Calluna Herbst 2017

 

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Das Vier-Jahreszeiten-Magazin der Südheide Ausgabe Herbst 2017

Popular Pages


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www.calluna-magazin.de Das Vier-Jahreszeiten-Magazin der Südheide Calluna 1

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30WS6ii-re01b8g2e0e3rr0a4nt:en Rundum bestens versorgt Energie und Kommunikation für unsere Region Gern informieren wir Sie über unsere Produkte und Energiedienstleistungen. ∠ SVO Strom ∠ SVO Erdgas ∠ SVO Wasser ∠ SVO Wärme ∠ SVO Internet ∠ SVO Mobilität Mehr unter www.svo.de 2 Calluna

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Titelbild (Buntes Buchenlaub im Wald bei Hankensbüttel), Teaserfotos und Fliegenpilz: Inka Lykka Korth Foto: Marion Korth EDITORIAL Liebe Leserin, lieber Leser, am 9. November wird im 24-Stunden-Kunstmuseum Celle eine Ausstellung mit Werken des Künstlers Otto Piene eröffnet, der als visionärer Wegbereiter der Lichtkunst und Mitbegründer der legendären Künstlergruppe ZERO weltweit Beachtung fand. Bis zu seinem Tod 2014 war Otto Piene dem Kunstmuseum eng verbunden. Seine Werke sind Herzstücke der Sammmlung. Die Ausstellung trägt den Titel »A better world« und bezieht sich auf eine bemerkenswerte Äußerung des Künstlers aus dem Jahr 1961: »Yes, I dream of a better world. Should I dream of a worse?« (Ja, ich träume von einer besseren Welt. Sollte ich von einer schlechteren träumen?). Dieses Zitat sollten wir alle uns zum Lebensmotto machen. Die Vorbereitung dieses Heftes fiel in die Endphase des Bundestagswahlkampfs, der hier in Niedersachsen nahtlos in den Landtagswahlkampf übergegangen ist. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene Zukunft zurzeit kaum eine Rolle spielt. Vor allem die beiden großen Parteien scheinen lieber verwalten als gestalten zu wollen. Entsprechend blass wirkt das politische Personal. Wir befinden uns im Übergang von der Industrie- zur Informationsgesellschaft. So, wie unsere Vorfahren den Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft bewältigen mussten, müssen auch wir uns auf grundlegende Veränderungen einstellen, und das macht vielen Menschen Angst. Statt uns aktiv den drängenden Fragen der Zukunft zu stellen – die größte Herausforderung ist zweifellos, die weitere Zerstörung unserer Lebensgrundlagen zu stoppen –, verdrängen wir sie lieber und folgen bestenfalls der Parole »Weiter so!«. Oder wir flüchten uns schlimmstenfalls vor lauter Zukunftsangst in die Vergangenheit, wollen die »gute alte Zeit« zurückholen – die allerdings nur in der nostalgisch verklärten Rückschau als gut erscheint. Doch die Rolle rückwärts funktioniert nicht. Eine Politik, die auf Abschottung und Besitzstandswahrung setzt und Neid, Missgunst und Fremdenhass schürt, ist nicht nur kleingeistig, sondern auch gefährlich, denn sie verbaut unseren Kindern und Enkelkindern die Zukunft. Es geht gar nicht darum, große Visionen zu entwickeln, aber wir dürfen nicht aufhören, von einer besseren Welt zu träumen und zu versuchen, möglichst viel von diesen Träumen zu verwirklichen. Wer zum Beispiel heute einen Buchenwald pflanzt, wird ihn selbst nicht mehr beernten können, hat aber vorausschauend gehandelt, hat nachhaltig in die Zukunft investiert. Darum geht es auch den Initiatoren der Freien Schule, über deren Motivation Sie in diesem Heft ab Seite 14 lesen können. Schule sollte Kinder doch vor allem Raum geben, zu eigenständig denkenden, verantwortungsvoll handelnden Persönlichkeiten heranwachsen zu können. Diese Kinder, davon träumen ihre Eltern, werden gut darauf vorbereitet sein, die Zukunft ideenreich zu gestalten. Einen bunten Herbst und bis bald im Winter! Inka Lykka Korth (mit Freundin Fussel) INHALT Allerlei am Fluss Herbstliche Wandertour von Wienhausen nach Osterloh Wieder auf Wanderschaft Band 3 des Wanderführer-Quartetts erschienen Öde Heide, Hute-Eichen und Herr von Hammerstein Unterwegs auf dem „Blauen Waldpfad“ Kinder sollen länger Kinder bleiben dürfen Voller Elterneinsatz für die Freie Schule Südheide Das grüne Herz des Hofes Ein Plädoyer für den Hofbaum Eine Geranie und der wahre Luxus Der Landadel früherer Zeiten verschwendete nichts „Wir helfen gern, aber nicht bei Kindesentführung“ Die Wildtierstation Lüneburger Heide Auf sechs Beinen in die Pilze Waldmistkäfer mögen nicht nur Mist Wo Fairness kein Fremdwort ist Der Weltladen in Celle Die Geschichte eines Dorfladens Baracke und Baudenkmal in Böddenstedt Holz aus Frankreich und Hummeln in Glaswolle Das Höfersche Haus in Gifhorn wird saniert – Teil 4 Nichts für grobe Klötze Werkstattbesuch bei Drechsler Joachim Riegel Bärbel, Barbie, Biedermeier ... Womit Mädchen spielten Kontakt SüdheideKalender Buchempfehlungen Calluna-Partner Impressum Redaktion Anzeigen Abonnement redaktion@calluna-magazin.de Telefon 05832 979840 anzeigen@calluna-magazin.de Telefon 05832 979938 abo@calluna-magazin.de Telefon 05371 55506 www.calluna-magazin.de CallunaMagazin 4 9 10 14 18 20 22 24 34 38 44 50 56 28 56 26 54 Calluna 3

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STREIFZÜGE FahrräderMittelstrasse 1 Knesebeck sind unsere LeidenschaftTel.: 05834-5261 Deshalb finden Sie bei uns jetzt auch E-Bikes des Premiumherstellers Die große Fahrrad-Auswahl im Nordkreis LLiilliieessRRäädderelraulafeunfeleniclhetiecrh..t. er... wwwww.liwli.eli-lkien-kenseesbeebecckk..ddee Wander- und Erlebnispfade KBorostsecnhlüorsee! Allerlei am Fluss HERBSTLICHE WANDERTOUR VON WIENHAUSEN NACH OSTERLOH INKA LYKKA KORTH / Text / Fotos Banger Blick gen Himmel: In der Wetterküche da oben braut sich was zusammen. Fast schwarz sind die Wolkenungetüme. Entsprechend bedrohlich wirken sie. Egal, wir sind weder wasserscheu noch Schönwetterwanderer, und ehrlich gesagt mögen wir diese dramatischen Lichtstimmungen, die entstehen, wenn die Sonne von Flächen- auf Punktbeleuchtung umschaltet und ihre Strahlen durch die Löcher in der Wolkendecke jagt und auf der Landschaft einen Flickenteppich aus Licht und Schatten ausbreitet. Das ist großes Kino, und das gibt es sogar gratis – in 3D und auf einer gigantischen Panoramaleinwand. Anfang Oktober ist noch nicht Anfang November, aber wer will es dem Herbst übelnehmen, wenn er sich auch jetzt schon einmal ein wenig austobt!? Wir ziehen vorsorglich die Kapuze über den Kopf und machen uns auf den Weg. Den Wagen haben wir auf dem Parkplatz an der Aller zwischen Wienhausen und Oppershausen abgestellt. Über die Brücke gehen wir nach Oppershausen, aber nicht in den Ort hinein, sondern biegen am Ortsrand links ab in die Osterloher Straße. An der nächsten Kreuzung biegen wir abermals links ab. Der Maschweg beginnt als schmale Asphaltstraße, geht dann aber in einen gepflasterten Feldweg mit Grünstreifen in der Mitte über, der in einigem Abstand parallel zur Aller verläuft – zunächst über freies Feld, dann am Waldrand entlang. Von den abzweigenden Waldwegen wählen wir den dritten, um nach Osterloh zu gelangen. Wir sind überrascht: Was von weitem wie ein langweiliger Kiefernforst aussah, stellt sich als Mischwald mit üppiger Vegetation heraus. Wir wandern weiter und erreichen alsbald die Osterloher Berge, einen Dünenzug, auf dem trotz Aufforstung noch trockene, sandige Magerrasenflächen zu finden sind, die als ökologische Nische für verschiedene Tier- und Pflanzenarten vom NABU gepflegt wird. Die Kapuzen haben wir längst abgestreift, denn die Sonne hat es geschafft, einige größere Löcher in die Wolkendecke zu reißen. Der Lange Kamp, auf dem wir in den Ort gekommen sind, mündet in die Osterloher Landstraße. Deren Verlauf folgen wir nach Süden, in Richtung Allerwehr. 12 spannende Erlebnispfade und 16 herrliche Wanderwege für die ganze Familie Herzogenplatz 2, 29525 Uelzen Tel. (05 81) 7 30 40 info@heideregion-uelzen.de www.heideregion-uelzen.de HEIDEREGION UELZEN 4 Calluna Als wir am Südufer auf dem Aller-Radweg gehen, sehen wir graue Wolken, braune Kühe und einen weißen Schwan .

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Zwischen Hecke und Rübenacker führt der Weg zum Wald. In der alten Mühle in Wienhausen befindet sich die Touristinformation. Ein Stück folgen wir auf unserer Wanderung dem Verlauf des Themenweges. Statt der Sonne leuchtet wilder Wein im Herbstkleid. Calluna 5

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STREIFZÜGE Ein Ort zum Verweilen und Genießen: r%PSGDBGÊNJU,BĎFF 5FF 5PSUFO&JT r3FTUBVSBOUNJUEVSDIHFIFOEXBSNFS,ÛDIF r'SÛITUÛDLVOE#SVODIOBDI"CTQSBDIF rOPTUBMHJTDIFS5BOUF&NNB-BEFONJU(FTDIFOLFO3FHJPOBMJB r;JNNFS'FSJFOXPIOVOHNJUJOEJWJEVFMMFN'MBJS Café mit Laden täglich geöffnet von 8:30 bis 18 Uhr (SVQQFOCJT1FSTPOFOXJMMLPNNFO )JOUFSEFO)ÕGFOr4VEFSCVSH)ÕTTFSJOHFO 5FMrXXXEPSGDBGFIPFTTFSJOHFOEF AschauTeiche »Wildes Wasser« am Allerwehr bei Osterloh. Hinter hohen Zäunen und massiven Toren steht hier eine Villa neben der anderen, und fast alle sind Neubauten. Die vergleichsweise abgeschiedene Lage direkt am Stadtrand von Celle hat das kleine Osterloh offenbar zu einer begehrten Adresse für zahlungskräftige Städter werden lassen, die sich hier ihren Traum vom repräsentativen Wohnen auf dem Land verwirklicht haben. In der Ortsmitte gibt es aber noch einige sehenswerte alte Häuser, die vom einstigen Charme des kleinen Dorfes in der Allerniederung zeugen. Am Allerwehr informiert eine Tafel über das Projekt »Natur erleben in der Allerniederung bei Osterloh« und weist den Weg zu zwei Aussichtshügeln, von denen sich das Renaturierungsgebiet überblicken lässt. Seit 2007 wird auf einer Gesamtfläche von 38 Hektar die Auenlandschaft wieder in einen naturnahen Zustand zurückversetzt, indem ein abwechslungsreiches Relief aus feuchten Senken und trockenen Sandkuppen geschaffen worden ist, um so die Lebensbedingungen für die vielen schutz- 6 Calluna

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Sogar im Oktober sind noch Wasserwanderer auf der Aller unterwegs. Wilde Astern und ... ... Teiche am Aller-Altarm Der Himmel sieht bedrohlich aus, dennoch werden wir nicht nass. Calluna 7

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STREIFZÜGE Stilvoll Tagen in der BURG Knesebeck Der besondere Ort für Ihre Veranstaltung Eingebettet in nahezu unberührte Natur bietet Ihnen unser Tagungshaus zwei helle und modern ausgestattete Seminarräume und 16 geschmackvoll eingerichtete Gästezimmer. Mit viel Liebe zum Detail gestalten wir Ihren Aufenthalt ganz nach Ihren individuellen Wünschen und Bedürfnissen. www.butting-akademie.de Landcafé Neubokel ... das Café im Grünen Raclette Essen im einzigartigen weihnachtlichem Ambiente Genießen Sie ab dem 30.11.2017 wieder täglich ab 19 Uhr unser beliebtes Raclette-Essen! Mit reichhaltiger Auswahl und vier verschiedenen Sorten Fleisch! Bitte reservieren! Tel. 0 53 71 / 135 33 Alter Kirchweg 2a . 38518 Gifhorn/Neubokel 8 Calluna Wir tauchen ein in einen Mischwald mit üppiger Vegetation. bedürftigen Tier- und Pflanzenarten der Allerniederung nachhaltig zu verbessern. Der NABU, der einer der Projektparter ist, informiert unter der Adresse nabu-celle.de über die Fortschritte und gibt Termine für naturkundliche Führungen durch das Gebiet bekannt. Am Allerwehr kommt das Wasser des bis dorthin träge fließenden Flusses mächtig in Bewegung. Sprudelnd, tosend und schäumend bahnt es sich seinen Weg durch die Hindernisse aus Beton und Stahl, um nach dieser turbulenten »Achterbahnfahrt« wenige Meter flussabwärts schon wieder in die alte Lethargie zu verfallen. Nachdem wir an diesem Wehr den Fluss überquert haben, wandern wir nun ein gutes Stück auf dem gepflegten Allerradweg am Ufer entlang gen Osten und dann nach Süden in Richtung Bockelskamp. An einem Fußballplatz biegen wir links ab in den Maschweg. An der nächsten Abweigung sollten wir uns eigentlich rechts halten, um durch Bockelskamp und an der Kreisstraße 50 entlang nach Wienhausen zu gehen, aber wir wollen uns noch die Stelle angucken, wo der Wienhäuser Mühlenkanal in einen der Aller-Altarme mündet, und gehen deshalb auf dem Maschweg weiter geradeaus, bis dieser endet. Über eine feuchte Wiese stapfen wir an zwei Teichen vorbei bis zur Kreisstraße. Wer sich keine nassen Füße holen will, sollte besser auf den Abstecher verzichten und den Weg durch den Ort wählen. An der Kreisstraße begleitet uns der Mühlenkanal das kurze Stück bis nach Wienhausen hinein. Direkt am Kanal entlang gelangen wir, vorbei am Kloster, zur alten Wassermühle, in der sich die Touristinformation befindet. Nach einem kleinen Rundgang durch die historische Keimzelle des Klosterfleckens folgen wir der Mühlenstraße bis zur Einmündung in die Landesstraße 311, halten uns dort links und erreichen nach ein paar Schritten unseren Ausgangspunkt an der Allerbrücke. Alternativ hätten wir auch durch den Klosterpark gehen können. Von dort führt ein Weg am Allerufer entlang zum Parkplatz an der Brücke. Just in dem Moment, als wir ins Auto einsteigen, beginnt es heftig zu schütten – und wir beglückwünschen uns augenzwinkernd zu dem guten »Timing«. Eine Karte der Zehn-Kilometer-Tour durch die Allerniederung zwischen Wienhausen, Osterloh und Bockelskamp mit GPS-Track zum Herunterladen finden Calluna-Abonnenten bei Callunaplus.

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Eine von Helmut Berlinecke geführte Wandergruppe auf dem Weg ins herbstliche Tal der Bäke wenige Kilometer östlich der ehemaligen Kreisstadt Klötze in der Altmark. Fotos: Inka Lykka Korth Wieder auf Wanderschaft BAND 3 DES WANDERFÜHRER҃QUARTETTS „LINKS UND RECHTS DES GRÜNEN BANDES“ ERHÄLTLICH Darauf haben viele unserer Leserinnen und Leser schon sehnsüchtig gewartet: Zum Start in die herbstliche Wandersaison am 1. Oktober erscheint jetzt der dritte Band des Calluna-Wanderführer-Quartetts »Links und rechts des Grünen Bandes« mit 25 weiteren Wandertouren im östlichen Teil der Südheide und im westlichen Teil der Altmark. Das Grüne Band, wie der fast 1400 Kilometer lange und 200 Meter breite Geländestreifen entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze von der Ostsee bei Travemünde bis nach Hof im Dreiländereck genannt wird, ist der größte Biotopverbund Deutschlands. In unserer Region verbindet er mit der Südheide und der Altmark zwei Landschaftsräume, die beide auf ihre Art besonders reizvolle Wanderreviere bilden. Unser Autor Helmut Berlinecke, der fast jeden Tag »auf Wanderschaft« ist, neue Touren austüftelt und diese mit seinem GPSGerät aufzeichnet, lädt erneut zu vielfältigen Streifzügen ein. Alle im Wanderführer beschriebenen Wandertouren sind als Rundwanderungen ausgelegt. Sie führen durch Wälder und Wiesen, an Flüssen, Bächen und Mooren entlang, und besonders in der westlichen Altmark sind auch einige »Berge« zu erklimmen, die zum Teil schöne Ausblicke über die Landschaft bieten. Die Wandertouren haben eine Länge von 5 bis 15 Kilometern und sind somit auch für weniger geübte Wanderer geeignet. Die bewusst kurz gehaltenen und mit Fotos illustrierten Beschreibungen werden durch Karten mit Angaben zur Anfahrt, Wegcharakteristik und besten Wanderzeit ergänzt. LINKS UND RECHTS DES GRÜNEN BANDES Calluna Band 3 Calluna Helmut Berlinecke neben einem 20 Tonnen schweren Granitblock bei Alt Jemmeritz in der Altmark. Alle drei bislang vorliegenden Bände der Reihe »Links und rechts des Grünen Bandes« – Band 4 erscheint im Herbst 2018 – haben ein jackentaschenfreundliches Postkartenformat und eine praktische Spiralbindung. Jeder Band mit zahlreichen Fotos und Karten kostet 8,90 Euro und kann direkt bei Calluna unter der E-Mail-Adresse buchshop@calluna-magazin.de bestellt werden. Telefonische Bestellungen sind unter der Nummer 05832 979840 (AB) möglich. Die Lieferung erfolgt innerhalb Deutschlands versandkostenfrei mit beiliegender Rechnung. Selbstverständlich sind die Wanderführer auch über den Buchhandel zu beziehen. Calluna 9

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Wir sind Ihr Ziel, wenn Sie stets frische Deutsche Küche in angenehmem Ambiente genießen möchten! Wir empfehlen uns für Ihre Geburtstags- o. Familienfeier jeder Art! Jeden Sonntag: Gourmet-Sektfrühstück von 9.30 bis 12 Uhr Ab Oktober, jeden Freitag und Sonntag: Entenessen Ab November, jeden Samstag: Gänseessen 14. Okt. ab 18 Uhr: Entenschlachteessen von eigenen Enten 11. Nov. ab 18 Uhr: Gänseschlachteessen von eigenen Gänsen 2. Weihnachtstag ab 11.30 Uhr: warmes Weihnachtsbuffet inkl. Getränken 31. Dez.: Silvestertanz ab 19 Uhr mit Musik und warmem Buffet Wir bitten jeweils um Voranmeldung. Susanne Olvermann Hindenburgstraße 2 · 29386 Hankensbüttel · Tel. 05832/468 info@zur-linde-hankensbuettel.de www.zur-linde-hankensbuettel.de 6. Okt. bis Restaurant DeutscheZnumHeinrich 22. Okt. ´17 Bayerische Wochen im „Deutschen Heinrich“ Jeden Tag bieten wir Ihnen in bayerischem Ambiente original Oktoberfestbier und leckere Spezialitäten aus unserer Schmankerl-Karte. Genießen Sie frisch zubereitete Weißwurst, Hax´n, Brez´n und viele weitere original bayerische Gerichte. Bitte reservieren Sie rechtzeitig! Wir freuen uns auf Ihren Besuch! EFinRtrEitIt! Freitag, 20. Okt. ab 18 Uhr: Live-Musik mit „Almrausch“ Im Achtertor 2 | 38518 Gifhorn/Wilsche Tel. 0 53 71 / 77 75 | www.deutscher-heinrich.de 10 Calluna STREIFZÜGE Unterwegs auf dem (mehr grünen als) Blauen Waldpfad in Lintzel bei Wriedel CHRISTINE KOHNKE-LÖBERT / Text / Fotos Hinter Zelle reißt man wenigstens zwei (Franz.) Meilen weit in Schwarzholze, und von dieser Stadt bis Haarburg, das heißt, in einer Strecke von beinahe zwanzig Deutschen Meilen geht der Weg zwar nicht immer über Sand, wohl aber durch Hayden, die man nicht übersehen kann. Es thut Noth, daß man in denselben die Höhe eben so genau beobachtet, wie auf dem Meere, um nur zu wissen, wo man eigentlich ist. Von Zeit zu Zeit kündigen Gänse, Enten, Schaafe von einem erbärmlichen Ansehen (Haydeschnucken) die Nachbarschaft eines armseligen Dorfs, einer elenden Hütte an. Diese Erinnerungen schrieb der französische Diplomat Mangourit um 1800 nach einer Reise durch die Lüneburger Heide nieder. Tatsächlich wurde der Landstrich um Oerrel und Lintzel damals Öde Heide genannt. Welch ein Unterschied zu der abwechslungs- und vor allem waldreichen Gegend, die heute das Gesicht der Lüneburger Heide prägt. Wir haben uns aufgemacht, um ein besonders schönes Waldstück abzuwandern: den Blauen Waldpfad in Lintzel bei Wriedel, der so heißt, weil er mit blauer Farbe markiert ist. Er startet am Forsthaus am Rande einer kleinen Siedlung außerhalb des Ortes Lintzel. Am Parkplatz liegen Flyer aus, die den Waldpfad beschreiben. Die Siedlung entstand im Zuge der Aufforstung der Heide, als sich hier Arbeiterfamilien ansiedelten. Viele Hände wurden damals für die harte körperliche Arbeit gebraucht, um aus den ausgedehnten Heideflächen große Waldgebiete werden zu lassen, und ein Teil der Arbeit wurde mit sogenannten Korrigenden bewältigt, Menschen, die als arbeitsscheu galten wie Bettler oder Landstreicher, die in Besserungsanstalten korrigiert werden sollten. Für sie wurde in Oerrel bei Munster extra ein Anstalt gebaut. Der vor etwa 150 Jahren begonnene Prozess veränderte das Landschaftsbild unserer Gegend nachhaltig. In der kleinen Forstsiedlung ist offenbar gerade Sperrmüllsammlung, und wir entdecken doch tatsächlich noch die Eimeraufhängung des alten Ziehbrunnens, der hier früher stand. Jetzt sind der hölzerne Hebel und der Schwingbaum leider verschwunden, nur die Metallteile haben irgendwo überdauert. Wir nehmen sie mit, um sie ins Museum zu bringen. Gleich nach ein paar Metern stoßen wir auf ein Denkmal für Freiherr von Hammerstein, das anlässlich seines Todes im Jahre 1914 aufgestellt worden ist. Von Hammerstein setzte sich als Gründungsmitglied des Landwirtschaftlichen Provinzialvereins für den Umbau der Landwirtschaft nach dem Zusammenbruch der Heidebauernwirtschaft ein. Seiner Anregung und zähem Betreiben ist es auch zu verdanken, dass zwischen Oerrel und Lintzel Wald angepflanzt wurde. Dieser wurde – im Gegensatz zu den ehemals herzoglichen und später preußisch staatlichen Wäldern, die vor allem der Jagd dienten – zu Provinzialwald erklärt, also zum Eigentum der damaligen preußischen Provinz Hannover. Auch der Wanderweg, den wir gerade gehen, gehört dazu. Etwa 5000 Hektar Wald entstanden zwischen 1878 und 1908 auf ehemaligen Öd- und Heideflächen.

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Öde Heide, Hute-Eichen und Herr von Hammerstein 12 1 Das 1914, dem Todesjahr des Freiherrn von Hammerstein, vom Nordwestdeutschen Forstverein für seinen Mitbegründer und Ehrenvorsitzenden „in Anerkennung seiner Verdienste um die Aufforstungen“ errichtete Denkmal. 2 Bewacht wird das Denkmal von einem Krokodil mit spitzen Zähnen – ein Objekt, das im Rahmen des Landart-Kunstprojekts entstanden ist. 3 Bei der alten Hute-Eiche hat der Zersetzungsprozess bereits begonnen. 4 Der Pfad schlängelt sich durch den Moosteppich des einstigen Provinzialwaldes. 5 Jetzt im Herbst lassen sich am Wegesrand allerlei Pilze entdecken. 34 5 Calluna 11

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STREIFZÜGE ‡DE2NWREHU neue Damen-Herbst-Kollektion aus Norwegen ... und unsere Herbstausstellung! ‡DE1RYHPEHU Weihnachtsaussellung ‡'H]HPEHU Norwegisches Weihnachts-Buffet (mit Voranmeldung) Geöffnet: Mi. - Sa. 14 - 18.30 Uhr Sonn- & feiertags 13 - 18.30 Uhr 12 Calluna Als von Hammerstein im Jahre 1908 die Aufforstungsge- biete bereiste, konnte er feststellen: »Die gesamten Bestände zei- gen frisches Wachstum und Gedeihen. Überall erkennt man die sorgsame Anlage und eine vorzügliche Bestandspflege.« Nun wollen wir das Waldstück erst recht erkunden! Wer erwartet hat, hier ausgedehnte Kiefernbestände vorzufinden – weite Teile der Heidelandschaft wurden mit schnellwüchsigen Kiefern be- pflanzt –, irrt sich allerdings. Unter den lichten Baumbeständen des Mischwaldes, der neben Nadelbäumen vor allem Buchen und Eichen enthält, ist Raum für kleinere Pflanzen und reiches Buschwerk. Oft führt der Pfad über weiche Moosböden, an den Das Denkmal, das an Georg Quaet-Faslem erinnert, der als Oberförster im Bereich Oerrel/Lintzel 5000 ha Ödland und Heide aufforsten ließ, stand einst 600 m weiter südlich an der B 71 und wurde wegen der besseren Erreichbarkeit 2015 an seinen jetzigen Standort versetzt. Wegrändern konnten sich kleine Inseln von lila Besenheide er- halten. Wo die Sonne hinscheint, fühlt sich das Springkraut wohl, und an schattigen Plätzen wächst Farn. Hier gefällt es offenbar nicht nur den Menschen: Eine Tafel informiert uns, dass wir im Wolfsgebiet unterwegs sind und auf keinen Fall füttern dürfen. Das hatten wir auch nicht vor, aber Jack-Russell-Terrier Momo bleibt vorsichtshalber an der Leine. Am Boden liegt Totholz, das nach und nach von Moos und Flechten überwuchert wird. Tote Bäume bleiben jahrzehntelang Lebensraum für viele Tiere und Pflan- zen. An vielen Stellen hat das Moos auch lebende Bäume erobert und wächst in großen Höhen. Komisch, für uns war Moos immer mit dem Blick nach unten verbunden. Wo die Son- ne das Blätterdach durchbricht, gibt es wunderschöne Farb- und Lichtreflexe in den Bäumen und auf dem Boden. Sogar die seltene Bartflechte soll hier wachsen. Wir haben sie allerdings nicht gefunden. Bartflechten sind in Niedersachsen fast verschwunden, ihr Hauptverbreitungsgebiet haben sie in Skandinavien. Zwischen Moos und Kiefernnadeln entdecken wir da- für ganze Inseln an kleinwüchsigem Klee und Binsengras. Auf alten Baum- stümpfen reckt die Trompetenflechte ihre kleinen, trichterförmigen Stengel

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STREIFZÜGE Auf dem Blauen Waldpfad lassen sich nicht nur historische Steinsetzungen entdecken. Dieser Steinkreis ist jüngeren Datums, entstanden im Rahmen des Projekts Landart, das Kunst und Natur verbindet. in die Höhe und auch die Pilzsaison scheint uns diesjahr nicht im Stich zu lassen. Zwischen all dem Grün ragt ein trockener Baumstamm auf. Wahrscheinlich wurde er irgendwann von einem Blitz getroffen und nun bietet er Vögeln, Fledermäusen und Insekten Platz zum Nisten und Leben. Wir werden auch noch zwei Spechtschmieden entdecken. Auf halber Strecke erreichen wir einen kleinen Ringwall. Unsere Vorfahren legten solche Landmarken in den vergangenen Jahrhunderten aus verschiedenen Gründen an. Sie dienten als Grenzmarkierungen, mit Hecken bepflanzt wurden sie als Schafpferche genutzt oder sie schützten Waldinseln inmitten der Heide. Solche Ringwälle sind selten und wenn, dann nur in Wäldern erhalten geblieben. Auch zwei gewaltige Hute-Eichen haben im Lintzeler Wald überdauert. Hierher trieben Bauern früher ihre Tiere zum Weiden. Beliebte Hutebäume für die Mast waren Eichen und Buchen. Weil es diese Wirtschaftsform heute nicht mehr gibt, werden Hutebäume immer seltener und in absehbarer Zeit ganz verschwunden sein. Unterwegs treffen wir noch auf zwei weitere Gedenksteine. Der Quaet-Faslem-Stein erinnert an den Forstmann Georg Quaet-Faslem, der während der Zeit der Heideaufforstung hier Förster gewesen ist. Er entwickelte ein spezielles Bodenbearbeitungsverfahren für die Vorbereitung der Baumpflanzungen, dessen Spuren noch heute im Bodenrelief ablesbar sind. Der andere Stein ist einem Vertrauten Bismarcks gewidmet: Rudolf von Bennigsen. Der Landesdirektor der preußischen Provinz Hannover war der maßgebliche politische Wegbereiter der Heideaufforstung. Und dann sind wir auch schon durch – mit 150 Jahren Waldgeschichte auf zweieinhalb Kilometern. KONTAKT Touristinformation Ebstorf, Winkelplatz 4a, Telefon 05822 2996, E-Mail touristinfo@ebstorf.de, Web urlaubsregion-ebstorf.de „Diese Eiche pflanzte Landesdirektor Rudolf von Bennigsen am 1. Oktober 1881 in Öde Heide“ stand auf einer Tafel, die den Bennigsen-Stein zierte. Die Tafel ist verschwunden, aber der Stein und die damals gepflanzte Eiche stehen noch und erinnern an den politischen Wegbereiter der als kulturelle Großtat gefeierten Heideaufforstung. Entdeckungen zwischen Wiehe und Schwarzwasser JANA WEJKUMS RADTOURENFÜHRER FÜR EINE ABWECHSLUNGSREICHE TAGESTOUR Ein Tipp für alle, die (nicht nur jetzt im Herbst) lieber mit dem Fahrrad als zu Fuß unterwegs sind: In der Reihe »Streifzüge in der Südheide« des Calluna-Verlags ist der Tourenführer »Zwei Bäche und ein Brunnen« erschienen. Die von der jungen Autorin und leidenschaftlichen Radfahre- rin Jana Wejkum zusammengestellte und mit Liebe zum Detail beschriebene Tour orientiert sich an zwei Heidebächen, die zu den weniger bekannten in der Südheide zählen: Wiehe und Schwarzwasser. Dennoch lohnt es sich, sie ZWEI BÄCHE UND EIN BRUNNEN und die Landschaft, durch die sie Eine Fahrradtour von Jana Wejkum fließen, zu entdecken. Am besten geht das vom Fahrradsattel aus. Neben vielen schönen Bach- querungen und Ausblicken auf die weite Landschaft gibt es auf der rund 60 Kilometer langen Tages- tour viel zu sehen – sowohl für na- turkundlich als auch kulturell und technisch Interessierte. Die Tour führt durch Wald, Wiesen und kleine Dörfer, überwiegend auf befestigten Wegen. Als idyllischer Picknickplatz mit spannender Ge- Streifzüge in der Südheide Calluna schichte bietet sich der Herzogs- brunnen bei Ummern an. Das »Energiemuseum« in Spechtshorn, das die Geschichte der Ölförderung im Schmarloh veranschaulicht, liegt ebenso an der Strecke wie das »Tierhotel« in Nienhof, die Jagdhütte bei Klein Oesingen, in der einst der Bestsellerautor A. E. Johann wohnte, und die ehemalige Gutsanlage in Hahnenhorn mit dem sehenswerten Torhaus, einem imposanten, turmartigen Gebäude. In Groß Oesingen erfahren die Radler, wie es dazu kam, das ein Dorf von dieser Größe mit zwei größeren Kirchenbauten »gesegnet« ist. Die Rundtour beginnt und endet am Teichgut zwischen Groß Oe- Der 42-seitige, mit zahlreichen Fotos und einer doppelseitigen Karte illustrierte Tourenführer »Zwei Bäche und ein Brunnen« hat ein jackentaschenfreundliches Postkartenformat und eine praktische Spiralbindung. Er kostet 6,- Euro und kann direkt bei Calluna unter der E-Mail-Adresse buchshop@calluna-magazin.de bestellt werden. Telefonische Bestellungen sind unter der Num- mer 05832 979840 (AB) möglich. Die Lieferung erfolgt innerhalb Deutschlands versandkostenfrei mit beiliegender Rechnung. Abonnentinnen und Abonnenten des Calluna-Magazins erhalten das Büchlein zum halben Preis, wenn sie bei der Bestellung ihre Abonummer nennen. singen und Wahrenholz mit seinen vom Schwarzwasser gespeisten Fischteichen, an denen sich auf ei- nem Spaziergang auch viele Was- servögel beobachten lassen. Calluna 13

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Kinder sollen länger Kinder bleiben dürfen VOLLER ELTERNEINSATZ FÜR DIE FREIE SCHULE SÜDHEIDE MARION KORTH / Text // INKA LYKKA KORTH / Fotos Diese Eltern sind keine Träumer, sondern im Gegenteil Realisten. Sie könnten es bequem haben, aber zu schwer wiegen die Bedenken. Also haben sie sich an ein großes Projekt herangewagt: Nachdem viele von ihnen schon mit dabei waren, als auf ihre Initiative hin 2011 in Teichgut der BauernhofKindergarten eröffnet worden ist, soll nun die Freie Schule Südheide folgen. Marco widmet fast seine gesamte Freizeit dem neuen Projekt, das in diesen Wochen und Monaten mehr und mehr konkrete Formen annimmt, bis hin zum ausgeguckten Gebäude, 14 Calluna einer bislang leerstehenden Schule in Schönewörde. Er fasst die Wünsche, die seine Triebfeder sind, in einem Satz zusammen: »Erst soll mein Kind Kind sein, danach soll es es selbst sein.« Er und die anderen Eltern sind überzeugt davon, dass Leistungsdruck von Anfang an, starre Regeln und ein zeitliches Korsett, das vorgibt, wann die Kinder ihr Frühstücksbrot essen oder auf die Toilette gehen dürfen, letztendlich ihre innere Quelle zum Versiegen bringen wird oder mit Oxanas Worten: »Ihre Neugierde zerstört.« Die Mutter sieht, was der Besuch der Schule für ihre Tochter Melina bedeutet. Wo Melina früher sorglos ausprobierte, habe sie nun ständig das Gefühl, etwas falsch zu machen, statt wie früher einfach etwas zu tun, frage sie die Erwachsenen um Erlaubnis. Für Oxana und ihren Mann Alex geht diese Entwicklung genau in die falsche Richtung. Der Entdecker- und Erfindergeist ihrer Tochter werde mehr und mehr ausgebremst. Ja-Sager habe die Welt jedoch genug, und sie werden die Probleme der

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KINDGERECHT Welt bestimmt nicht lösen. Dann schon eher eigenständige und selbstbewusste Charaktere. Ähnlich sieht es Mutter Verena. Ihr Jüngster geht in die zweite Klasse der Grundschule. »Da herrscht ein Druck …«, sagt sie. Am Ende des Schultages schwappt der Stress zu allem Überfluss in Form eines Berges von Hausaufgaben in die Familie. Zeit zum Spielen bleibe kaum noch. »Die ziehen da wirklich kleine Soldaten heran, aber eine Eiche von der Buche unterscheiden, das können die nicht.« Glücklich ist auch die kleine Ebba nicht. Sie hat den Freien Kindergarten besucht und tut sich jetzt in der Grundschule in Wahrenholz schwer. Ihr Vater drückt es bewusst vorsichtig aus: »Für ein Kind, das vorher so viel Freilauf und Kreativität gewöhnt war, ist das eine Umstellung.« Mit Sorge sieht er, wie sich ihre aufgestaute Energie in Konzentrationsschwäche äußert. Der viele Frontalunterricht strenge sie ungemein an. »Manche Kinder lernen eben besser, wenn sie sich viel bewegen können«, meint er. Für Ebba scheint es so zu sein. Mutter Karin könnte es hingegen laufen lassen, wie es läuft, ihr Sohn komme mit der Regelschule bestens klar. »Ein Paradeschüler.« Das Konzept der Freien Schule unterstützt sie trotzdem vorbehaltlos, es passt zu ihr und ihrer etwas unangepassten Art. Und außerdem hat ihre ältere Tochter Annika (21) den direkten Vergleich, besuchte erst eine Freie Schule, dann eine Regelschule. »Ich war schockiert«, so beschreibt Annika den ersten Tag auf der neuen, der »normalen« Schule. Die Lern- und Lebensgemeinschaft zuvor hatte sie »wie eine große Familie« erlebt, als Miteinander von Jüngeren und Älteren, die sich gegenseitig helfen. Kein Mobbing, völlig egal, wer welche Klamotten trägt. Nun habe sie staunend auf dem Schulhof gestanden. »Ich wusste nicht, was los war.« Überall kleine Gruppen, streng getrennt nach bevorzugten Modelabels. Statt Miteinander hieß hier die Wahl: mitmachen oder nicht dazugehören. Und noch etwas ist Annika aufgefallen: »Ich weiß noch alles, was ich in den ersten acht Jahren auf der Freien Schule gelernt habe, alles danach ist weg.« Sie hat dafür die Erklärung, dass an ihrer alten Schule eigentlich alles Lernen mit praxisbezogenen Projekten verknüpft war und nicht allein mit Pauken am Schreibtisch. An dieser Stelle lässt sich der Unterscheid im pädagogischen Konzept gut fassen. In der Freien Schule könne das Kind selbst steuern, wann es etwas machen und lernen will. »Das selbstbestimmte Lernen aus eigener Interessenlage heraus nehme ich auf und speichere ich ab, das ist nachhaltiges Lernen«, sagt Marco. Auch die Rolle des Lehrers sei mehr die eines Beraters und Begleiters statt eines Vorbeters und Bewerters. »Skandinavien ist uns einige Schritte voraus«, sagt er. Manchmal denke er, dass die Schulpläne 100 Jahre alt sind, nach dem Zweiten Weltkrieg noch einmal überarbeitet wurden, und das war’s dann. Ein bisschen wenig Bewegung – und das in jeder Beziehung. »Wir sind alle ein bisschen Freidenker«, beschreiben die Eltern das, was sie verbindet. Die Kraft frei zu denken und den Mut, etwas zu verändern, werten sie höher als gute Noten, sauber geführte Schulhefte und braves Verhalten. Das starre Reglement wirft seine Schatten voraus, greift bereits vor dem ersten Schultag. Vater Tobias kann nur den Kopf schütteln: »Es ist krass, was die alles fordern, das geht bis zur Farbe der Ordner.« Auch bestimmte Hefte und Stifte mussten vor der Einschulung gekauft werden. »200 Euro sind da nichts.« Dann doch lieber in die Freie Schule investieren, denn die würde – der Aufgabenkatalog der Schulbehörde für die Genehmigung wird derzeit abgear- Statt sich ans Stillsitzen gewöhnen zu müssen, sollen die Kinder in der Freien Schule Südheide ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben dürfen – so wie sie es vom Bauernhof-Kindergarten in Teichgut kennen (Bild oben). Tobias (links) und Marco sind zwei der Väter, die im Elternverein der Freien Schule Südheide für Schwung sorgen (Bild links). Erstklässlerin Ebba sehnt sich nach dem Bauernhof-Kindergarten zurück, wo sie nach Herzenslust spielen und herumtoben durfte. Sie würde gerne an eine Schule wechseln, die ihr mehr Freiheiten lässt. (Bild unten). Calluna 15

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