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Augsburger Domsingknaben Chormagazin sing32

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sing 32 Ausgabe 32 März 2018 Jahrgang 17 AUGSBURGER DOMSINGKNABEN Aus dem Inhalt: CD-Produktion Aktiv im Münchner Musikleben Festival in Günzburg Neuaufnahmen 2018/19

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_2_ E D I T O R I A L S LIEBE FREUNDE DER AUGSBURGER DOMSINGKNABEN! Auf dem Titelfoto der neuesten Ausgabe unseres Chormagazins Sing sehen Sie den Weltklassedirigenten Kent Nagano in einer Probenpause mit mir im Kreis unserer Knabenstimmen. Unter seiner Leitung spielten in diesen Tagen die Münchner Philharmoniker in drei Abo - Konzerten in der Münchner Philharmonie am Gasteig die III. Sinfonie von Gustav Mahler. Den Knabenchorpart sangen die Augsburger Domsingknaben. Ständig wir zu Gast bei bedeutenden Dirigenten und Orchestern, und vor allem auch in allen Klassiksparten des Bayerischen Rundfunks. Zwei ganz besondere BR-Projekte finden Sie auf den nachfolgenden Seiten. Und in unserem Terminkalender stehen bereits die nächsten attraktiven Engagements: Erneut mit den Münchner Philharmonikern im Herbst mit Mahlers VIII. Sinfonie unter Valery Gergiev, und in knapp einem Jahr mit dem Orchestre de Paris unter Daniel Harding mit dem War Requiem von Benjamin Britten. Nicht zu vergessen unsere jüngste Produktion mit dem renommierten CD-Label Deutsche Grammophon, über die wir ebenfalls in dieser Ausgabe berichten. Gerade um solche anspruchsvollen Aufgaben optimal zu bewältigen, steht unser permanenter liturgischer Dienst an der Kathedrale konsequent im Mittelpunkt. Er ist der musikalische Garant für höchste Qualität, um die wir uns bemühen und die mit den Augsburger Domsingknaben in Fachkreisen in Verbindung gebracht wird. Dass das auch in Zukunft so bleibt, beginnen wir in diesen Wochen wieder mit der Nachwuchswerbung für das neue Chorjahr 18/19. Auch dazu finden Sie in diesem Sing – natürlich auch im Internet – die nötigen Informationen. Rühren auch Sie bitte kräftig die Werbetrommel! Persönliche Empfehlung im Bekannten- und Verwandtenkreis ist die wirkungsvollste Methode, junge Familien für unseren Knabenschor zu interessieren. Abschließend möchte ich Sie schon heute für September herzlich einladen zu unserem nächsten Festival in Günzburg. Dieses Jahr steht das gewaltige Oratorium „The Messiah“ von Georg Friedrich Händel in Originalsprache im Mittelpunkt. Um Sie auf den Geschmack zu bringen, finden Sie in diesem Heft auch einen Rückblick auf unser Festival 2017. Lassen Sie sich von dieser neuen Ausgabe unseres Magazins Sing inspirieren zum Besuch unserer liturgischen Dienste an den Kar- und Ostertagen im Hohen Dom und unserer nächsten Konzertprojekte. Mit besten Grüßen und allen guten Wünschen zum bevorstehenden Osterfest! Ihr Reinhard Kammler Domkapellmeister IMPRESSUM HERAUSGEBER Kuratorium des Fonds der Freunde und Förderer der Augsburger Domsingknaben Hoher Weg 30, 86152 Augsburg Telefon (0821) 51 00 88 info@augsburger-domsingknaben.de www.augsburger-domsingknaben.de Verantwortlich für den Inhalt: Reinhard Kammler, Domkapellmeister Fotos: Bernhard Gastager, Vincent Kudrus, Josef Paul, BR, Lichtwerk, Archiv Gestaltung: bernhard@salomogmbh.de

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_3_ LIEBE LESERIN, LIEBER LESER, waren Sie schon mal in unserem Garten? Eine kleine, fast barocke Anlage, deren terrassenförmige Gestaltung vorsichtig die geheimnisvollen, von griechischen Dichtern besungenen hängenden Gärten von Semiramis zitieren und zum Verweilen einladen sollen. Über die Jahre ist der Garten nun - fast unmerklich - in einen Dornröschenschlaft gesunken, der nur gelegentlich von Gruppenfotoaufnahmen für den Chorjahresbericht oder Feuerwehrübungen unterbrochen wird. Das soll nun anders werden. Dieses Jahr wird der Garten wachgerüttelt. Schon bald soll, wo jetzt noch Stacheln und Dornen regieren ein blühendes Gartenreich für die Domsingknaben und alle Besucher entstehen. Ich bräuchte es nicht extra zu erwähnen. Alles Schöne hat seinen Preis! Dafür gibt es prominente Beispiele: für das „Greenkeeping“, also die Rasenpflege für einen Golfplatz im Allgäu müssen monatlich mindestens 50.000 Euro aufgewendet werden. Keine Sorge, der Garten im Haus St. Ambrosius wird keinesfalls so teuer wie ein Golfplatz, diesen aber hinsichtlich der Nachhaltigkeit und Sinnhaftigkeit deutlich übertreffen. Wo der Golfplatz nur grün ist, wird es bei uns blühen. Um unseren Plan verwirklichen zu können, brauchen wir aber ihre geschätzte finanzielle Unterstützung. Mit jeder kleinen und mit jeder großen Spende bringen Sie unseren Garten dann wieder zum Blühen. Wir freuen uns sehr darauf! Und auf das erste Gartenkonzert, dass wir den Spendern zu Ehren geben werden. In diesem Jahr erwarten wir erstmals den Knabenchor "Dagilelis" aus Siauliai/Litauen in Augsburg. Zum Gegenbesuch. Am Mittwoch den 20. Juni wird sich dieser ausgezeichnete Chor mit einem Konzert im kleinen goldenen Saal in Augsburg vorstellen. Unter der Leitung von Remigijus Adomaitis werden Werke von W. A. Mozart und G. Fauré, aber auch selten zu hörende Werke litauischer und englischer Komponisten zu hören sein. Ich würde mich freuen, wenn wir – ebenfalls mit Ihrer Hilfe die litauischen Sänger mit der Herzlichkeit empfangen könnten, die wir bei unserem Besuch dort erfahren durften. Helfen Sie uns z.B. mit einem Konzertbesuch zu zeigen, dass das Europa unserer Kinder keine Einbahnstraße ist. Die vielen großen Konzert- und Tourneepläne im Jahr 2018 stellen wieder das gesamte Management der Augsburger Domsingknaben vor große Herausforderungen. Aber mit Sabine Hattler, Diana Haßmann und Vinzent Kudrus sind wir für ALLES gerüstet. Beim Schiffskabinen oder Hotelzimmer buchen, Mittagessen in Amsterdam bestellen, Klavier in Inverness anfordern, Visa beantragen, Leberkäsesemmeln für den Bus belegen, Konzertverträge abschließen und googeln, ob es in Schottland ein Harry-Potter-Museum gibt, kommt keine Langeweile auf. Auch nicht bei der Organisation der Konzerte, bei denen wir der Veranstalter sind: Johannespassion in Augsburg, Festival in Günzburg, Weihnachtskonzerte im Rathaus und Weihnachtsoratorium in der evangelischen Heilig-Kreuz-Kirche. Für alle Konzerte gibt es bereits Karten im Internet. Zufriedene Domsingknaben und ausverkaufte Konzerte sind unser größter Lohn. Ihr Josef Paul Kulturmanager Die Augsburger Domsingknaben werden vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst gefördert.

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_4_ C D - P R O D U K T I O N SOLISTENENSEMBLE DES KAMMERCHORES MIT WEITERER CD FÜR DIE DEUTSCHE GRAMMOPHON, BERLIN N och vor der Sommerpause haben die Augsburger Domsingknaben ihre mittlerweile dritte Produktion für das renommierte CD-Label Deutsche Grammophon eingespielt. Für die aktuellste Aufnahme hat er sich wiederum diesen überaus ruhig und mitten im Grünen auf einer Anhöhe gelegenen und akustisch ideal klingenden Kirchenraum vorgestellt. Aufnahmeort war für fünf Tage die wunderschöne Rokokokirche St. Thekla Kirche in Welden. Die Fuggerschen Stiftungen, die das Patronat über St. Thekla haben, erteilten dankenswerterweise dazu die Genehmigung, zusammen mit dem Karmelkloster, das zu St. Thekla gehört. Für Reinhard Kammler ist St. Thekla kein unbekannter Aufnahmeort, hat er doch bereits 1978 seine allererste LP-Produktion für die Deutsche harmonia mundi zusammen mit dem Residenz-Kammerorchester München dort realisiert, damals mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn. Produziert wurden musikwissenschaftlich edierte, aber bisher noch nie auf Tonträger aufgenommene Choralsätze von Johann Sebastian Bach. Im Zusammenarbeit dem Bach–Institut-Leipzig hat die Deutsche Grammophon 64 Choräle den Augsburger Domsingknaben zur Aufnahme anvertraut. Kammler variierte in den Besetzungen: „Kleines Tutti“ (17 Vokalisten), Doppel- oder Soloquartett, teilweise a cappella oder mit Orgeltruhe colla parte, gespielt von Domorganistin Claudia Waßner. BU

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_6_ I N T E R V I E W KNABENSOLIST BEI MUSICA VIVA... FRAGEN AN REINHARD KAMMLER UND VINZENZ LÖFFEL Im Rahmen des musica viva Wochenendes (6.-8. Juli) wird „With lilies white“, eine Fantasie für Orchester mit Stimmen von Matthias Pintscher zur Aufführung gebracht. Besetzt sind drei Sopranstimmen sowie ein Knabensopran. Reinhard Kammler, Domkapellmeister der Augsburger Domsingknaben und Vinzenz Löffel, Solist der Augsburger Domsingknaben, schildern Ihre Arbeit und Eindrücke während der Phase der Einstudierung des Knabensopranparts. musica viva: Wir freuen uns sehr, dass Sie den Auftrag angenommen haben, einen Knabensopran einzustudieren für das Orchesterwerk von Matthias Pintscher „With lilies white“. Was hat Sie dazu bewogen, am Projekt teilzunehmen? Reinhard Kammler: Seit Jahrzehnten arbeite ich mit den verschiedenen Klassikabteilungen des Bayerischen Rundfunks erfolgreich zusammen und stelle auf Anfrage immer wieder meine Augsburger Domsingknaben oder einzelne Knabensolisten für die stets interessanten und attraktiven BR-Produktionen zur Verfügung. So habe ich auch dieses Projekt sehr gerne zugesagt, zumal ich nicht zum ersten Mal in der legendären Reihe „musica viva“ mitwirke. musica viva: Wie muss man sich die Einstudierungsphase vorstellen? Reinhard Kammler: Zunächst verschaffe ich jedem Sänger auch bei Standardwerken in der Sologesangsstunde erst einen Gesamteindruck über die neu einzustudierende Partie, um das Interesse daran zu wecken und zu motivieren. In diesem speziellen Fall war das Kennenlernen der Partitur „With lilies white“ für Vinzenz etwas ganz besonderes und ungewohntes. Ausgangspunkt beim Einstudieren war der Mittelteil der Partie. Hier präsentiert der Komponist das thematisierte englische Madrigal – instrumental hochinteressant bearbeitet – für die Knabenstimme gesanglich nahezu ideal. Die tonal und rhythmisch weiterführenden Passagen kamen dann hinzu. Hochinteressant gestaltete sich auch die Beschäftigung mit dem deklamierten, gesprochenen Wort, das entsprechend artikuliert werden muss. musica viva: Sind die Vorbereitungen andere als bei der Einstudierung „klassischer“ Literatur? Reinhard Kammler: Hohe und höchste musikalische, gesangstechnische und mentale Anforderungen stellen sich bei der Interpretation von Literatur jeder Epoche und Stilrichtung, auch für einen Knabensolisten. Selbstverständlich ist zeitgenössische, avantgardistische Vokalmusik beim Kennenlernen zunächst sperriger und anstrengender, sie erschließt sich aber zunehmend schlüssiger und erweitert in Studium und Aufführung garantiert nicht nur den musikalischen Horizont. musica viva: Nach welchen Kriterien haben Sie den Knabensopran ausgewählt? Reinhard Kammler: So eine Wahl fällt nach pädagogischen und menschlichen Gesichtspunkten immer schwer. Alle Buben im Ensemble des Kammerchores der Augsburger Domsingknaben beschäftigen sich solistisch mit ihrer Singstimme und haben ihre Qualitäten. Aber nicht jeder ist für jede Partie musikalisch und stimmlich geeignet. Überlegungen zur zeitlichen und mentalen Belastbarkeit oder zum evtl. schon nahenden Stimmbruch kommen hinzu. Eine derartige Partie wie „With lilies white“ sollte darüber hinaus von einem Knabensolisten gestaltet werden, der idealerweise bereits über einige prominente Konzert- und Opernerfahrung verfügt.

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_7_ musica viva: Vinzenz, Du bist Mitglied der Augsburger Domsingknaben. Könntest Du uns Deinen musikalischen Alltag dort beschreiben? Vinzenz Löffel: Während der Woche verbringe ich zwei Nachmittage im Haus St. Ambrosius der Augsburger Domsingknaben. Hierzu muss man wissen, dass das Haus St. Ambrosius kein Internat ist und wir Domsingknaben alle unterschiedliche Schulen in der Stadt oder auch im Umland besuchen und zu Hause wohnen. Nach dem gemeinsamen Mittagessen stehen verschiedene musikalische Aktivitäten wie Literatursingen, Chorprobe und Instrumentalunterricht – ich habe Klavier belegt – auf dem Programm. Am meisten freue ich mich aber auf die Einzelstimmbildung. Die verbleibende Zeit zwischen den musikalischen Aktivitäten nutze ich meist zur Erledigung von Hausaufgaben in unserem Studiersaal, in dem eine Präfektin stets mit Rat und Tat zur Verfügung steht. Wenn mal nichts zu erledigen ist, spiele ich gern Tischtennis in unserem Spielekeller. Das Singen im Dom ist natürlich fester Bestandteil unseres musikalischen Alltags, der aber auch von Konzertereignissen bestimmt wird, die uns auch regelmäßig ins Ausland führen. Höhepunkte in unserem musikalischen Jahreskreis sind die regelmäßigen Aufführungen des Weihnachtsoratoriums sowie einer der Bach´schen Passionen. Die Einstudierung dieser Werke und dabei insbesondere der Knabensoli, die wir alle aus unseren Reihen bestreiten, bereitet mir sehr viel Freude. So macht mir meine musikalische Ausbildung bei den Augsburger Domsingknaben seit meinem fünften Lebensjahr viel Spaß. Ein besonderes Highlight ist es für mich auch, wenn ich immer wieder einmal mit einer Knabenpartie bei einer Opernproduktion dabei sein darf. Nicht zu vergessen ist natürlich auch die Mitwirkung bei großen Konzertereignissen wie etwa unter Haitink im vergangen Jahr. Die vielfältige musikalische Tätigkeit bei den Augsburger Domsingknaben im Chor und als Solist möchte ich unter keinen Umständen missen. musica viva: Wenn Du ein solch modernes Werk wie von Matthias Pintscher in Deiner Gesangsstunde kennenlernst, welche Gefühle und Eindrücke begleiten Dich? Vinzenz Löffel: Vielleicht gerade aufgrund der vielfältigen Musikstücke, die wir bei den Augsburger Domsingknaben pflegen, war ich von diesem modernen Werk von vornherein begeistert. Der Sprechgesang, den ich bei der Probenarbeit kennengelernt habe, fasziniert mich wegen seines geheimnisvollen Charakters. Bei der Modernität des Werks war ich eher erstaunt über den harmonischen Teil, den ich aufgrund seiner gleichzeitigen Schlichtheit und Aussagekraft schätze. Während der Probenarbeit hat mich aber vor allem die Vorfreude auf den Auftritt begleitet. Besonders ergreift mich stets der markdurchringende hohe Ton in Takt 310. Ich hoffe, vor allem auch damit das Publikum zu berühren. AUS PRESSE UND MEDIEN Aus der Presserezension der Süddeutsche Zeitung vom 9. Juli 2017 Von Michael Stallknecht ... Die meisten Komponisten müssen, wenn sie nach dem Überwirklichen streben, wohl doch den Umweg über die vielleicht gerade noch zugängliche menschliche Grenzerfahrung nehmen: über den Tod. Das tut denn beispielsweise auch Matthias Pintscher in seinem Orchesterwerk "Whith lilies white", in dem drei Frauenstimmen und der beeindruckend selbstbewusste Vinzenz Löffel als Knabensopran das Sterbeprotokoll des Künstlers Derek Jarman aus dem Jahr 1994 rezitieren. Bis schließlich hinter den Klängen eines teilweise harten Todeskampfs die reinen Renaissanceklänge eines verfremdeten Klagegesangs von William Byrd durchdringen ... Blog: The new listener vom 8. Juli 2017 von Martin Blaumeiser Neue Orchesterkunst vom Feinsten ... Der Abend wurde einmal mehr zum Triumph für den Dirigenten und Komponisten Matthias Pintscher und einem grandios aufgelegten BRSymphonieorchester. ... Pintscher eröffnete den Abend mit einer eigenen Komposition: „With lilies white“ von 2001/02 – dem ältesten Werk dieses Konzerts .... Der erst 13-jährige Augsburger Domsingknabe Vinzenz Löffel beherrschte seine Gesangs- und Sprechpartie bombensicher und stahl damit den drei mehr als Ensemble formierten, aber qualitativ natürlich ebenbürtigen Sopranistinnen etwas die Schau, durchaus zur Freude des Saals ...

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_8_ A U S P R E S S E U N D M E D I E N ...UND IN DER REIHE PARADISI GLORIA PRESSECLIPS Süddeutsche Zeitung, 5. Februar 2018 Klangpracht Auftakt der Reihe "Paradisi Gloria" Von Klaus P. Richter Oberbayerisches Volksblatt, vom 5. Februar 2018 „Paradisi Gloria“ in der Herz-Jesu-Kirche Von Tobias Hell ... Das Rundfunkorchester des BR konnte unter agiler Führung von Ivan Repušić in einem Glanzstück dunkler, spätromantischer Farbenfülle alle seine Talente vorführen ... ... Obwohl auch Bernsteins "Psalmen" mit einem massiven Forte-Trubel begannen, wurde die wagnersche Diktion schnell von einem ambivalenten Jargon zwischen Westsidestory-Sound, Harfenarabesken und synagogalem Melos abgelöst. Jetzt konnte auch der Chor des Bayerischen Rundfunks und dem bewegenden Sopranisten Julian Romanowsky von den Augsburger Domsingknaben, beide mit dem hebräischen Text, Klangfülle wie Pianosensibilität zeigen ... ... Deutlich druckvoller ging es bei Ralph Vaughan Williams’ „Fantasia on a theme by Thomas Tallis“ zur Sache, bei der Dirigent Ivan Repušić das in zwei sich bestens kontrastierende Streicherensembles aufgeteilte Rundfunkorchester gut im Griff hatte, ehe für Leonard Bernsteins „Chichester Psalms“ noch einmal alle beteiligten Kräfte des Abends gebündelt wurden. Bäumten sich der Chor und das Orchester hier zunächst klangmächtig und beinahe schon brutal auf, sorgte das Einsetzen des emotional aufgeladenen Sopransolos für einen vom Komponisten klug gesetzten Ruhepol. Klar und sicher intoniert durch Julian Romanowsky von den Augsburger Domsingknaben, der seinem Chor ebenfalls alle Ehre machte ...

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bachtrack vom 4. Februar 2018 ... den einen oder anderen mag das Programm, das das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks für ihr zweites Konzert der Reihe „Paradisi Gloria“ ausgewählt hatten, überraschen ... ... Leonard Bernsteins Chichester Psalms bildeten abschließend den rhythmisch und klanglichen Kontrapunkt. Die tragende Rolle kam bei dem dreiteiligen Werk dem Chor zu, der nun in voller Besetzung die hochanspruchsvolle Partitur sehr beweglich und gleichzeitig mit bestechender Präzision vortrug. Während der Chor den ersten Psalm „Wach auf, Psalter und Harfe“ mit zündenden Rhythmen und expressiven Forti gestaltete, wirkte der dritte Psalm „Herr, mein Herz ist nicht hoffärtig“ angenehm zurückhaltend und klanglich sehr gut ausbalanciert. Dem broadwayhaften Rhythmusabenteuer gegenüber stand der entwaffnend dezente zweite Satz mit dem Augsburger Domsingknaben Julian Romanowsky, der das „Adonai ro-i, lo ehsar“ („Der Herr ist mein Hirte“) unaufgeregt und mit vollem Stimmvolumen füllte... _9_

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_10_ NEUE PRESSE COBURG VOM 2. DEZEMBER 2017 GROSSARTIGE AUGSBURGER DOMSINGKNABEN BESCHLIESSEN DIE FESTLICHKEITEN ZUM 100. GEBURTSTAG VON MAX BAUMANN IN KRONACH VON DR. PETER MÜLLER N ach dem hochkarätigen Festwochenende zum 100. Geburtstag des Kronacher Komponisten Max Baumann überhöhte das Konzert der Augsburger Domsingknaben am Samstag in der Stadtpfarrkirche St. Johannes alles bis dahin musikalisch Dargebotene. Vokalmusik der Renaissance und auserlesene Werke von Max Baumann vereinigten sich im kristallklaren Chorgesang der Augsburger Domsingknaben zu einer Klangeinheit der musica sacra, die Max Baumann zu höchsten Ehren gereichte. Der Augsburger Domkapellmeister und musikalische Leiter der Domsingknaben Reinhard Kammler hatte seine Sänger hervorragend eingestellt, so dass die akustische Weite und Höhe der Stadtpfarrkirche voll zur Geltung kam. Auf diese Weise erhielt bereits der Gregorianische Gesang und das „Alma redemptoris mater“ von Felice Anerio zum Eingang des Konzertes eine überwältigend magische Wirkung. Sieben Solisten im Altarraum sangen darauf „Laetentur coeli“ und „Senex puerum portabat“ von William Byrd im Dialog mit dem großen Chor aus dem Hintergrund der Kirche, wobei die Decke der Orgelempore die hellen Knabenstimmen in die Höhen des Kirchenraumes fliegen ließ. Das „Gloria“ aus der Messe „Laetatus sum“ für zwölf Stimmen von Tomaso L. da Vittoria erklang zwischen vier Solisten im Altarraum und zwei Chören an beiden Seitenpforten. Alle Sänger fanden sich in Max Baumanns „Kyrie – Gloria“ aus der Messe op. 39 zum vier- bis sechsstimmigen strahlenden, mit den Harmonien spielenden Klangbild zusammen. Mächtig und fugal akzentuiert stellte der in allen Stimmen geschlossene Chor das „Gloria“ zu Ehren Gottes in den Raum und ließ im Ausklang das „Ave Maria“ op. 43 vielstimmig dynamisch aufscheinen. Das melodiös-lyrische „Salve Regina“ bündelte die fein gesponnenen Energiefäden der vielen Stimmen in einem breiten Band des Melodiebogens, der in der Anrufung Marias seinen Höhepunkt erfuhr. Wiegend friedliche Wirkung erzielte „Also hat Gott die Welt geliebt“ zu acht Stimmen von Andreas Raselius aus dem Hintergrund des Kirchenschiffes als Hinführung des Konzertes zu Max Baumanns Hommage an die traditionellen Kirchenchoräle mit der Kantate op. 96 „Tochter Zion, freue dich“. Hierzu hatte Andreas Wolff die besten Blechbläser seiner Berufsfachschule für Musik Oberfranken zu einem würdigen Ensemble zusammengerufen, um Baumanns Kantate in der stimmlichen Präsenz des Kammerchores gerecht zu werden. Kammerchor und Bläserensemble begeisterten in ihrem wechselseitigen Zusammenwirken mit den ganz unterschiedlich variierten und harmonisch transkribierten Kirchenchorälen: „Tochter Zion“ führte mit der Macht aller Stimmen auf Weihnachten hin, „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ mit vollem Stimmvolumen, den Sopranen in höchsten Höhen und stimmungsvollem Trompetensolo, „O Heiland reiß die Himmel auf“ mit mächtigen Bässen, die zusammen mit der Tuba für Gänsehaus-Feeling sorgten, „Adeste fideles“ mit auftrumpfenden Trompetenfanfaren und einem hymnischen Ende, „Es ist ein Ros entsprungen“ als voll klingender Gemeindechoral, „Maria zu lieben“ als Bayerischer Ländler, „Hört der Engel helle Lieder“ mit reinem Chorklang und philharmonischem Finale, „Schlaf mein Kindlein“ als geheimnisvoll beginnendes Wiegenlied, das den mit den lebensvollen Stimmen in die Musik hineinzieht und zum Finale „Heut ist geboren ein Kindelein“ mit festen Portato-Singstimmen zu vollem Bläserchor und einem opernhaften Klanggemälde des Chors, der an Puccini erinnerte. Das große Auditorium der Stadtpfarrkirche war hellauf begeistert und feierte die jungen Sänger für ein außergewöhnliches Klangerlebnis, das vor allem auch Reinhard Kammler zu verdanken ist, der als Student mit Max Baumann gemeinsame Projekte in Berlin gestaltete und dem es in dankbarer Erinnerung an den herausragenden Musiker-Komponisten ein Herzensanliegen war, zu seinen Ehren mit den von ihm gegründeten Augsburger Domsingknaben in Kronach zu musizieren.

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LITURGISCHE DIENSTE K A R L- K R A F T- C H O R (A-CHOR) UND KAMMERCHOR IM HOHEN DOM Bischof Dr. Konrad Zdarsa nach dem Ponifikalamt. _11_ Woche für Woche singen die Chöre der Dommusik in der Kathedralliturgie und im „Cantate Domino“.

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_12_ S T Ä N D I G P R Ä S E N T I N E V . H L . K R E U Z M I T B A C H : HEUER IM MÄRZ DIE JOHANNESPASSION HIER EIN RÜCKBLICK AUF DAS W E I H N A C H T S O R AT O R I U M Augsburger Allgemeine vom 19.12.2017 Von Ulrich Ostermeir DOMSINGKNABEN WUNDERBARER BACH DAS „WEIHNACHTSORATORIUM“ IST HINREISSEND AUGSBURGER DOMSINGKNABEN J.S. BACH | BWV 245 JOHANNES PASSION Solisten, Knabensolisten und Kammerchor der Augsburger Domsingknaben Residenz-Kammerorchester München Leitung: Reinhard Kammler So. 18. März 2018 | 16.00 Uhr Evang. Heilig-Kreuz-Kirche, Augsburg ALLE INFOS & TICKETS www.augsburger-domsingknaben.de Telefon (0821) 510088 W ie kein Zweiter interpretiert Domkapellmeister Reinhard Kammler über Jahre hinweg Bachwerke und lässt den Komponisten musikalisch ambitioniert für sich sprechen. Das Weihnachtsoratorium en bloc in der evangelischen Heilig-Kreuz-Kirche aufzuführen, schmiedet die sechs Kantaten zu den weihnachtlichen Festtagen eng zusammen, als erklinge das imposante Opus aus einem Guss. Prägnant zeigte sich in diesem dichten Konnex Bachs markantes Profil: Vielseitig, kunstvoll kontrastreich zieht der Thomaskantor alle Register. Kammler, immer vom Cembalo aus leitend, wird ein hoher Qualitätsstandard zum Maß aller Dinge: von den Domsingknaben voller Hingabe erreicht, von den ausgezeichneten Solisten profiliert und vom vortrefflichen Residenz-Kammerorchester München voller Elan auf den Punkt gebracht. Die prächtigen Portalchöre der Kantaten stiegen in seltener Jubelstimmung auf. Im Brustton der Überzeugung stellte der Knabenchor die sakrale Herzensfreude ebenso intonationssicher wie homogen in den Raum: Federnd dieser Enthusiasmus, wie er sich zuerst im Trompetenglanz widerspiegelt, wie er im Hörnerklang zu inniger Emphase changiert und voller Impetus in „Ehre sei Dir Gott gesungen“ mitreißt. Bach als „5. Evangelist“ kreierte aus tiefem Glauben eine Tonsprache, die den Text in feinsten Nuancen abtönt. Empfindsam leuchtete der Chor das aus. Das berührte tief. Der Choral „Herzliebes Jesulein“ zeigte die Duplizität im Bethlehemstall: im schlichten Chorsatz das Jesuskind, dort mit Pauken und Trompeten den Weltenkönig. Bachs überlieferter Grundsatz, alles sei möglich, forderte die Solisten heraus: Mit Tenor Matthew Swensen und Johannes Kammler als Bariton traten jugendfrische, schon international reüssierende Sänger auf. Dennoch hielten alle Knabensolisten Schritt: Es verblüffte, wie souverän Sopran Julian Romanowsky und Altist Valentin Wohlfarth die Balance wahrten, sei es im Terzett oder im Rezitativ-Quartett. Tief beeindruckten die Sopran-Bass Duette: Da passte sich Kammler feinfühlig an, hier ging Romanowski klangvoll wie beherzt aus sich heraus, dort entfaltete engagiert Vinzenz Löffel Präsenz.

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Krönend die Solo-Arien: Hell, klar wie obertonreich profilierte Matthew Swensen in „Frohe Hirten“ im Duett mit Petra Schiessels Flöte, in „Ich will nur dir zu Ehren“ bestachen seine geschmeidigen Koloraturen in trefflicher Übereinstimmung mit Peter Riehms und Alexander Möcks virtuosen Soloviolinen. Raumfüllende Ausstrahlung gewann Johannes Kammler, kraftvoll rhythmisiert huldigte er dem „großen König“, seine Koloraturen in „Erleucht auch meine finstre Sinnen“ entfalteten sich in nobler Korrespondenz mit der Oboe. Als verginge Bach wie im Fluge – so konsequent blieb in dem Weihnachtsoratorium der kühne Spannungsbogen gewahrt: Großer Jubel. _13_

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_14_ GÜNZBURGER ZEITUNG VOM 2.OKTOBER 2017 DIE AUGSBURGER DOMSINGKNABEN BRILLIEREN DER BEKANNTE CHOR PRÄSENTIERT „BACH IN ROKOKO“ IN VIELEN STILEN UND ÜBER RAUMUND ZEITGRENZEN HINWEG. VON HELMUT KIRCHER I hr Herz schlägt für geistliche Musik, durch ihre Adern pulsiert barockes Blut und ihr Evangelium ist Bach. Meistens. Nicht immer. Diesmal nur eingeschränkt. So wenig Bach wie bei der diesjährigen Auflage von „Bach in Rokoko“ in der Günzburger Frauenkirche, hatten die Augsburger Domsingknaben noch nie in ihrem Dreitage-Festival. Eine Motette, eine Triosonate, das war’s an Beigaben des Leipziger Thomaskantors. Den Rest bestritten Komponisten verschiedener Stile aus verschiedenen Ländern: Italien, England, Spanien, Ungarn und Österreich. Ein multitonaler Crossover vor dem Hintergrund sakraler und weltlicher Licht- und Schattendramatik. Bachs f-Moll Sonate für Cembalo und Violine (BWV 1018) ist, wie viele seiner Werke, keine leichte Kost – weder für Interpreten noch für Zuhörer. Er erweiterte diese Sonatenform, mal durch die melodieführende rechte Hand am Cembalo, mal mit geigerischen Doppelgriffen wie im Adagio-Satz zur Triosonate. Konzertmeister Peter Riehm (Violine) und Reinhard Kammler am Cembalo sind ein eingespieltes Team, das auf Augenhöhe konzertiert, mit gemeinsamem Blick tief ins Innere. Durchsichtig, schnörkellos und mit interpretatorischer Kreativität machen sie die polyphone Dichte des Werkes zum staunenswerten Hörerlebnis. Überwältigend schwungvoll Gab es eine Musik vor Bach? Gab es! Wie aus Himmelshöhen schwebt sie, auf Flügeln melodisch silberglitzernder Renaissance-Noblesse, durch den sakralen Raum prunkenden Rokokos. Im Surround Sound. Vokalzauber zweier Soloensembles. Eines auf der Orgelempore, das andere in den Höhen über dem Chorraum postiert. Nuanciert und leuchtkräftig, klar phrasierend und geradezu schwelgerisch das melodische Material formulierend. Schönheitsversunken. Augsburger Domsingknaben eben. Substanz mit Glanz. Von Reinhard Kammler festspielhaft und mit gestalterischer Prägnanz aufpoliert. William Byrd lebte gefährlich Nach Tomaso da Vittorias (1548-1611) eröffnendem „Popule meus“ und drei weiteren seiner vierstimmigen, polyphon gesetzten Motetten im Figuralgesang der Karfreitags-Liturgie steht sein Londoner Zeitgenosse William Byrd (1543-1623) auf dem Programm. Einer, der als überzeugter und streitbarer Katholik im Umfeld aggressiv anglikanischer Religionskonflikte ein gefährliches Leben lebte; der so manchen Salto mortale vollziehen musste, um Leib und Leben zu schützen. Im Gegensatz zu da Vittorias dreichörig zwölfstimmiger „Missa laetatus sum“, die mit emotionaler wie gedanklicher Feinheit in eine geradezu schwelgerische Klangversunkenheit damaligen Lifestyle-Schicks führt, sind seine vier- und fünfstimmigen Motetten wie auch das horizontale Liniengeflecht seiner „Mass for three voices“ in die strengen, unbestechlich ernsthaften Vorgaben tridentinischer Liturgie eingebunden. Mit dem Kyrie und Gloria aus der „Missa sanctificabis“ des nahezu unbekannten ungarischen Komponisten Benedek Istvánffy (1733-1778) eröffnet der zweite Tag des Festivals. Überwältigend schwungvoll schon das Kyrie, das dann im Gloria, fern aller sakralen Autoritätshoheit, mit ornamentverziertem Wohlklang und koloraturbestückten Solopassagen einen Gefühlswärmestrom aus spätbarocken Ohrenschmeichlern freisetzt. Von Antonio Vivaldi (1678-1741), venezianischer Vielschreiber mit gefühlt kilometerlangem „Jahreszeiten“- Einspiel-Potenzial, stehen mit Nummer zehn und elf zwei seiner Concerti grossi für Violinen und Streichorchester (L’estro armonico) auf dem Programm. Das Residenz-Kammerorchester München – Kammler leitet vom Cembalo aus – bildet mit Powerplay und rasanter Eloquenz das Fundament, auf dem sich die Soloviolinen sicher aufgehoben fühlen. Ein verblüffend munterer und mitreißender Vivaldi-Höhenflug mit schwungvoller Sturm- und Drangbravour. Lichtstrahlen nicht nur des Wohlklangs, sondern auch der Verwunderung in den neun Teilen aus seiner „Dixit Dominus“-Werkschau. Neben chorisch-orchestral wunderbar beredter Spiritualität, eingebunden in hervorgehobene Gesangssoli (alle natürlich stimmliche Eigengewächse) werden, melodieselig versüßt und koloraturumrankt, Könige zerschmettert und Feinde unter den Schemel gelegt. Mit mehrfachen Komm-Komm-Rufen beginnt Bachs Motette für zwei vierstimmige Chöre „Komm, Jesu, komm“. Die Bitte wird zur chorischen Herausforderung, „einen sauren Weg zu gehen“, wie es im Text heißt. Die Sänger gehen ihn, a cappella, stilvoll über alle Kanten und Knoten polyphoner Vertracktheit hinweg, nuancenversessen bis zum Aushauchen des allerletzten Vokals.

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FESTIVAL AUGSBURGER DOMSINGKNABEN RESIDENZ-KAMMERORCHESTER MÜNCHEN REINHARD KAMMLER 2017 _15_ BEGENUNGEN VOR UND NACH DEN KONZERTEN Maria Kammler im Gespräch mit Willy Lander, Inhaber der WIBEG GmbH & Co.KG. Dr. Peter Menacher, Vorsitzender der Kurt und Felicitas Viermetz Stiftung Augsburg mit Claudia Fuchs und Reinhard Kammler. Michael Mäser, Vorsitzender des Kuratoriums der Augsburger Domsingknaben.

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