Mitteilungsheft Oktober - Dezember 2017

 

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Thüringer Pfarrverein

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Oktober / November / Dezember 2017 Thüringer Pfarrverein Oktober - Dezember 2017 3 Editorial 5 Jahresbericht des Vorsitzenden 2017 16 Neue Mitarbeiterin Caroline Kienitz stellt sich vor 17 Einladung zum Pfarrertag nach Quedlinburg 2018 21 Die Entnazifizierung der Pfarrerschaft in der Thüringer evangelischen Kirche nach 1945 Vortrag von Walter Weispfenning 42 Geburtstage Nr. 4 | 7. Jahrgang 2017

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Heike Glaß Dipl. Restauratorin für Kunst- & Kulturgut aus Holz/Gefasste Holzobjekte Mitglied im Verband der Restauratoren e.V. Befunde Konzepte Konservierung Restaurierung Wartung Pflege Dokumentation Holzbildhauerei Farbfassung Vergoldung Kontakt: Gotthardtstraße 12 | 99084 Erfurt | Tel. 0361.55 06 746 Fax 0361.55 06 764 | Mobil: 0172.77 47 274 | heike.glass@freenet.de 2 Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 04-2017

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Editorial von KR Pfr.i.R. Paul-Gerhard Kiehne aus Eisenach Liebe Lesende! Ein Schulkamerad aus Schlesien erzählte mir auf unserem gemeinsamen Schulweg, dass er darüber nachdächte, Priester zu werden. Das ist gerade 70 Jahre her, denn 1947 kam er, aus Polen ausgewiesen, in Eisenach an. Aus unseren Schulweggesprächen ist mir noch in Erinnerung ein Zahlenspiel, das er aus seiner Heimatkirche kannte:  1517 Abkehr von der Kirche (Reformation).  1717  Abkehr von Jesus Christus (Freimaurer).  1917  Abkehr von Gott (Lenin im Oktober). These 2:  Die reformatorischen Grundentscheidungen sind eine Herausforderung an die Katholische Kirche. Und jetzt mache ich einen Gedankensprung zum 31.Mai 2017. Da sollte auf dem Pfarrertag der Ev. Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) eigentlich Kardinal Lehmann, Mainz, das Hauptreferat halten, musste wegen Erkrankung als ErsatzReferenten einen seiner Schüler schicken, Professor Ulrich Ruh aus Freiburg. Er sprach zum Thema „Wenn es die Reformation nicht gegeben hätte, müsste man sie erfinden!“ These 1: Auch die nachreformatorische Kirche ist Ergebnis der Reformation. These 3: Drei Punkte heute wichtig:  Abstand, Selbstrelativierung, Ökumene. Ich nenne dies, um zu zeigen: So verschieden kann man inzwischen innerhalb der „einen wahren Kirche“ über Geschichte denken und sprechen. Um noch einmal auf das Stichdatum 1917 Lenin im Oktober, Abkehr von Gott zu kommen: Im 14. Jahrhundert vor Christus gab es in Ägypten auch schon eine solche Abkehr, nun nicht von Gott, aber von den Göttern. Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 04-2017 3

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Pharao Echnaton erhob die Sonne zum alleinigen Gott und sich selbst zum Sohn der Sonne. Die Unterdrückung aller anderen Götterverehrung folgte daraus logisch. Falls uns der Name Echnaton nicht genug sagt: Der Name seiner Frau Nofretete ist uns allen geläufig. Der „Sonnengesang des Echnaton“ ist ein Juwel für alle Ägyptologen und nach deren Meinung möglicherweise von Nofretete mitverfasst.  Warum so viele Wörter um ein seit Jahrtausenden totes Pharaonen-Paar?  Weil wir diesen Sonnengesang in unserer Bibel wiederfinden. Nicht als Lobpreis der Sonne als einzigen Gottes, sondern als Lobpreis des einzigen Gottes, zu dessen Geschöpfen auch die Sonne zählt. Herr, mein Gott, du bist sehr herrlich; du bist schön und prächtig geschmückt. Licht ist dein Kleid, das du anhast. Du breitest den Himmel aus wie einen Teppich, du baust deine Gemächer über den Wassern. Du fährst auf den Wolken wie auf einem Wagen und kommst daher auf den Fittichen des Windes. Der Verfasser des 104. Psalms hat eine Methode angewandt, wie sie ähnlich Martin Luther nachgenutzt hat. Im 104. Psalm ist ein im Orient umlaufender Text nun zwar nicht „christianisiert“ worden, aber eben „bibeltauglich“ gemacht: Alte Worte in eine dem Glauben gemäße Form gegossen, so wie Martin Luther alte im Volk umlaufende Melodien zu Choralweisen umfunktioniert hat. buch Jesu, genommen, und sie hat die Worte des 104. Psalms in einen ihr gemäßen poetischen Lobpreis gegossen: Auf, Seele, Gott zu loben, gar herrlich steht sein Haus. Er spannt den Himmel droben gleich einem Teppich aus. Er fährt auf Wolkenwagen und Flammen sind sein Kleid, Windfittiche ihn tragen, zu Diensten ihm bereit. Vom Tau die Gräser blinken, im Wald die Quelle quillt, daraus die Tiere trinken, die Vögel und das Wild. Die Vögel in den Zweigen lobsingen ihm in Ruh. Und alle Bäume neigen ihm ihre Früchte zu. Gott lässet Saaten werden zur Nahrung Mensch und Vieh. Er bringet aus der Erden das Brot und sättigt sie. Er sparet nicht an Güte, die Herzen zu erfreuen. Er schenkt die Zeit der Blüte, gibt Früchte, Öl und Wein. Lass Dir das Lied gefallen, mein Herz in Freuden steht. Dein Loblied soll erschallen, so lang mein Odem geht. Du tilgst der Sünder Fehle und bist mit Gnaden nah. Lob Gott, o meine Seele, und sing: Hallelujah. Ev. Gesangbuch, Ausgabe Württemberg Nr. 602, Melodie: Wie lieblich ist der Maien 1947, in einer Zeit großen Elends, großer Hungersnot, hat eine tieffromme Frau (Martha Müller-Zitzke) ihre Zuflucht zum Gebetbuch der Bibel, dem Gebet- 4 Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 04-2017

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Thüringer Pfarrverein e.V. - Jahresbericht des Vorsitzenden 20. September 2017 in Neudietendorf Thesen Martin Luthers 30. Gleich wie der Priester lehret, täufet, Sacrament reichet wahrhaftig, und ist doch dis alles ein Werk des Geistes, der innerlich wirket: 31. Also vergibt er wahrhaftig die Sünde, und entbindet von der Schuld, und ist doch ein Werk des Geistes allein, der innerlich wirket. 32. In diesen allen, wenn er das Wort Christi handelt, übt er zugleich den Glauben, durch welchen der Sünder innerlich gerecht wird. 33. Denn es macht kein Ding gerecht, ohn allein der Glaube an Christum, und dazu ist noth der Dienst des Wortes durch den Priester. aus den 50 Thesen der Schussrede Martin Luthers zur Circulardisputation von der Erlassung der Schuld und Strafe 1518 in Wittenberg, veröffentlicht 1531, zitiert nach Johann Georg Walch, Martin Luthers sämtliche Schriften, Neunzehenter Theil, Halle 1746, Spalte 955 Liebe Vereinsmitglieder, die 95 Thesen kennt ja jeder und man kann sich trefflich darüber streiten, ob Martin Luther sie eigenhändig angeschlagen habe oder nicht. Das hat einen großen Vorteil: Solange man sich darüber nicht einig ist, kommt man nicht dazu, sie zu lesen. Und was man nicht gelesen hat, versetzt einen auch nicht in Unruhe. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Diese Redewendung kennen wir. In den 95 Thesen schreibt Luther in teils satirischer Weise gegen den Ablass, also die damalige Geldsucht der katholischen Kirche. Eigentlich wollte ich zuerst die 55. These zitieren und darüber ausführlich etwas sagen. Ganz verschweigen will ich sie dennoch nicht: „Des Bapsts meinung kan nicht anders sein / denn so man das Ablas (das / das geringste ist) mit einer Glocken, einem gepreng (Prozession) und Ceremonien begehet / das man dagegen und viel mehr das Euangelium (welchs das größt ist) mit hundert Glocken / hundert gepreng / und Ceremonien ehren und preisen solle.“ (aus Der neunte Teil der Bücher D. Mart. Luth., Wittemberg, 1569, S. 11, wie alle weiteren Zitate aus den 95 Thesen) In der ihm eigenen Art hat Luther zwar nicht verboten, über den Ablass, also über Geld zu reden, aber doch einen Maßstab für die richtigen Relationen gesetzt. Auch wenn behauptet wird, das diesjährige Reformationsjubiläum sei als Gedenken der größte Wurf gewesen, seit man sich der Reformation erinnert, Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 04-2017 5

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dürfte spätestens an diesem Kriterium aller Hochmut zerbrechen. Wir reden nicht hundertmal mehr über als Evangelium als über Geld. Nun hat Martin Luther öfter disputiert und noch mehr Thesen verfasst. Die eingangs aus einer Wittenberger Circulardisputation im Jahr 1518 zitierten Sätze mögen uns ins kommende Jahr begleiten, denn sie weisen uns auf das hin, was bisher bei den um Öffentlichkeit buhlenden Autobahnplakaten, Großveranstaltungen und anderen Äußerlichkeiten ein wenig zu kurz gekommen ist: der Geist, der innerlich wirkt und das Üben des Glaubens, durch welchen der Sünder innerlich gerecht wird. An der 33. These des Jahre 1518 entlang wollen wir uns zum Nachdenken anregen lassen: „Kein Ding macht gerecht“ Im letzten Vorstandsbericht vor einem Jahr habe ich meine Zweifel am kirchlichen Engagement für Windkraftanlagen und WLAN in Kirchen geäußert. Im letzten Monat nun hat die EKD für „Godspot“ die Auszeichnung als „Sprachpanscher des Jahres“ bekommen, mit gehörigem Abstand gekürt. Der Preis war wohlverdient und musste geradezu zwangsläufig verliehen werden, denn in Tobias 4,15 steht: „Wer für dich arbeitet, dem gib sogleich seinen Lohn und enthalte dem Tagelöhner den Lohn nicht vor.“ Aus dem EKD-Kirchenamt hieß es bei facebook: „Die Wahl zum Sprachpanscher des Jahres 2017 nehmen wir mit lutherischer Gelassenheit und Standhaftigkeit zur Kenntnis. … Herzliche Grüße Ihre EKD.“ Abgesehen von dem wunderlichen Selbstverständnis „unserer EKD“ klingt das eher nach kindlich-bockiger Überheblichkeit, an der jegliche Kritik abprallt. Unter lutherischer Standhaftigkeit hat sich sicher manches Kirchenglied etwas anderes vorgestellt und gehofft, dass diese in Jerusalem unter Beweis gestellt wird, indem Kreuze nicht abgenommen und versteckt werden. In diesem Jahr, eigentlich schon seit zehn Jahren, werden wir mit vielen Dingen überschüttet. Womit wir nicht überschüttet wurden, das steht seit einer Woche zum Verkauf auf einer Internetplattform: „Reformation 2017 Lagerverkauf“ – alles muss raus. Das Reformationsgedenken ist noch nicht vorbei, da beginnt schon die Leichenfledderei. (Das reimt sich sogar.) Viele Dinge, für viel Geld produziert, für noch mehr angeboten, nun für wenig verklingelt. Herzliche Grüße, Ihre EKD. Zu Ihrer Beruhigung: Sie können das alles unbesorgt kaufen, es wird ohne Ablass angeboten. Kein Ding macht gerecht. Aber im Ernst, was wurde da alles produziert, ausgedacht, veranstaltet um der öffentlichen Aufmerksamkeit willen, die dann doch enttäuschend ausfiel? Was hat man sich versprochen von den Aktionen, den Dingen der letzten zehn Jahre? Kein Ding macht gerecht. Wir hätten es wissen können. Die Enttäuschung war absehbar, aus geistlichtheologischer Sicht zumindest. Martin Luther hat zwar gegen den Ablass angepredigt, was ihm auch einen 6 Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 04-2017

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hohen Bekanntheitsgrad eingebracht hat, aber wirklich wichtig war ihm das: „allein der Glaube an Christum“ Was ist wichtiger, Geld oder Glaube? Das ist eine Frage, die keinesfalls nur den Kirchenleitungen entgegenzuhalten ist. Es zieht sich durch alle Ebenen durch, in den Kirchenkreisen, den Gemeinden, bei den sogenannten Mitarbeitenden und bei Gemeindegliedern. Die Kirche möge zwar im Dorf bleiben, das wünscht jeder, aber dazuzugehören oder sonntags in den Gottesdienst zu gehen, sind längst keine Selbstverständlichkeiten mehr. In Kirchen darf, ja soll alles Mögliche stattfinden, damit sie offen sind oder vielleicht sogar voll. Wer sagt: „allein der Glaube an Christus gehört da hinein“, muss mit Gegenwind rechnen. präsentiert: aus Plastik, klein, blau, mit bunten Bändern behängt – Herzliche Grüße Ihre EKD, steht darunter. „zu verlachen dargestellt“ (90. der 95 Thesen). Wer soll noch etwas ernst nehmen, wenn sie es nicht einmal mehr selbst tun? Was hätte bleiben können vom Jahr 2017, abgesehen von der Frage, ob Luther womöglich zu ängstlich gewesen sein könnte, die Thesen eigenhändig an die Schlosskirchentür zu hängen? Wenn ich sie lese, kann ich mir einen aus lauter Vorsicht feige gewordenen Luther nicht vorstellen. In vergangener Zeit hat man einen standhaften, mutigen Luther gefeiert, der sich von der öffentlichen Meinung und obrigkeitlichem Machtmissbrauch unabhängig gemacht hat. Wenigstens etwas von der Erinnerung daran hätte auch uns gutgetan. Martin Luther war allein der Glaube an Christus wichtig. In der 90. der 95 Thesen fürchtet er, dass die Kirche der Lächerlichkeit preisgegeben werden könnte, wenn „der Leyen sehr spitzige Argument“ nicht aufgelöst würden. Diese Gefahr besteht wieder, wenn der Glaube nicht ernster genommen wird als alles andere, wenn der Name Gottes für einen Hotspot um eines netten Wortspiels willen missbraucht wird, nur um irgendwie „mit der Zeit zu gehen“. Wer mit der Zeit geht, vergeht mit der Zeit. Nur Gottes Wort bleibt in Ewigkeit. Luther hat die Gefahr einer sich unglaubwürdig machenden Kirche erkannt. Er hat sich um Christi willen von der öffentlichen Zustimmung unabhängig gemacht und hat sie gerade deshalb bekommen. Nun wird er auf facebook „dazu ist noth der Dienst des Wortes durch den Priester“ Selbstverständlich kann man fragen, warum ich den Thesen Luthers, auch denen von 1518, in einem Vereinsvorstandsbericht so viel Zeit und Raum widme. Ich tue es, weil wir ein Pfarrverein sind, der über berufsständische Fragen nachzudenken hat, auch darüber, warum es diesen Beruf weiterhin geben soll, ja muss. Es gibt kein Ding, was das plausibel machen kann, nicht die Notwendigkeit der Erhaltung von Kirchengebäuden und den Fördermittelanträgen, keine Friedhofssatzung, kein amtliches Schreiben, das der Beantwortung harrt, keine ökologische Vorbildfunktion beim Fahren von Elektroautos. Kein Ding macht gerecht. Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 04-2017 7

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In diesen allen, wenn er (der Priester) das Wort Christi handelt, übt er zugleich den Glauben, durch welchen der Sünder innerlich gerecht wird. (32. These 1518) Wir müssen kein Ding abschaffen oder bekämpfen. Diese Auseinandersetzung hat Luther mit Karlstadt oder Müntzer geführt. Aber wir müssen den Dingen den ihnen gebührenden Platz zuweisen, in unserem Leben und in unserem Glauben, auch in der Kirche oder der Kirchgemeinde. Kein Ding macht gerecht, doch kann man sie dem Glauben dienstbar machen, sogar das Internet, selbst wenn es der Teufel erfunden haben sollte. Wir leben in einer ungerechten Welt, denn so, wie wir sie gestalten, wird sie den Bedürfnissen nicht gerecht, weder denen der Armen noch denen der Reichen. Das war vor 500 Jahren schon so, deshalb kann, ja muss Luther sagen: „dazu ist noth der Dienst des Wortes durch den Priester“. Auf diesem Hintergrund wäre zu mancher weltpolitischen Entwicklung etwas zu sagen. Den Pfarrberuf muss es auch zukünftig geben, und nicht so knapp wie derzeit propagiert, damit der Glaube gehandelt und geübt wird, damit wir Sünder innerlich gerecht werden. Es genügt eben nicht, eine Verrohung des Umgangs zu beklagen ohne die Ursachen in den verstörten Seelen bekämpfen zu wollen. In einer Bibel aus dem Jahr 1640 liest sich Psalm 12 Vers 6 nämlich noch so: „Weil denn die elenden verstöret werden, und die armen seuftzen: will ich auf, spricht der HERR; ich will eine hülfe schaffen, dass man getrost lehren soll.“ Bleiben wir also in der Hoffnung, dass Gott auf will, vertrauen wir auf seine Hilfe, um getrost zu lehren. 1. Der Verein Im vergangenen Berichtsjahr hat es viele und auch erhebliche Veränderungen gegeben. Doch bevor ich dazu komme, werde ich einige Worte über Beständiges verlieren. Gegenwärtig hat der Thüringer Pfarrverein 690 Mitglieder, also wieder etwas mehr als im Vorjahr. Zum Jahresende 2016 gab es zwei Austritte, davon einer aus Altersgründen. Mit Wirkung zum Jahresende 2017 haben fünf ihren Austritt erklärt, aber die gehören eigentlich erst in den Bericht 2018. Seit der letzten Mitgliederversammlung sind 8 Mitglieder verstorben, derer wir vorhin gedacht haben. Neuaufnahmen gab es insgesamt 21, davon waren 10 Vikare und 2 Pfarrwitwen. Ungefähr ein Viertel der Mitglieder sind Ruheständler, über vierzig derzeit im Vikariat. Diese beiden Gruppen von Mitgliedern nenne ich nicht deshalb in einem Satz, weil Statistiken so interessant sind, sondern weil ich das zum Anlass nehmen möchte, besonders den Ruheständlern für ihre Treue zum Verein zu danken, die mit ihren monatlichen Beiträgen u.a. die Hilfen ermöglichen, die den Berufsanfängern gewährt werden können. Wir haben in den vergangenen Jahren diese Hilfen verstärkt. Darüber hinaus hat der Vorstand in seiner letzten Sitzung beschlossen, Vikare nicht nur wie bisher im ersten Jahr beitragsfrei zu stellen, sondern von 2018 an für die gesamte Zeit des Vikariats. Im April konnten wir uns während eines Pfarrertages in die Problematik des Aufwachsens im Pfarrhaus aus psycho- 8 Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 04-2017

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logischer Sicht mit einem Vortrag der Psychologin Gabriele Kluwe-Schleberger einführen, aber auch durch Oberkirchenrat i.R. Walter Weispfenning über die Gefährdungen und deren Folgen für unseren Berufsstand in politisch schweren Zeiten berichten lassen. Diese Informationen über den Thüringer Umgang mit im Dritten Reich systemkonformen Pfarrern werden demnächst in einem Buch nachzulesen sein, das der Thüringer Pfarrverein herausgeben wird. In Vorbereitung ist der nächste Pfarrertag über Christian Scriver (16291693), dessen 325. Todestages wir gedenken wollen. Mir wurde mitgeteilt: „Der Oberbürgermeister der Welterbestadt Quedlinburg begrüßt außerordentlich Ihre Entscheidung, den Pfarrertag am 4. und 5. April 2018 in unserer Stadt durchzuführen. In seinem Auftrag darf ich Ihnen die Grüße des Oberbürgermeisters übermitteln.“ Diese wollte ich Ihnen gern weitergeben. Uns wurde umfangreiche Unterstützung zugesichert. Ebenfalls heute wird die Verwaltungsleitung im Rathaus darüber beraten. Die Reservierung des Festsaales des historischen Rathauses für die Vorträge am 5. April wurde bereits veranlasst. Dass alles ist sehr erfreulich. Nun hoffen wir, dass sich zu dieser besonderen Tagung, u.a. mit einer Ausstellung und einem Konzert, viele anmelden werden. Im vergangenen Herbst und Frühjahr gab es wieder Gespräche mit den Pröpsten, in welchen sowohl Fragen des Pfarrberufs als auch die Zusammenarbeit von Pfarrverein und Pfarrvertretung mit der Kirchenleitung in großer Offenheit beraten wurden. Für die zweite Jahreshälfte wurde eine weitere Zusammenkunft in Aussicht gestellt. 2. Abschied und Neubeginn - Vorstandsarbeit Am 15. November 2016 trat die neugewählte Pfarrvertretung zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammen. Zum Vorsitzenden des Gremiums wurde ich wiedergewählt. Überhaupt ist unser Verein, insbesondere mit Vertrauenspfarrern, gut vertreten. Nach den Erfahrungen in der letzten Wahlperiode setze sich die Erkenntnis durch, dass die Leitung der Pfarrvertretung der Unterstützung mit einem verlässlichen Zeitbudget bedarf und neben der Verantwortung für ein volles Pfarramt nicht zu bewältigen ist. Hier konnten nun wesentliche Verbesserungen vereinbart werden. Diese bedeuteten für mich zugleich, im Februar nach über 17 Jahren von Steinach Abschied zu nehmen. Das ist beiden Seiten schwergefallen, wofür ich in diesem Falle aber dankbar bin. Die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates Frau Katrin Kenn würdigte die Arbeit im Vereinsvorstand als horizonterweiternde Bereicherung für die Gemeinde. Es bestand die Möglichkeit, den Vorsitz für Pfarrvertretung und Pfarrverein von Quedlinburg aus wahrzunehmen. Damit war entsprechend unserer Satzung die Verlegung des Vereinssitzes und folglich auch des Vereinsbüros verbunden. Dazu mussten die Voraussetzungen geschaffen werden: In einem vorhandenen Nebengebäude des mittelalterlichen Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 04-2017 9

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Hofes in der Quedlinburger Innenstadt wurden drei Räume, das Vereinsbüro für die Mitarbeiterin, ein Besprechungszimmer und das Arbeitszimmer für den Vorsitzenden geplant, die Bauanträge gestellt und innerhalb von drei Monaten sowohl ausgebaut als auch mit der notwendigen Informationstechnik versehen. So war ich am neuen Standort arbeitsfähig und der Umzug konnte bereits im April in Angriff genommen werden. Das funktional-stabile Mobiliar für das Vereinsbüro stellte uns dankenswerterweise das Stuttgarter Regierungspräsidium durch Vermittlung unseres Sohnes Lucian zur Verfügung, der auch den Transport organisierte und die Bürotechnik einrichtete. Für den Verein sind die Veränderungen leider auch mit einem weiteren Abschied verbunden. Seit dem Tag des Erzengels Michael und aller Engel, dem 29. September 2003, also seit über 14 Jahren konnte ich mich zusammen mit dem Vorstand und allen Vereinsmitgliedern auf die überaus zuverlässige Zusammenarbeit mit Frau TomschkeMärz verlassen. Gerade auch in den Zeiten meiner Abwesenheit war das wichtig und beruhigend zugleich. Bei ihr war die Verwaltung unseres Vereins in besten Händen und sie unterstützte ebenso die Gemeindearbeit. Ohne ihre Tätigkeit wäre die positive Entwicklung unseres Vereins, insbesondere die der Ferienhäuser, nicht möglich gewesen. In den letzten Jahren mit belastenden Ereignissen war sie mir auch persönlich eine große Stütze. Dafür möchte ich ihr heute ganz besonders herzlich danken. Leider konnte sie aus persönlichen Gründen einen Wechsel nicht in Erwägung ziehen. Sie wird noch bis zum Jahresende für uns tätig sein, um einen guten Übergang sicherzustellen. Mit diesem Abschied stand ich zugleich vor der bangen Frage, ob sich jemand finden ließe, der die Aufgaben zukünftig übernehmen könnte und wollte. Mitnichten hatte ich mit einer schnellen und guten Lösung dieses Problems gerechnet. Etwas zaghaft sprach ich im nächsten Bekanntenkreis meines zukünftigen Wohn- und Arbeitsortes das Thema an. Als mich Frau Caroline Kienitz wenige Tage nach unserem Gespräch aufsuchte, hatte ich auf eine gute Empfehlung gehofft, doch sie überraschte mich mit dem Angebot, diese Aufgaben selbst übernehmen zu wollen. Gern entsprach der Vorstand meiner Bitte, die bisherige Stelle als die einer Syndikusanwältin neu zu beschreiben. Nach den notwendigen Klärungen mit der Anwaltskammer konnte im Juni der Arbeitsvertrag unterschrieben werden. Offizieller Arbeitsbeginn wird der 1. Oktober sein. Zusätzlich zu ihren im Kreiskirchenamt Leipzig und während mehrjähriger Tätigkeit als Rechtsanwältin gesammelten Erfahrungen, hat sie sich in Stuttgart mit einer Weiterbildung im Beamtenrecht auf die vor ihr liegenden Aufgaben vorbereitet. An der Klausurtagung der Pfarrvertretung im August nahm sie schon teil. Zu dieser hatte ich den Präsidenten a.D. des Oberverwaltungsgerichtes Dr. Hartmut Schwan gewinnen können, der sicher noch vom Pfarrertag zum Thema „Mobbing im Pfarrberuf“ in guter Erinnerung ist. Er beschrieb die zukünftige Konstellation als einen Glücksfall, weil Frau Kienitz ruhige Sachlichkeit einbringen könne. Besonders freue ich mich, 10 Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 04-2017

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dass sie heute unter uns ist. So wissen Sie besser, von wem Sie demnächst am Telefon begrüßt werden. Auch für andere Mitglieder unseres Vorstandes standen große Veränderungen an. Der stellvertretende Vorsitzende Tillmann Boelter hat seine Entsendungspfarrstelle in Ebersdorf bei Lobenstein angetreten, was mit einem Umzug für die große Familie verbunden war. Viele neue Aufgaben warteten dort auf ihn. Auch David Mayer, Ansprechpartner für die ordinierten Gemeindepädagogen im Verein, trat seine Pfarrstelle in Völkershausen an. Neu in den Vorstand haben wir Christin Bärwald auf Vorschlag des Vikarskurses berufen, damit sie dort deren Anliegen vertreten kann. Michael Thurm kümmert sich weiterhin um die Fragen der Ruheständler. Gern ließe er sich in deren Konvente einladen, um ihre Anliegen zu hören und aus dem Verein zu berichten. Christin Ostritz nimmt weiterhin die Anträge auf Beihilfen entgegen und Gabriele Schmidt kümmert sich liebevoll um unser Vereinsheft. 3. Dienstrechtsfragen Vorrangig in der Pfarrvertretung haben wir uns mit diesen Dingen zu befassen, wobei es aber notwendig ist, sowohl die Erfahrungen aus der Vereinstätigkeit als auch die Verantwortung für die Pfarrerschaft insgesamt, also auch für die Ruheständler, einzubringen. Der Austausch mit anderen Pfarrvereinen auf Verbandsebene hilft, die Probleme zu erkennen, zu bewerten und manchem erforderlichenfalls auch entschieden entgegenzutreten. Nur einige wenige Dinge spreche ich an. Von der Synode wurde angeregt, Besitzer von Elektrofahrzeugen bei den Reisekosten besserzustellen. Wohl in einem Anflug von Überschwang, den Politik und Autoindustrie wegen des Dieselskandals ausgelöst hatten, sollte damit die Anschaffung von reinen Elektrofahrzeugen gefördert werden. Dabei wurde die eher katastrophale Gesamtökobilanz solcher Fahrzeuge nicht hinreichend bedacht und darüber hinaus wäre eine Ungleichbehandlung billigend in Kauf genommen worden. Dem war zu widersprechen. Nach den Prüfungen durch das Finanzamt wird die Dienstwohnungsverordnung überarbeitet. Wir hoffen, dabei Anliegen einbringen zu können, die bereits früher vorgetragen wurden. So wird es einige Klarstellungen geben, was die Mietwertfestlegung betrifft, aber auch die Rechte und Pflichten, die aus Besitz bzw. Nutzung entstehen, werden neu beschrieben. Die Mietminderungsgründe werden zu diskutieren sein. Das z.B. Geräuschbelastungen durch Kirchenmusik zukünftig unberücksichtigt bleiben sollen, ist nicht plausibel. Bezüglich einer Neufassung der Umzugskostenverordnung wird zu überlegen sein, wie zukünftig beispielsweise mit den Kosten für das Packen, den Umzugskosten der Vikare und der Ruheständler verfahren wird. Dabei sind gewiss einige Grundsatzfragen und das Pfarrdienstrecht zu bedenken, aber Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 04-2017 11

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auch, was uns die Ruheständler wert sind, die sehr oft Vertretungsdienste übernehmen, mit welcher Form des Dankes man sie dafür zu motivieren gedenkt. 4. Kontakte zu den Partnervereinen Intensiv waren in diesem Jahr die Kontakte in die Slowakei, aber auch nach Polen. Im Februar war ich eingeladen, beim Senioratskirchentag in Krupina die Predigt im Festgottesdienst zu halten. Gern habe ich das übernommen und bin dankbar, erlebt zu haben, wie das Reformationsjubiläum dort gefeiert wurde. Im Mittelpunkt stand der von Generalbischof Miloš Klátik geleitete Festgottesdienst mit Heiligem Abendmahl, gefeiert mit einem Kelch aus der Zeit der Gegenreformation, der gerade restauriert worden war. Für viele Gemeindeglieder war es das Ergreifendste, aus diesem Kelch den Wein zu empfangen. Am Nachmittag gab es ein buntes Programm mit den Chören des Seniorats, dem Sologesang eines Kindes, einem Vortrag über die Geschichte der Evangelischen in diesem Seniorat und natürlich selbstgebackenem Kuchen. An den Wänden hingen Gobelinarbeiten der Frauen, die besondere Ereignisse seit der Reformation zeigten, sowohl die schönen als auch die schrecklichen der Verfolgung. Mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, aus eigener Kraft, bescheiden aber mit Begeisterung wurde gefeiert, dennoch vom Staatsfernsehen wahrgenommen, einschließlich Interview des Generalbischofs und des Gastpredigers. Bereits zwei Wochen später folgte die nächste Reise von Michael Thurm und mir zur Kircheneinweihung nach Spanie Pole, eine Fahrt durch eine schöne Landschaft mit zugefrorenen Seen, abgelegene Dörfer, denen man ansah, dass es an vielem fehlte. Ein Ehepaar, beide um die 90 Jahre, wollten noch erleben, dass die Kirche renoviert wird, wenigstens so, dass man sie benutzen kann. Weil das Dorf kaum hundert Einwohner zählte, wollte man im Ostdistrikt von der Renovierung absehen, für das Ehepaar in unmittelbarer Nähe ihrer Kirche ein unerträglicher Gedanke. Der Hilferuf erreichte den Lutherischen Gustav-Adolf-Verein Thüringen, der das Vorhaben mit 10.000 € förderte. Das Geld reichte für das Material. Alles andere geschah in Eigenleistung. Mit überwältigender Herzlichkeit wurden wir begrüßt. Die Kirche war mit dem alten Ofen geheizt worden und voll besetzt. Wieder durfte ich die Festpredigt halten. Diese Wiedereinweihung war ein Ereignis für die ganze Gegend, dankbar für die Hilfe und für den Besuch von weit her wurde anschließend bei Mittag und Nachmittagskaffe gefeiert. Der Bürgermeister nannte in einem kleinen Vortrag die wichtigsten Daten dieses einige hundert Jahre alten Dorfes: Der Bau der Kirche, die Renovierung vor über hundert Jahren und dieser Tag der Wiedereinweihung, den wir gerade feierten. Tagelang wurde in den Dörfern davon erzählt. Im Mai trafen wir uns wieder zur Sitzung des Vergabeausschusses, diesmal in der Ostslowakei in Prešov, um Projekte zu besichtigen und über die zukünftigen Hilfen zu beraten. 12 Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 04-2017

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Ende August war unser Vereinsvorstand zu einem Treffen mit dem polnischen Pfarrvereinsvorstand nach Breslau eingeladen. Im Eingangsbereich des evangelischen Tagungshauses lag ein Gästebuch. Christin Ostritz wies mich auf einen Eintrag eines Deutschen hin, der die Stadt als Kind kannte, und sich bei den polnischen Bewohnern bedankte, dass sie seine alte Heimatstadt wieder aufbauen. In Büchern konnten wir die Zerstörung sehen, bei einer anschließenden Stadtrundfahrt dann die Aufbauleistungen, aber auch noch so manche Baulücke. Im Mittelpunkt der Tagung stand der theologische Austausch über Fragen der Zukunft der Kirche, welchen Platz die Kinder haben sollen, z.B. beim Abendmahl, die Bedingungen der Lutherischen in der Minderheit, die Ordination der Frauen und anderes. Für das kommende Jahr wurde in Aussicht genommen, dass wir bei unserer Mitgliederversammlung einen Vortrag der polnischen Partner hören werden. Selbstverständlich haben wir auch über die Hilfen für den Autokauf und die Ausbildungsbeihilfen für Kinder gesprochen. Den Dank des Partnervereins darf ich heute überbringen. rungsarbeiten, die weiter fortgeschritten sind, vor allem in Pöritzsch. Auch werden wir natürlich von wachsenden Ansprüchen gefordert. Nicht alle sind beispielsweise mit den Sanitäreinrichtungen an der Bleilochtalsperre noch zufrieden. Das Trockenklosett eines Hauses wurde schon modernisiert. Bei hinreichendem Neid der Mieter der restlichen Häuser, lassen wir weitere austauschen. Hier engagieren sich Herr Ziegenbein in Zoppoten, Tobias Marx aus Pößneck und Michael Thurm. So manches Problem landete auf dem Schreibtisch von Frau Tomschke-März. Vielen Dank für die unaufgeregte Bearbeitung. Die größte Aufregung aber dürfte Frau Almut Herrmann, unsere Rechnungsführerin, gehabt haben. Das Finanzamt hat besonders gründlich geprüft und meinte, die Vergabe der Ferienhäuser sei als Geschäftsbetrieb einzustufen und die Einnahmen aus der Vermietung damit umsatzsteuerpflichtig. Besonders danken möchte ich ihr in diesem Zusammenhang für den Einsatz ihrer Nerven und unserem Schatzmeister Bernd-Ullrich Stock nicht minder. Der Württembergische Pfarrertag gehört zu den jährlichen Begegnungen, so im Vorjahr, aber auch wieder dieses Jahr im Oktober. Insbesondere verbindet uns die Hilfe für die Pfarrfamilien in der Slowakei. 5. Ferienhäuser Die Ferienhäuser haben uns in letzter Zeit einige Aufregung bereitet. Das geschah weniger wegen der Renovie- Rein rechtlich gesehen hat das Finanzamt den Sieg davongetragen. Das mussten wir eingestehen. Allerdings ist der Verein damit die Investitionen betreffend ebenso umsatzsteuerpflichtig. Dies führte zu einer Erstattung der Mehrwertsteuer auf alle Bauvorhaben der letzten Jahre durch das Finanzamt von insgesamt über 60.000 €. Das hat uns die rechtliche Schlappe etwas versüßt. Man muss auch mal bei einem Streit verlieren können. Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 04-2017 13

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6. Man muss auch mal mit etwas zufrieden sein Das ist ein Satz, den wir uns in der Familie immer mal gegenseitig sagen, wenn uns das Leben zu anstrengend erscheint, wenn es zwischen den Wünschen und den Ergebnissen Differenzen gibt, oder wenn es uns sehr gut geht, etwas so richtig geglückt ist, dann auch mal scherzhaft. Zufriedenheit ist nun nicht unbedingt eine Tugend unserer Tage, eher das Gegenteil. Alles muss immer besser werden und wird nie gut genug. Selbstzufriedenheit ist inzwischen zum innerkirchlichen Schmähwort geworden. Dabei täte es sehr gut, mit sich selbst zufrieden zu sein. Es fiele uns dann auch leichter mit anderen. Dem stellt sich ein Zeitgeist entgegen, der der Hybris, der bisher alle Zeiten überdauert hat. Wenn ich an den Anfang des Vorstandsberichtes denke, verfallen wir dem nicht alle, reden wir nicht auch zu viel vom Geld, von Umzugskosten und feiern den kleinen Sieg übers Finanzamt mehr als den von Christus über den Tod? Um uns und all unserm Tun den richtigen Platz zuzuweisen, will ich auf Paulus hören: Das sage ich aber, liebe Brüder: Die Zeit ist kurz. Fortan sollen auch die, die Frauen haben, sein, als hätten sie keine; und die weinen, als weinten sie nicht; und die sich freuen, als freuten sie sich nicht; und die kaufen, als behielten sie es nicht; und die diese Welt gebrauchen, als brauchten sie sie nicht. Denn das Wesen dieser Welt vergeht. (1. Kor 7, 29-31) Wozu also die ganze Aufregung? Kürzlich mündete ein telefonisches Be- ratungsgespräch wie so oft in einen geistlichen Austausch über Leben und Streiten, übers Verlieren und die Freude. Kurz darauf erhielt ich eine E-Mail mit einem Hinweis auf das Buch Hiob: Bekehrst du dich zum Allmächtigen und demütigst du dich – wirf dein Gold in den Staub – so wird der Allmächtige dein Gold sein. Dann wirst du deine Lust haben an dem Allmächtigen. Wenn du ihn bitten wirst, wird er dich hören. Was Du dir vornimmst lässt er dir gelingen, und Licht wird auf deinen Wegen scheinen. (Hiob 22,23-28 i.A.) Sich bekehren, sich demütigen, das Gold in den Staub werfen, diese ersten Schritte sind so schwer, zu schwer, wenngleich die Verheißung groß ist. Wir hätten ihre Erfüllung gern ohne die ersten Schritte. Mit der Erkenntnis des Paulus sind sie vielleicht doch zu gehen, damit wir wieder Lust am Allmächtigen haben, er zu hören bekommt, was wir endlich wieder von ihm erbitten, damit er uns etwas gelingen lassen kann, sein Licht auf unserem Wege scheint, wenn wir Glück haben, sogar bis ins Herz. Machen wir uns also an unsere Aufgaben, weisen wir ihnen den richtigen Platz zu, denn kein Ding macht gerecht. Und stellen wir das Wort Gottes von der Erlösung darüber, denn Martin Luthers Worte sind mehr als eine These: „Wer das Wort Christi handelt, übt zugleich den Glauben, durch welchen der Sünder innerlich gerecht wird.“ Dann kann man auch mal mit etwas zufrieden sein. 14 Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 04-2017

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Ehrung der Goldenen und Diamantenen Jubelordinanden auf der Mitgliederversammlung mit einer Dankesgabe des Thüringer Pfarrvereins. Foto oben: Paul-Gerhard Kiehne Mitteilungen aus dem Thüringer Pfarrverein Nr. 04-2017 15

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