Schulverweigerung, Ruhrwerkstatt, Oberhausen

 

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inhaltsverzeichnis 1 einleitung 5 2 zum verständnis von schulverweigerung 2.1 schulbezogene faktoren 6 2.2 individuelle faktoren 7 2.3 familienbezogene faktoren 8 3 tipps und anregungen zum pädagogischen handeln 3.1 innerhalb von schulen 10 3.2 außerhalb von schulen 12 4 rechtliche rahmenbedingungen 4.1 schulgesetze erlasse für schule und jugendhilfe 15 4.2 behördliche zuständigkeiten für verschiedene schultypen 16 5 anhang .20 begriffsbestimmung schulverweigerndes verhalten 20 checkliste schulverweigerung ­ die 2 chance herausgeberin servicestelle jugendsozialarbeit des bmfsfj esf-regiestelle 2010 21 beispiel für die prozesssteuerung in der schule zum frühzeitigem entdecken von schulverweigerung 28 beispiel einer zeitnahen erfassung der entschuldigten und unentschuldigten fehltage 30 beispiel eines musterbriefes an die erziehungsberechtigten bei häufigeren krankheitsausfällen der schülerin/des schülers 32 oberhausener zahlenmaterial 33 unentschuldigte fehlstunden in haupt und förderschulen schuljahr 2010/11 33 ordnungswidrigkeiten schuljahr 2010/11 35 jugendgerichtshilfe in jugendarrest umgewandelte ordnungswidrigkeiten 36 unterstützungsanfrage 36 3

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1 einleitung die hier vorliegende handreichung ist das resultat eines langen prozesses von recherchen und Überlegungen gesprächen mit lehrkräften sozialarbeiterinnen und sozialarbeitern und betroffenen jugendlichen kindern und eltern in oberhausen das wesentliche ziel ist herauszuarbeiten wie schulverweigerndes verhalten verhindert minimiert oder diesem präventiv entgegenwirkt werden kann es war nicht unser anliegen eine wissenschaftliche arbeit zu präsentieren sondern eine praktische unterstützung für fachkräfte von schule und jugendhilfe zu entwickeln die nähere betrachtung der problematik hat auch für uns insider einige neue erkenntnisse vermittelt und bisher unbekannte aspekte beleuchten lassen bei der recherchenarbeit sind wir zudem über einige hürden gestolpert die erste stolperstelle war die definition wie definieren wir schulverweigerung bzw schulverweigerndes verhalten überhaupt welche quelle ziehen wir bei der definition zu rate Übernehmen wir eine pädagogische bestimmung stützen wir uns auf die jugendpsychiatrische sicht oder bildet der schulrechtliche begriff die grundlage?1 in der praxis wird der begriff der schulverweigerung meist im folgenden wortsinn verwendet schulverweigerung beschreibt das ganztägige oder stundenweise unentschuldigte fehlen einer schulpflichtigen schülerin oder eines schulpflichtigen schülers im unterricht mit oder ohne wissen der erziehungsberechtigten.2 diese definition ist dem schulrecht entlehnt und findet im allgemeinen im pädagogischen alltag verwendung natürlich werden darüber hinaus auch weitere sichtweisen anderer disziplinen schulphobie schulangst etc erklärt und eingebunden da sie das problem aus den verschiedensten richtungen versuchen zu beschreiben so wie die schulverweigerung selbst sind auch die ursachen nie monokausal oder etwa an ein bestimmtes milieu gebunden wir waren bemüht die verschiedenen erscheinungsformen und ausprägungen an praxisbeispielen zu erläutern neben der darstellung von hilfsmöglichkeiten und der vorstellung von kooperationspartnerinnen und -partnern in oberhausen finden sich im anhang hilfreiche textvorlagen und tipps ein herzliches dankeschön an alle fachkolleginnen und -kollegen aus dem oberhausener jugendamt und dem bereich schule für die tatkräftige unterstützung ohne die große hilfe hätte nachfolgendes werk nicht entstehen können wir hoffen dass wir eine für die praxis hilfreiche handreichung erstellt haben 1 zur begriffsbestimmung siehe erläuterungen im anhang seite 19 2 vgl thimm null bock auf schule ­ wie entstehen schulmüdigkeit und schulverweigerung ­ was kann man tun familienhandbuch.de 5

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2 zum verständnis von schulverweigerung jedes menschliche verhalten ­ auch das schwänzen der schule ­ macht aus sicht des individuums sinn und ist subjektiv ein versuch ein problem zu lösen wenn wir ein verhalten beeinflussen wollen müssen wir also zuerst versuchen es zu verstehen schulverweigerung hat meistens nicht nur mit schule zu tun das heißt dass die ursachen meist nicht nur im schulischen bereich liegen sondern es auch individuelle und/oder familiäre gründe sind die zu schulverweigerung führen die schuldzuweisungen verlaufen dabei meist in einem dreieck · der jugendliche macht schule und eltern verantwortlich · die eltern geben die schuld der schule und dem jugendlichen · die schule beschuldigt den jugendlichen und die eltern meist ist an allen zuweisungen und Überlegungen etwas wahres dran denn in der regel ist nicht nur ein einzelnes problem der grund warum ein kind oder eine jugendliche bzw ein jugendlicher nicht zur schule gehen in der regel ist es ein ganzes bündel von schwierigkeiten die zusammentreffen und sich gegenseitig verstärken so dass der schülerin bzw dem schüler aus eigener sicht nur noch die flucht in die schulverweigerung bleibt und das umso mehr je weniger positive kräfte zur verfügung stehen um diese schwierigkeiten auszugleichen es gilt also je mehr die im folgenden beschriebenen risikofaktoren zutreffen und je weniger schutzfaktoren vorhanden sind um die risikofaktoren zu kompensieren desto höher die wahrscheinlichkeit dass es zu schulverweigerung kommt ten erlebnisse und erfahrungen ihre interessen und probleme kommen im unterricht zu wenig vor lebensfremder unterricht fördert aber die distanz von schülerinnen und schülern schulangst leistung und konkurrenz sind in der schule vorherrschende prinzipien wenn es nicht gelingt diesen zu entsprechen führt das in den meisten fällen zu massiven problemen schlechte schulnoten stress mit lehrerinnen und lehrern und/oder eltern ablehnung durch mitschülerinnen und mitschüler usw die angst in einem der genannten bereiche den anforderungen nicht zu genügen kann von den jugendlichen mit aktiven schulvermeidungsstrategien beantwortet werden und das wiederholte stresserleben über längere zeiträume führt in vielen fällen sogar zu körperlichen symptomen wie kopf bauch und magenschmerzen diese symptome bilden dann die grundlage für weitere schulabsenz und eine verschärfung der probleme meist lässt sich bei ärztlichen 2.1 schulbezogene faktoren lebensfremde lehrinhalte alle beteiligten ­ lehrkräfte wie schülerinnen und schüler ­ beklagen häufig dass die lerninhalte zu abstrakt sind und wenig bezug zur lebensrealität der jugendlichen besitzen ihre außerhalb der schule gemach 6

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untersuchungen organisch nichts feststellen die erkrankung erweist sich als psychosomatisch ­ was die behandlung noch schwieriger macht und mit jeder verpassten schulstunde wird der druck größer und die versagensangst stärker gewalt und mobbing auch die angst vor anderen schülerinnen und schülern kann ein grund sein schule zu verweigern die gewalterfahrungen der betroffenen reichen von hänseln bedrohungen bis zum verprügeln vom terrorisiert werden durch einzelne größere und stärkere mitschüler und mitschülerinnen bis zum mobbing durch ganze schülergruppen dabei werden schüler die sozial und/oder körperlich anders sind aus sozialen gruppenzusammenhängen ausgegrenzt und schikaniert der versuch durch verweigerung vor dieser gewaltanwendung zu fliehen bringt den betroffenen schülern erst recht in eine außenseiterposition auch hier führt die angst also in einen teufelskreis gruppe verlassen und verliert ihre/seine gewachsenen sozialen beziehungen im neuen klassenverband besteht die gefahr dass die/der jugendliche schon wegen ihres/seines alters zum außenseiter wird sitzenbleiben kann also schulangst hervorrufen bzw verstärken dass sitzenbleiben pädagogisch unsinnig ist ist mittlerweile auch unter lehrkräften unstrittig es beeinträchtigt das selbstwertgefühl der kinder und erhöht deswegen die lernmotivation nicht vielmehr gilt es als scheitern und fördertsoziale diskriminierung die sitzenbleiber haben versagt in den eigenen augen und denen der anderen abschulung abschulung ist eine besonderheit des dreigliedrigen schulsystems sind die schulischen leistungen einer gymnasiastin bzw eines gymnasiasten oder einer realschülerin bzw eines realschülers nicht ausreichend wird sie/er nicht entsprechend gefördert sondern sie bzw er muss die schule verlassen da gesamtschulen in den kritischen klassenstufen 7 bis 9 klasse meistens voll belegt sind bleibt den betroffenen jugendlichen in der regel nur ein platz auf der hauptschule diesen abstieg empfinden die jungen menschen oft als degradierung und persönliche katastrophe nur wenige begreifen dies als chance doch noch einen abschluss wenn auch auf einem niedrigeren niveau zu erreichen auch abschulung kann dazu führen dass jugendliche sich aufgeben und von der schule abwenden das kann zu schulverweigerung und irgendwann zum endgültigen schulabbruch führen negative lehrer-schüler-beziehung wie gut das verhältnis zwischen lehrkräften und jugendlichen ist hängt oft von den schulischen leistungen ab gute leistungen werden mit guten noten und wertschätzung belohnt bei schlechten leistungen kann die lehrkraft die schwache schülerin/den schwachen schüler trösten und ermutigen und aufbauen oder sie kann ihr bzw ihm vorwürfe machen sie/ihn kränken und vor der klasse demütigen ein solches verletzendes lehrkraftverhalten kann die schülerin/den schüler demotivieren und das entstehen von schulangst fördern die/der jugendliche erfährt dass nur die eigene leistungsbereitschaft von interesse ist nicht aber die person das verhältnis zwischen lernenden und lehrenden ist geprägt von misstrauen und angst hinzu kann dann die erfahrung kommen dass die lehrkraft gelegentlich auch froh darüber ist wenn die/der schwierige jugendliche wegbleibt statt den unterricht zu stören in der konsequenz sind es dann auch zunächst die schulstunden dieser lehrkraft die boykottiert werden folgt darauf keine pädagogische intervention kann sich die verweigerungshaltung auch bald auf den gesamten unterrichtstag ausdehnen 2.2 individuelle faktoren bezüge literaturhinweise verhaltensstörungen hinweise auf das vorliegen einer verhaltensoriginalität oder verhaltensauffälligkeit sind fehlende konfliktbereitschaft fehlende selbstkritik mangelnde fähigkeit sich verbal auseinander zu setzten aggressivität hyperaktivität konzentrationsmangel aber auch Ängstlichkeit gehemmtheit oder minderwertigkeitsgefühle diese verhaltensstörungen können wiederum folge von verschiedenen ursachen wie veranlagung neurologischen störungen umwelteinflüssen und psychosozialen fehlentwicklungen sein oft fehlt es an selbstvertrauen in der fachliteratur gelten selbstkontrolle selbstvertrauen und sozialkompetenz jedoch als voraussetzungen für leistungsfähiges handeln jugendliche denen diese fähigkeiten fehlen haben große schwierigkeiten mit lehrkräften und mitschülerinnen und mitschülern zu recht zu kommen und geraten schnell in eine außenseiterposition.3 sitzenbleiben bemerkenswert ist dass ein sehr großer anteil von schulverweigernden jugendlichen einmal oder mehrmals eine klasse wiederholen musste sitzenbleiben ist für schülerinnen und schüler ein einschneidendes negatives erlebnis das offenbar in zusammenhang mit schulverweigerung steht die schülerin/der schüler muss die vertraute lern 3 vgl tobias engel schulverweigerung schulsozialarbeit als pädagogische intervention saarbrücken 2006 7

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lernschwächen als lernschwächen werden individuelle defizite in der bewältigung schulischer leistungsanforderungen wie konzentrationsschwäche oder motivationsstörungen bezeichnet aber auch lese-rechtschreibschwäche oder dyskalkulie fallen hierunter gehen diese probleme mit einer unterdurchschnittlichen intelligenz einher spricht man von lernbehinderung für die betroffenen sind die ständigen frustrationserlebnisse eine große belastung in der schule nicht mitzukommen sich nicht konzentrieren und motivieren zu können auf anerkennung verzichten zu müssen erzeugt einen großen leidensdruck dem sich die betroffenen kinder und jugendlichen oft nur noch durch flucht entziehen können 2.3 familienbezogene faktoren schulphobie im gegensatz zur oben beschriebenen schulangst liegt hier der auslöser für die angst nicht in der schule selbst bei der schulphobie bezieht sich die angst auf die trennung vom elternhaus und ist vermutlich folge einer frühkindlichen bindungsstörung wenn die bindung nicht als sicher und zuverlässig erlebt wird sondern unbewusst ständig befürchtet wird von der mutter verlassen zu werden kann ein kind keine autonomie entwickeln und sich selbständig und unabhängig in der außenwelt bewegen da eine solche angsterkrankung bereits im kindergartenalter auftritt ist die bezeichnung schulphobie nicht ganz zutreffend spätestens in der schule wird sie jedoch zu einem ernsten nicht mehr zu übersehenden problem weil das entsprechende vermeidungsverhalten zu schulverweigerung führt pubertät mehrere untersuchungen so auch die erhebungen für oberhausen im anhang zeigen dass das problem schulverweigerung am stärksten in den jahrgangsstufen 7 bis 9 auftritt also zum höhepunkt der pubertät4 das ist nicht zufällig so hormonelle auf und abs mit wechselnden gefühlslagen verwirren die jugendlichen und lenken sie von der schule ab in diesen momenten ist alles andere wichtig nur nicht die schule die mit ihrem lernangebot dieser spezifischen entwicklungsphase mit all ihren höhen und tiefen nur wenig rechnung trägt entsprechend groß ist auch die bereitschaft der jugendlichen zu schwänzen der weg vom schuleschwänzen zur schulverweigerung ist im allgemeinen nicht weit diese schulverweigerung richtet sich zunächst aber nicht in erster linie gegen die schule sondern das bedürfnis nach etwas anderem ist einfach größer so geben viele schülerinnen und schüler als grund für den beginn der schulverweigerung an sie hätten sich lieber mit freunden getroffen um während der schulzeit gemeinsam mit ihnen etwas zu unternehmen dieses verhalten ist für diese entwicklungsphase verständlich der freundeskreis nimmt an bedeutung zu während sie gleichzeitig anfangen sich vom elternhaus zu lösen sie testen grenzen aus und probieren sich in neuen rollen der scheinbar harmlose beginn der schulverweigerung entwickelt sich jedoch zu einem problem wenn freund oder freundin nach einer weile wieder zur schule gehen und die schulverweigernden allein zurück bleiben auf die dauer führt schulverweigerung also immer zu schulischer und sozialer ausgrenzung problematische familienverhältnisse ein großer anteil der verweigernden jugendlichen wächst in desolaten familienverhältnissen auf diese sind u a häufig geprägt von einer fehlenden tagesstruktur die es den schülerinnen und schülern erschweren einen routinierten tagesablauf einzuhalten warum auch sollen sie als einzige in der familie morgens früh aufstehen wenn die anderen familienmitglieder ausschlafen können wenn auch die geschwister nicht regelmäßig zur schule gehen und vater und/oder mutter keiner arbeit nachgehen können und der tag vor dem fernseher verbracht wird viele dieser lebenskonzepte sind oft auch folge von psychischen erkrankungen bzw suchtproblemen der eltern die deren erziehungsfähigkeit beeinträchtigen wenn ein allein erziehender elternteil sein leben selber nicht im griff hat werden kinder manchmal zum partnerersatz und müssen die verantwortung für das funktionieren der familie tragen womit jugendliche in der regel überfordert sind dieses auch als parentifizierung bekannte phänomen zeigt sich in einem rollentausch im verhältnis von kindern und eltern aus dem massive störungsbilder entstehen können ein typisches beispiel sind die mütter die sich als beste freundin ihrer tochter betrachten und sich damit ihre erziehungsverantwortung entledigen andererseits aber von ihren töchtern erwarten dass diese sich ihrer probleme annehmen wie erwachsene freundinnen und beziehungspartner es liegt auf der hand dass jugendliche die mit der lösung ihrer eigenen altersgemäßen aufgaben und probleme beschäftigt sind unter diesen bedingungen nicht die förderung und unterstützung erfahren die sie brauchen in manchen fällen kommt es sogar im gegenteil dazu dass die eltern das schulverweigernde verhalten ihrer kinder direkt oder indirekt unterstützen diese eltern haben in der regel selber schlechte schulische erfahrungen gemacht und stehen ihr distanziert und 4 vgl mit im anhang befindlichen statistiken oberhausen 8 bzw thimm familienhandbuch.de

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angstvoll gegenüber sie sind nicht wirklich davon überzeugt dass ein regelmäßiger schulbesuch sinnvoll und von nutzen für das spätere leben sein könnte und diese negative einstellung vermitteln sie auch ihren kindern sich gegen dieses negative vorbild der eltern abzugrenzen erfordert bei den jugendlichen schon ein sehr hohes maß an autonomie materielle armut langzeit-arbeitslosigkeit die damit verbundene materielle armut und fehlende soziale anerkennung stellen für die betroffenen familien häufig eine große psychische belastung dar diesen druck geben eltern meist unbewusst an ihre kinder weiter die literatur weist darauf hin dass gestresste eltern zu einem autoritären und inkonsequenten erziehungsverhalten neigen das bei den kindern die entwicklung eines abweichenden verhaltens begünstigt eltern die in ihrem erwerbsleben scheitern können nur schwer ihren kindern als positives vorbild dienen und sie für die eigene bildungskarriere motivieren der entstandene pessimismus der eltern kann bei den kindern perspektivlosigkeit angst und verunsicherung hinsichtlich der eigenen schulischen und beruflichen ausbildungschancen bewirken die erwartete chancenlosigkeit auf dem ausbildungsund arbeitsmarkt kann dazu führen dass schule für jugendliche ihren sinn verliert trennung und scheidung der eltern die trennung der eltern und die vorangegangenen konflikte können eine massive belastung für das familienklima bedeuten und sich negativ auch auf den erziehungsstil und die emotionale bindung zwischen eltern und kind auswirken durch die verringerung des einkommens verschlechtert sich für die verkleinerte familie oftmals die finanzielle und soziale situation zudem fällt die aufgabenteilung in haushalt und kindererziehung weg dadurch verringert sich auch die zeit für gemeinsame freizeitaktivitäten und dafür den Überblick über die schulische situation des kindes zu behalten leistungs und andere probleme können in solchen situationen leicht übersehen werden diese könnten jedoch erste anzeichen für eine beginnende schulverweigerung sein wichtig ist es zu beachten dass soziale probleme der familie schulverweigerung zwar begünstigen können dass es aber auch in stabilen familien schulmüde kinder gibt wohnortwechsel mit dem umzug der familie an einen neuen wohnort verändern sich für alle familienmitglieder alltägliche lebensgewohnheiten soziale beziehungen freizeitaktivitäten usw für kinder und jugendliche spielt auch die neuorientierung an einer neuen schule eine große rolle unbekannte lehrer und mitschülerinnen und mitschüler neue stundenpläne und räumlichkeiten erfordern ein hohes maß an orientierungs und anpassungsfähigkeit freundschaften müssen neu geschlossen und ein platz im sozialen gefüge der klasse muss neu gefunden werden wenn ihnen die dafür nötigen persönlichen bewältigungsstrategien fehlen und die unterstützung von außen unzureichend ist kann schulverweigerung eine mögliche reaktion sein 9

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3 tipps zum pädagogischen handeln anregungen für die praxis 3.1 pädagogische maßnahmen innerhalb der schule durch die pisastudie und den gegenwärtigen reformdruck gab es in der jüngsten vergangenheit viele veränderungen in der didaktischen und pädagogischen ausprägung von schule zur vermeidung oder zumindest verringerung von schulverweigerung braucht es im wesentlichen einige klare regelungen und pädagogische interventionsformen die angewandt werden müssen die klare und umgehende erfassung von fehlzeiten in der alltäglichen arbeit von sozialarbeitenden sowie pädagoginnen und pädagogen die sich mit schulverweigerung befassen ist der elementarste kritikpunkt dass die fehlzeiten bei schülerinnen und schülern bevor pädagogisch interveniert wird schon viel zu hoch sind dieses problem ist schulformübergreifend verstärkt sich allerdings der schulgröße die pädagogischen maßnahmen beginnen zu spät es zeigt sich dass fehlzeiten oft nicht präzise oder nur lückenhaft durch die schule belegt werden können für die arbeit mit schulverweigernden sind diese daten aber elementar fehlen die jugendlichen stundenweise oder meiden sie bestimmte lehrkräfte bzw fächer fehlten sie zu beginn oder zum ende der woche oder des tages all diese informationen lassen rückschlüsse auf das individuelle problem der schülerinnen und schüler zu angesprochen geschieht das mit einem brief oder per telefon werden die eltern eingeladen und wer ist an dem gespräch beteiligt wie wird falls vorhanden die sozialarbeiterin oder der sozialarbeiter eingebunden derartige vorgehensweisen schaffen klarheit auch für die eltern die sich bei problemsituationen gerne in eine abwehrhaltung begeben und sich schlimmstenfalls willkür ausgesetzt sehen ein vereinheitlichtes systematisiertes vorgehen schafft sicherheit für alle beteiligten als regel kann gelten je frühzeitiger und klarer reagiert wird desto besser wichtig ist es dabei wohlwollend und verständnisvoll auf die eltern zuzugehen um eine konstruktive zusammenarbeit zu ermöglichen schuldzuweisungen und vorwürfe sind im pädagogischen prozess immer fehl am platz umgang mit hohen entschuldigten fehlzeiten es lässt sich in der arbeit an schulen feststellen dass es eine große gruppe von schülerinnen und schülern gibt deren hohe fehlzeiten sowohl durch die eltern als auch durch einen arzt entschuldigt sind natürlich ist davon auszugehen dass bei diesen fällen ein ernstzunehmender grund vorliegt den unterricht nicht besuchen zu können in einigen fällen macht es allerdings sinn das entschuldigte fehlen genauer unter die lupe zu nehmen da sich dahinter eine von den eltern gestützte verweigerungstendenz verbergen kann regelmäßige entschuldigungen wie meine tochter konnte nicht kommen weil es ihr nicht gut ging oder verlängertes fehlen bei bagatellerkrankungen sowie häufiges fernbleiben wegen unspezifischer und wenig definierter krankheiten bauchschmerzen kopfschmerzen bzw fehlen im anschluss an das wochenende können warnsignale sein die auf schulverweigerndes verhalten hinweisen manche eltern erleben die schule als bedrohliches und autoritäres system und hatten vielleicht in der eigenen schulzeit probleme bei diesen eltern entstehen leicht Ängste dass ihre erziehungskompetenz durch die schule infrage gestellt werden könnte um konflikte zu vermeiden entschuldigen sie lieber ihre festlegung zur vorgehensweise bei schulverweigerung es ist ratsam an der schule eine klare vorgehensweise bei schulverweigerung zu etablieren dabei geht es nicht um die durch die gesetze schon klar geregelten maßnahmen wie z.b bei dem ordnungswidrigkeitsverfahren dafür sollte festgelegt werden wie von wem und bei welchem stundenumfang auf die fehlzeiten reagiert wird wann werden die eltern 10

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kinder wegen krankheit diese eltern brauchen zuwendung und unterstützung die erwartungen der schule gehen ­ nach einschätzung dieser eltern ­ an der realen lebenssituation der familien vorbei in anderen fällen kann es sein dass bei den eltern keine oppositionelle haltung zur schule besteht sondern dass sie es vielmehr nicht schaffen erzieherisch auf die sich entwickelnde verweigerungshaltung ihres kindes einzuwirken oder dass sie die augen davor verschließen in den fällen von erhöhten entschuldigten fehlzeiten sollten schulen die durch die eltern angegebenen erkrankungen der kinder ernst nehmen lehrkräfte und/oder pädagogische fachkräfte der schule sollten sich mit den eltern in verbindung setzten und um ein gespräch bitten da sich die schule auf die erkrankung des kindes angemessen einstellen und unterstützung anbieten sollte es ist sinnvoll die eltern per brief muster im anhang einzuladen da vielen eltern unvorbereitete telefonate durch lehrkräfte unangenehm sind und ihnen so die chance genommen ist sich auf das gespräch vorzubereiten die erfahrung zeigt dass ­ werden eltern im persönlichen gespräch ernst genommen ­ sie sich oftmals schnell für die problemlagen öffnen und hilfen seien es schulische oder außerschulische in anspruch nehmen in einzelfällen ist es hilfreich eine untersuchung des städtischen kinder und jugendärztlichen dienstes zu veranlassen dieser kann nach vorheriger rücksprache mit der schule eine gesundheitliche Überprüfung der schülerin bzw des schülers vornehmen und eine einschätzung über die beschulbarkeit abgeben schulklasse als soziale gruppe wahrnehmen das zusammensein in einer klasse von im schnitt 30 schülerinnen und schülern auf relativ engem raum ist eine herausforderung die im schulalltag häufig unterschätzt wird in dem lebensabschnitt der pubertät sind dann konflikte und auseinandersetzungen im klassenverband unvermeidlich verstärkende faktoren für schulverweigerung liegen unter anderem häufig in verstetigten gruppendynamischen problemen im klassenverband dazu einige beispiele · einzelne schülerinnen und schüler werden über einen längeren zeitraum vom rest der gruppe ausgegrenzt und schikaniert · konflikte zwischen verschiedenen kleingruppen haben zu frontenbildung innerhalb der groß gruppe geführt · auseinandersetzungen und konflikte in bestehenden freundschaften können über einen längeren zeitraum nicht gelöst werden andere schülerinnen und schüler werden mit hineingezogen konflikte dieser art führen im erleben der schülerinnen und schüler zu erhöhtem stress der ­ wenn das problem über einen längeren zeitraum nicht bearbeitet wird ­ zu vermeidungsverhalten und in weiterer konsequenz auch zu schulverweigerung in aktiver oder passiver form führen kann um von seiten der schule vorbeugend der schulverweigerung entgegen zu wirken ist es deswegen vor allem sinnvoll ­ insbesondere als klassenleitung ­ sich der gruppenstruktur und dem sozialen klima in der

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klasse zuzuwenden und gemeinsam mit den schülerinnen und schülern aktiv daran zu arbeiten als besonders sinnvoll für diese präventive arbeit haben sich konzepte erwiesen die es den schülerinnen und schülern ermöglichen in wechselnden kleingruppen gemeinsam projekte zu bearbeiten und problemlösungskompetenzen zu erlernen und vor allem spaß daran und miteinander zu entwickeln flankierend dazu ist es wichtig das erlebte und vor allem die schlüsse daraus gemeinsam mit den jugendlichen zu reflektieren und entsprechende transferleistungen in den klassenalltag zu unterstützen eine arbeitseinheit besteht in der regel aus einem einführungsteil einer aktiven einheit und einer anschließenden reflexion einen ausreichenden zeitrahmen bieten in der regel 90 minuten die möglichkeiten einen solchen prozess in einer klasse anzustoßen sind vielfältig und einfach umzusetzen methoden zu einer entsprechenden arbeit finden sich vor allem im bereich der erlebnisund freizeitpädagogik zu entsprechenden methoden im klassenverband gibt es vielfältige fortbildungsangebote und literatur in einigen schulen in oberhausen wird bereits das konzept der klassenstunde umgesetzt die zeit und einen rahmen bieten soll um sich den belangen der gruppe zu widmen um diese zeit im sinne einer bearbeitung der gruppendynamik sinnvoll nutzen zu können ist es notwendig über ein grundrepertoire an methoden und kommunikationshilfen aus den o.g bereichen zu verfügen die gruppenstunden im voraus zu planen und genügend zeit pro einheit einzuplanen werkstattplätze für schülerinnen und schüler in der jugendwerkstatt der ruhrwerkstatt die den schulbesuch an der regelschule verweigern schülerinnen und schüler aus unterschiedlichen schulformen aus dem 10 schulbesuchsjahr die über einen langen zeitraum nicht die schule besucht haben und trotz aller versuche nicht mehr in einen schulalltag zu integrieren sind arbeiten ganztägig in den werkstätten der jugendwerkstatt in kleinen gruppen lernen sie unterschiedliche berufsbereiche kennen bau gartenlandschaftsbau metallhandwerk und medienkunde sie probieren die unterschiedlichsten arbeiten aus und erfahren so mehr über ihre eigenen fähigkeiten der spätere berufseinstieg wird in der jugendwerkstatt durch pädagogische fachkräfte vorbereitet sie unterstützen die schülerinnen und schüler in ihrer persönlichen und beruflichen lebensplanung für ihren besuch in der jugendwerkstatt erhalten die schülerinnen und schüler einen anerkennungsbeitrag das schulamt der stadt oberhausen erkennt die leistungen der schülerinnen und schüler als schulbesuch an und unterstützt sie durch individuelle schulische angebote von lehrerinnen und lehrern die in die ruhrwerkstatt kommen und dort in kleinen gruppen handlungsorientierten unterricht anbieten nach beendigung der jugendwerkstatt erhalten die schülerinnen und schüler ein aussagefähiges zeugnis der ruhrwerstatt und der schulen ihnen wird bescheinigt dass sie ihre schulpflicht erfüllt haben die entscheidung ob schülerinnen und schüler in die jugendwerkstatt aufgenommen werden wird in absprache mit den schülerinnen und schülern den eltern oder erziehungsberechtigten und den beteiligten schulen bzw dem schulamt der stadt oberhausen und den fachkräften der jugendwerkstatt getroffen ab dem schuljahr 2011/2012 ist es möglich dass schülerinnen und schüler aus dem 10 schulbesuchsjahr die die jugendwerkstatt besuchen sich freiwillig auf eine externenprüfung zur erreichung des hauptschulabschlusses vorbereiten schülerinnen und schüler die durch ihren fehlenden schulbesuch zu geringe schulische kenntnisse besitzen um an einer herkömmlichen schule den schulabschluss zu erwerben bereiten sich mit individueller unterstützung der pädagogischen fachkräfte auf diese externe prüfung vor die jugendwerkstatt unterstützt sie bei der anmeldung bei der bezirksregierung düsseldorf und begleitet sie bei den schriftlichen und mündlichen prüfungen 3.2 pädagogische maßnahmen außerhalb der schule alternative lernorte alternativen zur regelbeschulung zeigen die interventionsversuche der schule keine wirkung oder sind sich die professionellen akteure und akteurinnen in ihrer einschätzung einig dass ein besuch des regelschulunterrichts nur schwer oder gar nicht zu realisieren ist müssen alternativen entwickelt werden in oberhausen kann dabei auf drei modelle zurückgegriffen werden die nach individueller prüfung der problemlage der schülerinnen und schüler in anspruch genommen werden können 12

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kontakt jugendwerkstatt der ruhrwerkstatt abteilungsleitung der jugendwerkstatt 0208/85756-35 info@ruhrwerkstatt.de www.ruhrwerkstatt.de beratungslehrer der hauptschule alstaden reinhard sohr über sekretariat der hs alstaden 377108-0 hauptschule-alstaden@oberhausen.de ein ähnliches angebot hält die kurbel ­ katholisches jugendwerk oberhausen ggmbh vor · die projektklasse außerschulischer lernort bietet unterricht in einer kleingruppe begleitet durch eine hauptschullehrkraft und 2 pädagogische fachkräfte als ganztagesangebot · das unterstützungsangebot bietet zusätzlich eine präventive individuelle betreuung von schülerinnen und schülern mit schulverweigernden tendenzen und deren familien ziel der projektklasse ist es schülerinnen und schüler ab 12 jahren die in einem erheblichen umfang die teilnahme am unterricht aktiv oder passiv verweigern zu stabilisieren und sie wieder an die regelschule zurückzuführen um einen schulabschluss zu ermöglichen die beschulung mit projektorientierten und motivierenden angeboten in der kleingruppe gibt ihnen die möglichkeit schule positiv zu erleben und sich in einem geschützten rahmen zu erproben die pädagogischen fachkräfte unterstützen intensiv während der beschulung und begleiten die rückführung in die regelschule in kooperation mit vier schulen 2 gesamtschulen und 2 hauptschulen in oberhausen bietet das präventive unterstützungsangebot für 12 schülerinnen und schüler und ihre familien individuelle und ambulante begleitung an hausbesuche beratungsgespräche und die enge zusammenarbeit mit der schule ermöglichen es dass eltern sowie die schülerinnen und schüler wieder den kontakt zur schule aufnehmen und durch den angebotenen förderunterricht den unterrichtstoff nachholen jugendwerkstatt statt schule seit mehreren jahren kann die kurbel acht ihrer insgesamt 32 plätze mit schülern in ihrem letzten schulbesuchsjahr besetzen hier handelt es sich um jugendliche die aus unterschiedlichsten gründen über eine längere zeit nicht mehr zur schule gegangen sind die beratenden lehrer und schulsozialarbeiter sehen bei ihnen kaum noch chancen auf eine regelmäßige und vor allem erfolgreiche unterrichtsteilnahme bis auf den berufsschultag und den extra-unterricht durch 2 hauptschullehrer nehmen sie an allen arbeits und lernveranstaltungen im wochenplan teil zur verfügung stehen plätze in den bereichen holzbearbeitung textilverarbeitung und gestaltung gesundheit und körperpflege hauswirtschaft sowie gastronomie und service kontakt büro der jugendwerkstatt 0208/99424-15 info@die-kurbel-oberhausen.de www.die-kurbel-oberhausen.de beratungslehrer der hauptschule alstaden reinhard sohr über sekretariat der hs alstaden 377108-0 hauptschule-alstaden@oberhausen.de kontakt koordinierungsstelle 0208/30586-44 oder 0170-4515972 das bus-projekt das bus-projekt betrieb und schule wird in oberhausen von der albert-schweitzer-hauptschule und der gesamtschule weierheide mit je 15 plätzen für die schülerinnen und schüler der entsprechenden schulform angeboten dieses projekt wendet sich an benachteiligte jugendliche im letzten pflichtschuljahr die die schule zum teil nach mehrfacher wiederholung einzelner schuljahre voraussichtlich ohne schulabschluss und ohne konkrete perspektiven für ihre berufliche zukunft verlassen allerdings setzt die teilnahme am bus-projekt das interesse an praktischer arbeit voraus da die schüler einen großen anteil ihrer zeit in praktikumsbetrieben verbringen auch müssen grundlegende soziale kompetenzen vorhanden sein da es sonst zwangsläufig zu konflikten im praktikumsbetrieb kommt schüler und schülerinnen die massive passive verweigerungstendenzen an der schule zeigen aber interesse am praktischen arbeiten haben sind hier gut aufgehoben projekt schulverweigerung ­ die 2 chance das vom bundesministerium für familie senioren frauen und jugend bmfsfj initiierte und aus mitteln des europäischen sozialfonds esf finanzierte projekt dient der wiedereingliederung von schulmüden kindern und jugendlichen in das schulsystem und der verringerung von schulabschlusslosen schulkarrieren bundesweit stehen 192 anlauf und beratungsstellen zur verfügung die koordinierungsstelle der ruhrwerkstatt arbeitet eng mit der öffentlichen jugendhilfe und dem schulamt oberhausen zusammen neben der beratung von eltern schülerinnen und schülern sowie schulen bietet sie in kooperation mit der gemeinnützigen gesellschaft für soziale arbeit mbh 13

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die gesamtschule weierheide lässt ausschließlich praktikumsstellen zu die auch ausbilden das vorrangige ziel der hauptschule albert-schweitzer ist es einen erfolgreichen Übergang in die arbeitswelt durch eine maßnahme der vertieften berufsorientierung im letzten pflichtschuljahr vorzubereiten und schülerinnen und schülern einen ersten eindruck in praktische arbeit nach deren wünschen fähigkeiten und vorkenntnissen zu ermöglichen der unterricht ist praxisorientiert und in einzelfällen ist es möglich den hauptschulabschluss nach der 9 klasse zu erreichen die von der gesamtschule weierheide vorliegenden zahlen zeigen eine vermittlungsquote von ca 50 in ausbildungsstellen des ersten arbeitsmarktes besonders interessierte und engagierte schülerinnen und schüler werden nach erlangen des hauptschulabschlusses nach klasse 9 in der hauptschule albert-schweitzer in praktika zur einstiegsqualifizierung und arbeits bzw ausbildungsstellen vermittelt das bus-projekt ist somit ein wirksames instrument zur vorbeugung von maßnahmekarrieren die haupt und gesamtschulen haben jeweils ein sehr stark an ihren schülern orientiertes eigenes profil die schwerpunkte lassen sich im einzelfall durch die dort tätigen pädagogen darlegen kontakt herr kraft herr poullion hauptschule albert-schweitzer sekretariat der hauptschule albert-schweitzer 0208 ­ 37709-60 gesamtschule weierheide dipl sozialarbeiter mario weißenfels raum b 101 egelsfurthstr 66 46149 oberhausen 0208/6995728 mario.weissenfels@oberhausen.de gesamtschule weierheide beratungslehrerin bettina ratajczak raum b 204 egelsfurthstr 66 46149 oberhausen tel 0208/6995731 bettina.ratajczak@oberhausen.de unterschiede der außerschulischen lernorte angebot träger kontakt/tel schulabschluss möglich zugangsvoraussetzungen ziel schulmüdenprojekte der jugendwerkstätten ruhrwerkstatt 0208-85756-0 die kurbel gesamtschule weierheide 0208-94424-0 ja hsa nach 9 klasse 10 schulbesuchsjahr erfüllung der schul pflicht berufliche orientierung 0208-69957-0 ja hsa nach 9 klasse 10 schulbesuchsjahr bus-klassen hauptschule albert-schweitzer 0208-3770960 berufliche orientierung vermittlung in ausbildung projektklasse der 2 chance gsa ruhrwerkstatt 0208-30586-44 nein ab 12 jahre bis ende 9 schulbesuchsjahr rückführung an die regelschule 14

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4 rechtliche rahmenbedingungen insbesondere formale vorgehensweise bei ordnungswidrigkeiten 4.1 schulgesetze erlasse für schule und jugendhilfe eine fülle von gesetzen beschäftigt sich mit der schulpflicht die eine große errungenschaft darstellt und ein schützenswertes gut ist im anhang sind auszüge aus gesetzen aufgeführt um die hier benannten rechtlichen tatbestände vertiefen zu können wichtig ist der grundsatz dass eltern gesetzlich dazu verpflichtet sind die kinder anzuhalten am unterricht teilzunehmen und sie zu unterstützen §41 schulgesetz nrw aber auch die kinder werden zur schulpflicht aufgefordert § 43 schulgesetz nrw im kommentar wird sogar darauf hingewiesen dass die pflicht zur teilnahme am unterricht nicht nur bloße anwesenheit sondern auch mitarbeit bedeutet bei dem problem einer beginnenden schulverweigerung spielen für die einzelnen schülerinnen und schüler zunächst die gesetze nur eine untergeordnete rolle das gleiche gilt für die eltern für sie ist es zunächst einmal eine erzieherische und weniger eine juristische frage auch der gesetzgeber sieht vor dass am anfang immer die pädagogische intervention der schule stehen soll bevor die verfehlungen geahndet werden wenn danach aber von seiten der schule z b ein ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet wird § 126 schulgesetz nrw das zu einer zuführung zwangsmittel gemäß §§ 55 bis 65 verwaltungsvollstreckungsgesetz nrw und zur verhängung eines bußgeldes führen kann ist es wichtig die gesetzlichen grundlagen zu kennen wenn das bußgeld z b nicht gezahlt werden kann wird es auf antrag in ordnungswidrigkeits-stunden umgewandelt vergleichbar mit sozialstunden werden diese sogenannten ordnungswidrigkeits-stunden nicht innerhalb der festgesetzten frist abgeleistet führt dies irgendwann zu jugendarrest so kann der mangelnde schulbesuch tatsächlich der anfang einer kriminalisierung werden dass viele schulverweigernde jugendliche es nicht schaffen die verhängten owi-stunden abzuleisten wundert nicht wenn berücksichtigung findet dass diese jugendlichen ohnehin große probleme mit kontinuität und auflagen haben so finden sich schülerinnen und schüler die nicht aus einem finanziell gut ausgestatteten umfeld kommen schnell im arrest wieder kinder aus familien die das bußgeld problemlos zahlen können bleiben davon verschont zusammenarbeit jugendhilfe ­ schule die zusammenarbeit von schule und jugendhilfe ist mittlerweile umfassend gesetzlich geregelt sowohl die schul als auch die sozialgesetzgebung weisen eindeutig darauf hin § 5 schulg für das land nordrhein-westfalen z.b beschreibt die Öffnung von schule in richtung außerschulischer partner womit auch die öffentliche jugendhilfe gemeint ist einfach gesagt schule wird dazu angehalten mit dem jugendamt zusammenzuarbeiten im fall der schulverweigerung heißt das schule ist gesetzlich dazu verpflichtet die schülerinnen und schüler zum regelmäßigen besuch der schule anzuhalten und pädagogisch in diesem sinne auf sie einzuwirken wenn diese pädagogischen interventionen fruchtlos bleiben und schule sich zu den oben beschriebenen ordnungsrechtlichen maßnahmen gezwungen sieht ist unverzüglich das jugendamt darüber zu informieren § 41 schulg nrw § 81 sgb viii kinder und jugendhilfegesetz fordert wiederum die jugendämter dazu auf mit den schulen im sinne des kindes zu kooperieren die praxis im schulischen alltag sieht jedoch oft anders aus die eltern und die schülerinnen und schüler selbst sind verpflichtet dafür sorge zu tragen dass sie am unterricht aktiv teilnehmen stellt die schule fest dass eine schülerin oder ein schüler die schule nicht oder nur unregelmäßig besucht muss sie mit den eltern ins gespräch kommen und unterstützung beim jugendamt 15

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oder anderen stellen suchen wird ein ordnungswidrigkeitsverfahren angestrebt muss die schule beim schulträger ihr pädagogisches einwirken dokumentieren 4.2 behördliche zuständigkeiten für die verschiedenen schultypen für die verschiedenen schultypen sind verschiedene behörden zuständig auch bei fragen der schulverweigerung für grund haupt und förderschulen führt die örtliche schulaufsicht die traditionell ihren sitz im schulamt hat die schulfachliche aufsicht aus für gymnasien gesamt und realschulen liegt die zuständigkeit bei den entsprechenden dezernenten der bezirksregierung im groben heißt das dass ordnungswidrigkeitenverfahren in dem einem fall von oberhausen und in dem anderen von düsseldorf aus durchgeführt wird die verfahrensweisen sind im wesentlichen identisch und werden in den nächsten punkten exemplarisch dargestellt 16

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