Unsere Wärme 04/2018

 

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Unsere Wärme 04/2018

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Das österreichische Magazin für energieeffizientes Heizen mit Öl. Österreichische Post AG, Firmenzeitung 12Z039355 F Retouren an Postfach 555, 1008 Wien www.heizenmitoel.at 4 2018 Auf Nummer sicher Besinnlich soll sie sein – die schöne Weihnachtszeit. Doch im Dezember haben auch Einbrecher und Adventkranz-Brände Hochsaison. Wie man sich schützt. SchwerpunktThema d„iSeoÖkllhimeiazfuitnigs“t Hereinspaziert Warum die Ölheizung im Hotel Mondschein trotz Komplettsanierung bleiben durfte. Seite 20 Warm und günstig So senkt man im Winter den Heizölverbrauch. Seite 23 Öl aus Plastik Wie die OMV nun aus Altkunststoff Rohöl machen kann. Seite 24

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DEZEMBER 2019 BIS

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EDITORIAL & IMPRESSUM Liebe Leserinnen und Leser Mit der Ölheizung in die Zukunft Spannende Vorträge und eine rege Diskussion brachte das traditionelle IWO-Symposium, das heuer ganz unter dem Zeichen neuer Technologien und Forschungen stand. Das Fazit: Trotz aller Herausforderungen am Raumwärmemarkt können wir optimistisch in die Zukunft blicken. Sie wird weiterhin den flüssigen Brennstoffen gehören, die dann die positiven Eigenschaften konventionellen Heizöls mit dem erneuerbaren Konzept verbinden. Angesichts der vielversprechenden Entwicklungen sieht sich die österreichische Mineralölwirtschaft als wichtiger Player bei der Umsetzung der Energiewende. Oberste Priorität hat nun, konkrete Umsetzungspläne gemeinsam mit Industrie, Händlern und der Politik zu entwerfen. Der erste Schritt ist getan: Gemeinsam mit unseren Partnern betreiben wir seit kurzem österreichweit Testanlagen. Dabei werden herkömmliche Öl-Brennwertgeräte ausschließlich mit erneuerbaren flüssigen Brennstoffen betrieben. Die Basis aller Zukunftsbemühungen ist die Ausschöpfung vorhandener Energieeffizienzpotentiale. Daher setzen wir auch weiterhin auf die Erneuerung von bestehenden Heizungsanlagen durch moderne Öl-Brennwerttechnik. Mag. Martin Reichard, Geschäftsführer Heizen mit Öl GmbH IMPRESSUM: Medieninhaber und Herausgeber: Heizen mit Öl GmbH + Institut für Wärme und Öltechnik, 1020 Wien, Untere Donaustr. 13 –15/3. OG, Tel.: 01– 890 90 36, Fax: 01– 890 90 36 – 50 Geschäftsführer: Mag. Martin Reichard Unternehmensgegenstand: Förderung des Austausches von Ölheizungsanlagen durch Anreizbildung für den umweltund klimafreundlichen Ersatz von alten Heizungsanlagen durch moderne, sparsame und effiziente Ölheizungsanlagen. Fotos: Wenn nicht anders angegeben, liegen die Fotorechte bei Heizen mit Öl GmbH Medienproduktion: WEKA Industrie Medien GmbH, Dresdner Straße 45, 1200 Wien www.industriemedien.at Geschäftsführung: Dipl.-BW (FH) Kurt Skupin, MBA Hans-Florian Zangerl Chefredaktion: Margret Handler Anzeigen: Marianne Schmidt, Kerstin Hainzl, Claudia Adam Grafik & Layout: Nicole Fleck, Johanna Kellermayr Druck: Ferdinand Berger & Söhne GmbH, Wiener Straße 80, 3580 Horn Auflage: 129.161 Stück

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INHALT NEWS 6 K urz & Feurig Die neuesten Entwicklungen aus der Branche und der aktuelle Vollkostenvergleich. VERANSTALTUNG 8 IWO-Symposium Ja, die Ölheizung hat Zukunft. Welche Brennstoff-Alternativen es künftig geben kann und wie wir im Jahr 2030 heizen, war Thema beim diesjährigen Symposium. COVERSTORY 12 Sicher wohnen Der Dezember gilt als gefährlicher Monat. Zumindest was Einbrüche und die Brandgefahr in den eigenen vier Wänden angeht. Wie man auf Nummer sicher geht. RATGEBER 19 H ybrid-Heizung Öl-Brennwertgerät und Wärmepumpe sind eine optimale Zukunftslösung. 23 Bewusst heizen Wie man sparsam durch die Heizperiode kommt, ohne frieren zu müssen. HOMESTORY 20 Ökohotel am Arlberg Markus Kegele hat das Traditionshotel Mondschein saniert und sich völlig der Nachhaltigkeit verschrieben. Der alte Ölkessel im Keller durfte trotzdem bleiben. TRENDS 24 Öl aus Kunststoff Wie aus der Idee, Kunststoff wieder in den Ausgangsstoff Rohöl zurückzuverwandeln, Wirklichkeit werden kann. PREISFRAGE 26 Interview Wohin es mit dem Ölpreis geht, beantwortet Experte Oliver Johne. 23 WINTERFIT Mit welchen Tricks man in der Heizperiode das Börserl schonen kann. STANDARDS 22 Leserfrage 27 Rätselecke 4 unsere wärme 4 | 2018

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12 Fotos: IWO, Fotolia, OMV SICHER IM DEZEMBER Wie man Dämmerungseinbrechern keine Chance lässt und Kerzenbrände vermeidet. EXPERTENGESPRÄCHE Das diesjährige IWO-Symposium bot hochkarätige Experten 8und spannende Vorträge zur Zukunft des Heizöls. 24 KUNSTSTOFF IM TANK So machen Wissenschaftler aus Kunststoffabfällen wieder Rohöl. 4 | 2018 unsere wärme 20 ZUBESUCH Warum Hotel-Chef Markus Kegele auf Nachhaltigkeit und die Ölheizung setzt. 5

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NEWS Kurz & Feurig Spannende Fakten rund ums Öl sowie der aktuelle Vollkostenvergleich unterschiedlicher Heizarten. Wussten Sie schon, ...? ... dass Sie bereits 2025 Algen-Brennstoff im Auto- und Heizöltank haben könnten? Seit 2009 arbeitet ExxonMobil gemeinsam mit der kalifornischen Biotechnologie-Firma Synthetic Genomics an der Entwicklung von biologischen Brenn- und Kraftstoffen aus Algen. Kürzlich gelang der Durchbruch mit der Züchtung genetisch modifizierter Algenstämme, deren Ölanteil auf 40 Prozent verdoppelt wurde. Bis 2025 soll es nun möglich sein, pro Tag rund 10.000 Barrel Biokraftstoff aus Algen zu produzieren. Das entspricht dem Verbrauch von 580.000 Autos. Der erneuerbare Brenn- und Kraftstoff hat mehrere Vorteile: Er reduziert den Ausstoß von Treibhausgasen, verbraucht keine Anbauflächen, da er im Salzwasser gedeiht, und weist die gleichen positiven Produkteigenschaften auf wie fossile Alternativen. Neu entwickelte flüssige Brennstoffe weisen zahlreiche Vorteile auf. KOPF & SAGER Foto: Fotolia.com Foto: Neste Grüne Ölheizungen Gemeinsam mit dem Institut für Wärme und Öltechnik beschreitet die Mineralölwirtschaft den Weg in eine klimafreundliche Zukunft. Zwei Heizperioden lang werden herkömmliche Öl-Brennwertgeräte zu 100 Prozent mit erneuerbaren, synthetischen flüssigen Brennstoffen betrieben. Erste Pilotanlagen in Einfamilienhäusern sind bereits in Betrieb. Weitere Anlagen in Privathaushalten und zwei Gewerbebetrieben kommen nun österreichweit hinzu. Die Brennstoffe, die dabei eingesetzt werden, haben besondere Eigenschaften: Sie verbrennen gleich gut wie fossile Energieträger, sind frei von Aromaten und wurden aus anderen Ausgangsstoffen synthetisch hergestellt. Zur Zeit sind allerdings nicht ausreichende Mengen verfügbar, weshalb ein großflächiger Einsatz erst mittelfristig möglich sein wird. Ziel des Projekts: „Wir wollen dokumentieren, dass ein sicherer und klimafreundlicher Betrieb von Ölheizungen mit erneuerbarem Brennstoff möglich ist“, sagt Christian Ulrich, der Technik-Experte vom IWO Österreich. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend. 6 Foto: VDA „Für die Energiewende braucht es technologieoffene Lösungen. Neben der Elektromobilität ist auch der Einsatz erneuerbarer Kraftstoffe voranzutreiben.“ Kurt-Christian Scheel, Geschäftsführer des deutschen Verbands der Automobilindustrie unsere wärme 4 | 2018

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NEWS Foto: Fotolia.com 20.000 ZAHL ZUM ÖL ANGEMERKT 20.000 Terawattstunden könnte die weltweite Nachfrage nach PtX (Power-to-X) im Jahr 2050 betragen, so das Ergebnis einer aktuellen Studie. Bei PtX handelt es sich um synthetischen Brenn- und Kraftstoff aus regenerativ erzeugtem Wasserstoff und CO2. Der künftige Bedarf würde in etwa die Hälfte der heutigen Rohölnachfrage ausmachen. TERAWATTSTUNDEN » Weniger Ölbedarf in 2019: Die OPEC geht von einer weltweit geringeren Ölnachfrage fürs kommende Jahr aus, die Prognose wurde um 130.000 Barrel pro Tag gesenkt. » K affee im Tank: Shell und Bio-bean lassen Busse in London mit Biodiesel aus Kaffeesatz fahren. Der Kraftstoff besteht zu 20 Prozent aus einer Biokomponente, die aus Kaffeeöl hergestellt wird. » Strom pusht Kohle: 2017 stieg zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder der weltweite Verbrauch von Kohle, so das Ergebnis des „Statistical Review of World Energy“ von BP. Gebraucht wird die Kohle für die Produktion von Strom. » Boom durch klimafreundliche Kraft- und Brennstoffe: Eine Studie von Frontier Economics und dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sieht für Deutschland bis 2050 eine jährliche zusätzliche Wertschöpfung von 36 Milliarden Euro und fast eine halbe Million neuer Arbeitsplätze. 2 745 2 1.500 2 270 2 831 2 1.210 2 268 2 1.422 2 1.015 2 370 3000 2500 2000 1500 1000 500 0 Heizöl EL Erdgas Pellets Brennholz Flüssiggas Fernwärme Erdwärme Brennwert Brennwert 2 1.259 2 801 2 450 2 803 2 1.439 2 250 2 687 2 1.558 2 60 2 1.451 2 807 2 60 Heizöl & Co im Kostenvergleich Im Vollkostenvergleich (berücksichtigt kapital-, verbrauchs- und betriebsgebundene Kosten) gehört Heizen mit Öl weiterhin zu den günstigsten Heizformen. Der Vergleich gemäß ÖNORM (Stand vom 19. November) berechnet beispielhaft die Modernisierung der Heizungsanlage in einem Einfamilienhaus. Wohnfläche: 150 m² Heizlast: 12 kW Nutzwärmebedarf: 15.000 kWh/Jahr Kapitalverzinsung: 2,0 % Betrachtungszeitraum: 15 Jahre Technik: Heizöl, Erdgas u. FG auf Brennwertbasis (Erdgas Hi = 10,09 kWh/m3, Ho = 11,20 – 11,24 kWh/m3); Erdwärme (WP) mit Tiefenbohrung; Preise/Kosten: Preise inkl. aller Steuern. Quellen: WKÖ, propellets, AK, LWK, Handel, 9 Landesenergieversorger, HmÖ; Verbrauchsgebunde Kosten: Brennstoffkosten, Transport, Nebenkosten, Hilfsenergie; Kapitalgebundene Kosten: Wärmeerzeuger, Umformerstation, Abgasanlage, Kleinmaterial, Installation, Anschlussgebühren, Grabarbeiten, Bohrungen, Entsorgung u. Reinigung; Betriebsgebundene Kosten: Instandhaltung, Wartung, Service u. Reinigung der Anlage, Energiekostenabrechnung; Berechnungen: IWO-Österreich nach Modernisierung/Erneuerung einer bestehenden Ölheizung; Variantenberechnung mit verschiedenen Wärmeerzeugungssystemen nach ÖNORM M 7140; für die Berechnung wurde bei allen Energieformen der systembedingte Wirkungsgrad berücksichtigt 4 | 2018 unsere wärme kapitalgebundene Kosten verbrauchsgebundene Kosten betriebsgebundene Kosten 7 mittlere Vollkosten (Barwert) in Euro/Jahr

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AKTUELL Im Fokus: #Brennstoffe2030 Wie heizen wir im Jahr 2030? Was sind die Trends bei flüssigen Brennstoffen? Und kann damit die Energiewende gelingen? Antworten auf diese Fragen standen im Fokus des diesjährigen Symposiums des Instituts für Wärme und Öltechnik (IWO) in Wien. „Nicht einen Ausstieg aus der Ölheizung braucht es, sondern aus fossilen Brennstoffen.“ Christoph Jugel, Deutsche Energie-Agentur 8 Eines ist unbestritten: Auch mit Ölkessel gibt es einen Weg in eine erneuerbare Zukunft. „Die Lösung liegt aus unserer Sicht nicht in einem Abtausch der Infrastruktur, sondern im Wechsel des Heizstoffes“, sagt IWO-Vorstandsvorsitzende Caroline Gassauer-Fleissner in ihrem Eingangsstatement beim diesjährigen IWO-Symposium. Rund 140 Menschen waren der Einladung ins Wiener Park Hyatt gefolgt, um mit Experten aus den Bereichen Forschung, Wissenschaft und Politik über mögliche Lösungsansätze für eine Zukunft mit erneuerbaren flüssigen Brennstoffen zu debattie- ren. Gassauer-Fleissner bekannte sich klar zu den Zielen der Pariser Klimastrategie wie auch der österreichischen Bundesregierung. 22 Forschungsprojekte Mit zukünftigen Brennstoff-Alternativen beschäftigen sich zurzeit 22 Forschungsprojekte in ganz Österreich, wie Georg Benke darlegte. Er ist Leiter des Bereichs Energiewirtschaft bei der „e7 Energie Markt Analyse“. Benke kritisierte, dass flüssige Energieträger in der Energie- und Klimastrategie der Regierung nicht berücksichtigt würden. „Wir brauchen speicherbare und transportierbare Energieträger. Die unsere wärme 4 | 2018

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Foto: Fotolia.com AKTUELL „Das IWO Österreich betreibt Testanlagen zu 100 Prozent mit erneuerbaren flüssigen Brennstoffen.“ Martin Reichard, Heizen mit Öl GmbH Fotos: IWO Das interessierte Publikum stellte Fragen an die Experten. „Wir bekennen uns zu den Zielen der Pariser Klimastrategie und der Bundesregierung.“ Caroline Gassauer-Fleissner, OMV zentrale Herausforderung der Energiewende besteht darin, den Energieüberschuss des Sommers in den Winter zu bringen.“ Die Lösung: Power-to-Liquids, die Umwandlung von Energie (etwa Photovoltaik- oder Windstrom) in flüssige Brennstoffe. Eine Studie der Deutschen Energie-Agentur (dena) befasst sich mit der Gestaltung des Energiesystems bis 2050. Eine CO2-Reduktion um mehr als 90 Prozent bis dahin sei möglich, ist dena-Experte Christoph Jugel überzeugt. Dazu müssten alle vier betroffenen Sektoren – Energie, Gebäude, Mobilität und Industrie – optimiert werden. „Wir werden eine 4 | 2018 unsere wärme „Der Stromüberschuss muss auch zu FlüssigBrennstoff veredelt werden. Sonst wird’s eng bei Dunkelflaute im Winter.“ Georg Benke, e7 Energie Markt Analyse 9

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AKTUELL „Leider arbeitet Politik oft mit Feindbildern. Der Effekt von Einsparungen wäre größer als der eines Ausstiegs aus Technologien.“ Reinhold Mitterlehner, Wirtschaftsminister a. D. „Unsere WinddieselMusteranlage rechnet sich schon nach elf Jahren.“ Richard Zweiler, Güssing Energy Technologies „Flug- und Schwerlastverkehr benötigen noch viele Jahre flüssige Brennstoffe.“ Maximilian Staudacher, OMV Zahlenspiele Die knapp 700.000 Ölheizungen in Österreich sind nicht so einfach zu ersetzen, wie Energie-Analyst Georg Benke darlegte: Was wäre, wenn man den Heizöleinsatz von jährlich 15.000 Gigawattstunden (2016) mit anderen Energieträgern decken müsste? „Man müsste entweder zig Talkessel mit Staumauern zubauen, oder wir hätten bald ein deutlich erhöhtes Transportaufkommen.“ Hackschnitzel benötigen das 12,5-Fache an Transport- und Lagervolumen von Heizöl, Pellets immerhin noch das 3,5-Fache. Luftwärmepumpen wiederum werden mit Strom betrieben. Der zusätzliche Leistungsbedarf läge bei 4 Gigawatt – das sind um 40 Prozent mehr als die derzeitige Leistungsspitze. 10 stark steigende Elektrifizierung sehen“, meint Jugel. „Wir benötigen aber auch 2050 flüssige und gasförmige Energieträger – die dann allerdings klimafreundlich sein werden.“ Erneuerbarer Premium-Treibstoff Vielversprechend, zukunftsweisende Projekte gibt es einige. Wie jenes von Richard Zweiler, Geschäftsführer von Güssing Energy Technologies (GET). Er hat im Burgenland eine Anlage für „Winddiesel“ errichtet. Mit Ökostrom aus burgenländischen Windparks wird durch Elektrolyse Wasserstoff aus Wasser gewonnen. Gemeinsam mit Kohlenstoff aus Biomassse wird dieser zu Diesel oder Heizöl. „Das Ergebnis ist Premium-Treibstoff auf erneuerbarer Basis“, erklärt Zweiler. „Dieser ist preislich wettbewerbsfähig und kommt ohne Förderungen im laufenden Betrieb aus.“ Vier Anlagen würden reichen, um alle burgenländischen Dieselfahrzeuge mit klimafreundlichem Treibstoff zu versorgen. Maximilian Staudacher, Verantwortlicher für die Anwendungstechnik bei OMV, nannte die hohe Energiedichte als weiteren Pluspunkt flüssiger Brennstoffe. Zudem könne die bestehende Infrastruktur der Kunden problemlos weiterverwendet werden (mehr im Interview auf Seite 11). „100 % Strom ist kontraproduktiv“ „Der Erfolg alternativer flüssiger Energie hängt von Verfügbarkeit und Preis ab“, meint Reinhold Mitterlehner. Der ehemalige Vizekanzler und Wirtschaftsminister hat den Prozess zur #Mission2030 (der österreichischen Klima- und Energiestrategie), die von der Nachfolgeregierung präsentiert wurde, noch selbst eingeleitet. Ziel war, die Bereiche Klima und Energie zu verknüpfen. „Ein 100-Prozent-Stromziel bis 2030 scheint überambitioniert und kontraproduktiv“, sagt Mitterlehner. Mögliche Probleme sieht der einstige Spitzenpolitiker bei der Energiebereitstellung aus erneuerbaren Quellen und im Ausbau der Netzinfrastruktur. — unsere wärme 4 | 2018

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„Flüssige Brennstoffe sind unverzichtbar“ Kaum jemand kennt die Zukunft erneuerbarer flüssiger Heizstoffe besser als Maximilian Staudacher. Er ist Chef der OMV-Abteilung für Anwendungstechnik. AKTUELL Foto: OMV UNSERE WÄRME: Haben flüssige Brennstoffe eine Zukunft? Maximilian Staudacher: Sie haben unschlagbare Vorteile aufgrund ihrer Energiedichte. Bei gleichem Volumen hat ein Heizöltank mehr als die 20-fache Speicherkapazität eines Stromspeichers. Zum Vergleich: 1.000 Liter Speichervolumen entsprechen bei Heizöl rund 10.500 Kilowattstunden Energie. Bei einem Strom- „Ziel alternativer Herstellungsverfahren ist ein idealer CO2-Kreis- lauf.“ speicher wären das 400, beim Warmwasserspeicher gar nur 90 Kilowattstunden. Der wesentliche Nachteil: Fossile Heizstoffe sind CO2-Verursacher ... Staudacher: Mit erneuerbaren flüssigen Heizstoffen wie HVO oder in Zukunft auch E-Fuels lassen sich annähernd bis zu 100 Prozent der CO2-Emissionen einsparen. Bewährte Vorteile bleiben: Erneuer- bare flüssige Brennstoffe sind nicht leitungsgebunden, dezentral nutzbar und somit besonders leicht längerfristig speicherbar. Und sie lassen sich ohne Zusatzinvestitionen im bestehenden Heizkessel verbrennen. Es gibt viele Wege, Kohlenstoff aus Biomasse, Abgasen oder Umgebungsluft zu gewinnen und mit Wasserstoff in flüssigen Brenn- und Kraftstoff zu verwandeln. Welches Verfahren ist am aussichtsreichsten? Staudacher: Um möglichst ressourcenschonend zu produzieren, scheint es sinnvoll, Abfallstoffe zu nutzen. Die OMV betreibt zum Beispiel eine Testanlage, die Altkunststoff verarbeitet. Auch Abfälle der Lebensmittelindustrie wie Pflanzenöl und Fett können mittels Hydrierung in HEFA und damit zu Brenn- und Kraftstoffen in bekannter Qualität verwandelt werden. Wichtig ist, dass genauso viel CO2 im Herstellungsprozess gebunden wie bei der Verbrennung freigesetzt wird. Gibt’s Nachteile erneuerbarer flüssiger Brennstoffe? Staudacher: Solange die Spezifikationen der gültigen Normen für Heizstoffe eingehalten werden, gibt es aus anwendungstechnischer Sicht in der Regel keine Nachteile von erneuerbaren flüssigen Brennstoffen? Allerdings sind die Produktionskosten tendenziell höher als bei Produkten mit fossilen Rohstoffen. — 4 | 2018 unsere wärme Verantwortlicher für die Anwendungstechnik der OMV: Maximilian Staudacher Kurz erklärt HVO = Hydrotreated Vegetable Oil; hergestellt aus Abfallfett und Reststoffen HEFA = Hydrotreated Ester and Fatty Acids E-Fuels = synthetische Brenn- und Kraftstoffe; mithilfe von Überschuss-Strom aus Wasser und Kohlendioxid hergestellt (Power-toLiquid-Verfahren) 11

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COVERSTORY Sicher ist sicher Besinnlich und gefährlich: Ja, der Dezember ist ein Gefahrenmonat. Denn Winterzeit ist Einbruchszeit und Hochsaison für Wohnungsbrände. Doch es gibt Möglichkeiten, sein Hab und Gut zu schützen. Wir haben uns für die Coverstory Expertentipps geholt, damit die schöne Weihnachtszeit auch besinnlich und sicher bleibt. Die gute Nachricht zuerst: Die Zahl der Einbrüche in Häuser und Wohnungen geht in Österreich zurück. Laut Kriminalitätsstatistik sind die angezeigten Fälle im Vorjahr um neun Prozent gesunken (von 12.975 im Jahr 2016 auf 11.802). Das weniger Erfreuliche daran: Dämmerungseinbrecher schlagen von November bis Jänner zu. Also genau jetzt in der Vorweihnachtszeit und rund um den Jahreswechsel. Die Täter sind vermehrt zwischen 16 und 21 Uhr aktiv. Beliebte Tatorte sind laut den Kriminalisten Wohnungen und Wohnhäuser, die gut an Hauptverkehrsver- bindungen angebunden sind und so eine rasche Flucht ermöglichen. Besonders im Fokus: Siedlungsgebiete mit schwer einsehbaren Grundstücken und ebenerdig gelegene Wohnungen. Eine nach wie vor beliebte Einstiegsmethode ist das Aufzwängen von Terrassentüren und gartenseitig gelegenen Fenstern – aber auch durch Türen oder Kellerzugänge steigen Verbrecher in Wohnobjekte ein. Ihre Hilfsmittel sind meist einfach: Mit Schraubenzieher oder Zange lassen sich schlecht gesicherte Türen oder Fenster leicht aufbrechen. (Fortsetzung auf Seite 14) 12 unsere wärme 4 | 2018 Foto: Fotolia

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COVERSTORY Foto: Loxone 4 | 2018 unsere wärme 13

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COVERSTORY My home is my castle Das raten die Spezialisten der Kriminalprävention Die Aufklärungsquote von Einbruchsdelikten ist relativ gering. Lediglich jeder siebente Einbruch wird geklärt (14,5 Prozent). Bei den Tatverdächtigen handelt es sich bei jedem fünften um einen Inländer, acht von zehn sind Fremde. Prävention schützt „Seit 2014 setzt die Polizei ein breit angelegtes Maßnahmenpaket zur Bekämpfung des Dämmerungseinbruchs um, das zu einem Rückgang der Zahl der Anzeigen im Wohnraumeinbruch geführt hat“, heißt es vonseiten des Bundeskriminalamts in Wien. In sehr vielen Fällen (43,7 Prozent der angezeigten Fälle) bleibt es beim Einbruchsversuch und die Täter schaffen es nicht, ihre Tat zu vollenden. Zurückzuführen ist das auf den guten Eigenschutz und Präventionsmaßnahmen. Denn gerade was die Prävention betrifft, kann man sehr viel für die Sicherheit in den eigenen vier Wänden tun. Um sein Eigenheim zu schützen, können neben technischen Maßnahmen auch richtiges Verhalten und nachbarschaftliche Hilfe dazu beitragen, es Einbrechern schwer zu machen. — 14 Technische Hilfsmittel 1EINBAU VON SICHERHEITSTÜREN Empfohlen werden ÖNORM B 5338-geprüfte Eingangstüren der Widerstandsklasse 3 oder die Nachrüstung der vorhandenen Tür z. B. mit Sicherheitstürstock, Türblatt mit Stahleinlagen, Sicherheitsbeschlag, Sicherheitsschloss, Balkenriegelschloss, Mehrfachverriegelung und Bandaushebelsicherungen. 2 EINBAU VON EINBRUCHSHEMMENDEN TERRASSENTÜREN UND FENSTERN Auch hier können vorhandene Fenster und Türen durch Verriegelungen aufgerüstet werden (z. B. mehrere Pilzkopfzapfen, Sicherheitsschließbleche und sperrbare Fenstergriffe). Fenster und Türen lassen sich auch durch Scherengitter oder Rollbalken sicherer machen. Wer neue Terrassentüren und Fenster einbauen lässt, wählt solche der Widerstandsklasse 2. unsere wärme 4 | 2018 Fotos: Fotolia.com

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COVERSTORY Schützendes Verhalten 3 AUSSENBELEUCHTUNG Eine möglichst lückenlose Außenbeleuchtung bietet guten Schutz. Bewegungsmelder und beleuchtete Kellerabgänge gehören ebenfalls dazu. Einbrecher wählen Häuser oder Wohnungen, in die es einfach ist, einzudringen. Je schwieriger man es ihnen macht, umso unattraktiver wird man als Verbrechensziel. 4 ALARMANLAGEN Die gängigsten Arten sind entweder Funkanlagen oder verkabelte Alarmanlagen. Beide Systeme bieten die gleichen Alarmarten und Reaktionen. Mit Funkanlagen kann man sein Eigenheim und bereits bestehende Gebäude einfach und schnell nachrüsten. Verkabelte Systeme bieten sich bei Neubauten oder Renovierungen an. Alarmanlagen-Tipps: Kosten: zwischen 500 bis 1.500 Euro Förderungen für den Einbau in manchen Bundesländern möglich (z. B. NÖ, OÖ, Bgld.) Überlegungen vor dem Kauf: Was soll geschützt werden (Personen, wertvolle Gegenstände)? Wer bedient die Anlage? (ist technisches Verständnis da?) Einbau und Planung unbedingt Profis überlassen 4 | 2018 unsere wärme 1INVENTARVERZEICHNIS ANLEGEN Man denkt nicht gerne an den Ernstfall, es kann aber im Nachhinein mehr als hilfreich sein, Listen mit Besitztümern anzufertigen. Dafür fotografiert man Schmuck und Kunstgegenstände, notiert sich Gerätenummern von Handy, Laptop und anderen wertvollen Geräten im Haushalt. Das kann als Nachweis und bei der Wiederbeschaffung sehr hilfreich sein. 2 TRESORE UND BANKSCHLIESSFÄCHER Wertgegenstände verwahrt man am besten in geeigneten Schutzschränken oder bei längerer Abwesenheit in Bankschließfächern. 3 ZEICHEN DER ABWESENHEIT VERMEIDEN Wenn man längere Zeit auf Urlaub ist, sollte man tunlichst vermeiden, dass sich Zeitungen und Werbepost vor der Haustür stapeln. Zeitschaltuhren, die in den Abendstunden das Licht einschalten, 4 vermitteln einen bewohnten Eindruck. FENSTER UND ZUGANGSTÜREN IMMER SCHLIESSEN und versperren – auch wenn man nur kurz das Haus verlässt. Offene Gartentüren oder Garagentore laden geradezu ein, das Grundstück zu betreten. 5 EINSTIEGSHILFEN wie Gartenmöbel, Leitern oder Kisten wegräumen, um es Kriminellen nicht besonders einfach zu machen. SCHLÜSSEL nicht unter Fußabstreifer oder Blumentöpfen verstecken. Hilfe für Einbruchsopfer: 1. psychologische und rechtliche Beratung: Opfer-Notruf Weisser Ring 0800 112 112 2. Spezialisten der Kriminalprävention: Kostenlos und österreichweit unter 059133 15

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