Schweizer Hunde Magazin

 

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Schweizer Hunde Magazin 6/18

Popular Pages


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August/September 2018 • Nr. 6 • Fr. 7.70 kompetent · vielseitig · kritisch FLEISCHFRESSER ODER ABFALLVERWERTER? Ernährung des Hundes EINS, ZWEI, DREI ODER …? Mehrhundehaushalt WOLFSBEGEGNUNGEN IN NORDITALIEN DER SETTER Vier Rassen – eine Leidenscha BINDUNG ODER Beziehung? DOMINANZVERHALTEN von Hunden und Wölfen

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Ein unt Reis du c di Wel d Hund ¦ JETZT | bestellen! Dezember 2017/Januar 2018 • Nr. 9 • Fr. 7.70 November/Dezember 2017 • Nr. 8 • Fr. 7.70 kompetent · vielseitig · kritisch MITMACHEN UND GWEWeiIhNnNaENch! tsquiz EDReZrIEtHuUtNnGiSxRA–ToGdEBeErRdoch? CHEMISCHE Hormone KvAeSrTsRuAsTISOkNalpell HOCHLEISTUNGSORGAN Hundenase NEUE WEGE Kreuzungszucht VERANSTALTUNG RettungshundeWeltmeisterschaft HUNDEFEST IN NEPAL GESCHENKTIPPS für Hundefreunde 1m3i5t0acKhItLSOcMhliEttTeEnhRunden DAUERBESPASSUNG DOGSITTER – die Lösung? NEUES ZUM Cauda-Equina-Syndrom 9x im Jahr wertvolle Informationen & gute Unterhaltung rund um den Hund für nur 59.30 Franken! Das perfekte Geschen für einen Hundefreund oder warum nicht für sich selber? Ich bestelle ein 1-Jahres-Abo (9 Ausgaben für nur Fr. 59.30 inkl. MwSt. und Versand) 2-Jahres-Abo (18 Ausgaben für nur Fr. 118.60 inkl. MwSt. und Versand) + zusätzlich 20 Franken Qualipet-Gutschein! Meine Anschrift (Rechnungsempfänger) Bitte senden Sie das Abo ab der aktuellen Ausgabe der nächsten Ausgabe Datum: Geschenk-Abonnement (Der Beschenkte erhält eine Grusskarte in Ihrem Namen.) Name, Vorname Strasse, Nr. Name, Vorname Strasse, Nr. PLZ, Ort PLZ, Ort Coupon bitte vollständig ausfüllen und per Post an Leserservice, Postfach, 6002 Luzern senden. Noch schneller geht es per Telefon 041 329 23 00 oder über unsere Websites. KM617 Besuchen Sie uns auf www.hundemagazin.ch

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vielseitig · kompetent · kritisch EDITORIAL ‡-lich willkommen Chefredaktorin Sandra Boucek mit Australian Cattle Dog Yuma und den Chihuahua-Mischlingen Joy und Flynn. LIEBE HUNDEFREUNDIN, LIEBER HUNDEFREUND In dieser Ausgabe stellen wir Ihnen den Setter vor. Ich nde, man sieht diese eleganten Vorstehhunde nicht mehr häu g. Ob das wohl daran liegt, dass der Setter ein sehr lau reudiger Hund mit jagdlichen Ambitionen ist? Ab Seite 12 erfahren Sie mehr über den Ursprung der vier Setter-Rassen und deren Ansprüche. Vielleicht ist es Ihnen auf dem Bild nebenan bereits aufgefallen: Ein weiterer Hund gehört nun zu meinem «Rudel». Vor einigen Jahren lebte ich bereits einmal mit drei Hunden zusammen. Ich kann mich nicht erinnern, damals negativ auf die drei angesprochen worden zu sein. Nun ist der kleine Flynn keine zwei Monate bei mir und ich erlebte schon mehrmals neben vielen «Jö, wiä härzig»-Äusserungen mässig begeisterte Kommentare bezüglich der Anzahl meiner Hunde – wohlgemerkt in Situationen, in welchen meine Hunde weder Artgenossen noch Menschen belästigten. Das hat mir leider bestätigt, dass wir Hundehalter uns immer mehr auf «dünnem Eis» bewegen. Im Beitrag von Katrin Schuster ab Seite 26 geht es nicht um Probleme zwischen Hunden und Menschen, sondern um das Zusammenleben von Hunden im Mehrhundehaushalt; zum Beispiel vorauf man achten sollte, wenn eine Gruppe bewusst zusammengestellt wird, wo Probleme entstehen können und was mögliche Lösungswege sind. Ich ho e, Ihnen gefällt diese abwechslungsreiche Ausgabe genauso gut wie mir und wünsche Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre sowie viele schöne Erlebnisse mit Ihrem Hund. Herzlichst, Herausgeber RORO-PRESS Verlag AG · Erlenweg ·CH-8305 Dietlikon Telefon 044 835 77 35 · Fax 044 835 77 05 info@hundemagazin.ch · www.hundemagazin.ch Verleger Leitung Redaktion Gra sche Produktion Anzeigenverkauf Anzeigenverwaltung Lektorat Rolf Bo a Sandra Boucek, s.boucek@hundemagazin.ch Sandra Süess, s.sueess@hundemagazin.ch Tatjana Minzla , anzeigen@hundemagazin.ch Pia A olter, info@hundemagazin.ch Bettina von Stock eth Zum Magazin Titelbild Kleines Bild Nächster Anzeigenschluss Druckau age ISSN-Nr. Herstellung English Setter, trio-bildarchiv.de fotolia.de 13. August 2018 10 620 Exemplare 1423-6834 ib-Print AG, CH-5703 Seon Das «Schweizer Hunde Magazin» ist als Hörzeitschrift für blinde, seh- und lesebehinderte Menschen erhältlich. Mehr Informationen bei der SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte, www.sbs.ch oder Telefon 043 333 32 32. Wir behalten uns das Recht vor, eingesandte Texte und Bilder auch auf unserer Webseite zu publizieren. Abonnementenservice Allgemeine Informationen IMPRESSUM Leserservice Hunde Magazin · Postfach · 6002 Luzern Telefon 041 329 23 00 · hundemagazin@dm-mediaservices.ch Preise in der Schweiz Einzelnummer: Fr. 7.70 Jahresabo: Fr. 59.30 Zweijahresabo: Fr. 118.60 Abopreise inkl. Versandkosten & 2,5 % MwSt. Preise im Ausland Jahresabo: Fr. 73.60 Zweijahresabo: Fr. 147.05 Das «Schweizer Hunde Magazin» wird auf elementarchlorfrei gebleichtem Papier gedruckt. Sämtliche Artikel und Bilder sowie das Layout sind urheberrechtlich geschützt. Jeglicher Nachdruck sowie die elektronische Verbreitung im Internet oder auf CD, auch auszugsweise, ist nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion gestattet. Zuwiderhandlungen werden rechtlich geahndet. Für eine leichtere Lesbarkeit verwenden wir in der Regel die männliche Schreibweise. Diese schliesst selbstverständlich auch die weibliche Form mit ein. Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Fotos usw. kann keinerlei Haftung übernommen werden. Mit Namen gekennzeichnete Beiträge, Leserbriefe etc. geben die Meinung des Autors/Lesers wieder und müssen nicht den Redaktionsrichtlinien entsprechen. Anzeigen und Beiträge können ohne Begründung abgelehnt werden, beispielsweise wenn sie nicht unseren Grundsätzen entsprechen. Das farbige, illustrierte «Schweizer Hunde Magazin» erscheint alle sechs Wochen im RORO-PRESS Verlag AG, Dietlikon. 41. Jahrgang Copyright by © Schweizer Hunde Magazin /

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INHALT August /September Fleischfresser oder Abfallverwerter? Die Ernährung des Hundes «Der Hund stammt doch vom Wolf ab!» Mit diesem Argument füttern einige Hundehalter ihre Vierbeiner heute vorwiegend mit Fleisch. Neuste Forschungen haben allerdings gezeigt, dass der Hund im Gegensatz zum Wolf auch Kohlenhydrate verwerten kann. Haben sich Mensch und Hund in ihrer gemeinsamen Evolutionsgeschichte auch in der Ernährung verändert? Fotos: fotolia.de Wolfsbegegnungen in Norditalien Die Rückkehr der Wölfe polarisiert – die einen sind fasziniert, die anderen fürchten sich vor dem Laufraubtier. Sabine Middelhaufe tri t in ihrer Wahlheimat Norditalien beim Spazieren mit dem Hund immer wieder mal auf Wölfe. AKTUELL Kurzmeldungen Der Setter: Vier Rassen – eine Leidenschaft Rasseumfrage – Der Setter Wolfsbegegnungen in Norditalien THEMEN Eins, zwei, drei oder...? Mehrhundehaushalt «Pannen» im Mehrhundehaushalt – Fallbeispiele Haben Sie schon eine Bindung oder sind Sie noch in einer Beziehung? Fleischfresser oder Abfallverwerter? – Geschichten und Fakten zur Ernährung des Hundes Dominanz- und Toleranzverhalten von Hunden und Wölfen – Wissenschaft Wandern mit Hund © Schweizer Hunde Magazin /

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VERZEICHNIS Eins, zwei, drei oder…? Mehrhundehaushalt Es gibt zahlreiche Gründe für den Mehrhundehaushalt. Manchmal entsteht er ganz überlegt, oft hat es sich einfach so ergeben. Über die Herausforderungen, die ein solcher mit sich bringt, erfahren Sie mehr in diesem Heft. Foto: tierfotoagentur.de Foto: trio-bildarchiv.de Der Setter Vier Rassen – eine Leidenschaft Die Vorsteh- und Apportierhunde beeindrucken mit ihrer eleganten Erscheinung und dem schwebenden Gang. In dieser Ausgabe erfahren Sie mehr zu den vier Rassen. THEMEN Der Hund als Künstler? Sozialspaziergang – Die Königsdisziplin des sozialen Lernens Gesund in Körper und Geist? Erfolgreicher Hundeschutz in Indien M A R KT P L AT Z Kleinanzeigen Züchteranzeigen UNTERHALTUNG Kolumne Buchtipps Leserfotos Rätselspass mit Gewinn Autorenvorstellung © Schweizer Hunde Magazin /

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DER SETTER: VIER RASSEN – EINE LEIDENSCHAFT Diese Hunde beeindrucken: Ruhig ausgestreckt vor dem Kaminfeuer. An der Seite ihrer Halter schwebend. Im vollen Galopp der Erdanziehungskraft trotzend. Augen halb geschlossen. Nase im Wind. Über die Felder kreuzend. Rechts Der Setter in seinem Element. Fotos: fotolia.de Der Ausstellungsjagdhund In einem Punkt sind die vier Spezialisten mit den Seidenohren alle gleich: Sie waren einst reine Arbeitshunde, die irgendwann Ausstellungshunde wurden. Auch heute unterscheiden sich bei allen Varianten Show- und Arbeitslinien. Showlinie heisst: imposant, gross, langbeinig, mit üppiger, seidiger Befederung und einem schmelzenden Blick. Wenn so ein Hund mit glänzendem Fell durch den Ausstellungsring schwebt, verschlägt es einem leicht den Atem. So gewinnen sie «Best in Show» und so verlieben sich Jahr für Jahr viele Leute unrettbar in die Setter. Aber nicht nur besonders schön sind die Hunde aus den Showlinien, sondern auch einen Tick gelassener. Auch sie zeigen in der Regel Arbeitseifer, der sich aber bereits im Alter von fünf bis sechs Jahren wieder legt. Da sind die Hund aus Arbeitslinien etwas anders. Wer wenig mit Seidenbehängen anfangen kann, hingegen Temperament, Eifer und viel Natur liebt, wird mit diesen Energiebündeln glücklich. Sie verschreiben sich mit Leib und Seele ihrer Aufgabe und das Wort «Frühpensionierung» ist für sie gleichbedeutend mit Fegefeuer. Diese Hunde wollen hinaus und ihren Job machen. Sie lassen sie hervorragend erziehen und in den richtigen Händen erfolgreich zu Sanitäts-, Flächensuch-, Katastrophen- oder Lawinensuchhunden ausbilden. Das ist verständlich, wenn man den Grundgedanken des Setters verinnerlicht, denn als Vogelvorstehhund ist Wittern, Fährten, Kreuzen und Anzeigen ein züchterisch gefördertes Verhalten. 12 © Schweizer Hunde Magazin 6/18

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Foto: trio-bildarchiv.de Eins, zwei, drei oder …? Herausforderungen im Mehrhundehaushalt Von unseren Hunden wird vieles verlangt, was nicht in ihrer Verhaltensnorm enthalten ist. Teilweise steuern die Forderungen sogar gegen die genetischen Anlagen. Um die passenden Erziehungsmassnahmen zu nden, möchte ich Sie anregen, sich in Ihren Hund zu versetzen. Prüfen Sie, welche Vorteile ihm durch sein Verhalten entstehen und was es ihm bringen könnte, sta dessen Ihre Ideen umzusetzen. In dieser Serie erhalten Sie Anregungen, wie Sie das Verhalten Ihres Vierbeiners zu Ihren Gunsten beein ussen können. Ein Hund ist kein Hund, zwei Hunde beleben den Alltag, drei Hunde sind schon fast ein «Rudel». Auf einen mehr kommt es dann eigentlich auch nicht mehr an. Oder wie sehen Sie das? Es gibt zahlreiche Gründe für den Mehrhundehaushalt. Manchmal entsteht er ganz überlegt, oft hat es sich einfach so ergeben. Die Herausforderungen, die ein solcher mit sich bringt, werden aber nicht selten unterschätzt und übersehen. Sind die Hunde in der Gruppe dicke Freunde, ist das ganz prima für die Fell- nasen. Doch dicke Freunde stecken sich auch gerne gegenseitig an und entdecken die Welt auf ihre Art. Der Zweibeiner steht dann nicht selten alleine da und muss um Beachtung buhlen. Sehr häufig sehen sich Artgenossen als Konkurrenten um wichtige Ressourcen – Ressource Mensch, Ressource Futter, Ressource Ruheplätze. Gehören die Artgenossen zum gleichen Geschlecht, kommt die Ressource Paarungspartner hinzu. Letztere wird zwar durch Kastration in der Regel gemildert, diese reicht aber nicht immer aus, um die Gemüter zu beruhigen. 26 © Schweizer Hunde Magazin 6/18

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Foto: fotolia.de FLEISCHFRESSER ODER ABFALLVERWERTER? Geschichten und Fakten zur Ernährung des Hundes «Der Hund stammt doch vom Wolf ab!» Mit diesem Argument füttern einige Hundehalter ihre Vierbeiner heute vorwiegend mit Fleisch. Extremform dieser Auffassung ist die in letzter Zeit in Mode gekommene Prey-Methode, die ganze Tiere mit Fell und Innereien als Futter für den Hund propagiert. Neuste Forschungen haben nun allerdings gezeigt, dass der Hund im Gegensatz zum Wolf auch Kohlenhydrate verwerten kann. Haben sich Mensch und Hund in ihrer gemeinsamen Evolutionsgeschichte auch in der Ernährung verändert? Neben historischen Quellen, die es vor allem aus den letzten 2000 Jahren gibt, liefern die Archäologie und in den letzten zehn Jahren hauptsächlich die Genetik fundierte Belege über die sich wandelnden Ernährungsgewohnheiten der Kaniden in ihrer gemeinsamen Entwicklungsgeschichte mit dem Menschen. Koevolution Mensch und Hund Die Koevolution von Mensch und Hund zeigt sich auch in den sich wandelnden Ernährungsgewohnheiten. Fossile Funde belegen, dass der Hund den Menschen seit mindestens 36 000 Jahren begleitet. In dieser Zeit hat sich der Mensch vom Jäger und Sammler zum Hirten und Bauern entwickelt und dabei die Fähigkeit erlangt, sowohl Laktose als auch vielfältige Stärkearten (Kohlenhydrate) in seiner Nahrung zu verwerten. Die Hunde, die ihn begleiteten, passten sich ebenfalls an diese Nahrungsbestandteile an und können nach neusten Forschungen zum Beispiel Stärke mithilfe eines Enzyms, der Speichelamylase aufspalten. Dabei ist Hund nicht gleich Hund. Hirtenhunde, die seit 10 000 Jahren mit den Viehherden ziehen und wie ihre Menschen vorwiegend von Milchbrei leben, besitzen bis zu 38 © Schweizer Hunde Magazin 6/18

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nährung hingegen das geringste Magengewicht. Der Kohlenhydratanteil der Nahrung hatte keine Auswirkungen auf die Magendrehung. Im Gegenteil: Die Zugabe von Tischresten ins Futter zeigte eine risikosenkende Wirkung. Auch Dosenfutter senkte das Risiko, aber nicht so stark wie die Fütterung von Tischresten. Hunde, die nur eine einzige Futtersorte bekamen, hatten ein dreimal höheres Risiko als Hunde, die abwechslungsreich ernährt wurden. Der Hund zeigt im Grunde genommen das gleiche Ernährungsbedürfnis wie der Mensch. Eine abwechslungsreiche und gekochte Ernährung ist das A und O für ein gesundes Leben. Der Hund ist möglicherweise schon seit Hunderttausenden von Jahren unser Tischgenosse! Der Hund wird zum Milchverwerter Mit der Viehwirtschaft wurde der Hund zum Milchproduktekonsumenten. Mit dem Beginn der Viehhaltung mussten die Menschen sich auf diese neue Nahrung einstellen und entwickelten in Europa im Zuge der Milchwirtschaft die Fähigkeit, Laktose zu verdauen. Genetische Untersuchungen untermauern die geschichtlichen Quellen, die aufzeigen, dass auch der Hund seine Ernährungsgewohnheiten zusammen mit dem Mensch veränderte. Ernährte er sich bei den Jäger-Nomaden noch vorwiegend von Fleischprodukten, verlagerte sich bei den Vieh-Nomaden die Ernährung auf Milchprodukte. Selbst der Azawakh – ein Jagd- und Wachhund bei den Tuareg in Afrika – wird heute vorwiegend mit Ziegenmilch und Hirsebrei ernährt, also mit der gleichen Nahrung wie sein Mensch. Auch die Steppenhunde der Mongolei erhalten ihren Proteinanteil vorwiegend über Milchprodukte und ergänzen diesen durch die Jagd von Kleinnagern. Genetische Anpassung Die empirische Beobachtung, die die Menschen damals gemacht hatten, war, dass ein mit Fleischproteinen gefütterter Herdenschutzhund triebig wird, was sich auf die Impulskontrolle des Hundes auswirkt und ihn in ein Jagd- und Schutzverhalten kippen lässt. Gerste mit Molke war das passende Futter. Wenn es kein Milchvieh gab, empfahl er Dinkel- oder Weizenbrot, das mit der Flüssigkeit von gekochten Bohnen gemischt und leicht erwärmt verfüttert werden sollte. Man griff also schon in römischer Zeit bei einem Mangel von Milcheiweiss auf den Eiweissanteil aus Bohnen zurück. Die vielen schriftlichen Belege zeigen, dass Hunde in den letzten 2000 Jahren, egal ob in Fürsten- oder Bauernhand, vorwiegend mit Getreidebrei oder «Hundsbrot» auf der Basis von Mehl und Schrot ernährt wurden. Welpen, trächtigen oder kranken Hunden weichte man dieses Brot in Milch oder Brühe ein. Vom Hundsbrot war es dann im 19. Jahrhundert nur ein kleiner Schritt zur Entwicklung des Trockenfutters. James Spratt stellte 1890 das erste Trockenfutter her, das aus Weizenmehl, Gemüse und Fleisch bestand. Fleisch bekamen nur kranke Hunde und Jagdhunde, die nach der anstrengenden Jagd mit einem Teil der Beute belohnt wurden. Dieses Fleisch vermischte man mit Blut und viel Brot und bot es in der abgezogenen Haut des Wildes den Hunden an. Das Fleisch von Reh und Hase wurde roh verfüttert, während man das Fleisch der Wildschweine schon im Mittelalter kochte. Vielleicht wussten die Jäger schon damals, dass Hunde von rohem Schweinefleisch krank werden können. Das Fleisch sollte die Hunde nach der anstrengender Jagd nicht nur wieder zu Kräften bringen, sondern als Belohnung – als positives Ende eines Jagderfolgs im Gedächtnis bleiben und hatte damit auch einen konditionierenden Zweck. Rechts Der Azawakh der Tuareg wird heute vorwiegend mit Ziegenmilch und Hirsebrei ernährt.  Foto: Werner Röder Mit dem Ackerbau begann die Nahrungsumstellung auf Getreideprodukte und die genetische Anpassung an die Aufspaltung von Kohlenhydraten. Die ältesten Hinweise auf eine Sesshaftwerdung des Menschen stammen aus der Levante im Mittleren Osten und sind etwa 12 000 Jahre alt. Der Hund entwickelte wie der Mensch die Fähigkeit, die im Getreide enthaltene Stärke als Nahrung zu nutzen. Seit der griechisch-römischen Zeit besitzen wir auch schriftliche Belege, die Auskunft über die historische Ernährung der Hunde liefern. Aus der römischen Zeit berichtet Columella, dass der Herdenschutzhund nur mit Milchprodukten gefüttert werden soll, da der Fleischgenuss ihn fleischgierig werden lasse. 40 © Schweizer Hunde Magazin 6/18

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VORSCHAU September /Oktober Auf diese Themen und vieles mehr dürfen Sie sich im «Schweizer Hunde Magazin» vom 13. September freuen! Sei meines Hundes Freund und du bist auch der meine. « »(Quelleunbekannt) Familienhund Haben Sie nur einen ganz gewöhnlichen Familienhund? Dann dürfen Sie dennoch stolz auf ihn sein. Er bringt zwar keine Pokale nach Hause, ist dafür ein Alleskönner. Von den Ursprüngen zu den heutigen Zuchtlinien Schlittenhunde ziehen, Retriever apportieren, Hütehunde hüten und Herdenschutzhunde bewachen. Damit wäre doch schon alles gesagt, oder? In Wirklichkeit sind Verhaltensbesonderheiten bei verschiedenen Hunderassen deutlich komplexer. Erfahren Sie, wie sich die Haustierwerdung und ursprüngliche Nutzung von Hunderassen auf deren Verhalten auswirkt. Narkose, ein Risiko? Kennen Sie das? Ihr Vierbeiner muss operiert werden und ein etwas aues Gefühl macht sich in Ihrer Magengegend breit. Schliesslich ist bekannt: Jede Narkose birgt auch Risiken. Ist die Sorge also berechtigt? Sie erfahren es im nächsten Heft. Sie lesen das «Schweizer Hunde Magazin» aus zweiter Hand? Nie mehr eine Ausgabe verpassen und gleich ein Abo bestellen auf www.hundemagazin.ch © Schweizer Hunde Magazin / Fotos: fotolia.de

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