Mensch und Mund 4_2017

 

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Die ersten Zähne

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5. Jahrgang · Ausgabe 4/2017 MMeennsscchh&&MMuunndd Ganzheitliche ZahnMedizin für interessierte Patienten Bildquelle: fotolia © Firma V Die ersten Zähne: Belastungsprobe für Eltern und Baby 1

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Mensch & Mund Bildquelle: fotolia © ia_64 Hilfe bei Zahnungsbeschwerden Wenn die ersten Milchzähne durchbrechen, ist das ein Meilenstein in der Entwicklung Ihres Kindes. Allerdings ist die Freude meist nicht ungetrübt: Bis die Zähnchen sichtbar sind, haben viele Babys Schmerzen und ihre Eltern bekommen oft sehr wenig Schlaf. Zum Glück gibt es Möglichkeiten zur Linderung. Das durchschnittliche Durchbruchsalter für die ersten Milchzähne liegt um den 6. Lebensmonat herum. Wie immer bei statistischen Mittelwerten gibt es auch hier Ausreißer: In einzelnen Fällen kann der Durchbruch auch viel früher oder viel später erfolgen – schon in den ersten Lebenswochen oder erst nach dem ersten Geburtstag. Doch wann immer es soweit ist: Sie als Eltern werden es merken. Denn Ihr Kind erlebt das Zahnen oft als unangenehm bis schmerzhaft. Hinzu kommen weitere Symptome, die das Allgemeinbefinden beeinträchtigen können. Das Wichtigste: liebevolle Zuneigung Oft geht der Zahndurchbruch auch mit Wachstumsschüben einher, was die ganze Sache nicht einfacher macht. Viele der Kinder haben auch nachts mit Schmerzen zu kämpfen, was an den Nerven der Eltern zehren kann. Doch denken Sie immer daran: Auch Ihr Kind möchte nichts lieber als ruhig durchschlafen. Deshalb brauchen Kinder, die unter Zahnungsbeschwerden leiden, viel Zuneigung. Halten die Beschwerden länger an oder gehen mit hohem Fieber einher, sollten Sie zum Kinderarzt gehen, damit andere Erkrankungen ausgeschlossen werden können. Wenn klar ist, dass es sich „nur“ ums Zahnen handelt, dann gibt es Möglichkeiten zur Linderung der unangenehmen Symptome: Je nach Alter des Kindes und dem Ausmaß der Beschwerden können Beißhilfen, homöopathische Mittel oder auch schmerzlindernde Substanzen zum Einsatz kommen. Im Folgenden stellen wir Ihnen einige vor – ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Dies soll Ihrer ersten 2 Systemische Orale Medizin · 5. Jahrgang 4/2017

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Mensch & Mund Orientierung dienen: Wir empfehlen in jedem Fall ein klärendes Gespräch mit Ihrer Kinderärztin bzw. Ihrem Kinderarzt oder im besten Fall mit einem speziell ausgebildeten Kinderzahnarzt. Vorbeugen ist möglich Schon bevor es zu Schmerzen kommt, können Eltern bereits im Säuglingsalter mit speziellen Handaufsätzen oder Handschuhen das Zahnfleisch regelmäßig massieren. Das ist meist kein Problem, weil Säuglinge in ihrem ersten Lebensjahr ohnehin in ihrer oralen Phase sind, das heißt, ihre Umwelt vorwiegend mit dem Mund erkunden. Durch das sanfte Massieren wird das Zahnfleisch gut durchblutet, und als positiver Nebeneffekt wird ein früher Reiz für das Zähneputzen gesetzt. Symptome beim Zahnen Die Symptome beim Zahnen sind vielfältig – aber immer unangenehm für Ihr Kind:  gerötete Wangen  Entzündung der Mundschleim- haut über den durchbrechenden Zähnen  erhöhter Speichelfluss, Saugen, Beißen  erhöhte Temperatur bis hin zu Fieber  Weinerlichkeit, Reizbarkeit  Schlafstörungen  Husten  Verdauungsbeschwerden, Durchfall, Appetitverlust  Ausschlag im Gesicht  wunder Po Viele Babys brauchen während dieser Zeit besonders viel Zuneigung und Nähe. Homöopathische Mittel Kündigen sich die Zähne an, haben sich homöopathische (Komplex-)Mittel in der Praxis gut bewährt. Sie können problemlos von den Eltern angewendet werden, haben keine Nebenwirkungen und führen nicht zu unerwünschten Interaktionen mit anderen Medikamenten. Die Eltern sollten lediglich über den Effekt der „Erstverschlimmerung“ aufgeklärt werden. Es lassen sich Präparate und Darreichungsformen unterscheiden: Globuli – Wer Globuli schätzt, ist mit Osanit® gut beraten. Bei Osanit® handelt es sich um ein homöopathisches Komplexmittel, das unter anderem Calcium phosphoricum, Magnesium phosphoricum, Ferrum phosphoricum und Calcium carbonicum Hahnemanni beinhaltet. In Abhängigkeit von der Stärke der Beschwerden kann es halbstündlich verabreicht werden. Sind bereits Zähne vorhanden, die mit Zahnpasta gepflegt werden, sollte während der homöopathischen Therapie auf eine mentholfreie Variante zurückgegriffen werden. Zäpfchen – Wer Zäpfchen als Darreichungsform bevorzugt oder vorbeugend vor der Nacht etwas verabreichen möchte, kann auf Viburcol N zurückgreifen. Auch Viburcol N ist ein homöopathisches Kombinationspräparat, u. a. bestehend aus Pulsatilla, Belladonna, Chamomilla (Hauptwirkstoff bei der Zahnung) und Calcium carbonicum Hahnemanni. Dieses Präparat kann ab der Geburt zur Anwendung kommen. Die Menge und Häufigkeit der Anwendung richtet sich nach dem Alter des Kindes. Tropfen – Ein weiteres homöopathisches Komplexmittel sind Escatitona Tropfen®. Enthalten sind unter anderem Cuprum und Chamomilla. Letzteres hat sich auch als Einzelpräparat bewährt. Wie bei allen homöopathischen Mitteln, die Apis mellifica als Wirkstoff enthalten, ist Vorsicht bei einer Allergie gegen Bienengift geboten. Schüßler-Salze – Patienten, die SchüßlerSalze bevorzugen, können die Salze 1, 2, 11 und 12 verwenden. Diese werden alle dem Knochenstoffwechsel zugeordnet und sind ebenfalls zur Behandlung geeignet. Die Kraft der Pflanzen Als pflanzliche Hilfsmittel kommen verschiedene Tinkturen zum Auftragen oder auch natürlich vorkommende Kauhilfen in Betracht. Kamillentee – Die einfachste Möglichkeit der Linderung ist das Betupfen der betroffenen Stellen mit Kamillentee. Dieser beruhigt und ist gut verträglich. Die Kamille ist auch als Wirkstoff in nahezu allen Tinkturen enthalten. Zahnungsgel – Beispiele für pflanzliche Zahnungsgele sind: Osa® (mit Kamille, Nelke, Propolis, Salbei und Pfefferminze) oder die alkoholfreie Variante eines natürlichen Zahnungsgels, Multi-Mam® BabyDent Zahnungsgel. Vorteil dieser pflanzlichen Gele ist der Verzicht auf Lokalanästhetika wie Lidocain oder Benzocain. Vorsicht ist bei Allergikern geboten: Nelkenbestandteile können Kreuzallergien auslösen. Äußerliche Anwendung – Für die rein äußerliche Anwendung eignen sich Aromamischungen, wie zum Beispiel das Zahn-Öl von Ingeborg Stadelmann®, bestehend aus Kamille, Lavendel, Nelke, Johanniskraut in Olivenöl und Nachtkerzenöl. Dieses wird von außen auf die Wangen einmassiert. Hier ist, vor allem bei Säuglingen, die zu Hautirritationen neigen, Vorsicht angebracht, da ätherische Öle durchaus Hautreizungen verursachen können. Kauhilfe – Ein althergebrachtes Zahnungshilfsmittel ist die Veilchenwurzel. Kinder, die alt genug sind, können darauf herumbeißen und sich so Linderung verschaffen. Im Zusammenspiel mit Speichel ergibt sich eine weiche, gummiartige Konsistenz, die für die meisten Kinder sehr angenehm ist. Vorsicht bei schmerzstillenden Substanzen Schmerzstillende Substanzen können sowohl direkt an den schmerzenden Stellen („topisch“) als auch für den ganzen Körper („systemisch“) angewendet werden. Systemische Orale Medizin · 5. Jahrgang 4/2017 3

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Mensch & Mund Generell sollten diese Mittel allerdings erst dann zum Einsatz kommen, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft wurden und keine Wirkung zeigten. Außerdem sollten Sie Ihrem kleinen Kind nicht einfach so Schmerzmittel geben, sondern sich vorher von Ihrem Kinderarzt oder (Kinder-) Zahnarzt beraten lassen. Die bekanntesten schmerzstillenden Zahnungsgele sind Dentinox® und auch Dynexan Mundgel®. Beide enthalten das Lokalanästhetikum Lidocain. Hier ist allerdings Vorsicht geboten: Die Anwendung im Mund hält nur eine (kurze) Weile vor, und ein Großteil des Produktes wird verschluckt. Die FDA (die amerikanische Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelzulassungsbehörde) riet 2014 in einer Stellungnahme klar von der Verwendung von 2 %igem Lidocain bei zahnenden Kindern ab. Bei versehentlich zu hohen Dosen kann es zu Krämpfen, Hirnschädigungen und Herzproblemen kommen. Eine Warnung bezüglich Benzocain wurde bereits 2011 von der FDA veröffentlicht. Hier kann es bei der topi- Achtung: Besser kein Bernstein! Hin und wieder werden Sie auf Empfehlungen treffen, die das Kauen auf Bernsteinketten propagieren, mit dem Hinweis darauf, dass es sich bei Bernstein um ein Wachs handelt und manche Eltern„auf die Wirksamkeit schwören“. Allerdings kann es sehr kritisch sein, so kleinen Kindern eine Kette zu überlassen: Wenn sie sich in der Kette verheddern, können sie sich strangulieren und ersticken; wenn die Kette reißt, können die einzelnen Bernsteinkügelchen verschluckt werden oder – schlimmer noch – in die Atemwege gelangen. Und wenn sich beim Beißen Splitter lösen, sind Verletzungen wahrscheinlich. Deshalb sollten Sie von Bernsteinketten Abstand nehmen. schen Verwendung in seltenen Fällen zu einer lebensbedrohlichen Methämoglobinämie kommen. Neben den enthaltenen Lokalanästhetika sprechen außerdem die zugefügten Konservierungsstoffe gegen eine Verwendung bei Kindern. Dentinox® beispielsweise enthält das Lösungsmittel Propylenglycol, das auch in E-Zigaretten verwendet wird. Der Zusatzstoff Polysorbat 20 kann lokale Hautreizungen verursachen. Vor diesem Hintergrund ist von Zahnungsgelen, die Lokalanästhetika enthalten, eher abzuraten. Zur systemischen Anwendung eignen sich vor allem Paracetamol und Ibuprofen. Hierbei sollten die jeweiligen Dosierungsanleitungen genauestens beachtet werden. Die Gabe der Schmerzmittel wird schnell und zuverlässig zur Schmerzfreiheit führen und wirkt im Fall von Ibuprofen zusätzlich entzündungshemmend und bei Paracetamol fiebersenkend. Ibuprofen darf erst ab dem 3. Lebensmonat angewendet werden (Bsp.: Nurofen® Junior 60mg Zäpfchen ab 6kg Körpergewicht). Die systemische Gabe ist der topischen Gabe vorzuziehen, da der Schmerz damit zuverlässiger und länger ausgeschaltet wird, und eine genaue Dosierung möglich ist und somit eine Überdosierung verhindert wird. Beißhilfen Parallel zu allen oben genannten Maßnahmen können Beißhilfen für Linderung sorgen. Das können gekühlte Mohrrüben oder auch Beißringe sein. Bei Beißringen sollte man darauf achten, dass die jeweiligen Produkte schadstofffrei sind. Bei einigen wenigen Produkten wurden bei Tests Phthalat-Weichmacher gefunden – diese gehören auf keinen Fall in den Mund von Kindern. Die Mehrzahl der getesteten Beißringe schnitten in Tests aber durchaus gut ab. Empfehlenswert sind beispielsweise der Chicco® Fresco Relax, der MAM Bite & Brush oder, wer ein Naturprodukt bevorzugt, der Grünspecht® Baby-Holzgreifling. Zu beachten ist, dass die Beißringe nicht in die Tiefkühltruhe gehören. Sie werden dadurch zu hart und können unter Umständen Verletzungen an der Mundschleimhaut verursachen. Des Weiteren werden die Beißringe dadurch schneller porös. Die Ringe sollten regelmäßig unter heißem Wasser gereinigt werden. Besprechen Sie Ihre Möglichkeiten Als Eltern können Sie bei Zahnungsproblemen also eine Vielzahl von Hilfsmitteln anwenden. Praktisch bewährt haben sich homöopathische Komplexmittel. Auch Beißhilfen schaffen Linderung. In schweren Fällen können Sie auf schmerzstillende Medikamente wie Ibuprofen oder Paracetamol zurückgegreifen – sie wirken meist besser und sind nicht so problematisch in ihren Nebenwirkungen wie lidocainhaltige Zahnungsgele. In jedem Fall gilt: Besprechen Sie diese schwierige, aber wichtige Phase in der Entwicklung Ihres Kindes mit Ihrer Kinderärztin bzw. Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Kinderzahnärztin bzw. Ihrem Kinderzahnarzt. Wie immer kommt es auf den Einzelfall an und darauf, dass Ihr Baby eben kein Fall ist, sondern ein einzigartiger kleiner Mensch mit ganz persönlichen Bedürfnissen. Wenn Sie diese Bedürfnisse nach bestem Wissen und mit viel Liebe erfüllen, dann geht auch die Zahnungsphase möglichst angenehm für alle Beteiligten vorbei – die nächsten Meilensteine der Entwicklung warten schon! Ludwig Fiebig Ulrike Uhlmann Quelle: Uhlmann, Ulrike: Hilfe bei Zahnungsbeschwerden; Systematische Orale Medizin, 2/2016, S. 10–12 4 Systemische Orale Medizin · 5. Jahrgang 4/2017

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Mensch & Mund MMeennsscchh&&MMuunndd Notfallausweis für Herzpatienten – bessere Überlebenschancen Über 1,67 Millionen Menschen werden in Deutschland jedes Jahr wegen einer Herzerkrankung in eine Klinik eingewiesen. An der koronaren Herzkrankheit (KHK), der Vorläuferkrankheit des Herzinfarkts, leiden etwa sechs Millionen Menschen. Etwa 1,8 Millionen Menschen haben die häufigste Herzrhythmusstörung: Vorhofflimmern. In vielen Fällen können Herzprobleme mit einem erhöhten Risiko für einen medizinischen Notfall einhergehen. Deshalb rät die Herzstiftung Herzpatienten zum Notfallausweis für den Geldbeutel, der kostenfrei unter:  www.herzstiftung.de/notfallausweis  Tel.: 069 955128400  E-Mail: bestellung@herzstiftung.de angefordert werden kann. Der Ausweis wurde jetzt aktuellen Anforderungen in Kliniken und Praxen hinsichtlich neuer Gerinnungshemmer und Implantaten (Klappenersatz, Gefäßstütze/Stent, implantierbarer Defibrillator) angepasst. Hilfe für den Notarzt bei der Vermeidung von Komplikationen „Bei Herznotfällen zählt jede Minute. Hat der Notarzt sofort alle erforderlichen Daten zur Herzerkrankung des Patienten vor sich, lässt sich eine deutlich bessere Notfallbehandlung erreichen und viele Komplikationen bis hin zum Tod können vermieden werden“, betont der Notfallmediziner Prof. Dr. med. Günter Görge vom wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. Der Ausweis eignet sich gut für den Auslandsaufenthalt, weil er in Deutsch und in Englisch abgefasst ist. Bei Notfällen schauen Notärzte in der Regel zuerst im Geldbeutel des Betroffenen nach, ob dieser einen medizinischen Ausweis, Gesundheitspass oder dergleichen mit sich führt. „Deswegen sollte jeder Herzpatient seinen Notfallausweis im Geldbeutel tragen und nicht irgendwo versteckt in einer Seitentasche der Jacke“, rät Görge. „Weiß der Notarzt umgehend, welche Medikamente eingenommen werden, welche Vorbehandlungen und Begleiterkrankungen vorliegen, kann das die Überlebenschancen des Betroffenen erhöhen; der Ausweis kann dann schnell zum Lebensretter werden.“ Quelle: Deutsche Herzstiftung e. V. GZM – Sicherheit durch gezielte Qualitätsorientierung Die Internationale Gesellschaft für Ganzheitliche ZahnMedizin (GZM) fördert die Kooperation zwischen Zahn-Medizin und Medizin und setzt sich stark für die Realisierung regionaler Netzwerke ein. Dazu organisiert und veranstaltet die GZM regelmäßig internationale Symposien und Kongresse. Die GZM fördert intensiv die Erforschung ergänzender Diagnose- und Therapiekonzepte und arbeitet aktiv daran mit. Qualifizierte Mitglieder der GZM haben eine umfangreiche Weiterbildung in verschiedenen Diagnose- und Therapieverfahren absolviert und sich einer Prüfung unterzogen. Eine Liste der qualifizierten GZM-Mitglieder nach PLZ-Bereichen finden Sie im Internet unter: www.gzm.org Wenn Sie 2,80 € in Briefmarken an die Geschäftsstelle schicken, erhalten Sie die Liste gerne auch per Post zugesandt. Dort sind auch weitere Broschüren zu verschiedenen Themen sowie Infopakete erhältlich. Bitte schreiben Sie an: Internationale Gesellschaft für Ganzheitliche ZahnMedizin e. V. Kloppenheimer Str. 10 68239 Mannheim Tel.: +49 (0)621 48179730 Fax: +49 (0)621 473949 E-Mail: gzm@gzm.org www.gzm.org Systemische Orale Medizin · 5. Jahrgang 4/2017 5

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Mensch & Mund Bildquelle: wikipedia: Jan Homann, Zucker bei 150facher Vergrößerung Bei Diabetes auch auf die Mundgesundheit achten Menschen mit Diabetes haben ein dreimal höheres Risiko für eine Zahnfleischerkrankung als stoffwechselgesunde Menschen. Ursache dafür ist der bei Diabetes erhöhte Blutzuckerspiegel. Umgekehrt kann eine Parodontitis auch die Stoffwechseleinstellung bei Diabetes verschlechtern, indem der chronische Entzündungsherd an Zahnfleisch und Zahnbett die Insulinresistenz erhöht. Eine erfolgreiche Parodontitis-Therapie kann den Langzeitblutzucker-Wert HbA1c deutlich senken und damit die Blutzuckereinstellung Betroffener verbessern. Für Menschen mit Diabetes ist somit wichtig, sowohl auf eine gute Blutzuckereinstellung als auch auf eine gute Mundgesundheit zu achten. Zahnärzte sollten bei Zahnfleischentzündungen vor allem übergewichtige Patienten darauf hinweisen, dass dies ein Anzeichen für Diabetes Typ 2 sein kann und eine mögliche Erkrankung abklären. Die Parodontitis, eine Entzündung des Zahnfleischs und Zahnhalteapparats, kann sich zunächst als schmerzloses Zahnfleischbluten äußern. Wer beim Zähneputzen feststellt, dass der ausgespuckte Zahnpastaschaum rötlich ist, sollte dies beim Zahnarzt abklären lassen. Das gilt insbesondere für Menschen mit Diabetes mellitus. Denn auch wenn noch keine weiteren Beschwerden auftreten, können die Folgen schwerwiegend sein: Parodontitis kann zu vertieften Zahnfleischtaschen, Zahnfleischrückgang, schmerzhaften Entzündungsherden führen. Unbehandelt kann die Erkrankung sogar den Verlust von Zähnen nach sich ziehen. Oftmals ist ein unentdeckter oder schlecht eingestellter Diabetes der Auslöser für Parodontitis. 

Ein Diabetes und die Parodontitis beeinflussen sich gegenseitig. „Einerseits fördern erhöhte Blutzuckerwerte Entzündungen am Zahnhalteapparat“, erklärt Prof. Dr. Thomas Haak, Vorstand diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und Chefarzt am Diabetes Zentrum Mergentheim. Bei vielen Menschen mit Diabetes seien zudem die Durchblutung und die Wundheilungsmechanismen gestört, sodass sich Erreger gut ansammeln können. „Umgekehrt kann eine bestehende Parodontitis Ursache dafür sein, dass sich die Blutzuckerwerte verschlechtern“, erklärt Dr. Marianne von Schmettow, Scientific Affairs Manager der CP GABA GmbH. Für Menschen mit Diabetes erhöhen Zahnfleischentzündungen dadurch auch das Risiko für weitere Folgeerkrankungen, zum Beispiel am Herz-Kreislauf-System. Um Parodontitis und weitere Folgeerkrankungen zu vermeiden, ist eine gezielte Früherkennung und Vorsorge wichtig. Eine gute Mundhygiene und regelmäßige Zahnarztkontrollen sind die Voraussetzungen dafür, wie von Schmettow erläutert: „Das fängt beim täglichen Zähneputzen an. Im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung erklären Zahnarzt und Team, wie man seine Putztechnik verbessern kann und Hilfsmittel wie Zahnseide und Zahnzwischenraumbürsten korrekt anwendet.“ Menschen mit Diabetes sollten zudem mindestens einmal jährlich einen Zahnarzt zur Kontrolle aufsuchen und auf typische Anzeichen einer Parodontitis achten. Zu diesen zählen unter anderem dauerhafter Mundgeruch und ein schlechter Mundgeschmack, Zahnfleischbluten, stark gerötetes geschwollenes Zahnfleisch oder empfindliche und lockere Zähne. Bei bislang stoffwechselgesunden Menschen kann Parodontitis auf eine unerkannte Diabeteserkrankung hinweisen. Daher sollten Betroffene sich vom Hausarzt untersuchen lassen. Quelle: diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe 6 Systemische Orale Medizin · 5. Jahrgang 4/2017

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MMeennsscchh&&MMuunndd Bildquelle: fotolia Kzenon Mit viel Bewegung Darmkrebs vorbeugen Viel Bewegung ist mit einem verminderten Darmkrebsrisiko verbunden. Eine Beobachtung, die durch die günstige Wirkung der körperlichen Aktivität auf den Taillenumfang, die Stoffwechselgesundheit und den Vitamin-D-Status erklärbar sein könnte. Zu diesen Ergebnissen kommt ein internationales Forscherteam vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE), nachdem es die Daten einer großen europäischen Langzeit-Beobachtungsstudie ausgewertet hat, an der insgesamt circa 520 000 Frauen und Männer teilnahmen. Verschiedene Studien weisen weltweit darauf hin, dass viel Bewegung das Risiko für Dickdarmkrebs senkt. Welche Mechanismen dieser Beobachtung zugrunde liegen, ist allerdings noch weitgehend unbekannt. Um Hinweise auf die kausalen Zusammenhänge zu bekommen, suchten die Wissenschaftler im Rahmen der European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC)* nach biologischen Markern, welche die beobachtete Risikobeziehung beeinflussen. Hierzu verglichen sie medizinische Daten von 713 erstmals an Dickdarmkrebs erkrankten EPIC-Studienteilnehmern mit den Werten von 713 nicht erkrankten Frauen und Männern einer Kontrollgruppe. Die Studienteilnehmer waren zur Zeit der ersten Datenerhebung zwischen 25 und 70 Jahre alt. Die Daten wurden von 1992 bis 2003 erhoben. Nach den Resultaten der Datenanalyse haben körperlich aktive Menschen im Vergleich zu weniger aktiven Personen ein um etwa 25 Prozent vermindertes Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken. Zudem zeigen die Ergebnisse, dass die drei biologischen Marker Taillenumfang, Vitamin-D-Spiegel und der Blutwert des löslichen Leptinrezeptors die Risikobeziehung zwischen körperlicher Aktivität und Darmkrebs insgesamt zu 45 Prozent beeinflussen. Der Taillenumfang ist ein Marker für die Körperfettverteilung, wobei ein großer Umfang auf eine große Menge Bauchfett schließen lässt. Nach Aussage der Wissenschaftler spricht daher vieles dafür, dass der positive Effekt der körperlichen Aktivität auf eine Reduktion des Bauch- fetts und damit auch auf einen verbesserten Körperstoffwechsel zurückzuführen ist. Der beobachtete Einfluss des VitaminD-Spiegels lässt dagegen annehmen, dass besonders Bewegung im Freien dazu beitragen kann, das Erkrankungsrisiko zu senken. Denn eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung ist in der Regel nur zu erreichen, wenn wenigstens Gesicht, Arme und Hände regelmäßig dem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Zwar trägt die Ernährung auch zur Vitamin-D-Aufnahme bei, einen Teil produziert der Körper aber mithilfe des Sonnenlichts über die Haut. „Unsere Studie zeigt erneut, wie wichtig es ist, körperlich aktiv zu sein, um den Stoffwechsel gesund zu erhalten und so Erkrankungen wie beispielsweise Darmkrebs vorzubeugen“, sagt Frau Aleksandrova, Erstautorin der Studie. Quelle: idw Systemische Orale Medizin · 5. Jahrgang 4/2017 7

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Mensch & Mund Bildquelle: wikipedia: Putanesca Auf die Tageszeit kommt es an Abends viele Kohlenhydrate sind ungünstig für die Gesundheit Eine Veröffentlichung in der internationalen Zeitschrift„Nutrients“ zeigt: Jugendliche, die abends regelmäßig mehr Kohlenhydrate mit einem hohen glykämischen Index zu sich nehmen, haben im jungen Erwachsenenalter höhere Risikomarker für einen Typ-2-Diabetes. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität Bonn, an der Prof. Dr. Anette Buyken vom Institut für Ernährung, Konsum und Gesundheit der Universität Paderborn als Initiatorin beteiligt ist. „Die Spiegel vieler Hormone unterliegen einem 24-Stunden-Rhythmus, der durch die menschliche „Innere Uhr“ gesteuert wird. Zum Beispiel sind wir abends weniger insulinsensitiv, d. h., unsere Stoffwechselantwort auf unsere Nahrung – vor allem Kohlenhydrate – ist abends geringer als morgens“, erklärt Buyken. Während der Pubertät komme eine natürlicherweise verminderte Insulinsensitivität hinzu. Studien an Erwachsenen zeigen, dass der regelmäßige Verzehr von Kohlenhydraten, die den Blutzucker stark ansteigen lassen – also Kohlenhydrate, die einen hohen „glykämischen Index“ (GI) haben – die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes begünstigen. Daher wurde in der DONALD-Studie (Dortmund Nutritional and Anthropometric Longitudinally Designed Study) jetzt bei Jugendlichen untersucht, ob langfristig ein abendlich höherer Konsum von Kohlenhydraten mit höherem GI ungünstig für spätere Typ-2-Diabetesrisikomarker ist. In die Studie eingeschlossen wurden 252 DONALD-Probanden, die während der Pubertät mehrfach ein 3-Tage-WiegeErnährungs-Protokoll geführt hatten und im jungen Erwachsenenalter erneut untersucht wurden. Die Analyse der Daten zeigte, dass Jugendliche, die im Alter von 9 bis 16 Jahren abends regelmäßig reichlich Kohlenhydrate mit höherem GI verzehrten, im jungen Erwachsenalter (durchschnittliches Alter: 21 Jahre) insulinresistenter waren und einen höheren Fettleberindex (je höher der Index, desto eher liegt eine Fettleber vor) hatten als diejenigen, die abends moderate Mengen an Kohlenhydraten mit höherem GI verzehrten. „Interessant ist, dass sich beide Zusammenhänge für den abendlichen, aber nicht für den morgendlichen Verzehr zeigen“, sagt Erstautorin Tanja Diederichs. „Für die langfristige Diabetesprävention ist es daher vermutlich entscheidend, abends auf große Kohlenhydratportionen mit höherem GI zu verzichten. Das bedeutet, Lebensmittel wie zum Beispiel Weißbrot, Instant-Kartoffelpüree oder klebrigen weißen Reis eher zu meiden“, fügt Initiatorin Prof. Dr. Anette Buyken hinzu. Quelle: idw 8 Systemische Orale Medizin · 5. Jahrgang 4/2017

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