Sport in Hessen 04/2016

 

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Titelthema:Frauen im Sport

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Nr. 04 | 20. Februar 2016 | 70. Jahrgang Titelthema Frauen im Sport

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EDITORIAL Editorial Liebe Sportfreundinnen und Sportfreunde, am 8. März wird seit bald 100 Jahren der Weltfrauentag gefeiert. Für uns ein Anlass, um mit zwei wichtigen Frauen des organisierten Sports in Hessen zu sprechen: mit Beate Schmidt, der Vorsitzenden des Landesausschusses „Frauen im Sport“ und mit Anja Wolf-Blanke, der Präsidentin des Hessischen Leichtathletik-Verbandes. Beide sind sich einig, dass in den vergangenen Jahrzehnten viel erreicht wurde. Frauen können heute überall in Deutschland selbstbestimmt Sport treiben. In vielen Vereinen bilden die weiblichen Mitglieder die treibende Kraft und das Rückgrat der Vereinsorganisation. Die Mehrzahl der Übungsleiterlizenzen wird in der Zwischenzeit an Frauen vergeben. Doch je weiter man nach oben geht, umso geringer wird der Frauenanteil. So weist Beate Schmidt darauf hin, dass im Moment alle hessischen Sportkreise von einem Mann geführt werden. Um zu einer repräsentativeren Vertretung der Geschlechter auf allen Ebenen zu kommen, bietet der Landesausschuss „Frauen im Sport“ regelmäßig Seminare an. Auch an eine Neuauflage des Mentoren-Programmes ist gedacht. Wer sich kurzfristig engagieren möchte: Am 5. März findet die jährliche Frauenvollversammlung statt. An Frauen, die sich langjährig Verdienste für den organisierten Sport in Hessen erworben haben, wird jährlich der Lu-Röder-Preis vergeben. Seine Namenspatin war von 1973–1987 Mitglied des Präsidiums des Landessportbundes Hessen. Sie wird als Vordenkerin, Vormacherin und Vorkämpferin beschrieben. Wer solche Frauen kennt, hat noch bis zum 11. März 2016 Zeit. Dann endet die diesjährige Bewerbungsfrist. Viel Spaß bei der Lektüre Ihrer „Sport in Hessen“ wünscht Ihre Dr. Susanne Lapp SIH 04 / 20.02.2016

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THEMA DER SEITE Inhalt INHALT 1 4 Titelthema Frauen im Sport 12 Schule und Verein Ganztagsschulen – Sport ist wichtigster Partner 17 Hessische Handball Helden Vier Spieler hessischer Bundesligisten sind Handball-Europameister 34 Im Porträt Anette Jakob: Vom Turnen zum Rennrodeln 3 Sport und Politik Noch mindestens 36 Sporthallen mit Flüchtlingen belegt 11 Olympiastützpunkt Hessen Damit der Spagat gelingt: Kooperation mit der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz 14 Sportinfrastruktur Ohne Planung keine Sportentwicklung 20 Sportversicherung Wenn Freudenschüsse nach hinten losgehen 21 Aus der Praxis Der Übungsleiter 26 Sport und Geschichte Damit Vereine nicht „verschwinden“ 28 ODDSET Zukunftspreis Preisträger im Porträt: Teutonia Köppern 30 Sterne des Sports VfL Bad Wildungen räumt ab 36 Bildungsakademie Neue Kurse 37 Neue Bücher Lesenswertes rund um den Sport 38 Sportjugend Hessen Mit jungem Engagement zum ZI:EL+ Impressum Herausgeber: Landessportbund Hessen e. V. (lsb h); Otto-FleckSchneise 4, 60528 Frankfurt, Tel.: 069/6789 -0. Verantwortlich für den Inhalt: Dr. Susanne Lapp, Vizepräsidentin für Kommunikation und Marketing, Glauburgstraße 11, 60318 Frankfurt. Redaktion: Ralf Wächter (Leitung), Isabell Boger, Markus Wimmer, Otto-Fleck-Schneise 4, 60528 Frankfurt, Tel.: 069/6789-262, Fax: 069/6789-300. Verlag: Pressehaus Bintz-Verlag GmbH & Co. KG, Waldstraße 226, 63071 Offenbach. Druck und Vertrieb: Dierichs Druck + Media GmbH & Co. KG, Frankfurter Straße 168, 34121 Kassel. Abonnementverwaltung: Frankfurter Straße 168, 34121 Kassel, Tel.: 0561/60280-452, Fax: 0561/60280-499, E-Mail: abo-sih@dierichs-druck.de SIH 16 / 05.09.2015 Anzeigen Nord/Mitte: Claudia Brummert, Frankfurter Straße 168, 34121 Kassel, Tel.: 0561/60280-180, Fax: 0561/60280-199, E-Mail: brummert@ddm.de Anzeigen Süd: Regina Väth, Waldstraße 226, 63071 Offenbach, Tel.: 069/85008-373, Fax: -394, E-Mail: sih@op-online.de Sport in Hessen erscheint vierzehntägig zum Wochenende Bezugspreis: Jährlich Euro 51,11 einschl. Postgebühren und MwSt. Bestellungen für Vereine beim Landessportbund Hessen e. V., für Privatpersonen bei Dierichs Druck + Media GmbH & Co. KG. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung der Verfasser wieder. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Bilder wird keine Gewähr übernommen. Eine Rücksendepflicht besteht nicht. Titelfoto: Für viele Frauen ist der Weg steil und beschwerlich, wenn es um die Mitarbeit in sportlichen Führungsgremien geht. Wie sich dieser Weg aktuell darstellt, zeigt unser Titelbild zum Thema „Frauen im Sport“. Foto: fotolia www.landessportbund-hessen.de

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„Es beginnt in den Köpfen“ Beate Schmidt, Vorsitzende des lsb h-Landesausschusses „Frauen im Sport“ spricht im Interview über Männerstolz, eine Frauenquote und den Wunsch, mehr gehört zu werden OBEN Noch lange nicht am Ziel: Frauen müssen auch im Sport kämpfen, um Parität bei Führungspositionen zu erreichen. Montage: I. Boger Hessische Athletinnen wie Betty Heidler oder Gesa Krause erringen Spitzenleistungen, über 40 Prozent der Sportvereinsmitglieder sind weiblich und mehr als die Hälfte der Übungsleiterlizenzen, die der lsb h 2015 vergeben hat, ging an Frauen. Frau Schmidt, brauchen wir heute überhaupt noch einen Landesausschuss „Frauen im Sport“? Sie haben Recht: In den vergangenen Jahrzehnten hat sich schon einiges getan. Frauen können heute ganz selbstverständlich öffentlich Sport betreiben. Und Übungsleiterlizenzen werden in der Tat größtenteils an Frauen vergeben. Aber man muss genauer hinschauen: Unten, an der Basis, sind es vor allem die Frauen, die den Sport vorantreiben: Sie backen Kuchen, helfen in der Geschäftsstelle oder beim Training und machen häufig sogar eine Lizenz. Aber je weiter man nach oben geht, desto geringer wird der Frauenanteil. Landesoder Bundestrainer sind in der Mehrheit männlich. Auf der Funktionärsebene sind Frauen sogar deutlich unterrepräsen- tiert. Sind sie in einem Vorstand vertreten, dann häufig als Schriftführerin oder auf ähnlichen „frauentypischen“ Positionen. Diese gewachsene Rollenteilung muss aufgebrochen werden. Unsere Aufgabe als Ausschuss ist es, Frauen dabei zu unterstützen. Mit welchen Mitteln kann und soll das gelingen? Zuallererst muss sich in den Köpfen der Menschen etwas ändern. Bei den Frauen geht es darum, sich selbst mehr zuzutrauen. Das ist der Grund, warum wir Seminare in diesem Bereich anbieten. Darin geht es darum, das eigene Auftreten und Selbstbewusstsein zu stärken, zu lernen, wie man im Team zusammenarbeitet, wie man in einer Führungsposition kommuniziert oder einfach, wie man sich zeitlich organisiert. Frauen müssen heute häufig mehrere Aufgaben gleichzeitig übernehmen: Sie kümmern sich mehrheitlich um die Erziehung und den Haushalt, sind aber gleichzeitig berufstätig. UNTEN Beate Schmidt führt den „Landesausschuss Frauen im Sport“ als Vorsitzende an. Foto: Ute Hoyer SIH 04 / 20.02.2016

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TITELTHEMA FRAUEN IM SPORT Dann noch freie Zeit für ein Ehrenamt im Sport zu haben – Für viele junge Frauen klingt „Frauenausschuss“ ein biss- das ist eine Herkulesaufgabe. chen zu sehr nach Alice Schwarzer … Es geht also hauptsächlich um die Frauen? Nein. Den Männern muss man vor allem klar machen, dass man nicht gegen sie, sondern mit ihnen arbeiten will. Frauen und Männer haben unterschiedliche Stärken und Schwächen. Einem Verein oder Verband tut es gut, wenn beide Geschlechter vertreten sind. Häufig trauen Männer den Frauen aber nicht zu, dass sie sich durchsetzen können. Das liegt sicherlich auch daran, dass Frauen einen Verein anders führen als Männer. Aus meiner Erfahrung heraus würde ich sagen, dass Männer eher einen dominanten Stil pflegen, herrschaftlicher vielleicht. Frauen arbeiten mehr in die Breite: Sie kommunizieren mehr, arbeiten im Team zusammen. Diese Vorurteile sind durchaus vorhanden. Das liegt auch daran, dass wir uns in Hessen noch nicht in „Ausschuss für Gleichstellung“ oder etwas Ähnliches umbenannt haben. In anderen Landessportbünden, etwa Nordrhein-Westfalen, ist das längst der Fall. Dort werden auch Seminare für beide Geschlechter angeboten. Das könnte das Image auch bei uns verbessern. Wir denken also durchaus über solche Dinge nach. Auch über die Wirkung dessen, dass wir im Präsidium vom Präsidenten – der sich gerne als „erste Frau im Land“ bezeichnet – vertreten werden. Was würden Sie sich von einer direkten Vertretung im Präsidium versprechen? Ist also eine Frauenquote nötig? Der DOSB hat bereits 2014 beschlossen, dass in allen seinen Gremien Frauen und Männer zu jeweils mindestens 30 Prozent vertreten sein müssen. Diese Empfehlung gilt auch für alle untergeordneten Ebenen. Ich persönlich bin keine Freundin einer Quote, damit aber wohl in der Minderheit. Ich vergleiche die Quote immer mit einer Krücke. Die wird genutzt, so lange jemand krank ist, danach verschwindet sie wieder. Die Quote kann also helfen, die Krankheit des Systems – zu wenig Frauen – zu heilen. Sobald sich das geändert hat, sollte man sie wieder abschaffen. Das Grundproblem ist wohl: Keine Frau möchte mit dem Titel „Quotenfrau“ bedacht werden. Könnte die Quote manche Frauen also sogar abschrecken? Das ist natürlich möglich. Andererseits bietet die Quote eine Chance zu zeigen, was man kann. Dazu müssen etablierte Vorstands- oder Präsidiumsmitglieder aber so fair sein, dies auch zuzulassen. Wer neu in ein Amt kommt, braucht Unterstützung. Und ihm beziehungsweise ihr muss Verantwortung übertragen werden. Derzeit werden alle 23 hessischen Sportkreise und fast alle Sportverbände von Männern geführt. Sehen Sie in den folgenden Jahren hier eine Veränderung? Es wäre schön, wenn sich hier etwas tut. Aber meine Hoffnung ist begrenzt. Beim Hessischen Turnverband hat man gesehen, dass auch Frauen mit großem Fachwissen es nicht unbedingt leicht haben. Wenn verletzter Männerstolz dazu kommt, wird es schwierig. Ich denke, es kommt immer noch vor, dass Männer mit Frauen nicht zusammenarbeiten, sie nicht mit den nötigen Informationen versorgen. Es gibt aber auch andere Beispiele: Ich selbst war jahrelang im Judoverband aktiv und hatte keine Probleme, obwohl die Sportart männerbestimmt ist. Ein tolles Beispiel ist für mich auch der Hessische Leichtathletik-Verband mit Anja WolfBlanke an der Spitze und zahlreichen anderen weiblichen Präsidiumsmitgliedern. Vor allem mehr Gehör. Der Rest des Präsidiums wäre dann besser informiert, was wir tun, welche Ziele und Wünsche wir haben. Das würde die Kommunikation verbessern und sicher auch die Lage der Frauen im hessischen Sport allgemein. Am 5. März findet die Frauenvollversammlung statt. Welche Ziele wollen Sie sich für die nächsten Jahre setzen? Das wird leider erst in unserer nächsten Sitzung nächste Woche konkretisiert und festgelegt, wir hatten ja erst Ende Dezember unsere konstituierende Sitzung. Wir als Aus- schuss würden gerne unser Mentoring-Programm neu auflegen. Die erste Runde ist für uns erfolgreich verlaufen, Frauen im Sport etwa haben wir dadurch Tonja Bröder für unsere Ausschussarbeit gewonnen. Bei einer zweiten Auflage gab es nicht genü- gend Bewerberinnen. Wir werden uns also mit der Frage beschäftigen, wie wir dieses Programm interessanter gestalten können. Ziel ist es, junge Frauen an die Hand zu nehmen und sie auf die Arbeit im Verein oder Verband vorzubereiten. Jeder Teilnehmerin steht dafür eine erfahrene Frau zur Seite. Derzeit dreht sich alles um die Integration von Flüchtlingen – auch im Sport. Kann der LA-FiS auch in diesem Bereich eine wichtige Rolle spielen? Das ist definitiv ein wichtiges Thema. Dabei gibt es zwei Seiten. Die negative Komponente ist, dass sich viele Frauen vor geflüchteten jungen Männern fürchten. Hier könnten wir uns vorstellen, mit Selbstverteidigungskursen Sicherheit zu schaffen. Auf der anderen Seite sind unter den Flüchtlingen auch viele Frauen. Sie zu integrieren, sehen wir aber eher als Aufgabe des gesamten Landessportbundes an. Grundsätzlich ist hier wohl das größte Problem, die Frauen überhaupt zu erreichen. Das ist in ländlichen Gegenden sicherlich einfacher als in großen Städten. Klarmachen müssen wir uns aber, dass diese Frauen aus anderen Kulturkreisen kommen. Natürlich sollen und werden sie sich gewissermaßen anpassen. Aber wir müssen auch verstehen, dass viele Frauen nur dann Sport treiben werden, wenn ihre Männer zustimmen. Man sieht also auch hier: Frauenarbeit hat immer mit beiden Geschlechtern zu tun. Isabell Boger SIH 04 / 20.02.2016 5

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6 TITELTHEMA FRAUEN IM SPORT „Man muss die Frauen nur fragen“ Anja Wolf-Blanke ist die Präsidentin des Hessischen Leichtathletik-Verbandes und damit eine Ausnahme / Ein Porträt Anja Wolf-Blanke ist sofort bereit, mit der „Sport in Hessen“ über das Thema „Frauen im Sport“ zu sprechen. Sie kann viel dazu sagen. Aus eigener Erfahrung und aus eigener Beobachtung. Sie weiß, wie es sich anfühlt, die einzige Frau unter Männern zu sein. Die Frau, die als Erste ein Amt übernimmt. Die Frau, die dafür zahlreiche Preise bekommt. Wer sich mit Wolf-Blanke unterhält, versteht eines aber ganz schnell: Am liebsten wäre ihr, wenn sie nicht über dieses Thema sprechen müsste. Wenn es nicht mehr nötig wäre, Sätze zu sagen wie: „Frauen können das genauso gut wie Männer“, „Man sollte Frauen wählen, w e i l sie gut sind, nicht weil sie Frauen sind“ oder „Auch Frauen brauchen jemanden, der ihnen den Rücken freihält“. Frauen im Sport Anja Wolf-Blanke ist das beste Beispiel dafür, dass Frauen im Sport nicht nur im aktiven Be- reich, sondern auch auf Funkti- onärsebene erfolgreich sein kön- nen: 1991 wurde die ehemalige Hochspringerin als Pressewartin in das Präsidium des Hessischen Leichtath- letik-Verbandes gewählt. 2004 übernahm sie zusätzlich das Amt der Vizepräsidentin. Seit 2007 ist Anja Wolf-Blanke Prä- sidentin des Verbandes, seit 2011 auch Vizepräsidentin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Sieg in der Kampfabstimmung letin, trat sie in einer Kampfabstimmung gegen den vom Präsidium vorgeschlagenen Kandidaten an. „Ich hätte das nicht gemacht, wenn ich mir keine Chancen ausgerechnet hätte“, sagt sie im Rückblick. „aber Gewissheit hat man nie.“ Sie hat es gewagt – und gewonnen. „Was ich in meiner Vorstellung gesagt habe, hat die Versammlung wohl überzeugt.“ Die Versammlung schon – den vorherigen Pressewart noch lange nicht. „Ich musste mir Respekt erarbeiten, das war nicht einfach“, sagt die heutige Präsidentin. Ob dieses Misstrauen mit ihrem Geschlecht zusammenhing, mit dem Alter oder anderen Faktoren – „so genau kann man das nicht sagen“. Doch Wolf-Blanke tat das, was sie jeder Frau rät: Sie machte ihr Ding, gab ihr Bestes, zeigte allen, dass sie es kann. Es dauerte zwei Jahre, dann sagte sogar ihr Vorgänger: „Sie machen das richtig gut.“ Die Leistung, nicht das Geschlecht zählt Frauen, sagt Wolf-Blanke, können das Gleiche leisten wie Männer. Da draußen, in Hessen, in Deutschland, gebe es Tausende Frauen, die bereit und in der Lage wären, ein Funktionärsamt im Sport zu übernehmen. „Manchen von ihnen fehlt sicher der Mut. Vor allem aber wollen Frauen auch gefragt werden.“ Wolf-Blanke hat genau das getan, als sie 2007 Präsidentin des Hessischen Leichtathletik-Verbandes wurde: Sie hat geeignete Frauen direkt angesprochen – etwa die heutige FFH-Moderatorin Julia Nestle – und so für Parität im Präsidium gesorgt. Der Weg dorthin war nicht einfach. Wolf-Blanke gibt das zu, ohne es nach Jammern klingen zu lassen. 1991, Wolf-Blanke war gerade mal 34 Jahre alt, groß, schlank, erfolgreiche Ath- Eines ist ihr dabei wichtig: „Ich spreche jemanden an, weil er gut ist. Nicht weil er ein bestimmtes Geschlecht hat.“ Für OBEN Strahlende Gewinnerin des Lu-Röder-Preises 2011: Anja Wolf-Blanke mit lsb h-Geschäftsführer Ralf Koch. Foto: lsb h SIH 04 / 20.02.2016

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8 Wolf-Blanke geht es deshalb in Ordnung, dass jetzt, in ihrer dritten Amtszeit, wieder die Männer eine leichte Übermacht im Präsidium darstellen. Diese Suche nach den Besten erklärt für die Leichtathletik-Präsidentin aber nicht, warum keiner der 23 hessischen Sportkreise und nur fünf der 54 hessischen Sportverbände von einer Frau geführt werden. Es müsse ein Umdenken einsetzen, sagt Wolf-Blanke: „Männer müssen daran denken, auch Frauen zu fragen und ihnen etwas zuzutrauen.“ In dieser Hinsicht sei die Gesellschaft schon viele Schritte vorangekommen, doch es seien auch viele, die noch folgen müssen. Eine spezielle Frauenförderung, gar eine Frauenquote, hält die HLV-Präsidentin aber nicht für nötig. Die Position der „Frauenwartin“ etwa hat sie schon Anfang der 90er Jahre abgeschafft. „Bei aller Liebe“, sagt Wolf-Blanke, „wofür soll man die noch brauchen? Dafür dass sie sich vor die Tür der Mädchenumkleide stellt und aufpasst, dass keine Burschen reinlaufen?“ Es ist ein Zitat eines alten, männlichen HLV-Mitglieds, das sie hier bemüht. Hilfe anbieten und Danke sagen Anja Wolf-Blanke ist wichtig, dass alle gleich behandelt werden. Jeden, ob Frau oder Mann, der neu in ein Amt komme, müsse man unterstützen, ihm oder ihr Hilfe anbieten. Und, ganz wichtig: „Man muss Danke sagen – auch vor versammelter Mannschaft. Im Sport arbeiten wir alle ehrenamtlich. Jeder kann jederzeit sagen: Ich will nicht mehr.“ Lob und Anerkennung vermitteln, glaubt Wolf-Blanke, können Frauen oft besser als Männer. Sie selbst, sagt Anja Wolf-Blanke, habe schon viel Anerkennung erhalten – zumindest in Form von Preisen. 2011 wurde sie beispielsweise mit dem Lu-Röder-Preis ausgezeichnet, den der Landesausschuss „Frauen im Sport“ des Landessportbundes Hessen jedes Jahr vergibt (siehe auch nächste Seite). In ihrer Dankesrede sagte Wolf-Blanke einen beeindruckenden Satz: „Ich habe einen Traum. Den Traum, dass es Preise wie diesen irgendwann nicht mehr geben muss.“ Der Satz passt zu ihr, zu ihrer Haltung, die so pro Gleichberechtigung und so wenig feministisch ist. Die HLV-Präsidentin ist nicht der Meinung, dass Frauen alles alleine schaffen müssen. Für sie zählt die Gemeinschaft, dass beide Geschlechter für ein gemeinsames Ziel kämpfen. Und so verwundert es nicht, dass sie zum Ende des Gespräches eine Szene schildert, die wohl jeder kennt und die deutlich macht, wo sich noch etwas ändern muss: „Bei jeder Preisvergabe steht vorne der Laudator. Er überreicht dem geehrten Mann eine Auszeichnung und dessen Frau Blumen, weil sie ihm den Rücken freihält.“ Wolf-Blanke macht eine kurze Pause, dann sagt sie nüchtern: „Bis heute hat mein Mann keine Blumen bekommen.“ Jede Frau, die ein solches Ehrenamt wie sie ausübe und Familie habe, brauche aber einen Mann, der sie unterstütze. Ihr Mann habe das immer getan, sagt die HLV-Präsidentin. Es sind kleine Geschichten wie diese, die zeigen, wo sich noch etwas ändern muss. Im Rollenbild der Männer. Und ein bisschen auch im Selbstverständnis der Frauen. Isabell Boger TITELTHEMA FRAUEN IM SPORT Kämpferin für Frauen im Sport Preis erinnert an Lu Röder, die von 1973-1987 dem lsb h-Präsidium angehörte Lu Röder war eine Vordenkerin, eine Vorkämpferin, eine Vormacherin. Als sie 1973 ins Präsidium des Landessportbundes Hessen einzog, war das nicht nur ungewöhnlich. Es war auch ein großer Glücksfall für die Frauen im Hessischen Sport. 14 Jahre lang, bis zu ihrem Ausscheiden 1987 kämpfte sie dafür, dass Frauen nicht nur selbstbestimmt Sport treiben konnten, sondern sich auch in Führungspositionen engagierten. „Seither hat sich viel geändert“, sagt Beate Schmidt, Vorsitzende des Landesausschusses „Frauen im Sport“ und damit quasi eine Nachfolgerin Lu Röders. „Junge Frauen sind heute viel selbstbewusster und unabhängiger als früher.“ Den gleichen Stand wie Männer hätten sie aber noch lange nicht. Sie und ihr Ausschuss setzen die Arbeit Röders deshalb fort: Sie sorgen für Qualifizierungsmaßnahmen, die Frauen befähigen und vor allem ermutigen, ihre Interessen besser durchzusetzen. Mit dem Lu-Röder-Preis, der 1988 erstmals vergeben wurde, will der Ausschuss – ganz im Sinne der Namensgeberin – die Arbeit rühriger Frauen im Sport würdigen. Er will honorieren, was Frauen heute leisten, und Anreiz geben, nicht aufzuhören, sich auch in schwierigen Situationen nicht unterkriegen zu lassen. „Einsatz von Frauen für Frauen“, lautet die Devise – und passende Bewerberinnen gibt es genügend. Rund 25 waren es im vergangenen Jahr. Da falle es nicht leicht, eine oder zwei Preisträgerinnen auszusuchen, sagt Schmidt und klingt besorgt: „Schließlich bedeutet das, dass wir einige Frauen, die auch Überragendes leisten, enttäu- schen müssen.“ Prinzipiell freut sich die Ausschuss-Vorsit- zende aber über die vielen Vorschläge. „Wir haben darüber tolle Frauen mit tollen Projekten kennengelernt.“ Wer solche Damen kennt, hat noch bis zum 11. März Zeit, sie vorzuschla- gen. Dann endet der Bewerbungsschluss. ib SIH 04 / 20.02.2016

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12 A K T U E L L E S Sport ist der größte Partner der Ganztagsschulen Sportkreise und Präsidium des Landessportbundes Hessen diskutierten mit Kultusminister Prof. Dr. Alexander Lorz zum Thema „Schule und Sport“ Die Botschaft war nicht nur eindeutig, sie kam zudem noch aus berufenem Munde: Bei der Angebotsgestaltung an Ganztagsschulen ab 14.30 Uhr ist der organisierte Sport der größte Partner. Und: 90 Prozent der Schüler, die nachmittägliche Sportangebote wahrnehmen, sind mit den Angeboten der Sportvereine überaus zufrieden. Das teilte Hessens Kultusminister Professor Dr. Alexander Lorz jetzt in Frankfurt mit. Genauer gesagt in der Sportschule des Landessportbundes Hessen. Hier waren Vertreter der Sportkreise und des Präsidiums des Landessportbundes zusammengekommen, um das Thema „Schule und Sport“ in seinen unterschiedlichen Ausprägungsmerkmalen mit dem Minister zu erörtern. Der Grund liegt auf der Hand. In Hessen gibt es derzeit 1.000 Ganztagsschulen, Tendenz: Steigend. Hessens Sportvereine, siehe oben, spielen im Programmangebot der Schulen nachmittags eine überaus wichtige Rolle. Ist-Zustand und Perspektiven Aber: Wie effizient funktioniert die Verzahnung zwischen Schule und Sport? Wie ist es um das Landesprogramm „Schule und Verein“ bestellt? Und wie stellen sich die Perspektiven des originären Schulsports dar?, lauteten auszugsweise die Fragen der Agenda. Vorab: Der Minister, und das wurde positiv aufgenommen, ist sich über den Stellenwert des Sports im Kontext mit Schulunterricht und Schulangeboten durchaus im Klaren. Die Zusammenarbeit werde zunehmend wichtiger, lobte er das, was bislang seitens des Sports schon geleistet wird. Erfreulich: 35 Prozent der in Geld umgewandelten Lehrerstellen fließen an Hessens Ganztagsschulen in die Kooperation mit Vereinen. Zudem seien weitere sechs Millionen Euro für die „Arbeit im Ganztag“ genehmigt worden, so Lorz. Gute Aussichten für das wichtige Mitwirken der Sportvereine an Ganztagsschulen also? Der Blick auf die Finanzierung des Landesprogramms „Schule und Verein“ stimmt jedenfalls hoffnungsfroh. 1992 ins Leben gerufen, zog eine Novellierung 2012 hier eine spürbare Reduzierung von Mitteln nach sich. Das könnte sich – in einem gewissen Rahmen – aber ändern. Derzeit wird die Effizienz und die Schülerzufriedenheit des Landesprogramms ausgewertet. Erste Ergebnisse belegen, dass sowohl die Schulen als auch die Sportvereine mit dem Programm nach der Novellierung gut umgehen. Ganz wichtig: Fast alle Schüler sind mit den Angeboten des organisierten Sports überaus zufrieden. Für Kultusminister Professor Dr. Alexander Lorz vor den Sportvertretern in Frankfurt Anlass genug, vorsichtig optimistisch in die Zukunft zu blicken. Sollte die Gesamtauswer- OBEN Thema „Schule und Sport“ diskutiert: lsb h-Vizepräsident Prof. Dr. Heinz Zielinski, Ulrich Manthei, Beirat der Sportkreise, Kultusminister Prof. Dr. Alexander Lorz sowie lsb h-Präsident Dr. Rolf Müller (v.l.) Foto: Hikmet Temizer SIH 04 / 20.02.2016

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AKTUELLES 13 tung der Zusammenarbeit die bereits erkennbaren, positiven Ausprägungen bestätigen, will sich Minister Lorz für eine Erhöhung der Mittel für das Landesprogramm einsetzen. Eine Perspektive, die auch und gerade für die Sportvereine wichtig ist. Wenngleich vieles im Sportverein ehrenamtlich geleistet wird, so entstehen doch auch hier Kosten. Aufwandsentschädigungen für Übungsleiterinnen und Übungsleiter gehören dazu. Einen wichtigen Stellenwert nimmt auch das Pilotprojekt „Pakt für den Nachmittag“ ein, bei dem der organisierte Sport seine Beteiligung angemahnt hat. Engere Kooperation Eine wichtige Rolle innerhalb der Kooperation zwischen Schulen und Sportvereinen spielen die Schulsportkoordinatoren. Sportkreise und Staatliche Schulämter, so die Absicht, wollen perspektivisch über die Schlüsselstellen der Schulsportkoordinatoren noch enger als bislang zusammenarbeiten. Aus Sicht des Sports ist hierbei eine Aufstockung des Stundenkontingents der Schulsportkoordinatoren wichtig. Das ist faktisch zwar geschehen. Da die Koordinatoren an den Staatlichen Schulämtern in Personalunion aber gleichzeitig die Fachberatung übernehmen, fehlen im Ergebnis Stunden. Ein Umstand, der erst nach den Neuregelungen transparent wurde. Minister Lorz sichert jedenfalls zu, die Rücknahme der Kürzungen zu prüfen. Nachgedacht werden muss aus Sicht des Ministers auch über die Ausbildungsgänge der Lehramtsstudenten im Bereich Sport an Hessens Universitäten. Solle die Qualität des Sportunterrichts nicht nur gesichert, sondern idealerweise gesteigert werden, bedürfe es einer Synchronisierung und Optimierung der Sportlehrerausbildung. Die Rahmenvereinbarung zwischen dem Hessischen Kultusministerium, dem Hessischen Ministerium des Innern und für Sport, dem Landessportbund Hessen e.V. und der Sportjugend Hessen über die Zusammenarbeit von Schulen und Sportorganisationen in der Ganztagsbetreuung von Schülerinnen und Schülern ist abgestimmt und steht zur Unterschrift an. Sport wichtig für Integration Eine hohe Bedeutung, das wurde in Frankfurt deutlich, misst Lorz dem Sport auch im Rahmen der Integration von Flüchtlingen bei. Zwar liege an den Schulen hier die Priorität zunächst klar auf dem Erlernen der Sprache. Für die Integration seien aber weniger sprachlastige Kurse, und dazu gehört auf jeden Fall der Sport, wichtig. Am Ende des Austauschs zogen in Frankfurt alle Beteiligten ein positives Fazit. Die Vertreter der Sportkreise haben ihre Sorgen und Begehren platzieren können, die bei Minister Lorz auf offene Ohren gestoßen sind. Dabei sind Fragen des Leistungssports bewusst ausgeklammert worden. Das Thema „Schule und Sport“ wird in Zukunft noch intensiver angegan- SIH 04 / 20.02.2016 gen werden müssen. Die Sportkreise werden die weitere Entwicklung, zu der auch die Situation in den Schulsporthallen gehört, sehr aufmerksam verfolgen. Die Vereinbarung, sich künftig regelmäßig einmal im Jahr zu treffen, ist ein weiteres erfreuliches Ergebnis des Treffens. Fit für die Medien der Zukunft Kommunikationsbeirat beschäftigt sich mit neuen Formen des Informationstransfers Facebook, Blogs, YouTube, Twitter — zu keiner Zeit seit Erfindung des Buchdrucks hat sich die Kommunikation derart grundlegend gewandelt, wie das heute der Fall ist. Anlass genug für den Kommunikationsbeirat des Landessportbundes Hessen, aktuelle Kommunikationsformen und -strukturen zu analysieren und Strategien für den Transport der Marke Landessportbund und deren Inhalte zu entwickeln. Der Kommunikationsbeirat, soviel zum Hintergrund, wurde vor drei Jahren ins Leben gerufen. Er wird von der lsb h-Vizepräsidentin Kommunikation und Marketing, Dr. Susanne Lapp, geleitet. Mitglieder sind ehemalige und aktive Journalisten aus den Bereichen TV, Hörfunk und Printmedien sowie Experten aus dem Bereich neue Medien. Die neuen Medien, das wurde auf der Tagung deutlich, werden immer mehr zum Mittel der Wahl, wenn es um Informationsbeschaffung geht. Internet statt Fernsehen, Blogs, Kurznachrichtendienste und soziale Medien statt Hörfunk und Zeitungen – der Trend ist erkennbar. Sich auf diesen Trend einzustellen, die neuen Medien strategisch und zielgruppenorientiert zu bedienen, wird in der laufenden Legislaturperiode eine der wesentlichen Aufgabe des Bereichs Kommunikation und Marketing sein. Dass der Blick dabei auch weiter auf die Ver- bandszeitschrift „Sport in Hessen“ gerichtet bleibt, versteht sich von selbst. Die soll, nach dem gelungenen Relaunch im Herbst 2015, mit weiteren praxisorientierten und sportpoliti- schen Themen ausgebaut werden. RW Internet: Der Landessportbund im Internet: www.landessportbundhessen.de Aktuelle Informationen zum Landessportbund bei Facebook unter www. facebook.com/lsbh.de

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14 S P O R T I N F R A S T R U K T U R Ohne Planung keine Sportentwicklung Warum eine bewegungsfreundliche Sportinfrastruktur sowohl für größere Städte als auch für kleinere Kommunen immer wichtiger wird Sportvereine Die Kommunen und deren Sportvereine stehen – aus unterschiedlichen Gründen – vor großen Herausforderungen im Bereich Sport und Bewegung. Dabei ist klar, dass das Handlungsfeld „Sport und Bewegung“ durchaus als ein wichtiger Standortfaktor gesehen werden kann. Denn zur Steigerung der Attraktivität von Kommunen gehört heutzutage eine bewegungsfreundliche Infrastruktur sowie ein breitgefächertes Angebot an Freizeit-, Fitness- und Sportmöglichkeiten für alle Altersgruppen. Insbesondere für junge Familien ist dies ein Kriterium für die Wahl ihres Wohnortes als Lebensmittelpunkt. Auch der organisierte Sport muss Antworten auf die veränderten Rahmenbedingungen finden. Denn weniger Kinder und Jugendliche bedeuten weniger Wettkampfmannschaften und erfordern zunehmend eine Kooperationsbereitschaft zwischen den Sportvereinen. Weiterhin werden die Veränderungen in den Bildungssystemen und der Ausbau der Ganztagsschule massive Auswirkungen auf die Kinder- und Jugendarbeit der Sportvereine nach sich ziehen. Und letztlich sind Sportvereine durch die steigende Sportnachfrage der Älteren sowie durch den Trend eines unorganisierten, privat betriebenen Sporttreibens gefordert. Deshalb stellt sich die kommunalpolitisch wichtige Frage, wie eine gesunde, familiengerechte und bewegungsfreundliche Kommune zu erreichen ist. Die Antwort ist eine kommunale Sportentwicklungsplanung, die sowohl die lokalspezifischen Bedingungen berücksichtigt als auch die örtlichen Sportakteure (z.B. Sportvereine, Kindertagesstätten, Schulen) weiterentwickelt und vernetzt. Effizientes Steuerungsinstrument Eine kommunale Sportentwicklungsplanung stellt ein effektives Steuerungsinstrument dar, um eine Kommune zukunfts- und bedarfsgerecht im Sport aufzustellen. Aufgrund der Wechselbeziehungen zwischen Sporträumen, Sportinhalten und Organisationsformen des Sports muss eine moderne Sportentwicklungsplanung die Angebotsstrukturen, die räumliche Infrastruktur und die Organisationsstrukturen des kommunalen Sports in den Fokus nehmen. Hinsichtlich der Sport- und Bewegungsräume werden beispielsweise heute nicht nur die klassischen Sportstätten untersucht, sondern auch die Schulpausenhöfe bis hin zu den öffentlichen Grün- und Erholungsflächen. Dabei kann eine kommunale Sportentwicklungsplanung ganz unterschiedliche Themen beinhalten und muss auf die Größe Stadtverband für Sport Sportverwaltung Andere Ämter der Gemeindeverwaltung, z.B. Gemeindeentwicklung, Kultur/ Tourismus etc. Schule, Kindergärten, VHS und die Problemlagen der jeweiligen Kommune zugeschnitten werden. Voraussetzung ist die Erhebung objektiver Daten zu Beginn der Sportentwicklungsplanung in der ersten Projektphase. In der zweiten Projektphase werden konkrete Handlungsempfehlungen für eine nachhaltige Entwicklung von Sport und Bewegung in einer Kommune erarbeitet. Dies erfolgt heutzutage unter Beteiligung von Nutzer-, Ziel- und Interessensgruppen. Unter Berücksichtigung der eruierten Daten, wissenschaftlicher Erkenntnisse und dem Erfahrungswissen der lokalen Akteure hat eine heterogen besetzte, lokale Planungsgruppe die verantwortungsvolle Aufgabe, einen Sportentwicklungsplan zu erarbeiten. Dieses Verfahren der kooperativen Sportentwicklungsplanung ist in Deutschland fest etabliert. Auch in Hessen haben bereits etliche Kommunen unterschiedlicher Größen diesen Prozess erfolgreich beschritten, so dass einschlägige Erfahrungen vorliegen. Eine Auflistung ist über den Landessportbund Hessen zu erhalten. Kommunale Veränderungs- und Modernisierungsprozesse bedingen Mut und die Überzeugung, dass mit der Erarbeitung eines Sportentwicklungsplans eine Verbesserung erreicht wird – zumindest dahingehend, dass die finanziellen Aufwendungen der Kommune nachhaltig und zielkonform eingesetzt werden. IKPS Bürgermeister Kommunalpolitik Jugendarbeit, Behinderten- und Ausländervertretung etc. OBEN So könnte eine Planungsgruppe zur Sportentwicklung zusammengesetzt sein. Grafik: IKPS SIH 04 / 20.02.2016

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26 S P O R T U N D G E S C H I C H T E Damit Vereine nicht „verschwinden“ Arbeitskreis „Sport und Geschichte“ empfiehlt: Festschriften unbedingt an zuständige Bibliotheken senden Amateurhistoriker, die sich mit lokaler Sportgeschichte beschäftigen, stellen immer wieder fest, dass selbst einstmals angesehene Sportvereine heute verschwunden sind. Auch eine Suche in öffentlichen Archiven bleibt in solchen Fällen häufig erfolglos, weil diese Vereine es versäumt haben, „Spuren“ zu hinterlassen, welche nachträgliche Rückschlüsse auf ihre Aktivitäten erlauben. Der Arbeitskreis „Sport und Geschichte“ empfiehlt deshalb allen Vereinen, rechtzeitig dafür zu sorgen, dass wenigstens ein Minimum an Informationen auf Dauer aufbewahrt wird. Unter diesem Aspekt ist es auch erfreulich, dass Vereine ihre Jubiläen in der Regel immer noch dazu nutzen, über ihre Geschichte Rechenschaft abzulegen. Zumindest in Festveranstaltungen wird dann häufig auf die Geschehnisse in der Vergangenheit Bezug genommen. Noch wertvoller aber ist es, wenn sich die Verantwortlichen dafür entscheiden, eine eigene Jubiläumsschrift herauszugeben, in der die Vereinsgeschichte ausführlich dargestellt wird. Solche Festschriften sind nämlich eine wichtige Quelle für die regionale Sportgeschichte. Allerdings muss dann außerdem noch die Voraussetzung erfüllt sein, dass Festschriften an öffentliche Bibliotheken abgegeben und damit prinzipiell auch von allen Interessierten als Informationsquelle genutzt werden können. auch dieser Bibliothek überlassen werden (Zentralbibliothek der Sportwissenschaften der Deutschen Sporthochschule Köln, Am Sportpark Müngersdorf 6, 50933 Köln). Einsendung an Nationalbibliothek ist ein „Muss“ In diesem Zusammenhang ist zunächst auf die Deutsche Nationalbibliothek hinzuweisen, von der sämtliche in Deutschland erscheinenden Publikationen gesammelt werden. Es gibt sogar die gesetzlich festgelegte Verpflichtung, zwei Exemplare jeder neuen Publikation unaufgefordert an die Deutsche Nationalbibliothek in Frankfurt a. M. (Adickesallee 1, 60322 Frankfurt am Main) abzuliefern. Auch weil die Deutsche Nationalbibliothek eine Präsenzbibliothek ist, die Bücher nicht ausleiht, macht es Sinn, neu erscheinende Festschriften außerdem an eine hessische Bibliothek abzugeben. Die entsprechende hessische Verordnung schreibt sogar genau vor, an welche Bibliothek ein „mangelfreies Stück“ abgeliefert werden soll. Maßgebend ist dabei immer der jeweilige „Verlagsort“. Weitere Einzelheiten dazu ergeben sich aus der auf der nächsten Seite abgedruckten Übersicht. Eine umfassende Sammlung von Fest- und Jubiläumsschriften deutscher Sportvereine hat die Zentralbibliothek der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule in Köln aufgebaut. Deshalb sollte ein Exemplar jeder Festschrift Darüber hinaus empfiehlt es sich, Exemplare einer Festschrift den lokalen Bibliotheken und Archiven zur Verfügung zu stellen, weil ja mit einem regionalen Interesse an derartigen Veröffentlichungen zu rechnen ist. Die Anschriften dieser Bibliotheken und Archive können im Hessischen Bibliotheksund Informationssystem (www.hebis.de) oder aber im Hessischen Archivinformationssystem „Arcinsys“ (www.arcinsys. de) ermittelt werden. Der Nachwelt die Spurensuche erleichtern Fest- und Jubiläumsschriften oder Chroniken sind außerdem für die jeweils zuständigen Heimat- und Geschichtsvereine von Interesse, deren Adressen meistens in der Region bekannt sind. Angaben zu diesen Vereinen finden sich aber auch unter „www.aghessen.de/vereine“ (Archäologische Gesellschaft Hessen) oder „www.vhghessen.de“ (Verein für hessische Geschichte und Landeskunde). Im Übrigen gelten alle diese Empfehlungen auch für andere vergleichbare Publikationen von Sportvereinen. Dazu gehören beispielsweise Chroniken einzelner Abteilungen, ausführliche Jahresberichte und Schriften aus Anlass der Fertigstellung oder Erweiterung von Sportstätten. Denn hier sollte OBEN Mit der Herausgabe einer Festschrift schaffen Vereine eine bleibende Erinnerung. Foto: Ralf Wächter SIH 04 / 20.02.2016

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AKTUELLES ebenfalls der Grundsatz gelten, eine spätere „Spurensuche“ möglichst zu erleichtern, damit interessierte Lokalhistoriker auch im Jahr 2116 ohne Probleme über das Sportgeschehen vor 100 Jahren berichten können. Turnverband prämiert Festschriften Zum Abschluss noch ein Hinweis: Der Hessische Turnverband (HTV) bedenkt jährlich die besten Festschriften hessischer Turnvereine mit einem Geldpreis. Für diese Vereine empfiehlt es sich daher, ein Exemplar ihrer Festschrift zusätzlich dem HTV (Hessischer Turnverband, Otto-Fleck-Schneise 8, 60528 Frankfurt) zuzuleiten. Peter Schermer Bibliotheken nicht vergessen! Belegexemplare von Festschriften müssen immer an die zuständigen Archive geschickt werden Was viele Vereine nicht wissen: Zwei Exemplare jeder neuen Publikation müssen unaufgefordert an die Deutsche Nationalbibliothek in Frankfurt am Main (Adickesallee 1, 60322 Frankfurt am Main) gesandt werden. Wer darüber hinaus noch weitere Bibliotheken beliefert, sichert die Vereinsgeschichte für die Nachwelt. Frankfurt am Main Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg (Bockenheimer Landstraße 134 – 138, 60325 Frankfurt) Fulda Hochschul- und Landesbibliothek Fulda (Marquardstraße 35, 36039 Fulda) Regierungsbezirk Kassel (ohne Fulda) Universitätsbibliothek, Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (Brüder-Grimm-Platz 4 a, 34117 Kassel) Landkreis Marburg-Biedenkopf Universitätsbibliothek, Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (Brüder-Grimm-Platz 4 a, 34117 Kassel) Stadt Wiesbaden Hochschul- und Landesbibliothek RheinMain – Landesbibliothek Wiesbaden (Rheinstraße 55 – 57, 65185 Wiesbaden) Alle anderen Städte und Landkreise Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt (Magdalenenstraße 8, 64289 Darmstadt) 27 Huber weiter Vorsitzender Der Beirat der Verbände im Landessportbund Hessen e. V., die Vertretung der 54 Landesfachverbände im Landessportbund, hat den AFV H-Präsidenten Robert Huber (46 Jahre, Rechtsanwalt, Obertshausen) einstimmig als seinen Vorsitzenden bestätigt. Huber geht damit in seine dritte Amtsperiode. Als stellvertretende Vorsitzende wurden ebenfalls einstimmig gewählt: Dr. Norbert Englisch, Präsident des Hessischen Tischtennis-Verbandes, Dr. Werner Freitag, Präsident des Hessischen SchwimmVerbandes, Hans-Heinrich von Schönfels, Präsident des Hessischen Schützenverbandes und Anja WolfBlanke, Präsidentin des Hessischen LeichtathletikVerbandes. Für Englisch und Freitag ist es ebenfalls die dritte Amtsperiode, für Anja Wolf-Blanke und Hans-Heinrich von Schönfels die zweite. Robert Huber gehört seit 1994 dem Präsidium des American Football Verbandes Hessen an, seit 1996 als Präsident. Von 1994 bis 2010 arbeitete er im Landesausschuss Recht, Steuern und Versicherungen des Landessportbundes mit. 1997 erfolgte die Wahl in die Sprechergruppe des Beirates der Verbände, damals noch unter der Bezeichnung „Ständige Konferenz der Fachverbände“, 2010 dann die Wahl zum Vorsitzenden. Für seine Verdienste um den hessischen Sport wurde er 2012 mit der Ehrennadel des lsb h in Silber ausgezeichnet. Weitere Personalentscheidungen Vertreter Verbände im Landesausschuss Leistungssport: Karl-Peter Befort (Tanzen/nicht olympischer Sport), Dr. Norbert Englisch (Tischtennis), Dr. Werner Freitag (Schwimmen), Volkmar Hauf (Volleyball), Dietmar Langusch (Rudern/ Landestrainer), Klaus Seeger (Schützen), Dr. Werner Weigelt (Ski/Wintersport), Anja Wolf-Blanke (Leichtathletik). Vertreter Verbände im Vorstand Bildungsakade- mie: Rolf-Dieter Beinhoff (Turnen), Vertreter Ver- bände im Beirat der lsb h-Fördergesellschaft: Mi- chael Rüspeler (Basketball) PM OBEN Robert Huber wurde einstimmig als Vorsitzender des Beirats der Verbände im Landessportbund Hessen bestätigt. Foto: Ralf Wächter ` Trainingsgeräte ` Praxisausstattungen ` Isokinetische Systeme ` Beratung Praxiseinrichtungen Fon: 02551 . 99 63 99 Fax: 02551 . 99 63 98 info@physiobuy.de An- und Verkauf NEU & GEBRAUCHT www.physiobuy.de SIH 04 / 20.02.2016

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Das Glück in den Gesichtern zeugt vom Erfolg der Idee Im „Team United“ des Fußballvereins Teutonia Köppern spielen behinderte und nicht behinderte gemeinsam Fußball – 1. Platz beim ODDSET Zukunftspreis des Hessischen Sports Im Fußballverein Teutonia Köppern liefert das „Team United“ eine Blaupause für Inklusion im Sport. Dafür gab es den ODDSET Zukunftspreis. Das Beste: Alle Beteiligten profitieren von diesem Projekt Vorbild. Der Begriff ist Bruno Pasqualotto zu groß, und auf seine Person möchte er ihn schon gar nicht beziehen. „Doch wenn es andere Vereine dazu bringt, es uns nachzumachen, dann sind wir gerne Vorbild.“ Wer wie Pasqualottos Verein Teutonia Köppern mit dem Projekt „Team United“ beim ODDSET Zukunftspreis des Hessischen Sports mit dem ersten Preis ausgezeichnet wird, der hat Nachahmenswertes geleistet. Der Teamleiter und seine Mitstreiter zeigen seit August 2013 nicht weniger als das: So funktioniert Inklusion. Heute stoßen regelmäßig Spieler anderer Nachwuchsmannschaften des Vereins zum Training hinzu. Auch nichtbehinderte Spieler kommen, die nicht dem Verein angehören und keine Fußballer sind. Sie interessieren sich, können ohne Leistungsgedanken Spaß mit anderen haben. „Inzwischen sind auf diesem Weg viele zu Mitgliedern geworden“, berichtet Pasqualotto. Und: Das Team United zahlt in die Vereinskasse ein. Eine Win-win-Situation, würde ein Unternehmensberater sagen. Für viele Eltern ist das Angebot ein Segen. „Wir sind so glücklich, dass es überhaupt ein Angebot für behinderte Kinder gibt, die Fußball spielen wollen“, sagt eine Mutter, „unser Sohn bewegt sich viel lieber, seit er regelmäßig trainiert.“ Für 35 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit und ohne geistiges oder körperliches Handicap sind die offenen Trainingseinheiten auf dem Sportplatz in FriedrichsdorfKöppern die Highlights der Woche. Ein Junge mit einer Entwicklungsverzögerung gab einst im D-Jugend-Training den Anstoß: Schnell und unproblematisch wurde er ins Mannschaftsgefüge integriert und machte selbst eine Riesenentwicklung. Das brachte Trainer Pasqualotto, in der Jugend einst Kapitän der A-Jugend von Eintracht Frankfurt, auf die Idee zu Team United. Zusammen mit Vereinskollege Thorsten Picha trieb er sie dann voran. Alle sind Gewinner Es gibt weitere Gewinner. Sogar Bruno Pasqualotto selbst zählt zu ihnen. Das Zusammensein auf und neben dem Platz „bringt mir persönlich ganz viel. Das habe ich vorher so nicht erwartet“. Da ist zum einen die emotionale Ebene. Pasqualottos Herz geht auf, „wenn ich beim Training und bei Spielen in die Gesichter schaue und das Glück sehe“. Genauso hat er als Trainer profitiert. „In den zweieinhalb Jahren habe ich viel über die Ansprache einer Mannschaft und über den Umgang mit Eltern gelernt. Das hat mich in meinem Alter noch Der Vereinssport in Hessen ist reich an guten Ideen. Diese bekannt zu machen, haben sich der Landessportbund und LOTTO Hessen mit der Vergabe des ODDSET Zukunftspreises des Hessischen Sports zur Aufgabe gemacht. Damit prämieren sie seit 2005 innovative Projekte, Modelle und Initiativen im Sportverein, die beispielhaft für andere Vereine sind. Eine Jury mit dem ehemaligen Bundesforschungsminister Prof. Dr. Heinz Riesenhuber legt die Preisträger und die Höhe des jeweiligen Preisgeldes fest, das von LOTTO Hessen zur Verfügung gestellt wird. In einer Serie stellen wir die Projekte der Preisträger vor. Sie zeigen, was in Hessens Sportvereinen geleistet wird und regen zum Nachahmen an. SIH 04 / 20.02.2016

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ODDSET ZUKUNFTSPREIS: SIEGERPORTRÄT nach vorne gebracht und hätte ich so nicht erwartet.“ Bruno Pasqualotto wird dieses Jahr 47. Schlüssig erklären, warum das Projekt derart gut funktioniert, fällt dem Teamleiter schwer. „Unglaublich, dass das alles so prima klappt. Wir haben damals gesagt, wir machen einmal und schauen, was auf uns zukommt. Heute steckt eine Dynamik drin, die so niemand erwartet hat.“ Mit fünf Spielern haben sie in Köppern angefangen. Inzwischen hat sich die Zahl versiebenfacht. „Anscheinend machen wir etwas richtig“, sagt Pasqualotto. Vor allem wohl das: „Wir hatten den Mut, den ersten Schr itt zu gehen.“ Das Trainerteam um ihn und Thorsten Picha ist inzwischen notwendigerweise aufgestockt worden „und harmoniert unglaublich gut“. Offenbar, mutmaßt Pasqualotto, haben sich die richtigen zusammengefunden. Ob eine Sache funktioniert oder nicht, „das liegt auch an den Menschen“. Und an ihrem zeitlichen Engagement. „Da kommen einige Stunden in der Woche zusammen“, bestätigt Pasqualotto. Genau rechnen mag er nicht. Zweimal Training die Woche ergäben so vier bis fünf Stunden, dazu das Organisatorische, man kann es sich ausrechnen. „Jeder im Verein freut sich“ Freilich lässt sich Engagement nicht allein an der Quantität messen. Anders verhält es sich mit dem Erfolg. Für ein Inklusionsprojekt eines Vereins ist die Zahl der Teilnehmer außerordentlich groß, ebenso seine öffentliche Wahrnehmung. Die Auszeichnung mit dem ersten Platz beim ODDSET Zukunftspreis des Hessischen Sports war im vergangenen Oktober der Höhepunkt. Vorher ehrten bereits die Taunus-Zeitung bei ihrer jährlichen Sportlerwahl, die Frankfurter Rundschau mit ihrer Schlappekicker-Aktion und der DOSB mit einem „Silbernen Stern des Sports“ das Team United. Die Anerkennung erfolgt nicht allein durch Preise. Der Hessische Fußball-Verband bat die Team-United-Kicker um die Durchführung eines Schnuppermoduls, die Lebenshilfe möchte gerne enger kooperieren und der Verein Teutonia Köppern ist stolz wie Bolle auf sein inzwischen berühmtestes Team. „Jeder freut sich, dass aus dem Projekt so eine große Mannschaft geworden ist“, sagt Pasqualotto. Die 15.000 Euro Förderprämie vom ODDSET Zukunftspreis werden zum größten Teil „in die Mannschaft“ investiert. Was in diesem Fall natürlich nicht den Einkauf eines neuen Innenverteidigers bedeutet, sondern beispielsweise im April die Teilnahme an einem Trainingslager in Bremen mit Freundschaftsspiel gegen die Kollegen von Werder. Das Team United will „Erlebnisse schaffen“, auch abseits des Fußballplatzes wird viel gemeinsam unternommen. Die Teilnahme an einem internationalen Sommercamp soll folgen, auch will das Team aus Köppern in diesem Jahr wieder an der Hessenliga für Fußballer mit intellektueller Beeinträchtigung teilnehmen. Der Verein profitiert ebenso von der ODDSET-Auszeichnung seiner Inklusionsgruppe: Die bereits mit dem Preisgeld angeschafften vier neuen Trainingstore für das Team United nutzen selbstverständlich auch die anderen Teutonia-Kicker. Oliver Kauer-Berk OBEN Bruno Pasqualotto (rechts) und Thorsten Picha (Mitte) haben das „Team United“ erfolgreich auf den Weg gebracht. UNTEN Dienstags und freitags wird trainiert. Die Sportler sind mit viel Spaß und Freude dabei. Alle Fotos: Team United LINKE SEITE, OBEN 35 junge Menschen mit und ohne Handicap kicken im „Team United“. Das spielt in der Hessenliga „Fußball-ID“. SIH 04 / 20.02.2016 29 Der Verein Der SV Teutonia 1910 Köppern ist ein Fußballverein mit drei Herrenmannschaften, zwei Damenteams in einer Spielgemeinschaft mit der SG Bad Homburg, mit einer Sondermannschaft älterer Männer, sieben Jugendmannschaften – und mit dem im August 2013 gegründeten Team United: eine integrative Gruppe für fußballbegeisterte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit und ohne Behinderung, aktuell im Alter von 10 bis 25 Jahren. Inzwischen sind es deren 35, die zweimal die Woche auf dem Sportplatz in Friedrichsdorf-Köppern miteinander Fußball spielen. Für dieses Projekt ist der Verein 2015 beim ODDSET Zukunftspreis des Hessischen Sports mit dem ersten Preis und einer Prämie von 15.000 Euro ausgezeichnet worden. Mehr Infos: team-united.de.

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30 S T E R N E D E S S P O R T S VfL Bad Wildungen räumt ab Weil er Flüchtlingen aus der ganzen Welt ein sportliches Zuhause bietet, ist der VfL Bad Wildungen in Berlin mit dem „Großen Stern des Sports“ in Gold 2015 geehrt worden Der „Große Stern des Sports“ in Gold geht 2015 nach Hessen: Ende Januar überreichten Bundeskanzlerin Angela Merkel, DOSB-Präsident Alfons Hörmann und Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), im Beisein von lsb h-Vizepräsident Rolf Hocke den Preis an den VfL Bad Wildungen. gement. Verliehen wurde der Preis nun schon zum zwölften Mal vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und den deutschen Volksbanken Raiffeisenbanken. Deren Präsident Uwe Fröhlich lobte in seinen Grußworten: „Ich bin jedes Mal wieder beeindruckt, mit welchen Angeboten die Vereine auf brennende aktuelle gesellschaftliche Themen reagieren und sich für andere einsetzen.“ Der Verein, Sieger auf der Landesebene, hat sich damit auch gegen die Projekte aus allen anderen Bundesländern durchgesetzt. Das ist kein Wunder: Bereits seit 2014, lange bevor die große Flüchtlingswelle hunderttausende Menschen nach Deutschland schwemmt, engagiert sich der hessische Verein in der Flüchtlingsarbeit („Sport in Hessen“ vom Dezember). Sport spricht alle Sprachen „Sport ist die Sprache, die jeder sofort versteht. Unabhängig von Hautfarbe, Religion und Nationalität gelten für alle die gleichen Spielregeln. Nicht woher du kommst, sondern wohin du willst, sind die entscheidenden Fragen“, sagte DOSB-Präsident Hörmann bei der Preisübergabe in Berlin. Beim VfL Bad Wildungen ist diese Theorie längst zur Praxis geworden: Beim gemeinsamen Fußball- oder Boxtraining, in Schwimmkursen oder in der Gymnastikgruppe kommen sich neue und alte Mitglieder zwanglos näher – ganz nach dem Motto des Projekts: „Kennen- und verstehen lernen – Flüchtlinge willkommen im Sportverein“. 10.000 Euro erhält der hessische Verein nun für sein Enga- Dies trifft auf den VfL Bad Wildungen in ganz besonderer Art und Weise zu: Er hat die gesellschaftliche Herausforderung „Flüchtlingsintegration“ nicht nur früh erkannt, sondern gleich ein breit angelegtes Konzept entwickelt: In Zusammenarbeit mit einem Partnersportverein sowie dem örtlichen „Runden Tisch Asyl“ wurden die Flüchtlinge nicht nur zum Sport ermutigt; ihnen stehen auch Sprach- und Sozialpaten zur Seite, die beim Deutschlernen helfen, Flüchtlinge zu Behörden begleiten und vieles mehr. Dass diese Zusammenarbeit zwischen Flüchtlingen, Verein und anderen Organisationen so reibungslos klappt, ist in großen Teilen Wolfgang Ochs zu verdanken. Das geschäftsführende Vorstandsmitglied des VfL Bad Wildungen e.V. hat die Flüchtlingsarbeit in der Kurstadt kontinuierlich vorangetrieben. Er war es auch, der den Preis in Berlin entgegennahm. Ein Interview: Herr Ochs, Sie haben den Goldenen Stern aus Händen der Bundeskanzlerin erhalten. Ein besonderer Moment? Absolut, anders kann man es nicht sagen. Vor allem, wenn man schon zur Übergabe des Silbernen Sterns in Wiesbaden OBEN Voller Stolz: Wolfgang Ochs , geschäftsführendes Vorstandsmitglied des VfL Bad Wildungen (2.v.l), nimmt den Goldenen Stern von Kanzlerin Angela Merkel entgegen. Auf dem Bild: DOSB-Präsident Alfons Hörmann (l.), lsb h-Vizepräsident Rolf Hocke (2.v.r.) und Karl Oppermann (Waldecker Bank, r.) Foto: Marco Urban SIH 04 / 20.02.2016

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