellenwert der Zutaten. Bouillonwürfel als moderne Zutat von Suppen passen in diesen Kontext. Sie fanden als frühes Convenience-Produkt während der Industrialisierung weltweite Verbreitung. Die Rezepturen und Verpackungen werden in die regionalen Esstraditionen und Bedeutungszusammenhänge eingepasst. Suppenwürfel stehen wie viele weltweit verbreitete Nahrungsmittel im Spannungsfeld von globaler Ausstrahlung und lokaler Bedeutung. Unser Kunst- und Kochmobil ist eine Neuinterpretation traditioneller mobiler Essstände, die in asiatischen Städten zu Tausenden in den Strassen unterwegs sind. Es sind Garküchen,Verkaufsräume, Schaufenster für die produzierten Nahrungsmittel und oft auch soziale Treffpunkte, Orte des unverbindlichen Austauschs – ein ideales Setting für unsere Aktionen. Die Konstruktion unseres Mobils ist leicht und wandelbar. Tragstruktur und Verkleidung sind unabhängig voneinander, Andockpunkte bieten Erweiterungsmöglichkeiten. Die Verkleidung kann für weitere Aktionen geändert und angepasst werden. Die verwendeten Materialien sind überall günstig zu beschaffen. Die unterschiedlichen Räume unserer Aktionen sind öffentlich zugänglich und strahlen gleichzeitig etwas von der Privatheit einer Küche oder eines Esszimmers aus. Die Gäste können sich ungezwungen bewegen. Wer nicht teilnehmen will, findet Nischen und Beschäftigung oder kann einen geschützten Blick aufs Geschehen werfen. Die Räume bieten verschiedenste Anregungen – bereits vorhandene oder von uns hinzugefügte, ob auf öffentlichen Plätzen, im Schaufenster oder im leergeräumten, rohen Gewerberaum. Visuelle Anregungen, wie die Ausstellung der Suppenwürfel-Verpackungen, die gedeckte Tafel, der vorbereitete Rüsttisch, das beleuchtete Koch- und Kunstmobil als Kochstation, die bereitgestellten Sitzgelegenheiten und Projektionen prägen das Raumgefühl mit. Um ein sinnliches Gesamterlebnis zu ermöglichen, experimentieren wir mit Kochklängen – den verstärkten und gesampelten Kochgeräuschen.

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Ciorba de Fasole mit Johanna

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Ciorba de Fasole Rumänische Bohnensuppe Zutaten für 4 – 6 Personen 250 g weisse Bohnen am Vortag in kaltem Wasser einlegen, abtropfen 5 mittlere Kartoffeln 3 grosse Rüebli 2 Zwiebeln ½ Weisskabis 1 rote und 1 gelbe Peperoni ¼ Sack Tiefkühlerbsli 200 g frische grüne Bohnen 5 Zehen Knoblauch 2 grosse Tomaten rüsten und in Stückli schneiden Sonnenblumenöl darin anbraten ca. 2 l Wasser ablöschen, es sollte alles bedeckt sein Gemüsebouillon würzen, die eingeweichten und abgetropften Boh- nen beigeben, ca. 40 Min. köcheln lassen 2 Zitronen (Saft), Molke geht anscheinend auch damit abschmecken, Suppe sollte schön sauer sein! etwas Liebstöckel, Bohnenkraut, Peterli feinhacken und beigeben Dazu genügend Sauerrahm servieren, der direkt im Teller in die Suppe gerührt wird, oder auch schon vorher die Suppe dezent damit abschmecken. Frisches Brot auftischen und eingelegte Peperocini, die jeweils in einem Tellerchen mit Salz getunkt werden und vor jedem Löffel direkt abgebissen und mit der Suppe runtergeschluckt wird. Pofta buna = en Guete

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