Kickoff 2/17 Deutsch

 

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Kickoff 2/17 Deutsch

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• kickoff Kundeninformation der swisspor AG · Ausgabe Nr. 2 · 2017

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36 Inhalt 4 Beständigkeit und Wandel – swisspor, ein Schweizer Traditionsunternehmen mit Weitblick Wenn aus Tradition Innovation geschaffen wird. 8 Graue Energie wird unterschätzt. Interview mit Friederike Pfromm, Vereinspräsidentin des Vereins eco-bau. 12 Facelifting für den Plattenbau Energetische Sanierung der Göhner Wohnsiedlung Sonnhalde in Adlikon. 16 Mythen der Menschheit auf dem Julierpass Ein Holzbauwerk auf 2300 Metern Höhe vereint Natur und Kultur auf Zeit. 24 swissporKISODUR Alu die All-in-One-Lösung Kühlen und heizen Wirtschaftlichkeit – einfach nachvollziehbar 30 Von Profis für Profis – spannende Fachkurse an der swisspor Akademie in Boswil 36 swissbau 2018

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4 Beständigkeit und Wandel – swisspor, ein Schweizer Traditio ‘‘nehmen mit Weitblick ’’Wenn aus Tradition Innovation geschaffen wird.

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onsunter- Nachhaltiges Wachstum gründet einerseits in der Abenteuerlust eines Unternehmens und andererseits in seinen traditionellen Werten. Diese vermitteln Mitarbeitenden, Kunden sowie den weiteren Marktpartnern Sicherheit und bilden somit die Grundlage für das Vertrauen in eine Unternehmung. Was in Anbetracht des sich stetig ändernden und herausfordernden Umfelds an Wichtigkeit nicht zu unterschätzen ist. Heimat in den Ohren Schweizer Marken stehen hoch im Kurs bei Herr und Frau Schweizer. Appenzeller Käse, Aromat, Ovomaltine, Viktorinox oder Elmex: All diese Marken klingen nach einem Stück Heimat, nach Qualität, nach Verlässlichkeit und nach Schweizer Originalen. Diese und noch weitere positive Attribute, welche mit Schweizer Marken in Verbindung gebracht werden, sind mit der Hauptgrund, weshalb diese etablierten Produkte sowohl in wirtschaftlich guten wie auch herausfordernden Zeiten im Gespräch bleiben. 5 Auch die swisspor Schweiz mit ihren sechs Produktionsstandorten als Vollsortimentsanbieter im Bereich Dämmen und Dichten blickt auf eine traditionsreiche Geschichte zurück und darf sich mit Stolz Schweizer Traditionsmarke nennen. «Nach Wilhelm Tell kommt quasi die swisspor» – so der Patron Bernhard Alpstaeg. Die Reise begann 1971, als Bernhard und Georges Alpstaeg in Boswil die swisspor AG gründeten sowie die Kork AG und die Baukork AG übernahmen. Produziert wurden damals Dämmstoffe aus EPS und PUR/PIR. Darauf folgten etliche Etappen auf dem Weg des Erfolgs. Beständigkeit und Wandel waren und sind das Erfolgsrezept der swisspor. Wir sind überzeugt: Gerade weil wir uns auf unsere Tradition besinnen, bewährte Gepflogenheiten und Werte in unsere Geschäftsprozesse integrieren und zugleich nach vorne blicken, wurde die Geschichte von swisspor so geschrieben und wird es noch weitere Kapitel geben. Lesen Sie weiter auf Seite 6 ➔ ➔ ➔

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Der Wertewandel, den nicht zuletzt die Digitalisierung mit sich bringt, ist allgegenwärtig und dennoch sehnen sich die Menschen nach etwas Beständigem. Wir sind der Meinung, das eine schliesst das andere nicht aus. Damit die Gratwanderung zwischen Wandel und historisch Gewachsenem gelingt, braucht es Fingerspitzengefühl. Unstrukturiert in der Vergangenheit zu wühlen und alten Wein in neue Schläuche zu füllen, reicht nicht aus. Die Schatzkiste an Erfahrungen mit ökologischer Weitsicht sowie den Bedürfnissen der Kunden zu analysieren und in die Konzepte von morgen einfliessen zu lassen, das ist der Weg, den wir bei swisspor seit der Gründung gehen. Kompass für die eigene Positionierung Klassische Schweizer Werte wie Bescheidenheit, Gewissenhaftigkeit und Genauigkeit prägen unsere Identität. Sie sind der Kompass, der unsere geschätzten Mitarbeitenden, welche für uns eine zentrale Rolle spielen, zu aussergewöhnlichen Leistungen und überdurchschnittlichem Engagement anspornt sowie unserem Unternehmen eine unverkennbare Positionierung und Charakteristik verleiht. Ein weiterer Wert, der das Unternehmen swisspor seit den ersten Stunden begleitet, ist Swissness. Schweizer Qualität – Made in Switzerland – ist in unserer Unternehmensphilosophie keine leere Marketingfloskel. Swissness ist im Hause swisspor auch keine Produkteigenschaft, sondern eine Verpflichtung gegenüber unseren Kunden, welche für uns im Zentrum stehen, und nicht zuletzt gegenüber dem Wirtschaftsstandort Schweiz – aus der Schweiz für die Schweiz. Dies unterstreichen auch die jüngsten Investments in neue Produktionsanlagen. Zum einen im Jahr 6 2012 in Boswil mit der ersten und bis heute einzigen XPS- Produktion der Schweiz sowie der diesjährigen Inbetriebnahme des neuen PUR(PIR)-Werks Chatel II in Châtel-St-Denis. Zu unserem Traditionsversprechen gehört auch der schonende Umgang mit den Ressourcen. Dieser Gedanke ist bezeichnend für die gesamte Wertschöpfungskette von der Beschaffung, der Produktion über den Transport bis hin zum Recycling unserer Materialien im Bereich Dämmen und Dichten. Unser Versprechen leben wir Tag für Tag, denn nur so wird unsere Botschaft messbar und erlangt Glaubwürdigkeit. Deshalb haben wir in diesem Jahr in sechs Mercedes-Anhängerzüge und drei Solofahrzeuge der neuesten Generation investiert. Gemäss unserem Slogan «saving energy» konnten wir so unseren Kraftstoffverbrauch deutlich senken. Innovationsmanagement Erfahrung alleine macht noch keinen Marktleader. Was zählt, sind die Lehren, die man aus jahrzehntelanger Erfahrung gezogen hat. Damit wir unseren Kunden stets die optimalste Lösung anbieten können, setzen wir auf eben diese Lehren, gepaart mit einem Produktmanagement, welches auf den neuesten wissenschaftlichen und technischen Erkenntnissen 1986 In Form: swisspor übernimmt die auf Dämmstoffe, kundenspezifische Verpackungen und Formteile aus EPS spezialisierte Wannerit in Bilten (CH). 1999 Sortimentserweiterung: Übernahme der Bitumendichtungsbahnen herstellende Vaparoid AG in Turtmann (CH) und die Isosystem Dulliken AG in Dulliken (CH). 1971 Los geht's! Bernhard und Georges Alpstaeg gründen in Boswil (CH) die swisspor AG und übernehmen die Kork AG sowie die Baukork AG. Sie produzieren Dömmstoffe aus EPS und PUR(PIR). 1987 Ausdehnung im Westen: swisspor expandiert in die französische Schweiz und erschliesst durch die Übernahme der Luxit Isolations SA (heute swisspor Romandie SA) in Châtel-St-Denis (CH) den Westschweizer Markt sowie einen Teil des französischen Marktes.

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sowie den Bedürfnissen am Markt basiert. Dank der innovativen und gleichzeitig erfahrungsbasierten Produktentwicklung können wir einerseits unsere Produkte entsprechend modifizieren und andererseits Innovationen schaffen. Mit Tradition und Innovation haben wir den Dämmstoffmarkt Schweiz entscheidend mitgeprägt. Die Zukunft ist jetzt, und noch viel mehr als damals ist es heute wichtig mit der Zeit zu gehen, den Zeitgeist zu erkennen, aber gleichzeitig die wertvollen «alten» Tugenden nicht zu vergessen. 2001 Vereinigung: Der Verkauf und der Vertrieb in der Deutschschweiz und im Tessin werden in der Verkaufsgesellschaft swisspor AG in Steinhausen (CH) zusammengeführt. 2010 Neues in der Romandie: Die swisspor Romandie SA nimmt den Betrieb in den neu erstellten Produktions- und Lagerhallen in Châtel-St-Denis (CH) auf. 2017 Châtel II: Der Standort ChâtelSt-Denis bekommt das modernste PUR(PIR)Werk in Europa. 2006 Technische Isolationen: Darauf ist die Aeroflex AG in Rothrist (CH), die zur Unternehmensgruppe stösst, spezialisiert. 2012 Schweizer XPS: In Boswil-Bünzen (CH) eröffnet swisspor als aktuell einziger Produzent in der Schweiz ein Produktionswerk für Dämmstoffe aus XPS. 7

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8 Graue Energie ‘‘ ’’wird unterschätzt.

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Die Standards des Vereins eco-bau gewinnen an Bedeutung. Vereinspräsidentin Friederike Pfromm über gesundes und nachhaltiges Bauen. Interview: Jost Dubacher; Bilder: Ben Huggler kickoff: Viele Unternehmen der Schweizer Bauwirtschaft und deren Lieferanten sind labelmüde. Haben Sie Verständnis dafür? Friederike Pfromm: Absolut. Es gibt sehr viele Labels; man könnte sogar von einem Wirrwarr sprechen. Aber klar ist auch: Die Bauwirtschaft braucht – wie jede andere Branche – Standards und jemand, der sie festlegt und durchsetzt. eco-bau selbst vergibt keine Gebäudezertifikate, wirkt aber bei zwei schon bestehenden Labels mit. Welche sind das zurzeit? Wir kooperieren mit dem Netz Nachhaltiges Bauen Schweiz (NNBS) und dem Verein Minergie. Der «eco»-Teil der Minergie-Zertifizierungen beruht auf unseren Standards und unseren Daten. Wir sehen es als unsere Pflicht an, unser Knowhow und unsere Erfahrung auch Dritten zur Verfügung zu stellen, denn unsere Mitglieder sind entweder Bauämter oder Hochschulen, die ebenfalls vom Steuerzahler finanziert werden. 9 Ein gutes Stichwort. Nicht wenige in der Bauwirtschaft sehen in eco-bau eine staatliche Instanz ... ... was falsch ist. Obwohl Sie neben dem Bundesamt für Bauten und Logistik rund 50 kantonale und kommunale Bauämter vertreten? Die meisten Bauämter üben eine Doppelfunktion aus. Zum einen haben sie hoheitliche Aufgaben – sie erteilen zum Beispiel Baubewilligungen -, zum anderen aber sind sie selber Bauherren: Sie erstellen Schulhäuser, sanieren Hallenbäder und vieles mehr. Für die Bauherrenfunktion gibt es die Baufachorgane, und genau die sind bei uns Mitglieder. Lassen Sie uns auf die Anfänge Ihres Vereins zurückblicken. Was führte 2004 zu seiner Gründung? Wir haben in der Schweiz 26 Kantone und 2255 Gemeinden. Die Vertreter der entsprechenden Fachorgane haben sich schon früher getroffen und Erfahrungen ausgetauscht. Mit der Gründung von eco-bau hat man für diese ERFA-Gruppen Lesen Sie weiter auf Seite 10 ➔ ➔ ➔

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ein institutionelles Dach geschaffen mit dem langfristigen Ziel, schweizweit einheitliche Standards für das nachhaltige Bauen zu schaffen, wobei zwei Themenfelder im Fokus standen: Gesundheit und Ökologie. Reichten Ihnen die bestehenden gesetzlichen Vorgaben nicht? Nicht in allen Punkten. Nehmen wir das Beispiel Schadstoffe. Anfang der Nullerjahre wurden in mehreren Schulhäusern Rückstände von Formaldehyd entdeckt. Das können sich 10 öffentliche Bauherren einfach nicht leisten. Denn sie tragen nicht nur eine Verantwortung für die Gesundheit der Schüler, sondern auch für das Geld der Steuerzahler. Sanierungen von Schulhäusern oder Spitälern sind extrem kostspielig, weil der Betrieb ja nicht beliebig unterbrochen werden kann. Baut die öffentliche Hand verantwortungsvoller als private Bauherren? Ich stelle einfach fest, dass der Bund, die Kantone und Gemeinden andere Sorgfaltspflichten wahrnehmen als Bauherren, die ein Gebäude nicht selber betreiben. Wenn es um die Verwendung von potenziell gesundheitsgefährdenden Materialien geht, sind Ihre strengen Vorgaben an die Bauwirtschaft sicher nachvollziehbar. Aber wie begründen Sie Ihr ökologisches Engagement? Die Antwort hat eine ökonomische und eine politische Seite. Zuerst die wirtschaftliche: Unsere Vereinsmitglieder denken in langen Fristen. Beim Bau einer Mehrzweckhalle oder eines Spitals spielen nicht nur die Erstellungskosten eine Rolle, sondern auch die Aufwendungen für den Betrieb und – nicht zu vergessen – für den Rückbau. Nun zur politischen Dimension Ihrer Frage: Seit 1997 legt der Bundesrat alle drei Jahre seine Pläne zur nachhaltigen Entwicklung der Schweiz dar. Diese Strategie Nachhaltige Entwicklung (SNE) hält ausdrücklich fest, dass der öffentlichen Hand in Sachen Ressourcen- und Umweltmanagement eine Vorbildfunktion zukommt. Ausser- dem möchte ich daran erinnern, dass die Schweiz mehrere internationale Klimaprotokolle unterzeichnet hat, die sie verpflichten, ihre CO2-Emissionen zu reduzieren. Es scheint mir selbstverständlich, dass sich das öffentliche Bauwesen an diesem Effort beteiligt. Ihre Standards decken die ganze bauwirtschaftliche Wertschöpfungskette ab; von der strategischen Planung bis zur Bewirtschaftung einer Immobilie. Ein besonderes Augenmerk richten Sie dabei auf das Thema «Graue Energie». Warum? Das Thema wird in der aktuellen Diskussion um die energetische Optimierung des Gebäudeparks unterschätzt. Wir nutzen neue erneuerbare Energien, um zu heizen, und investieren in die Wärmedämmung. Aber es wird der Tag kommen, an dem wir das energetische Potenzial solcher auf den Betrieb eines Baus gerichteten Massnahmen ausgeschöpft haben. Deshalb denken wir bei eco-bau über die Energie nach, die es braucht, ein Gebäude zu erstellen. Lässt sich der Anteil der Grauen Energie in der Bauwirtschaft überhaupt quantifizieren? Sehr genau sogar. Der SIA hat untersucht, wie viel Primärenergie ein Gebäude von der Planung bis zum Rückbau braucht. Das Resultat: Ein Viertel des Verbrauchs entfällt auf die Erstellung. Noch ungünstiger wird die Bilanz, wenn wir die Treibhausgasemissionen betrachten: Hier entfallen mehr als 50 Prozent auf die Bauphase. Welche Bestandteile eines Gebäudes enthalten speziell viel Graue Energie beziehungsweise sind speziell klimaschädlich? Das lässt sich so generell nicht sagen. Denn die Wahl der verbauten Rohstoffe und Produkte hängt auch von der Konstruktion eines Baus ab. Ein statisch komplexer Bau braucht mehr Graue Energie als ein kompaktes Haus mit direktem Lastabtrag. Interessant ist aber ein Blick auf die Haustechnik: Eine Studie im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt (Bafu)

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Zur Person Friederike Pfromm studierte an der Technischen Universität Berlin Architektur. Danach arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der BauhausUniversität Weimar, als freischaffende Architektin und als Partnerin in einem Berliner Architekturbüro. Von 2006 bis 2012 war sie Mitglied der Geschäftsleitung des Hochbauamtes der Stadt St. Gallen und von 2012 bis 2017 Stadtbaumeisterin der Stadt Luzern. Seit 2015 ist sie Präsidentin des Vereins ecobau. Friederike Pfromm ist verheiratet und lebt in St. Gallen. hat ergeben, dass er erheblich über den 23 Prozent liegen kann, von denen der SIA bisher ausgegangen ist. Bei «Hightech-Bauten» kann sogar knapp die Hälfte der Grauen Energie auf das Konto von Heizung, Klima, Lüftung oder sanitären Anlagen gehen. Diese Vorrichtungen bestehen aus Aluminium, Blech, Plastik oder Chromstahl. Sie enthalten eine Leiterplatte oder Kühlmittel. Und sie müssen vor der Lieferung auf die Baustelle geplant, gebaut und gelagert werden. Der Einzug von Hightech-Anwendungen in den Wohn- und Bürobau ist Tatsache. Kann man ihn bremsen oder gar rückgängig machen? Wohl kaum. Aber damit lässt sich leben. Wichtig ist uns, dass auch Bauherren und Planer mit einem hohen Komfortanspruch ihre Spielräume für Verbesserungen nutzen. Welche Rolle können dabei die Instrumente von ecobau spielen? Wir haben zum Beispiel zusammen mit der Schweizerischen Zentralstelle für Baurationalisierung (CRB) ein Eco-Devis erarbeitet, in dem Bauprodukte und Verarbeitungsprozesse mit einer geringen Umweltbelastung gelistet sind; von Fenstern und Türen über Bodenbeläge bis zur Haustechnik. Wir stützen uns dabei auf die Ökobilanzdaten der Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren (KBOB). Das Eco-Devis ist kostenlos und verfügt seit Anfang des Jahres über Schnittstellen zu praktisch allen Produkten, die auf dem Markt für Bauadministrations-Software erhältlich sind. Wie genau gehen Sie bei der Einstufung eines Produktes vor? Bei der Erstellung unserer Eco-Produktliste betrachten wir immer eine ganze Produktkategorie. Wir erstellen gewissermassen einen Warenkorb und schauen, wie viel Graue Energie und giftige Inhaltsstoffe in jedem einzelnen Artikel stecken und wie er sich rezyklieren lässt. Darauf basierend entsteht eine Skala, die vom besten zum schlechtesten Wert reicht und auf der alle anderen Produkte eingereiht werden. Schliesslich wird jeder Artikel einer Kategorie zugeordnet: grün, hellgrün und grau. Wie viele Lieferanten der Schweizer Bauwirtschaft haben ihre Produktpalette oder Teile davon nach diesem System zertifizieren lassen? Stand heute sind es gut 110; darunter übrigens zu unserer grossen Freude auch swisspor (lacht). Sie betonen, dass solche Zertifizierungen genauso freiwillig sind wie der Gebrauch der von Ihnen zertifizierten Produkte durch das Bauhaupt- und Nebengewerbe. Andererseits orientiert sich die öffentliche Hand als Auftraggeber an den zugrundeliegenden Standards. Ein Widerspruch? Inwiefern? 11 Die öffentliche Hand ist mit Hochbauausgaben von zuletzt acht Milliarden Franken ein wichtiger Player auf dem Baumarkt. Kann es sich ein Anbieter wirklich leisten, Ihre Standards nicht zu berücksichtigen? Dazu kann ich nur sagen, dass noch lange nicht alle Gemeinden und Kantone unsere Instrumente nutzen. Aber immer mehr tun es. Das ist richtig. Und natürlich hoffen wir, dass dieser Trend anhält, denn das Bauen in der Schweiz soll gesünder und ökologischer werden. Das ist ein erklärter politischer Wille. Und die Bauwirtschaft muss nachziehen? Unsere Arbeit kann dazu führen, dass sich die Unternehmen an neue Regeln anpassen müssen. Aber man kann es auch positiv sehen: Wir offerieren Werkzeuge, die dem Baugewerbe und dessen Lieferanten den Weg zu mehr Nachhaltigkeit weisen.

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Facelifting für den Plattenbau Energetische Sanierung der Göhner ‘‘ ’’ Wohnsiedlung Sonnhalde in Adlikon. 12

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Der Plattenbau ist der Inbegriff des Baubooms der 60er- und 70er-Jahre. Mittlerweile sind die Zeitzeugen in die Jahre gekommen und der Glanz ist von den Fassaden abgeblättert. Die sanierungsbedürftige Grosssiedlung erhält deshalb ein Facelifting in Form einer energetischen Sanierung der Gebäudehülle. Ernst Göhners 9000 Plattenbau-Wohnungen In den 60er- und 70er-Jahren herrschte in der Schweiz eine Wachstumseuphorie und neue Wohnbauten schossen wie Pilze aus der Schweizer Siedlungslandschaft heraus. Mit 9000 Plattenbau-Wohnungen innerhalb von gerade einmal zehn Jahren hat der Bauunternehmer und Pionier Ernst Göhner massgeblich zum sich rasch verändernden Landschaftsbild im Mittelland beigetragen. Noch heute leben gut 20'000 Menschen in eben diesen Wohnungen. Der Plattenbau zeichnet sich dadurch aus, dass er aus vorgefertigten Betonplatten vor Ort zusammengefügt wird. Seine Optik ist unverkennbar. Diese effiziente Bauweise verringert Bauzeiten und Baukosten, ein wichtiger Aspekt früher wie heute. Die ersten Bauten dieser Art wurden bereits 1910 in New York im Stadtteil Queens errichtet. Eine starke Verbreitung der Plattenbauten gab es vor allem auch in der DDR. Dem Wohnungsnotstand, den der Krieg hervorbrachte, konnte mit dieser schnellen Bauweise effektiv entgegengewirkt werden. Dieses Prinzip von schneller und günstiger verfolgte auch Ernst Göhner. Die verhältnismässig tiefen Mietpreise und grosszügigen Grundrisse des Baulöwen Göhner zogen vor allem Familien des Mittelstands an und füllten die grossen Überbauungen mit Leben. Eingerüstetes Objekt Erhaltenswürdiger Zeuge aus den 70ern Die Sonnhalde in Adlikon ist ein typischer Göhner-Bau. Bereits Anfang der 90er-Jahre wurde die Sonnhalde teilweise saniert. In die Schlagzeilen kam das Quartier zu dieser Zeit vor allem wegen der illegal entsorgten Müllberge und wurde vermehrt als Problemquartier bezeichnet. Diese Zeiten sind vorbei. Die erneute Sanierung der Wohnsiedlung hat den Zeugen des Baubooms mit Jahrgang 1971 energetisch wie auch optisch ins aktuelle Zeitalter befördert. Das Gesamtkonzept und die Architektur der Siedlung sowie die Umgebungsgestaltung sind exemplarisch für die frühen 70er-Jahre. Die Basler Versicherung als Eigentümerin der Liegenschaft hat sich dazu entschlossen, den Look und den typischen Charakter aus den 70ern beizubehalten. Wichtig bei diesem Sanierungsprojekt war nebst der Optik der Fassade insbesondere die Energieeffizienz. Im Rahmen der energetischen Sanierung wurde nebst der Fassade inklusive den Fenstern auch das komplette Flachdach erneuert. Neue Dämmung für 10'000 Quadratmeter Fassade Die Allreal Generalunternehmung AG, welche bei diesem Projekt als Totalunternehmerin auftritt, wurde mit der Projektleitung dieser Grosssanierung betraut. Das Unternehmen hat bereits die Göhner-Siedlung Webermühle im Kanton Aargau erfolgreich saniert und modernisiert. Dieses Referenzobjekt war für die Vergabe des Auftrags im Rahmen einer TU-Submission mit ausschlaggebend und hat die Bauherrin überzeugt. 13 Der Entwurfsarchitekt der Bauherrin war bei diesem Projekt für die Farbgebung sowie die Materialisierung der Fassaden verantwortlich. Der ausführende Architekt der Totalunternehmung hat aufgrund dieses Konzepts die Details ausgearbeitet und die Ausführungspläne für die jeweiligen Arbeitsgattungen erstellt. Diese in Kombination mit dem straffen Projekt- Lesen Sie weiter auf Seite 14 ➔ ➔ ➔

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Ansicht vor der Sanierung Dampfdichtes Abkleben der bestehenden Fugen Bestehende Fassade plan respektive Bauprogramm sind von zentraler Bedeutung, bedenkt man, dass die Sanierung in bewohntem Zustand durchgeführt wird. Vor allem das Auswechseln der Fenster und Rollläden hat den Mietern der 140 Wohneinheiten einiges an Geduld abverlangt. Um hier das Aufeinandertreffen der verschiedenen Arbeitsgattungen optimal zu koordinieren, war eine durchdachte Organisation seitens der Bauleitung der Allreal Generalunternehmung AG, Herrn Sven Altherr, sowie eine Hand-in-Hand-Arbeit aller hier Beteiligten unabdingbar. Für die Aussenwärmedämmung wurde bei diesem Projekt auf den Highend-Dämmstoff swissporPIR TOP023 gesetzt. Diese Dämmplatten aus Hartschaum mit einseitiger weisser EPS-Oberfläche und rückseitiger Vlieskaschierung finden ihre Anwendung ausschliesslich bei verputzten Aussenwärme- dämmsystemen von Gebäuden geringer und mittlerer Höhe. Für diese Grossbaustelle mit einer erheblichen Anzahl Fassa- denquadratmetern nicht nur der ideale Dämmstoff in Bezug 14 auf (m Kd)ie(≥he1r2vo0rrmagme)n,dseonWdäerrmn ealueicthfähbiegzküegitlicλhD von 0.023 W/ der effizienten und genauen Verarbeitungsmöglichkeit verbunden mit der Erstellung einer homogenen Oberfläche der Dämmschicht zum späteren Putzauftrag. Was sich dann wiederum positiv auf die Optik der Fassade auswirkt und die Flächen homogen und harmonisch wirken lässt. Aufwändige Fugen- und Farboptik In einem ersten Schritt wurde die Fassade durch den Verarbeiter, die Firma Isi & Hegglin AG, mit Kaltwasserhochdruck gereinigt, worauf eine Tiefgrundierung folgte. Danach erfolgte das dampfdichte Abkleben der bestehenden Fugen mit einem Dichtungsband. Im Anschluss wurden die PIR-Platten 023 mit einer Dämmstärke von 100 bis 160 Millimetern verklebt. Nach der Einbettung und der Grundierung wurde das bestehende Fugenbild (Betonelemente Göhner) mit spez. Klebeband von 2.5 cm Breite abgeklebt. Nun folgte der Deckputz, wovon insgesamt rund 50 Tonnen für die gesamte Fassade verwendet wurden. Dieser wurde mit Traufeln aufge- zogen und anschliessend mit der Strukturwalze strukturiert. Bevor der Deckputz komplett trocken war, musste das Klebeband wieder entfernt werden, um den gewünschten «Göhner Baucharakter» zum Vorschein zu bringen. Die Farbanstriche erfolgten im Anschluss. Um die Farbgebung der beiden 180 und 120 Meter langen Gebäude festzulegen, wurden zuerst Muster in verschiedenen Varianten angefertigt. Die Herausforderung war es, den imposanten Gebäuden mithilfe des richtigen Anstriches ihre Schwerfälligkeit und die verstaubte Impression zu nehmen. Zu den abgestuften Grundtönen wurden passende Kontrastfarben für die Südseiten der Liegenschaften definiert. Bei einem Gebäude setzte man auf einen rötlichen, beim anderen auf einen blau-grünlichen Ton, in Anlehnung an die Originale aus den 70ern. Um die Optik zusätzlich lebendiger und attraktiver zu gestalten, wurde der Anstrich nicht vollflächig, sondern lediglich mit einem Schwammroller auf die Spitzen des Deckputzes aufgetragen. Brandschutz und das «Sorglos-Packet» Gemäss den ab dem 1. Januar 2015 geltenden neuen Brandschutzvorschriften VKF (Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen) müssen Wärmedämm-Verbundsysteme (VAWD) von Gebäuden «mittlerer Höhe» ab elf Metern, deren Dämmstoff der Brandverhaltensgruppe RF2/RF 3(cr) angehört, mit einer von der VKF anerkannten oder gleichwertigen Konstruktion ausgeführt werden oder in jedem Geschoss einen umlaufenden Brandriegel aufweisen. Bei dem in diesem Projekt verwendeten Wärmedämm-Verbundsystem (VAWD) mit der Wärmedämmung aus swissporPIR Top023 verhält es sich so, dass dieses System über eine entsprechende VKF-Zulassung (Brandschutzanwendung Nr. 26387 der Gruppe 162 Aussenwandbekleidungssysteme) verfügt und somit eine adäquate Lösung zur Erfüllung der geforderten Brandschutzvorschriften für Gebäude mittlerer Höhe darstellt. Dadurch entfällt der Einsatz von Brandriegeln gänzlich. Dieser Umstand, explizit keine Brandriegel verwen- Fertig verlegte Dämmung in der Leibung Frisch aufgetragener Deckputz Fertig aufgetragener Deckputz

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Verarbeitete swissporPIR Top 023 Dämmplatten den zu müssen, im Zusammenhang mit den bereits erwähnten positiven Eigenschaften von PIR Top023, wie z.B. der effizienten Möglichkeit der Verarbeitung, sind gemäss der Projektleitung der Allreal Generalunternehmung AG, Herrn Sandro Näf, die klaren Vorteile dieser Materialisierung. Hinzu kommt, dass mit der vorhandenen VKF-System-Zulassung die durch die Behörden geforderten Unterlagen bei der Baueingabe problemlos eingereicht werden konnten. Der Mann mit dem Auge für Qualität Für die Bauherrin ist die Nachhaltigkeit der Sanierung ein wichtiges Credo. Gerade bei verputzten Aussenwärmedämmungen kosten Qualitätsmängel viel Geld, Nerven und oft auch den guten Ruf. Als Schutzhülle eines Gebäudes übernimmt die Fassade viele Funktionen. Paul Zgraggen, Inhaber der QS Fassaden GmbH, wirft auf der Baustelle einen Blick auf die Fassade und kontrolliert die technische Qualität der ausgeführten Arbeiten. Bereits seit 40 Jahren ist er im Geschäft und die Erfahrung zeigt, dass die Materialien entsprechend fehlerfreier verarbeitet werden müssten. Denn je besser die verwendeten Produkte in puncto Dämmwert sind, desto gravierender wirken sich bereits kleine Verarbeitungsfehler auf die Standfestigkeit der verputzten Aussenwärmedämmung aus und werden schon im ersten Winter spürbar. Damit das nicht passiert, kontrolliert Paul Zgraggen jeden Arbeitsschritt und rapportiert seine Erkenntnisse der Bauleitung sowie der Bauherrin. So kann sichergestellt werden, dass ein Top-Produkt wie swissporPIR Top023 auch nach Jahren noch hält, was es verspricht. Im Mai 2017 wurde mit den Arbeiten an den Fassaden der Sonnhalde begonnen. Abgeschlossen wird das Projekt nach sportlichem Bauprogramm bis Ende Dezember 2017. Südseite mit Farbakzent Daten und Fakten Objekt Bauherrschaft TU Verarbeiter Systemhalter Qualitätssicherung Energetische Sanierung Wohnsiedlung Sonnhalde, 8106 Adlikon / Regensdorf Basler Versicherung AG, Bereich Immobilien, Aeschengraben 21, Postfach, 4002 Basel Allreal Generalunternehmung AG, Eggbühlstrasse 15, 8050 Zürich Isi & Hegglin AG, Seestrasse 191, 8712 Stäfa Sto AG, Südstrasse 14, 8172 Niederglatt QS Fassaden GmbH, Breitistrasse 3, 5610 Wohlen Fassade Fläche 10000 m2 bestehender Wandaufbau Innenputz gestrichen weiss innerer Stahlbeton Polystyrol Kerndämmung äusserer Stahlbeton 100/150 mm 40 mm 70 mm sanierter Wandaufbau Untergrund Fassaden reinigen mit Kaltwasserhochdruck Grundierung Tiefgrundierung, StoPrim Plex, 1 Anstrich 15 Betonfugenelemente Dampfdichtes Abkleben der bestehenden Fugen mit spez. Dichtungsband Platten Kleben mit StoLevell Uni, Auftrag mit Zahnspachtel oder Rand/Steg Verklebung, Stärke ca. 5-10 mm Dämmung swissporPIR Top 023, 100 -160 mm (Fassadenfläche generell 160 mm) Einbettung StoLevell Uni inkl. Glasfasergewebe, Auftragsstärke ca. 3-4 mm Grundierung StoPrep Miral, 1 Anstrich Fugenbild bestehendes Fugenbild (Betonelemente), mit spez. Klebeband, Breite 2.5 cm abkleben Deckputz StoMiral Korn 6.0 mm aufgezogen mit Traufel und anschl. mit Strukturwalze strukturieren über das Klebeband, welches nach der fertigen Applikation des Deckputzes wieder entfernt wird Farbanstriche Fassade StoColor Fungasil (Siliconharzfarbe mit spez. Einstellung gegen Algen- und Pilzbefall) Auftrag in 2 Arbeitsgängen mit Lammfellroller Farbanstrich Spitze StoColor Fungasil. Die Spitzen des Deckputzes werden in einem anderen Farbton gestrichen. Auftrag mit einem Schwammroller.

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