JE 4-2017

 

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It is a (printed) journal about modern jewish life in europe. we are publishing 4 issues every year.

Popular Pages


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üdisches Ausgabe 4/2017 Tischri / Cheschwan / Kislew 5778 Preis 2,50 Euro üdischesSeptember/Oktober/November 2017 UROPAJüdisches Leben in Deutschland, Österreich und Frankreich URAUFFÜHRUNG AMSELN WEBER BDS KAMPAGNE EIN VERSUCH UND „DAS SIEBTE KREUZ“ ISRAEL ZU ISOLIEREN SERGEI TCHOBAN EIN DEUTSCHRUSSISCHER ARCHITEKT

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Berlin, zum 21. September 2017 Grußwort zum Neujahrsfest Rosch Haschana 5778 Zum Neujahrsfest Rosch Haschana grüße ich Sie herzlich und wünsche Ihnen, Ihren Familien und Freunden in Deutschland, Israel und der ganzen Welt gesegnete und erfüllte Feiertage! Möge Ihnen allen ein gutes, erfolgreiches und vor allem friedvolles neues Jahr beschieden sein! Der Jahreswechsel fällt in eine Zeit, in der wir weltweit teils tiefe Umbrüche erfahren. Krisen und Konflikte, staatliche Fragilität und millionenfache Flucht – die Medien sind voll mit Berichten darüber. Gewiss, uns in Deutschland geht es relativ gut. Wir stehen wirtschaftlich hervorragend da. Noch nie waren hierzulande so viele erwerbstätig wie heute. Doch solche Erfolge dürfen uns nicht blind machen vor den Herausforderungen unserer Zeit – und auch nicht anfällig machen zu glauben, komplexe Probleme mit einfachen Antworten lösen zu können. Errungenschaften wie Frieden und Wohlstand sind Ergebnisse langer Prozesse, die sich auf der Grundlage von Freiheit und Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie vollziehen. So kostbar solche Grundwerte sind, so zerbrechlich sind sie aber auch und bedürfen daher ständiger Aufmerksamkeit und Pflege. Auch in Deutschland müssen wir nicht weit in die Ferne blicken, um zu sehen, dass nicht jeder und jede sicher davor ist, etwa aufgrund von Religion oder Herkunft angefeindet zu werden. Und wir müssen auch nicht weit in die Vergangenheit zurückblicken, um festzustellen, dass Antisemitismus auch heute noch sein Unwesen treibt. Wenn sich jüdische Bürger in Deutschland gezwungen sehen zu überlegen, ob sie überhaupt eine Kippa tragen können, wenn auf Demonstrationen antisemitische Parolen skandiert werden, wenn auf deutschen Schulhöfen „Jude“ als Schimpfwort missbraucht wird, dann müssen unsere Alarmglocken laut schrillen. Wir alle sind dazu aufgerufen, niemals unsere Augen und Ohren zu verschließen, wenn Menschen angepöbelt, bedroht oder gar angegriffen werden, weil sie Juden sind, weil sie sich als solche zu erkennen geben oder weil sie für den Staat Israel Partei ergreifen. Wir alle sind dazu aufgefordert, unmissverständlich klar zu machen, dass Diskriminierung, Ausgrenzung und Antisemitismus bei uns keinen Platz haben dürfen und wir daher entschlossen dagegen vorgehen – zivilgesellschaftlich, vor allem über Bildung und, wenn nötig, mit der ganzen Konsequenz unseres Rechtsstaates. Das ist unsere staatliche, bürgerliche und schlichtweg vernunftgeleitete menschliche Pflicht. Denn wer an der Glaubens- und Religionsfreiheit rührt, rührt auch an den Grundfesten unserer Demokratie und unseres friedlichen Zusammenlebens allgemein. Daher bin ich von Herzen dankbar dafür, dass die jüdische Gemeinschaft in Deutschland auf vielfältige Weise mit für ein tolerantes, weltoffenes und gedeihliches Miteinander Sorge trägt. Mit Beginn des neuen Jahres 5778 blicken wir voraus auf ein Jahr, das auch von den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Gründung des Staates Israel geprägt sein wird. Die Partnerschaft Israels und Deutschlands nimmt sich vor dem Hintergrund des Zivilisationsbruchs der Shoa auch heute noch wie ein Wunder aus. Unsere Gesellschaften, Volkswirtschaften und Kulturen sind mittlerweile so eng miteinander vernetzt wie nie zuvor. Die Verbundenheit unserer beiden Länder baut aber immer auch auf dem Wissen um die Vergangenheit auf. Denn nur so können wir offen und ehrlich der Zukunft entgegensehen und im Vertrauen aufeinander unsere gemeinsamen Interessen und Werte in der Welt vertreten und verteidigen. Hoffen wir nun gemeinsam mit allen, die Rosch Haschana feierlich begehen, auf ein glückliches und segensreiches neues Jahr – Schana Towa! Angela Merkel Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland jüdisches europa 3

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editorial INHALT TITEL ROSCH HASCHANA 5778 NEUJAHRSGRÜSSE 03, 05-06, 14-20 BDS – EINE KAMPAGNE AUS RAMALLAH TOURT DURCH DIE WELT EIN VERSUCH ISRAEL ZU ISOLIEREN 08-12 URAUFFÜHRUNG AMSELN WEBER INSZENIERT „DAS SIEBTE KREUZ“ 25 SERGEI TCHOBAN EIN DEUTSCH-RUSSISCHER ARCHITEKT 22-24 Moderne Welt Religiöses Leben 07 MÜNCHEN 1972 GEDENKSTÄTTE ZUR ERINNERUNG AN DIE ISRAELISCHEN OPFER DES MASSAKERS 31 ROTE KARTE AUSCHWITZ NICHT RELATIVIEREN – DIE SCHOA WAR EIN SINGULÄRES EREIGNIS 21 „GEMEINSAMKEITEN ENTDECKEN“ JÜDISCHER STUDENTENVEREIN WILL DEN SCHWEIZER „RÖSTIGRABEN“ ÜBERWINDEN 32-34 100 JAHRE ZWST DER ZEDAKA VERPFLICHTET – NIEMAND WIRD ALLEIN GELASSEN 12 BOTSCHAFTERWECHSEL JEREMY ISSACHAROFF LÖST HADAS-HANDELSMAN AB 30-31 DEUTSCHE POLIZEI ALS PATEN EINE GRUPPE AUS DEM JUGENDDORF HODAYOT ZU BESUCH IN HESSEN 24 GESPRÄCHE MIT DEM PAPST GEMEINSAM GEGEN ISLAMISTISCHEN EXTREMISMUS VORGEHEN 37 IN BERLIN WURDE NITZAN STEIN KOKIN ORDINIERT DIE ERSTE IN DEUTSCHLAND AUSGEBILDETE MASORTIRABBINERIN Kultur 13 NEUENTDECKUNG EINES JIDDISCHEN POETEN DER ROMAN „MONTAG“ VON MOYSHE KULBAK WURDE ERSTMALIG INS DEUTSCHE ÜBERSETZT 36 BÖSE VON GEBURT EINE BUCHVORSTELLUNG DES ROMANS „ANDERSEN“ VON CHARLES LEWINSKY 28-29 DAS PORTRÄT: EXIL VERLAG EDITA KOCH UND DIE ZEITSCHRIFT „EXIL“ 38 ADVERTORIAL EUROPA-KULTURTAGE DER EZB 2017 INSPIRIERENDES SPANIEN 26-27 POMPEJI IM 19. JAHRHUNDERT SO WIE ES EINST WAR Editorial 30 IMPRESSUM JÜDISCHES EUROPA IM ABONNEMENT einfach Coupon ausschneiden und abschicken an: Jüdisches Europa, z.Hd. Frau Canem Rhönstr. 127, 60385 Frankfurt Fax: 069-49084533 Bitte liefern Sie mir 4 Ausgaben von „Jüdisches Europa“ zum Preis von 10,60 Euro (Europa 21,40 Euro, restliches Ausland 25 Euro) ins Haus. Wenn ich „Jüdisches Europa“ danach weiterlesen möchte, brauche ich nichts weiter zu tun. Das Abo verlängert sich jeweils um ein weiteres Jahr zum gleichen Preis. Es ist jederzeit möglich, das Abonnement zu beenden. Name/Vorname: ................................................. PLZ/Ort: ........................................................ Straße/Nr.: ......................................................... Telefon: .......................................................... E-Mail: ................................................... Datum/Unterschrift ..................................................... 4 jüdisches europa

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grußwort Grußbotschaft von Frans Timmermans, Erster Vizepräsident der Europäischen Kommission, anlässlich von Rosch Haschana Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde, Shalom! Schana tova ve‘metuqa l‘kulam. Zum neuen Jahr 5778, wünsche ich Ihnen, Ihren Familien und Freunden viel Glück und Freude, wenn Sie heute Abend das gemeinsame Festmahl zu Rosch ha-Schana genießen. Jüdinnen und Juden weltweit dient dieser Anlass dazu, über das vergangene Jahr nachzudenken und Vorsätze für das neue Jahr zu fassen. Daher möchte auch ich, mit Blick auf Europa, einige Gedanken zum vergangenen Jahr und zu unserem künftigen Weg äußern. Im März blickte die Europäische Union auf 60 Jahre Geschichte zurück, als wir den Jahrestag der Römischen Verträge begingen. Unsere Einigkeit, die sich auf unsere gemeinsamen Werte stützt, ist Garant für mehr als 70 Jahre Frieden auf unserem Kontinent. Diese Werte werden nur fortbestehen, wenn wir wachsam bleiben und für diese Werte kämpfen. Wir Europäer müssen gegen Hass, Intoleranz und Antisemitismus zusammenstehen. Nach wie vor sind wir Zeugen von Ausbrüchen antisemitischen Hasses und Gewalt in Europa, trotz der Lehren aus der Vergangenheit. Diese Vorurteile, dieser Hass dürfen unter keinen Umständen toleriert werden. Die demokratische Gesprächskultur hört dort auf, wo antisemitische Motive Diskussionen vergiften und Verschwörungstheorien gegen „Feinde“ der Gesellschaft ins Feld geführt werden. Wir müssen auch weiterhin die jüngeren Generationen darüber aufklären, auf welch gefährliche Abwege dies führt. Es kann und darf nicht sein, dass Jüdinnen und Juden in der Öffentlichkeit ihre Identität verbergen müssen. Offenes, jüdisches Leben in Europa muss Normalität sein. Trotz der stürmischen Zeiten die wir durchleben gibt es auch Ermutigendes. Ohne naiv zu sein, bleibe ich optimistisch. Die Europäerinnen und Europäer weisen die hasserfüllten Botschaften von Extremisten und Populisten immer entschiedener zurück. Ich nehme einen wachsenden Widerstand in unserer Gesellschaft wahr, gekoppelt mit der zunehmenden Einsicht, dass wir für unsere Werte kämpfen müssen und sie nicht als selbstverständlich ansehen dürfen. Ich bin überzeugt, die schweigende Mehrheit wird sich der Tatsache bewusst, dass sie denen, die unsere vielfältigen Gesellschaften zerstören wollen, nicht mehr länger mit Schweigen begegnen kann. Mehr denn je müssen wir den Dialog und ein besseres Verständnis innerhalb der Gesellschaft fördern. Die Europäische Kommission ist stolz dieses Jahr den gemeinsamen Aktionstag gegen Antisemitismus und antimuslimischen Hass unterstützt zu haben. Das gemeinsame Schawuot-/Iftar-Mahl jüdischer und muslimischer Jugendlicher war zugleich eine starke Botschaft für Einigkeit, Koexistenz und Dialog. Initiativen wie diese machen unsere Gesellschaft stärker. Ich wünschen Ihnen allen ein glückliches und süßes Neues Jahr und frohe Hohe Feiertage. jüdisches europa 5

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