JE 1-2018

 

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It is a (printed) journal about modern jewish life in europe. we are publishing 4 issues every year.

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üdisches Heft 1/2018 Nissan/ Ijar/ Siwan 5778 Preis 2,50 Euro üdischesMärz/ April/ Mai 2018 UROPAJüdisches Leben in Deutschland, Österreich und Frankreich PESSACH 5778 Ausszug aus ägypten JUDEN IN TSCHECHIEN INTERVIEW MIT DR. TOMÁŠ KRAUS REISE IN DIE GOLDENE STADT IM JÜDISCHEN PRAG MIT KAFKA NEUER FILM VON ARTHUR COHN „DAS ETRUSKISCHE LÄCHELN“

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moderne welt FRANKFURT HAT EINEN JÜDISCHEN OBERBÜRGERMEISTER – VORBILD AUCH FÜR ANDERE DEUTSCHE STÄDTE? In Deutschland gibt es zum zweiten Mal nach dem Krieg wieder einen jüdischen Oberbürgermeister. Amtsinhaber Peter Feldmann von der SPD, der auch Mitglied der jüdischen Gemeinde in Frankfurt am Main ist, gewann im zweiten Wahlgang mit 70,8 Prozent Stimmen. Schon sein Vater Günter Feldmann, der den Holocaust überlebte, war als Mitbegründer und langjähriger Leiter der Jüdischen Erziehungs- und Beratungsstelle eng mit jüdischen Gemeinde verbunden. Als Therapeut betreute er viele Jahre Opfer der Schoa und ihre Angehörige. Auch der heute 59-jährige Sohn Peter beschreibt sein Verhältnis zur jüdischen Gemeinde als „sehr eng und vertrauensvoll“. Sechs Jahre, von 1992 bis 1998 gehörte er dem Gemeinderat an und leitete den Sozialausschuss. Vor allem aber gründete er gemeinsam mit Dr. Sergey Lagodinsky 2007 innerhalb der SPD den „Arbeitskreis jüdischer Sozialdemokraten“, die erste institutionelle Organisation von Juden seit 1933 in einer Partei. In der Ägide von Peter Feldmann der in den Anfangsjahren Vorsitzender war, wurden die Weichen für eine jüdische Perspektive auf außen- und innenpolitische Themen fokussiert, in deren Mittelpunkt die Beschäftigung mit Rechtsextremismus, Integration, Vergangenheitsbewältigung und dem Nahostkonflikt steht. Doch Peter Feldmann, der dem liberalen Judentum angehört, sieht sich in seinem Amt als Oberbürgermeister aller Frankfurter. Aufgewachsen in einem Problemviertel mit einem hohen Ausländeranteil und sozial Schwachen, kennt er die Nöte und Sorgen einer wachsenden Stadt. Das prägte Feldmann, der vor seinem Amt als Oberbürgermeister Frankfurts Vorsitzender verschiedener sozialer Organisationen war. „Man muss den Bürgern zuhören“ ist seine Devise, der sich in seinem Amt nicht nur für wirtschaftliche Investitionen und die Bankenstadt engagiert, sondern auch für die Mietpreisbremse, die Verringerung des Fluglärms, eine Verbesserung der Schulen und Kindergärten und die Fahrpreise des öffentlichen Nahverkehrs senkte. Die Bürger Frankfurts stehen hinter ihrem jüdischen Bürgermeister, das bewies die Wahl. „Die Bundesrepublik Deutschland ist eine Ausnahme“, stellte kürzlich der Jüdische Weltkongress fest. Im Bereich der Holocaust-Leugnung lag Deutschland weltweit jedoch noch auf Platz vier, bei der Verbrei- tung antisemitischer Symbole, vor allem im Internet, sogar gleich hinter den USA. Frankfurt jedoch war schon immer eine Stadt mit einem hohen Anteil jüdischer Einwohner, die sich in den verschie- densten Bereichen für das Wohl aller Bürger engagieren. Bis 1933 wurde sie von einem jüdischen Oberbürgermeister geleitet, in dessen Fußstapfen nun Peter Feldmann getreten ist. Schön wäre es, wenn jüdische Politker und Bürgermeister keine Exoten mehr darstellen und Teil des Alltagsbild in der Gesellschaft werden. aca IN EIGENER SACHE Leider sind die Herstellungskosten teuerer geworden. Deshalb müssen wir den Preis erhöhen. Ein Jahresabo innerhalb Deutschlands kostet nun 11,60 Euro für ein Jahr. IMPRESSUM JÜDISCHES EUROPA Herausgeber: A. von Loew (V.i.S.d.P.) Rhönstr. 127 60385 Frankfurt Tel.: 069 - 49084533 Fax: 069 - 49084533 Email: info@juedisches-europa.net Website: www.juedisches-europa.net Redaktion: A. Beygang, A. Canem, A. v. Loew, R. Peretz, N. Speier; Mitarbeiter dieser Ausgabe: A. Beygang, A. Canem, M. Gümbel, A. v. Loew, M. Levy, M. Meier, R. Peretz, N. Speier, I. Wittmer Titelbild: „Exodus III“ von Irina Gerschmann; (Links): Dr. Tomáš Kraus, Foto: A. Beygang; (Mitte): Hradschin in Prag, Foto: A. Beygang; (rechts): Szenebild aus „Das etruskische Lächeln“, Constantin Film. Fotos: J. Baumgart / EKD.de, A. Beygang, A. Canem, A. Löw, Piero Chiussi/Zentralrat der Juden, Constantin Film Verleih GmbH, Beat Mummenthaler/Gamaraal Foundation, Janos I. Papp, Taschen Verlag Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe und Manuskripte zu kürzen. Für unaufgeforderte Texte gibt es keine Veröffentlichungsgarantie. Unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos werden nicht zurückgeschickt. Nachdruck und Vervielfältigungen jeder Art nur mit ausdrücklicher Genehmigung zulässig. ISSN 1617-8602 JÜDISCHES EUROPA IM ABONNEMENT einfach Coupon ausschneiden und abschicken an: Jüdisches Europa, z.Hd. Frau Canem Postfach 600643, 60336 Frankfurt Fax: 069-49084533 Bitte liefern Sie mir 4 Ausgaben von „Jüdisches Europa“ zum Preis von 11,60 Euro ins Haus (Europa 21,40 Euro, restliches Ausland 25 Euro). Wenn ich „Jüdisches Europa“ danach weiterlesen möchte, brauche ich nichts weiter zu tun. Das Abo verlängert sich jeweils um ein weiteres Jahr zum gleichen Preis. Es ist jederzeit möglich, das Abonnement zu beenden. Name/Vorname: .......................................................... Straße/Nr.: .......................................................... PLZ/Ort: .......................................................... Telefon: .......................................................... E-Mail: .......................................................... Datum/Unterschrift ...................................................... jüdisches europa 3

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editorial INHALT TITEL 14-17 LE SHANAH HABA BIYERUSHALAYIM PESSACH 5778 EINE REISE IN DIE GOLDENE STADT KAFKA UND DIE JUDEN 18-20 JUDEN IN TSCHECHIEN INTERVIEW MIT DR. TOMÁŠ KRAUS 21-24 „DAS ETRUSKISCHE LÄCHELN“ EIN NEUER FILM VON ARTHUR COHN 37 Moderne Welt 32-33 DIE DEBATTE: REDEN ODER NICHTREDEN? WIE SOLLTE DIE JÜDISCHE GEMEINSCHAFT MIT RECHTSPOPULISTEN UMGEHEN? 26 VON DĚČÍN NACH DRESDEN GEMEINDECHEFIN DR. NORA GOLDENBOGEN HAT VIEL VOR 11 SPENDEN FÜR ISRAEL ALS GESELLSCHAFTLICHER ANLASS DIE „FREUNDE DER UNIVERSITÄT TEL AVIV“ 25 NACHRICHTEN AUS DER JÜDISCHEN WELT Kultur 06-09 WAS IST GEBLIEBEN? DAS LUTHERJAHR IST VORBEI 09 NATIONALFEIERTAG IN POLEN FÜR JUDENRETTER DEUTSCHE FILMPRODUZENTEN UND ARGENTINISCHE ZEITUNG ANGEKLAGT 10-11 ISRAEL BRAUCHT UNSERE UNTERSTÜTZUNG! VON PROF. DR. SALOMON KORN 31 KURS GEGEN DIE ERINNERUNGSKULTUR NACH DER „MAHNMAL DER SCHANDE“-DEBATTE: AFD-POLITIKER FORDERT NUN AUCH EIN ENDE DER STOLPERSTEIN-AKTION 35 ES IST AN DER ZEIT, DASS SICH DIE GEDENKKULTUR ÄNDERT 29 ZEICHEN GEGEN DAS VERGESSEN ERINNERUNG AN JÜDISCHE MUSIKER IN DER SEMPEROPER 30 DIE VERGESSENEN OPFER DER SCHOA ZUM ERSTEN MAL: DEUTSCHLAND ZAHLT ENTSCHÄDIGUNG FÜR ALGERISCHE HOLOCAUSTOPFER 31 ROTE KARTE: LUSTIG FEIERN AM GEDENKTAG FÜR DIE OPFER DES HOLOCAUST 36-37 FÜR ERINNERUNG – GEGEN GESCHICHTSREVISION EIN BUCH VON BÄRBEL SCHÄFER UND EVA SZEPESI Religiöses Leben 20 KEIN KOSCHERES FLEISCH MEHR AUS POLEN PARLAMENT WILL EXPORT VERBIETEN 13 „EKLAT UM QUMRANROLLEN 34 „THE LAST SWISS SURVIVORS“ FOTOAUSSTELLUNG ERINNERT AN HOLOCAUST-ÜBERLEBENDE, DIE HEUTE SCHWEIZER BÜRGER SIND 38 EIN NEUER ERUV IN BASEL DIE LÖSUNG EINES PROBLEMS 13 „JESUS JUDE-SEIN HAT AUCH EINE THEOLOGISCHE QUALITÄT“ 12-13 SELTSAME WETTERPHÄNOMENE DAS AUGSBURGER WUNDERZEICHENBUCH VOM TASCHEN VERLAG NEU AUFGELEGT Editorial 03 VORWORT JÜDISCHER OBERBÜRGERMEISTER FÜR FRANKFURT AM MAIN 03 IMPRESSUM 4 jüdisches europa

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© istockphoto.com | Boarding1Now Mitten in deutschland Juden unerwünscht moderne welt A dar M. wollte nach Bangkok fliegen. Das günstigste Angebot von Kuwait Airlines fand er verlockend. Er kaufte sich ein Flugticket von Frankfurt am Main nach Thailand, zur Flugreise kam es jedoch nicht. „Wir befördern keine israelischen Staatsbürger“, erklärte Kuwait Airlines. Das bereits bezahlte Ticket wurde storniert. Und so flog das Flugzeug vom Frankfurter Flughafen los, ohne den erstaunten und empörten Fluggast. So geschah es 2016 mitten in Deutschland. Student Adar M. nahm sich einen Anwalt und klagte gegen Kuwait Airlines. Eineinhalb Jahre dauerte es, bis das Frankfurter Landgericht zu einem Urteil kam. Kuwaits diskriminierende Rechtslage wichtiger als deutsches Grundgesetz Antizionismus und auch Antisemitismus gehören zur Staatsdoktrin des Golfstaates. Israel wird bis heute nicht anerkannt, jeglicher Kontakt zu Juden strengstens verboten. Demjenigen, der dennoch Geschäfte mit Israelis macht, droht Zwangsarbeit und hohe Geldstrafen. Auch wird er gezwungen auf eigene Kosten in seinem Geschäft Tafeln aufzustellen, die sein „Vergehen“ öffentlich brandmarken. „Niemandem ist zuzumuten, gegen die Gesetze seines eigenen Staates zu verstoßen“, urteilte das deutsche Gericht in Frankfurt verständnisvoll und gab der kuwaitischen Luftfahrtgesellschaft recht. Es sei nicht darum „gegangen, ob das kuwaitische Boykott-Gesetz mit den Wertungen der deutschen Rechtsordnung vereinbar sei,“ heißt es in der Urteilsbegründung. Deutsches Gericht schafft antisemitischen Präzedenzfall „Das ist ein beschämendes Urteil für die Demokratie in Deutschland“, protestiert Nathan Gelbart, der Rechtsanwalt des Klägers und ging in die Berufung zum nächsthöheren Gericht. „Kuwaitische Gesetze, die tief antisemitisch sind, indem sie die Beförderung von Israelis verbieten, dürfen nicht als rechtliche Grundlage akzeptiert werden, um die Verletzung deutschen Rechts oder internationaler Standards zu legitimieren. Wenn kuwaitischen Unternehmen die Möglichkeit eingeräumt wird, israelische Staatsbürger in Deutschland mit Verweis auf kuwaitische Gesetze Bürgermeister Uwe Becker (l.) und Rechtsanwalt Nathan Gelbart protestieren gegen das skandalöse Gerichtsurteil. Fotos A. Canem (l.), M. Schmidt (r.) zu diskriminieren, öffnet dies Tür und Tor für die Entrechtung von Menschen auf deutschem Boden,“ empört sich Frankfurts Bürgermeister Uwe Becker. Rechtsanwalt Nathan Gelbart ist erschüttert. „Für eine demokratische Gesellschaft und für meinen Mandanten ist die gerichtlich geförderte Diskriminierung aufgrund seiner israelischen Staatsangehörigkeit unzumutbar. Zumal alle Beteiligten wissen, dass es nicht um Israel, sondern um Juden geht.“ „Eine Fluggesellschaft, die Diskriminierung und Antisemitismus praktiziert, indem sie sich weigert, israelische Fluggäste zu fliegen, darf nicht in Frankfurt landen“, fordert Bürgermeister Becker und wandte sich an den Verkehrsminister Christian Schmidt. Der protestierte bei der Fluggesellschaft. Ohne Erfolg. Eigentümer von Kuwait Airlines ist die regierende Scheichfamilie, die sämtliche antisemitischen Gesetze des Golfstaates erließ. Inzwischen wurde Christian Schmidt von Andreas Scheuer als neuer Verkehrsminister abgelöst. Wird sich der neue Minister um die Diskriminierung wegen der israelischen Staatsbürgerschaft kümmern? Es geht auch anders Auch in den USA und in der Schweiz lehnte die staatliche kuwaitische Fluggesellschaft die Beförderung israelischer Bürger ab. Diese Länder handelten ganz anders als Deutschland und reagierten mit Sanktionen. Auch die Bundesrepublik könnte gegen Kuwait Airlines ein Start- und Landeverbot verhängen. Rechtsanwalt Gelbart brachte den Fall zum Oberlandesgericht. Das Urteil steht noch aus. jüdisches europa 5

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